Die dunklen Felle

Krimis, Schafe – und Felle.


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Shorty | Acht Millionen Wege zu sterben – Lawrence Block


Lawrence Block – Acht Millionen Wege zu sterben
Verlag: unabhängig
Übersetzer: Sepp Leeb
296 Seiten
ASIN: B06X3QMMHR

 

 

 

 

Worum geht es?
Matt Scudder erhält diesmal einen einfachen Auftrag: er soll Kim Dakkinens Zuhälter sagen, dass sie gerne aussteigen möchte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten Chance, ihren Zuhälter aufzufinden, stimmt der bereitwillig zu und fragt, warum Kim Scudder überhaupt den Auftrag erteilt hat. Kim ist hocherfreut von der guten Nachricht, doch einen Tag später ist sie tot. Was einfach beginnt, entwickelt sich zu Scudders Nemesis.

Einer wie der andere?
Ja und nein. Scudder ist natürlich wie üblich unterwegs in der ganzen Stadt, befragt Leute und sammelt Splitter, die keinen Sinn ergeben, bis er sie letztendlich zusammensetzen kann. Doch: er hat mit dem Trinken aufgehört. Er kämpft gegen den Drang zu trinken, wird rückfällig und legt einen Haufen Laufarbeit zu den Treffen der AA zurück – inklusive literweise Kaffee. Ah, und er verzichtet zum ersten Mal darauf seinen Zehnten der Kirche zu spenden!

Opfer, Tat und Täter
Nutten, Mord mit Machete, Selbstmord und ein Irrer.

Themen
Diamonds are a girl’s best friend. In grün.

Was war gut?
Neben der Tatsache, dass ich Scudder einfach mag, war tatsächlich sein Kampf gegen den Alkohol sehr realistisch und stimmig beschrieben. Der Alkoholentzug tut seinem Wesen aber keinen Abbruch: er verträgt immer noch keine schlechten Nachrichten in der Zeitung und er ist hartnäckig. Schließlich hat er nicht 100 Fälle wie ein Polizist, sondern einen. Und den will er auch lösen.

Was war schlecht?
Scudders Kampf gegen den Alkohol nimmt sehr viel Anspruch in dem Krimi – das ist überzeugend, aber nimmt eben auch Zeit von den Ermittlungen. Und leider hat dieses ebook etliche Fehler, sei es Rechtschreibung, Flüchtigkeitsfehler, aber auch grobe Schnitzer – oder hat sich schon mal jemand oberwinden müssen?

Fazit:
Zum Glück gibt es keine acht Millionen weitere Teile (wann sollte ich die alle lesen?), aber natürlich bleibe ich der Serie treu. Ich liebe Privatdetektive, ich liebe Matthew Scudder.


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Brutal und blutig: Mann am Boden – Roger Smith


Roger Smith – Mann am Boden
Verlag: Tropen
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
319 Seiten
ISBN: 9783608502176

 

 

 

 

Von Roger Smith habe ich bis jetzt noch nichts gelesen, aber schon viel gehört. Er ist wohl einer der südafrikanischen Autoren, die man kennen muss. Um das zu tun, habe ich mir nun den vorliegenden Thriller geschnappt, der schon am Cover verrät, dass massenweise Blut fließen wird. Entgegen den letzten Büchern spielt dieses aber hauptsächlich in den USA.

Gewalttaten

John Turner lebt seit 10 Jahren mit seiner Familie in USA. Gemeinsam mit seiner Frau Tanya und seiner Tochter Lucy verließ er damals Südafrika nachdem er Opfer eines Carjackings wurde. Nun dringen drei maskierte, bewaffnete Männer in sein Haus ein und bedrohen ihn und Tanya, Lucy ist nicht im Haus. Das Drama nimmt Fahrt auf, doch nicht alles ist so, wie es scheint und der Abend nimmt noch einen ganz anderen Lauf.

Mosaik

Leider hat mir das Buch einen schweren Start beschert. Der Autor springt bei jedem Kapitel in eine andere Zeit, zurück in die Vergangenheit in Südafrika, aber auch nur tage- oder stundenweise. Und nicht nur in John Turners Erinnerungen, sondern auch Tanya und  Grace – Turners Angestellte und Geliebte – bekommen Kapitel zugewiesen. Die Kapitel sind allesamt kurz, doch die ständigen Wechsel machen es einen am Anfang nicht einfach, bis man sich daran gewöhnt hat. Nichtsdestotrotz haben die Rückblenden ihren Sinn, denn sie setzen die Geschehnisse wie ein Mosaik, nach und nach zusammen und es offenbart sich, wie es zu der jetzigen Situation kommen konnte.

Sex, Drugs und kein Rock’n’Roll

John Turner wirkt nett und anständig, mal abgesehen von seiner Geliebten. Tanya wird als das Miststück dargestellt und kommt nicht gut weg. Mit ihrer knabenhaften Figur, kurzen Haaren und strenger, makrobiotischer Ernährung bildet sie das komplette Gegenstück zu Grace, die zwar blond gefärbt, aber sich eben Monroe-gleich auf dem Bett räkelt. Aber Tanya hat Turner in der Hand und nutzt das weidlich aus. Natürlich stellt sich raus, dass Turner nicht ganz der normale Mitbürger ist, sondern eine Vergangenheit mit vielen Drogen, Drogengeschäften und Kriminellen hinter sich hat, die sich nun auf die Gegenwart auswirkt.

Brutal und blutig

Brutal und hart ist dieser Thriller, die schnellen Perspektivwechsel erhöhen noch die Dringlichkeit. Die Ereignisse passieren Knall auf Fall und die Spannung ist kontinuierlich hoch. Es gibt sehr viel Gewalt und Blut fließt in Unmengen – weder die Täter sind zimperlich, noch Tanya. Turner ist auch nicht von schlechten Eltern, aber immerhin plagen ihn Gewissensbisse. Hoch halten muss man ihm auch, dass er der einzige zu sein scheint, der Interesse an seiner Tochter, bzw. ihrem Überleben, zu haben scheint.

Und Südafrika?

Gehört habe ich, dass Smiths andere Bücher Südafrika tief beleuchten, doch davon ist hier leider nichts zu merken. Es ist ein taffer, harter Thriller – der in den USA spielt. Die Rückblenden spielen zwar in Südafrika, doch Einblick in die südafrikanische Gesellschaft gibt es wenig. So bleibt der Thriller doch recht austauschbar.

Fazit:
Brutal, hart, blutig, ein Thriller in dem nichts ist, wie es scheint, der aber durch die schnellen Perspektivwechsel anfänglich ein wenig gewöhnungsbedürftig ist.

 

Andere Meinungen:
Iris vom Blog der Schurken: Harter Splatter-Thriller!


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Sonnensattes Weizenland: Am roten Fluss – Marcie Rendon


Marcie Rendon – Am roten Fluss
Verlag: Argument
Übersetzerinnen: Laudan & Szelinski
214 Seiten
ISBN: 978-3867542296

 

 

 

 

Mit dem Schlagwort „Country Noir“ ist dieser Krimi in der Verlagsvorschau des Argumentverlages aufgetaucht. Und gespannt wie ein Flitzebogen war ich, denn es ist doch selten bzw. fast unmöglich, über eine Autorin zu stolpern, die dieses Genre bedient. Und bevor nun jeder über mich herfällt – ich kenne zumindest keine andere Autorin aus dem Country Noir, die ins Deutsche übersetzt wurde und den englischsprachigen Raum kenne ich so gut wie gar nicht, so dass man mir hier lieber Tipps geben sollte, wenn denn welche bekannt sind, als sich darüber zu mokieren. Und auch wenn der (eben zumeist männliche) Country Noir von vielen meiner geschätzten Krimibloggerkollegen hoch gelobt wird, mich konnte er bisher nicht abholen. Jetzt also ein Versuch mit Autorin und Protagonistin – von meiner Seite aus ein gelungener Versuch!

Zugegebenermaßen ist die Protagonistin Renee Blackbear, von allen nur Cash genannt, ein kleiner Wildfang. Ungestüm und eigensinnig boxt sie sich schon seit Jahren alleine durchs Leben, von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben und als Arbeitskraft missbraucht, so dass es nicht verwundert, dass Cash alsbald auf eigenen Beinen stehen will. Im Weizengürtel gelingt dies mit harter Arbeit auf den Weizenfeldern – zumindest wenn man nicht heiraten und Farmersfrau werden will. Da der Weizen aber nun nicht immer Saison hat, poliert die Neunzehnjährige ihr Gehalt mit Poolturnieren auf, bei denen das Bier zwar massig fließt, aber Cash eben auch ihrem Spitznamen gerecht wird und mächtig einsackt. Sie ist etwas zwischen Göre und alter Frau, rotzfrech, aber arbeitsam hat sie sich den Respekt der Arbeiter verdient. Sie kann zupacken und gehört – auf dem Feld – zu den Männern. In anderen Bereichen sieht das schon wieder anders aus.

Mit dazu schwingt natürlich ihre indianische Herkunft. Diese spielt auch eine Rolle, als die Leiche eines Indianers auf einem abgeernteten Feld auftaucht. Nicht nur Cash ist interessiert, sondern auch der Sheriff erhofft sich ihre Mithilfe. Hier muss ich erwähnen, dass sich der Kriminalfall nicht als sonderlich knifflig herausstellt und die Verbrecherjagd auch eher in Grenzen hält, doch hervorragend gelingt es der Autorin die Zerrissenheit und Zwiespälte zwischen Weißen und Indianern aufzuzeigen. Die Indianer, die in Reservaten leben und zum Arbeiten zu den Farmen fahren und ihre Familien zurücklassen, die Kultur aber auch die Alkoholabhängigkeit, an der auch Cash nicht wenig leidet, die zerrissenen Familien und zertrampelten Traditionen, die Vorurteile – all das findet sich in der Krimigeschichte, aber auch in Cash. In ihrer eigenen Geschichte, aber auch in der ihrer Mutter.

Neben Cash ist definitiv – und das gehört sich dann auch so in einem Country Noir – das Land die zweite, aber gleichrangige Protagonistin. Wenn man ein Buch liest und man schon fast das Spreu aus den Seiten fliegen sieht, die glühende Hitze spürt und den Geruch von Schweiß nach harter Arbeit riechen kann, dann, ja dann ist eine Landschaft beim Leser angekommen. Weite, unendliche Weizenfelder, ein paar verstreute Orte, staubige Straßen, aber eben auch hartarbeitende Menschen, die dem Land alles abtrotzen, die abends in die ortsansässige Kneipe gehen und ansonsten nicht viel Lebensinhalt zu haben scheinen – dieses Lebensgefühl in einem so dünnen Buch verpackt zu kriegen, lässt einen durch den Text fliegen, neben der raubeinigen Cash, und den einfachen Krimifall wohlwollend ab nicken, weil er einfach grandios verpackt ist.

Fazit:
Kriminalistisch einfach gestrickt, dafür mit zwei Protagonistinnen, die einen umhauen: Cash, die rebellische Indianerin, und der sonnendurchtränkte Weizengürtel zwischen Dakota und Minnesota. Endlich ein Country Noir nach meinem Geschmack!

 

 

 


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Kalt, kälter, St. Peter’s Island: Eisiges Grab – Robert Masello


Robert Masello – Eisiges Grab
Verlag: S. Fischer
Übersetzerin: Maria Poets
604 Seiten
ISBN: 978-3596197156

 

 

 

Waren nun alle anderen Inseln der Romane die ich im Rahmen des Spezials gelesen habe, sommerlich warm bis tropisch, so geht es nun mit diesem Thriller in eisige Kälte. So zeigt sich, dass Inseln, völlig wetterunabhängig, sehr gefährlich sein können, wobei ich bezweifle, dass man sich für den nächsten Urlaub St. Peter’s Island vor der Küste Alaskas aussucht, sondern eher in wärmere Gefilde fliegt. Ich persönlich mag es ja eher kühl bzw. einfach nicht zu heiß, doch auch für mich wäre St. Peter’s Island so gar nichts – wenn man Angst haben muss, dass einem die Nase abfriert, verringert das den Urlaubsgenuss doch ungemein. Aber Frank Slater macht dort ja auch keinen Urlaub, sondern erfüllt einen Auftrag.

Frank Slater ist Epidemiologe und wird mit einem Team, welches er sich selbst zusammen stellen darf, nach St. Peter’s Island geschickt. Kurz vorher hat ein Fischkutter Schiffbruch erlitten und einzig der Kapitän konnte gerettet werden, der sich an einem Sargdeckel festgehalten hat. Dieser Sargdeckel stammt vom Friedhof auf St. Peter’s Island und hat sich durch die geänderten Umweltbedingungen gelöst. Die Insel  war Anfang des 20. Jahrhunderts der Wohnort einer russischen Sekte – solange, bis die Spanische Grippe alle Einwohner dahin gerafft hat. Slater soll nun dorthin, um zu prüfen ob der Erreger, der damals Millionen von Menschen überall auf der Welt getötet hat, im ewigen Eis überlebt hat. Slater hat allerdings zwei Probleme: Nika Tinkook, die Bürgermeisterin von Port Orlov, die unbedingt mit auf die Insel will – schließlich ist es Stammesgebiet – und Harley Vane, den Kapitän, der nicht nur den Sargdeckel gefunden hat, sondern auch ein mit Edelsteinen besetztes Kreuz.

Der Autor arbeitet mit drei Erzählsträngen und webt diese nach und nach ineinander. Zum einen folgen wir Dr. Slater mit seinem Team und Nika auf die Insel, mit viel Ausrüstung und militärischer Unterstützung, zum anderen folgt man Harley Vane, der zwei Saufkumpanen zu der Schatzjagd auf die Insel überreden kann und hofft, die Gräber dem Team zu öffnen und die Schätze zu bergen. Ein weiterer Erzählstrang folgt der jungen Anastasia, der jüngsten Zarentochter Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Romanow Familie ist sehr dem Mönch Rasputin verbunden, vor allem die Mutter, welche sich Heilung für den Sohn erhofft, der an der Bluterkrankheit leidet.

Die Insel bietet natürlich wieder ein besonderes Setting – nicht nur dadurch, dass sie schwer zu erreichen ist und auch Hilfe keineswegs einfach geschickt werden kann, es dort eisig kalt ist und auch nur schwer gegraben werden kann, sondern auch durch den potentiellen tödlichen Virus, die Schatzjäger und das gruselige, halb verfallene Dorf der damaligen Inselbewohner. Zusätzlich dazu hat der Autor noch ein paar schwarze Wölfe auf der Insel angesiedelt. Alles in allem also einige Zutaten, welche die Geschehnisse auf der Insel spannend und temporeich machen. Auch die Einschübe um die Zarentochter sind sehr spannend zu lesen und stören den Lesefluss keineswegs – zumal man sich ja schon denken kann, dass dieser Strang auch etwas mit der Insel zu tun hat.

Bis man sich auf die Insel begibt dauert es allerdings eine Weile, denn tatsächlich starten wir mit Dr. Slater erst mal in Afghanistan. Es werden Vorbereitungen getroffen und man lernt Slater und seine Beweggründe gut kennen. Auch der Rest der Handlung spielt nicht nur auf der Insel, denn … ach, das verrate ich mal nicht, nur so viel: es gibt noch eine spannende Verfolgungsjagd auf eisigen Straßen, im Dunkeln, garniert mit einem Schneesturm. Der Autor zaubert also wirklich alles aus seiner Trickkiste herbei – es passt aber alles hervorragend zusammen. Am Ende wird es sogar noch ein wenig mystisch – aber das mag ich dem Autor verzeihen, denn er hat mir vergnügliche, eisige Lesestunden beschert.

Fazit:
Ein spannender Thriller auf einer eisigen Insel – mit dem Epidemiologen Slater macht man sich auf in den Kampf gegen einen tödlichen Virus, aber auch gegen idiotische Schatzjäger. Das Sahnehäubchen ist dann die eingewobene Geschichte um das Ende der Romanow Familie.

 

Und hier noch Noras Meinung aus dem Kaliber.17 Team, die den Thriller schon 2014 gut fand.


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Wunderschön und schrecklich: Wahn – Stephen King


Stephen King – Wahn
Verlag: Heyne
Übersetzer: Wulf Bergner
893 Seiten
ISBN: 978-3453433434

 

 

Es ist ja schon eine ganze Weile her, dass ich meinen letzten King gelesen habe. Mit 12, 13 Jahren habe ich alles verschlungen, was von ihm verfügbar war (mit Ausnahme von Friedhof der Kuscheltiere, warum auch immer), doch seitdem habe ich gar nichts mehr von ihm gelesen. Doch schon seit einer Weile tummeln sich Bücher von ihm wieder in meinem Schrank, z. B. Die Arena oder auch Das Attentat. Das vorliegende Buch habe ich mir allerdings dann doch holen müssen, da es noch nicht vorhanden war. Und ich dann dachte ich: puh, fast 900 Seiten. Das ist eigentlich mein Hauptproblem mit Stephen King. Er kann sich nicht kurzfassen (selbst seine Kurzgeschichten sind ja mitunter recht lang) und das schreckt mich schon von vornherein ab. Ohne, dass ich auch nur ein Wort gelesen hätte. Doch nun hab ich ran gemusst, denn schließlich hab ich für das Special Bücher zum Thema Insel gesucht. Und wenn „Wahn“ da nicht rein passt, dann weiß ich auch nicht….

Edgar Freemantle wird in seinem Pickup durch einen Kran fast zerquetscht. Neben etlichen Verletzungen, unter anderem auch einen amputierten Arm und Schmerzen bei allen möglichen Bewegungen, hat er Schwierigkeiten sich an Wörter zu erinnern und gerät darüber in unfassbare Wut. Obwohl seine Ehe davor gut funktioniert hat, fängt seine Frau Pam an, sich vor ihm zu fürchten und verlangt letztendlich die Scheidung. Freemantles Bauunternehmen gibt er erstmal an seinen Stellvertreter weiter und mit den bisher verdienten Millionen folgt er dem Ratschlag seines Psychologen und vollführt einen Ortswechsel. Von Duma Key und dem dort zur Vermietung stehenden Haus, welches Edgar sofort Big Pink tauft, ist er fast schon magisch angezogen und zieht kurzerhand dort ein. Ein weiterer Vorschlag seines Therapeuten ist, sich ein Hobby zuzulegen. Und Edgar sucht sich das Malen aus.
Auf Duma Key angekommen erlangt er eine Routine, die es ihm täglich leichter macht und ihm wieder Sinn und Hoffnung im Leben verleihen. Seine Strandspaziergänge helfen ihm mehr zu laufen, aber mit weniger Schmerzen zu laufen, die Abgeschiedenheit erlaubt ihm, zur Ruhe zu kommen und das Haus ermöglicht ihm einen fantastischen Blick auf den Ozean, welchen Edgar in Bildern fest hält. Und siehe da, Edgar ist begabt. Seine Malarbeiten sind grandios, aber Edgar fürchtet sich auch vor ihnen, denn er fühlt nicht nur seinen fehlenden Arm und ein brennendes Jucken, welches ihn zum Malen zwingt, nein, die Bilder sind irgendwie bedrohlich.

Kaum habe ich angefangen, waren die 900 Seiten aber vergessen, denn King hat einfach das gewisse Etwas. Er braucht zwar eine ganze Weile, bis er in Fahrt kommt, bis die Handlung überhaupt auf die Insel umzieht und es ist auch noch nichts Unheimliches oder sonderlich Spannendes bis dahin geschehen, aber Kings Sprache entwickelt einfach eine Sogwirkung. Es ist wirklich unglaublich, wie gut King das hinkriegt. Man kann einfach nicht mehr aufhören.

Zum einen hat das mit Kings Charakteren zu tun. Hauptperson ist natürlich Edgar Freemantle. Ganz ehrlich, auch wenn Edgar jemand ist, mit dem man Mitleid haben müsste, ich hatte es nie. Er ist einfach kein solcher Typ. Er gibt nicht auf und kämpft. Er macht ganz sicher nicht alles richtig und verpatzt nicht nur seine Ehe, aber es ist schon beeindruckend, wie er sich anfangs jeden Tag ein paar Schritte weiter den Strand entlang schleppt. Bis er es zu seinem neuen Freund schafft, Jerome Wireman, den Betreuer von Elizabeth Eastlake. Einer alten, leider dementen Frau, der die halbe Insel gehört, auf welcher Edgar sein Haus gemietet hat. Wireman trägt natürlich auch sein Geheimnis mit sich herum, auch wenn er immer fröhlich und positiv gesinnt scheint. Und Edgar und er werden beste Freunde, Buddies, bis zum harten Ende.

Ich glaube, nur King schafft es, eine der wunderschönsten Inseln in ein grausames Paradies zu verwandeln. Wunderbare Sonnenuntergänge, Sandstrand, nur zwei Nachbarn auf der ganzen Insel, Einsamkeit, aber Erholung, Meeresrauschen und Eistee am Strand, das Rauschen von Muscheln, das wie von Knochen klingt, Dschungel, dicht und grün, wuchernd und bedrückend, ein Weg, den sich die Natur wieder geholt hat, eine verrückte alte Frau und ein Mann mit einer Kugel im Kopf, eine Geschichte in der Vergangenheit – so nah liegen Schönheit und Grauen. Doch das geschieht natürlich nicht von jetzt auf nachher, sondern langsam, es baut sich auf, wird bedrohlicher und bedrohlicher. Unterstrichen von Edgars Talent Bilder zu malen, Wunderschöne, aber auch unheimliche Bilder. Und Bilder, die ein Eigenleben zu entwickeln scheinen. Bilder, welche die Vergangenheit zeigen, die Zukunft, aber auch einfach jemanden, den er noch nie gesehen hat, der aber dann genau so aussieht, wenn er ihn zum ersten Mal trifft.

Ich weiß es ehrlich nicht. Ich kann Euch einfach nicht sagen, warum ich schon so lange keinen Roman von King mehr gelesen habe. Der Kerl hat es einfach drauf, eine richtig gute Geschichte zu erzählen. Dass er dafür immer massenhaft Seiten braucht, die mich erst mal abschrecken, lasse ich ab sofort nicht mehr gelten. Denn letztendlich habe ich das Buch in der gleichen Zeit gelesen, wie ich so manch 400 Seiten Krimi/Thriller gelesen habe. Und das will was heißen.

Fazit:
„Wahn“ ist eine richtig gute Stephen King Story. Leise schleicht sie sich an einen ran, bis sie einen ganz fest im Griff hat und lässt einen nicht mehr los, auch nicht, wenn alle Haare im Nacken sich aufrichten und man sich überlegt, nicht vielleicht doch alle Lichter im Haus anzuschalten. Unbedingt lesen!


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Hell Island – Matthew Reilly


Matthew Reilly – Hell Island
Verlag: Ullstein
Übersetzer: Hellmuth Hartmann
111 Seiten
ISBN: 978-354828688
Da dieser Titel auf der Verlagsseite nicht mehr verfügbar ist, hier der Link zur Scarecrow Reihe auf der Verlagsseite (die allerdings auch ein wenig schmächtig ist, zugegebenermaßen)

 

 

Mir ist es ein wenig schwer gefallen, passende Bücher für das diesjährige Special mit dem Thema „Inseln“ zu finden, aber letztendlich bin ich sehr glücklich mit meiner Auswahl. Auch wenn ich bei „Hell Island“ total übersehen habe, dass es sich nur um 100 Seiten handelt und demnach um ein kurzes Vergnügen, macht das gar nichts, denn seien wir mal ehrlich – wen es ein Thrillerautor nicht schafft, in den hundert Seiten Spannung einzubauen, wird das auch auf der 200. oder 300. Seite nichts. Von dem Autor hatte ich bisher nur „Showdown“ gelesen – anderes Thema, aber doch ein ähnliches Schema, nichtsdestotrotz lesen sich seine Thriller wie „geschnitten Brot“, vor allem, wenn sie auf 100 Seiten komprimiert sind.

Captain Shane Schofield, genannt „Scarecrow“ wird mit seinem Team sowie wie 3 weiteren Teams von verschiedenen Spezialeinheiten auf der Insel „Hell Island“ abgesetzt. Ihre Aufgabe ist es, herauszufinden, was mit der Besatzung der USS George Washington passiert ist und mit deren Ladung: 600 Marines. Der Funkkontakt ist abgebrochen, kein Lebenszeichen wurde registriert. Als Scarecrows Team landet, finden Sie Zerstörung und viel Blut, doch keine Menschen, weder lebend noch tot. Was ist hier passiert?

„Die Insel hatte früher den Namen Grant Island getragen und war im Zweiten Weltkrieg von den Japanern als Stützpunkt benutzt worden. Sie besaß sogar einen Flugplatz, der mittlerweile jedoch völlig überwuchert war. Merkwürdigerweise war sie auf keiner einzigen Seekarte mehr verzeichnet.
Im Jahr 1943 war die Insel in blutigen Kämpfen von amerikanischen Marines besetzt worden. Weil die Kämpfe so unglaublich grausam waren und weil es auf beiden Seiten schwere Verluste gab, hatten die Marines der Insel einen neuen Namen verliehen.
Sie tauften sie ‚Hell Island‘, die Hölleninsel.“ (S. 7)

Ha – es gibt doch kaum einen aussagekräftigeren Namen für eine Insel, der Spannung, Action und Grusel verspricht, als Hell Island. Und so ist es auch. Man ist direkt im Geschehen, stößt in die Geschichte kurz bevor Scarecrows Team über der Insel abspringt. Hier wird definitiv keine Zeit verloren, ein Fakt, der bei der Kürze der Geschichte schon wichtig ist.

Zwar werden alle in Scarecrows Team vorgestellt, doch nur kurz und auch nur wenige kommen etwas mehr zur Geltung. Manche enden gar sehr schnell als Kanonenfutter, hier wäre die Arbeit der Charakterzeichnung also auch verlorene Liebesmüh.  Anders sollte es mit Scarecrow sein, denn „Hell Island“ ist schon der vierte Teil um den ausgefuchsten Helden des Thrillers, der zwar auch ein Haudrauf ist, aber immerhin auch sein Hirn benutzen kann. Und ja, am meisten Einblick erhält man von Scarecrow, nichtsdestotrotz ist Charakterentwicklung nun nicht die Stärke des Buches – hier geht es um Action und Spannung. Das Buch muss in einem Flutsch gelesen werden, alle paar Seiten präsentiert das Buch eine neue Wendung.

Zugegeben – die Auflösung des Rätsels um die Insel ist jetzt nicht sehr überraschend, doch das tut dem Lesevergnügen nun keinen Abbruch. Der Thriller bietet genau das, wofür er vorgesehen ist: eine hervorragende Fast Food Mahlzeit, die man sich ab und an schon gönnen kann, ganz ohne es sich von seinem Gewissen schlecht reden zu lassen.

Fazit:
Spannung, Action und ein wenig Grusel mit Scarecrow, einem smarten Marine, der so nicht nur sich sondern auch sein Team (na gut, einen Teil davon) in den nächsten Teil der Serie bugsiert.


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Bloß die Sekretärin: Ein Job für Delpha – Lisa Sandlin


Lisa Sandlin – Ein Job für Delpha
Verlag: Suhrkamp
Übersetzerin: Andrea Stumpf
351 Seiten
ISBN: 978-3518467794

 

 

 

 

Ja, es gibt diese Bücher. Bücher, bei denen man sich vorab denkt: na, dazu schreib ich jetzt mal keine Rezension. Und dann liest man das Buch und muss einfach etwas dazu schreiben. Es geht gar nicht anders, man muss einfach jedem und allen mitteilen, wie klasse das Buch ist, verflixt nochmal!
Und so ein Buch ist das hier.  Also liebe Leser, bitte jetzt durchatmen und vorbereiten auf die kommenden Begeisterungsstürme.

Worum geht es da überhaupt?
Texas, in den Siebzigern. Delpha kommt nach 14 Jahren aus dem Gefängnis frei. Mit 18 Jahren ist sie ins Gefängnis gekommen,  für ein Verbrechen, wofür ihr eigentlich ein Orden zusteht. Jetzt ist sie draußen und ist auf der Suche nach Job, Unterkunft, Lebensinhalt. Mit Chuzpe und Beharrlichkeit ergattert sie einen Job bei Tom Phelan, der gerade eine Detektei eröffnet hat und eine Sekretärin sucht. Neben den Fällen, welche die beiden beschäftigen, versucht Delpha ihr Leben in den Griff zu bekommen. Gar nicht so einfach, wenn plötzlich der Mann auftaucht, der einen ins Gefängnis gebracht hat.

Und warum ist das jetzt was Besonderes?
Hauptsächlich wegen Delpha. Schon klar, nur die Sekretärin. Aber im Gegensatz zu vielen Heldinnen in anderen Krimis und Thrillern, ist Delpha keine vorlaute, gewiefte und charmante Person. Nein, sie ist still, zurückhaltend, überlegt und hat ganz genau im Blick, dass sie sich keinen Fehler leisten darf, um nicht wieder im Gefängnis zu landen. Sie ist jetzt auch nicht sonderlich schlau – muss sie aber gar nicht sein, denn als Liebhaber von Bibliotheken weiß sie ja, woher sie ihre Informationen bekommt. Und natürlich weiß sie was sie will und was nicht. Aber sie erwartet einfach mal nichts vom Leben und ist einfach nur glücklich und dankbar, wenn ihr etwas Gutes passiert. Und so ganz nebenbei verleiht sie damit nicht nur den Fällen, um die sich Phelan kümmert, sondern auch dem ganzen Roman das gewisse Etwas. Einfach so. Ganz heimlich, still und leise. Und damit viel stärker und gewaltiger als so viele andere Protagonisten.

Na ja, ok, aber nur so eine Tippse als Protagonistin… ?
Ah, es gibt ja noch Tom Phelan und die Detektei. Dieser hat eben gerade erst eröffnet, nachdem er in seinem vorigen Job auf einer Bohrinsel einen Finger eingebüßt hat. Das Geschäft läuft natürlich erst ein wenig schleppend, aber so hin und wieder kommt da der ein oder andere Fall herein. Ja, genau. Nicht nur einer, DER Fall sozusagen, denn es kann ja nicht jeder gleich den Malteser Falken suchen. Es sind Kleinigkeiten, welche die Mandanten von Phelan möchten, doch wie so oft steckt manchmal mehr dahinter. Zur Polizei können oder wollen diese nicht – und das hat seinen Grund. Auch Phelan erfährt nicht alles, so dass ein einfacher Fall sich dann schon in andere, größere Dimensionen auffächern kann.

Und sonst so?
Ansonsten ist der Krimi einfach ein richtig toller Private Eye Krimi. Klar, beim Jonglieren mit mehreren Fällen muss man ein wenig am Ball bleiben, aber ansonsten liest sich das Buch einfach in einem Rutsch weg. Es macht unheimlich viel Spaß, was aber nicht heißt, dass er albern wäre. Es ist einfach ein saumäßig guter Krimi. Und wer mir jetzt immer noch nicht glaubt, darf gerne noch wissen, dass auch die Juroren für den Hammett Prize und den Shamus Award diesen fabelhaften Krimi gekürt haben. Und wer den Amis bei den Krimibewertungen nicht traut, sollte einen Blick in die Krimibestenliste der FAZ werfen – denn auch da lässt sich Lisa Sandlin finden. So, und jetzt geht los und lernt Delpha kennen, ab in den nächsten Buchladen mit Euch!

Fazit
Heimlich, still und leise ist das Motto, denn dieser Krimi hat sich ganz unvermutet jetzt schon seinen Platz in meiner Jahresliste der besten Titel gesichert.