Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Kunst und so: Im großen Stil – Bielefeld & Hartlieb


Claus-Ulrich Bielefeld & Petra Hartlieb – Im großen Stil
Verlag: Diogenes
415 Seiten
ISBN: 978-3257243857

 

 

 

2 Tote, 2 Städte und ein paar Gemälde – darum dreht es sich in diesem Krimi, der in Berlin von Kommissar Thomas Bernhardt und in Wien durch Inspektorin Anna Haber vertreten wird. Die Kunstszene wird beleuchtet, genauer gesagt der Kunsthandel. Privat oder mit Museen, Originale, aber auch Fälschungen, ganz schön teure Fälschungen. Und mittendrin eben nun zwei  Ermittlungen, die zu einer werden – Berlin und Wien in einer ermittlerischen Symbiose.

Mal wieder bin ich einem Thema begegnet, in dem ich herrlich unbefleckt bin und natürlich gerne Informationen in Form eines Krimis aufsauge: Kunst im Allgemeinen, Gemälde im genaueren. Beide Tatorte in den Ermittlungen zeigen Gemälde, einer ist quasi damit vollgestopft. Die Frage ist, ob man es hier mit Originalen oder Fälschungen zu tun hat, wobei ja auch Fälschungen einen gewissen Wert haben. Die Ermittler sind genauso unbefleckt wie ich, so dass die Nachforschungen natürlich einiges an Informationen über die Kunstszene zu Tage fördert. Ein Gemälde rückt in den Fokus: Brueghels „Die niederländischen Sprichwörter“, allerdings nicht so sehr, dass man wirklich viel Genaueres darüber erfährt, hierzu musste ich dann doch andere Quellen bemühen, um meine Neugier zu befriedigen. Auch bei den anderen Gemälden sowie der „Szene“ selbst bleibt die Ermittlung an der Oberfläche, ein Fokus auf ein Thema/Bild hätte mir persönlich gut gefallen.

Die Ermittlungen sind dann auch ein wenig stockend, wobei mir das eventuell auch nur so vorkam, da zu viel Privates der beiden Ermittler hineinspielte. Thomas Bernhardt bandelt so mit einigen Frauen an, die man im Krimi antrifft, und lässt sich weder von Landesgrenzen noch von langjährigen kollegialen Verbindungen zurück halten, derweil Anna Haber den Fehler macht, Berufliches und Privates – um genauer zu sein, die aktuelle Ermittlung – zu vermischen. Ein „No Go“, welches sich prompt rächt, aber dann eben auch den Täter hervorbringt. Nichtsdestotrotz hätte ich diesen lieber durch Ermittlungserfolge auftauchen sehen.

Insgesamt konnte mich der Krimi also nicht so recht überzeugen. Die Ermittlungen, aufgeteilt auf zwei Städte, hätte ich mir spannender vorgestellt und der Anteil an Privatem war mir zu groß. Die Gespräche, bzw. Telefonate zwischen Bernhardt und Haber wirkten oft aufgesetzt und ein wenig ungelenk, mal ganz abgesehen davon, dass mir beide Ermittler weder sympathisch waren noch in anderer Weise mit Struktur versehen, die einem in Erinnerung bleibt.

Ich wollte gerne in die Serie hinein schnuppern und hab mich bewusst für einen Teil in der Mitte entschieden. Dies war aber kein Nachteil  – man kann so wie ich in der Mitte beginnen oder eben doch von vorne, wenn man an der Serie interessiert ist, der Kriminalfall ist ja – wie üblich – eh abgeschlossen. Ich werde die Serie nicht fortsetzen, dazu hatte sie mir einfach zu wenig zu bieten. Zusätzlich kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass das hier aufgestellte Konzept der „Zwei-Städte-Ermittlung“ dauerhaft funktioniert, da es sich ja immer um die gleichen Städte handelt.

Fazit:
Mich konnte der Krimi nicht überzeugen, auch wenn sehr gute Ansätze, wie Ermittlungen in zwei Städten und die Kunstszene, dabei waren. Das private Geplänkel hat mir dann den Rest gegeben – für mich mein erster und letzter Ausflug in diese Serie.

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Bestattungen Blum: Totenfrau – Bernhard Aichner

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Bernhard Aichner – Totenfrau
Verlag: btb
448 Seiten
ISBN: 978-3442754427

 
Blum hat ihre Eltern umgebracht. Auf dem Meer. Die beiden sind schwimmen gegangen und Blum hat die Leiter verschwinden lassen. Nun liegt sie nackt auf dem Deck des Bootes – das durfte sie sonst nie – und tut so, als würde sie ihre Hilferufe nicht hören. Sie fängt sich einen gehörigen Sonnenbrand ein, um auch ein standfestes Alibi zu haben. Der erste, der sie hilflos auf dem Boot findet, ist Mark. Ein Polizist und Liebe auf den ersten Blick. Jahre später, eine Heirat, zwei Kinder, Marks Vater im Dachgeschoss und Reza, der bosnische Flüchtling im Untergeschoss weiter, stirbt Mark bei einem Autounfall. Blum ist wie erstarrt und nur ihre Kinder können sie aus ihrem Trauma reißen. Und Dunja. Mark hat sich einige Male mit Darya getroffen und die Treffen aufgezeichnet. Darya erzählt eine schreckliche Geschichte, von einem Keller und zwei weiteren Gefangenen, von 5 Männern in Masken und einem jahrelangen Martyrium. Niemand glaubt ihr. Außer Mark. Und nun Blum. Denn die Männer sind nicht nur an Daryas grausamen Schicksal Schuld sondern haben auch Mark auf dem Gewissen, dessen Autounfall mehr und mehr nach einem Attentat aussieht. Und so macht sich Blum auf die Suche nach den 5 Männern: den Fotografen, den Pfarrer/Priester, den Jäger, den Koch und den Clown.

Über Totenfrau hab ich schon so manch begeisterte Rezension gelesen und wollte das Buch nun endlich auch von meiner Leseliste streichen und auf die Gelesenliste setzen. Ich muss zugeben, der Einstieg fiel mir schwer. Zum einen war das so, weil der spanndende Teil erst nach ca. einem Viertel beginnt. Davor wird Blums Geschichte ein wenig beleuchtet und vor allem, der Unfall von Mark sowie Blums Umgang damit. Wie schwer es ihr fällt, wieder ins Leben zurück zu kehren. Zum anderen lag das an dem Schreibstil des Autors. Gut daran fand ich, dass die wörtliche Rede nicht unterbrochen ist – also kein “sagte er” oder “meinte sie”, einfach nur ein Bindestrich zu Beginn Ich stelle mir das bei Gesprächen mit mehr Personen schwierig vor, aber mit Blum und dem jeweiligen Gesprächspartner funktioniert das gut. Vor allem, weil Blum so schön trocken ist. In den Passagen ohne wörtliche Rede bin ich allerdings ab und an hängen geblieben. Der Sätze sind meist sehr kurz und knapp, manchmal sogar stakkatohaft. Es ist ein Schreibstil, der auf dem Punkt liegt, ein puristischer Stil. Doch ein wenig Ausschweifung hätte an einigen Stellen gut getan, da die Sätze beim Lesen mitunter schnell vorbeifliegen und ich dann doch hin und wieder nachlesen musste, was ich gerade gelesen habe. Ich habe mich allerdings daran gewöhnt und zusätzlich muss man eben erwähnen, dass der Stil hervorragend zu Blum und ihren Dialogen passt. Nichtsdestotrotz muss man am Anfang also ein wenig am Ball bleiben, bis der spannende Teil beginnt und man sich eingewöhnt hat. Im übrigen sind – zumindest in meiner Hardcover Ausgabe – im Buch die Kapitelnummern auf extra Seiten gedruckt, so dass die Seitenanzahl zwar bei über 400 liegt, aber durch die Leerseiten ungefähr etwas über 300 Seiten Text bleiben.

Blum ist ein sehr interessanter Charakter. Der Mord an ihren Eltern ist quasi zwangsläufig nicht abwendbar gewesen  – jedenfalls in ihrem Weltbild. In einigen Rückblicken bekommt man mit, dass ihre Eltern sie adoptiert haben, um einen Nachfolger für das Bestatterunternehmen zu bekommen. Am liebsten wäre ein Junge gewesen, aber wenn es denn nun ein Mädchen ist…. der Vater nimmt sie schon in jungen Jahren mit zu den Leichen und lässt kein Pardon gelten. Da müssen Leichen gewaschen oder Münder zugenäht werden – und das auch schon mit 10 Jahren. Liebevoll ist ein Fremdwort in der Eltern-Kind-Beziehung und als Leser ist schon Verständnis da, als Blum (die eigentlich Brünhilde heißt, mit Nachnahmen Blum) ihre Eltern ermordet. Die Erziehung, aber auch der Mord prägen Blum und es ist fast schon ein Wunder, dass sie sich in Mark verliebt.  Doch es funktioniert. Sie ist glücklich wie nie und hat einen Partner an ihrer Seite, der ihr Leben möglich macht, mit Leben füllt. Vorher waren Kinder undenkbar, nun eine Erfüllung. Doch dieses Gefüge bricht auseinander und Blum geht auf einen Rachefeldzug. Sie ist konzentriert und fokussiert – komischerweise aber recht planlos. Vor allem den ersten Täter findet und erledigt sie fast ohne jegliche Vorausplanung. Ihr Feldzug erscheint einfach, aber manchmal eben auch von Zufall und viel Glück gesteuert und zum Erfolg geführt. Später erhält sie dann stille, aber effektive Unterstützung von Reza. Blum selbst zieht einen Vergleich zwischen sich und Dexter Morgan, dem Forensikspezialisten bei der Polizei Miami, der in seiner Freizeit Mörder ermordet (geschrieben wurde die Serie um Dexter von Jeff Lindsay, Teil 1 ist “Des Todes dunkler Bruder“). Ein geschickter Schachzug, denn so nimmt der Autor dem kundigen Leser den Wind aus den Segeln.

An ein paar Kleinigkeiten muss ich nun aber doch rumkriteln. Zum einen hatte ich ja gerade erwähnt, dass doch der Zufall und das Glück mitunter geholfen haben. Hierzu zähle ich auch, dass ich es seltsam finde, dass die übrigen Täter – nachdem dann eben ein, zwei verschwinden – sich nicht absprechen bzw. versuchen sich zu schützen oder gar zu verteidigen. Es hat auch nicht so gewirkt, ob alle so von sich überzeugt wären, dass dies gar nicht nötig ist. Zwar wird Blum von einer anderen Seite bedrängt – das löst sie im Übrigen auch unkompliziert und ein wenig unrealistisch – doch der Täterkreis der Fünf bleibt seltsam lethargisch. Zum anderen hab ich einen der Täter sogleich richtig vermutet. Ich weiß nicht, ob ich einfach schon zu viele Krimis gelesen habe oder ob das zu offensichtlich war, aber damit war das Finale schon grob bestimmt und zwar noch spannend, aber nicht mehr überraschend. Schade…

Fazit:
Für mich ein durchwachsener, aber ganz spannender Krimi um Blum, die Bestatterin und “gute” Mörderin. Somit bleibt noch Potential nach oben für den zweiten Teil, der als Trilogie angelegten Krimis um Blum.


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Es kribbelt im Nacken: Das Leben ist schmutzig – Anne Goldmann

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Anne Goldmann – Das Leben ist schmutzig
Verlag: Argument
285 Seiten
ISBN: 978-3867541947

 

 

 

 

Ein Haus, mehrere Parteien. Nicht zu viele Menschen, aber auch genügend, um zur Not anonym zu bleiben. Man kennt sich, aus dem Gang, ein paar auch näher. Und doch ist jeder allein, sobald er die Tür schließt. Allein mit sich. Und mit seinen Geheimnissen. Was verbirgt sich im Haus, hinter den Türen?

Ah, ich liebe Geschichten, die sich nur in einem einzigen Haus abspielen. Geben wir es doch zu, ein jeder hat seine Geheimnisse. Und wenn es nur ist, dass man gerne seinen Hosenknopf öffnet, wenn man auf der Couch fläzt. Aber vielleicht ja auch ein paar wichtigere Geheimnisse. Eigene Geheimnisse oder Geheimnisse anderer. Schon wenn ich nur darüber schreibe, läuft mir ein wohliger, gespannter Schauer über den Rücken. Und dieses Gefühl, dieses leise Gruseln und gespanntes Luftanhalten, das ist ein Gefühl, welches Anne Goldmann mit Bravour beim Leser auslöst. Einfach so. Ganz unbewusst. Es passiert gar nicht so viel in dem Krimi. Und doch ist es da, lauert und lauert, bis seine Chance gekommen ist. Die Anspannung ist nicht direkt, aber immer da.

Die Autorin hat ihre ganz eigene, eigenwillige Erzählweise, betupft mit österreichischen Wörtern und Phrasen, die selbst den langweiligsten alten Grantler noch spannend erzählen lässt. Und das darf er auch. So wie jeder im Haus. Da trifft man die Hausbesorgerin mit ihrem Teenager-Sohn, die ewige Studentin und den stillen Beamten, den jungen Postboten, aber auch die psychisch-labile Mitt-Dreißigerin mit ihren vielen Grünpflanzen im zweiten Stock. Lebensgeschichten pur, hautnah aus jedem Blickwinkel betrachtet. Ein jeder lässt den Leser in seine Geheimnisse blicken und hält doch was zurück. Jeder kämpft mit etwas anderem, hat Angst vor dies oder jenem, kann auch nicht jeden leiden. Im Hausgang ist es einfach sich nur zu grüßen, die Animositäten werden bis nach der Tür aufgehoben und dort lautlos hervorgebracht. Aber im Stiegenhaus, ja dort ist alles in Ordnung.

Erst die auftauchende Leiche bringt Unruhe ins Haus. Verstörung, einen Bruch in den Abläufen des Mikrokosmos. All diese eigenwilligen Individuen, einsam und allein, aber doch gemeinsam im Haus. Verbandelt oder sich fremd, egal wie man es stellt und wendet, ein Geheimnis hat jeder. Und die Leich? Ja die, da ist schnell ein Täter gefunden und vornehmliche Ruhe kehrt ein. Doch irgendwas ist da. Es zwackt und zwickt, etwas stimmt nicht. Das Haus ächzt und knarrt – seine Bewohner mit ihm.

Schon in „Lichtschacht“ konnte mich die österreichische Autorin Anne Goldmann überzeugen, in „Das Leben ist schmutzig“ gelingt ihr das gekonnt wieder. Die Stimmung ist phenomenal – aufgeladen mit Kleinigkeiten und Geheimnissen, Vorbehalten und Ängsten, doch nie offensichtlich. Im Nacken kribbelt es, als wollte es einen gleich anspringen. Es ist kein Krimi, kein Thriller, aber ein Spannungsroman – und zwar einer, bei dem der Name durchgehend Programm hat. Man wird von der Geschichte aufgesogen, ganz leise und eindringlich, um am Ende völlig fertig wieder ausgespuckt zu werden. Fertig, aber glücklich.

Fazit:
Anne Goldmann ist ein wahrer Geheimtipp. Stimmungsvoll und mit lauernder Spannung wirft sie den Leser in das Haus und lässt ihn atemlos zurück. Beeindruckend!


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Verschwörung?: Tod in der Hofburg – Beate Maxian

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Beate Maxian – Tod in der Hofburg
Verlag: Goldmann
380 Seiten
ISBN: 978-3442482856

 

 

 

 

Ein neuer Fall für Sarah Pauli, die Journalistin, die eigentlich eine Kolumne über Aberglauben betreut, sich aber einfach nicht aus dem Kriminalressort raushalten kann. Und diesmal wird es richtig spannend, denn der Krimi beginnt gleich mit einem Attentäter / Amokläufer / Heckenschützen. Na ja, eigentlich mit einer Handgranate. Ihr seht – diesmal geht bei Sarah Pauli so richtig die Post ab!

Es ist Neujahr und David hat für sich und Sarah tatsächlich zwei Eintrittskarten zum heißbegehrten Neujahrskonzert ergattert. Doch nach dem Konzert, auf dem Vorplatz, werden plötzlich Schüsse laut. Zwei Menschen sterben, eine Frau wird verletzt, die Konzertbesucher sind in Panik. Auch Sarah und David stehen unter Schock, doch darüber hinaus wird natürlich nicht vergessen, dass der Wiener Bote nicht nur eine Schlagzeile hat, sondern Augenzeugenberichte direkt aus dem Redaktionsteam. Doch was war das nun eigentlich? Ein Attentäter? Ein Amokläufer? Ein Heckenschütze? Waren die Opfer absichtlich gewählt oder zufällig?

Ich muss nun wirklich aufpassen, dass ich nicht zu viel verrate, denn in „Tod in der Hofburg“ gibt es diesmal viele Geheimnisse und Spuren, verschwundene Noten und geheime Machenschaften. Und doch ist nicht alles so wie es scheint. Sarah, die zwar noch ein wenig an dem Schock nagt, beginnt aber relativ schnell, sich mit Verwandten und Nachbarn zu unterhalten, recherchiert und hinterfragt. Mitunter spielt doch der Zufall ein wenig über die Stränge, dabei hat Sarah Pauli das eigentlich gar nicht nötig. Denn wie auch in den vorigen Fällen ist sie neugierig wie Nachbars Katze und lässt auch getrost alle guten Ratschläge von Kollegen, Freunden und dem Chef/Freund an sich abprallen.
Michaela Adam übernimmt den Part der zweiten Protagonistin. Sie ist Musikerin und kurz vor dem Neujahrskonzert noch auf dem Platz, an dem später die Schüsse fallen. Aufgrund ihrer Krankheit musste sie ihren Job an den Nagel hängen und jobbt jetzt in einem Krankenhauscafe. Sie hat andere Gründe, in dem Fall zu ermitteln, doch natürlich trifft sie mit Sarah zusammen.

Der ganze Krimi ist durchweg sehr spannend und verwickelt erzählt. Man kann gar nicht glauben, was man liest und doch, es steht da. Die Geschichte erhält dann kurz vor Ende eine überraschende Wendung (die ich aus persönlichen Gründen nicht so überraschend fand, aber andere Leser, die nicht meine Erfahrungen gemacht haben, bestimmt überraschend finden), bevor der Fall dann souverän, wenn auch – im Vergleich zu den vorherigen geheimnisvollen Ermittlungen – fast ein wenig langweilig aufgelöst wird.

Wer die vorigen Fälle von Sarah Pauli kennt, der weiß, dass ein Krimi mit ihr immer neues Wissen über Aberglauben enthält, aber auch einen Rundgang durch Wien, der in jedem Teil andere architektonische Sehenswürdigkeiten, aber auch ganz normale Viertel in Wien beinhaltet. Ein wunderbarer Nebeneffekt, der die Krimihandlung abrundet.

Fazit:

Eine rasante Handlung, eine überraschende Wendung – ungewöhnlich, aber mit einer gewohnt neugierigen Sarah Pauli!


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Einfach raffiniert: Lichtschacht – Anne Goldmann

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Anne Goldmann – Lichtschacht
Verlag: Argument
284 Seiten
ISBN: 978-3867542203
12 €

 

 

 

Ja, hier kommt wieder eine. Eine wahnsinnig begeisterte Rezension zu einem Argument Krimi. Deshalb gleich mal zu Anfang der Appell: kauft Krimis aus dem Hause Argument. Egal welche. Hier könnt ihr nichts falsch machen. Die Damen vom Verlag haben einfach eine wahnsinnig gute Spürnase für perfekte arrangierte und spannend fesselnde Bücher und haben es verdient, dass man ihr Lager leerkauft (wie ich neulich gehört habe, so geschehen bei „Havarie“). So, nun aber zu meinem aktuellen Beispiel, zu Anne Goldmanns „Lichtschacht“.

Lena zieht nach Wien, in die Wohnung einer Freundin, die verreist ist. Sie hat nicht viel Geld und versucht sich mit einem Teilzeitjob und Urlaubsvertretungen über Wasser zu halten. Am ersten einigermaßen lauwarmen Abend des Jahres gönnt sie sich einen Joint auf der Terrasse und sieht drei Fremde auf dem Hausdach gegenüber feiernd auf dem Dach. Als sie wegblickt und nach Sekunden wieder hinblickt, ist eine der Frauen verschwunden. Wo ist die Frau hin? Einfach nur weggegangen oder ist sie vom Dach gefallen?

Jetzt gäbe es bestimmt viele Krimiheldinnen, die sofort in Aktionen treten würden – welcher Art auch immer – doch Lena ist hier eher zurückhaltend. Zum einen ist sie sich nicht sicher, ob tatsächlich etwas passiert ist. Fragt sich, ob es nicht der Wirkung des Joints geschuldet ist oder ob die Frau wirklich nur einfach wieder ins Haus gegangen ist. Zum anderen ist da die Reaktion der beiden anderen auf dem Dach. Es herrscht keine Hektik, keine Panik. Die beiden sind ruhig, ruhiger als vorher mit der anderen Frau zusammen, aber eben nur ruhig. Keine Aktion, als ob gerade jemand abgestürzt wäre.

Lena ist sich unsicher und dies zieht sich durch das ganze Buch. Es gibt von ihrer Seite immer wieder Vorstöße, doch sind diese vorsichtig, abwägend. Sie kann die Beobachtung nicht aus ihren Gedanken verbannen und es gibt auch immer wieder Kleinigkeiten, die ihr auffallen. Manche Dinge geht sie gezielt an, doch letztendlich kann sie sich nie sicher sein, ob wirklich etwas geschehen ist. Nebenbei passieren Lena viele gute Dinge: sie verliebt sich, ihr Teilzeitjob wird auf einen Vollzeitjob ausgeweitet, ihre finanzielle Situation verbessert sich, sie findet Freunde. Und doch nagt beharrlich der Abend an ihr, an dem sie das Geschehen auf dem Dach beobachtet hat. Die Geschichte hört sich einfach an und doch gelingt es der Autorin, hier nie das Gefühl von Langeweile aufkommen zu lassen, sondern sie kreiert ein unterschwelliges, immens spannendes Krimi-Paradestück, welches einen Großteil der Zeit ganz ohne Leiche zubringt.

Neben Lenas Gedanken und Erlebnissen, bekommt man auch immer wieder Einblick in die des Täters, der dem Leser aber nicht namentlich genannt wird. Die Aktionen des Täters werden zunehmend gezielter und mörderischer, nicht nur als die zweite Frau auf dem Dach mit Zweifeln bestückt die Polizei aufsuchen will, sondern auch Lena ihm näher rückt. Die Autorin präsentiert einige Kandidaten in Lenas Leben, die als Täter in Frage kommen und irgendwann hat man auch einen konkreten Verdacht, doch das nimmt dem Krimi nicht die Spannung. Es geht gar nicht darum, wer der Täter ist, sondern darum, dass Lena sich im Spannungsfeld um den Täter aufhält und es selbst zwar ahnt, aber nicht weiß, wer es ist. Die Spannung ist fast greifbar und Lena immer mehr verunsichert, aber trotzdem hartnäckig. Der Weg dorthin ist das Erlebnis, nicht die Lösung des Falls.

Fazit:
“Lichtschacht” ist ein raffinierter Krimi, der von einer unheimlichen und durchgehenden Spannung gespeist wird. Unspektakulär, aber überzeugend – das Buch hat mich in seinen Bann gezogen. Eine absolute Leseempfehlung!


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Der Tote vom Zentralfriedhof – Beate Maxian

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Beate Maxian – Der Tote vom Zentralfriedhof
Verlag: Goldmann
411 Seiten
ISBN: 978-3442480692
8,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Sarah Pauli, Journalistin beim Wiener Boten, arbeitet an der neuen Serie „Mystisches Wien“ für ihre Kolumne über Aberglauben. Informationen erhofft sie sich von Erika Holzmann, die einen Stadtspaziergang zu diesem Thema plant. Als sie mit ihr telefoniert, erzählt ihr Erika noch von Symbolen und Zeichen, die sie entdeckt hat, doch bevor die beiden sich treffen können, verschwindet Erika Holzmann. Sarah – neugierig wie immer – macht sich auf die Suche nach ihr und vermutet schon bald eine Entführung. Im Gegensatz zu Ihren Kollegen, die eher auf Mord durch den Ehemann oder gewolltes Verschwinden tippen. Doch dann wird ein Sarg vom Zentralfriedhof gestohlen. Und dieser Sarg ist nicht irgendeiner, sondern der Sarg von Josef Weinscherb, Immobilienmillionär und Onkel von Erika Holzmann. Hängt der Sargdiebstahl mit Erikas Entführung zusammen? Sarah verbeißt sich in den Fall, natürlich entgegen aller guten Ratschläge…

Meine Meinung:
Ich mag Sarah Pauli! Sie ist neugierig bis zum geht nicht mehr und lässt sich von niemanden abhalten herumzuschnüffeln. Auch wenn ihr das in den letzten Teilen nicht immer gut bekommen ist. Aber deswegen ist sie eben eine Journalistin, wie sie leibt und lebt. Genau so sollte es sein und genau so ist es von Beate Maxian geschrieben worden. Auch diesmal macht sie sich wider alle Vernunft auf gefährliche Wege und diesmal braucht es erstmal keinen Toten. Na ja, zumindest keinen „frischen“ Toten, um Sarah ins Spiel zu bringen.

Ein bisschen muss man schon Aberglauben und diverse Themen, die Aberglauben berühren, mögen, denn Sarah doziert doch gerne mal über das ein oder andere Zeichen, Symbol, Datum o. ä. Doch natürlich ist der Aberglauben auch immer ein Aufhänger für sie, um einen neuen Fall zu „finden“. Schön finde ich auch, dass zwar ihr Privatleben stattfindet und auch dargestellt wird, aber keineswegs den „Ermittlungen“ im Weg steht, sondern diese mitunter sogar vorwärts bringt.

In diesem Teil wechselt sich die Erzählperspektive von Sarah mit der von Josip Kovac, einem Helfer des Verbrechens, und der Fremdenführerin ab. Allerdings nicht zu häufig, so dass schon das Geschehen um Sarah im Mittelpunkt steht. Die Gedanken von Josip schüren allerdings die Spannung des Lesers ungemein und man ist begierig darauf weiterzulesen und endlich zu erfahren, wie alles denn nun zusammenhängt. Das Finale kann sich wie immer sehen lassen und bringt Sarah wie immer in Gefahr und Bedrängnis.

Fazit:
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: ich mag Sarah Pauli! Sarah war eben wie gewohnt Sarah, doch eine Entführung von Frau und Sarg hatte ich dann doch noch nicht gelesen. Somit ist gut neues mit gewohntem verstrickt worden und lässt mich glückliche 4 ½ Schafe verteilen.

4 und ein halbes Schaf

 

Weitere Fälle mit Sarah Pauli:
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Fall 1: Tödliches Rendezvous
Fall 2: Die Tote vom Naschmarkt
Fall 3: Tod hinterm Stephansdom


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Steirerkreuz – Claudia Rossbacher

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Claudia Rossbacher – Steirerkreuz
Verlag: Gmeiner
275 Seiten
ISBN: 978-3839215364
9,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Ein Mann und sein Hund werden an kopfüber an einem Baum erhängt aufgefunden. Neben einem Pilgerweg gelegen, schleichen erst mal Worte wie Ritualmord und Serientäter durch die Gedanken unseres Ermittlerduos, doch als die Identität des Opfers feststeht, gehen die Ermittlungen in eine andere Richtung. Der Tote ist Peter Schindlecker, ein verurteilter Vergewaltiger, der nach der Haftentlassung in sein Heimatdorf zurückgekehrt ist. Seither erfuhr der Mann Anfeindungen von den Dorfbewohnern. Das ist auch nicht besser geworden, als Magdalena Pierer zu ihm gezogen ist, denn Magdalena ist das bei der Vergewaltigung gezeugte Kind, seine Tochter. Das Ritualhafte lässt die Ermittler nicht los, doch scheint der Täter aus der verschworenen Dorfgemeinschaft zu stammen – oder?

Meine Meinung:
Ich mag die Serie um Sandra Mohr und ihren nervigen Chef Sascha Bergmann!
Claudia Rossbachers Schreibstil gefällt mir gut. Natürlich muss man sich an die mitunter österreichischen Begriffe gewöhnen. Da wird der Verdächtige eben nicht vernommen sondern einvernommen und man geht nicht schlafen sondern liegen – um mal zwei einfache Beispiele zu nennen. Für mich als Süddeutsche jetzt nicht ganz so schwierig, für alle anderen gibt es ein kleines Glossar am Ende angefügt.

Sandra Mohr ist die ausgeglichene, korrekte Ermittlerin, die auch mal Herz hat, derweil Sascha Bergmann, ihr Vorgesetzter, den Gegenpol bildet: polarisierend, unsensibel, mit anzüglichen Bemerkungen und unpassenden Scherzen. Doch ab und an braucht ein Verhör eben einen Einwurf, der das Gegenüber aus der Reserve lockt. Obwohl Sandra da wohl anderer Meinung wäre, finde ich dass die beiden sich arbeitstechnisch gut ergänzen. Zugegeben muss Sandra schon auch einiges mit ihrem Chef aushalten. Und Sandra hat diesmal arg zu kämpfen. Der Fall macht ihr zu schaffen, aber das würde gehen, wäre da nicht der Unfall von Julius, der sie plagt. Deshalb ist sie diesmal nicht immer souverän, wenn ihr Kollege Bergmann sie mit seinen anzüglichen Bemerkungen und unpassenden Scherzen zur Weißglut treibt.

Die vorkommenden Personen der Dorfgemeinschaft spiegeln Stereotype wieder: der ausgestoßene Straftäter, die als Hexe verschrieene (ist das wirklich ein Wort? Word meckert das zumindest nicht an) Magdalena, die aber natürlich von Grund auf gut ist und eben kräuterkundig, der seelsorgende Pfarrer, der natürlich sein Beichtgeheimnis wahren muss, und und und. Trotz dieser Stereotypen finde ich Krimis, die in verschworenen Dorfgemeinschaften spielen immer ungemein spannend. Hier gibt es immer das Kleinbürgertum par excellence und ich kann mich tierisch darüber aufregen und fragen ob alle – ich eingeschlossen – wirklich so reagieren würden.

Der Fall spielt in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft, die jemanden zum Ausgestoßenen gekrönt hat. Zugegeben Peter Schindlecker ist ein verurteilter Vergewaltiger und auch mir würde mulmig werden, wenn ich wüsste, dass ein Straftäter in meiner Umgebung wohnen würde. Doch man muss auch anmerken, dass er zum einen mehr als zurückgezogen lebte und zum anderen, dass auch die Dorfbewohner ihre grausamen Seiten haben. Ich persönlich hatte schon ziemlich bald jemand in Verdacht und dieser wurde auch bestätigt. Leider sind die beiden auch mit den Ermittlungen noch nicht durch gewesen, bevor der Täter selbst hervortritt. Nichtsdestotrotz war es spannend, den beiden Ermittlern zu folgen und die Dorfgemeinschaft ‚aufzubrechen‘. Zudem gab es neben dem eigentlichen Täter noch ein, zwei Überraschungen, die die Autorin für mich bereithielt.

Gerade in diesem Band ist mir aufgefallen, dass Fr. Rossbacher nicht nur die ‚schönen‘ Spuren ausbreitet, sondern auch auf die Kleinarbeit der Ermittler hinweist, die gemacht werden muss und die aufgrund der Spannung in anderen Krimis oft in der Versenkung verschwinden. Und nein, man muss nicht alle 500 Adressen der Urlaubsgäste mit den Ermittlern durchtelefonieren, aber ich finde es gut, dass zumindest darauf hingewiesen wird. Es ist eben manchmal eine elendige Sisyphusarbeit, die die Ermittler, bzw. ihre Helfer leisten.

Fazit:
Mal wieder ein gelungener Krimi aus der Feder von Claudia Rossbacher. Eine verschworene Dorfgemeinschaft kommt gegen das Duo Mohr und Bergmann nicht an, auch wenn private Probleme an beiden nagen. Einen kleinen Abzug gibt es für die eigentlich vom Täter selbst abgeschlossene Ermittlung. Und von mir gibt es eine Frage: Wann wird denn mal in Graz ermittelt – oder steht das gar nicht auf dem Plan? 😉

4 Schafe

 

Weitere Fälle mit Sandra Mohr und Sascha Bergmann:
SteirerblutSteirerherzSteirerkind

 

 

 

 

Steirerblut – Teil 1
Steirerherz – Teil 2
Steirerkind – Teil 3