Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Shorty | Vaterersatz: Spenser und das Finale im Herbst – Robert B. Parker


Robert B. Parker – Spenser und das Finale im Herbst
Verlag: Pendragon
Übersetzer: Malte Krutzsch
188 Seiten
ISBN: 978-3865324863

 

Worum geht es?
Patty Giacomin heuert Spenser an, um ihren Sohn Paul von ihrem Mann Mel zurückzuholen. Die Giacomins haben sich scheiden lassen, Patty hat das Sorgerecht, doch Mel hat Paul mitgenommen. Recht schnell findet Spenser Paul, bringt ihn zurück, doch sieht, dass weder Patty noch Mel sich auch nur irgendwie für Paul interessieren, es geht einzig darum, dem anderen eins auszuwischen. Spenser kann das nicht mit ansehen und nimmt Paul bei sich auf.

Einer wie der andere?
Irgendwie ja und irgendwie auch nicht. Spenser hat zwar sehr viel, was andere Privatdetektive auch haben, aber eigen ist er irgendwie schon. Moralisch handelt er richtig, doch natürlich ist er damit nach Gesetz und Recht ein Entführer. Ach ja, und in Erpressung übt er sich auch noch.
Aber Hawk und Susan sind wieder mit dabei. Also irgendwie doch ein typischer Spenser Krimi.

Opfer, Tat und Täter
Paul ist das Opfer, definitiv. Nicht von Spenser, sondern von seinen Eltern. Der Junge ist so phlegmatisch, der würde sogar mich zur Weißglut treiben, doch bei den Eltern kein Wunder. Hauptsache sie können sich am anderen rächen, Paul ist ihnen egal.

Themen
Spenser erzieht einen Jungen. Nimmt ihn mit raus an den See, in eine Hütte. Treibt ihn zum Sport an, gibt ihm was zu essen, baut mit ihm ein Haus. Und geht mit ihm ins Ballett. Zugegeben, diese Initiative kommt nicht von Spenser, doch er hört dem Jungen zu. Und der will eben ins Ballett. Er gibt ihm Struktur, Halt, ein Vorbild. Hach, dieser Spenser.

Was war gut?
Man mag jetzt denken, dieser Spenser ist eher langweilig, Erziehungsprogramm und so. Aber nein, natürlich weiß Spenser auch so, wie er zu seinem Vergnügen kommt. Harte Kerle verprügeln, harte Kerle bedrohen, schnüffeln und sich absichern. Privatdetektiv par excellence plus diesmal eben Vaterfigur.

Was war schlecht?
Nichts zu finden – wie immer ein klasse Spenser Krimi.

FAZIT:
Spenser kann eben nicht nur Privatdetektiv, sondern auch Vorbild und Vaterfigur. Aber keine Sorge, mächtig Action gibt es auch. Wie immer: pures Lesevergnügen!


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12 Schritte: Trüb – Sarah Schulman


Sarah Schulman – Trüb
Verlag: Argument
Übersetzerin: Else Laudan
269 Seiten
ISBN: 978-3867542418

 

 

 

 

Maggie Terry ist Alkoholikerin und drogensüchtig. Maggie Terry ist jetzt über 18 Monate trocken. Ihren Job bei der Polizei hat sie natürlich verloren, gleiches gilt für ihre Lebenspartnerin Frances und ihre Tochter Alina. Wegen Frances hat sie überhaupt die Reha gemacht, gezwungen hat Frances sie und ist dann mit Alina zu einer Neuen gezogen. Das wurmt Maggie, sie vermisst Alina sehr. Doch ein Schritt nach dem anderen, denn immerhin hat sie Mike Fitzgerald. Und Rachel. Und Jamie Wagner. Mike gibt ihr nach der Reha einen Job, Rachel ist ihre Mentorin. Jamie Wagner ist ihr erster Fall als Privatermittlerin in Fitzgeralds Anwaltskanzlei.

„Jetzt konnte sie das erkennen. Sie war nur einfach unfähig, die Chance zur Veränderung zu ergreifen, unfähig, im Unrecht zu sein. Unfähig, nicht zu explodieren, nicht mit Vorwürfen zu antworten, sich nicht als Opfer von Missbrauch zu gerieren, weil ihre Liebste verlangte, dass sie zuverlässig war. Dass sie fair war. Sie hatte immer alles mit Feuer beantwortet. Und jetzt hatte sie Asche.“ (S. 107)

Puh, Maggie bei ihrem Neuanfang zu folgen, ist nicht ganz einfach. Der Fall um die erdrosselte Schauspielerin Jamie Wagner, ist nicht nur zuerst, sondern auch über weite Strecken eher eine Nebengeschichte. Klar, Maggies Gedanken drehen sich um Alkohol, um Drogen, um ihre Liebsten, die sie verloren hat, denen sie aber auch die Schuld gibt, oder zumindest eine Mitschuld, bitteschön! Sie kann sich kaum auf Kleinigkeiten konzentrieren, treibt von AA-Treffen ins Büro und wieder in ihr kleines Apartment. Es ist authentisch, ja, aber auch hin und wieder anstrengend. Gerade anfangs dachte ich, geht es denn mit dem Fall nie los? Maggie badet in einem Moment im Selbstmitleid, derweil sie im nächsten Einsicht zeigt. Alles garniert mit ihrem analytischen Blick. Denn auch wenn sie früher besoffen und zugedröhnt war, eine gute Polizistin war sie schon.

Die Ermittlungen zu Jamie Wagner übernimmt Maggie nicht alleine, sondern zusammen mit Craig, auch ein Privatermittler der Kanzlei und ein IT-Freak. Das muss sich nicht nur einrütteln, sondern Craig hat massive Vorurteile über Maggie. Da ist er nicht alleine, denn die Kollegen im Büro sind entweder offen ablehnend und misstrauisch oder herzlich und euphorisch. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die beiden Männer in Jamies Leben: ihren Exfreund, einen berühmten Schriftsteller, und ihren Vater, bei dem schon bald klar ist, dass seine Beziehung zu Jamie ein Missbrauchsverhältnis war. Aber auch eine windige Therapeutin steht auf dem Plan. Wie es der Zufall so will, unternimmt Maggie einige Befragungen alleine und stößt dabei nicht nur auf Jamies Dämonen, sondern auch auf ihre eigenen, so dass sich die beiden Leben ineinander flechten, ohne sich jemals berührt zu haben. Ähnlichkeiten tun sich auf, auch wenn beide Frauen unterschiedlicher nicht sein könnten. Worte, Wendungen, Personen erinnern Maggie immer wieder an ihr Leben und sie driftet ab in Erinnerungen, Erinnerungen, die ihr sauer aufstoßen, bei denen sie vor allem Frances alle Schuld zuweist und doch weiß, dass das nicht die Lösung ist. Sie pendelt von sich zu Jamie und wieder zurück, immer auf der Suche nach der Lösung. Der Lösung des Falles, aber auch der Lösung für ihr Leben.

Ah, und nicht zu vergessen: New York. Maggie war lange weg und so bekommt sie die Veränderungen, die New York durchmacht, direkt um die Ohren gehauen. Alte, eingesessene Geschäfte, die nun leer und abweisend sind oder jetzt ein weiteres In-Restaurant oder die nächste Filiale einer Kette beinhalten, die vielen Yuppies und Reichen, die New York plötzlich bevölkern, wobei sie das gar nicht tun und die Straßen fast schon verwaist scheinen. Die New Yorker fehlen, verschwinden, diejenigen, die New York diesen tollen Ruf eingebracht haben. Gentrifizierung und Trump/Kushner, das ist mit New York geschehen und Maggie Terry erkennt ihre Stadt nicht mehr. Das Deli, welches Maggies im morgendlichen Ritual besucht, muss schließen, von einem Tag auf den anderen, dafür gibt es jetzt gegenüber Soja-Latte und kalt-gepresste Säfte für 10 Dollar. New York ist kein Ziel mehr, für die, welche die Offenheit, Wandelbarkeit, Unverwechselbarkeit von New York suchen, es ist nur noch ein Ziel für Reiche und welche, die noch reicher werden wollen. Etwas, dass mal außergewöhnlich war, was nun auf Einheit und Gleichheit getrimmt wird. Die Autorin übt Kritik, an ihrem veränderten New York, an dem neuen American Way of Life, an Donald Trump – und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Schonungslos grast sie die Zeitungen ab, konfrontiert mit immer irreren, aber leider wahren Nachrichten, zeigt das zerstückelte New York, und untermalt damit die Geschichten der beiden verlorenen Schicksale, das von Maggie Terry und Jamie Wagner. Doch nur eine hat noch die Chance das Schicksal zu wenden.

Und mag das jetzt alles doch ein wenig trostlos klingen, ist der Krimi doch ein so wundervoll komplex verwobenes Gebilde, welchem man ohne jegliche Verwirrungen folgen kann, welches man aufsaugt und in welches man sich sinken lässt. Ja, ein wenig trostlos, ja, ein wenig trüb, auch ein wenig schwer, aber so genial noir, dass man das Buch mit einem zutiefst zufriedenen Gefühl zuklappt. Nicht nur weil er superb geschrieben ist und mit Maggie Terry eine so widersprüchliche wie realistische Alkoholiker charakterisiert, sondern auch, weil Maggie am Ende, wenn auch nicht am Ziel ihres Weges, zumindest einen Schritt weiter ist. Nicht 6, nicht 8, schon gar keine 12 Schritte, aber einen. Einen wichtigen Schritt weiter.

Fazit:
So genial wie noir – wo war Sarah Schulman all die Jahre? Mit ihrem neuen Krimi legt die Autorin eine wahre Glanzleistung vor, die trotz all der Düsternis ganz wunderbar unterhält. So wie ein Noir eben sein soll. Ich bin begeistert!

 

Noch ein Appell zum Schluss:
Liebe Else, bitte grabe die 7 vor vielen Jahren bei Ariadne erschienen Krimis von Sarah Schulman wieder aus. Denn diese Autorin ist genial und ich möchte und will gerne alle ihren Krimis lesen, die nun aber leider nur noch schwer antiquarisch zu bekommen sind. Wie stehen die Chancen dafür?


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Shorty | Weißmützen-Eldorado: Bärenblues – Joe R. Lansdale


Joe R. Lansdale – Bärenblues
Verlag: Golkonda Verlag
Übersetzer: Steve Ayan
275 Seiten
ISBN: 978-3946503040

 

 

 

Worum geht es?
Florida Grange ist verschwunden. Die Rechtsanwältin und Haps Ex, ist nach Grovetown gefahren, um verschollene Aufnahmen einer Blueslegende zu suchen. Hap und Leonard begeben sich also auch dorthin, um Florida zu finden. Grovetown ist ein hübsches kleines Städtchen – für Weiße. Ist man anderer Hautfarbe hat man hier nichts zu lachen, denn der Klan ist hier nicht nur aktiv, sondern diktiert das Dorfleben.

Einer wie der andere?
Hap und Leonard sind keine Privatdetektive, doch irgendwie landen sie immer in Geschichten, bei denen sie Fragen stellen. Oft die falschen Fragen. Nichtsdestotrotz machen sie damit die Pferde scheu und bekommen ordentlich eins auf die Fresse. In Grovetown erreicht das eine neue Höchstleistung. Verdammte Rassisten!

Opfer, Tat und Täter
Hap und Leonard sind Opfer, Florida auch. Die Täter sind Rassisten und Nicht-Rassisten. Kommt ganz darauf an, welches Verbrechen man untersucht.

Themen
Heute spricht man von Alltagsrassismus, Rassismus, der sich eingeschlichen hat, den man fast schon unbewusst benutzt – doch Lansdale packt hier die große Keule aus. In Grovetown ist es wie in den 60ern, vor Martin Luther King, vor Rosa Parks. Weißmützen, Ku-Kluxer – auch wenn sie sich hier die Ritter von Sowieso nennen – ist aber auch egal, Rassist bleibt Rassist.

Was war gut?
Wer auf Action steht, bekommt hier ordentlich was geboten, auch wenn man stellenweise Angst haben muss, dass die beiden Helden sang- aber keinesfalls klanglos untergehen. Grovetown bietet trotz einiger „normaler“ Menschen eine bedrohliche Kulisse, ein Kaff, welches ich in keinem Reiseführer finden möchte. Wie gut, dass am Ende nicht mehr viel von dem Dörfchen steht… auch wenn nicht Hap und Leonard daran „schuld“ sind, der Gerechtigkeit wird genüge getan.
Ich kann mich ja immer wahnsinnig über sowas aufregen: Feminismus, Sexismus, Rassismus. Manchmal fällt es mir da schwer weiterzulesen. Bei Hap und Leonard lief das aber anders. Die beiden können ordentlich was abkriegen und sind trotzdem unzertrennlich, moralisch auf der richtigen Seite und haben absolut keine Lust aufzugeben.

Was war schlecht?
Nichts zu finden…. Außer vielleicht, dass ich jetzt wohl bei Teil 6 weiterlesen muss, denn die dazwischen liegenden Teile sind noch nicht beim Golkonda-Verlag erschienen (ich vermute, dass die Lizenzen noch anderen Verlagen gehören), oder ich versuche die anderen Teile antiquarisch zu kriegen. Ach, aber eigentlich hätte ich die 2 anderen Teile schon auch gerne mit den genialen Covern des Golkonda-Verlags…

FAZIT:
Ein bärenstarker weiterer Band mit den „Best Buddies“ Hap und Leonard. Ein wenig gruselig, bei den ganzen Weißmützen, und harter Tobak für die beiden, aber ne Menge Spaß für jeden Leser.


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Sogwirkung: Psychose – Blake Crouch


Blake Crouch – Psychose
Verlag: Goldmann
Übersetzerin: Kerstin Fricke
416 Seiten
ISBN: 978-3442489701

 

 

 

 

“Psychose” ist der erste Teil der “Wayward Pines” Trilogie, welche der Heyne Verlag gerade im Monatstakt veröffentlicht. Wenn ich es richtig gesehen habe, gab es das Buch schon im Selfpublishing und wurde nun, nachdem das ganze als erfolgreiche Serie vermarktet wurde, vom Goldmann Verlag nochmal aufgegriffen. Da ich den Hype bisher nicht mitbekommen habe, finde ich es also hervorragend, dass diese Trilogie nochmal aufgenommen wurde, denn – soviel kann ich schon mal verraten – ich fand es genial.

Ethan Burke ist Secret Service Agent und auf der Suche nach zwei verschwundenen Agenten, die sich zuletzt gemeldet haben, als sie auf dem Weg nach Wayward Pines waren. So macht sich auch Burke auf den Weg, wird in einen Autounfall verwickelt und wacht benommen und mit Gedächtnisverlust neben einem Fluss in Wayward Pines auf. Nach und nach kommen seine Erinnerungen zurück, doch trotzdem ist irgendwas merkwürdig an dem kleinen Städtchen.

Tatsächlich stellt es sich nun schwierig heraus, grob zu umreißen, wohin die Geschichte sich wendet, denn ich mag den anderen Lesern keine der Kleinigkeiten verraten, die Ethan Burke nach und nach herausfindet und natürlich schon gar nicht die große Auflösung am Ende, aber genau diese, die Antwort auf die Frage “Was ist los in Wayward Pines?” ist so drängend in das Buch gearbeitet, dass man quasi nicht mehr aufhören kann weiterzulesen. Man muss einfach wissen, was hinter all dem steckt. Ich habe das Buch tatsächlich in einem Tag verschlungen, sogar in wenigen Stunden, einfach weil es für mich so einen Sog entwickelt hat, dass ich eben unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht, bzw. welches Geheimnis Wayward Pines hütet.

Dabei könnte man, wenn man denn wollte an einigen Sachen herummäkeln. Klar ist das Buch nun kein literarisches Meisterwerk, doch den Anspruch hat es eben auch gar nicht. Es reicht völlig, eine unheimliche, mysteriöse Atmosphäre aufzubauen. Beim Lesen hatte ich ganz viele Ideen im Kopf, was das Dorf sein könnte, welches Geheimnis hier verborgen liegt, wie es ausgehen könnte, und doch kommt es ganz anders. Man grübelt und grübelt, geht mit Ethan Burke durch die Stadt und hat dabei ständig diese Kribbeln im Nacken. Als ob einen jemand beobachtet. Man blickt die sauberen Straßen an, die wohnlichen Häuser, die netten Barbecues und obwohl alles normal aussieht, stimmt etwas nicht. Man weiß es einfach, man kann nur nicht genau sagen, was nicht stimmt.

Auch Ethan Burke braucht eine Weile und seine Nachforschungen gehen nicht einfach über die Bühne. Er ist im übrigen die einzige Figur des Buches, die mehr Hintergrund und Charakter verliehen bekommt, die anderen sind nichts weiter als gute Statisten. Burkes Suche nach der Wahrheit ist im Übrigen nicht leicht. Ich möchte ihn hier doch mal kurz als “John McClane” zwischen zwei Buchdeckeln bezeichnen, denn so wenig Essen, Schlaf und Genesung der Kerl kriegt, so viel Prügel steckt er im Gegenzug ein. Aber ihn zu einem Haudrauf zu reduzieren wäre auch nicht richtig, tatsächlich zeigt sich, dass er sich auch durch Hartnäckigkeit und Dickköpfigkeit auszeichnet und immerhin versucht diese verquere Geschichte zu lösen.

Das Ende war nicht nur für mich überraschend, sondern auch für Burke und ich mag fast behaupten, dass man kaum drauf kommen kann. Trotzdem schließt man das Buch mit einem guten Gefühl und das möchte ich dem Autor zu gute halten, denn obwohl es eine Trilogie ist, ist der erste Teil abgeschlossen, so dass man nach der Lektüre auch aufhören könnte. Allerdings werde ich auf jeden Fall weiterlesen, denn ich frage mich, wie es jetzt weitergeht, welchen Twist der Autor in den nächsten beiden Teilen der Trilogie bietet – und ja, ich hoffe und erwarte ein mindestens genauso spannendes Buch, welches bis zum Schluss sein Geheimnis nicht preis gibt und meinem Gehirn wieder die Möglichkeit gibt, unendliche Lösungen zu finden, die es dann doch nicht sind.

Fazit:
Unheimlich spannend und mit unglaublicher Sogwirkung – man muss wirklich unbedingt wissen: Was ist los in Wayward Pines?

 


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Shorty | Ritter nicht gesucht: Bodyguard für Rachel Wallace – Robert B. Parker


Robert B. Parker – Bodyguard für Rachel Wallace
Verlag: Pendragon
Übersetzerin: Uta Tanner
224 Seiten
ISBN: 978-3865325075

 

 

 

 

Worum geht es?
Rachel Wallace, bekennende Feministin und Lesbe, bekommt Morddrohungen aufgrund ihres neusten veröffentlichten Buches, nicht aufgrund des Themas, sondern durch einige Enthüllungen, die sie im Buch verpackt hat. Ihr Verleger engagiert daraufhin Spenser, um für ihre Sicherheit zu sorgen. Spenser nimmt den Aufrag an, doch Rachel tut sich schwer von dem Macho Spenser behütet zu werden.

Einer wie der andere?
Spenser ist wie immer – auf Gedeih und Verderb – dem Überleben seiner Klientin verschrieben, auch wenn die ihn irgendwann feuert. Aber Spenser zeigt immer vollen Einsatz, ob Klient oder Klientin, ob der oder die möchte oder nicht. Er tut sich nur schwer damit, zu verstehen, dass Hilfe nicht immer gleich Hilfe ist.

Opfer, Tat und Täter
Rachel Wallace ist das Opfer, Drohbriefe und Entführung sind die Taten, die Täter unterschiedlich, aber alle Idioten.

Themen
Auch in diesem Teil nimmt sich Robert B. Parker wieder ein schwieriges Thema vor, zumindest in Kombination mit seinem recht machohaften Spenser: Feminismus. Rachel Wallace steht öffentlich zu ihrer Sexualität und tritt für den Feminismus ein. Dies ruft natürlich wieder Fanatiker und Eiferer auf den Plan. Seufz… all die bösen Lesben, welche die kleinen Schulmädchen auch zu Lesben machen wollen… ja ja. Gruselig, diese überholten verqueren Moralvorstellungen und die geifernden religiösen Fanatiker.
Mittendrin Spenser, der zwar kein Macho ist, aber eben doch der Typus Mann, der als Ritter in schimmernder Rüstung das Burgfräulein vor dem Drachen rettet. Keinen von den beiden  – weder Macho noch Ritter –  mag Rachel Wallace in ihrer Welt haben, Rachel will gar keinem Mann zur Verfügung stehen und den Ritter macht sie selbst. Das Mittelalter ist vorbei.

Was war gut?
Es gefällt mir gut, dass Parker in den letzten zwei Krimis relevante Themen aufgegriffen hat und – man höre und staune – diese auch heute noch relevant sind. Man mag vielleicht meinen, dass es solche Fanatiker nicht mehr gibt, doch einige sind wohl immer noch übrig und unglaublicherweise werden es zur Zeit auch wieder mehr. Natürlich muss der heutige Feminismus eher gegen die patriarchalischen Strukturen und gesellschaftlichen Missgriffe kämpfen, die sich so manifestiert haben, dass sie als „normal“ betrachtet werden.
Ich könnte hier natürlich noch viel mehr schreiben, aber ich mache es kurz: egal welchem Thema sich der Autor widmet, in einem Spenser Krimi verpackt, kann er mich damit immer überzeugen!

Was war schlecht?
Ob Spenser wohl was aus diesem Fall gelernt hat? Dass man Frauen nicht immer retten muss, dass Frauen das durchaus selbst können. Dass Frauen auch das meinen, was sie sagen, auch wenn die männliche Hilfe gut gemeint ist, aber eben unerwünscht. Ich hoffe es…

FAZIT:
Auch wenn ich mich wiederhole: Spenser Krimis sind immer klasse. Auf zum nächsten!

 


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Shorty | Terror: Neun Mörder – Robert B. Parker


Robert B. Parker – Neun Mörder
Verlag: Pendragon
Übersetzerin: Monika Elwenspoek
216 Seiten
ISBN: 978-3865325099

 

 

 

 

 

Worum geht es?
Bei einem Terroranschlag in London sterben Frau und Tochter des reichen Geschäftsmanns Hugh Dixon, er selbst überlebt schwer verletzt. Die Organisation „Liberty“ bekennt sich zu dem Attentat. Ein Jahr nach dem Anschlag engagiert Dixon Spenser, er soll die neun Attentäter aufspüren, nachdem die Polizei nur mit Zeichnungen aufgrund Dixons Erinnerungen ausgestattet, nicht erfolgreich war. Und Dixon ist es völlig egal, ob Spenser die Täter tot oder lebendig aufspürt, nur Beweise will Dixon sehen.

Einer wie der andere?
Harter Tobak diesmal. Dixon war mit seiner Familie in einem Restaurant, es war kein politisches oder militärisches Ziel, es war schlicht und einfach Terror. Spenser lockt also nicht nur Dixons fürstliche Bezahlung, sondern das heere Ziel, diese Organisation aufzuspüren. Das ist gar nicht so leicht, muss er dafür doch sein angestammtes Gebiet verlassen. Von London über Kopenhagen nach Amsterdam – Spenser in Europa!

Opfer, Tat und Täter
Unschuldige Opfer, eine sinnlose Tat und verblendete, fanatische Täter

Themen
Terror ist kein Thema des neuen Jahrtausends, auch wenn es vielen so vorkommt. Und Religion ist kein Alleinstellungsmerkmal hierbei. Das Buch verfasste Parker Ende der 70er und die Ziele von „Liberty“ sind so verworren und unlogisch wie fanatisch: gegen die Kommunisten,  für die Vernichtung der Schwarzen, Afrika für die Weißen. Doch auch hier funktioniert die Organisation wie heute noch – es gibt Geldgeber und Führer im Hintergrund und verblendete Massen, die sich lenken lassen und sich in die erste Reihe stellen. Erschreckend.

Was war gut?
Spenser in Europa! Und Spenser holt Hawk nach! Yeah!
Wie vermutet, darf Hawk jetzt öfters mitspielen und ist definitiv eine Bereicherung für die Krimis, auch wenn ich den Söldner jetzt nicht als Protagonisten haben wollen würde. Da ist mir Spenser doch lieber, dessen Gerechtigkeitssinn, Einsatz für seine Klienten und Ausdauer mich immer wieder begeistern. Die Story ist schon ein hartes Stück, sinnloser Terror ist einfach schwer zu verdauen. Gelungen fand ich allerdings auch, dass Spenser nach Erfüllung des Auftrags keineswegs aus Europa abreist…

Was war schlecht?
Eigentlich finde ich es ja gut, dass die Spensers nur so 200+ Seiten haben, aber manchmal möchte ich doch länger was davon haben. Wie gut, dass ich noch so ca. 30 Bände vor mir habe….

FAZIT:
Ich bin und bleibe Spenser-Fangirl – die Krimis um den gerechtigkeitsliebenden und niemals aufgebenden Privatdetektiv haben es mir einfach angetan.

 


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Begeisterung pur: Die Reise – Marina Lostetter


Marina Lostetter – Die Reise
Verlag: Heyne
Übersetzerin: Irene Holicki
558 Seiten
ISBN: 978-3453318274

 

 

 

 

Eins vorweg – dieses Buch ist unheimlich klasse. Es war so spannend, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Und dabei war ich zuerst wirklich skeptisch, ob ich das Buch überhaupt lesen sollte. Ob das funktionieren kann. Aber beginnen wir am Anfang.

Beschreibt der englische Titel “Noumenon” das Projekt des Buches, finde ich den deutschen Titel “Die Reise” unheimlich passend. Denn nichts anderes beschreibt die Autorin hier. Eine 200 (eigentlich 2000) Jahre lange Reise, in etwas mehr als 500 Seiten. Kann nicht funktionieren? Doch, und das sogar ganz hervorragend.
Im Jahre 2088 werden verschiedene Projekte zur Finanzierung vorgestellt, die alle das Ziel haben, den Weltraum zu erforschen. Mit dabei Reggie Straifers Projekt um LQ Pyx (eigentlich LQ Pyxidis), einen weit entfernten Planeten mit einer Besonderheit, der eine 200jährige Reise entfernt ist, dies allerdings im SD Raum, so dass auf der Erde in der gleichen Zeit 2000 Jahre vergehen. Ein Konvoi aus Schiffen wird gebaut, 15000 Personen werden losgeschickt. Eine eigenständige, abgeschottete Gesellschaft, mit dem einzigen Ziel: zu LQ Pyx hinfliegen, herauszufinden, was die Besonderheit ist, diese zu erforschen und mit den Ergebnissen zurückkehren.

Wer denn nun ein Problem damit hat, dass man keinen durchgängigen Hauptcharakter hat, der ist hier tatsächlich falsch aufgehoben, nichtsdestotrotz gibt es eine kleine, aber übersichtliche Anzahl an Protagonisten, welche in der gesellschaftlichen Entwicklung der 200jährigen Reise (ein wenig länger dauert sie aufgrund verschiedener Umstände dann aber doch noch) eine Rolle spielen und jedes wichtige Stadium beleuchten. Die Reise ist natürlich zu lange für ein Menschenleben, so dass die Missionsmitglieder immer wieder geklont werden. Schon die Erstbesatzung besteht hauptsächlich aus Klonen, die jahrelang auf diese Mission vorbereitet werden. Das Ziel der Mission muss 200 Jahre überdauern und ist deshalb die wichtigste Regel. Nichtsdestotrotz muss die Besatzung des Konvois mit vielen Kleinigkeiten und großen Problemen kämpfen, die einer abgeschotteten, 15000 personenstarken Gesellschaft eben begegnen können.

Ressourcen müssen aufgeteilt, rationiert, hergestellt werden, Wartungen müssen betrieben werden, gleichzeitig konkurrieren Effizienz und Bedürfnisse miteinander, decken die verschiedenen Schiffe die benötigten Bereiche ab: wohnen, forschen, lagern usw. Mit dabei ist auch K.I.C., die künstliche Intelligenz des Konvois, die nicht nur Technik ist, sondern auch Verantwortung und Führung übernimmt, nie allein, aber soweit ihre Programmierung sie lässt.
Irgendwie ist der Konvoi wie ein Mikrokosmos und obwohl „nur“ 200+ Jahre auf den Schiffen vergehen, hat man das Gefühl die Geschichte der Erde im Kleinen nachzuerleben. Natürlich angepasst an die Zukunft und eben verkürzt, doch auch wenn es sich hier ganz klar um Science Fiction handelt, geht es um gesellschaftliche Entwicklungen, Gruppendynamik und psychologische Aspekte.

Nun hört sich das alles sehr immens an, doch die Autorin springt immer mal wieder Jahrzehnte vorwärts, präsentiert aber dann einen längeren Abschnitt des Geschehens an Bord aus Sicht eines Protagonisten, so dass man das Gefühl hat, Novellen zu lesen, die ein gemeinsames Gerüst eint. Der Konvoi wächst einem ans Herz, man folgt ihnen gespannt, fiebert in allen Konflikte mit und erforscht mit ihnen LQ Pyx, bis man wieder bei der Erde ankommt, doch auch hier ist das Abenteuer noch lange nicht zu Ende. Man beachte nun, dass man weit mehr als 2000 Jahre später hier aufschlägt, die Kommunikation zur Erde ist schon lange verstummt und jeder im Konvoi ist immens nervös als sie wieder bei der Erde eintreffen. Umso entsetzter war ich von der Erde im Jahre 4101 (271 Jahre nach dem Start des Konvois). Ich finde die Entwicklung, welche sich die Autorin für die Erde ausgedacht hat, nicht unwahrscheinlich, aber sehr fokussiert auf ein Thema, nur um ein Beispiel zu nennen, spart sie sich jede klimatische Veränderung aus und geht hier nicht darauf ein. Nichtsdestotrotz bietet diese zukünftige Erde den Grund, den sie am Ende bestimmt beabsichtigt hat, denn wenn ich richtig gesehen habe, gibt es schon einen nächsten Teil, von dem ich hoffe, dass er auch bald übersetzt wird, damit die Reise weiter gehen kann.

Fazit:
Ich weiß, irgendwie habe ich nicht viel gesagt, aber ich hoffe doch, meine Begeisterung ist ein wenig übergesprungen. Ich finde die Idee genial und auch die Umsetzung hat mir gut gefallen – auch wenn ich die Erde der Zukunft nicht so leiden kann, ist sie gut so, wie sie ist, denn es bedeutet, dass die Reise weitergeht!