Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Privatschwengel: Tod vor Morgengrauen – Deon Meyer

Es gibt da so ein paar wenige, aber sehr gewichtige schwarze Flecken auf meiner Krimiliteraturkarte. Dazu gehören unter anderem Fitzek, der mich so gar nicht reizt, Mankell, den ich vielleicht mal irgendwann lese, aber auch Deon Meyer. Diesen schwarzen Fleck wollte ich zwar schon gerne länger von meiner Landkarte tilgen, doch wie es so ist, hat es bisher nicht geklappt. Wie schön, dass die Speziale mir oft Anlass geben, mich Autoren und Autorinnen zu widmen, von denen ich noch nichts gelesen habe. Und das ist auch gut so, denn ansonsten müsste ich mich jetzt ärgern, dass ich schon wieder nichts von Deon Meyer gelesen hätte und damit einen Meister seines Faches verpasst hätte.

Van Heerden, ein ehemaliger Polizist, der seinen Vornamen Zatopek aus naheliegenden Gründen nicht so sehr mag, wird von der Anwältin Hope Beneke engagiert, um das Testament des ermordeten Antiquitätenhändlers Johannes Jacobus Smit zu finden. Laut dessen Lebensgefährtin Wilna Van As vermacht Smit ihr in dem Testament Haus, Geschäft und Vermögen. Das Problem ist, dass seit dem Mord schon 10 Monate vergangen sind und Van Heerden nun nur noch 7 Tage bleiben, um das Testament zu finden, andernfalls fällt das Erbe an den Staat. Also macht sich Van Heerden auf eine fast aussichtslose Suche, die einfach beginnt, doch versteckt ein schreckliches Ereignis inne hat, welches zwar schon 20 Jahre vergangen ist, doch jetzt wieder seine Fühler ausgestreckt hat.

Van Heerden. Wie einige seiner Kollegen war er mal Polizist und schlägt sich jetzt so durch. Tatsächlich hat vor seinem Polizeidienst eine ordentliche akademische Karriere hingelegt und kennt sich mit der Psychologie von Tätern gut aus. Entgegen vieler anderer Schnüffler kann er dafür so gut wie nicht schießen. Aber er hat es. Er hat die Fähigkeit, Spuren zu erkennen und Zusammenhänge herzustellen. Er ist gut, aber er selbst denkt, er wäre kein guter Mensch. Durch seine Mutter, die eine recht bekannte Künstlerin in Südafrika ist, schlägt er ein wenig aus der Art, mag klassische Musik und kocht hervorragend. Doch weil er denkt, dass er kein guter Mensch ist, ist er aus der Polizei ausgetreten und schlägt sich so durch. Zwar trifft man ihn als erstes in einer Ausnüchterungszelle, doch Alkohol ist nicht sein Problem.

„Ein Privatschwengel, heilige Scheiße! Du warst mal gut.“ (S. 39)

Doch Van Heerden findet, er ist kein guter Mensch. Er hat den Sinn im Leben verloren, aber nichtsdestotrotz muss er sein Leben finanzieren, deshalb nimmt er den Auftrag von Hope Beneke an. Und lässt ihn fallen. Und nimmt ihn wieder an. Und lässt ihn wieder fallen. Und nimmt ihn wieder an, unwiderruflich. Er ist ein ungewöhnlicher Privatschnüffler, im Buch übrigens einmal „Privatschwengel“ genannt, aber sicher kein außergewöhnlicher. Doch die Tatsache, dass Van Heerden den Fall immer wieder los zu werden versucht, sorgte bei mir erst mal für Erheiterung. Doch der Fall packt nicht nur mich, sondern auch Van Heerden irgendwann und gemeinsam mit der ahnungslosen Hope, die wohl keinesfalls das erwartet hat, was auf sie zugekommen ist, macht er sich an die Arbeit.

Aufgeteilt ist das Buch in die 7 Tage, in denen das Testament gefunden werden muss, mit den jeweiligen Unterkapiteln. Dabei wird aber nicht nur die aktuelle Ermittlung von Van Heerden und Beneke erzählt, sondern Van Heerden erzählt, immer abwechselnd, wie er zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist. Er beginnt bei der Kindheit, arbeitet sich durch seine Jugend, sein Studium, seine akademische Laufbahn, seinen Polizeidienst. Und dann, dann versteht man endlich, warum er so ist, wie er ist. Warum er denkt, dass er kein guter Mensch ist. Und vielleicht war er das in einer Sekunde nicht, doch dann sieht man ihn in der aktuellen Ermittlung und weiß, er ist ein guter Mensch.

„‘Ich sagte, nicht schlecht. Zwei Stunden und siebenunddreißig Minuten, nachdem wir Ihre Anfrage bekommen haben. Nicht schlecht für Schwarze, die nach afrikanischen Zeitvorstellungen arbeiten.‘ Und Ngwema kicherte leise vor sich hin.“ (S. 79)

Auch wenn wir uns in Südafrika befinden, sind die Hinweise auf Land und Kultur zunächst eher leise. Zum einen wird der Leser nicht direkt mit der Nase darauf gestoßen, doch auch der Fall, der sich zwar später noch ein wenig auf dem afrikanischen Kontinent ausdehnt, zeigt hauptsächlich Ermittlungen, die auch in jedem anderen Land hätten stattfinden können. Dies ist so, da die Tragweite des Falls um den ermordeten Antiquitätenhändler erst spät ans Licht kommt. Doch hier zeigt sich dann Südafrikas  Vergangenheit, Militär und Geheimdienst tauchen auf, eine alte aber noch lange nicht vergessene Geschichte um Dollar und Diamanten taucht auf. Zuerst ist es nur eine Kleinigkeit, die auffällt, an der sich Van Heerden festhält und von da an weiter bohrt. Und Van Heerden nutzt die vierte Gewalt, die Presse, um die Täter aufzuscheuchen, heuchelt Wissen vor und schafft es, die Wespen aus ihrem Nest zu treiben. Doch Wespen werden nicht gerne aufgescheucht und so hat Van Heerden ein Finale vor sich, für dass er wohl vorher noch besser schießen hätte üben müssen.

Van Heerden ist definitiv ein Privatdetektiv, von dem ich gerne weitere Fälle lesen würde, doch wie es scheint ist Van Heerden kein „Serientäter“, denn „Tod vor Morgengrauen“ wurde schon im Jahre 2000 ursprünglich veröffentlicht und noch gibt es keinen weiterführenden Teil.  Schade. Aber das hält mich natürlich noch lange nicht davon ab, mich nun den anderen Reihen des Autors zu widmen.

Fazit:
Privatschnüffler Van Heerden bietet ohne es zu wollen, eine hervorragende und spannende Ermittlung, derweil er im zweiten Erzählstrang Einblick in seine Vergangenheit gibt. Wunderbar erzählt, tiefgründig, packend und ein Lesegenuss!

 



Deon Meyer – Tod vor Morgengrauen
Verlag: atb
Übersetzer: Karl-Heinz Ebnet
570 Seiten
ISBN: 978-3746630489

 


 


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Explosives Kennenlernen: Song Dog – James McClure


James McClure – Song Dog
Verlag: Unionsverlag
Übersetzerin: Erika Ifang
350 Seiten
ISBN: 978-3293207424

 

 

 

 

Der Krimi um das Ermittlerpaar Tromp Kramer und Michael Zondi ist nicht nur besonders, weil es um das erste Auftreffen der beiden geht oder weil Zondi erst im letzten Drittel des Buches überhaupt auftaucht oder weil eine Hexe darin vorkommt, nein. Das Besondere daran ist, dass es sich hier zwar um das erste Treffen der beiden Protagonisten in James McClures Krimireihe handelt, aber es das letzte Buch der Reihe ist, welches er veröffentlicht hat.  Aber egal wie – die neuaufgelegten Bücher der Reihe sind covertechnisch ein wahrer Augenschmaus. Well done, Unionsverlag!

Tromp Kramer wird von seinem Chef nach Jafini, ins Nordzululand, geschickt, um ein Sprengstoffattentat zu untersuchen. Von Fynn’s Creek sowie seiner Bewohnerin Annika Gillets sind nur noch Stücke übrig, von Maaties Kritzinger, einem Polizisten auch. Kramer wird also losgeschickt, um zu untersuchen, was „einem unserer Besten“ passiert ist. Wer sprengt ein Haus in die Luft? Wo war Annika’s Ehemann? Und was machte Kritzinger dort? Kramer macht sich also auf nach Jafini, gemeinsam mit Bokkie, der ihm vom Chef aufs Auge gedrückt wurde, um die Ermittlungen aufzunehmen.

Tromp Kramer ist laut, ungehobelt, ruppig und natürlich sehr gut in seinem Job, wenn auch nicht sehr beliebt bei seinen Chefs. Genau so, wie wir unsere Ermittler mögen. Als erstes versucht er mal, sein Anhängsel Bokkie loszuwerden, denn mit der Trantüte kann er gar nichts anfangen. Mit dem Chef der örtlichen Polizei schon eher, auch wenn das Attentat deutlich seinen Erfahrungsschatz übersteigen. Nichtsdestotrotz kennt er natürlich Land und Leute und ist eine Hilfe für Kramer.

Als Leser bekommt man in der ersten Szene mit, was genau Kritzinger auf Fynn’s Creek zu suchen hat, so dass man erst mal ein wenig verwundet den Ermittlungen folgt und sich fragt, warum Kramer das nicht sofort auffällt. Natürlich geht das nicht mit rechten Dingen zu, doch ein wenig Zeit braucht es, bis Kramer dahinter kommt. Das heißt aber nicht, dass Kramer kein guter Ermittler ist, doch die Ermittlungen werden ihm absichtlich schwer gemacht. Nichtsdestotrotz bohrt er sich tiefer und tiefer und lässt keineswegs den Ball fallen.

Als Gegengewicht präsentiert der Autor Michael Zondi, einen Bantu. Ein schlaues Kerlchen, nicht nur weil er weiß, wie er sich in der weißen und schwarzen Welt zu bewegen hat, sondern auch, weil er erkennt, dass er in Tromp Kramer jemanden gefunden hat, der seine Meinung respektiert und dem seine Hautfarbe egal ist. Natürlich muss Kramer sich gegenüber anderen als Chef positionieren, doch wenn die beiden alleine sind, gestalten sich die Ermittlungen partnerschaftlich und auf gleicher Ebene. Eine sehr ungewöhnliche Kombination, ist das Buch doch im Südafrika der 70er Jahre angesiedelt. Kein Wunder also, dass der Autor die Reihe erst begann, als er aus Südafrika weggezogen ist, denn in Zeiten der Apartheid hätte er sich in Südafrika damit wohl in Lebensgefahr gebracht.

So ist der Krimi einerseits ein Blick in die südafrikanische Gesellschaft in Zeiten der Apartheid, zeigt aber am Ermittlerpaar Kramer und Zondi das es eben auch anders geht. Ein mutiges Buch, garniert mit einem spannenden Kriminalfall, der die Ermittler nicht nur trickreich reinzulegen versucht, sondern auch dringend übernatürlicher Hilfe bedarf. Wie gut, dass eine Hexe darin vorkommt.

Fazit:
Ein spannender Blick in die Vergangenheit Südafrikas – das Buch bietet nicht nur einen komplexen, trickreichen Kriminalfall für die gewieften Ermittler Kramer und Zondi, sondern auch einen genauen Blick in Südafrikas Vergangenheit.


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Tierisch: Zoo City – Lauren Beukes


Lauren Beukes – Zoo City
Verlag: Rowohlt Polaris
Übersetzerin: Judith Reker
359 Seiten
ISBN: 978-3499259685

 

 

 

 

Warum dieses Buch?
Wie einige wissen, nehme ich an einer SUB Abbau Challenge teil, dem SUB ABC. Und eine der Aufgaben lautete nun, ein Buch mit einem Tier als Protagonisten zu lesen. Nun ja, ganz kann ich damit nicht dienen, aber Zoo City ist nun tatsächlich das Buch in meinem SUB, welches dieser Aufgabe am nähesten kommt. Warum?
Nun, weil Zoo City nicht nur ein Krimi ist, sondern eben auch mit phantastischen Elementen aufwarten kann.

Worum geht es?
Zinzi December hat unglücklicherweise einen Menschen getötet und danach war es da: das Faultier. Und begleitet sie seitdem. Trennung ist auch nicht gut, denn dann geht es weder dem Menschen noch dem Begleittier gut. Keiner weiß, warum Menschen, die getötet haben, plötzlich einen tierischen Begleiter bekommen und doch ist es so. Mit ein wenig Glück bekommt man ein harmloses Tier und mit noch ein wenig mehr Glück einen Begleiter, der einem nützlich magische Fähigkeiten einbringt. So wie bei Zinzi, die gut darin ist, verlorene Dinge aufzufinden. Nichtsdestotrotz ist ein Begleittier ein Stigmata, Zinzi damit eine Getierte und die Zoos oder Getierten, wie sie genannt werden, leben in Ghettos.
Als Zinzi gerade einen Auftrag abschließen will, wird sie von zwei anderen Getierten damit beauftragt, eine vermisste Sängerin zu finden. Eigentlich nicht ihres, denn sie sucht ja Dinge, aber irgendwie muss ja Essen auf die Teller, so dass sie sich gezwungenermaßen auf die Suche macht.

Was ist das Besondere daran?
Na ja, also…. äh, die Tiere natürlich! Da bekommt der beinharte Kerl einen Schmetterling verpasst und der schmächtige Junkie einen Braunbären. Das Wieso oder Warum, aber auch die Zuteilung bleibt verborgen. Das Phänomen tritt zum ersten Mal irgendwann in den 80ern auf und es herrscht keine Klarheit, woher es plötzlich kam. Die sonstige Entwicklung der Welt weicht nicht so sehr von unserer heutigen, realen Welt ab. Nur die Tiere sind eben da. Zinzis Faultier ist da tatsächlich auch eines der niedlicheren – ab und an schnaubt es zufrieden, hin und wieder faucht es empört. Ansonsten hängt Zinzi sich das Faultier wie einen Rucksack um, wenn sie das Haus verlässt. Doch mit anderen Tieren sieht das schon anders aus…. auffälliger und ja, auch gefährlicher. Die Geschichte spielt in Johannesburg und man bekommt nur wenig von anderen Ländern mit, doch nicht überall wird mit den Getierten so liberal wie in Südafrika umgegangen. Insgesamt hat mir der Aspekt der Tiere sehr viel Spaß gemacht – es war phantastisch, aber eben nicht zu phantastisch. Ich mag Phantastik mehr, wenn sie in unserer Realität verankert ist. Trotzdem hätte ich gerne noch mehr über das Phänomen erfahren. Irgendwie ist es unbefriedigend, nicht zu wissen, woher das Phänomen gekommen ist, warum es da ist und wie es funktioniert.

Privatdetektivin wider Willen
Zinzi sträubt sich schon ein wenig, den Fall der verschwundenen Sängerin zu übernehmen, doch letztendlich schlittert sie in den Fall und das Geld kann sie ja auch gut gebrauchen. Das verschwundene Popsternchen ist Teil eines Duos. Gemeinsam mit ihrem Bruder ist sie die neue Sensation am Pophimmel: jung, heiß, beliebt. Der Manager ist der eigentliche Auftraggeber von Zinzi – kein Wunder, geht ihm doch Geld verloren, wenn seine neuste Entdeckung nicht auftritt. Die Ermittlungen finden im Freundeskreis des Geschwisterpaars statt, aber natürlich auch im Umkreis der Musikindustrie. Abgesehen vom Manager sind alle noch „junges Gemüse“ und dementsprechend schwierig ist es für Zinzi, etwas herauszufinden. Die Playstation hat hier einfach Vorrang. Doch nach und nach wühlen Faultier und sie sich durch den Dschungel der Musikindustrie, der sich tatsächlich als noch übler rausstellt, als man es sich denkt.

Gut oder schlecht?
Zugegebenermaßen muss ich sagen, dass ich die Auflösung des Falles ein wenig verwirrend fand, nichtsdestotrotz hat Zinzi ihre Ermittlungen recht gut gemacht. Die Besonderheit der Getierten verleiht der Geschichte das gewisse Etwas – ohne dies, wäre der Thriller vermutlich tatsächlich recht alltäglich gewesen. So war es aber ein ungewöhnliches, wunderbares Leseerlebnis. Lauren Beukes Veröffentlichungen werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen – Moxy Land steht schon in den Startlöchern… also auf meinem SUB.

Fazit:
Ungewöhnlich „tierischer“ Kriminalfall mit einer unfreiwilligen Privatdetektivin, die sich durch den südafrikanischen Musikdschungel hangelt. Smart, phantastisch und spannend. Der etwas andere Lesetipp für Krimifans!

 

 


Der Krimi auf anderen Blogs:

Wortgestalt meint: Ich bin hin- und hergerissen. Eigentlich fand ich das Buch großartig. […] Und die Kombination aus urbaner Fantasy mit einem Kriminalfall, was will ich eigentlich mehr? Vielleicht ein bisschen mehr Fakten, ein bisschen mehr greifbare Erklärungen, ein bisschen mehr die Themen auch aufgreifen, die man aufwirft.

 


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Ungerechtigkeit: Zeit der Finsternis – Malla Nunn

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Malla Nunn – Zeit der Finsternis
Verlag: Argument
Übersetzerinnen: Laudan & Szelinski
Originaltitel: Present Darkness
295 Seiten + Glossar
ISBN: 978-3867542173

 

 

Himmelschreiende Ungerechtigkeit – das ist ein Thema, welches mir beim Lesen immer mal wieder Magendrücken verursacht. Ich rege mich so auf, dass es mir aufs Gemüt und eben auch auf den Magen schlägt. Nun kann man leider nichts machen, um die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die Malla Nunn in ihrem 4. Krimi um Detective Sergeant Emmanuel Cooper in den 50er Jahren in Südafrika wieder auferstehen lässt, abzuändern  – es ist ja leider schon geschehen. Doch auch hieraus kann man gute Dinge ableiten. Den Lerneffekt von gut recherchierten politischen oder sozialkritischen Krimis, den ich ja so häufig rühme, kann man natürlich auch hier finden, doch noch viel mehr ist es einfach beeindruckend, wie lebendig Malla Nunn die damaligen Zustände aufzeigt, so dass man von dem Buch quasi aufgesogen, durchgekaut und ausgespuckt wird. Äußerst aufwühlend.

Emmanuel Cooper ist mittlerweile nach Johannisburg versetzt worden und lebt nun heimlich mit seiner Freundin und ihrem gemeinsamen Kind – eine Verbindung, die seinen Vorgesetzten nicht bekannt werden darf, denn wir befinden uns mitten im Apartheitsregime und Beziehungen zwischen Weißen und Nicht-Weißen sind gefährlich. Als dann ein weißes Ehepaar, ein Schuldirektor und eine Sekretärin, in ihrem Haus überfallen wird und die Tochter zwei schwarze Jugendliche aus der Schule des Direktors beschuldigt, ist der Fall für Coopers Kollegen so gut wie abgeschlossen. Eine fatale Entscheidung, die Cooper in eine noch schwierigere Position bringt, als er sie eh schon inne hat, denn die Tochter beschuldigt unter anderem Aaron Shabalala, den Sohn seines Kollegen und Freundes Samuel Shabalala. Cooper hat mit verschwindenden Beweisen, Anfeindungen und Korruption zu kämpfen.

Man möchte schreien, wenn Cooper hinter dem Haus, dem Tatort, im Gebüsch einen schwer verletzten schwarzen Mann findet, diesen mit Feuereifer und Einsatz des dritten Teils des Trios, des jüdischen Doktors Zweigman , gerade noch lebend ins Krankenhaus bringt und nicht ein einziger seiner Kollegen diesen Umstand als wichtig empfindet – oder überhaupt erwähnenswert. Die Luxuskarosse, mit der die Täter geflohen sein sollen, findet man völlig unversehrt im Township und natürlich mit den entsprechenden Beweisen versehen, obwohl dort normalerweise nicht mal ein Fahrrad vollständig bleibt, wenn man es aus den Augen lässt. Man möchte durchgehend jemand schütteln und anschreien, wenn man darüber liest, mit welchen inkompetenten / uninteressierten / korrupten Kollegen Cooper in seiner Ermittlung umgehen muss und man fragt sich, ob dort – in Südafrika, zu dieser Zeit – überhaupt jemals ein wirklich Schuldiger gefunden wurde. Die Aussage eines Mädchens, welches ganz offensichtlich lügt, gilt als Wahrheit, nur weil sie weiß ist. Das allein ist die Begründung! Brr – himmelschreiende Ungerechtigkeit!

Man mag sich sagen, ja, das ist ja nur ein Krimi, doch Malla Nunn zeichnet hier ein furchterregend realistisches Bild von Südafrika zu dieser Zeit. Das Apartheitsregime hat Familien und Freundschaften entzweit, Gewalt und Korruption gestreut und die Gesellschaft völlig vergiftet. Eine Horrorvorstellung, die man sich wohlbehütet im gut funktionierenden, freien und demokratischen Deutschland, fast nicht vorstellen kann und doch immer fürchten muss. Für Cooper kommt es soweit, dass er seine Freundin nur auf eine heimlich organisierte, illegale Tanzveranstaltung, die eigentlich nur ein Deckmäntelchen für Prostitution ist, ausführen kann, nur um mal ein wenig Zeit mit ihr außerhalb der eigenen vier Wände zu verbringen. Und auch der Fall an sich hängt natürlich tief mit den durch die Apartheit verursachten Umstrukturierungen zusammen, gepaart mit Familienbeziehungen und Korruption.

Ein erschreckendes, aber tief beeindruckendes Bild von Südafrika in den 50er Jahren präsentiert Malla Nunn. Emmanuel Cooper, der schon privat auf Messers Schneide balanciert gefährdet mit seiner eigenmächtigen Ermittlung alles – und doch muss er ermitteln. Für Shabalala. So wie sich das gehört unter Freunden. Da steht einer für den anderen ein. Egal welche Umstände herrschen. Und so wächst einem das ungleiche Paar, zu welchem eigentlich noch der Jude Zweigman gehört, ordentlich ans Herz. Bitte mehr davon Frau Nunn! Ich vertrage das, wirklich. Meinem Magen geht es auch wieder gut, keine Sorge. Und ich möchte auf keinen Fall die nächsten Teile missen.

Fazit:
Ein aufwühlendes Buch, welches ein erschreckend realistisches Bild von Südafrika zeichnet. Der Kriminalfall ist tief verwurzelt in dieser verqueren Gesellschaft und lässt Emmanuel Cooper an seine Grenzen kommen und sein eigenes Glück gefährden. Doch die Botschaft ist klar, wenn auch ein wenig kitschig: Freundschaft geht über alle Grenzen und Hindernisse.

 

Alle vier Titel der Reihe um Detective Sergeant Emmanuel Cooper:
Ein schöner Ort zum Sterben
Lass die Toten ruhen
Tal des Schweigens
Zeit der Finsternis

 


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Schweres Erbe: Power Play – Mike Nicol

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Mike Nicol – Power Play
Verlag: btb
Übersetzerin: Mechthild Barth
416 Seiten
ISBN: 978-3442713776

 

 

 

 

Was man nicht alles schmuggeln kann: Drogen, Geld, Waffen, Kunst, Seeohren…. ja, genau, Seeohren. Was das ist? Nun, man könnte denken, es ist eine Muschel, aber eigentlich ist es eine Schneckenart. Und da diese im asiatischen Raum als Delikatesse gerne verspeist wird, sind mittlerweile einige Arten der Schnecke vom Aussterben bedroht und die Seeohren sind ein begehrtes Gut. Und in der Tat lösen diese kleinen, aber anscheinend lecker schmeckenden Schnecken, einen Bandenkrieg erster Klasse aus, in den Krista Bishop und ihre Sicherheitsagentur Complete Security, verwickelt werden. Südafrikanische Action – mit Gangstern, Geheimdiensten und eben Schnecken.

Krista Bishop wird von Mart Velaze, einem Geheimdienstmitarbeiter, gezwungen, entgegen ihren Geschäftsgrundsätzen nur weibliche Kundinnen anzunehmen, die Sicherheit von zwei chinesischen Geschäftsreisenden zu garantieren, die in Südafrika am Bergbaugeschäft interessiert sind. Dies natürlich nur vordergründig, denn eigentlich wollen die Chinesen neue Bedingungen für die Seeohren aushandeln. Im Moment beziehen sie diese von den „Unberührbaren“, Titus Anders und seinem Geschäftspartner Rings Saturen, sowie dem Vermittler Bassie Baason, der im Hintergrund wirkt. Die drei sind natürlich keine reinen Geschäftsmänner, auch wenn alle drei sich mittlerweile viel Mühe geben, als diese zu gelten, doch die Gangstervergangenheit und – gegenwart lässt sich nun mal nicht verleugnen. Nun taucht auch noch eine neue, alte Bekannte auf, die den Markt der Seeohren aufmischt und als Titus Sohn Boetie den Fischen verfüttert wird, beginnt ein Stellungskrieg, in dem nicht nur Krista Bishop zwischen die Fronten gerät.

Krista Bishop ist die Tochter von Mace Bishop, den viele vermutlich aus Nicols Rachetrilogie (Payback / Killer Country / Black Heart) kennen. Zwar geistern in Kristas Kopf ständig Maces schlaue Sprüche herum, doch man kann das Buch auf jeden Fall unabhängig von der Trilogie lesen, denn auch ich kenne bisher nur den ersten Teil (meine Rezension hierzu findet ihr hier). Im Allgemeinen kann man wohl sagen, dass Krista die Tochter ihres Vaters ist: stark, unabhängig, gut ausgebildet. Mit dazu mischen sich natürlich (!) sexy Kurven und ein Hang zu älteren Männern. Vielleicht hätte Krista noch mehr Tiefe entwickeln können, wenn sie mehr Raum in dem Buch bekommen hätte, doch so sollte es wohl nicht sein und in der Summe ist sie damit quasi ein Mann mit sexy Kurven. Hm, nicht gerade eine Figur, mit der ich mich anfreunden konnte. Dann doch lieber gleich eine männliche Hauptfigur oder?

Das Buch baut sich als Kaleidoskop um 6 verschiedene Personen auf, die in jedem Kapitel ihren Anteil erhalten. Somit sind häufige Perspektivwechsel vorhanden und der Leser beleuchtet die Geschehnisse von allen Seiten. Am abwechslungsreichsten war die Abschrift der Aussage von Hardlife MacDonald, einem Mitglied der Mongols, einer Bande, die mit den Pretty Boyz, deren Anführer die Anders-Familie ist, im Krieg steht. Ansonsten folgt man Krista Bishop, Titus Anders, Mart Velaze aber auch Black Aron Chetty, dem Fahrer von Tamora Gool, der neuen, alten Unbekannten in der Gleichung. Dieser Strang wird nach und nach zu einer Slapstick-Einlage, denn Aron chauffiert einen russischen Auftragsmörder, der die Anders Familie auslöschen soll, dem es aber nie gelingt. Aber keine Sorge, es sterben auch so genug Leute. Im Übrigen zumeist die Abkömmlinge der Bosse, quasi in einer Art Sippenhaft.

„Power Play“ ist ein gut gewählter Titel, der zum Glück auch ins Deutsche übernommen worden ist. Es geht um ein Ränkespiel der Mächte, eine geplante Machtübernahme, das Gebiet wird neu aufgeteilt, das Seeohrengeschäft mit Waffengewalt verhandelt. Das Buch bietet solide, spannende Unterhaltung im Mainstream-Thriller-Bereich. Abgesehen von der ungewöhnlichen Schmuggelware kann ich keine Besonderheiten feststellen. Und ganz ehrlich, ob Krista Bishop nun dabei war oder nicht dabei gewesen wäre macht meines Erachtens keinerlei Unterschied. Sie war zwar mittendrin, aber hat sich quasi überhaupt nicht beteiligt. Und auch wie in Payback muss ich leider bemängeln, dass der Thriller auch gut in einem anderen Land hätte spielen können – Südafrika, die Gesellschaft, die Vergangenheit, die Kultur, davon kann man leider kaum etwas in dem Thriller finden. Aber dazu ist es vielleicht auch das falsche Genre – südafrikanische Krimis gefallen mir doch immer noch ein wenig besser als südafrikanische Thriller.

Fazit:
Ein südafrikanischer Thriller rund um Gangster, Geheimdienste und Seeohren. Solide, aber eben nur Massenware.


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Burensterben: Weinende Wasser – Karin Brynard

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Karin Brynard – Weinende Wasser
Verlag: Lübbe Audio
Übersetzer: Dietmar Schmidt
Sprecher: Achim Buch
ca. 574 Minuten
ISBN: 978-3785752319

 

 

Südafrika – das aktuellste Krimithema schlechthin. Nach Deon Meyer, Roger Smith, Malla Nunn und Charlotte Otter nun eine Neuentdeckung: Karin Brynard. Bastei Lübbe, bei dem das Buch, bzw. Hörbuch „Weinende Wasser“ erschienen ist, steht ja unter anderem für Spannung und Thrill, aber – zumindest in meinen Augen – nicht unbedingt für tiefgreifende Geschichten, also eher nicht für politische oder sozialkritische Aufarbeitung von Themen. Kann also Karin Brynard mit Malla Nunn und Co. mithalten?

Inspector Beeslaar ist erst seit Kurzem auf seinem neuen Posten, als ein Mord auf einer Farm passiert: Freddie Swarts, eine junge, alleinstehende Frau, und Clara, ihre Adoptivtochter, werden ermordet. Beeslaar, weiß, zwei Meter groß und ein wenig jähzornig, muss nicht nur den Fall aufklären, sondern sich zeitgleich den Respekt seiner Mitarbeiter verdienen, seine Dienstherren beschwichtigen, Viehdiebe fangen und einen Mob von Buren im Zaum halten, die nun Angst um ihr Leben haben. Die Farmmorde sind ein um sich greifendes Phänomen und immer sind weiße, reiche Farmer die Opfer. Doch lässt sich der Mord an Freddie Swarts so aufklären oder steckt doch mehr dahinter?

Wer mal das Thema „Farmmorde“ in einer bekannten Suchmaschine eintippt, wird feststellen, dass sich hierzu einige Artikel finden lassen. Schwarze überfallen weiße Farmen bzw. ermorden weiße Farmer. Buren vornehmlich. Die Emotionen kochen hier sehr hoch, denn das Land hat eine lange und anstrengende Geschichte hinter sich. Wem gehört welches Stückchen Land? Wer ist der rechtmäßige Eigentümer? Und rechtfertigt das solche Taten? Doch oft sind diese Farmmorde noch nicht mal Streitigkeiten um Land. Es geht um einfache Raubzüge, oftmals vielleicht auch aus Not und Hunger geboren, und die Räuber sind nicht zimperlich.

Karin Brynard hat das Thema der „Farmmorde“ aufgenommen, um damit ihren Krimi „Weinende Wasser“  zu unterfüttern. Ein durchaus sehr spannendes Thema, welches die Autorin auch gut einarbeitet. Allerdings hätte die Geschichte noch ein wenig mehr Hintergrundwissen vertragen können, welches entweder mit Anmerkungen mitgeliefert hätte werden können (bei einem Hörbuch aber immer fraglich) oder eben im Text verarbeitet. Bewusst ist mir das hintergründige Thema nämlich erst geworden, als in der Hörrunde darüber gesprochen wurde.

Das ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass die Autorin einige Nebenschauplätze eröffnet. Neben persönlichen Problemen, mit denen Inspector Beeslaar kämpft, kümmert er sich anfangs zu intensiv später gar nicht mehr um die Viehdiebstähle der Gegend und hat grundsätzlich damit zu kämpfen, dass sich die Stimmung in der Gegend aufgrund der Morde aufheizt. Die Buren richten eine Nachbarschaftswache ein, bestückt mit Gewehren und viel Wut, aber auch mit gehörig viel Rassismus.  Beeslaar selbst ist nicht ohne Fehl und Tadel, wobei er natürlich definitiv zu den Guten gehört und wohl weitere Teile bestreiten wird, da dies sein „erster Fall“ war, und verbeißt sich in den falschen Verdächtigen, der ganz klar nur als Sündenbock herhalten soll.

Die Spannung hat insgesamt ein wenig geschwankt. Bis hin zur Mitte fand ich alles sehr spannend, doch dann kam eine Durststrecke, in der die Ermittlung fast versiegt, auch wenn einige Sachen passieren. Das Ende hat sich dann fast überschlagen mit allen Ereignissen, die fast zeitgleich stattfanden. Nicht so begeistert war ich vom Ende der Aufklärung – diese fand statt, als Inspector Beeslaar seinem Mitarbeiter erklärt hat, warum sich was wie zugetragen hat. Schade, denn die Devise sollte sein „show, don’t tell“.

Das Hörbuch hat sich wunderbar hören lassen. Der Sprecher, Achim Buch, hat seine Sache sehr gut gemacht. Ich konnte immer alle Personen auseinander halten und auch die niederländischen Namen bzw. Orte oder Wendungen hat er gut gesprochen und diese haben für zusätzliche Auflockerung gesorgt. Die Entscheidung fürs Hörbuch war also definitiv richtig.

Fazit:
Ein aktuelles Thema, welches noch ein wenig mehr hätte unterfüttert werden müssen, gepaart mit einer spannenden Ermittlung, die allerdings auch einen Durchhänger aufzuweisen hat. Krimiunterhaltung für zwischendurch.


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Entlarvt: Tal des Schweigens – Malla Nunn

1207x
Malla Nunn – Tal des Schweigens
Verlag: Argument
Übersetzer: Else Laudan und B. Szelinski
310 Seiten
ISBN: 978-3867542074

 

 

 

Lesetechnisch bin ich sehr gerne in Südafrika unterwegs. Und ich möchte immer noch gerne ein wenig mehr darüber erfahren. Charlotte Otter hat mich hierhin mitgenommen, Richard Crompton war auch in Südafrika unterwegs und Mike Nicol auch ein wenig (wobei hier das wenigste „Südafrika“ dabei war), aber erst mit Malla Nunn bin ich nun in die Tiefen getaucht. Für mich war Malla Nunn eine Unbekannte, doch zum Glück hat der Argument Verlag in seinem ariadne Kriminalprogramm nun den dritten Teil um Nunns Protagonisten Emmanuel Cooper, einen gemischtrassigen Detective in den 50er Jahren in Südafrika, aufgelegt. Wieder hat mir eine Autor(in) einen ganz anderen Blickwinkel auf ein Land ermöglicht, welches ich vielleicht nie mit eigenen Augen zu sehen bekommen, aber literarisch sehr gerne bereise.

Die 17-jährige Amahle, Tochter des Clanchefs wird tot aufgefunden, auf einer Decke, im Schatten der Bäume, mit Blüten bestreut. Zur Lösung des Falls wird Detective Emmanuel Cooper gemeinsam mit seinem Zulu-Partner Shabalala ausgesandt, um in den Drakensbergen den Mörder dingfest zu machen. Cooper, in Ungnade gefallen, nimmt sich des Falls gerne an – auch wenn es sich „nur“ um ein schwarzes Mädchen handelt, welches ihm bei seinem Weg zurück zum anerkannten Detective nicht helfen wird. Mord ist Mord und das Interesse Coopers ist geweckt. So macht er sich auf, der unwirtlichen Umgebung das Geheimnis um den Tod der schönen Amahle zu entreißen.

„Der gesunde Menschenverstand verlangt, dass er seine alten Papiere verbrannte und die acht Monate vergaß, die er auf der falschen Seite der Rassentrennungslinie verbracht hatte. Doch das konnte er nicht. Vielleicht spiegelten die einander widersprechenden Identitäten <europäisch> und gar zu treffend den gewundenen Verlauf seines bisherigen Verlauf seines bisherigen Lebens.“ (S. 39 – 40)

Als weißes Kaffernkind hatte es Emmanuel Cooper nie einfach, gestrandet zwischen zwei Welten, Kriegsveteran und ein findiger Ermittler, der noch immer seinen Platz in der Gesellschaft sucht und ihn vermutlich nie finden wird. Hin und hergerissen zwischen Hautfarben und auf der Suche, aber doch gefestigt und bestimmt.
Ob es tatsächlich einen solchen Ermittler wie Emmanuel Cooper in den 50er Jahren gab, mag man bezweifeln, gut getan hätte es aber auf jeden Fall. „Gemischtrassig“ und mit dem Zulu-Detective Shabalala ausgestattet, wagt er sich in die Tiefe der südafrikanischen Landschaften, eine karge, unwirtliche Umgebung, die kaum Straßen hat und schon beim Hinsehen anfängt zu stauben. Schlecht ausgerüstet, aber mit Hartnäckigkeit kämpfen sich die beiden die Berge hoch und runter, zumindest Emmanuel immer am schwitzen. Doch nicht nur die Landschaft zeigt sich abweisend, auch die Leute reagieren gemischt auf die Einmischung der städtischen Polizei.

Nachdem das Verschwinden von Amahle der örtlichen Polizei gemeldet wurde, ist nichts weiter geschehen, dass diese tot aufgefunden wurde, erfährt der örtliche Polizeichef erst von Cooper und Shabalala. Die weiße Bevölkerung hat die Macht, doch auch hier gibt es Zwistigkeiten zwischen den niederländischen und englischen Siedlern. Sogar die Ärztin weigert sich Amahles Leichnam zu untersuchen, um nicht etwas herauszufinden, mit dem sie in die Schusslinie gerät. Die einheimische Bevölkerung lebt zum Teil in Stämmen und Clans, zum Teil als Diener oder Sklaven bei den Weißen Herren. Doch auch hier verschwimmen die Grenzen z. B. bei Amahle, die in ihrem Clan lebt, aber zum Arbeiten auf die Farm geht. Was sie alle gemein haben sind Vorurteile und Argwohn. Es ist ein Leben miteinander aber so weit voneinander entfernt, dass es sich fast um verschiedene Planeten handeln könnte.

„Ja, und alle Engländer hatten eine Hühnerbrust, rosa Haut und keine Ahnung von Afrika. Inder waren fleißig, aber gerissen und nicht vertrauenswürdig. Gemischtrassige Farbige waren verschlagen und aufmüpfig und verführten Kinder zur Sünde. Die meisten Südafrikaner gleich welcher Hautfarbe hatten zurechtgebogene Schablonen von jeder Ethnie im Kopf, um sie leicht in Schubladen einordnen zu können.“ (S. 134)

Begeistert ist so gar keiner von der Ermittlung und so stoßen die beiden auf eine Mauer des Schweigens, bei der sie nur nach und nach einige Bröckchen herausschlagen können, um dahinter zu sehen. Bevor sie aber dazu kommen, tiefer zu blicken, werden sie zurückgepfiffen. Der englische Farmer hat seine Beziehungen spielen lassen. Doch Cooper nicht dumm, findet eine Lücke, um zu bleiben und inoffiziell weiter zu ermitteln. Als eine große Hilfe erweist sich der Sohn des Farmers, der ständig aufs Internat geschickt wird, ausbüchst und in der Natur lebt. Verwildert und mit einigen Macken belastet, ist es nicht einfach, aus seiner Sprache schlau zu werden, doch letztendlich liefert er den Ermittlern entscheidende Hinweise.

Versteckt in einer Krimihandlung lässt Malla Nunn das Südafrika der 50er Jahre vor dem inneren Auge auferstehen. Karg und heiß, mit Vorurteilen gespickt, in welcher der einzige integere Mann der ermittelnde Emmanuel Cooper zu sein scheint. Ein tiefer Blick in das Südafrika der 50er Jahre, der die Gesellschaft als das entlarvt, was sie ist: zerrissen, argwöhnisch, misstrauisch. Und so löst Emmanuel Cooper den Fall um die junge Amahle nur, wenn er diese Gesellschaft aufwühlt und umgräbt. Komplexe Charaktere runden den atmosphärischen Krimi ab, so dass dieses gelungene südafrikanische Kriminalstück riesigen Lesegenuss bereitet. Das war aber nicht anders zu erwarten, wenn der Krimi aus dem Hause Argument stammt.

Fazit:

Beim Argument Verlag kann man sich darauf verlassen, dass man Krimiperlen findet – so auch Malla Nunns „Tal des Schweigens“. Bitte weiter so und mehr davon!