Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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A bis Z: Orphan X – Gregg Hurwitz


Gregg Hurwitz – Orphan X
Verlag: HarperCollins
Übersetzer: Mirga Nekvedavicius
464 Seiten
ISBN: 978-3959671026

 

 

 

 

Orphan X wurde als Waisenkind von der Regierung heimlich als Auftragsmörder ausgebildet. Sein Ausbilder Jack fügt den zu lernenden Regeln aber einige hinzu und so kommt es das Orphan X sich eines Tages von der Regierung abwendet und private Aufträge annimmt. Er hilft Menschen, die in Situationen geraten, aus denen sie sich nicht mehr selbst befreien können. Sein mittlerweile wichtigstes Gebot hierbei ist das Zehnte: Lasse niemals einen Unschuldigen sterben.

Orphan X nennt sich nun Evan Smoak, lebt abgeschottet und einzig auf Sicherheit bedacht in einem Apartmenthaus und sein nächster Auftrag kommt von einem Mädchen, dass von einem korrupten Cop bedrängt wird. Überraschenderweise ist dieser Auftrag, der auf dem Klappentext erwähnt wird, ziemlich schnell abgehandelt und man fragt sich kurz: was nun? Doch schon kurz darauf erhält er einen Anruf, einen nächsten Auftrag. Viel zu früh in Evans ausgeklügeltem System und Evan ist zu Recht misstrauisch.

Leider gibt es dann einen Abschnitt, der ein wenig zäh ist. Evan taucht in seine Vergangenheit ab und in Rückblenden erlebt man Teile seiner Ausbildung, während im Hier und Jetzt Zweifel durch seine Gedanken streunen. Doch zum Glück kommt er nicht lange dazu, denn die Ereignisse überschlagen sich und er muss alles tun, um seine Auftraggeberin Kathrin zu schützen. Durch sein auf Sicherheit bedachtes System gelingt es ihm immer wieder Pausen für sich und Kathrin herauszuschlagen, doch die Gegenseite ist nicht nur genauso gewitzt, sondern fast schon einen Ticken besser und es wird schwieriger und schwieriger. Und vor allem wird es immer schwieriger für Evan herauszufinden, wem er trauen kann.

Ich wollte mal wieder einen Thriller lesen und ja, ich fand ihn gut. Richtig passend. Es gab eben mal kurz diese Länge als der erste Auftrag erledigt ist, doch auch die Rückblenden haben ihren Sinn, wenn sich dieser natürlich auch erst später ergibt. Das Orphan Programm bietet neben X noch viele weitere Buchstaben und so ist auch klar, dass das Buch der erste Teil einer Reihe ist, auch wenn man nach und nach merkt, welche Schnüre im Hintergrund gezogen werden.

Natürlich ist Evan aka Orphan X bestens in allem ausgebildet, einzig mit alltäglichen Dingen hat er seine Schwierigkeiten, sei es die Eigentümerversammlung im Apartmenthaus oder Small Talk im Aufzug. Auch der kleine Nachbarsjunge mit seiner hektischen, alleinerziehenden Mutter bringt ihn immer wieder in – für ihn – ungewöhnliche Situationen. Hier beschert das Buch sogar einige Situationen, die zum Schmunzeln anregen. Natürlich ist der „Orphan“ ein kleiner Kampfroboter und es gibt sehr viel Action in diesem Buch, plus Verletzungen, die ihn aber natürlich nur unwesentlich beeinträchtigen. Nichtsdestotrotz hat er sehr viele Zweifel und da er sich von seinem ehemaligen Arbeitgeber losgesagt hat, steht er allein da. Keiner kann ihm Rat bieten und selbst wenn, würde Evan ihm wohl nicht vertrauen. Ob wohl einer kleiner Junge es schafft, diesen Wall zu durchdringen?

Fazit:
So wie man einen Thriller mag: Viel Action und Spannung, geheime Verwicklungen im Hintergrund, ein paar Kleinigkeiten zum Schmunnzeln und einen Helden, den so schnell nichts umhaut. So soll es sein!


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Monatsrückblick Juli 2017

Was bisher geschah….

Heute bin ich mal richtig glücklich. Also zumindest jetzt gerade. Und soll ich Euch sagen warum? Weil ich gerade eben den Stapel gelesener Bücher für den Juli von A nach B transportiert habe und er war so riesig, dass er mir fast aus den Händen gefallen wäre. Jaaaa!
Der ganze Monat Juli war gut, denn ich hatte Urlaub und hab ein paar aktive, aber trotzdem sehr lauschige Tage in Irland verbracht. Und natürlich war ich, wie immer, mit einem guten Buch unterwegs. Aber auch so hatte ich noch ein paar Tage frei und hatte wirklich so richtig Lust ganz viel zu lesen und das hat auch gut geklappt.

Bevor ich nun zu meinen gelesenen Titeln komme, hier noch ein Eindruck aus meinem Urlaub, der Euch alle überreden soll, auch mal nach Irland zu reisen, denn die Landschaft dort ist einfach atemberaubend und man muss das einfach mal gesehen haben. Und natürlich gab es massenweise Schafe…

So, nun aber zurück zum Thema und hier ist nun auch schon das Bild mit massenhaft Büchern:

Zu “Dunkelheit, nimm meine Hand” von Dennis Lehane habe ich ja die Rezension schon veröffentlicht, für die anderen hab ich keine Rezension geschrieben. Wie immer werde ich aber nun versuchen, meine Leseeindrücke in ein, zwei Sätzen zu jedem Titel zusammenzufassen.

Wallace Stroby – Geld ist nicht genug
Ah, wieder ein wunderbarer Crissa Stone Krimi. Die Einbrecherin nimmt sich diesmal – nachdem sie ein paar Geldautomaten geklaut hat – die Millionen eines verstorbenen Mafiabosses vor. Schon klar, dass sie da nicht die einzige ist. Ganz große Spitzenlasse!

Schwedenbitter – Simone Buchholz
Chas Riley mischt in ihrer gewohnt schnoddrigen Art den Immobiliendschungel auf. Na ja, soweit möglich zumindest. Egal – Hauptsache raubeinig und hinreißend zugleich. Chas Riley eben.

Der Mann aus dem Safe – Steve Hamilton (ebook)
Mit zweierlei Rückblenden muss man hier zurecht kommen, aber dann wird man mit einer wunderbaren Krimi über einen Schrankmann belohnt. Einen Safeknacker, einen Jungen mit Begabung. Dessen Leben unweigerlich eine Richtung nehmen muss.

Mitra Devi – Seelensplitter
Nora Tabani langt aber auch immer in die vollen, wenn sie einen größeren Fall abbekommt. Als die Mitarbeiter einer Firma nach und nach sterben – offiziell an übermäßigem Alkoholgenuss – engagiert die Sekretärin Nora, um die Unfälle zu untersuchen. Dabei stößt Nora auf eine Hexe… und ein paar Andere. Und wieder gelingt es der Autorin mich mit der Auflösung total zu überraschen. Toll!

Christine Lehmann – Pferdekuss
Ja, wie? Lisa Nerz als Pferdenärrin? Und wie, die war schon mal verheiratet und ihr Mann ist gestorben? Dieser Band offenbart ganz viel über Lisa und zeigt nebenbei noch das Geschäft mit den Pferden, mit der Zucht und mit der Familie. Lisa macht mal wieder gekonnt die Pferde scheu.

Juli Zeh – Corpus Delicti
Wie schade… ich wäre gerne begeisterter von diesem Zukunftsroman. Eine Gesellschaft, die von der Erhaltung der Gesundheit diktiert wird. Ein System, welches Fehler hat, auch wenn  das keiner sehen will. Alle bis auf ein Geschwisterpaar. Es kommt zur Gerichtsverhandlung. Doch diese sowie die Gespräche in Freiheit aber auch im Gefängnis sind sehr philosophisch und ergehen sich in Fragen, warum ich bin und wer ich bin. Ach, einfach ein wenig langwierig zum Lesen.

Wolfgang Schorlau – Fremde Wasser
Die Tante einer Abgeordneten hat zwar kein Geld, aber reichlich Bedenken am angeblichen Herztod der Anverwandten, so dass Dengler in seinen nächsten Fall schlittert. Diesmal geht es um das knappe Gut Wasser und ich muss sagen, erschreckend. Erschreckend, wenn das, was Herr Schorlau hier aufbringt, der Wahrheit entspricht. Schindluder wird mit der wichtigsten Ressource der Erde getrieben. Und leider, leider liegt es Herrn Schorlau gar nicht, Unwahrheiten zu verbreiten. Brr!

Adrian McKinty – Rain Dogs
Würde sich Sean Duffy nicht selbst wundern, wie er in seiner Karriere nun schon auf das zweite Locked-Room-Mystery treffen kann, wäre es unglaubwürdig. So aber schafft es der Autor abermals einen kleinen Geniestreich abzulegen. Gerne weiter so – ich hoffe, das Niveau kann von Herrn McKinty gehalten werden.

Mike Nicol – Bad Cop
Joah… spannend war es. Ein Surfer als Privatdetektiv, nun das ist nichts neues, nichtsdestotrotz war der Fall ganz spannend. Eben ein wenig südafrikanisch, mit Elfenbein und Safaris. Leider hat die Handlung des Klappentextes erst nach ca. 200 Seiten angefangen… wie ich das hasse.

Monika Geier – Wie könnt ihr schlafen
Bettina Boll in ihrem ersten Fall, quasi wie alles begann. Bettina ist noch Böllchen und wird in die Provinz geschickt, zu einem ausgegrabenen Skelett. Aber wäre ja nicht Boll, wenn sie das nicht hinkriegen würde. Ganz wunderbar ist Bettina Boll, schon zeitweise mit Anhang und sogar noch ein wenig sanft und geschmeidig, um dann wieder störrisch und spröde zu werden.

Joe R. Lansdale – Gekreuzigte Träume
Natürlich ist mir der Festa-Verlag ein Begriff, auch wenn ich noch kein Buch des Verlages gelesen habe. Bis jetzt, denn die Kurzgeschichtensammlung von Lansdale, die zudem nur in limitierter Zahl erschienen ist, musste ich natürlich haben. Ich hab noch nie so viele abgedrehte Stories mit so vielen Schimpfwörtern gelesen. Der Wahnsinn – im Fernsehen würden diese Geschichten nur noch aus Pfeifen bestehen. Von Elvis, der gegen eine Mumie kämpft, über mehr oder minder gewöhnliche Mörder über wandelnde Tote bis zur Vorgeschichte zu “Drive-In” – gewürzt mit der derbsten Sprache, die ich je gelesen habe.

Nathan Larson – Boogie Man
Der zweite Teil der Trilogie hat mir leider nicht so gut gefallen. Ich fand ihn sehr wirr – oder ich hab einfach die Hälfte der Andeutungen nicht verstanden. Aber da geht es mir ja wie der Hauptfigur, Dewey Decimal. Mal sehen, welchen Abschluss der dritte Teil dann bringt.

 

Was gibt es Neues im August?

War ich doch tatsächlich mal wieder letztes Wochenende in einer Buchhandlung. Eigentlich in zweien. Das aber nur, weil ich in der ersten, nachdem ich nach zwei Titeln gefragt habe, ein entsetztes “Die sind ja grad erst erschienen!” gehört habe und mir gerade noch verkneifen konnte zu fragen, ob ich statt in einer Buchhandlung im Antiquariat gelandet bin. Nun ja, egal, denn Buchhandlung Nummer zwei hat mich dann glücklich mit 6 neuen Titeln und einigen Euronen weniger wieder ausgespuckt. Übrigens mit den zwei gerade erst erschienenen Titeln… aber lange Rede kurzer Sinn, denn jetzt wollen wir ja erst mal in den August reinsehen, in dem mir doch ein leichter Suhrkamp Überschuss auffällt….


Harte Landung – Ellen Dunne
Inhalt: Patsy Logan, 38, deutsch-irische Kommissarin beim Münchner LKA, ermittelt in einem angesagten Online-Unternehmen. Schnell zieht der Fall immer weitere Kreise, der mediale und interne Druck ist enorm. Und auch Patsys Privatleben gerät zunehmend in Schieflage …
Carolin Höller, Top-Managerin bei der erfolgreichen Online-Tauschbörse Skiller, hat alles: Musterkarriere. Musterehe. Musterkinder. Bis man sie unterhalb ihres Bürofensters tot auffindet. Schnell ist klar: Sie ist nicht freiwillig gesprungen. Immer tiefer gräbt sich Patsy in Carolins Leben und die Strukturen von Skiller, stößt auf Lügengebäude und hohle Fassaden. Erst recht, als man sie ins Skiller-Hauptquartier nach Dublin schickt. Ausgerechnet in die Stadt, um die sie seit dem Selbstmord ihres Vaters einen großen Bogen macht. Kein gutes Omen. Und prompt überschlagen sich die Dinge …
Mein Kommentar: Wie schön – ich darf literarisch bald wieder nach Irland reisen. Und etwas von Ellen Dunne wollte ich sowieso schon lange mal lesen!

 

 

 

 

William Boyle – Gravesend (auf der Homepage vom Polar Verlag noch nicht ersichtlich)
David Whish-Wilson – Die Ratten von Perth
Dave Zeltserman – Small Crimes
Carola Dunn – Miss Daisy und der Tote auf dem Eis
Louise Mey – Das Spiel mit der Angst
James Lee Burke – Flamingo

Der August kann sich wirklich sehen lassen! Ob nun “Small Crimes” erscheint? Wer weiß, noch ist “Smonk” auch nicht erschienen, wenn ich das richtig sehe. Ja, und Miss Daisy musste ich einfach erwähnen – so mit einem verklärten Blick in meine Lesevergangenheit. Diese Reihe habe ich vor Jahren (Jahrzehnten?) gelesen – ob sie mir heute noch gefallen würde, bezweifle ich, aber ich habe sie in guter Erinnerung.

 

Und wie sieht es mit Euren Wünschen für den August aus? Welche Bücher sind auf Eurer Liste?

 

P.S.: Als ich die gelesenen Bücher gerade wieder weggeräumt habe, sind sie mir doch tatsächlich alle vom Arm gesprungen… tz tz tz….


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Verwirrspiel: Dunkelheit, nimm meine Hand – Dennis Lehane


Dennis Lehane – Dunkelheit, nimm meine Hand
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Peter Torberg
510 Seiten
ISBN: 978-3257300437

 

 

 

 

Es gibt einen freudschen Stolperer, den ich schon beim ersten Teil der Reihe „Ein letzter Drink“, gemacht habe und wie eine liebenswürdige Angewohnheit beibehalten habe. Für mich werden die Protagonisten wohl weiterhin McKenzie und Gennaro heißen, auch wenn der Autor das „Mc“ nicht eingebaut hat und der männliche Teil des Privatdetektivduos einfach nur Patrick Kenzie heißt. Ich finde, es passt so gut. Aber lassen wir das mal beiseite, denn ich denke, es wird ein allgemeiner Konsens herrschen, wenn ich hier behaupte, dass die Neuveröffentlichung der Reihe im Diogenes-Verlag wirklich gelungen ist und zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Einzig die Frage, warum das Rückcover nun denn weiß ist und nicht wie der Rest des Buches in schwarz gehalten, bleibt für mich ungeklärt.

Kenzie und Gennaro werden von der Psychologin Diandra Warren um Hilfe gebeten. Jemand bedroht das Leben ihres Sohnes und sie vermutet, dass die Mafia dahinter steckt, da sie einer Patientin geholfen hat, die mit einem Mafioso liiert war. Die Privatdetektive finden schnell heraus, dass die Mafia doch nicht dahinter steckt, doch in Ermanglung anderer Alternativen beginnen sie mit der Überwachung des Sohnes, der ein gleichzeitig langweiliges und doch illustres Leben führt. Als sich die Hinweise verdichten, dass Diandras Sohn nicht der einzige ist, der bedroht wurde und zudem die vorigen Opfer alle sterben mussten, führen alle Spuren zu einem Mann. Doch dieser sitzt seit Jahren hinter Gittern. Wer ist also für die aktuellen Vorkommnisse verantwortlich? Um das herauszufinden, müssen Kenzie und Gennaro diesmal tief in der eigenen Vergangenheit wühlen.

Ich sage es mal ganz schnörkellos: Dennis Lehane ist ein Meister seines Faches. Da mag man den einen Krimi mal mehr, den anderen mal etwas weniger, aber es ist immer eine Freude, einen Krimi von Lehane zu lesen. Er hat dieses gewisse Etwas, gar nicht so literarisch, aber einfach mitreißend zu schreiben und gleichzeitig Charakterzeichnungen und Lebensgeschichten nebenher und nach und nach aufzubauen, so dass man sich am Ende des Buches nur ungern von seinen neuen Freunden trennt.

Und das gelingt ihm nicht nur bei den Hauptrollen, sondern bis in die Nebenrollen sind seine Charaktere grundsätzlich interessant, auch wenn sie noch so langweilig sind. Die Charakterzeichnung ist eben eindringlich und lebendig. Man mag das Buch gar nicht zuklappen – oder eben direkt zum nächsten greifen, um weiter mit Kenzie und Gennaro Fälle zu lösen. Das Ermittlerpärchen wächst einem ans Herz und der Autor lässt einen oft genug bangen, ob das Team Bestand hat. Privat sind die beiden schon seit Kindertagen verwickelt und dennoch kein Paar, doch irgendwie knistert es immer mal wieder zwischen ihnen. Vor allem, da Gennaro sich nun endlich von ihrem prügelnden Mann getrennt hat, aber wie es eben so menschlich ist, ist auch diese Sache noch nicht ausdiskutiert und es knistert weiter gewaltig, wenn auch keinesfalls so sehr, dass der Fall verdrängt werden würde.

Das Spektrum der Handlung ist diesmal weit gefasst. Beginnend mit nervenzerreißenden Gesprächen mit der Mafia folgt eine Phase recht langweiliger Observierung des jungen Warren bis dann nach und nach die anderen Mordfälle auftauchen und der Handlung neuen Schwung verleihen. Leider sind Kenzie und Gennaro irgendwann zur Passivität gezwungen und auch wenn viele Ereignisse das Geschehen auflockern, zeigt es doch ein paar wenige Längen bis dann ein fulminantes Finale erfolgt. Es ist ein Verwirrspiel, dass der Serientäter mit den Protagonisten treibt. Doch auch wenn es ein Auf und Ab in der Ermittlung gibt, bleibt das Buch spannend, so weiß Lehane doch gut mit anderen Dingen aufzufüllen. Er kann es eben. Ein Meister seines Genres, dessen Serie nun in neuem Gewand aufgelegt wird. Sehr gut. Bitte mehr davon!

Fazit:
Auch im zweiten Fall bieten Kenzie und Gennaro grandiose Unterhaltung und eine spannende Ermittlung. Der nächste Teil darf gerne schnell nachgelegt werden!


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Spinnennetz: Die andere Hälfte der Hoffnung – Mechthild Borrmann

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Mechthild Borrmann – Die andere Hälfte der Hoffnung
Verlag: Droemer
310 Seiten
ISBN: 978-3426304839

 

 

 

 

Es gibt Bücher, die liest man so weg und hat sie auch schnell wieder vergessen. Und es gibt Bücher, die liest man so weg und doch bleiben sie hängen, gehen einem nicht aus dem Kopf und stimmen einen nachdenklich. Es gibt auch Krimis, die so sind. Nicht übermäßig viele. Und manchmal muss man diese im Mainstream-Sumpf ausgraben, aber es gibt sie. Und so ein versunkener Schatz ist Mechthild Borrmanns „Die andere Hälfte der Hoffnung“.

Als Bauer Lessmann eines Tages ein halbnacktes, junges Mädchen vor seiner Türe findet, nimmt er sie kurzerhand bei sich auf und beschützt sie vor ihren Verfolgern. Tanja, wie sie sich nennt, ist auf der Flucht vor Menschenhändlern, die sie zur Prostitution zwingen. Sie konnte fliehen, doch ihre Freundin leider nicht. Bauer Lessmann begibt sich auf die Suche, doch er kann nicht ahnen, dass nicht nur diese Suche, sondern auch sein Gast selbst sein Leben grundlegend verändern wird.
Zur gleichen Zeit untersucht Leutnant Leonid Kyjan in einer extra entstandenen Sondergruppe das Verschwinden von Studentinnen, die sich für ein Auslandssemester interessiert haben. Kyjan trifft auch auf Walentyna Schtschukina, deren Tochter zum Arbeiten nach Deutschland gefahren ist, und seitdem nichts mehr von sich hören lässt. Als er in der ukrainischen Polizei an seine Grenzen stößt, macht er sich auf nach Deutschland.

Zugegeben, wenn man den Anfang der Geschichte so liest, ist die grobe Richtung der Kriminalhandlung deutlich abzusehen. Das muss aber nun gar nichts heißen, dann Frau Borrmann kann mit anderen Dingen punkten. Zum Beispiel mit ihrer Sprache. Unaufgeregt und pragmatisch, aber mit Sprachbildern belegt und unglaublich eindringlich. So bekommen vor allem die Erinnerungen Walentynas eine tiefe Bedeutung, die das Buch zu etwas besonderem machen.

Die drei Erzählstränge wechseln sich ab. Man folgt Bauer Lessmann , wie er Tanjas verschleppte Freundin sucht, Leonid, der in der ukrainischen Polizei an Schranken abprallt und sich nach Deutschland aufmacht und Walentyna, die, während sie auf ihre Tochter wartet, ihre Lebensgeschichte aufschreibt. Und meiner bescheidenen Meinung nach, ist die Kriminalhandlung nur der Rahmen um Walentynas Geschichte zu präsentieren. Walentyna erzählt von ihrem Leben, wie es war, in der Ukraine aufzuwachsen, in einem kommunistischen Land. Wie die Vergangenheit ihrer Eltern ihr im Weg steht. Wie sie einen Mann kennen lernt und glücklich wird. In Prypjat haben beide eine Arbeit, sie haben eine Wohnung und ein Auto. Wie das Unglück geschah, wie ahnungslos sie und die anderen waren. Wie die Katastrophe ihr Leben veränderte. Das alles schreibt Walentyna auf, in einem Tagebuch, welches sie für ihre Tochter Kateryna, auf deren Rückkehr sie wartet, zusammen trägt. Sogar in die Entfremdungszone ist sie zurück gekehrt, dorthin wo keiner lebt und doch einige sich wiederfinden. Ein einsamer Ort, ein gefährlicher Ort, doch Walentyna ist alt und einzig die Rückkehr ihrer Tochter macht ihr Sorgen. Melancholisch schreibt sie ihre Erinnerungen nieder, sinnt auch zwischen den Niederschriften darüber nach, denn nicht jedes Stück ihres Lebens fällt ihr leicht niederzuschreiben.

Nun habe ich Walentynas Geschichte in höchsten Tönen gelobt, doch so ganz kann ich die Krimihandlung auch nicht sein lassen. Keine Frage, auch wenn sie keine großen Überraschungen bereit hält, war sie spannend und hat zumindest eine Kleinigkeit, wenn auch recht bedeutsam, vor mir bis zum Schluss verborgen. Eine Kleinigkeit, die diese eh schon gesplitterte Glasscheibe vollends in sich zusammen stürzen ließ. Ein trauriges Ende, ein Ende, über das man noch lange nachdenken kann und wird. Vor allem über Walentynas Geschichte.

Fazit:
Ein Krimi, fein gesponnen wie ein Netz, um Walentynas Geschichte gekonnt zu präsentieren. Spannend, aber vor allem interessant und nachdenklich. Sehr zu empfehlen.


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Gut oder Böse: Bitter Wash Road – Garry Disher

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Garry Disher – Bitter Wash Road
Verlag: Unionsverlag
Übersetzer: Peter Torberg
352 Seiten
ISBN: 978-3293309180

 

 

 

 

Als Verräter und Kollegenschwein abgestempelt landet Constable Paul Hirschhausen, den alle nur Hirsch nennen, in der Polizeistation von Tiverton, im australischen Outback. Ein Ort, an dem man schon vorbei gefahren ist, wenn man zum falschen Zeitpunkt blinzelt. Eigentlich ein ruhiger Job, ab und zu kleine Diebstähle, Streitigkeiten unter Nachbarn oder Alkohol am Steuer. Doch da sind ja noch die Polizisten aus dem übergeordneten Revier aus Redruth. Diese piesacken Hirsch bei jeder Gelegenheit und sind bei der Bevölkerung in und um Tiverton auch nicht sonderlich gern gesehen. Dementsprechend misstrauisch sind auch alle gegenüber Hirsch. Als dann eine junge Frau überfahren am Straßenrand gefunden wird, werden die Leute Hirsch gegenüber noch komischer. Die Tragöde wird herunter gespielt, vertuscht und Hirsch fast schon von den Ermittlungen fern gehalten. Hirsch lässt sich aber nicht abhalten, auch nicht, als ihn sein vorheriger Job einholt und er wieder aussagen muss, über seine früheren koruppten Kollegen.

Ich mag das gar nicht. Ich hab da ein ständiges Grummeln im Magen und rege mich tierisch auf. Wegen der Ungerechtigkeit. An korrupte Polizisten in Krimis hat man sich ja irgendwie gewöhnt, aber wenn dann einer, der nicht korrupt ist und sogar versucht hat, gegen die korrupten Bullen vorzugehen und nachdem diese aufgeflogen sind, hat er gegen sie ausgesagt, getreten wird, weil er eh schon am Boden liegt… Grrr! Ein Zweifel bleibt und viele fragen sich, ob er nicht doch auch korrupt ist, den Stempel, den er aber auf jeden Fall abbekommt, ist der des Verräters, ein Cop der andere Cops verrät, ein Nestbeschmutzer. Diese Ungerechtigkeit – das treibt mich zur Weißglut. Müsste man doch denken, dass Cops froh sind, wenn korrupte Elemente aus ihrer Truppe entfernt werden, nein, anstatt dessen verachten sie denjenigen, der die Korruptionsaufdeckung unterstützt.  Ich habe das Buch also mit sehr vielen Emotionen gelesen. Wobei ich zugeben muss, dass Hirsch nie explizit sagt, dass er unschuldig ist bzw. nicht korrupt ist. Auch nicht, wenn er ein misstrauisches Flackern in den Augen seiner Eltern sieht. Irgendwie bewunderungswürdig. Er weiß ja, dass er unschuldig ist und wenn man ihm nicht vertraut, ist das nicht sein Problem. Vielleicht würde er sogar schuldig (oder in dem Fall noch schuldiger) aussehen, wenn er sich ständig rechtfertigen würde.

Aber so ist er eben nicht. Hirsch ist kein Mann vieler Worte. Aber ein Mann, der viel sieht, richtige Schlüsse zieht und sich nicht von seinen Aktionen abbringen lässt. Auch nicht, wenn dies mit aller Macht versucht wird. Tapfer harrt er aus, ganz allein, von den anderen Polizisten veralbert, gehasst und mit Tricks reingelegt, von den Bewohnern skeptisch beäugt und ja nicht mit zu viel Aufmerksamkeit bedacht. Ein Verräter, dem es nicht besser gebührt.

Eine ungemütliche Atmosphäre, die in dem staubigen und trockenen Ort vorherrscht. Öde und schweigsam, mit Geheimnissen und Ängsten ausgestattet.  Eine von Männern dominierte Gesellschaft und – wie sollte es auch anders sein – sind die Übeltäter auch hier zu finden. Die Frauen spielen die unterordneten Rollen und eignen sich bestenfalls zum Opfer. Mit einer einzigen Ausnahme. Eine Frau ist mutig genug, aufzubegehren. Sie ist die einzige, die das zweite Opfer anders darstellt als die sonstigen – männlichen Zeugen, Verwandten und sonstige Befragte. Die einzige, welche die Herrschaft der Polizei anzweifelt und dagegen einschreitet, eine Protestkundgebung vorbereitet und sich nicht klein kriegen lässt. Nach anfänglichem Misstrauen ist sie auch Hirsch gegenüber aufgeschlossener, er als Außenstehender ist anders und hat ja auch mit den hiesigen Kollegen zu kämpfen. Hier liegt einiges im Argen – aber sind die Polizisten auch an den Morden der beiden Frauen beteiligt? Für Hirsch wird die Ermittlung lebensgefährlich, aber nichtsdestotrotz durchgezogen. Dass Hirsch sich nicht einschüchtern lässt, hätten die Kerle ja eigentlich schon vorher wissen müssen.

Fazit:
Ein Ausgestoßener in einer misstrauischen Einöde, der den Fall bis an die Knochen abnagt. Wenn auch der Kriminalfall an sich nichts Neues bringt, so wurde er doch stimmungsvoll und überzeugend, aber vor allem auch literarisch ausgezeichnet umgesetzt.


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Bedrohlich: Amnesia – Jutta Maria Herrmann


Jutta Maria Herrmann – Amnesia
Verlag: Droemer
297 Seiten
ISBN: 978-3426519974

 

 

 

 

 

Helen erhält eine erschreckende Diagnose: Krebs, Endstadium, nicht heilbar. Sie kämpft mit schweren Angstzuständen und ihre Medikamente verursachen Erinnerungslücken und Blackouts. Ihre Beziehung hat sich an der Diagnose aufgerieben und so macht sie sich auf in ihr Heimatdorf, um ihre Mutter und Schwester zu besuchen. Warum weiß sie selbst nicht so genau, schon lange war sie nicht mehr zu Hause, in dem kleinen Dorf, zieht ihre neue Heimat Berlin deutlich vor.
Als sie im Dorf ankommt gibt es zuerst auch keine Überraschung: ihre Mutter sieht sie als Belästigung, ihre Schwester Kristin begrüßt sie herzlich. Doch Kristin hat mittlerweile Leon geheiratet und mit Leon verbindet Helen eine schlechte Erinnerung. Schon bald vermutet Helen, dass Leon Kristin schlägt – und keine zwei Tage später wird Leon tot aufgefunden.  Hat etwa Helen Leon getötet und kann sich daran nicht mehr erinnern?

Es gibt eine Sache, die Jutta Maria Herrmann in ihren Thrillern wunderbarerweise immer gelingt: eine bedrohliche, unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Das gelang ihr in „Hotline“ und „Schuld bist Du“, die beide in der Großstadt spielen, aber eben auch in „Amnesia“, in einem kleinen, verschlafenen Dorf. Und dazu benötigt die Autorin auch ganz wenig: ein paar wenige Charaktere, ein Geheimnis aus der Vergangenheit, unausgesprochene Konflikte. Eine stetige Grundspannung mit leichten Spitzen, bei der man oft gar nicht so genau sagen kann, warum es jetzt eigentlich bedrohlich ist, warum einem dieses oder jenes komisch vorkommt. Die Autorin spielt mit den Erwartungen der Leser und benutzt dabei einfache, aber sehr wirkungsvolle Mittel.

Eine ungewöhnliche Protagonistin hat sich Frau Herrmann hier ausgesucht. Todkrank, mit starken Medikamenten betäubt, bis hin zu Blackouts. Und doch irgendwie geschickt gemacht, nicht? Denn Helens Gedächtnislücken sorgen für eine beständige Ungewissheit – bei Helen und beim Leser. Was hat sie in der Zeit gemacht? Hat sie tatsächlich jemand getötet? Dabei gelingt es der Autorin die ständig über Helen schwebende Krankheit zwar präsent zu halten und überzeugend einzubauen, aber nicht die Handlung zu erdrücken. Die Gedächtnislücken sorgen für den zusätzlichen Spannungskick und verstärken die unheimliche Atmosphäre.

Nichtsdestotrotz ist Helen nun kein Charakter, der mir sonderlich sympathisch war. Im Übrigen genauso wenig wie ihre Mutter, die den schwersten Fehler einer Mutter begeht und ein Kind bevorzugt. Oder ihre Schwester, die zwar aufgeregt plappernd daher kommt, allerdings mit einem Tick zu viel, so dass es aufgesetzt wird. Leon ist ja nun sowieso der Buhmann und einzig der Freund aus Kindertagen scheint sympathisch – kommt aber natürlich streckenweise auch als Täter in Frage. So wie eigentlich jeder in der Geschichte. Mit jeder neuen Wendung überlegt man erneut, wer wohl der Täter sein könnte und ist sich dann ganz sicher – bis zur nächsten Wendung. Tatsächlich bleibt das Ende vage offen, wenn auch der Thriller natürlich abgeschlossen ist, so wie die anderen Bücher der Autorin.

Fazit:
So wie ich mir einen Thriller vorstelle: in einer leise bedrohlichen Atmosphäre spielt die Autorin mit den Ängsten ihrer schwer gebeutelten Protagonistin. Ein Thriller, den man an einem Nachmittag wegsaugt und mit einem leichten Frösteln zuschlägt. Sehr gut gelungen!

 

 


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Monatsrückblick Juni 2017

Übersichtlich. Das ist wohl das passende Wort für meinen Juni. Übersichtliche 4 Bücher plus eine Kurzgeschichte haben es auf den “Gelesen” Stapel geschafft. Und hier sind sie:

Zu “Er, Sie und Es” habe ich die Rezension schon veröffentlich, die Rezension zu “Amnesia” folgt in den nächsten Tagen. Zu den anderen gibt es keine Rezension, aber hier eine Kurzmeinung:

Trügerische Ruhe – Patricia Melo
Von der hochgelobten südamerikanischen Autorin hatte ich irgendwie mehr erwartet. Es zerfasert ein wenig zwischen dem Scheidungskrieg der Protagonistin, den politischen Ränkespielen im Polizeiapparat und dem eigentlich Fall im Showbiz.

Mystic River – Dennis Lehane
Ich hab noch nicht viele Bücher von Dennis Lehane gelesen, aber die beiden anderen haben mir besser gefallen. Nichtsdestotrotz war es ein gutes Buch. Hat mich an Stephen Kings Schreibweise erinnert, eher eine Milieustudie, denn ein Krimi. Wobei es natürlich schon um einen Kriminalfall ging.

Bank of America – Richard Lange (Kurzgeschichte – nicht auf dem Bild)
Etwas nettes für Zwischendurch – mehr aber eben auch nicht.

So, aber nun kommt der Juli. Und hierauf freue ich mich besonders, denn es wird wohl ein wenig mehr Lesezeit herausspringen, da ich etwas Urlaub habe. Juchu!
Dann schauen wir doch gleich mal, was es neues gibt. Besonders freue ich mich auf dieses hier:


Die Lieferantin – Zoe Beck
Inhalt: London, in einer nicht wirklich fernen Zukunft: Ein Drogenhändler treibt tot in der Themse, ein Schutzgelderpresser verschwindet spurlos. Ellie Johnson weiß, dass auch sie in Gefahr ist – sie leitet das heißeste Start-up Londons und zugleich das illegalste: Über ihre App bestellt man Drogen in höchster Qualität, und sie werden von Drohnen geliefert. Anonym, sicher, perfekt organisiert.
Die Sache hat nur einen Haken – die gesamte Londoner Unterwelt fühlt sich von ihrem Geschäftsmodell bedroht und will ›Die Lieferantin‹ tot sehen. Ein Kopfgeld wird auf sie ausgesetzt. Ellie beschließt zu kämpfen – ihre Gegner sind mächtig, und sie lauern an jeder Straßenecke.
Mein Kommentar: Mit Zoe Beck kann man ja sowieso nichts falsch machen – und dann noch mit einem Hauch Zukunft? Genial – ich freu mich schon sehr darauf!

 

Neben meinem Highlight gibt es aber noch diese zwei Bücher, die im Juli mein Interesse wecken:

Lisa Sandlin – Ein Job für Delpha


Benjamin Withmer – Im Westen nichts
(war schon für Juni angekündigt)

 

 

Worauf freut Ihr Euch denn so im Juli?