Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Mysteriös ungelöst: Die Drei – Sarah Lotz

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Sarah Lotz – Die Drei
Verlag: Goldmann
512 Seiten
ISBN: 978-3442313716
14,99 Euro

 

 

 

 

In diesem Beitrag werde ich spoilern. Daraus folgt, dass man diesen Beitrag nur lesen sollte, wenn man das Buch schon gelesen hat, es nicht mehr lesen will oder es einem egal ist, wenn man vorher meine Meinung dazu hört.

Meine Meinung:

„Die Drei“ habe ich bei den Neuerscheinungen gesehen und fand den Klappentext recht interessant. Spontan hat mich das an „Die Saat“ (Hogan/del Toro) erinnert und das hat mir sehr gut gefallen. Dann wurde eine Leserunde eingeläutet und zwar bei MyBooksParadise und ich habe mich spontan entschlossen, dabei mitzumachen.

Der Grundgedanke ist schnell erklärt: 4 Flugzeuge stürzen ab. Jedes über einem anderen Kontinent, aber alle zur gleichen Zeit. 3 Kinder überleben. Und so nehmen die Geschehnisse seinen Lauf. Die Menschen sind misstrauisch und alles Mögliche wird in dieses Ereignis hineininterpretiert. Die Theorien sind vielfältig – die, welche sich halten sind beeinflusst von religiösen Fanatikern (vorranging in den USA, in denen es ja massenhaft Splitterkirchen gibt), Aliengläubigen und Dämonen.

Wirklich sehr gelungen ist der Aufbau von „Die Drei“. Das Buch ist aufgebaut wie ein Unterhaltungssachbuch. Es ist ein Buch in einem Buch. Die Journalistin Elspeth Martins veröffentlicht (ich glaube) ungefähr ein Jahr nach den Vorfällen ein Buch, welches sie mit verschiedensten Sorten bestückt: Interviews, Abschriften von Tonbandaufnahmen, Chatprotokollen, Untersuchungsberichten, etc. Es ist eine wahre Menagerie von Textsorten und es liest sich einfach abwechslungsreich.

Allerdings führt dieser Stil auch dazu, dass mir keine der Hauptfiguren richtig nahe gekommen ist. Alles dreht sich um die drei Kinder und deren Angehörige, Freunde und Nachbarn der Angehörigen und zufällige Zeugen sind die Personen, die in Elspeths Buch zu Wort kommen. Es sind aber wirklich recht viele Personen. Am meisten in Erinnerung ist mir Paul Craddock, der Onkel eines der Kinder, aber die meisten anderen habe ich jetzt schon vergessen. SPOILER: Zudem sind fast alle derjenigen, die man noch als Hauptpersonen bezeichnen kann, am Ende tot, verschwunden oder in der Irrenanstalt.

Die Stimmung im Buch ist durchgehend unheimlich und mysteriös. Man ist wirklich daran interessiert, was hinter den 3 Kindern steckt. Keiner kann so richtig an einen Zufall glauben und irgendwas muss doch an den 4 gleichzeitigen Abstürzen dran sein, oder? Spannung ist also gegeben. Man will wissen, wie es zu den Abstürzen kam, warum ausgerechnet diese 3 Kinder überlebten, warum die Kinder sich nach den Abstürzen so verändert haben, was sie sind, wer sie sind, warum sie sich verändert haben. Man liest sich also zügig durch das Buch, denn man wartet auf die Antworten auf all diese Fragen.

Ein wenig genervt war ich von der übermächtigen religiösen Komponente in diesem Buch. Die religiösen Fanatiker sehen in den 3 Kindern die 4 apokalyptischen Reiter. Klingt komisch? Na ja, nur ein bisschen, denn sie vermuten auch beim vierten Absturz ein überlebendes Kind. Da dies in Afrika mitten in einem Slum runtergekommen ist, war das Chaos dort am größten und aus diesem Grund, könnte man denken, dass dort ein überlebendes Kind nicht aufgefallen ist. Aber man kann diesen religiösen, fanatischen Ausführungen fast nicht folgen, ohne genervt zu sein. So geht es mir allerdings mit allen Büchern, die eine fanatische Komponente haben. Diese uneinsichtige und eingeschränkte Sichtweise auf ein Thema stößt mir negativ auf und ich mag darüber auch nichts lesen. In diesem Buch sind es mal nicht die fanatischen Islamisten, sondern die fanatischen Christen. Aber sonderlich besser macht es das auch nicht.

Alles war ich bisher kritisiert habe, damit kann ich leben. Womit ich nicht leben kann, ist das Ende dieses Buches. Und ab hier spoilere ich wirklich – letzte Chance auszusteigen.
Abgesehen von der Tatsache, dass die wichtigsten Figuren am Ende tot sind, wurden so gut wie keine Fragen beantwortet. Das Ende besagt, dass die 3 Kinder nicht nur wiederkommen, sondern öfters schon da waren. Nicht immer als Kinder und nicht immer in der gleichen Konstellation. Das kann man dann auch im letzten Kapitel sehen, als der Flugzeugabsturz von neuem beginnt, Hiro (eins der Kinder) dort ist und in diesem Fall eine Frau ihre letzte Aufzeichnung nicht schafft. Eine Kleinigkeit ändert sich also. In der Leserunde wurde auch erwähnt, dass die Kinder vielleicht auch an anderen großen Ereignissen in der Menschheitsgeschichte beteiligt waren und diese nach ihrem Gutdünken beteiligt waren, aber das glaube ich irgendwie nicht. Für mich klingt es wie eine „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – bloß ohne eine witzigen Bill Murray und leider kein kurzweiliger Film. Ich habe dann spekuliert, ob die Autorin im nächsten Teil wohl ein Buchrecycling vornimmt, denn mit nur kleinen Änderungen, müsste der Hauptteil der Geschehnisse doch gleich oder zumindest ähnlich sein. Doch selbst wenn die Autorin dies nicht tut und ich will ihr das wirklich nicht unterstellen… was genau erwartet mich dann im nächsten Teil? Ein weiteres Buch ohne Antworten? Denn es wird nicht gesagt was die drei Kinder sind oder warum sie dies tun. Und wenn es nicht jemanden wie Bill Murray gibt – dann kriegt auch gar niemand etwas davon mit, das die gleichen Ereignisse immer wieder passieren. Und wenn es jemand gibt – wo war derjenige in diesem Teil? Goldmann bezeichnet das ganze als Thrillerserie und ich bin nicht überzeugt davon, dass dieses Buch ins Thrillergenre passt. Und eine Serie? Da vermute ich eben dann, das auch der nächste Teil mir keine Antworten schenkt – warum auch, im ersten gab es ja auch keine.

Fazit:
Mein Buch war das nicht – zu mysteriös. Ich erwarte zumindest ein paar Antworten am Ende – so ganz ohne Auflösung fühl ich mich verloren und enttäuscht. Und jetzt will ich auch keine Antworten mehr – schon gar nicht, wenn ich da ein Jahr drauf warten soll. Der nächste Teil wandert bei mir auf den Stapel: Falls ich mal alle Bücher, die ich wirklich lesen will, gelesen habe, dann lese ich das Buch. Also vermutlich nie…

2 Schafe


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Phil Rickman – Das Gespinst des Bösen

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Phil Rickman – Das Gespinst des Bösen
Verlag: Rowohlt
554 Seiten
ISBN: 978-3499253386
9,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Das Master House von Garway wird in die höchsten Kreise verkauft und soll nun renoviert werden. Doch der Bauleiter Felix und seine Mitarbeiterin Fuchsia lehnen den Auftrag ab, als sie das Haus das erste Mal betreten. Fuchsia will dort etwas Böses gefühlt haben. Der Gutsverwalter ruft Merrily Watkins zur Hilfe. Merrily kann Fuchsia erst nicht so recht glauben, da sie bei der Unterhaltung aus einer berühmten Geistergeschichte zitiert. Doch dann geschieht ein Doppelmord und Merrily fängt an tiefer zu graben…

Meine Meinung:

Zwei verfeindete Familien, die Templer und Prinz Charles – Phil Rickman holt diesmal wirklich alles aus der Trickkiste. Und trotzdem passt alles zueinander und das Lesen macht Spaß und ist spannend.

Rickmans Schreibstil finde ich großartig. Eigentlich stehe ich auf schnelle Texte mit wenig Beschreibungen und Dialogen wie Pistolenschüssen. Bei Rickman sind viele Beschreibungen in den Dialogen verarbeitet, doch es wird trotzdem nie langweilig. Er eröffnet Themen, über die man so noch nicht nachgedacht hat und beleuchtet sie aus Sicht einer Exorzistin… ehm, Verzeihung, natürlich aus Sicht einer Beraterin für spirituelle Grenzfragen. Wie in der ganzen Reihe ist viel Geschichte aus der Gegend zwischen Wales und England enthalten, aber diesmal wird es noch mysteriöser: die Geschichte der Templer wird ausgiebig beleuchtet.

Wie immer ist die Geschichte mit vielen Schichten versehen, die Merrily nach und nach aufdeckt und dabei zwischen zweifeln und dickköpfig weiterermitteln steckt. Merrily, die rauchende Pfarrerin mit einem Liebhaber – so richtig schön unkonventionell und den Aufrechten in der Gemeinde oder auch in der Kirchenhierarchie mitunter ein Dorn im Auge. Dadurch das der Prinz von Wales hinter dem Kauf des Master Houses steckt, ist auch eine politische Ebene geöffnet: Geheimdienst, oberste Kirchenkreise und die Polizei sind mit dabei. Natürlich mischt auch wieder Jane, Merrilys Tochter, ordentlich mit.

Merrily Watkins Mysteries sind im eigentlichen Sinne keine Krimis, sondern wirklich eher Mysteries. Zwar stirbt – wenn ich mich recht erinnere – in jedem Band jemand, doch geht es immer um Merrilys Amt als Beraterin spiritueller Grenzfragen. In den wenigsten Fällen ist die Lösung in der Spiritualität zu finden, sondern eher im allzu Menschlichen.

Fazit:
Ich liebe die Merrily Watkins Mysteries und auch diesen Band fand ich wieder sehr gut. Wer von den Standardkrimis mal eine Auszeit braucht und kein Problem damit hat, ein bißchen in die Tiefen der anglikanischen Kirche und dem Amt der spirituellen Grenzfragen einzutauchen, sollte hier zugreifen. Aber vielleicht ja nicht mit Band 9 sondern mit Band 1: ‚Frucht der Sünde‘.

4 und ein halbes Schaf