Die dunklen Felle

Krimis, Schafe – und Felle.


Ein Kommentar

Reblogged: Margaret Atwood – Der Report der Magd — WortGestalt-BuchBlog

Heute gibt es ein wirklich grandioses Buch bei unserem gemeinsamen Blogspezial zu Dystopischer Literatur. Philly von WortGestalt-Buchblog hat sich „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood vorgenommen. Ein kleines Meisterwerk, doch Philly hat auch ein wenig Kritik zu bieten. Unbedingt reinschauen!

»Der Report der Magd« erzählt von einer Zukunft, in der ein totalitäres, religiös-fundamentalistisches Regime den Frauen sämtliche Rechte abgesprochen hat, in der atomare Verseuchung und Krankheiten zur Unfruchtbarkeit der Bevölkerung geführt haben und in der die noch fruchtbaren Frauen dazu verdammt sind zu gebären, für den Erhalt und den Aufbau der Republik Gilead.

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Gewaltig: Die Straße – Cormac McCarthy

Ich glaube, es ist unvermeidlich. Die beiden Bücher „Die Straße“ von McCarthy aus dem Jahre 2006 und „Der aufrechte Mann“ von Longo von 2010 müssen unweigerlich einen Vergleich  nach sich ziehen. Natürlich sind die Bücher sich thematisch ähnlich doch auch der Rowohlt Verlag hat da mit seiner Covergestaltung nachgeholfen. Ich habe zuerst Longos Buch gelesen und jeder, mit dem ich darüber gesprochen habe, meinte, „Die Straße“ sei noch besser. Allerdings haben auch alle diese Leser die Bücher in der Reihenfolge gelesen – erst McCarthy, dann Longo. Ich hingegen hab ich mich zufälligerweise für die andere Reihenfolge entschieden. Ob das wohl der Grund ist, dass mir „Der aufrechte Mann“ noch einen Ticken besser gefallen hat?

Zerstört
Die Geschichte handelt von einem Mann und seinem Sohn. Beide ziehen durch ein zerstörtes Amerika Richtung Küste. Die Landschaft ist trist und grau, mit Asche bedeckt. Es fällt Schnee und Asche, es ist erbärmlich kalt. Alle Habseligkeiten haben sie einem Einkaufswagen dabei, außer den wichtigsten Sachen, die sie in einem Rucksack oder am Leib tragen. Der Mann trägt eine Pistole bei sich, mit noch zwei Kugeln, die übrig sind. Die Küste birgt eine diffuse Hoffnung: besseres Land, gute Menschen, saubere Luft. Doch es ist ungewiss, ob sich diese Hoffnung erfüllt. Oder ob sie dort überhaupt ankommen.

„Sie hungerten erbärmlich. Das Land war geplündert, kahl gefressen, verheert. Jeder Krume beraubt. Die Nächte waren entsetzlich kalt und sargschwarz, und die lange Spanne des Morgens hatte etwas fürchterlich Stilles. Wie die Dämmerung vor einer Schlacht. Die wächserne Haut des Jungen war fast durchscheinend. Mit seinen großen, starren Augen wirkte er wie ein außerirdisches Wesen.“ (S. 117)

Vater und Sohn
Das Land ist zerstört, warum das so ist, erfährt man nicht. So  manchen Leser mag das stören, doch das Buch reduziert sich einfach auf das Wichtigste. Die Vergangenheit ist nicht wichtig, es kommt nicht darauf aus, woher der Mann und der Junge kommen oder wohin sie gehen. Auch die Küste ist nur ein Wort, ein Hoffnungsschimmer, der allerdings nur sehr düster glimmt. Es ist ein postapokalyptisches Setting, ein Endzeitroman, doch die eigentliche Geschichte ist die des Mannes und des Jungen.

Literarisches Meisterwerk
Sprachlich leistet das Buch einiges, so fehlen dem Buch jegliche Kapitel, doch Absätze sind vorhanden. Es gibt viele Gespräche zwischen dem Mann und dem Jungen, doch diese sind – übereinstimmend mit dem Tenor des Buches – karg und kurz. Doch das vermindert nicht die  Eindrücklichkeit, es verdeutlicht nur noch die Intensivität des Buches. Denn das ist es – ein intensives, nachdrückliches Leseerlebnis. Ein Buch, über das man noch Tage nachdenkt, welches einen nicht loslässt.

„Es gibt noch andere Gute. Das hast du selbst gesagt.
Ja.
Und wo sind sie?
Sie verstecken sich.
Vor wem?
Voreinander.
Gibt es viele von ihnen?
Das wissen wir nicht.
Aber einige schon.
Einige. Ja.
Stimmt das?
Ja. Das stimmt.
Aber vielleicht stimmt es auch nicht.
Ich denke, es stimmt.
Okay.
Du glaubst mir nicht.
Doch, ich glaube dir.
Okay.
Ich glaube dir immer.
Das glaube ich nicht.
Doch, das tue ich. Das muss ich.“ (S. 164)

Die Hoffnung
Das Gute. Ist es verschwunden oder lässt es sich noch finden? Der Mann und der Junge scheinen die einzigen zu sein, die noch Werte und Moral aufrecht erhalten. Trotz aller schlechten Bedingungen, schwierigen Umstände und gefährlichen Begegnungen versucht der Mann seinem Sohn Werte mitzugeben, an das Gute im Menschen zu plädieren, ihn aber trotzdem vor den Gefahren zu beschützen und ihn auf ein Leben in dieser Welt vorzubereiten.. Der Zusammenhalt ist wichtig, die Familie, die Liebe zwischen Eltern und ihrem Kind. Doch das Gute scheint verschwunden, aus Verzweiflung, aus Hunger, aus Angst. So sind der Mann und der Junge selbst ein kleiner Hoffnungsschimmer in dieser düsteren, grauen Welt, die keine Zukunft zu haben scheint.

Zutiefst
Ein aufwühlendes, durchdringendes Leseerlebnis, welches der Autor dem Leser hier beschert. Verzweifelt und düster, aber auch erhaben und getragen. Die Vater-Sohn-Beziehung scheint in dieser zerstörten Welt die letze Bastion des Guten zu bilden und hinterlässt dadurch nachdrücklich eine Beklemmung. Eine düstere Geschichte, aber auch eine herzerweichende Geschichte, kein einfaches Buch, aber ein wichtiges Buch.
Und hätte ich eine Rezension zu „Der aufrechte Mann“ geschrieben, hätte diese so ähnlich gelautet. Bei mir sind beide Bücher so eindrücklich in Erinnerung, dass ich diese nur dringendst empfehlen kann. Seid gewarnt, die Lektüre ist nicht einfach, aber sehr, sehr lohnenswert.

Der Film
Die Verfilmung hält sich ziemlich getreu an das Buch, nur wenige Szenen wurden raus gekürzt. Dafür wurde viel Farbe weggelassen und der düsteren Stimmung Rechnung getragen, die wenigen Rückblicke wirken durch ihre Farbigkeit dann auch sehr gewaltig. Sie ist gut gelungen, die filmische Umsetzung und ergänzt die Lektüre. Tatsächlich konnte der Film vielfach widerspiegeln, was ich beim Lesen des Buches gefühlt habe, doch letztendlich war die Lektüre für mich noch intensiver. Nichtsdestotrotz ist die Verfilmung definitiv zu empfehlen.

 

Fazit:
Eine zerstörte Welt, in der diese innige Vater-Sohn-Beziehung glimmt wie der letzte Hoffnungsschimmer. Bildgewaltig, aufwühlend und emotional.

 


Andere Meinungen zum Buch:
Ralf von Der Lesemond: „Es hat mich fasziniert, mit wie wenig Farbe und wenigen Worten man so viel vermitteln kann.“
Petzi von Die Liebe zu den Büchern: „Ein berührendes und erschütterndes Buch, das den Leser nachdenklich und zum Teil auch traurig zurück lässt.“
Ma San von Ma San Blog: „Ein brillanter Endzeitroman von Amerikas größtem Pessimisten“
Nicole von Zeit für neue Genres: „Es ist eine düstere Geschichte, die mich wie ein Sog in ihren Bann gezogen hat. Emotional sehr berührend, beschäftigt sie mich im Nachhinein stark und nach dem Ende, konnte ich kaum einschlafen.“


Bibliographie:
Cormac McCarthy – Die Straße
Verlag: Rowohlt
Übersetzung: Nikolaus Stingl
253 Seiten
ISBN: 978-3499246005



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Reblogged: Alan Moore/David Lloyd – V wie Vendetta — WortGestalt-BuchBlog

Vielen dürfte „V wie Vendetta“ als Filmversion bekannt sein, doch wie so oft bildet ein Buch, diesmal eine Graphic Novel, die Grundlage. Alan Moore und David Lloyd schrieben und zeichneten den Terroristen mit der Guy-Fawkes-Maske, der es gegen ein totalitäres Regime der Zukunft aufnimmt. Und die alles entscheidende Frage ist, wie viel Gewalt ist für ein gutes Ziel gerechtfertigt?
Darum geht es heute in Phillys Rezension zu „V wie Vendetta“ auf ihrem Blog Wortgestalt-Buchblog im Rahmen unseres Blogspezials zu dystopischer Literatur.

Einigen, vielen oder gar den meisten dürfte »V wie Vendetta« durch seine gleichnamige Verfilmung aus dem Jahr 2005 ein Begriff sein. Natalie Portman mit kahlgeschorenem Schädel und der verrückt-poetische Terrorist mit der Guy-Fawkes-Maske sind mir seinerzeit lange im Gedächtnis geblieben. Die Comicvorlage von Alan Moore und David Lloyd kannte ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch […]

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Zwei plus Eins: Oryx und Crake – Margaret Atwood

Mit dem vorliegenenden Buch bin ich vor zwei Jahren schon mal grandios gescheitert. Nach 150 Seiten war für mich das Ende der Fahnenstange erreicht, es war mir zu abgedreht, das Ziel war mir nicht klar. Leider tendiere ich dazu, Bücher die ich abbreche nie wieder anzufangen oder gar auszulesen. Doch dieses Mal musste ich. Ich war mir erst unsicher, aber als ich es dann für das Blogspezial zur Dystopischen Literatur zugesagt hatte, hab ich es durchziehen müssen. Vielleicht hätte ich vor zwei Jahren aber auch einfach weiterlesen sollen, denn tatsächlich hat das Buch es dann doch nach einigen weiteren Seiten geschafft, mich in den Bann zu ziehen.

Nach der Pandemie
Zuerst lernt man Schneemensch kennen. Er lebt an der Küste und ist nur an zwei Dingen interessiert: Nahrung zu organisieren und darüber nachzudenken, wie es so weit kommen konnte. Denn Schneemensch lebt in einer Zukunft nach einer Pandemie, fast ganz allein, wären da nicht die Craker. Ein friedliches, aber auch reichlich seltsames Völkchen, genetisch perfekt, bis zum kleinsten I-Tüpfelchen an die Welt angepasst, gegen Hitze, gegen Krankheiten, gegen Unzufriedenheit, gegen Krieg. Genau so, wie Crake sie designt hat. Crake war Schneemenschs Freund, als dieser noch Jimmy hieß. Und dann gab es da noch dieses Mädchen, in das beide verliebt waren, Oryx.

Die Welt davor
Und so nach und nach entschlüsselt sich die Geschichte der drei Freunde, die schon früh in Jimmys Vergangenheit beginnt, als seine Mutter ihn und seinen Vater verlässt und ab diesem Zeitpunkt als Verräterin und Terroristin gesucht wird. Denn Jimmys Familie lebt in einem Konzernkomplex, seine Eltern arbeiten beide für OrganInc Farms, zumindest am Anfang der Geschichte. Nur die klügsten Köpfe dürfen in den Anlagen der Konzerne leben, der Rest der Menschheit lebt in Plebsland. Für Jimmy ein geheimnisvoller Ort, unter dem er sich so gar nichts vorstellen kann. Im Konzern hingegen ist das Leben geordnet und geregelt, abgesichert durch CorpSeCorps Mitarbeiter, aber natürlich auch patentrechtlich und finanziell wertvoll.

Zwei Freunde
Als Jimmy Crake kennenlernt und sich mit ihm befreundet verbringen sie ihre Zeit mit Computerspielen und Webshows. Die Industrie hat sich weiter in die befürchtete Richtung entwickelt: es gibt Pornografie jeder Art – hier begegnet ihnen im Übrigen Oryx zum ersten Mal – Hinrichtungen oder auch vermarktete Selbstmorde in Webshows oder Massaker und Völkerschlachten in Computerspielen. Derweil gehen die Forschungen der Erwachsenen in andere Richtungen: Tiere und Pflanzen werden gekreuzt und gezüchtet, um bestimmte Dinge zu verrichten oder Pflichten zu erfüllen. Von Organschweinen über Zinnenspiegen bis zu Hunölfen. Alles hat einen Zweck und Sinn und dient dem Fortschritt.

Zwei plus eins
Crake ist klug, nachdenklich und ja, auch fatalistische Züge lassen sich erkennen, derweil  Jimmy nach seiner Aufmerksamkeit lechzt und sich damit begnügt, in den Spielen besiegt zu werden. Er landet denn auch auf einer Kunstakademie, derweil Crake auf einer der besten Unis landet. Oryx, obwohl ständig präsent, taucht erst später auf, mit übler Vergangenheit und doch leichtlebig, vertrauensvoll, offen. Ein Trio infernale, welches das Rad des Schicksals unausweichlich in eine Richtung rollt. So richtig schließt sich einem wohl nur Jimmy ins Herz. Und das nicht nur aus dem Grund, dass die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird, sondern auch weil Crake einfach unnahbar wirkt, ein wenig überheblich und wie ein Kreuzritter. Im Nachhinein erscheint auch seine Entscheidung, Jimmy, Oryx und sich gegen die Pandemie zu impfen, inkonsequent und nicht nachvollziehbar. Auch Oryx kann nur schwer überzeugen, da man ihre spätere Unbekümmertheit nicht in Einklang mit ihrer schweren Kindheit bringen kann  – und wir reden hier von Verkauf von Kindern, Zwang zur Pornographie, Haussklaverei, was ich mit dem einfachen Begriff „schwer“ umfasst habe.

Große Erzählkunst
Auch wenn ich mich ein wenig in die Geschichte einfinden musste – und das liegt vermutlich daran, dass ich einfach zu viele Krimis lese und mit den doch sehr fantasiereichen Auswüchsen im Buch ein wenig zu hadern hatte – hat es mich letztendlich überzeugen können. Mandarf es einfach zugeben: Margaret Atwood ist ganz klar eine Künstlerin ihres Faches. Erzähltechnisch ist ihr auch hier ein großer Wurf gelungen. Und auch wenn ich gerade mit dem Anfang meine Schwierigkeiten gehabt habe, betrachte ich ihn im Nachhinein als sehr gelungen. Sie beginnt in der „neuen“ Welt, einer uns unbekannten Welt und es gilt nicht nur, diese kennenzulernen, sondern eben auch herauszufinden, wie die neue Welt entstanden ist. Dies gelingt ihr durch den nachdenklichen Jimmy, der immer wieder überlegt, ob er nicht hätte etwas ändern können, ob es dann nicht anders gekommen wäre. So begibt man sich mit ihm in die Vergangenheit und durch sein Leben. In langen Kapiteln, aber auch in kurzen Gedankengängen.

Zu Tode geforscht
Die großen Themen, die Ms. Atwood aus dem Hut zaubert, sind nicht unbekannt. Eine Pandemie ist ein Szenario, welches schon viele Schriftsteller beackert haben. Und doch hat die Autorin auch Neues zu bieten, manchmal etwas versteckt, doch immer sehr pointiert und ironisch. So streift man mit ihr durch allerlei gezüchtetes Getier, welches dann als Kassenschlager oder Ladenhüter endet, isst Hühnerbrüste, die noch nie ein Huhn gesehen haben und ganz viel Soja. Genforschung und Biotechnik sind ihre Themen und sie stellt ganz offen die Frage, wie viele maßgeschneiderte Pflanzen, Tiere, Menschen diese Welt verträgt. Ob die Welt denn noch die Welt ist, wenn der Mensch alle Krankheiten besiegt hat, wenn er unsterblich ist, wenn er den Tod besiegt. Wenn die Menschheit nicht mehr Mensch ist, sondern all ihrer Menschlichkeit beraubt wurde. Doch schon jetzt gibt es im Buch mehr als genug Menschen, zu viele Menschen für die vorhandene Nahrung, Klimakatastrophen und Missernten, Dürren und Hungersnöte. Und das sind nur die Naturkatastrophen, von den menschlichen ganz zu schweigen. Doch auf die geht die Autorin nur wenig ein, so lebt Jimmy in seiner Zeit weitestgehend von Plebsland, von den „normalen“ Menschen, abgetrennt, in einer besseren Welt. Und die Konzerne beschäftigen Leute wie ihn, die mit markanten Sprüchen ihre Produkte – ob nun neue Haut oder besseres Leben – an den Mann bringen wollen, um jeden Preis. Und dafür wird geforscht bis zum Tod.

Fazit:
Eine höchst kritische Sicht auf die Zukunft der Forschung verpackt die Autorin in eine erzählend packende Geschichte, die allerdings ein wenig Anlauf benötigt. Dies mag allerdings verständlich sein, so ist dies doch erst der erste Teil der Maddaddam Trilogie.

 


Weitere Meinungen zum Buch:
Katha vom Blog Buntes Tintenfässchen / Svenjas Bookchallenge: “ Das Gegenwärtige geschehen wirft mehr Fragen als Antworten auf und kann nur entschlüsselt werden, wenn man die Vergangenheit kennt, die jedoch nur puzzleteilartig aufgelöst wird. Das macht es zu einem zunächst verwirrenden, aber faszinierenden Leseerlebnis.“
Nicole vom Blog Zeit für neue Genres: „Margaret Atwood spielt mit den verschiedenen Erzählsträngen, hält den Leser mit gerade so viel Informationen an der Stange, dass man nicht ganz orientierungslos davon treibt und vereint die Fragmente letztendlich leise zu einem ausgefallenen, doch bestürzenden, Trilogie-Auftakt, der einem sofort nach dem 2. Band greifen lässt.“
Eva vom Blog Thelostartofkeepingsecrets: „Margaret Atwood, von der ich bisher nur „A Handmaid’s Tale“ kenne, da ich den Roman im Englischunterricht lesen musste, hat mit „Oryx und Crake“ eine spannende und unheimliche Dystopie geschrieben, in der Oryx, die wichtigste Frau des Geschehens, als ewige Projektionsfläche der Männerfantasien herhalten muss und nicht nur deshalb an Wedekinds „Lulu“ erinnert.“


Bibliographie:
Margaret Atwood – Oryx und Crake
Verlag: Berlin Verlag
Übersetzung: Barbara Lüdemann
379 Seiten
ISBN: 978-3833309632


 


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Reblogged: Philip K. Dick – Der dunkle Schirm — WortGestalt-BuchBlog

Der heutige Beitrag des gemeinsamen Blogspezials zu dystopischer Literatur befasst sich mit Philip K. Dicks „Der dunkle Schirm“. In Phillys Beitrag auf WortGestalt-BuchBlog findet ihr nicht nur die Rezension zum Buch, sondern ähnlich wie ich diese Frage vorgestern in meiner Rezension zu „Clockwork Orange“ aufgeworfen habe, auch die Frage: was ist eigentlich Dystopie? Umso mehr wir durch die Bücher unseres Blogspezials wandern, umso mehr hinterfragen wir die Genreeinordnung. Bitte gerne mitdiskutieren!

 

Es ist gar nicht so einfach, meine Eindrücke zu Philip K. Dicks Roman »Der dunkle Schirm« mit Worten zu fixieren. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich den Roman in all seiner Tiefe durchdrungen habe. Im Zweifel ist die Antwort ein klares Nein. Ich denke, mir fehlte ein Gesamtgefühl für die Thematik, die Zeit […]

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Abgefahren: Clockwork Orange – Anthony Burgess

„Clockwork Orange“ war ein Buch, welches ich mir extra für das Dystopie-Special gekauft habe, denn die meisten anderen Bücher befanden sich schon in meinem Regal. Zwar war mir Clockwork Orange ein Begriff, aber ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, worum sich die Geschichte drehte und schon gar nicht, dass es einen dystopischen Charakter hat. Um schon mal ein wenig vorzugreifen, bin ich mir bei diesem Buch auch ehrlich gesagt unsicher, ob ich es dort jetzt noch einordnen kann.

Alex und seine Droogs
Veröffentlicht wurde das Buch 1962 und soll sich ungefähr 40 Jahre später abspielen. Alex ist zumindest in weiten Teilen ein Jugendlicher, wie man ihn sich vorstellt: keine Lust auf Schule oder Arbeit, dafür wird lange geschlafen und nachts zieht Alex, gemeinsam mit seinen Droogs (= Freunden), um die Häuser, quatscht Unsinn, trinkt, nimmt Drogen. Doch die Gewaltbereitschaft von Alex und seinen Droogs ist wesentlich höher als beim „normalen“ Jugendlichen und so schaffen es die Jungs in einer Nacht mehrere Straftaten zu begehen: Überfall, Einbruch, Diebstahl, Vergewaltigung, Mord.

„,Man fühlt sich richtig dobbi, nach so was‘“ (S. 23)

NADSAT
So weit, so gut, doch allerdings ist es nicht so einfach, überhaupt so weit zu lesen und den ersten Teil, der insgesamt drei, aus denen das Buch besteht, zu schaffen. Der Grund dafür ist die von den Jugendlichen genutzte Ausdrucksweise, welche NADSAT genannt wird. Diese bedient sich hauptsächlich aus dem Russischen und so steht NADSAT für Teenager / Jugendliche  – die Zahlen 11 bis 19 im Russischen enden anscheinend auf -nadsat, was man dem umfangreichen und auch reichlich nötigem Glossar entnehmen kann. Am Anfang habe ich wirklich oft in dem Glossar geblättert, klar, irgendwann wiederholen sich die Wörter, aber anfangs gab es Sätze, diehabe ich ohne das Glossar gar nicht verstanden. Sehr umständlich, tatsächlich hätte ich mir in diesem Buch – wenn auch ungewöhnlich außerhalb der Fachliteratur – Fußnoten gewünscht. Aber irgendwann wird das genaue Wort auch nicht mehr so wichtig, wenn man den Sinn erkennt und so wurde das Nachschlagen – zum Glück – weniger. Die Jugendlichen mischen das NADSAT mit einer antiquierten Sprechweise, die äußerst höflich klingt und somit eine sehr seltsame Kombination bildet.
Ein kleiner Rat noch am Rande – wer die gleiche Version wie ich besitzt, sollte auf das Vorwort verzichten, es sei denn, er möchte die Handlung schon komplett in Kurzform erklärt bekommen.

„Unsere Taschen waren voll Deng, und unter dem Gesichtspunkt, noch mehr Strom zu krasten, wäre es nicht wirklich nötig gewesen, irgendeinen alten Veck in einer Seitenstraße zu toltschocken und ihn in seinem Blut schwimmen zu sehen, während wir die Einnahmen zählten und durch vier teilten, oder bei irgendeiner zitternden, grauhaarigen Titsa in einem Laden das Ultrabrutale zu machen und smeckend mit den Innereien der Geldschublade abzuziehen. Aber, wie es heißt, Geld ist nicht alles.“ (S. 15-16)

Aktualität
Autoren von Dystopien greifen oft aktuelle Themen auf und entwickeln diese weiter, überlegen sich wie dieses Thema sich in der Zukunft verhalten könnte. Und man kann recht klar sagen, dass Burgess zutiefst besorgt über die Entwicklung der Jugendlichen seiner Zeit war und eine weitere Verrohung und Ungehorsamkeit voraussah. Damit liegt er wohl mit allen Erwachsenen, allen Eltern jeder Generation in Einklang, denn Kinder und Jugendliche loten ihre Grenzen aus, egal in welcher Generation oder in welchem Land. Nichtsdestotrotz hat Burgess mit seiner Vision der Jugend in der Zukunft nicht ganz danebengelegen. Immerhin gibt es schon Gegenden auf die es zutrifft, dass man sich dort abends nicht mehr hin trauen kann, schon gar nicht alleine. Auch die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen hat zugenommen. Die eindrücklichste Szene, die mir hierbei in den Kopf springt, sind die Jugendlichen oder jungen Männer, die ohne jeglichen Grund eine Frau die Treppe hinunter schubsen. Sind wir also dort angekommen, wo Burgess uns sieht? Sind unsere Jugendlichen diejenigen, die eigentlich die Kontrolle haben und uns Erwachsene mit Angst und Gewalt beherrschen? Ganz soweit mag es nun noch nicht gekommen sein, doch die Hemmschwelle liegt definitiv niedriger als sie es früher war.

Die Lösung?
Mit Besorgnis hat Burgess dies wohl betrachtet und versucht eine Lösung zu finden. Dabei stellt er eine zutiefst philosophische Frage: ist es besser das Gute zu erzwingen oder die Entscheidung für das Gute, welche nur freiwillig getroffen werden kann? Im Buch landet Alex im Gefängnis und wird für die „Ludovico“ Methode ausgewählt, eine Konditionierung, die ihm zukünftig Schmerzen zufügen soll, wenn er daran denkt, Gewalt auszuüben. Die Konditionierung ist nichts anderes als Folter, die Alex aber tatsächlich „heilt“, nicht nur von Gewalt, sondern auch von einer seiner wenigen guten Seiten, seiner Liebe zu klassischer Musik.

„Menschliche Güte ist etwas, für das man sich entscheidet, das man für sich selber wählt. Wenn ein Mensch nicht mehr wählen kann, dann hört er auf, Mensch zu sein.“ (S. 105)

Böse bleibt böse – oder?
Das Experiment – wie sollte es auch anders sein – misslingt, so dass sich eben die Frage stellen lässt. Kann jemand von Grund auf böse sein? Kann er zum Guten konditioniert werden?  Kann das Böse geheilt werden? Und wenn das Böse geheilt wird, wenn jemand gut ist – geht er dann nicht unter? Wenn der Rest der Gesellschaft doch immer noch böse ist. Burgess reißt tatsächlich im letzten Kapitel das Ruder komplett herum und deutet an, dass Jugendliche aus dieser Bösartigkeit auch herauswachsen können.

Meisterwerk
Abschließend muss ich mir nun schon die Frage stellen, ob Burgess „Clockwork Orange“ denn nun tatsächlich in die Kategorie Dystopie gehört. Schwierig zu beantworten, denn noch bin ich nicht soweit, mein komplettes Fazit aus dem Spezial zu ziehen, doch bisher ist es wohl das Buch, welches ich am wenigsten dazu zählen würde und doch…. Na ja, ich brauch noch ein wenig für mein Fazit. Leider muss ich aber auch sagen, dass es das Buch war, welches mir am wenigsten Spaß gemacht hat. Es war schwierig zu lesen und auch recht philosophisch. Das letzte Kapitel lässt einen dann ratlos zurück, denn so ganz mag ich der urplötzlich auftauchenden Vernunft nicht trauen.
Wer mag kann sich hier übrigens die Verfilmung ansehen, von Kubrick, einem Meister seines Faches. Mir hat ein kleiner Ausschnitt, den ich mir angesehen habe, allerdings gereicht. Mehr muss nicht sein.

Fazit:
Nicht ganz einfache Lektüre mit philosophischem Hintergrund, die mich leider die Haare raufen ließ. Das Glossar ist unverzichtbar, um überhaupt Alex zu verstehen. Doch Verständnis oder gar Sympathie kann man dem Jugendlichen tatsächlich nur wenig entgegenbringen. Zusammenfassend kann man es wohl unter einen Begriff: abgefahren!

 


Weitere Meinungen zum Buch:
Marc auf Lesenmachtglücklich: „Lässt man sich darauf ein, bekommt man ein Stück literarisches Zeitzeugnis geboten und gehört definitiv zu den Büchern, die man zumindest in Ansätzen gelesen haben sollte.“
Jari auf Jaris Büchergebrabbel: „„Clockwork Orange“ ist eine Grenzerfahrung.“
Eva auf Thelostartofkeepingsecrets: „Burgess ist eine fesselnde Dystopie gelungen, in der die Gewalt des Staates gegenüber dem Individuum thematisiert wird.“


Bibliographie:
Anthony Burgess – Clockwork Orange
Verlag: Heyne
Übersetzung: Walter Brumm, neu überarbeitet von Erik Simon
Vorwort von Tom Shippey (übersetzt von Erik Simon)
236 Seiten (inkl. Vorwort und Glossar)
ISBN: 978-3453164130


 


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Reblogged: Ray Bradbury – Fahrenheit 451 – WortGestalt-BuchBlog

Warum Philly heute aus der Reihe tanzt, erfahrt Ihr in ihrer Rezension zu Ray Bradbury’s „Fahrenheit 451“, dem nächsten Meilenstein in userem gemeinsamen Blogspezial zu Dystopischer Literatur. Hier geht es heute nicht nur thematisch um die Medien Buch und Film, sondern auch Philly hat sich hier passenderweise beiden zugewendet.

»Fahrenheit 451« gehört zu den populärsten Werken im Bereich der dystopischen Literatur. Und doch vermochte es mich nicht so zu begeistern, wie man es angesichts seines Stellenwertes erwarten könnte. Ich fand den Roman keineswegs unanregend, im Gegenteil, inhaltlich hat er es mir sehr angetan. Nur das Erzählerische, die Umsetzung der ansich sehr großartigen Grundidee, damit […]

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