Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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10. Stuttgarter Kriminächte, 15. – 29. März 2019

Vom 15. – 29. März fanden die 10. Stuttgarter Kriminächte statt. Ehrlich gesagt kann ich nicht genau sagen, warum mir diese in den vorigen 9 Jahren entgangen sind, aber sei es drum, jetzt werden die mich nicht mehr los. Tickets für 6 Veranstaltungen hab ich gebucht und davor noch auf einige andere gelinst, aber tatsächlich hab ich eine Veranstaltung sogar sausen lassen – es war mir dann doch zu viel. Insgesamt empfand ich die Stuttgarter Kriminächte aber als viel besser als die Leipziger Buchmesse. Ich weiß, die Messe ist gut zum Netzwerken, doch letztendlich bedeutet sie für mich auch immer eine Reise, Hotelbuchung, Organisationsaufwand und schmerzende Füße. Es ist dort auch schon vorgekommen, dass ich eine Autorin / einen Autor nicht gesehen habe, weil die Lesung schlicht überfüllt war. Bei den Stuttgarter Kriminächten hatte ich mein Ticket und damit auch einen Platz. Und abends konnte ich im eigenen Bett schlafen. Mag sein, dass sich meine Meinung hier wieder ändert, aber für 2019 waren die Stuttgarter Kriminächte nicht nur Ersatz für die Buchmesse, sondern viel, viel besser!

Nach jeder Lesung habe ich mich hingesetzt und einige Gedanken aufgeschrieben. Dinge, die ich mir gemerkt habe, Dinge, die mir aufgefallen sind. Interessante und nicht so interessante Aspekte, die haften geblieben sind. Ich habe an den Texten nachher nicht mehr viel verändert (nur so Rechtschreibung und Grammatik falls nötig), keine Schönfärberei oder gewählten Worte, sondern einfach meine Gedanken und Notizen.
Und wie immer: die schlechten Fotos sind allein meine Schuld!


Jérôme Leroy – Die Verdunkelten
Moderation: Manfred Heinfeldner, Deutsche Stimme: Werner Kolk

Der Autor ist in seiner Heimat wesentlich bekannter als in Deutschland, schreibt nicht nur Kriminalromane, sondern auch Jugendbücher und Lyrik. Zudem schreibt er auch nicht die typischen Kriminalromane, sondern Roman noirs, im Gegensatz zu den Roman policier steht hier die Gesellschaft im Vordergrund. Ein Kriminalroman beginnt in einer heilen Welt, die zerstört wird, aber am Ende wieder hergestellt ist. Der Noir hat kein Happy End. Es geht nicht um explizite Gewaltdarstellung, sondern um die Darstellung der Realität. Jérôme Leroy  befindet sich in der Tradition von Jean Paul Manchette, Leo Malet und Richard Brautigan, auf die er auch mehrfach verweist.
Mit seinem Roman Noir „Die Verdunkelten“ will er keine Botschaft transportieren (er arbeitet schließlich nicht für die Post), sondern einfach aufzeigen, dass die  dystopische Gesellschaft längst da ist. Er behauptet nicht, früher war alles besser, aber dass jetzt alles schlechter ist. Sein Buch gibt Ausblick auf die Zukunft, die tatsächlich utopische Züge hat, und die Handlung der Gegenwart ist die Dystopie. Wir sind längst dort angelangt.

 


Dominique Manotti – Kesseltreiben
Moderation: Dr. Iris Konopik, Deutsche Stimme: Nicolas Marchand

Die Grande Dame des Noir gibt sich die Ehre!
Bevor die Autorin angefangen hat zu schreiben, war sie Gewerkschafterin und Universitätsprofessorin. Die Wahl Mitterands zum Präsidenten brachte sie zum Schreiben, denn damit sah sie die Bemühungen ihrer Generation als gescheitert an. Sie blickt in die Vergangenheit, der Blick in die Zukunft soll von jüngeren Autoren geschrieben werden.
Manottis Schreibstil ist kurz und bündig. Sie sucht „Materieworte“, Worte, die keine weitere Ausführung nötig haben, die in einem Wort ein eindeutiges Bild erzeugen. Auch will sie ihren Leser nicht an die Hand nehmen und auf die Dinge aufmerksam machen, der Leser soll selbst herausfinden, dass 2+2 gleich 4 ist.
Sie recherchiert erst bis zu zwei Jahre, bevor sie beginnt zu schreiben. Die Konstruktion des Roman Noir kommt aus der Realität, Dominique Manotti erfindet keine Gesellschaften, sie erfindet nur Personen, Personen, welche die Geschichte transportieren, denn ein Roman Noir muss spannend sein. Und natürlich schreibt sie einen Roman Noir und keinen Roman Policier – ein Noir ist düster, am Anfang und am Ende, eine heile Welt gibt es nicht.
Ein Buch besteht nur zu 50% aus dem Autor, die anderen 50% kommen vom Leser. Manotti will keine Botschaften mitgeben und erinnert mich damit an die Aussage von Jerome Leroy.
Und: Wir leben in einem Roman Noir, aber wir unternehmen immense Anstrengungen, um dies nicht wahrzunehmen.

 


Christine Lehmann – Die zweite Welt
Moderation: Stephan Raab

Die Autorin hat ihr neues Buch „Die zweite Welt“ vorgestellt. Neben mehreren Stellen, die sie vorgelesen hat, moderierte Stefan Raab, einer der Mitorganisatoren der Stuttgarter Kriminächte, die Lesung und stellte Christine Lehmann Fragen. Als er die Autorin vorstellte, holte er doch noch einige Tatsachen heraus, die ich nicht über Christine Lehmann wusste, die er allerdings, das hat er zugegeben, nach einer dreiminütigen Internetrecherche rausgefunden hatte. Die Autorin rudert gerne, ist aber an dem Abend doch lieber mit dem Fahrrad gekommen. Sie ist Mitglied bei den Grünen und Stadträtin in Stuttgart. Es wurde über Feminismus, Terror, Demokratie und Lisa Nerz gesprochen. Ein ganz wichtiges Thema in „Die zweite Welt“ ist Sprache. Hier kommen nicht nur Begriffe wie Demokratie und Freiheit auf den Prüfstand, sondern auch die männlich geprägte Sprache, die spielerisch ins Gegenteil versetzt wird – und weil ich es in meiner Rezension gelassen habe, muss ich jetzt noch einen Auszug anfügen:

„Bei Wörtern, die sich im weitesten Sinn auf Personen beziehen, heißt es die Gästin, der Gastich, die Anrufbeantworterin oder der Navigatorich, das Kontakt, die Kontaktin, der Kontaktich. Und wenn frau will, kann sie auch Gegenstände feminisieren, die Kaffea, die Tischa, die Büstenhalta. Das ist lustig.“ „ Und es macht die Gender-Paranoikeriche wahnsinnig.“ (S. 59)

So lustig dies klingt, es geht auch anders. Bei ihren Recherchen hat Christine Lehmann sich in die Welt der rechten Propaganda gestürzt und feststellen müssen, dass sie „gute“ Worte missbrauchen, für sich nutzen und geschickt so platzieren, dass sie das genaue Gegenteil meinen. Mehr davon findet man dann im Krimi, der sich wirklich zu lohnen liest… nur das ich es nochmal erwähnt habe.
Zum Abschluss möchte ich nicht missen zu erwähnen, dass ich mich dort mit Petra getroffen habe. Der ein oder andere weiß es vielleicht – ich bin Mitglied in der FB-Gruppe Die Bookaholics *Deutschland*, eine Gruppe von Leseverrückten, die Rezensionen posten, aber auch Listen, Buchfragen, Wichteln und Stammtische  – und noch so vieles mehr. Petra war nun mein erster „Face to Face“ Kontakt zu jemandem aus der Gruppe und ich hab mich riesig gefreut, sie zu treffen. Und zwar nicht nur, weil sie mir Schokolade mitgebracht hat (das wäre nicht nötig gewesen, aber war natürlich sehr willkommen), sondern weil ich mit ihr einfach mal ne halbe Stunde vor der Lesung schön klönen konnte, über Leben, Job und Bücher. Hach, schön!


Herland Lesung mit Monika Geier, Uta-Maria Heim, Sophie Sumburane und Simone Buchholz
Moderation: Christine Lehmann

Christine Lehmann moderierte den Abend und stellte zuerst Herland, das feministische Netzwerk für und mit Frauen aus der Kriminalliteratur, vor. Wer noch nicht davon gehört hat, sollte mal schnellstens auf ihrem Blog nachsehen. Danach lasen die vier Autorinnen eine Passage aus ihren jeweiligen Werken: Simone Buchholz aus „Mexikoring“, Sophie Sumburane aus „Gefährlicher Frühling“, Uta-Maria Heim aus „Toskanisches Feuer“ und Monika Geier aus „Alles so hell da vorn“, bevor Christine Lehmann die Autorinnen darüber befragte, ob und wenn ja, wie Frauen Krimis anders schreiben als Männer, wie sie zu den typischen Rollenbildern der Frau in Kriminalromanen (Mutter, Opfer, Hure) stehen und warum Gewalt auch in Krimis von Frauen gehört. Monika Geier berichtete, wie Agatha Christie sie zum Schreiben brachte und dass sie Jane Marple für die Feministin schlechthin hält. Simone Buchholz findet die Vorschauen der großen Verlagshäuser zum Kotzen, da in mindestens jeder zweiten Krimivorstellung zuerst mal eine junge Frau „geopfert“ wird.  Und Sophie Sumburane klärte darüber auf, dass Autor*innen kaum Entscheidungsrechte bei den Covern haben.
Kritische Stimmen aus dem Publikum, die wohl verstanden hatten, dass Männer schlecht und Frauen gut sind, aber auch mit anderen Erwartungen zur Lesung gekommen sind, wurden darüber aufgeklärt, dass Feministen keine Kampflesben sind und Männer hassen, sondern ganz normale Frauen, die gegen das Patriarchat aufstehen. Gerade in der Literatur, aber besonders in der Kriminalliteratur, ein Feld, welches zwar hauptsächlich von Frauen getragen wird (als Leserinnen, als Buchhändlerinnen, als Lektorinnen), aber immer noch von Männern entschieden wird (keine  oder kaum Frauen in den Verlagsvorständen). Um den Erwartungen gerecht zu werden, berichteten die Autorinnen dann noch etwas über ihre Familienverhältnisse (ach, keine Lesben, sowas!) und wie sie zum Schreiben gekommen sind. Hier stach vor allem Uta-Maria Heim hervor, die schon mit 2 Jahren geschrieben hat – nur hat ihre Mutter ihre niedergeschriebenen Geschichten einfach nicht verstanden.


Sara Gran – Das Ende der Lügen
Moderation: Jochen Stöckle, Deutsche Stimme: Jonathan Bruckmeier

Wenn schon mal eine amerikanische Autorin in Deutschland weilt, muss man doch versuchen, sie auch zu sehen. So war die Karte zu der Lesung mit Sara Gran die erste, die ich in den Warenkorb legte. Nachdem die Lesung nun vorbei ist, kann ich auch sagen, es war die beeindruckendste Lesung. Nicht nur, aber auch wegen Sara Gran. Es war die einzige Lesung bei der ein Catering aufgefahren wurde. Getränke massenweise, Kellner*innen und nach der Lesung noch ein Buffet – da merkte man dann mal wieder, dass ich kein Schwabe bin, denn das hab ich links liegen lassen, die Schlange war mir nämlich zu lang.
Kommen wir nun aber zur Lesung. Der Moderator hat gute Fragen gestellt, allerdings war er mir teilweise zu hektisch, Sara Grans Stimme kann ich nur amerikanisch beschreiben, irgendwie nasal quakend. Nichtsdestotrotz hat sie natürlich tolle Einblicke gegeben, in ihr Leben als Autorin – einen Bürojob hat sie nach 4 Wochen hingeschmissen, derweil sie schon an unzähligen Orten gearbeitet hat, um sich zu finanzieren (Restaurants, Supermärkte, etc) – ist das einzige, welches sie sich vorstellen kann. Sie schreibt neben Krimis auch Drehbücher, dies gemeinsam mit anderen Drehbuchautoren, eine ganz andere Art zu arbeiten. Claire DeWitt – die beste Detektivin der Welt – welches sie nochmal betonte, nachdem derjenige, der die Veranstaltung anmoderiert hat, auf Georg Dengler verwiesen hat, zeigt zumindest einige Gemeinsamkeiten mit Sara Gran, z. B. das sie an keinem festen Ort ermittelt, ganz wie Amerikaner das so tun, die ziehen ja lieber um als z. B. Deutsche. Andererseits kann Claire DeWitt zuschlagen, Sara Gran nicht. Ihr Krimi ist sehr philosophisch, reiht sich ein in die feministischen Krimis und ist nicht ganz leicht zu lesen, da sie vier Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen nebeneinander und miteinander weiterführt. Es wurde über Detektivschulen und – arten gesprochen, über Jacques Silette und Detectiòn, über Constanze Darling und Claire DeWitts Kindheit. Sehr gelungen fand ich die deutsche Lesung des Buches, obwohl es ja nun ein Mann war und ich per se bei einer Protagonistin in der Ich-Perspektive doch eigentlich eine Frauenstimme erwarte.
Beim Signieren muss man nun allerdings anmerken, dass sich Sara Gran nur wenig Mühe gibt, denn ich habe schlicht ihren Namen ins Buch geschrieben bekommen – da haben bisher alle Autoren, bei denen ich das Glück hatte, sie zu treffen, doch mehr Worte gefunden, die sie hineinschreiben konnten.


 


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Talk.Noir in Stuttgart – so war’s

Letzte Woche, am 08. März 2017 war es endlich soweit – Talk.Noir war in Stuttgart zu Gast!

Wolfgang Franßen, Frank Rumpel, Alexander Roth

Die Stuttgarter Kneipe Milliways diente als Schauplatz, das Plateau der Kneipe wurde eingenommen und die Barhocker stibitzt – dann ging es los. Wolfgang Franßen (Polar Verlag), Frank Rumpel (SWR2) und Alexander Roth (derschneemann.net) stellten drei noireske Bücher vor. Zugegebenermaßen waren nur wenige Teilnehmer da, dafür war es irgendwie lauschig. Ein wenig wie eine Wohnzimmerlesung mit Bedienung. Richtig gemütlich.


Den Anfang machte Alexander, der sich kurzfristig für ein anderes Buch als angekündigt entschieden hat. Tom Boumans Krimi „Auf der Jagd“ wurde kurzerhand gegen Denis Johnsons „Die lachenden Ungeheuer“ ausgetauscht. Dieser Tausch hatte die Auswirkung, dass nun alle drei Bücher das Thema Afrika repräsentierten, so auch Johnsons…. ja, kann man es Krimi nennen? Nun, das Problem haben wir öfters, dass die Grenzen des Genres verwischt sind und die klassische Kriminalgeschichte zwar noch häufig vorkommt, aber eben nicht mehr das einzige auf dem Markt ist – zum Glück! Wollte man den Roman beschreiben müsste man ihm wohl neben dem Krimietikett noch weitere verpassen. 2 Freunde, 1 Frau, ein paar Geheimnisse und viel afrikanische Geschichte, Kultur und Eigenheit – nicht nur Südafrika ist in Krimis ein Thema, sondern auch Sierra Leone. Alexander hat uns einen Einblick in die Geschichte des Buches, in das Leben des Autors und Querverweise zu anderen Büchern gegeben – so haben das auch die nachfolgenden Herren geregelt. Wer hier eine Standard-Lesung erwartet, wird überrascht werden.

Als nächstes folgte Frank mit „Illegal“ von Max Annas. Sein voriger Roman „Die Mauer“ konnte den Titel des besten Krimis im Jahre 2016 (Krimibestenliste, damals noch in der ZEIT) ergattern – für mich persönlich war er das allerdings nicht. Umso gespannter war ich, was es über „Illegal“ zu sagen gab. Nun, die Herren waren einhellig der Meinung, dass das Buch zwar immer noch sehr gut ist, aber nicht an seine beiden vorigen Romane (neben „Die Mauer“ ist das „Die Farm) herankommt. Liegt ja vielleicht auch am Setting, denn entgegen seinen ersten Krimis, die in Südafrika spielen, spielt „Illegal“ in Berlin und die Hauptfigur ist ein junger Afrikaner, der illegal in Deutschland lebt. Eines Tages beobachtet er einen Mord und verschwindet, doch der Täter hat ihn gesehen, so dass der junge Mann eine atemlose Flucht durch Berlin hinlegt, die wohl am Ende einen Touch „Lola rennt“ hat. Sehr schön war, dass das Herrengespann wohl alle Bücher gelesen hat, so dass jeder eine Meinung hat, auch wenn die mitunter sehr ähnlich war. Viel Grund zum Streiten gab es nicht, aber wenn Profis die Vorauswahl treffen ist eben klar, dass die Bücher fast schon unbestreitbar gut sind. Schade ist, dass das Publikum wenig mitzudiskutieren hatte, denn die Bücher waren allesamt erst wenige Tage vorher erschienen oder waren noch gar nicht veröffentlicht. Mittlerweile gibt es die drei Bücher aber überall zu kaufen.

Als Letzter war Wolfgang an der Reihe und hat seinen neuesten Krimi aus dem Polar Verlag vorgestellt: „Libreville“ von Janis Otsiemi. Ein Krimi, von einem gebürtigen Gabuner geschrieben, der in Gabun spielt. Ein politischer Mord, der von zwei Polizisten untersucht wird, die noch mit Schreibmaschine und Zeugenaussagen versuchen den Fall zu lösen. Der Autor, Janis Otsiemi, ist in Frankreich ein sehr bekannter Krimiautor – unter einigen anderen. Anscheinend ist dort noch eine Menge an Übersetzungsarbeit nachzuholen, damit wir deutschen Leser auch in den Genuss dieser tollen französischen / französisch-sprachigen Autoren kommen. Allgemein schneiden die Frauen nicht gut aber – weder in den Büchern noch im Subgenre allgemein noch im Talk.Noir. Damit da ein Ausgleich geschaffen wird, schlage ich mal vor, dass Wolfgang das nächste Mal, wenn er in den Süden für ein Talk.Noir fährt, einfach Else Laudan mit in sein Auto packt. Die Verlegerin im Argument Verlag mit ihren Ariadne-Krimis gehört zum Noir und – wie ich finde – auch mal nach Stuttgart.

Oder eben nach Tübingen. Denn über den nächsten Termin haben wir nach dem „offiziellen“ Teil noch geredet und gleich mal einen Termin im Mai festgelegt (an den ich mich aber grade nicht mehr erinnere, über den ich Euch vorher aber natürlich Bescheid gebe). Und die einhellig Meinung der Teilnehmer war, dass sich Tübingen viel besser für das Talk.Noir eignen würde. Was vielleicht daran lag, dass 80% der Teilnehmer aus Tübingen „angereist“ waren. Ich persönlich wohne zwar nicht in Tübingen, aber ich mag Tübingen sehr. Passt also!

So, dass war es dann mit meinem Bericht.
Wer auch mal ein Talk.Noir erleben möchte, der komme doch einfach im Mai nach Tübigen. Für einen kleinen Urlaub oder so, denn das Städtchen lohnt sich so oder so. Ich würd mich freuen, Euch Follower mal zu treffen!


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Andreas Föhr und Christine Lehmann – Lesungen im April

Wie es der Zufall so will, waren letzte Woche gleich zwei Lesungen in meiner Nähe und ich hab mich natürlich aufgemacht und diese besucht.
Zum einen war Andreas Föhr im Osiander in Reutlingen zu Gast, zum anderen war Christine Lehmann bei der Einweihung des Bürgerbüros in Stuttgart Gablenberg zugegen.

Andreas Föhr in Reutlingen

Die Stadtmitte von Reutlingen ist recht schön zum Bummeln und deshalb hab ich mich darauf gefreut, mal wieder nach Reutlingen zu fahren, auch wenn ich mich da nicht so gut auskenne. Leider sind mir dann zwei Dinge dazwischen gekommen: ich war mal wieder ein wenig spät dran und der Osiander hatte auch noch Büchermarkt!
Nachdem ich also ein, zwei (oder auch drei) Bücher erworben habe, hab ich mir noch kurz was zum Essen gesucht und schon musste ich zurück, damit ich die Lesung nicht verpasse.
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Vorab muss ich noch erwähnen, dass ich bei der Andreas Föhr Reihe irgendwann auf die Hörbücher umgeschwenkt bin und Michael Schwarzmaier hier sehr gerne mag. Da war ich schon ein wenig skeptisch, ob der Autor dem Hörbuchsprecher das Wasser reichen kann. Schließlich ist nicht jeder Autor ein guter Entertainer oder Sprecher – muss er ja auch gar nicht. Doch Herr Föhr konnte mich richtig überraschen.

Wie man auf den Fotos sieht, war Herr Föhr bei der Lesung recht lebendig und hat auch gut vorgelesen. Besonders überrascht war ich über die Charaktere, die auch im Hörbuch im bayrischen Dialekt vorkommen, denn ich konnte kaum einen Unterschied zwischen dem Hörbuchsprecher und dem Autor feststellen können. Nicht nur der Dialekt war gut getroffen, sondern auch die Stimmlage, z. B. bei Wallners Vater Manfred, der ja immer etwas … ich weiß gar nicht, wie man das nennt, aber ich versuchs mal: ältlich lispelnd klingt. Und dann hat es sicher der Autor auch noch extra schwer gemacht und tatsächlich eine Szene in einer Gaststube vorgelesen, zu vorgerückter Stunde und nach mehreren Bieren. Doch auch das hat er fantastisch gelöst.

Die Lesung war super – die Fragerunde danach fand ich nicht so sonderlich interessant. Zugegeben, ich hab selbst keine Fragen gestellt, aber manche Fragen waren schon ein wenig albern. Nevertheless, auch hier gab es einige interessante Aussagen von Herrn Föhr. Wie so üblich hat gleich mal jemand nach dem nächsten Teil gefragt und Herr Föhr hat bemerkt, dass ein Autor ja so ca. 1 Jahr an seinem Werk sitzt und dann kommt der Leser daher und fragt nach zwei Tagen nach dem nächsten Teil. :-D Tja, man hat sich das mit dem Autor ja ausgesucht, nicht wahr? Dann muss man damit halt Leben… ;-) Sowohl vor und nach der Lesung hat Herr Föhr aber auch ein, zwei nette Anekdoten erzählt und wusste die Leute durchaus zu unterhalten.

Nachdem ich mein Hörbuch signieren habe lassen (Herr Föhr war das super vorbereitet und hatte extra einen anderen Stift dabei), bin ich zufrieden wieder nach Hause, bevor ich am nächsten Abend dann zu Christine Lehmann gefahren bin.

Christine Lehmann in Gablenberg/Stuttgart

In Stuttgart kenne ich mich nicht so gut aus. Früher war ich oft im Westen und das liegt mir auch, aber im Osten, besonders in Gablenberg war ich noch nie. Nun war die Lesung von Christine Lehmann ja ein Programmpunkt zur Eröffnung des neuen Bürgerbüros im Stadtteil Gablenberg und lt. Internet eine Anmeldung gewünscht. Also habe ich angerufen und erstmal gefragt, ob es überhaupt erwünscht ist, nur zur Lesung zu kommen, denn das restliche Programm war dann doch eher für Einwohner in Gablenberg, als für mich. Aber alles kein Problem und so hab ich mich auf den Weg gemacht

Obwohl ich gehetzt war und dachte, ich komm zu spät (der Verkehr nach Stuttgart rein ist am Freitag abend immer so schwer abzuschätzen) war ich viel zu früh dran. Durch Glück hab ich aber nur ein paar Meter vom Bürgerbüro einen Parkplatz ergattert und bin dann eben erstmal in der Dönerbude nebenan eingefallen. Trotzdem war ich zu früh im Bürgerbüro und kam mir dort etwas verloren vor. Das Bürgerbüro hat die Änderungen in Gablenberg vorgestellt und na ja, ich will nicht sagen, dass die uninteressant sind, aber ich war da halt nicht so richtig. Nachdem ich mich also in dem Raum, der glaub ich nicht recht viel größer als mein Wohnzimmer mit Esszimmer, war, rumgedrückt habe, ist irgendwann Christine Lehmann eingelaufen und schon bald ging es los.
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Leider waren nur wenige Zuhörer da – aber das hat auch Vorteile, so hab ich einen Platz in erster Reihe ergattert. Angekündigt war eine Lesung aus „Die Affen von Cannstatt“, doch Frau Lehmann hat dann überraschenderweise ein Potpourri aus drei Lisa Nerz Krimis vorgelesen und nach ein paar Rückfragen sogar doch noch einen Abschnitt aus „Die Affen von Cannstatt“. Die Lesung hat mir deutlich vor Augen geführt, dass ich unbedingt noch einige Lisa Nerz Krimis lesen muss, allen voran „Gaisburger Schlachthof“. Der befindet sich nämlich im Stuttgarter Osten. Ohnehin begegnet man in Ihren Krimis Stuttgart ganz nah und das ganz ohne Dialekt und Regio-Krimi. Auch wenn Frau Lehmann im Gespräch offen zugibt, dass sie von dieser Welle unheimlich profitiert hat und sich ihre Krimis dadurch besser verkauft haben.

Die Mischung aus den drei Krimis fand ich besser als wenn sie aus „Die Affen von Cannstatt“ vorgelesen hätte, denn das hab ich ja gerade erst ausgelesen. Und so hatte ich die Chance in drei andere Bücher von ihr „reinzuschnuppern“. Die Fragerunde fand ich an diesem Abend auch wesentlich interessanter, vielleicht auch, weil Frau Lehmann herrlich trocken und pragmatisch ist. Interessant war es, als sie ein wenig Einblick in ihre Recherchen zu Büchern gegeben hat und von ihrer grundsätzlichen Neugier gesprochen hat. Und das man halt einfach mal in einer Firma beim Chef anrufen muss. Und wenn der nicht will, nimmt man eben eine andere Durchwahl. Neugierig, hartnäckig und überzeugend muss man sein. Seien sie das bitte weiterhin, Frau Lehmann!

Nach der Lesung hat mir Frau Lehmann dann noch meine Exemplare von „Die Affen von Cannstatt“ und „Vergeltung in Degerloch“ signiert, sowie die zu verlosende Ausgabe beim „Blogger schenken Lesefreude“ Gewinnspiel. Ein gelungener Abend!

Fazit:
Zwei deutsche Autoren, zwei deutsche Bücher – unterschiedlicher können diese fast nicht sein und doch haben mir beide Lesungen sehr gefallen. Wie schön, dass es so eine Vielfalt im deutschen Krimi gibt.