Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Reblogged: Stuart Neville – Die Schatten von Belfast — WortGestalt-BuchBlog

Dass es im Krimi auch mal um Geister und Dämonen geht, zeigt nun Stuart Neville in „Die Schatten von Belfast“. Ein Buch, welches noch in meinem SUB schlummert, aber wohl gehörigst da rausgeholt gehört.
Warum?
Das seht ihr im heutigen Beitrag von Philly auf dem Wortgestalt-Buchblog, die das Buch im Rahmen unseren Blogspezials zu irischer und nordirischer Kriminalliteratur gelesen hat. Also hier bitte klicken:

Mit Anfang Zwanzig verübte Gerry Fegan seinen ersten Mord für die IRA. Elf weitere folgten. Insgesamt zwölf Menschenleben beendete Fegan während des Nordirlandkonfliktes. An jedes einzelne erinnert er sich. Das ist ganz leicht. Denn die Geister der Toten begleiten ihn. Der Beitrag Stuart Neville – Die Schatten von Belfast erschien zuerst auf WortGestalt-BuchBlog.

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Das wahre Leben: True Crime – Sam Millar

Sam Millar konnte mich mit seinem Privatdetektiv Karl Kane schon zweimal überzeugen – brutal, grotesk und noir. Der dritte Teil harrt noch in meinem SUB aus. Auch sein erstes Buch „True Crime“, welches auf dem schon 2003 erschienenen „On the Brinks“ basiert und in meiner vorliegenden Version erweitert wurde, ließ sich dort lange finden. Viel zu lange. Dabei ist „True Crime“ gar kein Krimi, obwohl es sich schon so liest. Das Buch erzählt Sam Millars Leben, ein Leben wie ein Krimi. Ungewöhnlich, kriminell und mit viel Leid.

Sam Millars Leben war mehr als bewegt. Die psychisch kranke Mutter verschwindet als er 8 Jahre alt ist, sein Vater macht ihm das Leben nicht gerade einfach. Mit 15 verlässt er die Schule und arbeitet in einem Schlachthaus. Als er, gemeinsam mit seinem Bruder, in Derry den Bloody Sunday erlebt, bei welchem 13 friedliche Protestierende erschossen werden, schließt er sich der IRA an. Er wird verhaftet, verbringt drei Jahre in Haft und wird im selben Jahr, in dem er freigelassen wird, wieder verhaftet. Während dieser Haftstrafe schließt er sich dem Protest der Blanket Men an. Die Gefangenen weigern sich, die Gefängnisuniform zu tragen und Gefängnisarbeit zu leisten, später treten sie in den Hungerstreik. Die Protestaktion ist gepflastert von Demütigungen, Schlägen und Übergriffen aber auch Entzug jeglicher menschlicher Zugeständnisse von Seiten der Wärter: kein Kontakt nach außen, keine Betten, kaum Essen, irgendwann mal auch keine Decke und kein Toiletteneimer mehr. Nach seiner Entlassung kehrt Millar Nordirland den Rücken und reist in die USA. In New York arbeitet er als Croupier und Box Manager in illegalen Casinos bevor er einen Comicladen eröffnet. Ach ja, und er inszeniert einen der größten Raubüberfälle der Geschichte der Menschheit: 7,4 Millionen Dollar raubt er mit seinen Partnern der Werttransportfirma Brink’s.

Man redet ja oft davon, dass ein Buch ungewöhnlich ist, wenn es eben vom üblichen Schema abweicht. Nichtsdestotrotz möchte ich das Wort hier benutzen ohne es abzunutzen. Krimi ja, aber irgendwie auch doch nicht. Eine Lebensgeschichte, aber eben kriminell. Ah, ich lass das mit der Einordnung mal – es ist sowieso spannender, wenn sich die Grenzen verwischen.

Das Buch teilt sich in zwei Teile auf – in Belfast und in New York. Ganz entgegen meiner Annahme, dass sich der Belfaster Teil um Millars IRA Aktivitäten und der New Yorker Teil um den Plan des Raubüberfalls dreht, hat der Autor mich hier überrascht. Nach einer Einführung in Millars Jugend geht die Radikalisierung in wenigen Seiten vonstatten und ist auch eher nebensächlich. Der Großteil des Belfaster Anteils, dreht sich um seine Gefängnisaufenthalte. Man könnte sich nun denken, dass dies mitunter langweilig wird, schließlich sieht der Gefängnisalltag eher eintönig aus, doch Millars Gefängnisaufenthalt liest sich überaus interessant, aber auch verstörend. Dies ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass er sich den Blanket Men anschließt.

„Die Wärter, in einem weiteren Versuch, unseren Widerstand zu brechen, hatten die Fenster von außen vernagelt, sodass weder Licht noch Luft hereinkamen. […] Damit der Gestank von Pisse und Scheiße noch schlimmer wurde, hatten sie die Heizungen bis zum Anschlag aufgedreht. Man wollte sich die Haut aufkratzen und die Haare ausreißen, während die Zelle sich in einen Backofen und Sarg verwandelte und immer kleiner und heißer zu werden schien.“ (S. 121)

Dabei geht er gar nicht so ins Detail über die physische und psychische Folter, nichtsdestotrotz ist es überraschend, wie viele Möglichkeiten die Wärter, der Gefängnisdirektor oder die Regierung sich ausdenken, um den Männern den Widerstand auszutreiben. Standhaftigkeit ist eine Eigenschaft, die diese Männer hier brauchen, aber sie haben auch die Genugtuung, dass sie eh nichts mehr zu verlieren haben. Nimmt man einem Menschen nicht nur Kleidung, Essen und jeglichen Kontakt zu anderen Menschen, sondern auch Würde, Anstand und  das letzte Bisschen Freundlichkeit, hat man nun auch  mal nichts mehr zu verlieren. Eindrucksvoll. Anders kann man es nicht beschreiben. Mit klopfendem Herzen und mit mehrmaligen Schlucken, um die aufkommenden Tränen vor Wut zurückzutreiben, liest man diese Passagen.

„Mit jedem der darauffolgenden Umzüge kam eine neue Brutalität hinzu: Haareziehen, Ohrfeigen, Schläge in die Nieren, Tritte in die Genitalien, Analuntersuchungen, Ins-Gesicht-Spucken. Die Wärter hatten eine carte blance der britischen Regierung, die Foltern du jour durchzuführen, und kamen der Aufgabe mit dem größten Vergnügen nach.“ (S. 125)

Als Millar dann das Gefängnis verlässt und wieder in Freiheit ist, landet er in New York. Und man wünscht ihm nun ein ruhiges Leben, einen gesicherten Job und eine Familie. Während die Familie, seine Frau Bernadette und seine drei (später vier) Kinder wieder eher eine Nebensächlichkeit sind, denkt man, mit dem Job im Casino hat er jetzt wenigstens einen festen Job im Leben und Rückhalt. Ja gut, Casinos sind dort illegal. Aber na ja, da sehen wir mal locker drüber weg. Doch irgendwas piesackt Millar, er kommt nicht davon weg. In seinem Kopf wächst ein Plan, wie er Millionen von Dollar bei Brink’s klauen kann. Und er tut es. Wieder „enttäuscht“ Millar meine Erwartungen, denn nicht die Planung ist im Fokus im zweiten, New Yorker Teil, sondern seine Verhaftung und die Verteidigung durch seinen Anwalt.

Fast ein wenig unglaublich, wie Millar einen Krimi über sein Leben schreibt, sein Leben in einen Krimi verwandelt, ohne die kriminellen Taten zu beschreiben. Selbstschutz? Schutz vor Verfolgung, Verhaftung? Egal wie, aber die kriminellen Elemente in seinem Leben geraten zu Nebensächlichkeiten, waren ihm nicht wichtig, nicht oder eben fast nicht erwähnenswert. Und trotzdem gelingt ihm eine unheimlich spannende Geschichte, bei der man sich unwillkürlich ständig fragen muss: Und das ist sein Leben? Wirklich? Kann das alles so geschehen sein? Ich gestehe ihm natürlich künstlerische Freiheit zu, doch zu den Eckpunkten seines Lebens finden sich Artikel, Meldungen und Internetseiten. Man muss nur ein wenig stöbern und dann darf man wieder den Kopf schütteln. Ich bin ein großer Fan realistisch geschriebener Krimis, doch muss wahrlich anerkennen, dass auch das Leben große Kriminalgeschichten hervorbringt. Und Sam Millar ist eine davon.

Fazit:
Ein Leben wie ein Krimi: Sam Millar schreibt seine Lebensgeschichte auf und lässt dabei seine kriminellen Machenschaften zu Nebensächlichkeiten werden. Trotzdem gelingt ihm damit eine der spannendsten und diesmal wirklich realen Geschichten. Brillant!



Sam Millar – True Crime
Verlag: Atrium
Übersetzer: Joachim Körber
411 Seiten
ISBN: 978-3855355136

 

Die Karl Kane Reihe:
Die Bestien von Belfast
Die satten Toten
Die kalte Kralle

 


Weitere Stimmen zum Buch:
Gesakram meint: „Fazit. Unbedingt lesen, wenn man keine schwere Kost scheut und sich wirklich beeindrucken lassen möchte.“
Renie’s Lesetagebuch meint: „Er kombiniert Nüchternheit, die in der Darstellung nichts beschönigt mit Humor und Sarkasmus. Dieses Buch ist einzigartig. Nichts in diesem Buch ist erfunden. Alles hat so stattgefunden. Und man stellt fest, dass nur das echte Leben die spannendsten Geschichten schreiben kann.“


 


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Irisch-nordirisch: Borderlands – Brian McGilloway

Wenn eine Leiche genau auf dem Grenzstreifen zwischen der Republik Irland und Nordirland gefunden wird, gilt das ungeschriebene Gesetz, dass die Ermittlung von dem Land geführt wird, aus dem das Opfer stammt. Inspektor Benedict Devlin, von der irischen Gardai, bekommt also den Mordfall der 15jährigen Angela Cashell, die dort gefunden wurde, fast nackt aber mit einem Goldring am Finger, zugeteilt. Angela hing öfters mit dem jungen Traveller Whitey McKelvey rum und nur Stunden nach dem Fund von Angelas Leiche brennt das Lager der Traveller lichterloh, McKelvey ist aber sowieso längst weg. Dann wird die verkohlte Leiche eines jungen Mannes in einem ausgebrannten Auto gefunden und obwohl die Leiche schnell identifiziert wird, gibt es keine Verbindung und der Tote ist ortsfremd. Haben die beiden Fälle etwas miteinander zu tun?

„Irgendwie passte es, dass Angela Cashells letzte Ruhestätte quer über der Grenze lag. Vermutlich konnten weder diejenigen, die ihre Leiche dort zurückgelassen hatten, und schon gar nicht diejenigen, die 1920 die Grenze zwischen dem Norden und dem Süden Irlands gezogen hatten, ermessen, wie skurril es war, dass ihr Körper halb in dem einen und halb in dem anderen Land lag, in den borderlands, wie das Grenzgebiet genannt wird.“ (S. 9)

Der Titel des Buches hat mich magisch angezogen. Borderlands – Grenzland. Das hört sich nach einem verwunschenen Ort voller Magie an – oder eben nach einem unsteten, gefährlichen Ort. Ein Ort, an dem es nicht anders sein kann, als dass Menschen sterben. Tatsächlich ist aber nun die Grenze zwischen den beiden irischen Staaten, einfach nur eine Grenze, hauptsächlich administrativ. Zuständigkeiten und so. Ein wenig schade ist das schon und irgendwie auch langweilig. Aus dieser Grenze hätte man so viel mehr machen können. Schon allein Streitigkeiten um den Mordfall hätten hier ein Gros mehr Spannung beigetragen – eine immense Steigerung hätte stattfinden können, wäre der Kriminalroman zur Zeit der Troubles angesiedelt worden. Ich möchte es mal eine verpasste Chance nennen, denn dies macht aus dem Kriminalroman eben einfach nur einen guten, aber keinesfalls außergewöhnlichen Kriminalroman.

Ich würde ja jetzt gerne sagen, genug gemeckert, aber eine Sache muss ich dann doch noch erwähnen. Kommen wir also zu Inspektor Benedict Devlin. Ein ruhiger und bedächtiger Typ, jemand der allen Spuren nachgeht. Auch wenn  Whitey McKelvey ihm fast schon auf dem Silbertablett serviert wird, nimmt er nicht den einfachen Lösungsweg. Kann sein, dass der junge (und strohdoofe) Traveller es war, kann aber eben auch nicht sein. Privat ist Devlin Familienvater und Ehemann. Als dann allerdings ein weiterer Handlungsstrang eingeführt wird, der natürlich später mit der Haupthandlung verquickt wird, begegnet er seiner früheren Jugendliebe wieder. Die hat ihn damals für ihren jetzigen Ehemann, einen reichen Politiker, sitzen lassen und ist jetzt in dieser Ehe natürlich kreuzunglücklich und säuft wie ein Loch. Warum in Herrgottsnamen nun aber Devlin auf die nicht mehr vorhandenen Reize dieser alternden Schnapsdrossel reinfällt und damit seine Ehe riskiert, ist mir nun wirklich nicht klar. Wer weiß, kann vielleicht nur ein Mann erklären. Nostalgie. Oder pubertäre Phantasien. Oder so.

Die Nebenfiguren sind eher zu vernachlässigen und bleiben auch kaum in der Erinnerung verhaften, nichtsdestotrotz gelingt es dem Autor den Spannungsbogen gekonnt aufrecht zu halten. Immer wieder kommen die Ermittlungen ein Stück vorwärts oder eine weitere Leiche taucht auf, ein Molotowcocktail fliegt oder die Schafe reißende Bestie ist wieder unterwegs – ein weiterer Nebenstrang der Geschichte. Auch gelingen dem Autor einige Kniffe, so dass auch der Inspektor nicht unbehelligt aus der Sache rauskommt und die eigenen Reihen auch noch Überraschungen bereit halten. Letztendlich kann man wohl sagen, dass der Kriminalroman mich gut unterhalten hat, ein ausgewogenes Spannungsverhältnis bietet und die Serie es wert ist, weiterverfolgt zu werden. Nichtsdestotrotz trauere ich noch ein wenig meiner Vorstellung nach, der Krimi würde während der Troubles in den Borderlands spielen…

Fazit:
Spannender Krimi an der irisch-nordirischen Grenze – nicht außergewöhnlich, aber unterhaltsam und gut ausgetüftelt. Ein gelungener Auftakt der Serie um Inspektor Devlin.

 



Brian McGilloway – Borderlands
Verlag: Dumont
Übersetzer: Alice Jakubeit
285 Seiten
ISBN: 978-3832180324

 

Weitere Titel der Reihe:
Galgenweg
Blutgold
Aufstand der Gerechten

 


 


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Reblogged | Sam Millar – Die Bestien von Belfast — WortGestalt-BuchBlog

Nachdem das Spezial gestern angekündigt wurde, geht es heute dann richtig los. Bei Philly von Wortgestalt-Buchblog startet die erste Rezension: Sam Millars „Die Bestien von Belfast“, ein harter, bissiger Kriminalroman, den Philly denn auch schlicht großartig nennt.

Eine schnelle und harte Privat-Eye-Novel liegt mit »Die Bestien von Belfast« von Sam Millar hier auf dem Tisch und ich meine, wow, mit solch einem Roman in unser Blog-Spezial zur irischen und nordirischen Kriminalliteratur zu starten, ist ein wahres Fest Der Beitrag Sam Millar – Die Bestien von Belfast erschien zuerst auf WortGestalt-BuchBlog.

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Blog-Spezial Irische und Nordirische Kriminalliteratur – gemeinsam mit Wortgestalt

Es geht wieder los!
Gemeinsam mit Philly von Wortgestalt-Buchblog habe ich mich durch irische und nordirische Krimis gelesen und darf nun endlich das Blog-Spezial hierzu ankündigen. Schon vor unserem letzten gemeinsamen Spezial (Blog-Spezial Dystopische Literatur) haben Philly und ich herausgefunden, dass wir viele gemeinsame Themen haben, denen wir gerne ein Spezial widmen würden. Die Zeit ist zwar bei allen immer knapp bemessen, doch ein weiteres Spezial mit Philly hatte einfach noch Platz in diesem Jahr. Ach, ich freu mich so sehr!

Eine unheimliche Freude habe ich immer wieder an der Recherche. Welche Bücher will ich lesen? Was gibt mein SUB her? Welche AutorInnen wollte ich schon lange mal austesten? Soll viel irische/nordirische Geschichte vorkommen? Soll es mehr aktuell sein? Müssen die AutorInnen aus Irland/Nordirland stammen oder nur darüber schreiben?
Ah, ich liebe es, meinen SUB zu durchsuchen. Jemand mit weniger als 100 Büchern im SUB kann das vielleicht gar nicht nachvollziehen, wie ich dann vor meinen Regalen sitze und alle Bücher rausziehe, damit ich auch alles in der zweiten Reihe zu sehen bekomme… aber das mal nur so nebenbei. Von der Recherche auf Verlagsseiten nach weiteren passenden Büchern spreche ich mal gar nicht, denn die ist für den SUB auch nicht gut.

Letztendlich basiert meine Auswahl hauptsächlich auf zwei Kriterien: was kenne ich noch nicht und was wollte ich schon lange mal gelesen haben. Dadurch gibt es bei mir z. B. keinen Teil der Sean Duffy Reihe von Adrian McKinty, aber auch keine Patsy Logan aus Ellen Dunnes Schreibfeder – die kenne ich nämlich alle schon. Aber es haben sich trotzdem noch so einige Titel gefunden, bei mir, so wie auch bei Philly. Und das ist unsere Liste:

15.09. – Sam Millar: Die Bestien von Belfast (Wortgestalt)
17.09. – Lisa McInerney: Glorreiche Ketzereien (Die dunklen Felle)
19.09. – Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus (Wortgestalt)
21.09. – Brian McGilloway: Borderlands (Die dunklen Felle)
23.09. – Adrian McKinty: Der sichere Tod (Wortgestalt)
25.09. – Sam Millar: True Crime (Die dunklen Felle)
27.09. – Stuart Neville: Die Schatten von Belfast (Wortgestalt)
29.09. – Eoin McNamee: Blau ist die Nacht (Die dunklen Felle)
01.10. – Kevin Barry: Dunkle Stadt Bohane (Wortgestalt)
03.10. – Gene Kerrigan: Die Wut (Die dunklen Felle)
05.10. – Seamus Smyth: Spielarten der Rache (Wortgestalt)
07.10. – Olivia Kiernan: Zu nah (Die dunklen Felle)
09.10. – Tana French: Grabesgrün (Wortgestalt)
11.10. – Declan Burke: The Big O (Die dunklen Felle)

So, auch in diesem Blog-Spezial war die Vorbereitung ein riesiger Spaß, aber damit soll es nun natürlich nicht aufhören. Sagt uns gerne Eure Meinung, kommentiert und diskutiert mit uns zu irischer und nordirischer Kriminalliteratur!

 

 

Foto von focal_leat/Pixabay.


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Zahnlos: Die satten Toten – Sam Millar

9783855355112
Sam Millar – Die satten Toten
Verlag: Atrium
Übersetzer: Joachim Körber
319 Seiten
ISBN: 978-3855355112

 

 

 

 

Als ein junges Mädchen bei Karl Kane und seiner Flamme / Assistentin Naomi auftaucht und ihn engagieren möchte, um nach ihrer verschwundenen Schwester zu suchen, ist er erst mal nicht sehr angetan, doch sein guter Kern und Naomi können ihn überzeugen, den Fall zu übernehmen. Als dann bei Tom Hicks, Kanes besten Freund und Gerichtsmediziner, nach und nach junge, gemästete Mädchen ohne Nieren und Leber auftauchen, bekommt die Suche nach der Verschwundenen eine ganz andere Brisanz.

Karl Kane is back! Und irgendwie auch nicht. Nachdem ich von „Die Bestien von Belfast“ begeistert war, muss ich jetzt leider feststellen, dass der zweite Teil keinesfalls an den ersten heranreicht. Karl Kane hat irgendwie seinen Biss verloren. Ja, er ist zynisch und bärbeißig wie gewohnt, aber irgendwie fehlt das letzte Quäntchen, was Karl zu etwas besonderem gemacht hat. Die Atmosphäre ist auch bei weitem nicht so düster wie im ersten Teil. Es mutet schon fast gemütlich an in Karls Universum, in Belfast. Zusätzlich gibt es diesmal aber familiäre Probleme. Seine Exfrau kommt ins Spiel, seine Tochter, die nicht einsehen will, dass ihre Eltern getrennt sind und blauäugig die Schuld bei Naomi sucht. Schade, dass Karls Biss und die stimmige, unheilvolle Atmosphäre verloren gegangen sind und nun persönliche Probleme in den Vordergrund rücken.

Ach ja, und dann ist ja da der Serientäter. Relativ schnell ist klar, wer es ist. Es bleibt nur die Frage offen, wie man ihn überführt und für die Morde an den Mädchen dran kriegt. Doch anscheinend reicht einem Serientäter nicht eine üble Art der Serie, nein, er muss auch noch andere böse Dinge tun. Und das ist einfach zu viel des Guten. Oder, in dem Fall, des Bösen. Es ist schon ein erschreckender Trend, dass die Serientäter immer böser werden, in der vermeintlichen Hoffnung, dass die Leserschaft dies möchte. Mir persönlich hätte es durchaus gereicht, wenn der Täter „einfach nur“ die Mädchen entführt und getötet hätte.

So, nun hab ich genug gemeckert. Nichtsdestotrotz war der Krimi um Karl Kane schön hardboiled geschrieben, die Ermittlung war recht spannend und auch die Charaktere fand ich gelungen, wenn auch ein wenig schwach und mit Klischees beladen. Über die liebevolle Gestaltung des Umschlags und der Mühe, die der Atrium Verlag in seine Bücher steckt, brauchen wir gar nicht zu sprechen, doch noch ein Wort zum Übersetzer. Dieser steht nämlich beim Atrium Verlag auf dem Cover. Beim ersten Teil ist mir dies gar nicht aufgefallen und es ist natürlich der Diskussion um die Übersetzer, die sich vor Kurzem ereignet hat, geschuldet, dass es mir diesmal direkt ins Auge gesprungen ist. Das ist doch mal eine gute Idee, um die Übersetzer entsprechend zu würdigen. Auch wenn mir der zweite Karl Kane nicht ganz so zugesagt hat, wird mich das nicht davon abhalten, auch den dritten Teil zu lesen.

Fazit:
Karl Kane gegen einen Serienentführer/-mörder – eine Ermittlung, die zwar ganz spannend ist, doch leider mit einem recht zahnlosen Karl Kane und privaten Problemen vorlieb nehmen muss.


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Das Problem anderer Leute: Die Sirenen von Belfast – Adrian McKinty

46612
Adrian McKinty – Die Sirenen von Belfast
Verlag: Suhrkamp
Übersetzer: Peter Torberg
387 Seiten
ISBN: 978-3518466124
9,99 €

 

 

 

Um mal die Gewohnheiten zu durchbrechen, will ich heute mit einem Zitat beginnen, dass mich sofort auf der zweiten Seite gepackt hat: „Und so drohte das Ende, wie jeder Polizist wusste, nicht im Kampf Gut gegen Böse, sondern willkürlich in einem Bombenanschlag, einer schiefgelaufenen Verfolgungsjagd oder in einer Schießerei mit einem halb senilen Wachmann in einer verlassenen Fabrik im nördlichen Belfast.“ Und schon sind wir mitten drin – mit dem halb senilen Wachmann…

Als Sean Duffy gemeinsam mit seinem Kollegen Crabbie auf einem verlassenen Fabrikgelände einen Koffer mit einem Torso findet, ist das erst der überraschende Anfang. Während die Chefetage einen weiteren Anschlag der IRA vermutet, kann Duffy das nicht so recht glauben. Warum sollte die IRA sich die Mühe machen, einen Mann tief zu frieren, zu zerteilen und zumindest seinen Torso in einen Koffer zu verstauen und in einem Müllcontainer einer verlassenen Fabrik wegzuwerfen? Und woher zum Teufel sollte die IRA Arbin haben? Ein seltenes Gift, auch Paternostererbse genannt, mit dem der Mann getötet wurde und welches Duffy und sein Team nach ausgiebiger Suche nicht einmal in ganz Nordirland finden können. Und dann führt ein Hinweis am Koffer nach Islandmagee und einem anderen Mord, den die IRA begangen haben soll…

Auch im zweiten Teil um den katholischen Polizist Sean Duffy lässt sich der Nordirlandkonflikt nicht wegdenken. Duffys täglicher Blick unters Auto, um Bomben zu suchen, ständige Alarmbereitschaft und Einsätze in Brandherden des Bürgerkriegs und die tägliche Spannung, welche in Duffys Straße herrscht, zeigten dies bereits im ersten Teil. Dies hat sich nicht geändert, doch wesentlich erweitert. Die IRA hat neue Methoden entdeckt und die Besetzung der Falklandinseln treibt den Schweiß auf die Stirn der Polizisten der RUC, denn die Grenzkontrollen wurden größtenteils von der Britischen Armee durchgeführt, die jetzt abgezogen werden.

Daneben ermittelt Sean Duffy an einem Mord. Wie auch im letzten Teil erweisen sich die Ermittlungen als zäh und nervenaufreibend, doch diesmal ist mir das mehr aufgefallen. Die Kollegen der anderen Einheiten sind eher weniger auskunftsfreudig und die Hauptstadt lässt sich mit ihren Untersuchungen auch eher Zeit. Matty ist wie gewohnt unwillig, auch wenn er seinen Job dann doch erledigt, derweil Crabbie fleißig für seine Prüfung büffelt, auf eine Beförderung hofft und Seans moralischer Ratgeber ist, der ihn aber geflissentlich ignoriert. Überhaupt ist Duffy störrisch wie immer. Vor großen Namen, ob nun Polizeipräsident oder die große, mächtige USA, hat er weder Angst noch Respekt. Beharrlich nagt er an dem Fall und lässt sich von seinem Spürsinn nicht abbringen, auch wenn dieser ihn in eine ganz andere Richtung bringt, als er dachte und er mehrfach zurück gepfiffen wird.

Mit dabei diesmal eine Reise in die USA, ein Verlust, zwei neue Flammen, eine geheimnisvolle Frau mit Bibelzitaten, ein alkoholisierter Fast-Unfall, eine Schießerei wie im Wilden Westen und ganz viel Geschichte Nordirlands, die McKinty nicht nur geschickt ein flicht, sondern zu einem seiner Hauptakteure macht, so dass der Leser zwar ganz viel Fakten bekommt, aber dies so geschickt verpackt, dass man es gar nicht merkt.

Fazit:
Politik, Geschichte, Spannung, gepaart mit einem störrischen charismatischen Iren um einen verzwickten Mordfall – was will Leser mehr? Natürlich noch einen Teil und diesen Wunsch hat McKinty uns Lesern schon erfüllt.