Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Krimi-Leserunde zu “Der Auserwählte” von Frank Göhre

In der kleinen, aber feinen Gemeinde der Krimi-Blogger haben wir vor Kurzem beschlossen, nochmals eine Krimi-Leserunde zu veranstalten. Nach einigen terminlichen und inhaltlichen Abstimmungen, ist es nun soweit: morgen startet unsere Leserunde! Ausgesucht haben wir uns “Der Auserwählte” von Frank Göhre, ein feiner Noir-Krimi aus dem Pendragon-Verlag.
Und auch wenn wir die Runde quasi “unter Bloggern” beschlossen haben, sind jederzeit spontane Mitleser willkommen, egal ob Blogger oder Leser.

Frank Göhre – Der Auserwählte
Inhalt: Eloi – Der Auserwählte – ist gelinkt worden. Nun schuldet er David Geld. Drogengeld. Der illegal in Hamburg lebende Afrikaner gerät mächtig unter Druck. Und plötzlich ist Eloi verschwunden. Gekidnappt. Welche Rolle spielt Elois Mutter bei dem Verbrechen? Liegt der Schlüssel zur Aufklärung in ihrer bewegten Vergangenheit, die sie Ende der Achtzigerjahre auf eine kanarische Insel führte?
Auf der Sonneninsel herrschte ein ›genialer Erzieher‹ über eine Gruppe höriger Anhänger. Und Elois Mutter war seine Gespielin. Jetzt geht es um Geld – um sehr viel Geld. Aber auch um Gerechtigkeit, Schuld und Sühne aus scheinbar längst vergangener Zeit …

Leseabschnitte:

1. Abschnitt: Anfang – S. 57 (Kapitel 1-8)
2. Abschnitt: S. 58 – S. 121 (Kapitel 9-20)
3. Abschnitt: S. 122 – S. 189 (Kapitel 21 – 31)
4. Abschnitt: S. 190 – Ende (Kapitel 32 – 45)

Wer ist bei der Leserunde dabei?

Philly von Wortgestalt
Gunnar von Kaliber.17
Kaisu von life4books
Alexander von Der Schneemann
Michael von Bookaholics
Stefan von Crimealley
Ich 🙂
… und natürlich jeder, der sich spontan entschließt, mitzumachen!

Wie läuft die Leserunde ab?

Die Leserunde startet morgen, am 22.04.2017. Im Kommentarbereich unter diesem Beitrag richte ich pro Leseabschnitt einen Kommentar ein, unter dem jeder, der den Abschnitt gelesen hat, kommentieren und mit den anderen darüber diskutieren kann. Jeder liest in seinem eigenen Tempo und kommentiert im jeweiligen Leseabschnitt, wenn er soweit ist.

Da bei einer Leserunde das Buch gelesen und der Inhalt auch besprochen wird, besteht Spoilergefahr. Wer also das Buch noch nicht kennt, aber noch lesen möchte, meide bitte den Kommentarbereich. Leser, die das Buch bereits kennen, sind natürlich auch herzlich eingeladen, mitzudiskutieren.

 


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Inside Vietnam: Nach der Schlacht – Le Minh Khue


Le Minh Khue – Nach der Schlacht
Verlag: Argument
Übersetzer: Günter Giesenfeld, Marianne Ngo und Aurora Ngo
208 Seiten
ISBN: 978-3867542159

 

 

 

Wie so einige Viellesende träume auch ich davon, literarisch einmal in jedes Land der Welt zu schnuppern, am besten durch eine Autorin oder einen Autor, der aus diesem Land stammt. Würde ich zur Dokumentation eine Weltkarte benutzen, könnte ich nun ein weiteres Land mit einem farbigen Fähnchen „abhaken“: Vietnam. Wunderbarerweise hat der Argumentverlag für seine Ariadne-Krimis die vietnamesische Schriftstellerin Le Minh Khue gewinnen können, von der nun zwei Kurzgeschichten im Band „Nach der Schlacht“ auf Deutsch vorliegen.

Vietnam – was genau weiß ich eigentlich darüber? Jeder hat wohl den Vietnamkrieg im Kopf und auch wenn ich die Hollywood-Streifen, in denen mehr oder weniger heroische Helden in irgendwelchen Dschungeln im Sumpf versinken, nicht genau kenne, ist das doch immer eine amerikanische Perspektive. Der Krieg war für die USA ein Desaster, doch wie war es für Vietnam, für die Menschen, die dort leben? Le Minh Khue nimmt uns nur teilweise mit in diese Zeit, zeigt aber ganz deutlich die Auswirkungen dieses verheerenden Krieges und des Kommunismus. Doch das zeigt sie an Familien, an Schicksalen, am Leben der Menschen in Vietnam. Hier werden keine großen politischen Schlachten geschlagen – es geht um das Alltägliche, das Leben der Menschen.

„Das wirkliche Leid traf die Mütter, die durch ihre Kinder ihr Herzblut für den Krieg vergossen. Im Krieg ging es immer nur um Sieg, Strategie, Taktik, der Verlust an menschlichem Blut, das viele konkrete individuelle Leid zählte nicht.“ (S. 52)

„Stürmische Zeiten“ folgt zwei Halbbrüdern ein halbes Leben lang. Der eine wächst wohlbehütet in der Familie auf, der andere, der Sohn der Geliebten, lebt verstoßen und mit seiner verbitterten Mutter. Der Krieg, in dem beide zu unterschiedlichen Seiten angehören, lässt die beiden Jahre später aufeinander stoßen und bringt Verbitterung, Hass und Gemeinheiten herauf, deren sich die Alten, die das Unglück verursacht haben, schon fast nicht mehr bewusst sind, in den Kinderköpfen aber sehr wohl noch eindrücklich vorhanden.

„Eine kleine Tragödie“ beginnt zeitlich viel später und handelt von einer Journalistin, die mit distanziertem Blick eine Tragödie ihrer Familie erzählt. Die Journalistin ist eine einfache Frau, die sich durchs Leben schlagen muss. Allerdings die Nichte eines Parteimitglieds, eines hohen und mächtigen Parteimitglieds, dessen Tochter gut mit ihr befreundet ist. Die Unterschiede der Welten dieser beiden Frauen sind wie Tag und Nacht, doch auch hier holen die Sünden der Alten die Kinder ein und die wohlbehütete Tochter büßt ihr Glück letztendlich ein.

Die Auswirkungen des Krieges, der nicht kritisierbare Kommunismus, zu wenig zum leben, zu viel zum sterben, das tägliche Harren auf ein besseres Leben und gleichzeitig das müde Akzeptieren der Gegebenheiten offenbart eine fremde Kultur, eine fremde Politik – alles scheint so anders. Und doch, betrachtet man die Grundstruktur, sind die kleinen Geschichten, die das Leben schreiben, doch die gleichen wie man sie auch hier, in Europa oder eben überall auf der Welt, findet. Familientragödien, Fehler, welche die Eltern (hier eigentlich die Väter) machen und die Kinder ausbaden dürfen, bzw. müssen, Hass, der sich aufstaut und in Rache gipfelt oder in schierer Ohnmacht endet. Diese Mischung aus einem für mich neuen, unbekannten Hintergrund – Vietnam mit all seinen Facetten – und gewohnt alltäglichem, menschlichen Verhalten fand ich unglaublich faszinierend. Ein vietnamesischer Blick auf Vietnam, der zwar zeigt, dass die Grundzüge der Menschheit doch gar nicht so anders sind, aber genau darin, mit der Kombination der Geschichte, Kultur und Politik des Landes, einen unglaublichen Sog entwickelt und einen in neue, unbekannte Abgründe schubst.

Fazit:
Ein unverstellter und faszinierender Einblick die Geschichte und Kultur Vietnams, welcher in Kombination mit den alltäglichen Grausamkeiten, die sich Familienmitglieder antun, ein realistisches Bild der Gegenwart Vietnams und dessen Kampf mit seinen Wurzeln zeigt. Ergreifender Lesestoff!


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Interview – Davide Longo

Ganz besonders habe ich mich gefreut, als Davide Longo zugestimmt hat, mir ein kleines Interview zu geben. Vor allem, nachdem ich mich durch seine, nur auf Italienisch verfügbare Webseite geklickt hatte und es doch geschafft habe, ihm eine Nachricht zu schicken.
Leider hat er es nicht geschafft, dass Interview in meinem Urlaub zurückzusenden und nun hab ich es leider ein paar Tage liegen lassen. Aber jetzt, jetzt ist es endlich übersetzt und steht für Euch bereit!

Ich wünsche Euch viel Spaß dabei und kann jedem von Euch nur nochmals ans Herz legen, ein Davide Longo Buch zu lesen. Es lohnt sich!

Hier ist die Version in Deutsch – for the “original” / English version, please scroll down.

Deutsche Version:

1. Wolltest Du schon immer eine Dystopie schreiben oder gab es da einen bestimmten Grund oder ein bestimmtes Ereignis, welches Dich dazu brachte, “Der aufrechte Mann” (L’uomo vertical) zu schreiben?

Ich war schon immer fasziniert von der postapokalyptischen Sichtweise. Die Handlung des Romans ist nach und nach entstanden, indem immer mehr und unterschiedliche Faszinationen hinzu kamen: Literatur, Nachrichten. Im Speziellen ist das Italien, welches von vielen Italienern als ein Land unter Belagerung angesehen wird. Immigranten stehen an den Grenzen. Und wir haben eine Menge Grenzen, sehr schwierig zu kontrollieren. Es ist einfach, die Probleme oder den Verlust des eigenen Landes anderen zuzuschreiben.

2. Das überraschendste Element für mich war der Elefant. War es von Anfang an Deine Absicht, eine Parabel zu schreiben und warum hast Du diese Form gewählt?

Das ganze Buch muss als Parabel in der Bibel gelesen werden, nicht als realistische Geschichte. Der Elefant repräsentiert Weisheit, Zeit, Geduld, aber auch die Fähigkeit, in einem Moment alles zu zerstören, dank seiner Kraft. Es ist die Natur, das Eine, welches ohne den Menschen lebt. Ich würde sagen, dass die Natur, das Leben, besser ist ohne den Menschen.

3. Neben “Der aufrechte Mann” (L’uomo vertical) sind zwei Krimis von Dir in Deutschland veröffentlicht worden. Aber ich habe auch gesehen, dass in Italien andere Geschichten, z. B. auch Kinderbücher von Dir, veröffentlicht wurden. Hast Du ein bevorzugtes Genre? Und wenn ja, warum?

Ich bevorzuge – außer im sexuellen Sinne – keine Gattung. Literarische Genre sind eine Erfindung der Verlage. Genres müssens verkaufen, die Bücher in Büchereien und Buchhandlungen katalogisieren und dem Leser helfen, sich zu Recht zu finden. Ich glaube, es gibt nur gute Autoren, mittelmäßige und brillante Autoren. Sogar schlechte Autoren. Ich hoffe, dass ich ein guter Autor bin. Ein Schriftsteller, der manchmal einen Tisch herstellen möchte, manchmal einen Stuhl und wann anders vielleicht eine Bank oder eine Bibliothek. Das Wichtigste ist, dass Leute sie benutzen und sich dabei denken, dass sie von „einem guten Handwerker“ gemacht sind.

4. Zum Abschluss noch die Frage nach Deinem Lieblingskrimi?

Meine liebsten Krimis sind „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt, „Die grauen Seelen“ von Philippe Claudel und „Amok“ von Emmanuel Carrère. Nicht gerade traditionelle Krimis, wie Du siehst!

English Version

1. Did you always wanted to write a dystopia or was there a specific reason or event, which drives you to write “L’uomo vertical”?

I have always been attracted to the post-apocalyptic dimension, as well as from that of the original. The story of the novel has risen gradually, adding many different fascinations: literary, general news. In particular Italy for
many Italians it is seen as a country under siege. Immigrants are pressing at the borders. And we have a lot of borders, difficult to control. It ‘easy to attribute the problems or the loss of our country to foreigners

2. The most surprising thing for me was the elephant.  Was it your intention to write it as a parable and why have you chosen this form?

The whole book has to be read as a parable in the Bible, not in realistic terms. The elephant represents wisdom, time, patience, but also the ability to destroy everything in an instant thanks to its strength. He is the nature, the one
that lives without man. I would say that nature that life is better without the man.

3. Beside “L’uomo vertical” two crime fiction novels of you have been published in Germany, but I have seen you also published in Italia also other novels, e. g. a book for children. Do you have a preferred genre? And if so, why?

I have no gender preferences (except in the sexual sphere). The literary genre is an invention of the publishers. It needs to sell, to catalog the books in libraries, bookstores and to help the reader navigate. I believe there are only
good writers, mediocre writers and superlatives writers. Even bad writers. I hope to be a good writer. A good writer who sometimes wants to make tables, chairs sometimes, sometimes a bench or a library. The important thing is that
people use them and think “is made by a good craftsman.”

4. Just one short question at the end: what is your favorite crime novel?

My favorite crime novels are The promise by Durrematt, Le anime grigie di
Philip Claudel, L’avversario di Carrere. Not the traditional crime novel, as
you see!

 


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Monatsrückblick März 2017

Woohoo!

Der März war lesetechnisch (aber auch so) richtig gut. Ein wenig geholfen hat, dass ich ein paar Tage Urlaub hatte und so hab ich richtig viel lesen können – dafür hatte ich keine Lust auf Rezensionen und so gibt es nur zu zwei Büchern eine Rezension, aber natürlich werde ich jetzt kurz meine Meinung pro Buch kund tun. Und hier sind sie:

Mirror – Karl Olsberg:
Spannender Blick in die Zukunft – oder eigentlich schon jetzt erschreckend, wie sehr wir uns auf die Technik verlassen. Karl Olsberg hat das auf die Spitze getrieben und zeigt eine sehr wahrscheinliche Möglichkeit, leider mit einigen Längen.

Gun Street Girl – Adrian McKinty:
Anstandslos reihe ich mich in die Lobeshymnen ein, die man zu McKintys Serie um den “katholischen Bullen” Sean Duffy, lesen kann. Auch mit Gun Street Girl hat er mich hervorragend unterhalten und fast ist es schon schade, dass ich nun bei “Rain Dogs”, dem neuesten Teil, angelangt bin, denn danach hab ich ja keinen Sean Duffy Puffer mehr….

IQ – Joe Ide:
Gute Idee, aber ich habe mit der Umsetzung gehadert. Es waren nämlich zwei Geschichten mit gleichem Gewicht: der aktuelle Fall von Isaiah Quintabe und Isaiahs Vergangenheit. Gespickt noch mit ein paar anderen Perspektiven und schon war mein Lesefluss irgendwie gestört. Ein zweiter Fall, falls vorhanden oder in Planung, könnte aber besser sein – das Thema Vergangenheit ist ja nun abgehakt, und… wer einen Granatwerfer im Kofferraum mit sich herum fährt, hat bei mir einfach ein Stein im Brett.

Mila – Matteo Strukul:
Eigentlich war das ein Film. Oder halt ein Drehbuch. Natürlich für einen Actionfilm. Viel Gewalt, wenig Hintergrund/Tiefe, die auch die traurige Geschichte der Protagonistin nicht herausholen konnte. Aber ganz unterhaltsam für einen Nachmittag.

Das dunkle Schweigen – Wolfgang Schorlau:
Ich mag Dengler. Der erste Teil hat mir sehr gut gefallen, dieser hier nicht mehr ganz so gut, aber immer noch recht gut. Vielleicht bin ich einfach ein wenig genervt, dass es, wenn es um ein dunkles Geheimnis geht, immer etwas mit dem 2. Weltkrieg zu tun hat. Muss doch auch noch was anderes geben in der Geschichtsschreibung, was Stoff für Geheimnisse liefert – oder?

Im Sommer der Mörder – Oliver Bottini:
Zugegeben fand ich es ein wenig anstrengend Louise Boni nach ihrer Entziehungskur zu erleben, aber ich muss auch zugeben, dass es sehr authentisch geschrieben war. Spannend war es trotzdem – und sehr überraschend. Oder wie erklärt Ihr Euch, dass man mit Jugoslawien startet und in Pakistan landet?

Das Jahr des Falken – Jo Walton:
Endlich der letzte Teil der Trilogie! Man muss erwähnen, dass der dritte Teil nur noch wenig mit Krimi zu tun hat, dafür aber eine beklemmende Alternativwelt zeigt, in welcher der Faschismus in fast ganz Europa fest Fuß gefasst hat. Ein würdiger Abschluss!

Fünf schräge Vögel – Donald E. Westlake:
Was eine skurrile Jagd nach dem Balabomo-Smaragd – ein tolles Buch um Dortmunder, den Dieb und Mastermind, der mit 4 anderen das religiöse Od eines kleinen afrikanischen Staates klaut. Und klaut. Und klaut. Und….
Hoffentlich wird die Übersetzung der Reihe fortgesetzt….

Zu “Die Stunde der Entführer” von Robert Wilson und zu “Suff und Sühne” von Gary Victor findet ihr die Rezensionen hinter den Links.

Was gab es sonst noch im März?

Derweil alle anderen… na ja, zumindest einige, auf der Leipziger Buchmesse waren, hab ich ein Alternativprogramm gestartet. Neben der Lesung von Gary Victor, für die ich mich nach Mainz begeben habe, hatte ich Bloggeburstag und habe dazu ein paar Mini-Interviews mit Autor*innen vorbereitet und veröffentlicht. Mit dabei waren:
Lawrence Block
Anne Goldmann
Gary Victor
Jo Walton
Und vor zwei Tagen habe ich tatsächlich noch ein weiteres Interview erhalten. Der Autor hatte mir schon zugesagt, aber erwähnt, dass er gerade im Stress ist und es wohl ein wenig dauern würde. Nichtsdestotrotz – jetzt ist es da. Und diese Woche werde ich mich dann an die Übersetzung machen und es auch Euch zur Verfügung stellen. Ihr könnt Euch also schon mal vorfreuen!

Und nun noch einen kurzen Blick in den April. Nach dem Buchmesse-Monat März sieht es im April in der Tat ein wenig mau aus. Zumindest für mich. Der Unionsverlag veröffentlicht weiterhin James McClure und vervollständigt nach und nach die Reihe, doch ich fange dann erst mal mit Teil 1 an, auch von Ken Bruen gibt es neues im Polar Verlag, doch mir hat es diesen Monat das folgende Buch angetan:


Apostolos Doxiadis – Des Menschen Wolf
Inhalt: Ben Frank hat Blut an seinen Händen. Bei einer Kneipenschlägerei tötet er den Sohn des berüchtigten Mafiabosses Tonio Lupo. Und dieser sinnt auf Rache: Auch Franks Söhne sollen in dem Alter ermordet werden, in dem sein Sohn starb. Schicksal, Zufall, bewusste Entscheidungen: ein spannender Rache-Thriller über die Frage, wie wir dem Tod ein Schnippchen schlagen können.

Al, Nick und Leo Frank sind sich keiner Schuld bewusst. Doch der vom Tode gezeichnete Mafiaboss nimmt seine Rache ernst: Er setzt einen Profikiller auf die drei Brüder an, der sie umbringen soll, sobald sie 42 Jahre alt sind. Während Al sich durch Reichtum zu schützen sucht, flüchtet Nick in den Glamour von Hollywood, um sich unverwundbar zu machen. Nur der jüngste Bruder Leo ist noch zu klein, um von dem Fluch zu erfahren, und führt zunächst ein unbeschwertes Leben. Aber auch für den Profikiller stellt sich die Frage, wie er leben soll, bis seine Opfer ihr entsprechendes Alter erreicht haben.
Mein Kommentar: Schon das Cover ist genial, die Beschreibung hört sich nach einem Gemisch von Alt-Bekanntem und Neuem an – ich bin schon gespannt!

Worauf freut Ihr Euch denn im April?


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Freund oder Feind: Suff und Sühne – Gary Victor


Gary Victor – Suff und Sühne
Verlag: Litradukt
Übersetzer: Peter Trier
160 Seiten
ISBN: 978-3940435200

 

 

 

Endlich ist er da – der neue Krimi mit Inspektor Azémar! Sehnlichst von mir erwartet, nachdem mir die beiden ersten Teile „Schweinezeiten“ und „Soro“ so gut gefallen haben. Was soll ich sagen? Ich bin wieder höchst zufrieden – Azémar zeigt sich von seiner besten Seite, auch wenn er angeschlagen ist. Der Voodoo hat es diesmal nicht mehr als Untertitel auf das Cover geschafft und nicht nur, dass er deutlich weniger in diesem Teil zutage tritt, sondern er ist auch nicht mehr ungewöhnlich. Er gehört einfach zu Haiti, zu Azémar, zum Krimi. Und doch gibt es etwas Ungewöhnliches, denn Azémar versucht, dem Soro zu entkommen.

Dieuswalwe Azémar macht tatsächlich eine Erziehungskur. Erzwungenermaßen. Begleitet von Geistern und Halluzinationen durchlebt er die Hölle und versucht den Kampf gegen den Soro zu gewinnen, als eine junge Brasilianerin seine Wohnung stürmt und ihn beschuldigt ihren Vater,  General Racelba von der MINUSHTA (das Kommando der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti) getötet zu haben. Zum Beweis wirft sie ihm Fotos hin, die tatsächlich ihn, Inspektor Dieuswalwe Azémar zeigen, wie er dem General eine Waffe an den Kopf hält und abdrückt. Azémar kann sich nicht erinnern und streitet alles ab, doch die Fotos erzählen eine andere Geschichte. Fälschungen? Fotomontage? Wie kann es sein, dass Fotos ihn dabei zeigen, wie er einen guten Mann erschießt und er sich nicht daran erinnern kann? Bevor er dazu kommt, das Missverständnis auch nur ansatzweise aufzuklären – oder es zumindest versuchen – stürmen einige brasilianische Soldaten seine Wohnung und erschießen die junge Frau, derweil Azémar es gerade noch gelingt zu fliehen.

Azémar befindet sich in „Suff und Sühne“ auf der Flucht und versucht gleichzeitig hinter das Geheimnis der Fotos zu kommen. Gar nicht so einfach, denn die Entziehungskur macht ihm zu schaffen. Halluzinationen strömen durch ihn hindurch, einschneidende Erlebnisse seiner Vergangenheit verursachen Alpträume. Azémar hat schon getötet, doch nie aus Rache, immer nur, um dem Land, den Leuten, Haiti Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Als einer der wenigen oder gar als einziger ehrlicher Mann im Polizeidienst.

„Hatte er Zorn empfunden, wenn er getötet  hatte? Ja, oft. Einen unpersönlichen Zorn. Wenn er tötete, tat er es für andere, für diejenigen, die sich von all den Folterknechten, den Betrügern, Flibustiern und Schurken befreien wollten, von denen dieses Land verseucht war. Beinahe wäre er in Gelächter ausgebrochen. Er suchte auch noch nach einer Rechtfertigung für seine Verbrechen. Er war verdammt.“ (S. 44)

Doch nachdem sein Wohltäter und Beschützer Kommissar Solon nicht mehr da ist, hat er einen neuen Vorgesetzten: Kommissar Dulourd. Und der will ihn erst mal aus dem Weg schaffen und verordnet ihm die Entziehungskur, die ihm so viel Leid verschafft. Doch auch Azémar erkennt, dass eine Enziehungskur ihm helfen würde  – das heißt aber noch lange nicht, dass der Soro nicht lockt.

In diesem angeschlagenen Gemütszustand muss Azémar das Geheimnis um die Fotos klären. Eine verzwickte Sache, denn die Fotos zeigen nun mal wirklich ihn, es ist keine Fotomontage. Doch der Mord an dem General wurde als Selbstmord zu den Akten gelegt. Wer hat hier etwas gedreht? Azémar wühlt sich durch politisches Sperrgebiet. Die UN kommt nach Haiti um zu helfen, doch oftmals wandeln sich die Helfer in die nächsten Raubtiere, die dem Land und der Bevölkerung schaden. Die Eliten der Insel, die Staatsmacht kriegen sie in ihre Finger und korrumpieren sie. Doch General Racelba war einer der wenigen, der Gutes im Sinne hatte – warum hätte Azémar ihn also töten sollen?

Verwoben ist der Fall natürlich – und ohne geht es gar nicht – mit dem Land, den Leuten und der Politik. Haiti befindet sich, einige Jahre nach dem zerstörerischen Sturm, immer noch nicht im Normalzustand. Flüchtlingslager und Notunterkünfte sind zu Wohnvierteln geworden, die Hilfskräfte immer noch präsent, wenn auch nicht immer zur Hilfe und Unterstützung derjenigen, die sie benötigen. Die Reichen im Land halten ihren Reichtum und beuten die Armen auch noch aus. Der Reichtum ist hier so elementar falsch verteilt, dass es an ein Wunder grenzt, dass das Land noch irgendwie funktioniert. Die Menschen leben im Elend und für sie ist das mittlerweile Alltag. Die Menschen sind verzweifelt, aber nicht am Ende. Irgendwie geht es wohl immer weiter. Es ist ein Land, geknebelt von seinen Reichen und Führern, dass sich kaum mehr bewegen kann. Korruption und illegale Geschäfte bestimmen die Gesellschaft.

„So funktionierte das Land. Eine Stufenleiter, auf der in endloser Folge einer vor dem anderen niederkniete und gefickt wurde.“ (S. 67)

Und doch gibt es Hoffnungsschimmer. Das diese allerdings ausgerechnet von einem Verbrecher ausgehen ist seltsam, aber doch auch ein wenig romantisch. Raskalnikow ist einer der Bandenchefs auf Haiti, der sich einen harten Ruf erworben hat, aber gleichzeitig Essen unter den Armen verteilt – eine Art haitianischer Robin Hood. Ihm wird vorgeworfen, den Sohn eines Industriellen entführt zu haben – doch war er es wirklich? Was steckt hinter Raskalnikow – und vor allem, wer ist er? Literarisch bewanderten Menschen wird der Name etwas sagen, doch ich persönlich musste ein wenig nachschlagen, auch wenn der Autor hier ein, zwei Tipps gibt. So hat sich der Verbrecher nach der Hauptfigur aus Dostojewskis Roman „Schuld und Sühne“ benannt, die auch davon überzeugt ist, über dem Gesetz zu stehen und nobler als andere Menschen zu agieren. An dem Roman hat der Autor auch seinen Titel angelehnt und aus der Schuld den Suff geformt. Man muss nun aber kein Kenner Dostojewskis sein, um den Krimi zu genießen, also keine Sorge.

Wie ich es nicht anders erwartet habe, hat mir der neue Teil um Inspektor Azémar wieder außerordentlich gut gefallen. Die Kombination aus spannendem Fall in der haitianischen Umgebung ist einfach unglaublich faszinierend. Haiti ist so weit weg und doch ist man mit der Lektüre mittendrin. Mitten im Dreck und der Hitze, zwischen bettelarmen Schluckern und parfümierten Reichen, die sich keiner Schuld bewusst sind. Doch die Korruption reicht bis weit in die unteren Ränge, es scheint so, als könnten nur wenige dem Vorteil, den sie sich davon versprechen, entkommen. In diesem Land eine ehrliche Haut zu sein, erfordert viel Mut. Inspektor Azémar braucht davon nun eine ganze Menge, denn der Soro wird ihm nicht mehr weiterhelfen… Oder?

Fazit:
Gary Victor ist es wieder gelungen, mich mit Haiti und seinem Inspektor Azémar in den Bann zu ziehen. Bildgewaltig, schonungslos und fesselnd!


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Interview – Jo Walton

Nachdem ich kürzlich den letzten Teil der Trilogie um Inspector Carmichael “Das Jahr des Falken” gelesen habe, kann ich behaupten, dass die Trilogie wirklich alles bietet, was ich mag: Krimi, Thriller und dystopischer Science Fiction Roman. Was läge als ferner als Jo Walton, die Autorin der drei Bücher, um ein Interview zu bitten?

Deutsche Version:

 1. Du bist definitv eine Fantasy und Science Fiction Autorin – warum hast Du den Krimi als Mittel gewählt, um eine alternativen Verlauf der Geschichte zu zeigen?

Ich habe bemerkt, dass Cosy Krimis zeigen, wie gewaltsame Tode in das alltägliche Leben eindringen, aber immer noch “cosy” (gemütlich) sind, mit Tee in der Bibliothek und Kuchen neben dem Kamin. Ich dachte, es wäre interessant, diese Techniken auszuborgen, um über Faschismus zu schreiben; um sich an das Thema anzuschleichen. Science Fiction als Genre benutzt alle Arten von Geschichten und es gibt massenweise Science Fiction Krimis. Und ich dachte mir, es macht bestimmt Spaß einen äußerst ausgeklügelten Kriminalfall zu schreiben, der in einem Landhaus spielt und viele Verdächtige aufweist, und damit diese leicht geänderte Welt darzustellen.

 2. In jedem Teil der Trilogie folgt der Leser Carmichael, aber auch einem Mädchen: Lucy im ersten Teil, Viola im zweiten und Elvira im letzten Teil. Wie wichtig war es für Dich, zwei Perspektiven zu haben?

Sehr wichtig. Es hat mir verschiedene Betrachtungswinkel auf die Geschichte erlaubt. Farthing (Die Stunde der Rotkehlchen) ist ein Cosy Krimi, Ha’Penny (Der Tag der Lerche) ist ein Thriller, und Half a Crown (Das Jahr des Falken) ist eher ein dystopischer Science Fiction Roman, aber alle haben die gleiche Formel. In allen drei Büchern habe ich eine sehr offene, direkte, weibliche Perspektive, welche mit der sehr nahen, verschlossenen Perspektive von Carmichael, welche in der dritten Person ist, kontrastiert. Und Carmichael ist exakt so geschrieben, wie Cosy Krimis geschrieben werden, aber er hat ein Geheimnis, welches allerdings kein Geheimnis für den Leser ist. Durch die zwei Perspektiven konnte ich den Leser mehr wissen lassen, als die Protagonisten wissen.

 3. Der letzte Teil der Trilogie, Half a Crown (Das Jahr des Falken), hat den Krimifaktor verloren, um die alternative Geschichtsschreibung zu zeigen, 10 Jahre nach dem ersten Teil. Wie schwierig war es, über 10 Jahre Geschichte in einem faschistischen Europa nachzudenken? Und warum genau hast Du Irland zum leuchtenden Stern in diesem Dunkel gemacht?

In der Tat sehr schwierig. Ich habe massenweise recherchiert für Half a Crown (Das Jahr des Falken), ich habe so viel über die Geschichte der Dreißiger und Vierziger gelesen und was in den Fünfzigern wirklich passiert ist und habe dann ausgearbeitet, was hätte passieren können. Es hat ewig gedauert. Mit Spanien habe ich mich näher beschäftigt, denn Franco ist an der Macht geblieben und was während Francos Herrschaft passiert ist, war, was ich mit dem Ende der Trilogie gemacht habe. Und die Sache mit Irland – im Zweiten Weltkrieg ist Irland neutral geblieben, weil sie Großbritannien mehr hassten als alle anderen. Viele irische Männer und Frauen verließen Irland und traten den Alliierten bei. Männer gingen zu den britischen Streitkräften oder später zu denen der USA, Frauen fuhren Ambulanzen oder arbeiteten in Munitionsfabriken usw. Es gibt da die Geschichte von Anne De Courcy – Debs in the War – über eine irische Frau, die während der deutschen Luftangriffe in London eine Ambulanz gefahren ist und als sie ein Wochenende nach Hause gefahren ist, musste sie weinen, als sie einen Korb voller Eier sah, denn in England waren die Eier rationiert und es gab nur eines pro Woche, aber Irland hat kein Essen geliefert. Die irische Regierung blieb neutral und hat auch den Handel mit den Nazis aufrecht erhalten. Aber es basierte auf  nichts anderem als ihrem Hass auf Großbritannien. Und das habe ich weiterentwickelt – wenn Großbritannien sich mit Hitler verbündet hätte, dann wäre Irland anti-faschistisch geworden mit genau dem gleichen Grund. Britische Juden, die in De Valeras Irland fliehen wären genauso wie europäische Juden, die in Francos Spanien fliehen, was sie auch wirklich getan haben.

 4. “The Small Changes Series” (Inspector Carmichael Serie) wurde als Trilogie veröffentlicht und hat nun einen guten Abschluss gefunden. Gibt es Pläne dafür, Carmichael irgendwann in der Zukunft als Privatdetektiv wieder auftauchen zu lassen? Oder war das Dein einziger Ausflug in das Krimigenre?

Als Autorin wird mir schnell langweilig und drei Bücher scheint mir mein absolutes Maximum zu sein, welches ich in einer Welt verbringen möchte. Außerdem, und ich bin sicher, Du kannst das verstehen,  habe ich die Faschisten satt. Also werde ich definitiv nicht mehr davon schreiben.

Abschließend bin ich noch daran interessiert zu erfahren, ob Du einen Lieblingskrimi hast – besonders, da Du ja nicht auf Krimis spezialisiert bist.

Da gibt es so viele! Im Bereich Cosy Krimi liebe ich Josephine Tey und Dorothy Sayers. Ruth Rendell, Donald Westlake und Sarah Caudwell gehören zu den moderneren Autoren, die ich liebe. Wenn ich eines als Favoriten herauspicken müsste, wäre das vermutlich Teys „Miss Pym Disposes“ (Tod im College), aber wenn Du mich morgen fragst, nenne ich vermutlich wieder ein anderes.

Original Version:

1. You are definitely a fantasy and science fiction writer – why have you chosen the setting of a mystery to show your alternate history?

I noticed how cosy mysteries are actually about the intrusion of violent death into everyday life, but how they are still “cosy”, with tea in the library and crumpets by the fire. I thought it would be interesting to borrow those techniques to write about fascism, to sneak up on it. Science fiction as a genre can use any shape of story, and there have been plenty of SF mysteries, and I thought it would be fun to write that kind of over-elaborate murder with too many suspects and a country house, and use that to show a slightly changed world.

2. In every novel of the trilogy the reader follows Carmichael and one girl: Lucy, Viola and Elvira. How important was it for you to have alternating perspectives?

Very important. It let me get different angles on the story. Farthing is a cosy mystery, Ha’Penny is a thriller, and Half a Crown is much more dystopic SF, but they all have that same formula. In all of them I have a very open immediate female point of view, contrasting with the very closed closeted third person Carmichael. And Carmichael is written exactly the way cosy mysteries were written, but he’s got secrets that are not secret from the reader. By using both perspectives I could have the reader know things neither of the protagonists knows.

3. The last part of the trilogy “Half a Crown” is losing the mystery moment to show the alternate history ten years ago from the first part. How difficult was it to think about 10 years history in a fascistic Europe? And what thought went straight through your mind you to keep Ireland the glowing star in the dark?

Very difficult indeed. I did masses of research for Half a Crown, reading so much history of what happened in the thirties and forties and what happened in the real fifties, and working out what would have happened. It took forever. Spain was what I was looking at very closely, because Franco stayed in power, and what happened after Franco was what I was doing with the end there. With Ireland — in WWII Ireland stayed neutral, because they hated Britain more than anybody else. Lots of individual Irish people of both genders left Ireland and joined the Allies, men signing up either in the British forces or later with the US, women driving ambulances and working in munitions factories etc. There’s a story in Anne De Courcy’s “Debs in the War” about an Irish woman who had been driving an ambulance in the Blitz going home for a weekend and crying when she saw a basket of eggs, because in England the ration was one egg per week, but Ireland wouldn’t ship the food. The Irish government stayed neutral and even kept on trading with the Nazis. But it wasn’t based on anything but hating Britain. And I just extrapolated that forward — if Britain had allied with Hitler in 1941, then Ireland would have become anti-fascist, for exactly the same reason. British Jews escaping to De Valera’s Ireland would have been like European Jews escaping to Franco’s Spain as they really did.

4. “The Small Changes Series” has been published as a trilogy and also received a quite good end. How about reviving Carmichael as private eye some day in the future? Or was it the first and last try for you writing a mystery?

As a writer I get bored easily, and three seems like the absolute maximum number of things I want to write in any one world. Also, I’m sure you can understand that I am sick of fascists. So I’m definitely not going back to write more.

Finally I’m interested to know if you do have a favourite crime fiction novel – especially as you are not a dedicated crime fiction writer.

There are so many! In cosy mysteries I love Josephine Tey and Dorothy Sayers. In more modern writers I love Ruth Rendell, Donald Westlake, Sarah Caudwell. If I have to pick one favourite it would probably be Tey’s “Miss Pym Disposes”, but if you asked me another day I might say something different.


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Interview – Gary Victor

Auch wenn ich letzte Woche beider Lesung von Gary Victor war, war der Termin lange unklar für mich, so dass ich meine Interviewfragen per Email an Peter Trier, den Übersetzer und Herausgeber von Victors Krimis, gesendet habe. Freundlicherweise hat er sich bereit erklärt, diese ins Französische zu übersetzen – und natürlich auch die Antworten.

 

 1.    Wir leben in einer globalisierten Welt. Jeder in Deutschland hat  mitbekommen, dass Haiti nach dem Erdbeben schwer zu kämpfen hatte.  Doch hier in Deutschland ist das trotz aller Globalisierung weit  entfernt. Haiti hat immer noch schwer zu kämpfen – nicht nur mit den  Folgen des Erdbebens, sondern auch mit einer politisch instabilen Lage  und reichen Nutznießern. Sie bringen ihr Land den Lesern auf spannende  Weise näher und deuten auf Missstände hin – durch einen Krimi. Absicht  oder Kalkül?

Ich verfolge mit meinem Schreiben keine konkreten politischen Ziele. Was mich interessiert, sind bestimmte Situationen oder Motive. Das Thema bestimmt das Genre. Zu diesem Krimi wurde ich durch einen echten Fall angeregt: Ein brasilianischer General des UN-Kontingents in Haiti wurde tot aufgefunden. Angeblich ein Selbstmord, was aber von vielen bezweifelt wird. Wenn man die Realität beschreibt, kommt man nicht daran vorbei, von Missständen zu sprechen, aber ich erfinde keine Geschichte mit dem Ziel, Misstände aufzuzeigen, sie sind einfach da.

 2.    Inspector Azémar auf Entziehungskur – war dies eine Herausforderung?

Natürlich. Einen Entzug habe ich glücklicherweise nicht selbst erleben müssen, ich musste mich darüber informieren. Diese Situation hat mich aber gereizt, da sie mir erlaubt, das Unterbewusste des Inspektors zu erkunden.

 3.    Wenn Sie einen Wunsch für ihre Heimat, Haiti, frei hätten, welcher  wäre das?

Eine funktionierende, nicht korrupte Regierung und Verwaltung.

 Zusätzlich hätte ich gerne noch diese Kleinigkeit beantwortet: Was ist Ihr Lieblingskrimi?

Die Krimis von Chester Himes.