Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Die Fünfziger: Bluescreen – Dan Wells


Dan Wells – Bluescreen
Verlag: Piper
Übersetzer: Jürgen Langowski
364 Seiten
ISBN: 978-3492280211

 

 

 

 

Die meisten kennen Dan Wells bestimmt von seinen Krimis aus Täter-Perspektive. Ich nicht, aber natürlich ist er mir trotzdem ein Begriff. Das vorliegende Buch ist nun ein Zukunftsroman, Science Fiction. Und der Klappentext verrät nun gar nicht, dass es ein Jugendbuch ist und somit war ich doch ein wenig erstaunt.

Wir befinden uns im Jahre 2050 und Los Angeles hat sich zur Größe eines Bundesstaates ausgedehnt. Arbeit gibt es kaum noch, alles wird von Nulis erledigt, kleine Roboter bzw. Drohnen, die quasi überall zum Einsatz kommen. Das Smartphone wurde ersetzt durch die Djinnis, mit denen man alle Infos mit Gedanken, Blinzeln, Zwinkern oder ähnlichem abrufen kann, aber auch direkt im Netz arbeiten kann oder in die Spielewelt kommt. So wie Marisa, ein 17jähriges Mädchen aus Mirador, einem Stadtteil von LA. Sie befindet sich auf dem Weg zur Berühmtheit, gemeinsam mit 4 ihrer Freundinnen, zwei aus LA, eine aus Indien und eine aus China. Denn ihr Team spielt gemeinsam in Overworld, einem Adventuregame.

Als dann die Droge Bluescreen, aufgeladen auf einen Stick, erscheint, die einen kurz in ungeahnte Höhen schickt und dann für 10 Minuten ausknockt, ist Marisa skeptisch. Vor allem als ihre Freundin Anja diese nimmt und nicht 10 Minuten bewusstlos ist, sondern anfängt, ferngesteuert herumzulaufen und ihren Vater anzugreifen. Marisa und ihre Freunde beginnen nachzuforschen und entdecken eine weit größere Verschwörung als „nur“ eine neue Droge.

Ich so froh – ich hab einen Jugendthriller gelesen, fast schon einen Dystopie und es gab überhaupt keine Dreiecksbeziehung. Ja, ja, ich weiß, ich bin da pingelig, aber ist doch wahr, dass die meisten dieser Bücher immer eine Dreiecksbeziehung haben – warum auch immer. Mich nervt das. Und ich bin Mr. Wells unheimlich dankbar, dass er sich das gespart hat. Merci!

So gut wie keines der Mädels geht zur Schule – wer den Stoff nicht lernt, hackt eben die Prüfungsergebnisse. Die drei Mädels aus LA – Marisa, Sahara und Anja – sind nämlich mit Djinni und Co. aufgewachsen und nicht nur ziemlich pfiffig, sondern pfeifen auch auf irgendwelche Regeln… oder Firewalls. Zwar schon immer mit einer gesunden Portion Zurückhaltung, aber gehackt wird trotzdem. Auch hier lobend zu erwähnen, dass wir von Hackerinnen sprechen. Very nice. Nichtsdestotrotz sind die Mädels halt doch immer noch Mädels und sorgen sich hin und wieder auch um Kleidung und Jungs.

Die Nachforschungen, die Marisa und Co. anstellen, bleiben natürlich nicht unbemerkt und die Mädchen bringen sich selbst in Gefahr. Und auch wenn der Autor hier Gangs und Kanonen aus dem Portfolio holt, ist das Ganze doch einen Gang zurückgeschaltet. Damit meine ich, dass der Autor hier wesentlich mehr hätte auffahren können, doch dann hätten die Mädchen vermutlich aufgeben müssen. Das nimmt der Geschichte aber nicht die Spannung, sondern ergänzt sich und bietet trotzdem viele Wendungen und Überraschungen.  Für mich war das ein gelungener Zeitvertreib am Sonntagnachmittag!

Fazit:
Spannung und Action im LA der 50er Jahre, der 2050er: Mit taffen, jungen Hackerinnen, die einer neuen Droge den Garaus machen wollen und dabei in ein Wespennest stoßen. Sehr positiv zu erwähnen: es gibt keine Dreiecksbeziehung. 😉


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A bis Z: Orphan X – Gregg Hurwitz


Gregg Hurwitz – Orphan X
Verlag: HarperCollins
Übersetzer: Mirga Nekvedavicius
464 Seiten
ISBN: 978-3959671026

 

 

 

 

Orphan X wurde als Waisenkind von der Regierung heimlich als Auftragsmörder ausgebildet. Sein Ausbilder Jack fügt den zu lernenden Regeln aber einige hinzu und so kommt es das Orphan X sich eines Tages von der Regierung abwendet und private Aufträge annimmt. Er hilft Menschen, die in Situationen geraten, aus denen sie sich nicht mehr selbst befreien können. Sein mittlerweile wichtigstes Gebot hierbei ist das Zehnte: Lasse niemals einen Unschuldigen sterben.

Orphan X nennt sich nun Evan Smoak, lebt abgeschottet und einzig auf Sicherheit bedacht in einem Apartmenthaus und sein nächster Auftrag kommt von einem Mädchen, dass von einem korrupten Cop bedrängt wird. Überraschenderweise ist dieser Auftrag, der auf dem Klappentext erwähnt wird, ziemlich schnell abgehandelt und man fragt sich kurz: was nun? Doch schon kurz darauf erhält er einen Anruf, einen nächsten Auftrag. Viel zu früh in Evans ausgeklügeltem System und Evan ist zu Recht misstrauisch.

Leider gibt es dann einen Abschnitt, der ein wenig zäh ist. Evan taucht in seine Vergangenheit ab und in Rückblenden erlebt man Teile seiner Ausbildung, während im Hier und Jetzt Zweifel durch seine Gedanken streunen. Doch zum Glück kommt er nicht lange dazu, denn die Ereignisse überschlagen sich und er muss alles tun, um seine Auftraggeberin Kathrin zu schützen. Durch sein auf Sicherheit bedachtes System gelingt es ihm immer wieder Pausen für sich und Kathrin herauszuschlagen, doch die Gegenseite ist nicht nur genauso gewitzt, sondern fast schon einen Ticken besser und es wird schwieriger und schwieriger. Und vor allem wird es immer schwieriger für Evan herauszufinden, wem er trauen kann.

Ich wollte mal wieder einen Thriller lesen und ja, ich fand ihn gut. Richtig passend. Es gab eben mal kurz diese Länge als der erste Auftrag erledigt ist, doch auch die Rückblenden haben ihren Sinn, wenn sich dieser natürlich auch erst später ergibt. Das Orphan Programm bietet neben X noch viele weitere Buchstaben und so ist auch klar, dass das Buch der erste Teil einer Reihe ist, auch wenn man nach und nach merkt, welche Schnüre im Hintergrund gezogen werden.

Natürlich ist Evan aka Orphan X bestens in allem ausgebildet, einzig mit alltäglichen Dingen hat er seine Schwierigkeiten, sei es die Eigentümerversammlung im Apartmenthaus oder Small Talk im Aufzug. Auch der kleine Nachbarsjunge mit seiner hektischen, alleinerziehenden Mutter bringt ihn immer wieder in – für ihn – ungewöhnliche Situationen. Hier beschert das Buch sogar einige Situationen, die zum Schmunzeln anregen. Natürlich ist der „Orphan“ ein kleiner Kampfroboter und es gibt sehr viel Action in diesem Buch, plus Verletzungen, die ihn aber natürlich nur unwesentlich beeinträchtigen. Nichtsdestotrotz hat er sehr viele Zweifel und da er sich von seinem ehemaligen Arbeitgeber losgesagt hat, steht er allein da. Keiner kann ihm Rat bieten und selbst wenn, würde Evan ihm wohl nicht vertrauen. Ob wohl einer kleiner Junge es schafft, diesen Wall zu durchdringen?

Fazit:
So wie man einen Thriller mag: Viel Action und Spannung, geheime Verwicklungen im Hintergrund, ein paar Kleinigkeiten zum Schmunnzeln und einen Helden, den so schnell nichts umhaut. So soll es sein!


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Verwirrspiel: Dunkelheit, nimm meine Hand – Dennis Lehane


Dennis Lehane – Dunkelheit, nimm meine Hand
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Peter Torberg
510 Seiten
ISBN: 978-3257300437

 

 

 

 

Es gibt einen freudschen Stolperer, den ich schon beim ersten Teil der Reihe „Ein letzter Drink“, gemacht habe und wie eine liebenswürdige Angewohnheit beibehalten habe. Für mich werden die Protagonisten wohl weiterhin McKenzie und Gennaro heißen, auch wenn der Autor das „Mc“ nicht eingebaut hat und der männliche Teil des Privatdetektivduos einfach nur Patrick Kenzie heißt. Ich finde, es passt so gut. Aber lassen wir das mal beiseite, denn ich denke, es wird ein allgemeiner Konsens herrschen, wenn ich hier behaupte, dass die Neuveröffentlichung der Reihe im Diogenes-Verlag wirklich gelungen ist und zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Einzig die Frage, warum das Rückcover nun denn weiß ist und nicht wie der Rest des Buches in schwarz gehalten, bleibt für mich ungeklärt.

Kenzie und Gennaro werden von der Psychologin Diandra Warren um Hilfe gebeten. Jemand bedroht das Leben ihres Sohnes und sie vermutet, dass die Mafia dahinter steckt, da sie einer Patientin geholfen hat, die mit einem Mafioso liiert war. Die Privatdetektive finden schnell heraus, dass die Mafia doch nicht dahinter steckt, doch in Ermanglung anderer Alternativen beginnen sie mit der Überwachung des Sohnes, der ein gleichzeitig langweiliges und doch illustres Leben führt. Als sich die Hinweise verdichten, dass Diandras Sohn nicht der einzige ist, der bedroht wurde und zudem die vorigen Opfer alle sterben mussten, führen alle Spuren zu einem Mann. Doch dieser sitzt seit Jahren hinter Gittern. Wer ist also für die aktuellen Vorkommnisse verantwortlich? Um das herauszufinden, müssen Kenzie und Gennaro diesmal tief in der eigenen Vergangenheit wühlen.

Ich sage es mal ganz schnörkellos: Dennis Lehane ist ein Meister seines Faches. Da mag man den einen Krimi mal mehr, den anderen mal etwas weniger, aber es ist immer eine Freude, einen Krimi von Lehane zu lesen. Er hat dieses gewisse Etwas, gar nicht so literarisch, aber einfach mitreißend zu schreiben und gleichzeitig Charakterzeichnungen und Lebensgeschichten nebenher und nach und nach aufzubauen, so dass man sich am Ende des Buches nur ungern von seinen neuen Freunden trennt.

Und das gelingt ihm nicht nur bei den Hauptrollen, sondern bis in die Nebenrollen sind seine Charaktere grundsätzlich interessant, auch wenn sie noch so langweilig sind. Die Charakterzeichnung ist eben eindringlich und lebendig. Man mag das Buch gar nicht zuklappen – oder eben direkt zum nächsten greifen, um weiter mit Kenzie und Gennaro Fälle zu lösen. Das Ermittlerpärchen wächst einem ans Herz und der Autor lässt einen oft genug bangen, ob das Team Bestand hat. Privat sind die beiden schon seit Kindertagen verwickelt und dennoch kein Paar, doch irgendwie knistert es immer mal wieder zwischen ihnen. Vor allem, da Gennaro sich nun endlich von ihrem prügelnden Mann getrennt hat, aber wie es eben so menschlich ist, ist auch diese Sache noch nicht ausdiskutiert und es knistert weiter gewaltig, wenn auch keinesfalls so sehr, dass der Fall verdrängt werden würde.

Das Spektrum der Handlung ist diesmal weit gefasst. Beginnend mit nervenzerreißenden Gesprächen mit der Mafia folgt eine Phase recht langweiliger Observierung des jungen Warren bis dann nach und nach die anderen Mordfälle auftauchen und der Handlung neuen Schwung verleihen. Leider sind Kenzie und Gennaro irgendwann zur Passivität gezwungen und auch wenn viele Ereignisse das Geschehen auflockern, zeigt es doch ein paar wenige Längen bis dann ein fulminantes Finale erfolgt. Es ist ein Verwirrspiel, dass der Serientäter mit den Protagonisten treibt. Doch auch wenn es ein Auf und Ab in der Ermittlung gibt, bleibt das Buch spannend, so weiß Lehane doch gut mit anderen Dingen aufzufüllen. Er kann es eben. Ein Meister seines Genres, dessen Serie nun in neuem Gewand aufgelegt wird. Sehr gut. Bitte mehr davon!

Fazit:
Auch im zweiten Fall bieten Kenzie und Gennaro grandiose Unterhaltung und eine spannende Ermittlung. Der nächste Teil darf gerne schnell nachgelegt werden!


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42: Des Menschen Wolf – Apostolos Doxiadis


Apostolos Doxiadis – Des Menschen Wolf
Verlag: Tropen
Übersetzung: Barbara Heller
320 Seiten
ISBN: 978-3608501575

 

 

 

Ach, was sind die nachtragend, diese Mafiabosse. Schließlich war es nur eine Kneipenschlägerei, bei der Ben Frank, recht alkoholisiert, aus Versehen den Sohn von Tonio Lupo umbringt. Und so verhängt er über Ben Franks drei Söhne Al, Nick und Leo die maledizione, eine Blutrache. Lupos Sohn musste mit 42 Jahren sterben, so sollen auch Ben Franks Söhne nur bis zu ihrem 42ten Lebensjahr auf der Erde wandeln. Da Leo aber erst gerade in die Schule gekommen ist und der Mafiaboss kränkelt, kann Tonio Lupo die Blutrache nicht mehr selbst ausführen und beauftragt einen seiner Getreuen mit dieser Aufgabe. Und zwar nur mit dieser einen Aufgabe, abzuwarten, bis jeder der Brüder 42 geworden ist und ihn dann zu ermorden. Wie schläft es sich, wenn man genau weiß, wann man sterben muss?

Mafia und Rache? Gehört wohl zusammen wie Butter und Brot und ist jetzt auch keine große Überraschung. Auch die Rache an Familienmitglieder ist in diesen Kreisen mehr als üblich. Die besonderen Bedingungen dieser Rachegeschichte sind allerdings nicht ganz so üblich, um nicht zu sagen, dass mir diese noch nicht in der literarischen Welt begegnet sind. Ein Racheversprechen an den Kindern des Delinquenten – ausgesprochen von einem alten, kranken Mann? Es ist wohl eine Sache der Mafiaehre, dass die Beauftragten Tonio Lupos letzten Wunsch überhaupt so lange verfolgen. Immerhin sprechen wir mitunter von über 30 Jahren. Wie gut, dass Lupo sich hier einige Gedanken gemacht hat und neben der Ehre noch ein paar Milliönchen als Bezahlung drauf legt – natürlich nur nach Erfolg der Aufträge.

Der Erzähler in dieser Rachegeschichte ist ein alter Mann im Seniorenheim, der über zwei Nächte einem Fremden, die Geschichte auf ein Tonband spricht. Für ein Buch eine ungewöhnliche, aber sehr erfrischende Art, eine Geschichte zu erzählen. Die Beteiligung des alten Mannes an der Geschichte denkt man sich dann auch recht schnell, denn es wird genau geschildert, wie sowohl das Leben der 3 Brüder abläuft, als auch das des Mörders – und irgendwas muss der Erzähler doch damit am Hut haben! Die jeweiligen Kapitelübersichten sind mit drei Männchen (je nach Lebenszustand) markiert, derweil der Mörder den Wolf als Symbol zugeordnet kriegt, da er im Auftrag von Tonio Lupo handelt. Diese kleinen Hinweise fand ich entzückend – im Übrigen genauso gelungen wie das Cover selbst. Doch nicht nur die Gestalter des Romans hatten ihren Spaß, sondern auch der Autor lädt mit der Zahl 42 dazu ein, sich schmunzelnd ein anderes Werk in Erinnerung zu rufen.

Die Lebensgeschichten der Brüder sind sehr ausführlich und teilweise detailverliebt geschildert und der alte Mann steuert dann auch hin und wieder Kommentare dazwischen. In meinem Lesefluss gab es ein paar Längen, doch man kann dem Autor keineswegs vorwerfen, die Charaktere nicht genau gezeichnet zu haben. Doch auch die Kommentare des alten Mannes sorgen für Auflockerung und die Lebensgeschichten sind nichtsdestotrotz recht kurzweilig und unterhaltsam. Ab einem gewissen Zeitpunkt reiht sich dann die Lebensgeschichte des Wolfes mit ein, nicht ganz so ausführlich, dafür füllt diese dann die Lücken der Geschichten von Al, Nick und Leo. Alle drei Brüder wählen unterschiedliche Wege, um ihrem Schicksal zu entkommen und zeigen sich dabei sehr einfallsreich und gewieft. Es macht Spaß den Dreien bei ihren Überlegungen zu folgen, doch auch wenn die Bedrohung ständig über allen Aktionen schwebt, dauert es natürlich schon eine Weile, bis der “Wolf” in Aktion tritt, bzw. die Aktion vorbereitet. Teilweise bekommt er hierfür sogar überraschende Hilfe, die dann aber doch etwas konstruiert wirkt.

Das Genre des Kriminalromans ist weit gefasst und so passt denn auch “Des Menschen Wolf” hinein und bietet wohl bekannte Zutaten. Und auch wenn die Lebenswege der drei Brüder viel Unterhaltung bieten und eine ständige leise Drohung im Hintergrund schwebt, bietet das Buch doch irgendwie auf weiten Strecken wenig Spannung. Zum Ende hin zieht der Spannungsbogen natürlich an, trotzdem war ich vom Ende ein wenig enttäuscht, da es für mich ab einem gewissen Zeitpunkt vorhersehbar war.

Fazit:
Eine besondere Rachegeschichte, die unterhaltsam als Geschichte erzählt wird und durch ihre genaue Charakterzeichnung lebt.


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In den Bergen: Karges Land – Erik Storey


Erik Storey – Karges Land
Verlag: Piper
Übersetzer: Wulf Bergner
320 Seiten
ISBN: 978-3492060677

 

 

 

 

Clyde Barr ist erst seit Kurzem zurück in seiner Heimat, als er einen Anruf seiner Schwester Jen erhält. Lance Alvis, ein Drogenboss, der den Markt von drei Staaten kontrolliert und mit Gewalt und Tücke darüber herrscht, hält Jen fest. Der Anruf wird unterbrochen und so muss Clyde erst mal Lance Alvis Versteck aufspüren, bevor er seine Schwester aus dessen Klauen befreien kann. Doch zum Glück kann Clyde einiges vorweisen, um den Kampf gegen diesen mächtigen Gegner aufzunehmen.

Fangen wir mal mit was ganz einfachem an: ich hatte riesigen Spaß beim Lesen des Thrillers. Es war für mich genau die richtige Geschichte zur richtigen Zeit. Die Seiten sind mir durch die Finger geflutscht und das Buch war in null komma nix ausgelesen. Die Sogwirkung, die ein Thriller mitunter entwickeln kann ist schon unglaublich. Geholfen hat mir hierbei auch, dass es eben einfach nur spannend war und ich nicht groß nachdenken musste. Der Beginn hält erst mal keine Überraschungen bereit – böser Mann klaut holde Jungfer und Ritter macht sich auf, um sie ihm zu entreißen – doch die Geschichte hat mir einfach gut gefallen. Sagen wir mal so: nichts zum groß mitdenken, sondern einfach zum „wegsaugen“.

Nichtsdestotrotz hält der Thriller natürlich einige Dinge bereit, an denen man herummäkeln könnte. Angefangen bei Clyde Barr, der schon als junger Erwachsener in die Welt gezogen ist: Afrika, Naher Osten, Südamerika. Immer in Krisengebieten, meist auf der Seite der Unterdrückten, im Kampf gegen Regime und Diktaturen. Ein Söldner, aber natürlich ein Guter. Solange bis er auch mal seinen Vorteil daraus zieht und im Knast landet. In Mexiko. Damit verscherzt er es sich mit zwei seiner drei Schwestern – einzig Jen, das andere schwarze Schaf der Familie, bleibt mit ihm einigermaßen in Kontakt. Clyde kennt sich also aus – im Umgang mit allerlei Waffen, mit dem Leben in der Wildnis, mit dem Nahkampf… you know, eigentlich mit allem, was man bei der Jagd auf einen Drogenboss so brauchen kann.

Und dann gibt es natürlich noch den weiblichen Part. Allie.
Allie arbeitet als Kellnerin in der Kneipe von Lance Alvis Bruder. Und auch wenn die Brüder nicht die engste Beziehung pflegen, kann Allie einiges an Informationen beitragen. Doch daraufhin ist sie nicht mehr so beliebt an ihrem Arbeitsplatz, weswegen sie Clyde dann begleitet, bzw. sich quasi aufdrängt. Für Clyde ist das, nun ja, zum Teil Belastung, zum Teil Vergnügen, denn die reizende Allie ist… na ja, eben sehr reizend.

Also schon irgendwie sehr stereotyp – über den bösen Drogenboss Lance Alvis will ich da mal gar kein zusätzliches Wort verlieren. Alles eben sehr schwarz oder sehr weiß. Aber ich will, wie gesagt gar nicht groß rummäkeln, denn mir hat der Thriller viel Lesespaß bereitet und da kann ich über diese Dinge locker mal hinwegsehen. Zudem hat der Thriller doch noch einige kleine Überraschungen beinhaltet, so kann das Ende zwar mit einer Art Happy End aufwarten, hat aber doch einen schalen Nachgeschmack, da nicht alle wesentlichen Personen das Ende erleben.

Abschließend muss ich allerdings noch einen Kommentar zum Umschlagsbild los werden: es gab überhaupt keinen Hubschrauber! Sowas. Und wenn ich nochmal genauer hinschaue, ist die Landschaft dort eher flach und karg – im Buch allerdings finden die meisten Handlungen in den Bergen statt. Hmm… was soll ich sagen? Thema verfehlt? Naaaa…. Zumindest der Pickup lässt sich wiederfinden.

Fazit:
Spannende Kost für Zwischendurch – nicht das Hirn überanstrengen, sondern einfach lesen und genießen.


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Erpresser oder Ermittler?: Drei am Haken – Lawrence Block

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Lawrence Block – Drei am Haken
Übersetzer: Stefan Mommertz
200 Seiten
ISBN: 978-1537402284

 

 

 

 

Beim ersten neu übersetzten Buch der Matthew Scudder Reihe ist es mir ja nicht gelungen, eine Rezension zu schreiben. Manchmal ist einfach viel los im Leben. Und ich hab das sehr bedauert, denn gerade diese Reihe sollte bekannt gemacht und weiter empfohlen werden, denn diese Reihe wird durch Lawrence Block in Zusammenarbeit mit den Übersetzern Stefan Mommertz und Sepp Leeb in Eigeninitiative neu übersetzt und veröffentlicht. Dieses Projekt kann sich in Gänze – also mit allen Übersetzungen der 16 Romane und 10 Kurzgeschichten rund um Scudder – nur lohnen, wenn die Bücher genügend Abnehmer finden. Jetzt ist es natürlich so, dass ich dies nicht ohne Grundlage empfehle, nein, mir hat der erste Teil “Die Sünden der Väter” außerordentlich gut gefallen und er hat es in meine Top 11 für 2016 geschafft. Mit “Drei am Haken” legt der Autor nun den zweiten Teil nach – und das mit einer ungewöhnlichen Geschichte, aber nicht minder spannend.

Jake Jablon, genannt “Schnipser”, hat für Matthew Scudder einen skurrilen Auftrag. Seit der Schnipser in eine gefährlichere Branche gewechselt ist – vom Polizeispitzel zum Erpresser – fühlt er sich bedroht und fürchtet um sein Leben. So bittet er Scudder, sollte er sterben, seinen Tod zu untersuchen und herauszufinden, wer ihn umgebracht hat. Er übergibt ihm einen Umschlag, welchen Scudder nach seinem Tod öffnen soll, und ein Honorar. Und so kommt es, wie es kommen muss: der Schnipser geht baden, mit eingeschlagenem Schädel. Zwar mit einigem Zögern, aber eben doch mit einer Verpflichtung macht sich Scudder an den Fall und öffnet den Umschlag, in dem Schnipser die drei nennt, die er am Haken hatte. Nur einer davon kann der Täter sein, doch die anderen wollte Schnipser unbescholten lassen. Kurzerhand schlüpft Scudder in die Rolle des Erpressers, um dem Täter auf die Spur zu kommen.

Wie? Was? Scudder als Erpresser? Geht ja gar nicht.
Oder doch?
Doch geht – und geht auch gut. Es ist ja sehr ungewöhnlich, wenn ein Ermittler – Privatdetektiv ist Scudder nämlich keiner, denn er hat keine Lizenz – in die Rolle eines Verbrechers schlüpft. Doch das ist ja nur eine Kuriosität in dem neuen Fall von Scudder. Denn es ist schon äußerst selten, dass das Mordopfer selbst einen Ermittler beauftragt, seinen eigenen Mord zu untersuchen. Scudder kennt Schnipser schon aus seiner Zeit als Polizist, trifft ihn nun häufig in seiner Stammkneipe, wenn er vor seinem mit Bourbon verstärkten Kaffee sitzt. Viel hat Scudder nicht zu tun, kein Job, der ihn hindert, die Ex-Frau und Kinder weit weg. Keine Verpflichtungen, keine Verantwortung. Aber er lebt nach seinen eigenen Regeln.

 „Der Schnipser wurde mit dem Tag, an dem sich für ihn der Erfolg einstellte, zu einem versicherungstechnischen Risiko. Erst Ärger und Magengeschwüre, dann ein eingeschlagener Schädel und ein ausgiebiges Bad.“ (Kapitel 3)

Eigentlich ist Schnipser ja auch ein Guter. Zuerst ein Polizeispitzel wird er dann konsequenterweise zum Erpresser – er ist ja immer noch ein Meister darin, Informationen aufzuschnappen. Und als Erpresser hat er davon ja doch mehr, als wenn er für die Polizei spitzelt. Ein erfolgreicher Erpresser war er auch. Und zudem einer, der nicht unmäßig gemein ist, denn der Schnipser beauftragt Scudder, um zwei seiner Erpressungsopfer vor Aufdeckung zu schützen. Denn schließlich hatte nur einer ihn umbringen lassen. Und Scudder soll nun herausfinden, welcher der drei der Übeltäter ist. Im Angebot haben wir einen Vater, der den alkoholisierten Autounfall seiner Tochter mit Fahrerflucht und Todesfolge für ein kleines Kind, verdecken will; eine alternde Filmdiva, die ihre Karriere mit anderen Filmchen begonnen hat und dies vor ihrem reichen Ehemann geheim halten will; und ein Gouverneurskandidat, der auf kleine Jungen steht.

Ich muss leider gestehen, dass ich mit meinem Tipp, wer der aussichtsreichste Kandidat für den Mörderposten war, recht hatte, nichtsdestotrotz macht es einfach Spaß, mit Scudder durch die Bars der Stadt zu ziehen. Auch als Leser weiß man nie, was er sich gerade denkt, was er gerade im Gespräch schon für Informationen heraus bekommen hat und drei Ecken weiter gedacht hat. Seine Menschenkenntnis lässt ihn diesmal ein wenig im Stich, so denkt er sich einige Mal, jetzt endlich den Täter entlarvt zu haben, bevor ein weiterer Mordanschlag auf ihn verübt wird. Meine richtige Vermutung tat der Spannung jedoch keinen Abbruch und ich muss einfach zugeben: ich mag Matthew Scudder. Er darf ruhig noch in ganz vielen Fällen ermitteln – und ich bitte darum, diese auch ins Deutsche zu übersetzen!

„Es gibt gewisse Dinge, die ich tue, ohne zu wissen warum. Dazu gehört, den Zehnten zu zahlen. Ein Zehntel von allem, was ich verdiene, geht an die Kirche, die ich besuche, nachdem ich das Geld bekommen habe.“ (Kapitel 5)

Fazit:
Ein Opfer, welches seine Mordermittlung in Auftrag gibt und ein Ermittler, der in die Rolle des Erpressers schlüpft – ungewöhnlich und kurios, aber spannend und gekonnt. Ein Matthew Scudder Fall eben.

 

P.S.: Mein absolutes Lieblingswort seit der Lektüre von “Drei am Haken” ist übrigens “beaugapfelt”. Wundervoll!

 

P.P.S.:  Ich habe es ja schon erwähnt, aber ich bin nicht müde, das weiterhin zu tun: Lawrence Block gibt momentan die Matthew Scudder Reihe neu heraus, gemeinsam mit den Übersetzern Stefan Mommertz und Sepp Leeb. Und damit das weiterhin so bleibt: kauft Euch die Bücher!
Wer jetzt nicht sicher ist, der kann reinschnuppern, denn es gibt auch schon 3 neu übersetzte Kurzgeschichten rund um den Ermittler. Hier mal eine Liste über alle neu erschienenen Titel mit Matthew Scudder:

Die Sünden der Väter (1)
Drei am Haken (2)
Mitten im Tod (3)
A Stab in the Dark (4) (Übersetzung noch in Arbeit)
Acht Millionen Wege zu sterben (5)
Nach der Sperrstunde (6)

Kurzgeschichten:
Aus dem Fenster (1)
Eine Kerze für die Stadtstreicherin (2)
Im frühen Licht des Tages (3)


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Klassiker: Schwarzgeld – Ross Macdonald

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Ross Macdonald – Schwarzgeld
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Karsten Singelmann
368 Seiten
ISBN: 978-3257300406

 

 

 

Schon sehr oft ist es mir passiert, dass ich die beiden Autoren Ross Macdonald und Ross Thomas verwechselt habe. Ist aber auch verzwickt mit dem gleichen Vornamen und Genre. Aber natürlich bedienen die beiden Autoren grundsätzlich ein ganz anderes Subgenre und nun, nach der Lektüre meines ersten Ross Macdonalds wird mir auch die Unterscheidung nicht mehr so schwer fallen. Lew Archer, der Privatdetektiv in Macdonalds Krimis, ist eine Bekanntheit im Krimigenre und dort nicht wegzudenken. So weist man Ross Macdonald die Nachfolgeschaft von Chandler und Hammett an und nennt die Namen in einem Zug, wobei ich persönlich da schon große Unterschiede erkennen kann.

Ginny Fablon trennt sich von ihrem Verlobtem Peter Jamieson und wendet sich dem unbekannten, aber mondänen Francis Martel zu – das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, denkt ihr Verlobter und engagiert Privatdetektiv Lew Archer, um herauszufinden, welchen halbseidenen Lebemann Ginny sich da geangelt hat. Ein Fall von enttäuschter Liebe? Archer macht sich auf, um im mondänen Tennisclub nahe Los Angeles herauszufinden, wer Martel ist. Doch dabei findet er nicht nur mehr über Martel heraus, sondern auch über einen Selbstmord, ein paar Affären und viel über die sogenannte bessere Gesellschaft.

Fast schon gruselig, wie gut es Macdonald gelungen ist, die Atmosphäre der 60er Jahre in diesem abgeschotteten Fleckchen der Erde einzufangen. Der Tennisclub, umgeben von den Villen der Reichen und Betuchten, alter Geldadel, der zwar neue Reiche integriert, aber noch lange nicht akzeptiert. Männer in Anzügen, Frauen in eleganten Kleidern, die Sonne brennt und versetzt alles in eine trockene, flirrende Stimmung. Keine Großstadt, keine großen Umbrüche, hier lebt man noch genauso wie vor 20 Jahren, gibt Partys und trifft sich im Tennisclub. Ein beneidenswertes Leben, zumindest auf den ersten Blick.

Denn natürlich brodeln unter der Oberfläche massenweise Geheimnisse und Gerüchte, aber es gibt auch allgemein Bekanntes, über das man eben nicht spricht. Archer stößt auf Affären und Spielsüchtige, Fresssucht und Geldprobleme, findet einen Selbstmord, über den keiner sprechen will und fühlt dem Neuling, Martel, auf den Zahn. Ein charmanter, aber unangenehmer Bursche, in dessen Kielwasser sich aber schon einige Fische tummeln, die die schöne Gesellschaft rund um den Tennisclub gehörig durcheinander wirbeln.

Und wer ist Lew Archer eigentlich? So arg viel erfährt man über den Privatdetektiv eigentlich nicht. Eben nur durch seine Ermittlungen, seine geschickten Fragen, sein hartnäckiges Nachhaken. Eine Beschreibung über Archer sucht man vergebens – es gilt, Archer durch seine Ermittlungsgespräche kennen zu lernen. Einen Vergleich mit Chandlers Philip Marlowe und Hammetts Sam Spade, muss Lew Archer zwar nicht fürchten, doch kann ich die Ermittlungen in der schön-scheinenden Realität des Tennisclubs keinesfalls als Hardboiled bezeichnen. Archer manövriert sich mit Bravour durch die Häuser der Reichen, hardboiled-typische Anzeichen lassen sich kaum finden. Ist aber auch nicht so wichtig, denn die Ermittlungen Archers machen einfach Freude beim Lesen. Es ist eine klassische Privatdetektivgeschichte – zuerst mal gar kein Fall, doch eben genug, um als Privatdetektiv nach und nach die kleinen dreckigen Details der guten Gesellschaft aufzudecken. Ein Genuss, der heute oft seinesgleichen sucht – ein toller Klassiker!

Fazit:
Ein sehr lohnenswerter Klassiker, in dem Privatdetektiv Lew Archer die Steine der feinen Gesellschaft umstülpt und die dunklen Geheimnisse wie kleine Käfer aus dem Licht flüchten. Ein Lesegenuss!