Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Glimpses | Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft

Drei Zeugen zu viel – Steve Hamilton

Worum geht es?
Nick Mason, der gezwungenermaßen zum persönlichen Auftragsmörder von Darius Cole, dem Paten von Chicago, wurde, erhält drei Aufträge: die Zeugen zu töten, wegen derer Cole im Gefängnis sitzt. Der Pate will raus – und das kann er nur, wenn er offiziell freigesprochen wird.

Wie hat es mir gefallen?
Der zweite Teil um Nick Mason hat genauso viel Spaß gemacht wie die Lektüre des ersten Teils. Nick Mason ist verzweifelt und getrieben, hat manchmal mehr Glück als Verstand und sucht nebenbei einen Ausweg. Viel Action, wenig Drumherum, genauso wie ein Thriller manchmal einfach zu sein hat.

Die Drei
Drängend, knallhart, Open End

 


Spielarten der Rache – Seamus Smyth

Worum geht es?
Red Dock entführt ein Kind und versteckt es jahrelang in einem Waisenhaus, um Rache an seiner Familie zu nehmen, aber auch an dem Polizisten, der ihn und seinen Bruder im Waisenhaus abgegeben hat.

Wie hat es mir gefallen?
Ein Krimi, welcher Erwartungen sprengt. So ganz darf man sich nicht auf den Klappentext verlassen – der stimmt zwar schon, aber die Geschichte ist so viel mehr… unglaublich! Neben einem bravourösen Protagonisten, einem Mastermind, der seinesgleichen sucht, handelt der Autor hier ein zutiefst verstörendes Thema ab: die Zeit, in der ein Kind in einem irischen Waisenhaus so wirklich gar nichts zu lachen hatte.

Die Drei
Verzwickt, hinterhältig, eiskalt

 


Die Optimierer  – Theresa Hannig

Worum geht es?
Deutschland, 2052. Es herrscht die Optimalwohlökonomie in BEU, der Bundesrepublik Europa, in der jeder Bürger seinen optimalen Platz findet. Samson Freitag ist überzeugter und loyaler Bürger. Als Lebensberater findet er für jeden den idealen Platz. Als allerdings seine letzte Mandantin nach der Beratung Selbstmord begeht, gerät seine Welt aus den Fugen und er muss erkennen, dass nicht jeder an dem Platz ist, an dem er sich wohlfühlt.

Wie hat es mir gefallen?
Ein Land, in dem jeder den passenden Platz hat, hört sich doch gut an, oder? Die Autorin bringt hier viele Themen auf, die heute schon in aller Munde sind – gläserner Bürger, Roboter, die Arbeit der Zukunft – und verpackt sie in eine spannende Geschichte um Samson Freitag, der sich auf einer Spirale nach unten befindet, weg vom guten Bürger hin zum Piretisten. Ein kurzweiliger und interessanter Einblick in eine Zukunftsvision mit überraschendem Ende, allerdings einem etwas unsympathischem Protagonisten.

Die Drei
Interessant, überraschend, offen abgeschlossen

 


 


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Gefaltet: Der Spalt – Peter Clines


Peter Clines – Der Spalt
Verlag: Heyne
Übersetzer: Marcel Häußler
528 Seiten
ISBN: 978-3453317055

 

 

 

 

 

Nachdem ich dieses Jahr ja an einer ScienceFiction Challenge teilnehme, finde ich mehr und mehr Bücher in meinem SUB, die dazu gut passen. So wie zum Beispiel dieses hier. Aber auch schon das nächste Buch von Peter Clines, „Der Raum“, wartet in meinem SUB.

Mike Erikson wird von seinem Jugendfreund Reggie Magnus zum DARPA-Projekt „Das Albuquerque Portal“ hinzugeholt. Der Leiter des Projekts, Dr. Arthur Cross, hält sich akribisch an die Geheimhaltungsvereinbarung und verrät keine technischen Details, auch nicht der Kommission, die über die weitere Finanzierung entscheidet. Das kommt schlecht an, vor allem, weil der letzte Besucher des Projekts als er danach wieder zu Hause war, seine Frau nicht mehr erkannt hat. Magnus schickt also Erikson hin, um zu überprüfen, ob bei dem Projekt alles mit rechten Dingen zugeht.

Das Albuquerque Portal befördert Dinge, Tiere, Menschen von einem Punkt A zu einem Punkt B. Ursprünglich wurde an einem Verfahren der Teleportation gearbeitet, doch nach einem bedauerlichen Zwischenfall, wurde der Fokus geändert und nun wird der Raum „gefaltet“. Das Versuchsgelände befindet sich nahe San Diego, in der kalifornischen Wüste, Punkt A und Punkt B befinden sich in zwei Lagerhallen, die mehrere Hundert Meter voneinander entfernt sind. Das fetzt, die Zukunft lässt grüßen und nicht nur die Regierung leckt sich die Lefzen nach diesem Stückchen Fortschritt. Wie das „Falten“ so genau vor sich geht, wird nicht erklärt – Geheimhaltung! Ein cleverer Trick eigentlich, denn der Autor muss wirklich erst mal nicht viel erklären, da die Beteiligten ja gar nicht wollen, dass man weiß wie es funktioniert, so ist man nicht nur auf Mikes Untersuchung gespannt, sondern auch darauf angewiesen.

Leland „Mike“ Erikson ist genau der richtige für die Untersuchung, denn er ist hoch intelligent. Warum er dann nicht bei der NASA arbeitet oder an einem Heilmittel für Krebs forscht, sondern Schülern in einer Highschool englische Literatur beibringt, ist seinem Kumpel Reggie ein Rätsel. Schon oft hat er versucht, ihn hinzuzuziehen, doch erst jetzt gelingt es ihm Mike zu übertölpeln, ah, überreden, meinte ich. Zudem ist Mike noch mit einem fotografischen Gedächtnis ausgestattet. Was er einmal gesehen hat, vergisst er nicht, er kann es jederzeit wieder aufrufen. Und seine „Ameisen“ stellen dann die Zusammenhänge in seinem Gehirn her. Schwierig darzustellen, doch dem Autor gelingt das mit dem Vergleich der emsigen Ameisen, die in Mikes Gehirn alle Verbindungen ziehen. Trotz allem ist Mike ein sympathischer, gar nicht so nerdiger Mann, im Gegensatz zu den Beteiligten des Projekts, die erst mal alle unsympathisch sind und sich gegenüber Mike feindselig zeigen, denn schließlich will er entweder die technischen Details klauen oder das Projekt dicht machen. Zudem sind sie für mich recht austauschbar gewesen, die Mitarbeiter im Projekt unterscheiden sich kaum, ob nun Physiker oder Techniker, es ist nicht einfach diese auseinander zu halten, obwohl es sich eigentlich nur um 6-8 Leute handelt.

Nichtsdestotrotz hat „Der Spalt“ alles, was ein guter SF-Thriller haben soll: Spannung, einen sympathischen Protagonisten, mit dem man gerne den unerklärlichen Ereignissen auf den Grund geht, ein Thema, das sich eigentlich nur Physiker wirklich vorstellen können… aber das Ende, ja da hatte der Autor für meinen Geschmack ein wenig zu viel Fantasie. Es ist nun schwierig, daran Kritik zu üben, ohne genau zu sagen, worum es dabei eigentlich geht, aber meines Erachtens wäre der Schluss auch völlig ohne Auftauchen derjenigen, die ich nicht nennen möchte, ausgekommen, denn die Auswüchse des Portals und dessen Implikationen, wären für einen dramatischen und spannenden Abschluss völlig ausreichend gewesen.

Am Ende tauchen im Übrigen noch Mulder und Scully auf. Na gut, sie sagen ihre Namen nicht und sehen auch anders aus, aber die arbeiten bestimmt in der gleichen Abteilung. Jedenfalls lässt sich die Vermutung aufstellen, dass „Der Raum“ die Geschichte  – oder einen Teil davon – weiterführt, auch wenn „Der Spalt“  a) abgeschlossen ist und b) der Klappentext von „Der Raum“ anderes vermuten lässt. Aber vielleicht taucht Mike Erikson dort als Nebenrolle wieder auf? Ah, es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als es zu lesen, um meine Vermutung bestätigt zu wissen.

Fazit:
Der SF-Thriller ist mega-spannend und ratz-fatz weggelesen, doch das Ende war mir persönlich zu fantastisch. Eine ideale Lektüre für einen verregneten Sonntag.


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Kawumm: Das Ende der Lügen – Sara Gran


Sara Gran – Das Ende der Lügen
Verlag: Heyne Hardcore
Übersetzerin: Eva Bonné
347 Seiten
ISBN: 978-3453271562

 

 

 

 

Kawumm – und schon ist man mitten im Geschehen.
Claire DeWitt erwacht benommen und verletzt, nachdem ein Lincoln in ihr Auto gekracht ist. Kein Unfall, Absicht. Wer will Claire ermorden? Die Detektivin nimmt mit ihren ganz eigenen Methoden die Ermittlungen auf und wühlt sich durch Gegenwart und Vergangenheit.

„… Detekteien waren nichts anderes als Informations-Inkassobüros, sie trieben ausstehende Wissensschulden ein und stöberten kautionsbrüchige Faktenflüchtlinge auf.“ (S. 225)

Claire DeWitt, die bester Ermittlerin der Welt, ist anders. Anders als die anderen Kindern, äh, Detektive. Anders trifft es zwar, beschreibt es aber nicht gut. Claire DeWitt ist Silettistin. Sile-was? Genau. Bevor man Claire DeWitt versteht, muss man einiges erklären, doch selbst dann versteht man Claire DeWitt wohl nie zur Gänze.  Die Grundregeln für ihr Detektivdasein basieren auf „Détection“, einem Buch veröffentlicht von  Jacques Silette, einem großen Detektiv, dessen Anweisungen aber keineswegs genau, sondern esoterisch ungenau sind und einen Hauch von Glückskeks ausstrahlen. Silettisten sind in der Ermittlerszene geächtet, doch die Erfolgsquote der Silettisten ist beachtlich. Auch Claire DeWitt kann nur Erfolge vorweisen, außer in ihrem eigenen Fall, dem Fall ihrer verschwundenen besten Freundin.

Ich warne mal vor – Claire DeWitt, aber auch den Stil der Autorin, den Aufbau des Buches, muss man mögen, denn ansonsten hasst man es vermutlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier Graustufen gibt – man liebt oder man hasst Claire DeWitt. Einfach macht es einem die Autorin auf keinen Fall. Mag man Claire, muss man sich hier noch durch drei verschiedene Fälle arbeiten, welche die Autorin so genial verschlungen gelungen verquickt, dass ich hin und wieder doch den Faden verloren habe. Manches muss man wirken lassen. Das Buch arbeitet in einem, unterbewusst finden die Stränge dann wieder zusammen, bevor sich natürlich wieder neue Fragen und offene Enden bilden. Angereichert wird mit Wissen aus Détection, Silettes Lebensgeschichte, Claires einzigem ungelösten Fall und einer Comicserie aus ihrer Kindheit um die Teenagerdetektivin Cynthia Silverton. Und was die Wabenstruktur und die Biene auf dem Cover zu suchen haben? Da könnt ihr raten so viel ihr wollt, da kommt ihr nie drauf! Noch nicht abgeschreckt, lieber Leser?

Claire DeWitt ist eine Wucht. Sie ist eine Einzelgängerin,  streift seit Jahren umher. Sie ist ohne festen Wohnsitz, Drogen nicht abgeneigt. Man könnte sie für depressiv halten,  fragt sie sich doch oft, warum sie alleine ist. Sie biedert sich nicht an, sie ist, wie sie ist. Doch immer auf der Suche nach der Wahrheit, die Fälle werden gelöst, ohne Wenn und Aber, ob der Auftraggeber es nun hören möchte oder nicht. Ich könnte hier noch unendlich weitermachen, doch Claire muss man einfach erlebt haben – man kann nie genug erzählen, um zu zeigen, wie sie ist. Sie ist die beste Ermittlerin der Welt.

„Später im Leben begriff ich, dass die meisten Leute glauben, sie würden von allen gehasst. Die Wahrheit ist noch schlimmer: An die meisten Leute verschwendet überhaupt niemand einen Gedanken.“ (S. 243)

Ich liebe Claire. Ich mochte das Buch. Und trotzdem lässt sie mich ratlos zurück. Hat sie die Fälle nun geklärt? Nun ja, irgendwie, zum Teil. Vielleicht auch nicht. Ich denke immer noch darüber nach. Ach, aber das ist gar nicht so wichtig. Wichtig ist Claire DeWitt. Und wichtig ist mir, dass bald ein weiterer Teil mit ihr erscheint, aber da muss ich leider die Hoffnungen erst mal begraben – die Autorin arbeitet gerade an anderen Projekten. Auf den nächsten Claire DeWitt müssen ihre Fans wohl wieder eine Weile warten.

Fazit:
Ein Krimi, wie ein Autounfall – man kann einfach nicht aufhören und wegsehen. Claire DeWitt ist die beste Detektivin der Welt, aber sie wird die Leserschaft spalten, entweder man liebt oder man hasst sie. Und Lösungen bietet sie schon gar nicht. Nur die Wahrheit. Die kann Claire DeWitt dafür grandios gut.

 


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Perfekt: Alles, was heilig ist – Dennis Lehane


Dennis Lehane – Alles, was heilig ist
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Peter Torberg
432 Seiten
ISBN: 978-3257300444

 

 

 

Patrick Kenzie und Angela Gennaro haben nach dem letzten Fall ihre Detektei noch nicht wieder eröffnet. Sie lecken ihre Wunden und trauern um Phil, Angelas Exmann, noch sind sie nicht bereit für neue Fälle. Reiche Leute kümmern sich aber einen Dreck darum, was andere Menschen wollen und zwingen anderen ihren Willen auf. So wie Trevor Stone. Der lässt kurzerhand Patrick und Angela entführen, um sie damit zu beauftragen, seine verschwundene Tochter Desiree zu suchen. Diese ist durch den Unfalltod ihrer Mutter, den Tod eines guten Freundes und die plötzliche Krebserkrankung ihres Vaters tief traurig. Allerdings war schon ein anderer Privatdetektiv am Werk, Jay Becker. Ein Kollege von Kenzie und Gennaro, vor allem aber Kenzies Mentor. Becker ist jedoch ebenfalls verschwunden, nachdem er Desirees Spur bis zu „Trauer & Trost“, einem therapeutischem Zentrum, welches sich um Trauernde kümmert, verfolgt hat. Doch Trauer & Trost ist nicht das einzige, was nicht das ist, was es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich mich ausdrücken soll. Wie genau finde ich die richtigen Worte, um Euch zu vermitteln, dass dieses Buch schlicht und einfach genial ist? Es schlägt ein wie eine Bombe, es ist spannend bis zum Zerreißen, gigantisch und großartig, ein Fest und Freudentag zugleich. Ja, genau, mir läuft vor Begeisterung gleich der Sabber aus dem Mundwinkel. Schon von der ersten Seite war ich gefangen und das Buch hat mich nicht mehr losgelassen, bevor es mich nach der der letzten Seite, völlig fertig, aber glückselig schmatzend wieder ausspuckt hat.

Aber gut, fangen wir von vorne an. Die Handlung schwenkt von der Fassade von Trauer & Trost zu einer Sekte, um dann die beiden Detektive ins sonnige Florida zu schicken. Der Sunshine State bietet aber die gleichen Abgründe wie das regnerische Boston, so dass Kenzie und Gennaro vom Regen in die Traufe kommen und letztendlich in einer zerfressenen Familiengeschichte landen, die sie mit dem ihnen ganz eigenen Humor lösen.

Die Geschichte wird aus Patricks Sicht beschrieben, doch Angela steht in keiner Weise nach, empathisch, aber rotzfrech, keiner der beiden ist um einen kessen Spruch verlegen, auch nicht, wenn gerade die Kugeln oder Fäuste fliegen. Eins folgt auf das andere, man bekommt gar keine Zeit zu atmen, zu stoppen, das Buch aus der Hand zu legen. Entführung, Autounfall, Mord, und und und. Eine Spannung, die einen nicht loslässt, von der ersten bis zur letzten Seite. Keine Nebenhandlungen, keine Abschweifungen, Kenzie und Gennaro stürmen von einer Begebenheit zur nächsten. Wem das nun nach zu viel Action klingt, dem sei aber gesagt, es gibt auch ruhigere Passagen. Es bleibt Zeit für Berührendes, für Emotionen, besonders die Trauer der beiden Privatdetektive, aber auch ihre beginnende romantische Beziehung sorgen für Abwechslung, aber keinesfalls für Langeweile, sind nie billig, sondern mit Herz geschrieben und fügen sich erstklassig ein, ohne den Krimi aufzuweichen oder die Krimihandlung aus dem Fokus zu nehmen.

Es ist eine Wahnsinnsgeschichte, ein erstklassiger Krimi , aus einer genialen Feder, hardboiled und schwarz-weiß, so 40er Jahre schwarz-weiß. Ok, er stammt nicht aus den 40ern, aber er könnte! Er transportiert dieses Gefühl, diese Zeit, Wahnsinn. Es ist mir völlig unverständlich, wie jemand dieses Buch schlecht finden könnte, gibt es bestimmt auch nicht, kann es einfach nicht geben. Ja, ja, irgendjemand hat immer was zu meckern und sollte jemand unbedingt einen Makel brauchen, damit er ruhig schlafen kann, ist zu erwähnen, dass Bubbas Auftritt einfach zu kurz ist. So. Aber für mich war das schlicht und einfach der perfekte Krimi.

Fazit:
Perfekt. LESEN. Unbedingt. Absolut. Keine Widerrede. Keine Ausrede. Los, los!

 


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Wehmütig: Der Teufel will mehr – Wallace Stroby


Wallace Stroby – Der Teufel will mehr
Verlag: Pendragon
Übersetzer: Alf Mayer
320 Seiten
ISBN: 978-3865326461

 

Crissas Geld ist gut angelegt und arbeitet für sie, aber im Moment kommt sie nicht ran. So nimmt sie den Auftrag eines reichen Kunstsammlers an, seine eigenen Kunstwerke zu stehlen. Die Kunstwerke hat sich der Sammler auch illegal angeeignet, denn es handelt sich um geraubte Kunst aus dem Irak, die er nun zurück geben soll. Diese sind im Übrigen nicht klein und müssen per LKW transportiert werden. Auf der anderen Seite hat er allerdings einen Käufer für die Kunstwerke und beschließt nun, dass der LKW, welcher die Kunstwerke zum Rückgabeort transportieren soll, überfallen zu lassen und die Gegenstände stattdessen an den Käufer zu liefern. Crissa stellt eine Crew zusammen, muss aber auch mit den Angestellten des Sammlers zusammenarbeiten. Nichtsdestotrotz klappt der Überfall hervorragend, doch Streit gibt es trotzdem… um die Beute.

Ich verrate hier tatsächlich nichts, denn das ist auch schon auf dem Klappentext erwähnt, doch bis es zum Streit um die Beute kommt, dauert es doch eine Weile. Man folgt Crissa bei der Planung, zuerst vorsichtig wie immer, lässt sie Hicks, den Sicherheitsberater des Kunstsammlers, dann doch näher an sich ran als gewünscht. Damit bricht sie ihre eigenen Regeln, auch schon damit, dass sie zwar den Überfall präzise plant, doch sich bei einigen Punkten auf Hicks verlassen muss. Sehr ungewöhnlich, ist doch Crissa daran gewohnt, sich um alles selbst zu kümmern, damit sie auch weiß, dass es klappt, oder sich auf Teammitglieder zu verlassen, die sie schon kennt und mit denen die Mitarbeit immer geklappt hat. Hicks hingegen kennt sie nicht, akzeptiert aber trotzdem, dass sie mit ihm zusammen arbeiten muss. Und alleine diese Tatsache bereitet einen darauf vor, dass hier einiges schief geht.

Schon in den vorigen Teilen ist immer wieder was schief gegangen, doch dann waren es unkalkulierbare Risiken, die aufgetaucht sind. Hier jedoch rennt Crissa mit offenen Augen ins Verderben. Das allerdings wirkt sich keinesfalls negativ auf die Spannung des Buches aus. Gewohnt routiniert folgt man den Vorbereitungen und dem Beutezug, während die Spannung kontinuierlich zunimmt und plötzlich wird es brenzlig, denn ein gelungener Raub bedeutet noch lange nicht, dass man entspannt in den Sonnenuntergang reitet.

Schon vor der Lektüre habe ich gesehen, dass der Verlag diesen Band als letzten der Crissa Stone Reihe angekündigt hat. Mir kam es vor, als merkt man es dem Buch auch ein wenig an, Crissa läuft irgendwie unrund. In keinem der vorigen Teile lässt sie sich so viele Dinge aus der Hand nehmen, gibt die Kontrolle für bestimmte Dinge ab, trägt aber trotzdem die Verantwortung. Es kann eigentlich nur schief gehen und natürlich tut es das. Dieser Rückschlag trifft Crissa hart, nicht nur physisch, sondern auch physisch. Sie steht an einer Weggabelung und muss Entscheidungen treffen.
Trotzdem sehe ich das Ende des Buches nicht als endgültiges Ende. Vielleicht bin ich hier ja trotzig, aber es ist durchaus denkbar, dass der Autor Crissa wieder ausgräbt und nochmal losschlagen lässt. Zumindest ist es möglich. Aber ich denke schon, dass der Verlag hier gut informiert ist und der Autor das in nächster Zeit (oder vielleicht ja tatsächlich gar) nicht geplant hat. Ich werde Crissa auf jeden Fall vermissen, denn es gibt nur wenige weibliche Protagonistinnen in Krimis, die mir so gut gefallen haben wie Crissa!

Fazit:
Wiederum ein sehr gut gelungener Krimi rund um Crissa Stone, die diesmal einen ganzen LKW stiehlt. Auch wenn ich gegen endlos lange Serien bei Krimis bin, muss ich doch sagen, dass mich Crissas Abschied wehmütig stimmt – dieser Heldin wäre ich noch weitere 10, 20, ach was, 100 Teile gefolgt.


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Roadtrip wider Willen: Dodgers – Bill Beverly


Bill Beverly – Dodgers
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Hans M. Herzog
400 Seiten
ISBN: 978-3257609066

 

 

 

East ist für den Vorgarten zuständig. Seine Crew für die Straßen rundherum. Für den Vorgarten und die Straßen rund um das Drogenhaus. Doch dann geht etwas schief, das Haus fliegt auf, ein Mädchen wird erschossen. East erhält von Fin, dem Anführer, einen anderen Auftrag. Gemeinsam mit dem dicken, aber cleveren Walther, seinem Halbbruder Ty, jünger, aber kompromissloser als East, und Michael Wilson, dem einzigen über 18 aber noch keineswegs erwachsen, soll er quer durchs Land fahren und einen Richter, der gegen Fin aussagen will, erschießen. Keine Flüge, keine Bustickets, falsche Pässe und ein sauberer, unauffälliger Van, das sind die Bedingungen, zu denen sich die vier Jungs auf den Weg machen. In die Fremde, in die Einsamkeit, mit drei völlig Fremden. Eine Reise, ein Abenteuer, ein Roadtrip.

Hunderte Seiten darüber, wie vier Jungs, Kleinkriminelle, die USA durchqueren, um einen Mann zu ermorden, hört sich nun erst mal nicht so spannend an, doch Roadtrips halten immer wieder Überraschungen bereit und so ist es auch hier. Zwar mag die Reise selbst auch zählen, doch die spannenden Momente der Geschichte entstehen bei den Zwischenstopps. Als Michael einen Stpop in Las Vegas einlegt, damit die „Kleinen“ auch mal ein Casino von innen sehen, als die Jungs eine Anhalterin aufgabeln, als ein Polizeiwagen hinter ihnen herfährt und das Herz der Jungs schneller schlagen lässt und so weiter. Doch auch die Jungs alleine bieten viel Spannungspotenzial, streiten sich, sind nur selten einer Meinung, aber müssen sich eben zusammenraufen. So ein Van kann schnell eng werden und vier jugendliche aufbrausende Gemüter erhitzen.

Warm geworden bin ich mit dem Protagonisten East nicht. Er ist einer, der Befehle ausführt. Gut zu gebrauchen in hierarchischen Strukturen, aber nur als Ausführender. Er ist nicht dumm, aber eben eher einer, der sich zurückhält. Der sich genau an Fins Plan hält. Jemand, der nicht selbst den Plan ausheckt und auch keiner, der ihn durchsetzt, aber einer, der den Plan verfolgt. Ich fand ihn kühl und hab seine Beweggründe oft nicht komplett nachvollziehen können. Aber man muss ihm zu Gute halten, dass er ein ungewöhnlicher Protagonist ist. Viel besser hätte Ty oder Walter, ja sogar Michael als Protagonist gepasst, doch East bleibt für mich seltsam emotionslos, gesichtslos, unscheinbar und damit eben eine ungewöhnliche Wahl als Protagonist.

An einigen wenigen Stellen fand ich das Buch spannungsarm, es passiert eben auch mal eine Weile nichts, derweil die Jungs ihrem Ziel entgegen fahren. Doch tatsächlich ist es auch nicht das Ziel des Buches ein Pageturner zu sein. Es ist ein Roadmovie, aber auch eine Coming of Age Story, eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über vier Jungs aus der Großstadt, dem kriminellen Abschaum, die zu einer Odyssee aufbrechen. Es ist düster und trostlos, scheint oft hoffnungslos und doch kann auch die karge, einsame, aber bildgewaltige Landschaft, welche East zum ersten Mal sieht, überzeugen. Die Reise geht weiter, doch die Gruppe bröckelt, bis nur noch East übrig ist, der in eine Stadt heimkehrt, die er nicht wieder erkennt.

Es ist ein Noir Krimi und die Atmosphäre kann hier sehr überzeugen, der Roadtrip, die vier Jungs, auf dem Weg zum Erwachsenen, ein gelungenes Szenario. Und auch wenn ich nicht unbedingt Sympathie für den Helden der Geschichte empfinden muss, ist mir dieser hier doch egal. Schade, denn das macht das Buch für mich zu einem guten, aber keinem äußerst guten Buch.
Zudem darf man mir gerne erklären, was die orangene Kugel (vielleicht eine Orange?) mit den weißen Beinen auf dem Cover bedeuten soll. Es gibt zwar tatsächlich mal eine Orange als Snack im Buch, doch die hatte noch lange keine Beine – weiße Beine hatten im Buch sowieso nur die wenigsten.

Fazit:
Der Krimi punktet als Roadtrip und Coming-of-Age Story sowie mit den bildgewaltigen Landschaften, doch der Protagonist lässt mich leider kalt. Nichtsdestotrotz ein literarisch gut geschriebener Noir, bei dem mir aber eben das letzte Quäntchen gefehlt hat.


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Drei in einem: Die schwarze Frau – Simone St. James


Simone St. James – Die schwarze Frau
Verlag: Goldmann
Übersetzerin: Anne Fröhlich
443 Seiten
ISBN: 978-3442488223

 

 

 

 

Idlewild Hall beherbergte seit Anfang des 20. Jahrhunderts unerwünschte, aufsässige, labile Mädchen, die von ihren Familien in das Internat abgeschoben wurden. Fiona Sheridan hat ein besonderes Interesse am Gelände von Idlewild Hall, dessen Internat längst die Pforten geschlossen hat und vor sich hin rottet. Vor 20 Jahren wurde ihre Schwester Deb ermordet und auf dem Gelände liegen gelassen. Als sie nun hört, dass Idlewild Hall restauriert und wieder eröffnet werden soll, ist ihre journalistische Neugier geweckt, vor allem, als bei den Bauarbeiten, das Skelett eines jungen Mädchens gefunden wird. Ihre Recherchen weisen unweigerlich in verschiedene Richtungen und bringen nicht nur neues über das Skelett und den Mord an ihrer Schwester zutage, sondern auch die Geistergeschichten von Mary Hand, die auf dem Gelände von Idlewild Hall spuken soll.

Als ich das Buch gesehen habe, musste ich es sofort haben – sowohl das Cover als auch der Klappentext haben mich sofort angesprochen. Gruselige, bzw. Geistergeschichten sprechen mich gerade eh an, wobei dieses Buch so viel mehr bietet. Der Autorin gelingt es nämlich wunderbar, nicht nur Mary Hands Geschichte in Fionas Ermittlungen einzubauen, sondern auch den Mord an ihrer Schwester mit neuen Verdachtsmomenten zu spicken und 4 junge Mädchen in den 1950ern zu Wort kommen zu lassen. Besonders diese Passagen haben es mir angetan, anfangs waren sie abwechselnd eingeflochten, bis sie zum Ende hin weniger werdend, doch die karge und unfreundliche Atmosphäre von Idlewild Hall wurde hier sehr anschaulich dargestellt. Die tiefe Freundschaft der vier Mädchen Katie, Roberta, Sonia und CeCe, zusammengewürfelt und gezwungenermaßen im gleichen Zimmer, wurde dadurch beflügelt und man sieht fast voraus, dass diese Freundschaft ein Leben lang halten wird. Natürlich schweißt sie ein Ereignis besonders zusammen.

Zugleich spielt die Autorin mit Fionas Suche nach der Wahrheit um den Mord an ihrer Schwester. Der Täter sitzt hinter Gittern, doch nach und nach schleichen sich Zweifel bei ihr ein, ob auch der richtige Täter für die Tat einsitzt. Als ihre Schwester starb war sie noch jung, Fionas Mutter starb wenige Jahre später, ihr Vater hat sich zurückgezogen. Der Mord hat eine tiefe Furche in Fionas Familie getrieben, die bis jetzt noch nicht verheilt ist. Ihre Beziehung zu Jamie, einem Polizisten, ist hierbei Hilfe und Problem in einem, denn sowohl Vater als auch der Großvater von Jamie waren die früheren Polizeichefs und als sich Zweifel auftun, ob bei den Ermittlungen – sowohl bei dem Skelett, welches sich als verschwundenes Mädchen herausstellt, als auch bei ihrer Schwester – alles mit rechten Dingen lief, kommt das in Jamies Familie nicht gut an.

Auch wenn es so scheint, als ob die Autorin zu viele Themen in eine Geschichte packt, ist dem nicht so. Durch die verschiedenen Ereignisse im Laufe der Jahrzehnte verfestigt sich nur die unheimliche Atmosphäre, die über Idlewild Hall zu schweben scheint. Ein verfluchter Ort, der scheinbar niemandem Glück bringen kann. Es sind also mehrere Dinge die passieren, bzw. Fiona recherchiert, natürlich alle in Verbindung mit Idlewild Hall, und dabei hat man nicht das Gefühl, dass die Autorin einen Faden aus der Hand lässt, sondern sie verwebt alle Stränge geschickt miteinander und lässt eine ganz wunderbare und sehr spannende Geschichte entstehen. Die Legende um Mary Hand nimmt hier keinen Fokus ein, ist im Hintergrund aber immer präsent. Eine Geistergeschichte, aber ganz natürlich eingeflochten in aktuelle und nicht mehr so aktuelle Ereignisse, kein richtiger Grusel, sondern eher ein kalter Hauch, der die Geschichte um Idlewild Hall umgibt.

Fazit:
Ich habe das Buch fast schon weggesogen. Ich fand die Geschichte, die eigentlich drei Geschichten umfasst, unheimlich spannend, sehr atmosphärisch und wirklich gut geschrieben. Sehr gelungen!