Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Trio Infernale: Wo Rauch ist – Gudrun Lerchbaum


Gudrun Lerchbaum – Wo Rauch ist
Verlag: Argument
288 Seiten
ISBN: 978-3867542333

 

 

 

 

Ich freue mich ja auf alle Krimis, die neu im Hause Argument erscheinen. Noch hab ich dort keins erwischt, welches mir nicht gefallen hat, denn die Auswahl, die Verlegerin Else Laudan bei ihren Autorinnen und deren Büchern trifft ist schlicht und einfach hervorragend. So hab ich auch mit Freude festgestellt, dass Gudrun Lerchbaum nun beim Verlag zu finden ist und dort ihren neuen Krimi veröffentlicht hat. Ich war wahnsinnig gespannt, ob die Autorin es wieder schafft mich total zu überzeugen. Und was soll ich sagen – es ist ihr gelungen!

Die Meisterin der Charaktere
Schon in „Lügenland“, dem letzten Roman der Autorin, der in einer nicht entfernten Zukunftsvision angesiedelt ist, war ich schlicht begeistert von der Protagonistin Mattea. Eine überzeugendere Protagonistin in einem bedrückenden Zukunftsszenario ist mir noch nicht unterkommen. Und  nun hat die Autorin es wieder geschafft, eine absolut realistische, interessante, überzeugende, begeisternde Protagonistin zu schaffen: Olga Schattenberg. Gut, eigentlich ist ihr diesmal sogar ein fantastisches Charaktertrio gelungen, doch Olga sticht hier einfach hervor. Aber fangen wir mal beim Anfang an.

Allergie, na klar
Can Toprak, investigativer Journalist und Ex von Olga Schattenberg, ist gestorben. Seine Familie verbreitet die These, dass er an einem allergischen Schock gestorben ist, doch Olga vermutet, dass sein letztes Recherchethema – rechtsextreme Kreise, türkischer Geheimdienst –  ihn das Leben gekostet hat. Auf der Beerdigung begegnet sie Adrian Roth, der die Grabrede hält, und kurz darauf Kiki, eigentlicher Name Christiane Bach, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und eine Ex-Freundin von Adrian ist. Kurzerhand engagiert sie Kiki als ihre Assistentin, da Olga durch die Multiple Sklerose oft an den Rollstuhl gebunden ist und Hilfe im Alltag benötigt, und Adrian hängt irgendwie drin. Denn die beiden Frauen verbünden sich und wollen nur eins: Can Topraks Mörder finden.

Die Kranke
Es wird wohl einige Menschen geben, die Olga auf unfeine Art eine „linke Zecke“ nennen würden. Olga war und ist eine, die ihre Meinung kund tut. Eine, die demonstriert. Eine, die Häuser besetzt. Eine, die handelt und nicht nur zuschaut. Sie ist borstig, kratzig und ungemütlich. Auch wenn die Multiple Sklerose sie an den Rollstuhl fesselt, hindert das Olga nicht daran, ihren Mund zu benutzen und erstaunlicherweise kann man auch mit dem Rollstuhl so einiges anstellen. Sachbeschädigung zum Beispiel, um den braunen Mob in seine Grenzen zu weisen. Liebenswürdige Seiten hat sie aber auch. Und ganz gewisse ist sie eine bewundernswerte Frau. Viele Einblicke gewinnt man als Leser in das Leben einer MS-Erkrankten und kann Olga nur für ihren Widerstand, ihre „sich nicht unterkriegen lassen“-Mentalität und ihren Trotz bewundern.

Die Irre
Kiki saß für Totschlag im Gefängnis, hat ihre Strafe verbüßt. Kiki ist eine Wucht. Sie mag zwar oft das Richtige wollen, aber keinesfalls sagt oder tut sie dann das Richtige. Kikis Gehirn funktioniert ein bisschen anders, Tausende Gedanken brechen sich hier Bahn. Aber sie ist eine gute Seele. Und das erkennt Olga. Sie ist warmherzig, besorgt und kümmert sich. Auch wenn das mal heißt, zum Messer zu greifen und für ihre Chefin in die Bresche zu springen. Obwohl über ihr Alter, glaube ich, nichts gesagt wird, wirkt sie jung und quirlig auf mich. Naiv und doch abgehärtet. Ein Energiebündel, das Anleitung braucht und nun endlich bekommt. Ein fantastisches Duo.

Der Stock
Doch eigentlich ist es ja ein Trio. Und den letzten freien Stuhl übernimmt Adrian. Gott, der hat echt einen Stock im Arsch. Konservativ, auf jeden und alles bedacht. Bloß nichts falsch sagen und machen. Lieber erst mal gar nichts machen und wenn, dann lieber eine Notlüge als die Wahrheit sagen, um es allen recht zu machen. Wahrheit ist sowieso Auslegungssache. Und keinesfalls Verrat, oder? Auch wenn Adrian die unangenehmste Person in diesem Trio infernale ist, gehört er dennoch dazu, reiht sich ein. Die Truppe läuft wie ein Uhrwerk – jedes Rädchen fügt sich in das nächste, auch wenn Adrian das schwächste Glied der Truppe ist.

Anecken
Die Autorin hat ein Trio aus Charakteren geschaffen, welches vielleicht auf den ersten Blick grotesk und unglaublich erscheint, doch keines von beiden ist. Natürlich stoßen die drei mit ihren Ermittlungen an Grenzen, wecken aber trotzdem die schlafenden Hunde. Dass Olga und Kiki nicht aufgeben ist klar, Adrian hätte allerdings schon längst das Handtuch geworfen, wenn die beiden Frauen ihn lassen würden. So aber sind die drei eigensinnig und kompromisslos. Diese Eigenschaften verschaffen ihnen einige Gegenspieler, die versuchen, das unbequeme Trio loszuwerden. Da ist die Polizei, die mit ihren Ermittlungen feststeckt, noch die harmloseste Partei.

Symbiose
Tatsächlich scheint die Lösung des Falles am Ende dann fast schon trivial, eine Familiengeschichte unter dem Deckmantel von extremistischen Ideen, doch die Suche nach der Wahrheit hat viele Dinge hervorgebracht, die einige lieber unter den Teppich gekehrt hätten. Schon die Idee an sich, dass Rechte mit dem türkischen Geheimdienst kooperieren scheint unglaublich und doch so wahr. Nebenbei zeigt die Autorin auch, wie die rechten Tendenzen sich immer mehr in unserer Gesellschaft verankern und zu Alltäglichem und vor allem akzeptierten Alltäglichem werden, wenn wir uns nicht wehren. Auch wenn der Fokus mehr auf den Charakteren liegt, die den Fall um Can Toprak versuchen zu lösen, und die politische Kulisse als Hintergrund dient – sowohl der Ermittlung als auch der Ermordung.  Die Frage, ob es sich hier nun um einen politischen oder einen sozialkritischen Thriller handelt, kann ich nur so beantworten: beides. Für mich die perfekte Symbiose aus beidem. Olga, Kiki und Adrian bieten den perfekten Ausgleich, um sich mit den erschütternden und leider sehr ernst zu nehmenden rechten Tendenzen auseinander zu setzen. Ein ernstes Thema, welches mit einem Augenzwinkern betrachtet wird, aber dadurch nicht an Brisanz und Wichtigkeit verliert.

Fazit:
Ein Trio Infernale auf der Suche nach einem Mörder in einer politisch aufgeheizten Gesellschaft – Frau Lerchbaum schafft es auch diesmal mich restlos umzuhauen, besonders mit ihren Charakteren, aber auch mit ihrem Feingefühl für gesellschaftliche Entwicklungen. Ein Krimi, der nicht nur von Krimilesern gelesen werden sollte, sondern in jedes Haus gehört. Herausragend und eine ganz klare Leseempfehlung!


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Zerrissen: Das größere Verbrechen – Anne Goldmann


Anne Goldmann – Das größere Verbrechen
Verlag: Argument
235 Seiten
ISBN: 978-3867542340

 

 

 

 

Es ist kein Geheimnis, dass ich ein großer Fan der Krimis von Anne Goldmann bin. Und so ist es bestimmt auch nicht verwunderlich, wenn ich nun zu einem weiteren Lobgesang anstimme. Wobei das neuste Buch von ihr, „Das größere Verbrechen“, auch irgendwie anders ist als ihre vorigen Bücher. Und irgendwie auch nicht. Letztlich ist es aber fast (aber wirklich nur fast, denn Anne Goldmann schreibt einfach wunderbar) völlig egal, wie es ist, denn es gehört schlicht und einfach des Themas wegen gelesen. Weil sie über Opfer schreibt. Über das, was mit Opfern nach der Tat passiert. Wie lange eine Tat in ihnen nachwirkt, wie verzweifelt und einsam diese Menschen sind. Und da ist es wieder – Frau Goldmanns Thema, die Einsamkeit. Diesmal verpackt in einem der wichtigsten Themen, die es gibt, über das aber so wenig berichtet, welches so wenig beachtet wird, das man sich dafür schämen muss.

Ist es Sensationsgier, die uns treibt? Die uns anhalten und rüber schauen lässt, wenn wir an Unfällen vorbeifahren? Die uns gierig schlechte und Übelkeit erregende Nachrichten anschauen und sogar danach suchen lässt? Ist es eine morbide Lust, die uns Krimis aufschlagen lässt, in denen (zumeist) junge Frauen bestialisch ermordet werden oder die Taten von (Serien)Mördern akribisch beschrieben werden? Gibt es Mitleid, Mitgefühl mit den Opfern? Ja schon, aber doch nur, bis das nächste Opfer auftaucht, dann ist das vorige ja schon fast vergessen. Wir leben in einer Zeit der Reizüberflutung, nicht nur im Bereich der Kriminalliteratur, aber eben auch da.

Frau Goldmann widmet sich nun in ihrem Buch drei Frauen, Theres, Selma und Ana. Theres führt ein mehr oder minder zufriedenes Leben mit Mann und Tochter, als ihr Sohn sich bei ihr meldet. Der Sohn, den sie vor langer Zeit abgeben musste, direkt nach der Geburt entrissen und zur Adoption freigegeben. Selma ist eine alte Frau, gefesselt an ihre Wohnung, heimgesucht von ihren Erinnerungen an den Krieg im damaligen Jugoslawien. Ana putzt. Bei beiden, bei Theres und bei Selma. Und versucht wegzusehen, sich um ihren Kram zu kümmern.

„Die ersten Bilder vom Krieg flimmerten über den Bildschirm. Da war er noch in der Stadt. Wir saßen starr vor dem Fernseher. Wir sahen Soldaten, Waffen, Panzer. Menschen im Granatenhagel um ihr Leben rennen, Gebäude in sich zusammenkrachen. Das Radio lief die ganze Zeit.
Es wird bald vorbei sein. Wir waren uns sicher.
Aber das Schlimmste stand uns noch bevor…“ (S. 94)

Einsamkeit und Zerrissenheit, das sind die Schlüsselworte, die die Handlung bestimmen. Vor allem Selmas Erinnerungen an den Krieg nehmen einen mit, lassen einen schlucken. Dabei wird vieles nur angedeutet, nichts gesagt. Die Erinnerungen sind auch nicht durchgehend, zersplittert in vielen kleinen Erinnerungen lässt die Autorin das Grauen über den Leser hereinbrechen. Gleichzeitig ist Selma dazu verdammt wieder nur zuzuschauen, vom Alter an ihre Wohnung gefesselt, versorgt aber nicht umsorgt. Ausgenommen von Ana, ein Lichtblick.

„Sobald man auf andere angewiesen ist, zwingen sie einem ihre Regeln auf. Man ist ihnen ausgeliefert, wird zu einer Nummer. Das Wenige, das du noch hast, wird dir abgenommen. Du selber als Person liegst plötzlich nackt vor aller Augen. Das ist das Schlimmste.“ (S. 57)

Theres bestimmt aber den Hauptteil der Handlung. Und das plötzliche Auftauchen von Jan, ihrem Sohn. Erinnerungen kommen hoch. Der Ehemann zieht aus, wusste von nichts. Mit den Eltern beginnt sie Streit. Damals wurde sie gezwungen. Doch wie verlässlich sind Erinnerungen? Jetzt will sie jedenfalls ihren Sohn unterstützen, doch dann wird er verhaftet, soll seinen Adoptivvater getötet haben. Kann das sein? Theres ist ratlos. Sie hat einen Sohn, kennt ihn aber nicht. Doch er ist ihr Sohn, ohne Vorbehalte unterstützt sie ihn.

„Die meisten Menschen können noch nach Jahren den einen Moment bis ins kleinste Detail beschreiben, in dem ein Zufall, eine Begegnung oder ein schlichter Anruf ihr ganzes Leben mit einem Schlag verändert hat.“ (S. 8)

Die Autorin rollt auch hier nur Stück für Stück die Vergangenheit auf, lässt Theres Erinnerung für Erinnerung wieder erleben. Die erste Liebe, die versteckte Schwangerschaft, der verlorene Sohn. Depressionen und Medikamente, welche die Erinnerungen vernebeln und als Wahrheit angesehen werden. Die Autorin spielt mit den Lesern, gibt nur preis, wie viel gerade nötig ist. Unterlegt ist diese Geschichte aus der Vergangenheit mit der realen Bedrohung der Gegenwart. Wie weit kann man seinem eigenen Sohn, den man gar nicht kennt, trauen? Geschickt wird Misstrauen gesät, Theres eh vorhandene Unsicherheit ausgeweitet,  und in eine Kriminalhandlung gewoben. Die sich dann am Ende doch wieder ganz anders gestaltet als gedacht und eine Überraschung aufblitzen lässt.

Einordnen kann man Anne Goldmanns Spannungsromane nie so richtig – es sind kriminelle Elemente dabei, aber eigentlich lebt und atmet das Buch vor allem Spannung, ganz ohne ausufernde Kriminalfälle oder Ermittlungen. Es ist eine leise und bedrohliche Atmosphäre, die ihr immer wieder gelingt, die diesmal jedoch um ein so wichtiges Thema erweitert wurde, dass die Gedanken im Karussell fahren.

Es gibt nur wenige, die der Opfer gedenken, die an die Opfer denken, die sich mit Opfern beschäftigen. Unbemerkt leben sie in unserer Gesellschaft, vielleicht meist am Rande, ohne dass sie etwas sagen. Verdrängen, träumen, ängstigen sich. Und keiner sieht sie. Jeder sieht die Täter, die Taten. Die Zeitungen und Nachrichten sind voll davon. Es wird Zeit, dass den Opfern mehr Platz eingeräumt wird. In den Krimis, in der Literatur, in der Gesellschaft. Danke, Frau Goldmann!

Fazit:
Ein weiterer feiner, leiser, famoser Spannungsroman ist der Autorin hier gelungen. Dass Anne Goldmann sich einem kaum beachteten Thema, den Opfern von Gewalttaten, annimmt, lässt sie nur noch mehr in meiner Achtung steigen. Ein absolut lesenswertes und empfehlenswertes Buch!

 


Die weiteren Romane der Autorin, mit Link zu meiner Rezension dazu:
Das Leben ist schmutzig
Triangel
Lichtschacht


 


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Heißes Pflaster: Sommerfrische – Harald Schodl


Harald Schodl – Sommerfrische
Verlag: Text/Rahmen
368 Seiten
ISBN: 978-3950434361

 

 

 

 

Zugegebenermaßen war mir der Verlag Text/Rahmen bisher unbekannt. Ok, den Verlag gibt es noch nicht so lange, aber immerhin hat er schon einige Bücher rausgebracht – darunter einige Krimis. Sehr gelungen finde ich übrigens die grafische Gestaltung der Bücher, die – nomen est omen – aus Text und Rahmen besteht. Wunderbarerweise hab ich nun in einen Krimi hinein schnuppern dürfen, denn die Beschreibung von Harald Schodls „Sommerfrische“ hat mich sehr angesprochen.

Carl Sandtner erhält einen kryptischen Anruf von seinem alten Freund Benny, den er aber eine Weile nicht mehr gesehen hat. Doch zu einem klärenden Treffen kommt es nicht, da Benny verschwindet. Einzig seine Ex macht sich Sorgen und stellt eine Vermisstenanzeige – wegen den Unterhaltszahlungen. Die Polizei zeigt auch wenig Interesse an der Aufklärung, denn der frühere Journalist könnte ja aus freien Stücken verschwunden sein, Anzeichen für eine Straftat lassen sich jedenfalls nicht finden. Nichtsdestotrotz gibt ihm der ermittelnde Beamte den Tipp in Bennys letztem Job nach dem Rechten zu sehen. Als Kaufhausdetektiv hat Benny zwar ständig Straftaten gesehen, die keine waren, aber vielleicht ist er ja per Zufall tatsächlich einer richtigen Straftat auf die Schliche gekommen? Und so heuert Carl im Kaufhaus an und begibt sich auf Bennys Spuren.

Im Klappentext wird nun noch von einem Serienbrandstifter gesprochen, der Jagd auf Sozialdemokraten macht – politische Morde also. Spannend, doch ein wenig irreführend, denn dieser spielt tatsächlich nur eine Nebenrolle und hat mit der Handlung um Carl und Benny nur am Rande zu tun. Der Fokus liegt tatsächlich auf den Ganoven – den kleinen, wie die beiden Kaufhausdetektive Manfred Racz und Stefan Kalhammer, sowie den großen, dem Gangsterboss Johannes Hofmann, seinen zwei Handlanger Satin-Schorsch und Zucker-Pauli sowie seiner Freundin Annette, die zufälliger Weise die Schwester von Manfred ist. Am Anfang geht Carl mit seiner verdeckten Ermittlung im Kaufhaus ein wenig unter, da mehrere Erzählstränge begonnen und weiter geführt werden, doch das ändert sich dann nach einer Weile und Carl rückt mehr in den Fokus.  Danach hat das Buch auch einiges an Highlights zu bieten – über Verfolgungsfahrten, Folter bis hin zu Angriffen auf Sandtner – und auch das Ende hatte einen spannenden Showdown im Gepäck. Positiv aufgefallen ist mir der Beginn des Buches, der mit zwei Dingen überzeugen konnte: einem Zitat von Gramsci, das sehr geschickt gewählt wurde, und dem ersten Kennenlernen von Carl, der mit dem Bus durch Wien fährt, die Straßen und die Stadt betrachtet und an der drückenden Sommerhitze leidet. Diese aufgeheizte, knisternde Atmosphäre schimmert im Laufe des Buches immer wieder durch und verleiht ein gewisses Extra.

Carl Sandtner ist für mich die einzige Figur, der ich Sympathie entgegen gebracht habe – abgesehen vom Brandstifter, der aber ja eben nur eine Nebenrolle hat. Alle anderen Charaktere sind mir schlichtweg sehr unsympathisch gewesen und hatten auch wenig andere interessante Aspekte, die mich reizen konnten. Zudem haben die Kriminellen – ob nun klein oder groß – eine recht derbe Sprache bzw. einen recht derben Umgang miteinander bzw. mit anderen. Das verdeutlicht zwar den harten Umgang in der Branche, war mir aber ein wenig zu viel.
Bei Carl Sandtner sah das ganz anders aus – und die Figur hat auch sehr viel Potential. Als Journalist ist er ja prädestiniert dafür, seine Nase in Angelegenheiten zu stecken, die ihn nichts angehen. Und das macht er auch fröhlich und munter in dem Kaufhaus – mit Wanzen im Büro des Chefs und natürlich unauffällig-auffälligen Fragen im Kollegenkreis. Im nächsten Fall darf er also wirklich gerne seine Nase in die politischen Morde stecken oder größere Herausforderungen suchen – auch wenn dann vielleicht das Gangster-Feeling dafür in den Hintergrund tritt. Er ist auf jeden Fall eine Figur, die man nicht über den Haufen werfen sollte – und für seinen ersten Fall war das ja nur die Aufwärmphase, nicht? So dass er sich dann hoffentlich bald im nächsten Fall ein Sahnestückchen schnappt.

So ganz bin ich mir nun nicht sicher, ob ich bisher eine deutliche Meinung transportieren konnte, deshalb nochmal kurz zusammengefasst: Der Krimi ist ein gutes Erstlingswerk mit ein paar kleinen Defiziten, aber mit einer Figur die Potential für weitere – und komplexere – Fälle hat, ob nun im „richtigen“, kriminellen Milieu oder eben mit politischen oder wirtschaftlichem Hintergrund , ich kann man hier vieles gut vorstellen. Der Klappentext hat leider, leider falsche Erwartungen in mir geweckt, was ich leider nicht ganz aus meiner Meinung raushalten konnte, ich aber dem Buch eigentlich nicht anlasten möchte.

Fazit:
Ein guter Einstieg des Autors ins Krimigenre mit aufgeheizter Atmosphäre und kleinen Defiziten, aber einer Hauptfigur mit Potential für mehr!


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Kunst und so: Im großen Stil – Bielefeld & Hartlieb


Claus-Ulrich Bielefeld & Petra Hartlieb – Im großen Stil
Verlag: Diogenes
415 Seiten
ISBN: 978-3257243857

 

 

 

2 Tote, 2 Städte und ein paar Gemälde – darum dreht es sich in diesem Krimi, der in Berlin von Kommissar Thomas Bernhardt und in Wien durch Inspektorin Anna Haber vertreten wird. Die Kunstszene wird beleuchtet, genauer gesagt der Kunsthandel. Privat oder mit Museen, Originale, aber auch Fälschungen, ganz schön teure Fälschungen. Und mittendrin eben nun zwei  Ermittlungen, die zu einer werden – Berlin und Wien in einer ermittlerischen Symbiose.

Mal wieder bin ich einem Thema begegnet, in dem ich herrlich unbefleckt bin und natürlich gerne Informationen in Form eines Krimis aufsauge: Kunst im Allgemeinen, Gemälde im genaueren. Beide Tatorte in den Ermittlungen zeigen Gemälde, einer ist quasi damit vollgestopft. Die Frage ist, ob man es hier mit Originalen oder Fälschungen zu tun hat, wobei ja auch Fälschungen einen gewissen Wert haben. Die Ermittler sind genauso unbefleckt wie ich, so dass die Nachforschungen natürlich einiges an Informationen über die Kunstszene zu Tage fördert. Ein Gemälde rückt in den Fokus: Brueghels „Die niederländischen Sprichwörter“, allerdings nicht so sehr, dass man wirklich viel Genaueres darüber erfährt, hierzu musste ich dann doch andere Quellen bemühen, um meine Neugier zu befriedigen. Auch bei den anderen Gemälden sowie der „Szene“ selbst bleibt die Ermittlung an der Oberfläche, ein Fokus auf ein Thema/Bild hätte mir persönlich gut gefallen.

Die Ermittlungen sind dann auch ein wenig stockend, wobei mir das eventuell auch nur so vorkam, da zu viel Privates der beiden Ermittler hineinspielte. Thomas Bernhardt bandelt so mit einigen Frauen an, die man im Krimi antrifft, und lässt sich weder von Landesgrenzen noch von langjährigen kollegialen Verbindungen zurück halten, derweil Anna Haber den Fehler macht, Berufliches und Privates – um genauer zu sein, die aktuelle Ermittlung – zu vermischen. Ein „No Go“, welches sich prompt rächt, aber dann eben auch den Täter hervorbringt. Nichtsdestotrotz hätte ich diesen lieber durch Ermittlungserfolge auftauchen sehen.

Insgesamt konnte mich der Krimi also nicht so recht überzeugen. Die Ermittlungen, aufgeteilt auf zwei Städte, hätte ich mir spannender vorgestellt und der Anteil an Privatem war mir zu groß. Die Gespräche, bzw. Telefonate zwischen Bernhardt und Haber wirkten oft aufgesetzt und ein wenig ungelenk, mal ganz abgesehen davon, dass mir beide Ermittler weder sympathisch waren noch in anderer Weise mit Struktur versehen, die einem in Erinnerung bleibt.

Ich wollte gerne in die Serie hinein schnuppern und hab mich bewusst für einen Teil in der Mitte entschieden. Dies war aber kein Nachteil  – man kann so wie ich in der Mitte beginnen oder eben doch von vorne, wenn man an der Serie interessiert ist, der Kriminalfall ist ja – wie üblich – eh abgeschlossen. Ich werde die Serie nicht fortsetzen, dazu hatte sie mir einfach zu wenig zu bieten. Zusätzlich kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass das hier aufgestellte Konzept der „Zwei-Städte-Ermittlung“ dauerhaft funktioniert, da es sich ja immer um die gleichen Städte handelt.

Fazit:
Mich konnte der Krimi nicht überzeugen, auch wenn sehr gute Ansätze, wie Ermittlungen in zwei Städten und die Kunstszene, dabei waren. Das private Geplänkel hat mir dann den Rest gegeben – für mich mein erster und letzter Ausflug in diese Serie.


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Bestattungen Blum: Totenfrau – Bernhard Aichner

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Bernhard Aichner – Totenfrau
Verlag: btb
448 Seiten
ISBN: 978-3442754427

 
Blum hat ihre Eltern umgebracht. Auf dem Meer. Die beiden sind schwimmen gegangen und Blum hat die Leiter verschwinden lassen. Nun liegt sie nackt auf dem Deck des Bootes – das durfte sie sonst nie – und tut so, als würde sie ihre Hilferufe nicht hören. Sie fängt sich einen gehörigen Sonnenbrand ein, um auch ein standfestes Alibi zu haben. Der erste, der sie hilflos auf dem Boot findet, ist Mark. Ein Polizist und Liebe auf den ersten Blick. Jahre später, eine Heirat, zwei Kinder, Marks Vater im Dachgeschoss und Reza, der bosnische Flüchtling im Untergeschoss weiter, stirbt Mark bei einem Autounfall. Blum ist wie erstarrt und nur ihre Kinder können sie aus ihrem Trauma reißen. Und Dunja. Mark hat sich einige Male mit Darya getroffen und die Treffen aufgezeichnet. Darya erzählt eine schreckliche Geschichte, von einem Keller und zwei weiteren Gefangenen, von 5 Männern in Masken und einem jahrelangen Martyrium. Niemand glaubt ihr. Außer Mark. Und nun Blum. Denn die Männer sind nicht nur an Daryas grausamen Schicksal Schuld sondern haben auch Mark auf dem Gewissen, dessen Autounfall mehr und mehr nach einem Attentat aussieht. Und so macht sich Blum auf die Suche nach den 5 Männern: den Fotografen, den Pfarrer/Priester, den Jäger, den Koch und den Clown.

Über Totenfrau hab ich schon so manch begeisterte Rezension gelesen und wollte das Buch nun endlich auch von meiner Leseliste streichen und auf die Gelesenliste setzen. Ich muss zugeben, der Einstieg fiel mir schwer. Zum einen war das so, weil der spanndende Teil erst nach ca. einem Viertel beginnt. Davor wird Blums Geschichte ein wenig beleuchtet und vor allem, der Unfall von Mark sowie Blums Umgang damit. Wie schwer es ihr fällt, wieder ins Leben zurück zu kehren. Zum anderen lag das an dem Schreibstil des Autors. Gut daran fand ich, dass die wörtliche Rede nicht unterbrochen ist – also kein „sagte er“ oder „meinte sie“, einfach nur ein Bindestrich zu Beginn Ich stelle mir das bei Gesprächen mit mehr Personen schwierig vor, aber mit Blum und dem jeweiligen Gesprächspartner funktioniert das gut. Vor allem, weil Blum so schön trocken ist. In den Passagen ohne wörtliche Rede bin ich allerdings ab und an hängen geblieben. Der Sätze sind meist sehr kurz und knapp, manchmal sogar stakkatohaft. Es ist ein Schreibstil, der auf dem Punkt liegt, ein puristischer Stil. Doch ein wenig Ausschweifung hätte an einigen Stellen gut getan, da die Sätze beim Lesen mitunter schnell vorbeifliegen und ich dann doch hin und wieder nachlesen musste, was ich gerade gelesen habe. Ich habe mich allerdings daran gewöhnt und zusätzlich muss man eben erwähnen, dass der Stil hervorragend zu Blum und ihren Dialogen passt. Nichtsdestotrotz muss man am Anfang also ein wenig am Ball bleiben, bis der spannende Teil beginnt und man sich eingewöhnt hat. Im übrigen sind – zumindest in meiner Hardcover Ausgabe – im Buch die Kapitelnummern auf extra Seiten gedruckt, so dass die Seitenanzahl zwar bei über 400 liegt, aber durch die Leerseiten ungefähr etwas über 300 Seiten Text bleiben.

Blum ist ein sehr interessanter Charakter. Der Mord an ihren Eltern ist quasi zwangsläufig nicht abwendbar gewesen  – jedenfalls in ihrem Weltbild. In einigen Rückblicken bekommt man mit, dass ihre Eltern sie adoptiert haben, um einen Nachfolger für das Bestatterunternehmen zu bekommen. Am liebsten wäre ein Junge gewesen, aber wenn es denn nun ein Mädchen ist…. der Vater nimmt sie schon in jungen Jahren mit zu den Leichen und lässt kein Pardon gelten. Da müssen Leichen gewaschen oder Münder zugenäht werden – und das auch schon mit 10 Jahren. Liebevoll ist ein Fremdwort in der Eltern-Kind-Beziehung und als Leser ist schon Verständnis da, als Blum (die eigentlich Brünhilde heißt, mit Nachnahmen Blum) ihre Eltern ermordet. Die Erziehung, aber auch der Mord prägen Blum und es ist fast schon ein Wunder, dass sie sich in Mark verliebt.  Doch es funktioniert. Sie ist glücklich wie nie und hat einen Partner an ihrer Seite, der ihr Leben möglich macht, mit Leben füllt. Vorher waren Kinder undenkbar, nun eine Erfüllung. Doch dieses Gefüge bricht auseinander und Blum geht auf einen Rachefeldzug. Sie ist konzentriert und fokussiert – komischerweise aber recht planlos. Vor allem den ersten Täter findet und erledigt sie fast ohne jegliche Vorausplanung. Ihr Feldzug erscheint einfach, aber manchmal eben auch von Zufall und viel Glück gesteuert und zum Erfolg geführt. Später erhält sie dann stille, aber effektive Unterstützung von Reza. Blum selbst zieht einen Vergleich zwischen sich und Dexter Morgan, dem Forensikspezialisten bei der Polizei Miami, der in seiner Freizeit Mörder ermordet (geschrieben wurde die Serie um Dexter von Jeff Lindsay, Teil 1 ist „Des Todes dunkler Bruder„). Ein geschickter Schachzug, denn so nimmt der Autor dem kundigen Leser den Wind aus den Segeln.

An ein paar Kleinigkeiten muss ich nun aber doch rumkriteln. Zum einen hatte ich ja gerade erwähnt, dass doch der Zufall und das Glück mitunter geholfen haben. Hierzu zähle ich auch, dass ich es seltsam finde, dass die übrigen Täter – nachdem dann eben ein, zwei verschwinden – sich nicht absprechen bzw. versuchen sich zu schützen oder gar zu verteidigen. Es hat auch nicht so gewirkt, ob alle so von sich überzeugt wären, dass dies gar nicht nötig ist. Zwar wird Blum von einer anderen Seite bedrängt – das löst sie im Übrigen auch unkompliziert und ein wenig unrealistisch – doch der Täterkreis der Fünf bleibt seltsam lethargisch. Zum anderen hab ich einen der Täter sogleich richtig vermutet. Ich weiß nicht, ob ich einfach schon zu viele Krimis gelesen habe oder ob das zu offensichtlich war, aber damit war das Finale schon grob bestimmt und zwar noch spannend, aber nicht mehr überraschend. Schade…

Fazit:
Für mich ein durchwachsener, aber ganz spannender Krimi um Blum, die Bestatterin und „gute“ Mörderin. Somit bleibt noch Potential nach oben für den zweiten Teil, der als Trilogie angelegten Krimis um Blum.


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Es kribbelt im Nacken: Das Leben ist schmutzig – Anne Goldmann

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Anne Goldmann – Das Leben ist schmutzig
Verlag: Argument
285 Seiten
ISBN: 978-3867541947

 

 

 

 

Ein Haus, mehrere Parteien. Nicht zu viele Menschen, aber auch genügend, um zur Not anonym zu bleiben. Man kennt sich, aus dem Gang, ein paar auch näher. Und doch ist jeder allein, sobald er die Tür schließt. Allein mit sich. Und mit seinen Geheimnissen. Was verbirgt sich im Haus, hinter den Türen?

Ah, ich liebe Geschichten, die sich nur in einem einzigen Haus abspielen. Geben wir es doch zu, ein jeder hat seine Geheimnisse. Und wenn es nur ist, dass man gerne seinen Hosenknopf öffnet, wenn man auf der Couch fläzt. Aber vielleicht ja auch ein paar wichtigere Geheimnisse. Eigene Geheimnisse oder Geheimnisse anderer. Schon wenn ich nur darüber schreibe, läuft mir ein wohliger, gespannter Schauer über den Rücken. Und dieses Gefühl, dieses leise Gruseln und gespanntes Luftanhalten, das ist ein Gefühl, welches Anne Goldmann mit Bravour beim Leser auslöst. Einfach so. Ganz unbewusst. Es passiert gar nicht so viel in dem Krimi. Und doch ist es da, lauert und lauert, bis seine Chance gekommen ist. Die Anspannung ist nicht direkt, aber immer da.

Die Autorin hat ihre ganz eigene, eigenwillige Erzählweise, betupft mit österreichischen Wörtern und Phrasen, die selbst den langweiligsten alten Grantler noch spannend erzählen lässt. Und das darf er auch. So wie jeder im Haus. Da trifft man die Hausbesorgerin mit ihrem Teenager-Sohn, die ewige Studentin und den stillen Beamten, den jungen Postboten, aber auch die psychisch-labile Mitt-Dreißigerin mit ihren vielen Grünpflanzen im zweiten Stock. Lebensgeschichten pur, hautnah aus jedem Blickwinkel betrachtet. Ein jeder lässt den Leser in seine Geheimnisse blicken und hält doch was zurück. Jeder kämpft mit etwas anderem, hat Angst vor dies oder jenem, kann auch nicht jeden leiden. Im Hausgang ist es einfach sich nur zu grüßen, die Animositäten werden bis nach der Tür aufgehoben und dort lautlos hervorgebracht. Aber im Stiegenhaus, ja dort ist alles in Ordnung.

Erst die auftauchende Leiche bringt Unruhe ins Haus. Verstörung, einen Bruch in den Abläufen des Mikrokosmos. All diese eigenwilligen Individuen, einsam und allein, aber doch gemeinsam im Haus. Verbandelt oder sich fremd, egal wie man es stellt und wendet, ein Geheimnis hat jeder. Und die Leich? Ja die, da ist schnell ein Täter gefunden und vornehmliche Ruhe kehrt ein. Doch irgendwas ist da. Es zwackt und zwickt, etwas stimmt nicht. Das Haus ächzt und knarrt – seine Bewohner mit ihm.

Schon in „Lichtschacht“ konnte mich die österreichische Autorin Anne Goldmann überzeugen, in „Das Leben ist schmutzig“ gelingt ihr das gekonnt wieder. Die Stimmung ist phenomenal – aufgeladen mit Kleinigkeiten und Geheimnissen, Vorbehalten und Ängsten, doch nie offensichtlich. Im Nacken kribbelt es, als wollte es einen gleich anspringen. Es ist kein Krimi, kein Thriller, aber ein Spannungsroman – und zwar einer, bei dem der Name durchgehend Programm hat. Man wird von der Geschichte aufgesogen, ganz leise und eindringlich, um am Ende völlig fertig wieder ausgespuckt zu werden. Fertig, aber glücklich.

Fazit:
Anne Goldmann ist ein wahrer Geheimtipp. Stimmungsvoll und mit lauernder Spannung wirft sie den Leser in das Haus und lässt ihn atemlos zurück. Beeindruckend!


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Verschwörung?: Tod in der Hofburg – Beate Maxian

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Beate Maxian – Tod in der Hofburg
Verlag: Goldmann
380 Seiten
ISBN: 978-3442482856

 

 

 

 

Ein neuer Fall für Sarah Pauli, die Journalistin, die eigentlich eine Kolumne über Aberglauben betreut, sich aber einfach nicht aus dem Kriminalressort raushalten kann. Und diesmal wird es richtig spannend, denn der Krimi beginnt gleich mit einem Attentäter / Amokläufer / Heckenschützen. Na ja, eigentlich mit einer Handgranate. Ihr seht – diesmal geht bei Sarah Pauli so richtig die Post ab!

Es ist Neujahr und David hat für sich und Sarah tatsächlich zwei Eintrittskarten zum heißbegehrten Neujahrskonzert ergattert. Doch nach dem Konzert, auf dem Vorplatz, werden plötzlich Schüsse laut. Zwei Menschen sterben, eine Frau wird verletzt, die Konzertbesucher sind in Panik. Auch Sarah und David stehen unter Schock, doch darüber hinaus wird natürlich nicht vergessen, dass der Wiener Bote nicht nur eine Schlagzeile hat, sondern Augenzeugenberichte direkt aus dem Redaktionsteam. Doch was war das nun eigentlich? Ein Attentäter? Ein Amokläufer? Ein Heckenschütze? Waren die Opfer absichtlich gewählt oder zufällig?

Ich muss nun wirklich aufpassen, dass ich nicht zu viel verrate, denn in „Tod in der Hofburg“ gibt es diesmal viele Geheimnisse und Spuren, verschwundene Noten und geheime Machenschaften. Und doch ist nicht alles so wie es scheint. Sarah, die zwar noch ein wenig an dem Schock nagt, beginnt aber relativ schnell, sich mit Verwandten und Nachbarn zu unterhalten, recherchiert und hinterfragt. Mitunter spielt doch der Zufall ein wenig über die Stränge, dabei hat Sarah Pauli das eigentlich gar nicht nötig. Denn wie auch in den vorigen Fällen ist sie neugierig wie Nachbars Katze und lässt auch getrost alle guten Ratschläge von Kollegen, Freunden und dem Chef/Freund an sich abprallen.
Michaela Adam übernimmt den Part der zweiten Protagonistin. Sie ist Musikerin und kurz vor dem Neujahrskonzert noch auf dem Platz, an dem später die Schüsse fallen. Aufgrund ihrer Krankheit musste sie ihren Job an den Nagel hängen und jobbt jetzt in einem Krankenhauscafe. Sie hat andere Gründe, in dem Fall zu ermitteln, doch natürlich trifft sie mit Sarah zusammen.

Der ganze Krimi ist durchweg sehr spannend und verwickelt erzählt. Man kann gar nicht glauben, was man liest und doch, es steht da. Die Geschichte erhält dann kurz vor Ende eine überraschende Wendung (die ich aus persönlichen Gründen nicht so überraschend fand, aber andere Leser, die nicht meine Erfahrungen gemacht haben, bestimmt überraschend finden), bevor der Fall dann souverän, wenn auch – im Vergleich zu den vorherigen geheimnisvollen Ermittlungen – fast ein wenig langweilig aufgelöst wird.

Wer die vorigen Fälle von Sarah Pauli kennt, der weiß, dass ein Krimi mit ihr immer neues Wissen über Aberglauben enthält, aber auch einen Rundgang durch Wien, der in jedem Teil andere architektonische Sehenswürdigkeiten, aber auch ganz normale Viertel in Wien beinhaltet. Ein wunderbarer Nebeneffekt, der die Krimihandlung abrundet.

Fazit:

Eine rasante Handlung, eine überraschende Wendung – ungewöhnlich, aber mit einer gewohnt neugierigen Sarah Pauli!