Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Abschluss des Australien & Neuseeland Spezials

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Ach, schöne Dinge sind immer so schnell wieder vorbei. Aber das Schöne an den Spezials mit Kaliber.17 ist, dass danach immer Weihnachten ist. Hihi… wir planen das hervorragend, was?

Ich hab hier nochmal eine Übersicht, über alle Rezensionen, natürlich mit entsprechendem Link versehen:

Garry Disher – Drachenmann (AUS) – Kaliber.17
Carl Nixon – Rocking Horse Road (NLZ) – DiedunklenFelle
Jane Harper – The Dry (AUS) – Kaliber.17
Candice Fox – Hades (AUS) – DiedunklenFelle
Paul Cleave – Zerschnitten (NLZ) – Kaliber.17
Alan Carter – Prime Cut (AUS) – DiedunklenFelle
Helen Garner – Drei Söhne (AUS) – Kaliber.17
Garry Disher – Gier (AUS) – DiedunklenFelle
Peter Temple – Die Schuld vergangener Tage (AUS) – Kaliber.17

Diesmal kann ich gar nicht so einfach bestimmen, welches Buch mir am besten gefallen hat, von denen, die ich gelesen habe. Aber ich kann ganz klar sagen, welches mir am Schlechtesten gefallen hat: Hades. Es war ja nicht mal schlecht, aber auch einfach nichts besonderes. Etwas Besonderes war auf jeden Fall Rocking Horse Road, auch wenn es das Buch war, welches wohl am wenigstens das Krimigenre repräsentiert. Am Spannendesten war Gier – und am überraschendsten war Prime Cut.

Ach, was soll ich sagen. Ich war mit der Auswahl australischer und neuseeländischer Krimiliteratur höchst zufrieden. Ein Abstecher nach Down Under lohnt sich also und ich kann Euch nur empfehlen, auch mal einen Ausflug zu wagen. Auf jeden Fall haben wir Euch eine riesige Bandbreite an australisch-neuseeländischen Krimis vorgestellt – da ist auf jeden Fall für jeden was dabei!

So, ich hoffe es hat Euch auch viel Spaß und Freude bereitet!
Bis zum nächsten Special!

Ach ja, und natürlich: Frohe Weihnachten an Euch alle! Genießt die Tage, guten Hunger und natürlich spannende Lesestunden!


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Hommage: Gier – Garry Disher

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Garry Disher – Gier
Verlag: pulpmaster
Übersetzerin: Gabriele Bärtels
226 Seiten
ISBN: 978-3929010527

 

 

 

Als ich mich, gemeinsam mit Kaliber.17 zu dem Australien & Neuseeland Spezial entschieden habe, hatte ich mir gedacht, super, erfährst Du ein wenig mehr über Down Under. Zugegeben, dass kann man nun über „Gier“ von Garry Disher nicht sagen, denn die Story hätte wohl auch in anderen Ländern der Welt spielen können. Aber Garry Disher ist nun mal der Autor, der mich bei diesem Thema am meisten gereizt hat. Gunnar hat ja schon einen Blick auf die Inspector Challis Reihe geworfen, ich selbst habe „Bitter Wash Road“ vor einigen Monaten gelesen (und die Rezension dazu schlummert noch in meinem SUB), also hab ich mich an die Wyatt Reihe getraut. Wyatt, ein Berufsverbrecher, der unweigerlich an Richard Starks Parker erinnert – eine Rezension zu einem von Parkers Fällen findet ihr hier – der aber doch anders ist. Nun aber erst mal zu Wyatt.

Wyatt hält sich mit zwei, drei guten Jobs im Jahr über Wasser, so dass er meist einige Monate in sonnigen Gefilden verbringen kann. Gut geplante Arbeit für einige Wochen, Erholung und Ruhe für einige Monate. Als nun Anna Reid, eine Anwältin, ihren Partner ausnehmen will, kommt der Auftrag Wyatt ganz recht. Das Team besteht noch aus Hobba und Pederson, so dass die Beute von 300.000 Dollar durch vier zu teilen ist. Dummerweise kleben danach nicht nur die eigentlichen Eigentümer des Geldes an seinen Fersen, die den Profi Bauer auf ihn hetzen, sondern auch die Brüder Ivan und Sugarfoot Younger, die noch eine Rechnung mit ihm offen haben. Vor allem Sugarfoot, der Wyatts letzten Raubzug vermasselt hat und von ihm eine Abreibung erhalten hat, giert auf Rache.

Wyatt ist kein Mann der großen Worte, auch Lächeln liegt ihm nicht. Er hat so gut wie kein Vertrauen in seine Mitmenschen, in seine Teamkollegen sowieso schon gar nicht. Und mit den Frauen, ach, da will er schon gar keine tiefere Bindung. Ein paar unverfängliche Nächte und schon ist es vorbei. Also zumindest kann er sich mehr gerade nicht vorstellen, wobei… na ja. Mit den neuen Techniken hat er es auch nicht so. Dafür ist er klug, vorausschauend und eiskalt. Er ist jederzeit bereit, seine Partner um die Ecke zu bringen, wenn der Plan schief läuft. Aber er ist so fair, den Plan so gut zu durchdenken, dass nichts schief läuft und er niemand umbringen muss. Das ist nämlich nicht sein Ziel. Er bringt niemand einfach so um. Nur, wenn es sein muss. Wenn eben jemand seinen gut durchdachten Plan durcheinander bringt, weil er ein größeres Stück vom Kuchen will. Oder Wyatts Anteil.
Das gefährlichste in diesem Fall sind aber nicht unbedingt Wyatts Partner, sondern alle, die danach von dem Geld etwas abhaben wollen. Allen voran Sugarfoot Younger, der dümmste unter ihnen. Dummheit gepaart mit vielen Muskeln, Waffen und einer Angeberkarre, aber leider nur Stroh im Kopf, ist eben gefährlich. Sugarfoot denkt ständig, er müsste mehr vom Leben abbekommen und Wyatt stände ihm dabei im Weg.

Aber eigentlich kann man niemand trauen. Vielleicht lese ich zu viele Krimis dieser Sorte, aber das war mir von Anfang an klar. Es ist nur so, dass man doch noch knobeln muss, wer wen übers Ohr haut.  Das Buch war ein bitterböser Trip durch eine australische Stadt, deren Name nun wirklich nichts zur Sache tut, und ein erfolgreicher Raub, erfolgreich sogar im doppelten Sinne, der viel Gewalt und viele Tote nach sich zieht. Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, natürlich überlebt Wyatt das Gemetzel, denn „Gier“ ist der erste Teil einer kleinen Serie um den Berufsverbrecher. Und so zeigt sich, dass Gier einen nur das Leben kostet. Wenn man einfach nur seinen Anteil nimmt – hat man leider trotzdem viel zu tun, weil die anderen ja gierig sind. Ach, aber ganz unkompliziert soll es ja auch nicht sein –  sonst macht das Lesen doch keinen Spaß.

Fazit:
Schnell, böse und hart – ganz so, wie wir unsere Krimis um die harten Kerle, die Berufsganoven, mögen.


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Fremdenfeindlich: Prime Cut – Alan Carter

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Alan Carter – Prime Cut
Verlag: Edition Nautilus
Übersetzerin: Sabine Schulte
367 Seiten
ISBN: 978-3894018122

 

 

 

 

Wenn ich an Australien denke, dann denke ich an Sonne, Sand, viel Wüste, hohe Temperaturen, Sydney, die berühmte Oper – Urlaubsbilder eben. Natürlich ist klar, dass das nicht alles von einem Land sein kann. Und das ist es auch nicht. Allerdings habe ich mir Worte wie Minenarbeiter, Gastarbeiter, Ausländerfeindlichkeit und Ausbeutung nicht im Kopf gehabt. Aber warum sollte es das nicht auch in Australien geben? Es ist wie immer erstaunlich, wie geschickt und nebenbei Kriminalromane Wissen vermitteln, den Horizont erweitern und einen in eine fremde Kultur eintauchen lassen.

Detective Cato Kwong hat Mist gebaut und fristet jetzt sein Dasein im Viehdezernat. Da kommt ihm ein angeschwemmter und von Haien angenagter Torso gerade recht, um endlich wieder zu ermitteln, da Hutchens, sein früherer Chef, grade keinen anderen zur Verfügung hat. Also macht sich Cato gemeinsam mit seinem Kollegen Jim Buckley, der eigentlich den höheren Rang hat, auf nach Hopetoun, einem bis vor Kurzem verschlafenen Nest, welches durch die kürzlich eröffnete und nahe Nickelmine einen Boom erlebt. Dort trifft er auf eine alte Verflossene, Sergeant Tess Maguire, die ihm die Arbeit nicht unbedingt erleichert. Doch die Ermittlungen laufen an, wenn auch schwierig ohne zu wissen, wer das Opfer ist. Als dann Buckley ermordet wird, fällt eine Horde Polizisten in das kleine Städtchen ein und keinen interessiert mehr der übrig gebliebene Torso. Bis auf Cato Kwong.

“Er ist tot. Ich habe ihn umgebracht.”
“Schweinehund.”
“Ja, das war er wohl.”
“Näh, Sie habe ich gemeint.” (S. 361)

Cato Kwong ist ganz sicher kein einfacher Protagonist für den Leser. Er mag zwar auf den ersten Blick sympathisch erscheinen, vielleicht ein wenig überheblich, aber doch ein ganz Netter. Doch wenn man seine Geschichte kennt und ihn eine Weile begleitet, muss man dieses Urteil doch schnell revidieren. In seinen Anfangsjahren hat er sich von seinem Chef dazu hinreißen lassen, Beweise zu manipulieren. Ein korrupter Bulle also – aber einer, dem man es nachweisen konnte. Dumm nur, dass er der einzige war, dem man etwas nachweisen konnte. Sein Chef ist fein raus aus der Sache. Cato ist auch nicht dumm und durchaus fähig zu ermitteln, aber er hat eben Fehler gemacht. Unglücklicherweise zerfließt er in Selbstmitleid, was die ach so schreckliche Welt ihm angetan hat. Dabei müsste er sich an die eigene Nase fassen. Das passiert allerdings erst, als nicht nur Tess Maguire sondern noch ein paar andere ihm den Kopf gerade rücken. Tess, die an einem Überfall zu knabbern hat, stellt sich sowieso als die Heldenhaftere heraus. Auch wenn sie einen 11jährigen tasert. Na, ok, gerade darum. Die Szene ist göttlich – alleine deswegen hat sich die Lektüre gelohnt.

Aber natürlich hat sich die Lektüre auch so gelohnt. Zwar braucht der Fall eine ganze Weile, bis er in Fahrt kommt, doch am Anfang wird man gleich mit einem Prolog gefüttert, der es in sich hat. Sunderland in England, 70er Jahre: Ein Familienvater meuchelt seine Frau und seinen Sohn, er erschlägt sie und hat sie außerdem noch mit Stromschlägen malträtiert. Der Täter ist bis heute auf der Flucht – sehr zum Missfallen von Stuart Miller. Der tritt kurz darauf aus dem Polizeidienst aus und siedelt mit seiner kleinen Familie nach Australien um. Was nun dieses Verbrechen mit dem gefundenen Torso in Hopetoun zu tun hat, ja, das ist die Krux an dem ganzen Krimi, denn das gilt es herauszufinden. Bis die beiden Fälle zusammenfinden soll es aber noch eine ganze Weile dauern, vielleicht sogar ein wenig zu lange.

Derweil beschäftigt sich der Autor mit seinen Figuren, aber auch mit dem Städtchen Hopetoun. Darüber hab ich nur gar kein Bild im Kopf, denn so richtig beschreibt der Autor das Nest gar nicht (und ja, auch das boomende, von seinen Einwohner liebevoll Hopey genannt, ist immer noch ein Nest), dafür wird landschaftlich viel geboten. Und gesellschaftlich. Die Einheimischen beschuldigen die Zugezogenen – da sind sie auch nicht wählerisch, ob australischer Vertragsmitarbeiter oder ausländischer Gastarbeiter. So tummeln sich in der Mine Maori, Indonesier, Chinesen und Philippiner gemeinsam mit den Einheimischen und Zugezogenen – und es gibt Streit, Pöbeleien und Gewalttätigkeiten. Ein wenig gewundert hat es mich schon, so viel Fremdenfeindlichkeit in Australien anzutreffen, aber es vermutlich das gleiche Phänomen, welches sich in den USA finden lässt: ein Staat, welcher fast ausschließlich aus Immigranten besteht, fürchtet die neuen „Immigranten“. Sehr erschütternd ist übrigens auch die „Stop the boats“ Initiative, mit welcher der vorige Premierminister seinen Wahlkampf gewonnen hat, in der die australische Marine Flüchtlingsboote abwehrt, bzw. am anlanden hindert. Diese Initiative wird in dem Krimi keineswegs aufgefasst – dies hab ich durch meine Recherche nach der Lektüre aufgestöbert. Doch zeigt sich die Fremdenfeindlichkeit, das Missfallen und das Misstrauen im kleinen Ort Hopetoun mal unterschwellig, mal direkt – und Cato Kwong, von den Genen zwar Chinese, aber weder des Chinesischen mächtig noch mit China in irgendeiner Weise, abgesehen von seiner Abstammung, verbunden, bleibt davon auch nicht verschont.

Fazit:
Ein gut konstruierter Fall, der zwar etwas braucht, um in die Gänge zu kommen, aber mit einer interessanten, wenn auch unbequemen Hauptfigur und spannendem Hintergrundwissen punkten kann.

 


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Erziehungssache: Hades – Candice Fox

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Candice Fox – Hades
Verlag: Suhrkamp
Übersetzerin: Anke Caroline Burger
341 Seiten
ISBN: 978-3518466735

 

 

 

 

Ich habe schon so viel über das Buch gehört und gelesen. Viele waren nicht so begeistert von dem ersten Teil der Trilogie um Eden Archer und ihren neuen Kollegen Frank Bennett. Doch immerhin hat es „Hades“ auf die KrimiZEIT-Bestenliste geschafft. Also sollte doch wohl was dran sein an dem Thriller, oder?

Frank Bennett ist neu in der Mordkommission von Sydney. Seine Partnerin wird Eden Archer, die gerade ihren Kollegen verloren hat. Der erste Fall mit dem sie es zu tun haben, hat es gleich in sich: im Meer befinden sich mehrere Kisten mit Leichen, mehr oder minder verwest. Bei genauerer Untersuchung stellt man fest, dass den Leichen Organe fehlen. Frank und Eden versuchen einerseits den Täter zu schnappen und andererseits die Opfer  zu identifizieren. Auf beiden Seiten stoßen sie auf grausame Überraschungen.

Neben diesem Ermittlungsstrang gibt es Rückblenden in Edens Kindheit. Eden, sowie Eric, ihr Bruder, der auch bei der Mordkommission arbeitet, sind bei Hades aufgewachsen. Hades ist einer der Herren der Unterwelt. Auf seinem Schrottplatz / Müllhalde lässt er verschwinden, was andere Leute loswerden wollen. Als dann jemand zwei Kinderleichen bei ihm abladen will, erledigt er den Überbringer – und merkt, dass die Kinder gar keine Leichen sind. Eden und Eric sind das Resultat eines missglückten Überfalls / Raubs / Entführung / Erpressung – oder so.

Ohne erst mal darauf einzugehen, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht, muss ich einfach erwähnen, dass ich ständig Dexter Morgan im Kopf hatte (Dexter Morgan Reihe von Jeff Lindsay). Nur, dass Dexter sich ein wenig geschickter anstellt. Auch Dexter ist das Überbleibsel aus einer Straftat und bekommt von seinem Adoptivvater, einem Polizisten, alles mitgegeben, was er benötigt, um seine „Neigung“ sinnvoll einzusetzen – also nur Straftäter zu töten. Und er lädt seine Leichen im Meer ab. Naaa, ok, die Leichen im Meer stammen in „Hades“ weder von Eden noch Eric, aber Eric kommt Dexter schon sehr nahe – außer dass Eric das Rohe, Gewalttätige ausstrahlt und nicht verheimlichen kann. Die Frage ist nun, ist das eine Huldigung oder einfach schlecht kopiert?

Mal abgesehen von dieser Tatsache – die übrigens ja auch nur auffällt, wenn man die Dexter Morgan Reihe kennt – bietet der Thriller eine Ermittlung um einen kranken Serienmörder, der sein Tun mit dem Bedarf nach Organen rechtfertigt. Wer ist gut, wer ist böse? Wer verdient ein neues Organ? Wer verdient es, seines herzugeben? Der Killer bietet allerdings keine Tiefe, er ist schon sehr ausgelutscht, ein Serienkiller, wie er in jedem anderen Buch auch auftauchen könnte.

„Das Böse ist wie ein Virus. Er breitet sich aus, bei jeder Berührung, wird durch die Luft übertragen und eingeatmet. Man fängt sich den Virus ein, wenn man ein hartes Leben hat oder misshandelt worden ist. Man bekommt ihn, wenn man bedürftig ist. Und irgendwas braucht doch jeder. […] Man kann nicht alles Böse in der Welt bestrafen. Da müsste man schon bei sich selbst anfangen.“ (S. 221)

Eden Archer hat ihre Vergangenheit besser verkraftet als Eric Archer, doch sie ist ihm fast hörig. Als Frank in diese traute Zweisamkeit platzt, ist Streit mit Eric vorprogrammiert. Frank versucht Kontakt zu seiner neuen Partnerin aufzubauen. Vordergründig um mit ihr besser zusammen zu arbeiten, doch es hat den Anschein, als hätte er auch nichts dagegen, mit ihr ins Bett zu hüpfen. Mit keinem der drei bin ich in irgendeiner Weise warm geworden – Figuren müssen mir nicht grundsätzlich sympathisch sein, aber wenn alle einen kalt lassen, ist es schon schwierig.
Nichtsdestotrotz leisten die beiden, Eden und Frank, solide Ermittlungsarbeit, auch wenn sie dem Täter nur langsam näher kommen. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass ihm ein Opfer entkommt und damit die Ermittlung ein gehöriges Stück voran bringt.

Insgesamt liest sich der Thriller schnell und zügig – ein Pageturner par excellence –  das titelgebende „Hades“ ist allerdings irreführend. Eher hätte der Titel des nächsten Bandes, „Eden“, gepasst. Es gibt eine solide Ermittlung, Rückblicke, die mich leider nicht vom Hocker hauen konnten (erinnerten mich einfach zu sehr an Dexter), unsympathische Hauptfiguren, aber ein furioses Ende – mit sogar einem sehr überraschenden Toten. Also für mich überraschend. Auch wenn der Thriller ganz solide war, wird der zweite Teil wohl bei mir nicht auf der Wunschliste landen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der zweite Teil auch auf der KrimiZEIT-Bestenliste gelandet ist.

Fazit:
Solider Thriller, bei dem die Seiten nur so weg fliegen, der mich aber leider nicht ganz überzeugen kann.


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Wunderbar: Rocking Horse Road – Carl Nixon

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Carl Nixon – Rocking Horse Road
Verlag: btb
Übersetzer: Stefan Weidle
236 Seiten
ISBN: 978-3442747382

 

 

 

 

Manchmal muss ich mich wirklich fragen, warum ich manche Bücher so lange bei mir rumliegen lasse. Wenn ich das entsprechende Buch dann gelesen habe, schüttele ich immer ungläubig den Kopf und kann es nicht ganz verstehen. So ging es mir nun auch mit „Rocking Horse Road“. Ein Glück, dass das gemeinsame Spezial mit Kaliber.17 mich wieder auf dieses Buch gebracht hat und ich es endlich gelesen habe. Welch wunderbare Lektüre mir manchmal fast entgeht.

1980 wird Lucy Asher, eine 17-jährige, tot am Strand von The Spit gefunden, einer Landzunge in Christchurch, die mit der namengebenden Rocking Horse Road komplett abgefahren werden kann. Eine Gruppe von Jungs beobachtet den Leichenfund sowie die Ermittlungen und finden ihre eigenen Schlüsse. In den Monaten danach tragen sie Zeitungsartikel und Berichte zusammen, befragen Zeugen und sammeln oder finden Beweisstücke oder Indizien. Doch auch 25 Jahre später sind sie immer noch auf der Suche nach dem Mörder und Lucy Asher lässt sie nicht los.

Ganz kurz hab ich mich in das Buch rein finden müssen. Es mutet schon ein wenig seltsam an, wenn von Wintermonaten, Winterferien und Weihnachten die Rede ist, aber sommerliche Temperaturen herrschen, der Strand bevölkert wird und die Hitze einem zu schaffen macht. Aber so merkt dann auch der Letzte, dass er sich auf der anderen Seite der Weltkugel befindet – in dem Fall in Neuseeland, Christchurch. The Spit, die Landzunge auf der sich die Ereignisse zutragen, ist die Heimat der Jungs, ihrer Eltern und es wird auch die Heimat ihrer Kinder sein. Eine Gemeinschaft, in der es kaum Zu- oder Abgänge gibt, eine eingeschworene Gemeinschaft. Umso schlimmer, dass jemand aus ihrer Mitte gerissen wurde: Lucy Asher.

Keiner von den Jungs kannte Lucy näher, aber doch kannte sie jeder. Wie das eben so ist, in einer recht abgeschlossenen Gemeinschaft, allein schon durch die geografische Lage (die übrigens in einem Foto hinten anhängend in dem Buch dargestellt ist). Doch ihre Ermordung erschüttert die Gemeinschaft. Lucys Schwester wird zu einem promiskuitiven, jungen Mädchen, die so alle potentiellen männlichen Verdächtigen überprüft. Lucys Vater handwerkt in der Garage und lässt sich nachts am Strand blicken, Lucys Mutter betreut das sterbende Milchgeschäft der Familie. Doch nicht nur die engste Familie ist betroffen, alle sind es. Und die Jungs beginnen mit ihren Nachforschungen und Ermittlungen. Sie sammeln und ordnen was sie kriegen können, sie haben ihre Augen und Ohren überall und fragen sich durch.

Durch die sommerliche Atmosphäre und die 15jährigen „Ermittler“ fühlt man sich an „Stand by me“, die Verfilmung von Stephen Kings Kurzgeschichte „Die Leiche“ erinnert. Es ist keine Zweitagesreise, es ist eine jahrelange Reise und natürlich sind die Umstände anders, aber einen Hauch erinnert es eben daran. Es ist eine tiefe Freundschaft, die die Jungs verbindet, und die Ermordung von Lucy Asher schweißt die Jungs noch weiter zusammen. 25 Jahre später sind die meisten von ihnen immer noch auf The Spit und der nahende Tod eines an Krebs erkrankten von Ihnen, lässt sie diese Geschichte erzählen.

Ja, sie. Denn die Erzählung wird in einer Wir-Form wieder gegeben. Es ist nicht klar, wer die Geschichte erzählt oder niederschreibt. Sind es alle? Ist es nur einer? Viele Namen der Jungen werden erwähnt, aber sind es alle? Oder bleibt der Erzähler im Unbekannten und hat eben genau diese Funktion: die Geschichte zu erzählen? Ihr Lebenswerk aufzuschreiben? Denn dass es ihr Lebenswerk ist, kann keiner bestreiten. Lucy Asher ist als Tote mehr in ihren Gedanken als sie es als Lebende jemals war. Sie ist das aufregendste, was ihnen im Leben je passiert ist – oder ein Hindernis, welches ihr Leben klein hält?

„Die unausgesprochene Wahrheit ist, dass wir all noch immer nach etwas suchen. Nicht nur nach Lucys Mörder, sondern nach dem Augenblick in unserem Leben, da wir die unerschütterliche Überzeugung hatten, dass wir einem höheren Zweck dienten, einem übergeordneten Wohl. Wenn man diese Überzeugung einmal hatte, fällt es schwer, sie loszulassen. Es ist beinahe unmöglich, eine langfristige Befriedigung in den Alltäglichkeiten eines normalen Lebens zu finden.“ (S. 83)

Es ist ein Rückblick, fast eine Abrechnung, die leise Spannung transportiert. Die sommerliche Atmosphäre und die einzigartige Halbinsel, die zwar nach begehrter Wohnlage aussieht, doch der ständig herrschende Ostwind macht sie nicht sonderlich attraktiv, tragen auch ihren Anteil daran. Wenn der Sand zwischen den Zähnen knirscht und die Sonne brennt, erscheint das Leben zumindest den Jungs in ihren Winterferien wie eine Idylle. Bis die Leiche gefunden wird. Ihr Leben ändert sich, die Ermordung wird der Mittelpunkt. Selbst dir Rugby-Meisterschaft, die bei Ihnen halt macht, kann das nicht ändern, auch wenn der Autor hier ein politisch interessantes Thema hat einfließen lassen. Rugby ist in Neuseeland so beliebt wie hierzulande Fußball –  die Devise war, Sport ist Sport und Politik ist Politik, doch plötzlich regt sich Widerstand gegen das rein weiße Team aus Südafrika. Die Apartheid war damals noch vorhanden. Die Rugby-Meisterschaft unterbricht die Suche nach Lucys Mörder, kann sie aber keineswegs stoppen. Es scheint ein nicht weiter bedeutendes Zwischenspiel zu sein, welches aber wichtig ist, um authentisch das Zeitgeschehen  in Neuseeland zu beleuchten.

Dem Standard-Krimileser mag das vorliegenden Büchlein zu wenig Spannung zu bieten und es ist wirklich nicht der typische Krimi. Es ist eine Geschichte von Freundschaft und Abenteuer, auch wenn die Jungs teilweise ein wenig „zahnlos“ sind, es ist eine Geschichte aus Neuseeland in den 80ern. Aber eben verknüpft durch den Mord an Lucy Asher.

„Allmählich wurde uns klar, dass man etwas erst richtig zu sehen beginnt, wenn es verschwunden ist.“ (S. 17)

Fazit:
Ein wunderbares Buch – leise Krimispannung, Freundschaft und Abenteuer im neuseeländischen Flair. Unbedingt lesen!

 

Im übrigen hat Gunnar von Kaliber.17 das Buch schon letztes Jahr für sich entdeckt. Zu seiner Rezension geht es hier.


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Blogkooperative Australien & Neuseeland-Spezial – gemeinsam mit Kaliber.17

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Ich freue mich ganz besonders, Euch heute eine Blogkooperative mit dem Team von Kaliber.17 anzukündigen. In den nächsten zwei Wochen werden wir Euch mit Rezensionen zu australischen und neuseeländischen Krimis beglücken.

Nach der Welle, die um südafrikanische Krimis herrschte und immer noch nicht abgeklungen ist, naht die nächste Trendwelle, auf die wir natürlich gerne aufsteigen. Australien und Neuseeland – zwei kriminell-literarisch noch recht unbekannte Länder hier in Deutschland (völlig zu unrecht, im Übrigen) – sollen Euch in dem Special näher gebracht werden. Ich würde mich freuen, wenn ihr den ein oder anderen Tipp hier bzw. bei Kaliber.17 mitnehmen könnt und Euch die beiden Länder nach dem Spezial näher gekommen sind.

Wir haben uns diesmal nicht ganz so viele Bücher vorgenommen, aber einen sehr breiten Blick ins Krimigenre der beiden Länder geworfen. Das Spezial beginnt morgen, am 12.12.2016, und wird Euch bis kurz vor Weihnachten fast täglich ein Buch per Rezension vorstellen, bevor es am 22.12.2016 dann den letzten Beitrag gibt.
Hier ist unsere Leseliste:

Garry Disher – Drachenmann (AUS) – Kaliber.17
Carl Nixon – Rocking Horse Road (NLZ) – DiedunklenFelle
Jane Harper – The Dry (AUS) – Kaliber.17
Candice Fox – Hades (AUS) – DiedunklenFelle
Paul Cleave – Zerschnitten (NLZ) – Kaliber.17
Alan Carter – Prime Cut (AUS) – DiedunklenFelle
Helen Garner – Drei Söhne (AUS) – Kaliber.17
Garry Disher – Gier (AUS) – DiedunklenFelle
Peter Temple – Die Schuld vergangener Tage (AUS) – Kaliber.17

Entgegen dem letzten Special habe ich diesmal keine Verlagsunterstützung angefordert, sondern einfach mal meinen SUB geplündert. Was dort nicht alles geschlummert hat…

So, und dann bleibt mir nur noch übrig, Euch viel Spaß mit unserem Spezial zu wünschen!


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Abschluss “Ich lese deutsch!”

So schnell kann es gehen – es ist wieder ein Monat vorbei. Und somit komme ich auch zum Abschluss meines deutschsprachigen Monats. Es hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn ich Momente hatte, in denen ich die selbst auferlegte Einschränkung nicht so mochte.

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Sehr viel ist seit meinem Foto vom Zwischenbericht nicht mehr verschwunden, aber egal. Insgesamt habe ich im Juni 10 Bücher gelesen, 5 Bücher habe ich schon im Mai vorab gelesen, 2 Bücher lese ich gerade noch. Im Juni habe ich auch 10 Rezensionen veröffentlicht. Ganz schön viele….
Folgende Titel habe ich gelesen
(wenn schon vorhanden, mit Rezension verlinkt):

Hotline – Jutta Maria Herrmann
Revolverherz – Simone Buchholz
Zeitgruppe Null – Dirk Bathen
Totenfrau – Bernhard Aichner
Gaisburger Schlachthof – Christine Lehmann
Tag Null – Leif Tewes
Der 13. Brief – Lucie Klaasen
Stumme Schuld – Mitra Devi
Mord im Zeichen des Zen – Oliver Bottini
Eisenberg – Andreas Föhr
Die andere Hälfte der Hoffnung – Mechthild Borrmann
Leons Erbe – Michael Theißen
Müllers Morde – Monika Geier
iCats – Kerstin Fielstedde

Zusätzlich habe ich noch gelesen:
Ein unzufriedener Mann – Zoë Beck (Kurzgeschichten)

Und die zwei folgenden lese ich gerade noch:
Die blaue Liste – Wolfgang Schorlau
Die Geister von Graz – Robert Preis

Es war von vornherein klar, dass ich nicht alle Bücher schaffen würde und trotzdem finde ich es schade. Ich werde die Bücher extra stehen lassen und versuchen, diese nach und nach in den nächsten zwei bis drei Monaten zu lesen. Jetzt natürlich wieder gemischt mit Krimis aus anderen Ländern… ja, und ein wenig Science Fiction. 😀

Natürlich werde ich auch zu den deutschsprachigen Büchern, die ich schon gelesen habe, die Rezensionen schreiben (bzw. habe ich zum Teil schon) und diese veröffentlichen. Dies aber auch nur nach und nach und natürlich auch ab sofort wieder “gemischt”. Allerdings wird, wie schon versprochen, die Veröffentlichungshäufigkeit weniger werden. Im August habe ich vermutlich Urlaub und da werde ich mal einige Bücher reinpacken, die ich nicht rezensieren möchte und eine Rezensionspause machen. Ob ihr etwas davon mitbekommen werdet, ist noch die Frage, denn mein Rezensionspuffer ist noch gut gefüllt. 🙂

Soweit mein Fazit. Nun gibt es nur noch eine Sache. Da war ja noch so ein Gewinnspiel. Die Beteiligung war eher mau und deshalb habe ich den Lostopf soeben geschlossen, auch wenn ich ihn ursprünglich bis heute nacht offen lassen wollte. Wer ein Beweisfoto der Loszettel der beiden Teilnehmer benötigt, meldet sich bei mir. Und hier kommt nun der Gewinner:

Herzlichen Glückwunsch Gunnar!
Ein Exemplar von “Schwarzes Gold aus Warnemünde” wird bei Dir eintreffen, sobald Du mir Deine Adressdaten schickst. Eine Mail an Dich folgt dann gleich noch.