Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Begeisterung pur: Die Reise – Marina Lostetter


Marina Lostetter – Die Reise
Verlag: Heyne
Übersetzerin: Irene Holicki
558 Seiten
ISBN: 978-3453318274

 

 

 

 

Eins vorweg – dieses Buch ist unheimlich klasse. Es war so spannend, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Und dabei war ich zuerst wirklich skeptisch, ob ich das Buch überhaupt lesen sollte. Ob das funktionieren kann. Aber beginnen wir am Anfang.

Beschreibt der englische Titel “Noumenon” das Projekt des Buches, finde ich den deutschen Titel “Die Reise” unheimlich passend. Denn nichts anderes beschreibt die Autorin hier. Eine 200 (eigentlich 2000) Jahre lange Reise, in etwas mehr als 500 Seiten. Kann nicht funktionieren? Doch, und das sogar ganz hervorragend.
Im Jahre 2088 werden verschiedene Projekte zur Finanzierung vorgestellt, die alle das Ziel haben, den Weltraum zu erforschen. Mit dabei Reggie Straifers Projekt um LQ Pyx (eigentlich LQ Pyxidis), einen weit entfernten Planeten mit einer Besonderheit, der eine 200jährige Reise entfernt ist, dies allerdings im SD Raum, so dass auf der Erde in der gleichen Zeit 2000 Jahre vergehen. Ein Konvoi aus Schiffen wird gebaut, 15000 Personen werden losgeschickt. Eine eigenständige, abgeschottete Gesellschaft, mit dem einzigen Ziel: zu LQ Pyx hinfliegen, herauszufinden, was die Besonderheit ist, diese zu erforschen und mit den Ergebnissen zurückkehren.

Wer denn nun ein Problem damit hat, dass man keinen durchgängigen Hauptcharakter hat, der ist hier tatsächlich falsch aufgehoben, nichtsdestotrotz gibt es eine kleine, aber übersichtliche Anzahl an Protagonisten, welche in der gesellschaftlichen Entwicklung der 200jährigen Reise (ein wenig länger dauert sie aufgrund verschiedener Umstände dann aber doch noch) eine Rolle spielen und jedes wichtige Stadium beleuchten. Die Reise ist natürlich zu lange für ein Menschenleben, so dass die Missionsmitglieder immer wieder geklont werden. Schon die Erstbesatzung besteht hauptsächlich aus Klonen, die jahrelang auf diese Mission vorbereitet werden. Das Ziel der Mission muss 200 Jahre überdauern und ist deshalb die wichtigste Regel. Nichtsdestotrotz muss die Besatzung des Konvois mit vielen Kleinigkeiten und großen Problemen kämpfen, die einer abgeschotteten, 15000 personenstarken Gesellschaft eben begegnen können.

Ressourcen müssen aufgeteilt, rationiert, hergestellt werden, Wartungen müssen betrieben werden, gleichzeitig konkurrieren Effizienz und Bedürfnisse miteinander, decken die verschiedenen Schiffe die benötigten Bereiche ab: wohnen, forschen, lagern usw. Mit dabei ist auch K.I.C., die künstliche Intelligenz des Konvois, die nicht nur Technik ist, sondern auch Verantwortung und Führung übernimmt, nie allein, aber soweit ihre Programmierung sie lässt.
Irgendwie ist der Konvoi wie ein Mikrokosmos und obwohl „nur“ 200+ Jahre auf den Schiffen vergehen, hat man das Gefühl die Geschichte der Erde im Kleinen nachzuerleben. Natürlich angepasst an die Zukunft und eben verkürzt, doch auch wenn es sich hier ganz klar um Science Fiction handelt, geht es um gesellschaftliche Entwicklungen, Gruppendynamik und psychologische Aspekte.

Nun hört sich das alles sehr immens an, doch die Autorin springt immer mal wieder Jahrzehnte vorwärts, präsentiert aber dann einen längeren Abschnitt des Geschehens an Bord aus Sicht eines Protagonisten, so dass man das Gefühl hat, Novellen zu lesen, die ein gemeinsames Gerüst eint. Der Konvoi wächst einem ans Herz, man folgt ihnen gespannt, fiebert in allen Konflikte mit und erforscht mit ihnen LQ Pyx, bis man wieder bei der Erde ankommt, doch auch hier ist das Abenteuer noch lange nicht zu Ende. Man beachte nun, dass man weit mehr als 2000 Jahre später hier aufschlägt, die Kommunikation zur Erde ist schon lange verstummt und jeder im Konvoi ist immens nervös als sie wieder bei der Erde eintreffen. Umso entsetzter war ich von der Erde im Jahre 4101 (271 Jahre nach dem Start des Konvois). Ich finde die Entwicklung, welche sich die Autorin für die Erde ausgedacht hat, nicht unwahrscheinlich, aber sehr fokussiert auf ein Thema, nur um ein Beispiel zu nennen, spart sie sich jede klimatische Veränderung aus und geht hier nicht darauf ein. Nichtsdestotrotz bietet diese zukünftige Erde den Grund, den sie am Ende bestimmt beabsichtigt hat, denn wenn ich richtig gesehen habe, gibt es schon einen nächsten Teil, von dem ich hoffe, dass er auch bald übersetzt wird, damit die Reise weiter gehen kann.

Fazit:
Ich weiß, irgendwie habe ich nicht viel gesagt, aber ich hoffe doch, meine Begeisterung ist ein wenig übergesprungen. Ich finde die Idee genial und auch die Umsetzung hat mir gut gefallen – auch wenn ich die Erde der Zukunft nicht so leiden kann, ist sie gut so, wie sie ist, denn es bedeutet, dass die Reise weitergeht!


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Hell Island – Matthew Reilly


Matthew Reilly – Hell Island
Verlag: Ullstein
Übersetzer: Hellmuth Hartmann
111 Seiten
ISBN: 978-354828688
Da dieser Titel auf der Verlagsseite nicht mehr verfügbar ist, hier der Link zur Scarecrow Reihe auf der Verlagsseite (die allerdings auch ein wenig schmächtig ist, zugegebenermaßen)

 

 

Mir ist es ein wenig schwer gefallen, passende Bücher für das diesjährige Special mit dem Thema „Inseln“ zu finden, aber letztendlich bin ich sehr glücklich mit meiner Auswahl. Auch wenn ich bei „Hell Island“ total übersehen habe, dass es sich nur um 100 Seiten handelt und demnach um ein kurzes Vergnügen, macht das gar nichts, denn seien wir mal ehrlich – wen es ein Thrillerautor nicht schafft, in den hundert Seiten Spannung einzubauen, wird das auch auf der 200. oder 300. Seite nichts. Von dem Autor hatte ich bisher nur „Showdown“ gelesen – anderes Thema, aber doch ein ähnliches Schema, nichtsdestotrotz lesen sich seine Thriller wie „geschnitten Brot“, vor allem, wenn sie auf 100 Seiten komprimiert sind.

Captain Shane Schofield, genannt „Scarecrow“ wird mit seinem Team sowie wie 3 weiteren Teams von verschiedenen Spezialeinheiten auf der Insel „Hell Island“ abgesetzt. Ihre Aufgabe ist es, herauszufinden, was mit der Besatzung der USS George Washington passiert ist und mit deren Ladung: 600 Marines. Der Funkkontakt ist abgebrochen, kein Lebenszeichen wurde registriert. Als Scarecrows Team landet, finden Sie Zerstörung und viel Blut, doch keine Menschen, weder lebend noch tot. Was ist hier passiert?

„Die Insel hatte früher den Namen Grant Island getragen und war im Zweiten Weltkrieg von den Japanern als Stützpunkt benutzt worden. Sie besaß sogar einen Flugplatz, der mittlerweile jedoch völlig überwuchert war. Merkwürdigerweise war sie auf keiner einzigen Seekarte mehr verzeichnet.
Im Jahr 1943 war die Insel in blutigen Kämpfen von amerikanischen Marines besetzt worden. Weil die Kämpfe so unglaublich grausam waren und weil es auf beiden Seiten schwere Verluste gab, hatten die Marines der Insel einen neuen Namen verliehen.
Sie tauften sie ‚Hell Island‘, die Hölleninsel.“ (S. 7)

Ha – es gibt doch kaum einen aussagekräftigeren Namen für eine Insel, der Spannung, Action und Grusel verspricht, als Hell Island. Und so ist es auch. Man ist direkt im Geschehen, stößt in die Geschichte kurz bevor Scarecrows Team über der Insel abspringt. Hier wird definitiv keine Zeit verloren, ein Fakt, der bei der Kürze der Geschichte schon wichtig ist.

Zwar werden alle in Scarecrows Team vorgestellt, doch nur kurz und auch nur wenige kommen etwas mehr zur Geltung. Manche enden gar sehr schnell als Kanonenfutter, hier wäre die Arbeit der Charakterzeichnung also auch verlorene Liebesmüh.  Anders sollte es mit Scarecrow sein, denn „Hell Island“ ist schon der vierte Teil um den ausgefuchsten Helden des Thrillers, der zwar auch ein Haudrauf ist, aber immerhin auch sein Hirn benutzen kann. Und ja, am meisten Einblick erhält man von Scarecrow, nichtsdestotrotz ist Charakterentwicklung nun nicht die Stärke des Buches – hier geht es um Action und Spannung. Das Buch muss in einem Flutsch gelesen werden, alle paar Seiten präsentiert das Buch eine neue Wendung.

Zugegeben – die Auflösung des Rätsels um die Insel ist jetzt nicht sehr überraschend, doch das tut dem Lesevergnügen nun keinen Abbruch. Der Thriller bietet genau das, wofür er vorgesehen ist: eine hervorragende Fast Food Mahlzeit, die man sich ab und an schon gönnen kann, ganz ohne es sich von seinem Gewissen schlecht reden zu lassen.

Fazit:
Spannung, Action und ein wenig Grusel mit Scarecrow, einem smarten Marine, der so nicht nur sich sondern auch sein Team (na gut, einen Teil davon) in den nächsten Teil der Serie bugsiert.


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Wild West: Das Dickicht – Joe R. Lansdale

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Joe R. Lansdale – Das Dickicht
Verlag: Heyne Hardcore
Übersetzer: Hannes Riffel
331 Seiten
ISBN: 978-3453676770

 

 

 

 

„[E]in Nigger, ein Liliputaner, ein Junge, eine Hure und ein hässlicher Keiler […]“ (S. 131)

Was wie der Beginn eines schlechten Witzes klingt, ist die Figurenkonstellation, mit der Joe R. Lansdale seinen Krimi „Das Dickicht“ ausstattet. Sofort ist mir der Begriff Road Trip durch den Kopf geschossen, auch wenn ich ihn dann erst mal wieder zurückgenommen habe, um ihn dann doch vorsichtig wieder auszupacken. Mal ehrlich, so einen Road Trip verbinde ich irgendwie mit einem Auto. Hier befinden wir uns aber gerade erst zu Beginn der Auto-Ära im ländlichen Ost-Texas und der Road Trip, der auch nicht immer über Straßen führt, wird zu Pferde vollführt. Es herrscht Western-Flair – natürlich gespickt mit vielen blauen Bohnen.

„Als Großvater zu uns rausgefahren kam und mich und meine Schwester Lula abholte und zur Fähre karrte, ahnte ich nicht, dass alles bald noch viel schlimmer werden oder dass ich mich mit einem schießwütigen Zwerg zusammentun würde, mit dem Sohn eines Sklaven und mit einem großen, wütenden Eber, geschweige denn, dass ich mich unsterblich verlieben und jemand erschießen würde, aber genau so war’s.“ (S. 9)

Als Jacks Eltern an den Pocken sterben will sein Großvater ihn und seine Schwester Lula zu einer entfernten Tante bringen. Bei der Überfahrt auf einer Fähre gerät der Großvater in einem Streit mit Cut Throat Bill und seinen Kumpanen aneinander, die soeben eine Bank überfallen haben. Eine Wasserhose besiegelt das Schicksal der Familie dann endgültig: der Großvater wird angeschossen und ertrinkt im Fluss, die Bankräuber machen sich mit Lula auf und davon und Jack wird irgendwann am Ufer angespült. Jack macht sich auf, die Entführung seiner Schwester dem nächsten Sheriff zu melden, muss aber feststellen, dass dieser blutüberkrustet und tot auf einem Wagen liegt und der Deputy das Handtuch schmeißt, weil Cut Throat Bill eben dort die Bank geplündert hat. Zufällig trifft Jack auf Eustace, einen Farbigen, der ihm bei der Suche nach seiner Schwester helfen will – natürlich nur gegen Bezahlung und auch nur wenn Shorty, sein Kumpel, auch einverstanden ist und mitkommt. Gemeinsam mit Eustaces Keiler „Keiler“ gabelt das Trio unterwegs noch Jimmie Sue, eine Prostituierte, auf und macht sich schwer bewaffnet und mit viel gutem Willen auf den Weg, um im Dickicht, einer schwer übersichtlichen Gegend, in der sich massenweise Verbrecher aller Art tummeln, Jacks Schwester Lula zu befreien.

Eine irrsinnige Story, die Lansdale hier verpackt hat – aber so verdammt gut. Ich gebe zu, Joe R. Lansdale kann bei mir eigentlich schon gar nicht mehr viel falsch machen. Ich mag seinen Schreibstil ungemein gern. Jede Figur hat ihre eigene Stimme und ich hab schon nach ein paar Sätzen – und ganz ohne Beschreibung, wie derjenige aussehen soll – ein Bild der Figur vor Augen, welches ich nicht mehr loslasse. Die äußerliche Beschreibung ist oft nur das letzte I-Tüpfelchen. Ich finde, seine Figuren leben durch ihre Aussagen, ihre Art zu sprechen, ihren Dialekt, ihrem Humor. Denn das ist Lansdale auch – humorvoll, feinsinnig oder auch derbe, eben genau richtig für den entsprechenden Charakter dosiert. Und so funktioniert eben auch eine Figurenkonstellation wie hier, auch wenn diese auf den ersten Blick unglaublich scheint. Schreibstil 1A, Figurenzeichnung mit Sternchen – doch wie ist das jetzt mit dem Western?

Der Road Trip in Wild West Manier ist reichlich böse und trifft bestimmt die Geschmacksnerven von Krimilesern, die auch gerne in den Randbereichen wildern und sich nicht scheuen über den Tellerrand zu schauen. Das Buch ist nicht umsonst im Heyne Hardcore Verlag erschienen, also bekommt man schon immer wieder Gewalt serviert, von gehängten Männern bis zu Schießereien. Was soll ich sagen – Wild West eben. Diesem furiosen Trip begegnen die „Gefährten“ alle mit dem ihnen eigenen Charme und durchstehen ein spannendes Abenteuer nach dem anderen, nicht ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Es ist nicht nur spannend und unterhaltsam, sondern macht auch ungemein Spaß, der Truppe hinein in das Dickicht zu folgen. Nebenbei flicht Lansdale eine atemberaubende Atmosphäre ein, die einen umhaut. Man befindet sich praktisch direkt vor Ort. Ich weiß wirklich nicht, wie ihm das gelingt, doch es passiert so nebensächlich und doch so intensiv, dass man sich eigentlich nur wundern kann.

Abenteuerroman, Western, Thriller, Krimi – ich glaube, der Verlag tut gut daran, das Buch einfach als „Roman“ zu bezeichnen und sich einen Dreck um die Einordnung zu kümmern. Wen kümmert das überhaupt? Schon gar nicht bei Lansdale, der ja dafür bekannt ist, mehrere Genres zu bedienen und hier auch fröhlich zu mischen. Für mich bleibt ein Lansdale ein Lansdale und trotzdem einzigartig. Und somit verfolge ich weiter mein Ziel: alle Lansdale Bücher, die ich finden kann, in mich aufzusaugen.

Fazit:
„Das Dickicht“ war – wie nicht anders zu erwarten – stimmig, unterhaltsam, spannend und unglaublich. Unglaublich gut.


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Maya meets Prionen: Virus – Dustin Thomason

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Dustin Thomason – Virus
Verlag: Bastei Lübbe
409 Seiten
ISBN: 978-3404167630
8,99 €

 
Dieses Buch habe ich wohl etwas spät gelesen…
Der Thriller spielt vor dem interpretierten Weltuntergang des Maya Kalenders: 21.12.2012. Und jetzt haben wir eben schon 2014 (bzw. bei Veröffentlichung der Rezi vermutlich schon 2015) – und die Welt dreht sich immer noch. Egal, der Thriller war trotzdem sehr spannend.

Dr. Gabriel Stanton wird zu einem Patienten gerufen. Er forscht an Prionenkrankheiten – Alzheimer, BSE – und soll sich so einen Fall ansehen. Doch was er sieht, gleicht keiner bekannten Prionenkrankheit und ist höchst ansteckend. Zur gleichen Zeit versteckt ein befreundeter Schmuggler einen uralten, unbekannten Maya Codex bei der Forscherin Chel Manu. Als Chel ins Krankenhaus gerufen wird, um bei Stantons Patienten zu übersetzen, kommt heraus, dass er den Maya Codex gestohlen und in die USA gebracht hat. Doch woher kommt die Prionenkrankheit?

Als ich das Buch begonnen habe, hatte ich die Vermutung, dass die beiden Protagonisten praktisch sofort in den Dschungel reisen, die Ursache suchen und ich eigentlich eher einen Abenteuerroman vor mir hätte. So kann man sich täuschen. Der Großteil der Handlung spielt in den USA, genauer gesagt in LA. Da die Prionenkrankheit sehr ansteckend ist, wird tatsächlich eine Quarantäne um LA errichtet und die Protagonisten forschen an zwei Fronten: Stanton versucht ein Heilmittel für die Prionenkrankheit zu finden, was sich aber als schwierig rausstellt – wäre es einfach, wäre ihm das vermutlich ja auch schon vorher während seiner Forschungen gelungen. Und Chel Manu liest sich gemeinsam mit einem Kollegen und ihrem alten Mentor durch den neuen Maya Codex, um herauszufinden, wo dieser – gemeinsam mit den Prionen – gefunden wurde. Ein „netter“ Nebeneffekt der Prionen ist, dass diese sich auf Oberflächen nicht vernichten lassen. Sie bleiben bestehen und bleiben ansteckend. Aus dem Grund werden bestimmte Gebäude und Blocks zu Geisterhäusern. Der Kampf gegen die Prionen ist durch die zwei Fronten sehr spannend. Zusätzlich kommen noch Anhänger des 2012-Kultes hinzu, die das Ende der Welt vorhersagen.

Klar, wie ich schon sagte, hätte das Buch vor dem 21.12.2012 noch ein wenig mehr Spannung gehabt, doch auch so, hatte ich meinen Lesespaß. Die beiden Protagonisten sind sympathisch und nicht ohne Fehler, die Abwechslung zwischen den beiden Fronten und der letztendliche Aufbruch nach Guatemala sind dramatisch und lassen die Seiten nur so wegfliegen. Leider (oder wie immer) gibt es auch eine Liebesbeziehung – das bin ich ja mittlerweile schon gewohnt.
Ein Thriller basierend auf dem interpretierten Ende des Maya Kalenders ist ja nun nichts Neues – schon gar nicht nach 2012. Auch hier wird man nichts sonderlich Innovatives finden und keine riesigen Überraschungen. Doch war es sehr spannend und nicht aus der Hand zu legen. Ich wollte einfach wissen, woher die Prionenkrankheit kam. Ganz nebenbei schafft der Autor doch noch ein halbes Ende der Welt, indem Orte, die mit den Prionen infiziert sind, nicht mehr betreten werden können. Es beginnt eine Flucht aufs Land, die Städte dezimieren sich. Eigentlich schade, dass es hier keinen zweiten Teil gibt, denn diese Welt näher zu sehen und zu erleben hätte bestimmt etwas Spannendes und Spaß gemacht.

Fazit:
Ein spannender Thriller /Abenteuerroman, bei dem die Protagonisten an zwei Fronten kämpfen und letztlich doch im Dschungel landen. Das „halbe“ Ende der Welt war etwas spärlich beschrieben und schreit fast nach einer interessanten Fortsetzung – die es aber vermutlich nie geben wird. Von mir gibt es 3 Schafe.

3 Schafe


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Lesetipp: Schandgold – Helge Weichmann

Neulich habe ich beim Gmeiner-Verlag die Neuerscheinungen durchstöbert und bin dabei auf „Schandgold“ von Helge Weichmann gestoßen. Die Beschreibung hat mein Interesse geweckt und aus diesem Grund möchte ich das Buch heute als Lesetipp vorstellen:

9783839216187
Helge Weichmann – Schandgold
Verlag: Gmeiner
472 Seiten
ISBN: 978-3839216187
11,99 €

Inhalt:

Ein rätselhafter Brief führt die Historikerin Tinne und den Reporter Elvis kreuz und quer durch Oppenheim. Sie jagen einem Geheimnis nach – zwölf silbernen Apostelfiguren, die seit dem 30jährigen Krieg im Kellerlabyrinth unter der Stadt versteckt sein sollen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein Mordanschlag passiert, eine Mumie wird gefunden, schließlich geraten die beiden ins Visier einer Neonazi-Bande. Tinne und Elvis müssen erkennen: Sie sind in Wirklichkeit einem weit größeren Schatz auf die Spur gekommen – einem Schatz, den es eigentlich gar nicht geben dürfte …


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Das Nostradamus Testament – Tom Egeland

Nostradamus Testament
Tom Egeland – Das Nostradamus Testament
Verlag: Goldmann
555 Seiten
ISBN: 978-3442479825
9,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Bjørn Beltø, Archäologe und Albino, befindet sich auf einer wissenschaftlichen Konferenz in Florenz, als ein Redner dort ein bisher unbekanntes Manuskript von Nostradamus präsentiert und gleich darauf von schwarz gekleideten Männern mit einem Hubschrauber entführt wird. Bjørn und Angelica, die Frau des entführten Lorenzo Moretti, machen sich gemeinsam an die Aufgabe, das Rätsel des Nostradamus‘ Manuskripts zu lösen, um das Ziel der Entführer zu entlarven und so Lorenzo und auch Silvio, den Sohn, der zur Sicherheit auch entführt wurde, zu retten. Eine wilde Jagd durch Italien und Frankreich beginnt, begleitet von Codes, alten Manuskripten und kämpfenden Mönchen.

Meine Meinung:
Mir fällt gerade auf, dass ich dieses Buch in meiner Skandinavien Woche gelesen habe und es überhaupt nicht in Skandinavien spielt… hmm… zum Glück hab ich hier keine Regeln aufgestellt und somit zählt jetzt der norwegische Autor und Protagonist. :-D Nun aber los:

Dies ist der dritte Bjørn Beltø, doch diesmal bin ich nicht ganz so begeistert wie in den Teilen davor. Bjørn ist Archäologe und ist so etwas wie der norwegische Robert Langdon – allerdings mit dem Hinweis, dass Herr Egeland seinen Bjørn Beltø schon früher in den Buchhandel geschickt hat. Er ist ein ungewöhnlicher Charakter – nicht nur aber natürlich auch wegen seiner angeborenen Hautfarbe: er ist ein Albino. Auf der einen Seite der typische universitäre Typ: hat seine Nase ständig in Büchern, ist eher vorsichtig, verbeißt sich in ein Thema, von seiner Meinung überzeugt doch auf der anderen Seite mit Selbstzweifeln und Zurückhaltung gestraft, mit einem gestörten Verhältnis zum weiblichen Geschlecht.

In diesem Teil verguckt Bjørn sich in Angelica Moretti, die zwar eine italienische Femme Fatale mimt, aber an ihrem Ehegelübde festhält. Bjørns Gedankengänge über sie waren mir einfach mitunter zu viel und haben ein wenig genervt. Auch seine Selbstzweifel und Zurückhaltung waren in diesem Teil sehr ausgearbeitet und ich wundere mich ein wenig, dass er sich überhaupt auf die Suche nach dem Nostradamus Testament gemacht hat. Insgesamt fand ich Bjørn etwas aktionslos. Er hat sich von den Ereignissen treiben lassen und es mussten viele äußere Impulse folgen, damit er seinen Weg fortsetzen konnte.

Wirklich gut gefallen hat mir der Aufbau des Buches. Natürlich bestreitet Bjørn einen Großteil des Buches, doch es wird auch Professor Morettis Geschichte in mehreren Einschüben erzählt. Desweiterne hat man Rückblenden in vergangene Epochen und Ereignisse und auch einige Abschnitte aus Sicht von anderen Charakteren. Diese Vielfalt hat das Buch unheimlich abwechslungsreich gemacht. Vor allem die Ereignisse um Bjørn und die um Moretti konnte man im direkten Vergleich verfolgen und somit gespannt von einem Abschnitt zum nächsten wechseln.

Die Handlung hat mich diesmal auch etwas Mühe gekostet. Der Auftakt war fulminant – die Entführung hat für Aufruhr gesorgt und war der ideale Einstieg in eine wilde Jagd quer durch Europa. Letztendlich war man dann nur in Frankreich und Italien, doch es gab auch böse schwarze Männer (ich nenn sie mal so, damit ich nicht zu viel verrate), die Bjørn und Angelica verfolgt haben, ermordete Kontakte und dramatische Verfolgungsjagden.
Doch dazwischen waren sehr viele Dialoge über (nach meinem Gefühl) unzählige historische Dokumente, die aufeinander verweisen und die unglaublichsten Dinge hervorbrachten: von der Bundeslade über Cäsars Schatz bis hin zu Moses Steintafeln war da fast alles dabei. Hier wird auf Codice und Schriften verwiesen, Absätze zitiert und mit Namen um sich geworfen. Positiv zu werten ist, dass Herr Egeland am Ende ein Verzeichnis angefügt hat, welche Schriften denn echt sind und welche erfunden. Doch irgendwann hab ich einfach den Überblick verloren, in welcher Schrift auf welchen Brief verwiesen wird, der zu welchem Codex führt.

Richtig spannend war das Entschlüsseln des Nostradamus Briefes, bzw. noch einiger anderer Schriften. Hier kann man viel über die Vingère Verschlüsslung lernen. Für diese Verschlüsslung wird ein Schlüsselwort benötigt. Ohne dieses kann man den Code nicht knacken. Zumindest für mich ein faszinierendes Thema, über das ich mich gleich mal im Internet weiter informiert habe. Es sind allerdings auch einfache Verschlüsslungen enthalten, z. B. Anagramme, bei denen der Leser gleich mit rätseln kann.

Das Finale fand ich dann zwar gut, aber doch etwas in die Länge gezogen. Eigentlich war die Geschichte schon zu Ende und dann folgten nochmal so 50 Seiten. Ich bin immer für einen guten Abschluss, auch wenn der nach dem großartigen Finale noch in ruhigere Bahnen läuft, doch hier war mir das einfach zu viel des Guten. Von mir aus hätte man nicht mehr verreisen müssen…. ;-)

Fazit:
Ein Bjørn Beltø Thriller, der für mich Höhen und Tiefen bereit hielt. Neben einem abwechslungsreichen Aufbau enthält dieser Thriller eine wilde, aber mitunter auch anstrengend zu lesende Jagd nach dem Nostradamus Testament inklusive toller Rätsel bereit, die leider durch lange Passagen über Bücher, Zitate und viele bekannte Mysterien an Spannung verliert. Von mir gibt es diesmal gute 3 Schafe.

3 Schafe

 

Weitere Teile mit Bjørn Beltø:
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Teil 1: Der Pakt der Wächter
Teil 2: Das Luzifer Evangelium


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Das blaue Leuchten – Andreas Laudan

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Andreas Laudan – Das blaue Leuchten
Verlag: rororo
408 Seiten
ISBN: 978-3499267192
9,99 €

 

 

 

Inhalt:
Ein blaues Leuchten über einer Höhle im Odenwald bringt Schatzsucher auf den Plan, denn nach einem Mythos soll ein blaues Leuchten auf einen großen Schatz hinweisen. Doch die unerforschte Höhle birgt Gefahren und schon bald sitzen die ersten Schatzsucher fest. Hier kann nur noch Tia Traveen, eine der besten Höhlenforscherinnen und blind – helfen. Gemeinsam mit ihrem Assistenten Leo steigt sie hinab ins Unbekannte. Als eine Explosion die Höhle erschüttert, sitzen alle fest – verschüttet und ohne Rückweg. Ob es Tia gelingt, alle heil an die Oberfläche zurückzubringen?

Meine Meinung:
Dies ist das zweite Abenteuer um die blinde Höhlenforscherin Tia Traveen. Andreas Laudan ist mir aber nicht nur durch den ersten Teil – Das Geflecht – bekannt, sondern auch schon durch seine beiden vorigen Bücher: den Krimi ‚Das weiße Mädchen‘ und den Zukunftsthriller ‚Pharmakos‘. Gerade ‚Pharmakos‘ konnte mich überzeugen, auch wenn ich vermute, dass dies nicht Laudans bestverkauftes Buch ist. Doch bevor ich anfange, gehe ich gleich mal ans Ende des Buches. Herr Laudan hat hier am Ende einen „Wahr ist / Fiktiv hingegen ist“ Epilog eingebaut, in der er die Themen seines Buches in Realität und Fantasie aufteilt. Das ist eine wirklich schöne Sache – so lernt man auch noch was bei einem Thriller. ;-)

Andreas Laudans Schreibstil gefällt mir sehr gut. Er vergibt sich nicht in unnötige Beschreibungen, doch es gelingt ihm, Gesteinformationen so zu schildern, dass sogar ich das verstehe und mir so die Situation besser vorstellen kann. Das Buch ist in vier Teile thematisch passend aufgeteilt und wird aus mehreren Perspektiven erzählt – meist aber von Tia, Leo und Carolin.

Tia Traveen ist eine ungewöhnliche, aber durchaus glaubhafte Protagonistin. Erst denkt man vielleicht Höhlenforscherin und blind – kann das funktionieren? Ja, das kann es. Höhlen sind ja von grundauf nicht sonderlich beleuchtet, um nicht zu sagen, schlicht und einfach dunkel. Für Tia keine Umstellung, doch natürlich gibt es hier Ecken, Kanten, Abgründe, etc. Tia orientiert sich hier mit einer Methode zur Echo-Orientierung durch Zungenschnalzen. Diese Methode gibt es tatsächlich und es gibt Absolventen, die mit dieser Methode sogar Rad fahren können (kann man unter ‚Wahr ist‘ nachlesen). Ansonsten ist Tia eine neugierige, aber umsichtige Höhlenforscherin, die schon seit Ewigkeiten an ihrer Dissertation schreibt und zusammen mit ihrem Assistenten Leo lebt.

Leo ist der zweite Protagonist und Tias treuer Begleiter. Er ist seit dem ersten Moment in Tia verliebt und Tia ‚sieht‘ das einfach nicht. Für sie ist Liebe sowieso etwas Seltsames und so lebt sie neben dem schmachtenden Leo und bemerkt seine Gefühle nicht. Nichtsdestotrotz ist Leo auch in den Höhlen ein Begleiter für Tia und sie kann sich hundertprozentig auf ihn verlassen.
Die dritte Protagonistin ist Carolin. Sie ist schon im ersten Teil als Journalistin vertreten. Auch hier ist sie wieder ‚schnüfflerisch‘ tätig, auch wenn sie jetzt freischaffend ist. Sie ist nicht in der Höhle, sondern in Lochberg, dem Ort am nächsten zur Höhle.

Die Handlung ist in zwei Teile aufgeteilt – wir haben auf der einen Seite die Vorgänge in der Höhle und zum anderen Carolin in Lochberg. Am Anfang sieht es nach einer relativ leichten Rettung aus der Höhle aus, doch als eine Explosion stattfindet, wird der Höhleneingang verschüttet. Die Explosion hat noch einen Nebeneffekt, der den Sauerstoff in der Höhle knapp werden lässt und die Spannung zusätzlich erhöht. Ich kann und will hier nicht zu viel erzählen, doch es gibt noch einige überraschende Wendungen und Vorkommnisse. Carolin ist die einzige Verbindung außen, doch es dauert eine Weile und eines Kniffs von Tia, bis sie entdeckt, dass Tia und die anderen in der Höhle feststecken. Wenn man dann denkt, die Geschichte ist zu Ende, sind noch einige Seiten übrig und dem Autor gelingt es, hier noch einen weiteren spannenden Höhepunkt einzubauen.

Fazit:

Der etwas andere Thriller: eine blinde Höhlenforscherin, Schatzsucher und eine Spur in die Vergangenheit. Die Mischung ist ungewöhnlich und aufregend. Ich hatte wieder ein spannendes Lesevergnügen mit Tia, Leo und Carolin. Ich bin gespannt, ob der Autor die Serie weiterverfolgt und was er sich in einem nächsten Teil einfallen lässt. Von mir gibt es 5 Schafe.

5 Schafe