Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Shorty | Terror: Neun Mörder – Robert B. Parker


Robert B. Parker – Neun Mörder
Verlag: Pendragon
Übersetzerin: Monika Elwenspoek
216 Seiten
ISBN: 978-3865325099

 

 

 

 

 

Worum geht es?
Bei einem Terroranschlag in London sterben Frau und Tochter des reichen Geschäftsmanns Hugh Dixon, er selbst überlebt schwer verletzt. Die Organisation „Liberty“ bekennt sich zu dem Attentat. Ein Jahr nach dem Anschlag engagiert Dixon Spenser, er soll die neun Attentäter aufspüren, nachdem die Polizei nur mit Zeichnungen aufgrund Dixons Erinnerungen ausgestattet, nicht erfolgreich war. Und Dixon ist es völlig egal, ob Spenser die Täter tot oder lebendig aufspürt, nur Beweise will Dixon sehen.

Einer wie der andere?
Harter Tobak diesmal. Dixon war mit seiner Familie in einem Restaurant, es war kein politisches oder militärisches Ziel, es war schlicht und einfach Terror. Spenser lockt also nicht nur Dixons fürstliche Bezahlung, sondern das heere Ziel, diese Organisation aufzuspüren. Das ist gar nicht so leicht, muss er dafür doch sein angestammtes Gebiet verlassen. Von London über Kopenhagen nach Amsterdam – Spenser in Europa!

Opfer, Tat und Täter
Unschuldige Opfer, eine sinnlose Tat und verblendete, fanatische Täter

Themen
Terror ist kein Thema des neuen Jahrtausends, auch wenn es vielen so vorkommt. Und Religion ist kein Alleinstellungsmerkmal hierbei. Das Buch verfasste Parker Ende der 70er und die Ziele von „Liberty“ sind so verworren und unlogisch wie fanatisch: gegen die Kommunisten,  für die Vernichtung der Schwarzen, Afrika für die Weißen. Doch auch hier funktioniert die Organisation wie heute noch – es gibt Geldgeber und Führer im Hintergrund und verblendete Massen, die sich lenken lassen und sich in die erste Reihe stellen. Erschreckend.

Was war gut?
Spenser in Europa! Und Spenser holt Hawk nach! Yeah!
Wie vermutet, darf Hawk jetzt öfters mitspielen und ist definitiv eine Bereicherung für die Krimis, auch wenn ich den Söldner jetzt nicht als Protagonisten haben wollen würde. Da ist mir Spenser doch lieber, dessen Gerechtigkeitssinn, Einsatz für seine Klienten und Ausdauer mich immer wieder begeistern. Die Story ist schon ein hartes Stück, sinnloser Terror ist einfach schwer zu verdauen. Gelungen fand ich allerdings auch, dass Spenser nach Erfüllung des Auftrags keineswegs aus Europa abreist…

Was war schlecht?
Eigentlich finde ich es ja gut, dass die Spensers nur so 200+ Seiten haben, aber manchmal möchte ich doch länger was davon haben. Wie gut, dass ich noch so ca. 30 Bände vor mir habe….

FAZIT:
Ich bin und bleibe Spenser-Fangirl – die Krimis um den gerechtigkeitsliebenden und niemals aufgebenden Privatdetektiv haben es mir einfach angetan.

 


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Begeisterung pur: Die Reise – Marina Lostetter


Marina Lostetter – Die Reise
Verlag: Heyne
Übersetzerin: Irene Holicki
558 Seiten
ISBN: 978-3453318274

 

 

 

 

Eins vorweg – dieses Buch ist unheimlich klasse. Es war so spannend, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Und dabei war ich zuerst wirklich skeptisch, ob ich das Buch überhaupt lesen sollte. Ob das funktionieren kann. Aber beginnen wir am Anfang.

Beschreibt der englische Titel “Noumenon” das Projekt des Buches, finde ich den deutschen Titel “Die Reise” unheimlich passend. Denn nichts anderes beschreibt die Autorin hier. Eine 200 (eigentlich 2000) Jahre lange Reise, in etwas mehr als 500 Seiten. Kann nicht funktionieren? Doch, und das sogar ganz hervorragend.
Im Jahre 2088 werden verschiedene Projekte zur Finanzierung vorgestellt, die alle das Ziel haben, den Weltraum zu erforschen. Mit dabei Reggie Straifers Projekt um LQ Pyx (eigentlich LQ Pyxidis), einen weit entfernten Planeten mit einer Besonderheit, der eine 200jährige Reise entfernt ist, dies allerdings im SD Raum, so dass auf der Erde in der gleichen Zeit 2000 Jahre vergehen. Ein Konvoi aus Schiffen wird gebaut, 15000 Personen werden losgeschickt. Eine eigenständige, abgeschottete Gesellschaft, mit dem einzigen Ziel: zu LQ Pyx hinfliegen, herauszufinden, was die Besonderheit ist, diese zu erforschen und mit den Ergebnissen zurückkehren.

Wer denn nun ein Problem damit hat, dass man keinen durchgängigen Hauptcharakter hat, der ist hier tatsächlich falsch aufgehoben, nichtsdestotrotz gibt es eine kleine, aber übersichtliche Anzahl an Protagonisten, welche in der gesellschaftlichen Entwicklung der 200jährigen Reise (ein wenig länger dauert sie aufgrund verschiedener Umstände dann aber doch noch) eine Rolle spielen und jedes wichtige Stadium beleuchten. Die Reise ist natürlich zu lange für ein Menschenleben, so dass die Missionsmitglieder immer wieder geklont werden. Schon die Erstbesatzung besteht hauptsächlich aus Klonen, die jahrelang auf diese Mission vorbereitet werden. Das Ziel der Mission muss 200 Jahre überdauern und ist deshalb die wichtigste Regel. Nichtsdestotrotz muss die Besatzung des Konvois mit vielen Kleinigkeiten und großen Problemen kämpfen, die einer abgeschotteten, 15000 personenstarken Gesellschaft eben begegnen können.

Ressourcen müssen aufgeteilt, rationiert, hergestellt werden, Wartungen müssen betrieben werden, gleichzeitig konkurrieren Effizienz und Bedürfnisse miteinander, decken die verschiedenen Schiffe die benötigten Bereiche ab: wohnen, forschen, lagern usw. Mit dabei ist auch K.I.C., die künstliche Intelligenz des Konvois, die nicht nur Technik ist, sondern auch Verantwortung und Führung übernimmt, nie allein, aber soweit ihre Programmierung sie lässt.
Irgendwie ist der Konvoi wie ein Mikrokosmos und obwohl „nur“ 200+ Jahre auf den Schiffen vergehen, hat man das Gefühl die Geschichte der Erde im Kleinen nachzuerleben. Natürlich angepasst an die Zukunft und eben verkürzt, doch auch wenn es sich hier ganz klar um Science Fiction handelt, geht es um gesellschaftliche Entwicklungen, Gruppendynamik und psychologische Aspekte.

Nun hört sich das alles sehr immens an, doch die Autorin springt immer mal wieder Jahrzehnte vorwärts, präsentiert aber dann einen längeren Abschnitt des Geschehens an Bord aus Sicht eines Protagonisten, so dass man das Gefühl hat, Novellen zu lesen, die ein gemeinsames Gerüst eint. Der Konvoi wächst einem ans Herz, man folgt ihnen gespannt, fiebert in allen Konflikte mit und erforscht mit ihnen LQ Pyx, bis man wieder bei der Erde ankommt, doch auch hier ist das Abenteuer noch lange nicht zu Ende. Man beachte nun, dass man weit mehr als 2000 Jahre später hier aufschlägt, die Kommunikation zur Erde ist schon lange verstummt und jeder im Konvoi ist immens nervös als sie wieder bei der Erde eintreffen. Umso entsetzter war ich von der Erde im Jahre 4101 (271 Jahre nach dem Start des Konvois). Ich finde die Entwicklung, welche sich die Autorin für die Erde ausgedacht hat, nicht unwahrscheinlich, aber sehr fokussiert auf ein Thema, nur um ein Beispiel zu nennen, spart sie sich jede klimatische Veränderung aus und geht hier nicht darauf ein. Nichtsdestotrotz bietet diese zukünftige Erde den Grund, den sie am Ende bestimmt beabsichtigt hat, denn wenn ich richtig gesehen habe, gibt es schon einen nächsten Teil, von dem ich hoffe, dass er auch bald übersetzt wird, damit die Reise weiter gehen kann.

Fazit:
Ich weiß, irgendwie habe ich nicht viel gesagt, aber ich hoffe doch, meine Begeisterung ist ein wenig übergesprungen. Ich finde die Idee genial und auch die Umsetzung hat mir gut gefallen – auch wenn ich die Erde der Zukunft nicht so leiden kann, ist sie gut so, wie sie ist, denn es bedeutet, dass die Reise weitergeht!


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Shorty | Ab in die Falle: Beute für Profis – Robert B. Parker


Robert B. Parker – Beute für Profis
Verlag: Pendragon
Übersetzer: Martin Lewitt
208 Seiten
ISBN: 978-3865325242

 

 

 

 

Worum geht es?
Spenser wird von Harvey Shepard beauftragt, seine Frau Pam zu finden. Bei seinen Ermittlungen findet er nicht nur die Frau wieder, sondern auch heraus, dass Pam sich einer militanten Frauengruppe angeschlossen hat, und Harvey Schulden hat, diese nicht zurückzahlen kann und sich gegen Geldeintreiber und Schläger zur Wehr setzen muss. Eigentlich könnte Spenser nun das Geld für die aufgefundene Ehefrau nehmen und sich davon machen, doch da ist Spenser eben ganz anders.

Einer wie der andere?
Spenser bleibt Spenser, ein eigenwilliger, eigenbrötlerischer Privatdetektiv mit exzellentem Sinn für Gerechtigkeit, aber wenig Sinn für Obrigkeit und Gesetze. Susan Silverman scheint eine feste Begleitung an seiner Seite zu werden, doch zuerst einmal steht die Beziehung auf dem Prüfstand. Neu ist allerdings Hawk, ein Auftragskiller/Schläger/etc, den Spenser von früher kennt und der wohl noch einige Auftritte in der Reihe haben wird.

Opfer, Tat und Täter
Ein Wachmann stirbt. Es gibt Fanatiker und Verbrecher, einen Banküberfall, einen Immobiliendeal und einen Waffendeal. Ganz schön was los, wo doch anfangs nur die Frau verschwunden war…

Themen
Der Krimi ist wie immer gut konstruiert und ich mag Spenser und seine Art Fälle zu lösen einfach. Diesmal geht es aber auch viel um Erwartungen. Was erwartet ein Ehemann von seiner Frau? Was erwartet eine Ehefrau von seinem Mann? Welche Erwartungen entstehen in einer Beziehung? Und wie das mit den Erwartungen so ist, sehen die oft ganz anders aus, als der andere es sich einredet.

Was war gut?
Um die Unschuldigen zu befreien und die Verbrecher alle dran zu kriegen, arbeitet Spenser eine Falle aus. Seine Planungen und Unterredungen, damit alles zu dem einen Zeitpunkt klappt und die Falle zuschnappt, sind grandios. Die Kombination Spenser / Hawk fand ich gut, beäuge sie aber noch skeptisch und bin gespannt, wann Spenser das nächste Mal auf Hawk trifft.

Was war schlecht?
Mitunter hat man doch das Gefühl, so ein Privatdetektiv führt ein recht angenehmes Leben. Viel Essen, viel Wein, Gespräche und Spaziergänge… fühlt sich hin und wieder wie Urlaub an. Aber zum Glück passiert doch immer wieder was und das Urlaubsfeeling verfliegt.

FAZIT:
Mit um die 200 Seiten wie immer ein dünner Krimi, aber die Kürze wirkt sich keineswegs auf die Qualität der Story aus. Ich mag Spenser als auch seine Fälle und mich dürstet schon nach dem nächsten Fall…


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Brüche: Wenn Engel brennen – Tawni O’Dell


Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen
Verlag: Argument
Übersetzerin: Daisy Dunkel
352 Seiten
ISBN: 978-386754-395

 

 

 

 

Es ist nicht nur beruhigend, dass man sich auf die gleichbleibend hohe Qualität der Ariadne-Krimis aus dem Argumen Verlag verlassen kann, sondern auch immer mit viel Vorfreude verbunden. Ich kann es immer kaum erwarten, die Krimis anzufangen, sobald ich sie in den Händen halte. Und ich wurde auch noch nie bei Lektüre eines Ariadne-Krimis enttäuscht. Das ändert sich auch weiterhin nicht, denn mit Tawni O’Dell hat Verlegerin Else Laudan wieder eine vorzügliche Autorin in ihr Portfolio aufgenommen, die mich mit einem beeindruckenden und eindrücklichen Krimi vollkommen überzeugen konnte.

Campbell’s Run ist seit vielen Jahren eine Geisterstadt, evakuiert aufgrund eines immer noch schwelenden Kohlebrandes. In einer der Spalten wird eine halb verbrannte Leiche gefunden, eingewickelt in eine Decke. Theoretisch gehört das Gebiet zu Buchanan und damit in den Zuständigkeitsbereich von Chief Dove Carnahan, doch es fehlt an Personal und Erfahrung, um einen Mordfall zu klären. Nichtsdestotrotz kann sich Chief Carnahan aus der Ermittlung von Nolan Greely, Detective bei der State Police, nicht heraushalten. Sie kennt die Bewohner, die Stadt, die Beziehungsgeflechte. Und diese Kenntnis ist nötig, denn so sehr sich die Einwohner auch wünschen, dass die junge Frau von einem herumziehenden Fremden getötet wurde, so unwahrscheinlich ist es.

„Dort, wo die Feuer am heißesten schwelen, gibt es über ein Dutzend Erdspalten. Tote Bäume haben sich aus dem gelockerten Boden gelöst und sind umgekippt. Ihre aufragenden Wurzeln erinnern an die verschlungenen Beine vertrockneter Spinnen, wie Neely und ich sie auf unserem Dachboden fanden.
In eins dieser glühenden Löcher im Boden hat jemand ein totes Mädchen gestopft.” (S. 12)

Um ganz ehrlich zu sein, leben möchte ich dort nicht, doch als Kulisse für eine Leichenbeseitigung hat die Autorin die ideale Szenerie gefunden. Schwelende Erdspalten, verlassene Häuser, keine Tiere, keine Geräusche, eine tote Siedlung.  Ein eindrückliches Bild hinterlässt diese Szenerie, düster und unheimlich. Während Campbell’s Run fiktiv ist, gibt es tatsächlich so einige noch schwelende Kohlebrände in den USA, diese verursachen nicht nur Geisterstädte, sondern fördern auch trostlose, von Arbeitslosigkeit und Verwahrlosung heimgesuchte Gegenden, politisch vergessen und allein gelassen. So ist Buchanan eben keine gut florierende Gemeinde, sondern es gibt einige, denen es gut geht, und einige, die sich so durchschlagen. Und dann gibt es den Rest. So wie die Trulys. Die Familie der Toten.

Die Trulys sind ganz unten angekommen. Redneck-Unterschicht, verwahrlost, gewalttätig, aber eisern zusammen gehalten von Miranda Truly, der Großmutter und Matriarchin der Familie.  Während die Mutter unbeteiligt scheint vom Tod ihrer Tochter (warum dies so ist, war für mich im übrigen die erschreckendste und eindrücklichste Szene im Buch), ist die Schwester, mit der nächsten Generation Trulys auf dem Arm, immerhin betroffen. Der eine Bruder ist im Knast, der andere versucht dem Truly-Leben zu entkommen, der kleinste ist ein verwildertes, ADHS Bürschchen. Ganz zu schweigen von den Onkeln, Cousins und  sonstigen Verwandten, mit denen sich Chief Carnahan rumschlagen muss. Camio Truly ist ständig präsent, bleibt allerdings für mich eher blass, auch wenn sich nach und nach ein Bild des jungen Mädchens ergibt, welches ihrer Familie zu entfliehen suchte. Klug und aufmerksam, interessierte sie sich für Psychologie, traf sich mit einem Jungen, den ihre Familie hasste und wollte gerne studieren gehen. Doch wie so oft, ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die Trulys sind nur die Spitze auf dem Eisberg, Dove Carnaghan muss sich als Chief auch ständig mit den Männern um sie herum und deren Alltagssexismus auseinandersetzen, weiß das aber gekonnt zu handhaben. Nervös ist sie trotzdem, denn nach über 20 Jahren Haft, taucht der Mörder ihrer Mutter auf und verfolgt nun sie und ihre Schwester und wirft ihnen vor, damals gelogen zu haben und so seine Verhaftung verschuldet zu haben. Dieser Nebenstrang blitzt immer wieder auf und offenbart noch mehr als man vermutet, in Doves Vergangenheit aber auch in ihrer Persönlichkeit. Doves Geschichte hat vordergründig nichts mit der Ermittlung zu tun, doch die Autorin nutzt diese, um ein weiteres Bild einer Familie aufzuzeigen, welche mit den Auswirkungen einer dominanten Person kämpfen muss.

Die Autorin wirft einen sezierenden Blick auf eine typische amerikanische Kleinstadt, deren Industriezweig weggebrochen ist, kurioserweise mit dem Effekt der aufgetretenen Erdspalten und dem immer noch lodernden Feuern in den Tiefen. Daran angelehnt, wir der Mord an Camio zum Bruch in der fragilen Fassade des (noch) funktionierenden Stadtlebens und zeigt, welche Geheimnisse hier noch in der Tiefe schwelen. Mit Dove Carnaghan hat Tawni O’Dell eine Figur geschaffen, die ihre Heimat liebt, so verkorkst sie stellenweise auch sein mag, die gerne Polizeichief ist, aber auch mit sich hadert. Mit Schwächen und Geheimnissen, aber im Großen und Ganzen dem Herzen auf dem rechten Fleck und einer guten Intuition ausgestattet. Oft ausgleichend, manchmal bockig, eben ganz einfach menschlich. So ist sie der helle Fleck in dieser grauen, trostlos scheinenden Welt, doch steckt auch in ihr eine Düsternis.

Eindrücklich geschrieben, mit Ausrichtung auf eine verlassene Gegend in den USA, garniert mit einer Polizeichefin, die unermüdlich das Verbrechen aufzuklären sucht, liefert die Autorin einen grandiosen Krimi. Unverständlich, dass die im englischen Sprachraum schon gefeierte Autorin bei uns noch unbekannt ist – ein Glück hat sie sich nun für einen Krimi entschieden, so dass der Argument-Verlag mit seinem glücklichen Händchen eine weitere erstklassige Autorin auf dem deutschen Markt etablieren kann.

Fazit:
Ein grandioses Setting, eine starke Protagonistin und ein kniffliger Kriminalfall – so soll der optimale Krimi aussehen, der einen nicht mehr loslässt, bis man die letzte Seite erreicht hat. Sehr, sehr gelungen!


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Shorty | Familienbande: Fromme Wünsche – Sara Paretsky


Sara Paretsky – Fromme Wünsche
Verlag: Piper
Übersetzer: Uta Münch
227 Seiten
ISBN: 978-3492983730

 

 

 

 

Worum geht es?
V.I. Warshawski ist gar nicht begeistert. Ihre Tante Rosa hat ein Problem und möchte, dass V.I. für sie ermittelt. Zähneknirschend übernimmt sie den Fall, aber nur, weil ihre Mutter Gabriella ihr auf dem Totenbett das Versprechen abgerungen hat, sich um ihre Tante zu kümmern, wenn sie was braucht. Tanta Rosa macht die Buchhaltung für das Sankt Albert Klosters. Als sich die Aktien für 5 Millionen im Safe des Klosters als gefälscht herausstellen, gerät Rosa unter Verdacht, zusammen mit einigen Klosterbrüdern.

Einer wie der andere?
Abgesehen davon, dass V.I. sich erst ein wenig sträubt, ermittelt sie gekonnt wie immer. Wirtschaftsverbrechen sind ihr Ding und auch gar nicht langweilig. Ein Bekannter aus dem letzten Teil taucht auf und engagiert sie gleich auf zweierlei Weisen. Und tatsächlich verbinden sich die beiden Fälle miteinander. Das mag sich unwahrscheinlich anhören, passt hier aber sehr gut und fließt lückenlos ineinander.

Opfer, Tat und Täter
Zuerst gibt es keinen Mord, doch der lässt nicht lange auf sich warten. Eine alte Freundin, die V.I. für einen Rat hinzuzieht, wird ermordet. Tragisch, aber motivierend, denn auch wenn V.I. keine rechte Lust hat für ihre Tante zu ermitteln – die/den MörderIn ihrer Freundin will sie auf jeden Fall dran kriegen!

Themen
Aktien, Aktienanteile, Firmenübernahmen, Corpus Christi, der Vatikan.

Was war gut?
Ich weiß gar nicht, wie die das immer machen, aber die AutorInnen, die PrivatdetektivInnen als Protagonisten haben, können mich einfach immer einfangen. Und Sara Paretsky ist darin eine Meisterin. Das Buch hatte ich so schnell weggelesen, wie auch die anderen von Sara Paretsky und es wird ganz bestimmt nicht mein letzter bleiben.

Was war schlecht?
Ich bin kein Experte im Aktienhandel, aber irgendwie ist mir, als hätten die falschen Aktien früher auffallen sollen. Schließlich gibt es doch Dividenden und so was – ist das der guten Rosa nicht aufgefallen, dass es aus den falschen Aktien keine Einkünfte gab? Ist aber auch egal – das macht das Buch nun nicht weniger spannend.

FAZIT:
Ein weiterer spannender Fall mit der zuerst widerspenstigen V.I. Warshawski, die sich dann aber in den Fall reinkniet und ihn nicht mehr loslässt. Eine Serie, die man unbedingt lesen sollte!


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Glimpses | Damals

Der Mann, der nicht mitspielt – Christof Weigold

Worum geht es?
Hardy Engel, Schauspieler und Privatdetektiv, wird im Hollywood der 20er Jahre damit beauftragt, die verschwundene Virginia Rappe zu finden. Er findet sie auch: zugedröhnt, nackt und über Schmerzen murmelnd auf einer Party von Starkomiker Fatty Arbuckle. Zwei Tage später ist sie tot und Fatty Arbuckle soll daran schuld sein. Wahr oder nicht wahr?

Wie hat es mir gefallen?
Die schillernde Welt von Hollywood – das war damals schon so. Aber wie auch heute, ist es eben nur vordergründig schillernd und lebt mit Skandalen und Intrigen. Hardy Engel bekommt es mit Studiobossen und Stars zu tun, mit Regisseuren und Sicherheitschefs – doch keiner sagt die Wahrheit. Hardy muss sich ganz schön durchbeißen, um nicht vom Glanz, Glamour und Geld der Glitzerwelt überzeugt zu werden, den Mund zu halten. Nebenbei erfährt man so viel über das Hollywood jener Zeit, der Wahnsinn. 20er Jahre Hollywood, ein hartgesottener, standhafter Privatdetektiv, ein Touch Noir – so mag ich kriminelle Ausflüge in die Vergangenheit.

Die Drei
Schillernd, abgründig, erstklassig recherchiert


Schüssler und die verschwundenen Mädchen – Viktor Glass

Worum geht es?
Augsburg, 1890. Wenn Dienstmädchen ihre Anstellung verlieren bleibt ihnen, nachdem die Fabrikarbeiten mehr und mehr von Maschinen übernommen wurden, nur die Wahl zwischen Heirat und Freitod. Als Ludwig Schüssler vom Verlobten beauftragt wird, Luise zu finden, die vormals als Dienstmädchen gearbeitet hat, denkt er zuerst auch daran. Doch gemeinsam mit Caroline Geiger, die er zufällig trifft, tauchen plötzlich Spuren auf, die ganz andere Aufenthaltsorte der verschwundenen Mädchen andeuten.

Wie hat es mir gefallen?
Überraschend großartig – bin ich doch kein Fan von historischen Krimis, hat mir dieser ausgenommen gut gefallen. Vielleicht untypisch für die Zeit, aber von mir durchaus mit Wohlwollen betrachtet ist Schüsslers aufgeklärte Art und Carolines Selbstständigkeit, die nicht nur das Ermitteln erleichtern, sondern auch einen Hoffnungsschimmer in der damals doch recht trüben Zeit – zumindest für diejenigen ohne Geld bzw. für Frauen – aufglimmen lassen. Privatpolizist Schüssler und seine neu gewonnene Assistentin Caroline Geiger konnten mich vollauf überzeugen!

Die Drei
Authentisch, gut konstruiert, klasse Ermittlerpärchen


Die Maske des Dimitrios – Eric Ambler

Worum geht es?
Die 30er Jahre. Charles Latimer ist Kriminalschriftsteller und stolpert per Zufall in Istanbul über den Fall Dimitrios. Dimitrios wurde tot an der Küste  angespült und damit wurde eine lebhafte Verbrecherkarriere beendet. Latimers Interesse ist geweckt und er reist auf Dimitrios Spuren nach Rumänien und Frankreich, trifft dubiose Männer und auch eine geheimnisvolle Frau, er gerät immer tiefer in den Fall und muss schon bald um seine eigene Haut fürchten.

Wie hat es mir gefallen?
Die ersten hundert Seiten haben mir gefallen, doch dann muss ich zugeben, dass das Buch zäh wurde. Ich war ein wenig enttäuscht, dass Dimitrios dann doch nichts weiter als ein Verbrecher war, so geheimnisvoll wie Latimer und viele der anderen Charaktere ihn schildern, fand ich ihn nicht. Trotzdem wird das Flair der Zeit gut transportiert, auf Bahnreisen, in Aktenbergen, und durch den falnierenden Schriftstelle. Sehr gut gefallen hat mir die Einarbeitung zeitgeschichtlicher und politischer Ereignisse. Vielleicht kam es auch daher, dass ich ständig Vergleiche zu Ross Thomas gezogen habe und ich muss sagen, Thomas gelingt es besser, mir diese trockenen Ereignisse mit Sarkasmus und Kurzweile einzuflößen.  Nichtsdestotrotz ist das Buch ein Krimiklassiker und es wird auch nicht mein letzter Ambler sein.

Die Drei
Zeitgeschichtlich hervorragend, irgendwie zäh, aber ein Klassiker


 


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Vardogger: Am Ende der Zeit – Thomas Carl Sweterlitsch


Thomas Carl Sweterlitsch – Am Ende der Zeit
Verlag: Heyne
Übersetzer: Friedrich Mader
476 Seiten
ISBN: 978-3453316492

 

 

 

 

Shannon Moss ist Spezialagentin des NCIS, der Strafverfolgungsbehörde der Navy. Sie wird zu einem Tatort gerufen, da der vermutliche Täter Verbindungen zu einem geheimen Programm der Navy aufweist. Der Täter ist ein ehemaliger Navy Seal, am Tatort finden sich seine Frau und seine zwei Kinder brutal ermordet. Seine älteste Tochter sowie er, der Ehemann und Hauptverdächtige, sind verschwunden. Hat das geheime Programm der Navy, mit dem diese schon lange Raumschiffe in die Zukunft schickt, etwas mit dieser Tat zu tun? Hat der Mann dort etwas gesehen oder erlebt, was ihn dazu getrieben hat? Shannon Moss muss nicht nur das herausfinden, sondern wenn möglich auch das Ende der Zeit verhindern, denn in der Zukunft befindet sich der Terminus, das Ende der Zeit. Und dieser rückt näher und näher an die Gegenwart heran.

Nachdem ich das erste Kapitel probehalber gelesen habe, war es um mich geschehen. Dort unternimmt Shannon ihren ersten Flug in die Zukunft und bringt dort nicht nur erschreckende und eindrückliche Erlebnisse vom Terminus mit, sondern verliert auch eines ihrer Beine. Diese Tatsache, aber auch Erlebnisse in ihrer Jugend haben aus Shannon Moss eine unglaublich zähe Frau gemacht. Ihr Mantra „Andere würden aufgeben“ hilft ihr ihre letzten Reserven zu mobilisieren und motiviert sie über ihre Grenzen hinaus. Sie ist recht einsam, das liegt natürlich an dem geheimen Projekt. Und es ist nicht nur der Fakt, dass sie anderen nichts von ihrem Job erzählen darf, sondern auch, dass die Reisen, die sie in die Zukunft unternommen hat, sie haben altern lassen. Fliegt sie mit der Grey Dove, einem der Komorane, die in die Zukunft reisen können, los, vergehen für sie Monate – für die Reise aber auch den Aufenthalt in der Zukunft – derweil sie in der Gegenwart schon einen Moment später wieder zurück ist. So ist sie nun mittlerweise fast gleich alt wie ihre Mutter, eine Tatsache, welche die Beziehung zu ihr Mutter oder anderen Menschen nicht einfacher gestaltet.

Scheint der Mordfall, in dem sie mit zwei „normalen“ Agenten ermittelt zuerst nur als Tat eines posttraumatisch belasteten Soldaten, fügen sich nach und nach Puzzleteile zusammen, die auf ein verschwundenes Raumschiff, die Libra, hinweisen und Bezug auf den Terminus nehmen. Für Shannon ist die Aufgabe also nun ungleich schwerer, denn das Ziel jedes einzelnen, der von den Raumzeitflügen weiß, ist es, den Terminus zu stoppen. Doch keiner weiß, was es ist. Einzig die Bilder des Terminus bleiben denjenigen, die ihn erleben, erhalten: Menschen, die sich ins Meer stürzen, Menschen, denen aus offenen Mündern eine silbrige Flüssigkeit fließt, Menschen, die kopfüber gekreuzigt sind.

Um den Mordfall – und den Bezug zum Terminus – zu klären, wird Shannon Moss in die Zukunft geschickt. Von 1997, der Gegenwart, ins Jahr 2012/2016, der Zukunft. Hier soll sie herausfinden, was mit Marian, der Tochter des Ex-Navy Seals passiert ist. Es gibt jedoch ein Problem: die Zukunft ist nicht fix. Mehrere Reisen unternimmt Shannon und die Zukunft ist immer leicht verändert, einzig die Gegenwart bleibt stetig gleich, sie nennen sie die Terra firma, der Fixpunkt, zu dem sie aus den Reisen in die Tiefen zurückkommen. Ganz schön verwirrend, in eine Zukunft zurückzukommen, die dann doch wieder anders ist als die letzte Version der Zukunft.

Soviel ganz grob zum Inhalt, ich weiß ein wenig verwirrend, doch mir hat das Lesen unheimlich viel Spaß gemacht. Nach dem Prolog kam für mich erst mal ein zähes Stückchen, doch dann hat das Buch einen Sog entwickelt und man will unbedingt ständig mit Shannon hin und her reisen und die kleinen Details, die sich verändert haben, aufnehmen, aber natürlich zugleich auch hinter die Geheimnisse der verschwundenen Libra und seiner Crew kommen. Die Spannung ist denn auch ansteigend, am Anfang eben ein wenig zäh, derweil nach und nach mehr Spannung aufgebaut wird, bis zum Ende, welches dann sehr dramatisch und nervenaufreibend ist.

Ich muss zugeben, dass es meines Erachtens einige unlogische Begebenheiten gibt und so ganz klar ist mir nicht, wie diese Zeitreisen funktionieren – aber ich muss auch ehrlich sagen, wenn mir der Autor das näher erklärt hätte, hätte ich es vermutlich trotzdem nicht verstanden. Es ist ein Thriller, den man ohne viel über die Physik nachzudenken lesen sollte, und eher versuchen sollte, die Spuren, welche Shannon findet, zu verbinden und den Fall zu lösen. Und natürlich drückt man die Daumen und fiebert mit, für Shannon, für die Menschen, dass der Terminus gestoppt werden kann und das Ende der Zeit sich noch ein wenig mehr Zeit lässt. Ein Ritt durch Raum und Zeit, ein wenig verwirrend, aber immer mit klarem Ziel vor Augen, mit einer zähen Einbeinigen, gegen die ich es nicht aufnehmen möchte.

Aber: der Epilog ist leider fürchterlich kitschig. Mit den letzten 4 Seiten hat der Autor das Buch fast versaut. Ich schau mal großzügig darüber hinweg, weil mir das restliche Buch ausgenommen gut gefallen hat. Aber bitte – den Eimer Zuckerguss hätte der Autor wirklich behalten können. Ich hätte sogar mit einem ungewissen Ausgang leben können und möchte fast empfehlen, den Epilog links liegen zu lassen.

Fazit:
Eine Ermittlung eingebettet in Quantenschaum und Zeitreisen, ein Pageturner zwischen Thriller und Science Fiction – genau die richtige Mischung, um das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, wenn man über kleine Unzulänglichkeiten hinweg sehen kann.