Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Reblogged | Jung-Hyuk Kim — Dein Schatten ist ein Montag

Der letzten Beitrag zur Kriminalliteratur aus Ostasien in unserem gemeinsame Spezial kommt von Philly. Auf ihrem Blog Wortgestalt-Buchblog findet ihr die Rezension zu „Dein Schatten ist ein Montag“ von Jung-Hyuk Kim. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere, aber dieses Buch hab auch ich schon besprochen. Bei mir kam es allerdings ein wenig positiver weg – so enden wohl die literarischen Ausflüge von Philly und mir nicht ganz so euphorisch wie gedacht, aber so hören wir natürlich nicht auf! Übermorgen gibt es dann Phillys Beitrag zur kriminalistischen Film- und Serienkultur aus Ostasien.
Aber hier nun erstmal zu Phillys Meinung über „Dein Schatten ist ein Montag“:

 

Um ehrlich zu sein, hat mich schon lange keine Lektüre mehr so ratlos zurückgelassen wie »Dein Schatten ist ein Montag« von dem südkoreanischen Autor Jung-Hyuk Kim. Und das muss ja ansich nichts Schlechtes sein, ist es hier aber blöderweise irgendwie. Der Beitrag Jung-Hyuk Kim – Dein Schatten ist ein Montag erschien zuerst auf WortGestalt-BuchBlog.

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Andere Erwartungen: Im Reich der Lichter – Kim Young-ha

Kriminalliteratur aus Nordkorea gibt es nicht. So wie vieles anderes. Immer wieder erschreckt es mich, wenn ich eine Dokumentation von dort sehe und doch bleibt immer unklar, ob diese Bilder wirklich das Nordkorea zeigen, wie es den Journalisten vorgeführt wird. Aus Südkorea gibt es dafür immerhin einiges an Kriminalliteratur, auch wenn es mehr sein könnte. Doch besonders dieses Buch hat mich angezogen. Ein nordkoreanischer Spion, der schon 20 Jahre in Südkorea lebt, vergessen von seiner Regierung, verheiratet, mit Kind. Keiner würde denken, dass Kim Giyoung kein Südkoreaner ist. Doch dann erhält er eine verschlüsselte Botschaft, eine Nachricht aus Nordkorea: er soll nach Pyöngjang zurückkehren, in den nächsten 24 Stunden.

„Im Allgemeinen ist die Vorstellung, die man von Spionen hat, völlig verzerrt: Mata Hari, intrigante Schönheiten, Einbrüche, Fluchtszenen, Minikameras, Bestechungen, Erpressungen. Die meisten Informationen, die sie herausbekommen, sind der Öffentlichkeit schon bekannt. […] Auf eine gewisse Weise waren sie Wissenschaftler und Sammler, die immer zwischen den Zeilen zu lesen versuchten.“ (S. 90)

Vor zehn Jahren ist Giyeongs Betreuer aufgedeckt worden, so dass er seitdem ohne Kontakt nach Nordkorea, ohne Auftrag oder Aufgabe sein Leben lebt. Davor hatte er durchaus Aufgaben, hat Aufträge ausgeführt, hat getötet. Er war einer der besten in der Ausbildung, war stolz darauf, seinem Land auf diese Weise zu dienen. Doch das ist lange her. Seit zehn Jahren lebt er unbehelligt, geht seiner Arbeit als Filmimporteur nach, lebt in einer stagnierenden Ehe, hat eine kluge Tochter. Das Leben plätschert so vor sich hin. Die Nachricht ändert alles. Giyoung muss sich darüber klar werden: geht er zurück, lässt er seine Familie zurück, alle Annehmlichkeiten, alles, woran er sich gewöhnt hat. Oder bleibt er in Südkorea, wird vielleicht getötet, muss sich der Polizei stellen, um Sicherheit zu bekommen. In diesen 24 Stunden sucht Giyeoung Kontakt zu anderen Spionen, rätselt , ringt mit sich, überlegt, welche Entscheidung die richtige für seine Zukunft ist, aber vor allem, welche die richtige Entscheidung für seine Familie ist.

Gleichzeitig folgt der Leser in diesen 24 Stunden aber auch Mari, seiner Frau, und Hyonmi, seiner Tochter. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht ganz. Zumindest Hyonmi erfährt während des gesamten Buches nicht, dass ihr Vater ein Spion ist und aus Nordkorea stammt. Man folgt ihr in den Schulalltag und nach Hause zu einem Klassenkameraden, in den sie sich verliebt hat. Das war es. Auch Mari folgen wir Leser durch den Alltag, ihrem Job in einem Autohaus, dem Mittagessen mit ihrem jüngeren Geliebten, der sie zu einem Dreier drängt. Immerhin wird Mari am Ende des Buches damit konfrontiert, dass ihr Mann ein nordkoreanischer Spion ist. Und doch hätte ich mir bei beiden Erzählsträngen, von Mari und von Hyonmi, gewünscht, dass diese mehr Interaktion mit Giyoung haben, dass das Geheimnis früher aufgedeckt wird, um dem Roman mehr zu verleihen. Mehr Spannung. Mehr Interaktion. Mehr Wendungen.

Denn ganz ehrlich, diese habe ich vermisst. Die Geschichte plätschert so vor sich hin, folgt mal Giyoung, mal Mari, mal Hyonmi, mal einigen wenigen anderen, die in diesem Dunstkreis auftauchen. Giyoung erinnert sich an seine Zeit in Nordkorea, seine Familie dort, seine Ausbildung, wie er nach Südkorea kam und das auf ihn wirkte. Wie schwer es ist, sich in ein Land zu integrieren, in dem man nicht aufgewachsen ist und alle anderen dies nicht wissen, nicht wissen dürfen. Ein solider Einblick in die Unterschiede zwischen süd- und nordkoreanischer Kultur und Gesellschaft, aber mehr auch nicht. Zum letzten Drittel hin wird es dann doch noch ein wenig spannender, taucht doch der südkoreanische Geheimdienst noch auf.

Nichtsdestotrotz, ein Roman, ein Spionageroman – denn Krimi oder gar Thriller möchte ich ihn nicht nennen – der sich süffig lesen lässt und nicht langweilig war, von dem ich mir aber mehr Interaktion erhofft habe. Ich habe keinesfalls erwartet James Bond zu treffen, mir ist klar, dass das Spionageleben durchaus für die meisten Spione doch eher langweilig ist, Arbeit eben. Wenn auch ein wenig andere Arbeit. Doch ich hatte mir mehr erhofft, indem Giyoungs Geheimnis gelüftet wird, dass er sich seiner Familie offenbaren muss. Und wenn das schon nicht, dass er nach einem Ausweg sucht. Das tut er zwar, aber doch eher passiv, nur mit wenig Aktion. Nun ja, insgesamt muss man wohl sagen, dass das Buch durchaus eine passable Lektüre war, mich aber nun nicht zum heißglühenden Leser hat werden lassen. Schade.

Fazit:
Ein eher ruhiger, nachdenklicher Roman, über einen nordkoreanischen Spion in Südkorea, der zurückgerufen wird. Überzeugen konnten mich die Details aus Nordkorea, die Beschreibung des „Kulturschocks“ des Spions, der nach Südkorea kommt und die süffige Leseweise. Doch wenig Aktion, viele Handlungsstränge, welche die Hauptgeschichte nicht voran bringen und Spannungsarmut konnten mich nicht vom Hocker hauen.

 



Kim Young-ha – Im Reich der Lichter
Verlag: Heyne
Übersetzer: Kyong-Hae Flügel und Angelika Winkler
414 Seiten
ISBN: 978-3453405448

 

 

 

 

 


 


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Reblogged | Jeong Yu-jeong – Sieben Jahre Nacht

Irgendwie witzig. Während mich das Cover von „Piercing“, welches Philly vor einigen Tagen in unserem Blogspezial um Kriminalliteratur aus Ostasien besprochen hat, gar nicht anspricht, gefällt ihr es sehr. Hier aber wieder, bei „Sieben Jahre Nacht“ von Jeong Yu-jeong finde ich mich wieder und wir stimmen überein – ich weiß nämlich auch nicht, warum das Buch immer noch ungelesen in meinem Regal steht, aber jetzt bin ich zumindest froh, dass es schon mal da steht, denn Phillys Meinung beweist mir, ich hab es genau richtig ausgesucht. Und von der Dicke des Buches sollte man sich nie abschrecken lassen, denn man verpasst Bücher, die einen mitunter schwer begeistern. Findet heraus, warum Philly schwer begeistert war, hier in ihrer Rezension:

 

Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich anfangen soll und wo wieder aufhören. Anfangen vielleicht damit, dass es rückblickend betrachtet eine große Dummheit von mir war, diesen Roman so lange nicht zu lesen. 20 weitere Wörter

über Jeong Yu-jeong – Sieben Jahre Nacht — WortGestalt-BuchBlog


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Fleischmarkt: Die Plotter – Un-Su Kim

Raeseng ist ein Auftragskiller. Seine Aufträge erhält er vom “Dog House”. Vordergründig eine Bibliothek, ist dies der Ort von Old Raccoon, einem Plotter, aber auch Treffpunkt der Auftragskiller. Hier werden die Mordaufträge verteilt, die der Plotter akribisch genau vorbereitet hat. Besonders durch die Regierung war das bisher ein gewinnbringendes Geschäft, doch nach und nach ändern sich die Strukturen, die Regierung zieht sich zurück, die Privatwirtschaft wird aufmerksam, Konkurrenz zieht auf. Das verändert auch das Machtgefüge zwischen den Plottern, eine neue Generation erscheint. Raeseng sieht sich plötzlich auf der Abschussliste, doch weiß er nicht warum. So leicht lässt sich der Killer aber nicht aus der Ruhe bringen.

Raeseng tötet, ohne viel darüber nachzudenken, er erledigt einfach einen Job. Doch hinterher kommen schwermütige Phasen in denen er zu Hause tagelang Bier trinkt und das Haus nicht verlässt. Als Baby wurde er in einer Mülltonne gefunden und nach kurzer Station im Waisenhaus von Old Racoon aufgenommen. Er  ist in der Welt der Plotter und Auftragskiller aufgewachsen und erfüllt seinen Job. Doch der Job füllt weder ihn noch die Stunden seines Tages aus, so dass er viel grübeln kann. Er denkt ihm ist kein Glück beschieden und als er es kurzfristig findet, kehrt er doch zurück zu seinem Job als Killer, zu dem Leben, welches er kennt. Er rechnet mit keinem langen Leben, sieht Kollegen auf der Abschussliste landen, seinen Mentor im Krematorium in Rauch aufgehen, einen Freund vor den Killern weglaufen und dann doch stolpern und sterben.

„Das Einzige, was hier nicht ge- oder verkauft wurde, waren billige Gefühle, für die niemand sich interessierte (Mitgefühl, Verständnis, Abneigung), und machtlose, deprimierende Wörter (Glaube, Liebe, Treue, Freundschaft, Wahrheit). Ehre und Vertrauen wurden als Sichterheiten nicht akzeptiert. Niemals. Der Fleischmarkt hatte mit solchen hehren Begriffen nichts am Hut – sie galten hier nichts, beim Abschaum des Abschaums. (S. 171)

Der Fleischmarkt ist kapitalistisch geregelt. Wenn es eine Nachfrage gibt, dann gibt es auch ein Angebot. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Es ist eine Subkultur, die sich hier gebildet hat und tadellos funktioniert. Die Auftraggeber suchen sich einen Plotter, der einen reibungslosen Verlauf gewährleistet, den Mord plant und ihn dem Auftragskiller akribisch auferlegt. Wer nicht ganz so viel Geld hat, kann sich auch einen “einfachen” Killer ohne Plotter zulegen. Es gibt Zuträger und Tracker, die Opfer locken oder ausforschen. Und dann gibt es eben noch die Cleaner. So einer erledigt die Auftragskiller, wenn es denn so weit ist. Und Raeseng vermutet sich hier einen eingehandelt zu haben.

Warum? Das hat er noch nicht rausgefunden, doch dass das bestehende Machtgefüge wankt, bekommt auch er mit. Hanja, ein neuer, junger Plotter drängt in den Markt und untergräbt die Bibliothek. Old Racoon bleibt gelassen, ruhig – und unternimmt nichts. Raeseng kann es nicht verstehen. Der Fleischmarkt wandelt sich, die Schattengesellschaft verändert sich. Das Machtgefüge droht zu zerplatzen und sich neu zu ordnen. Doch auch Hanja ist nur eine Schachfigur, die Bedrohung geht von einer anderen Partei aus, die hier auf den Plan tritt und es darauf abgesehen hat, den Fleischmarkt komplett zu vernichten.

Raesengs Aufmerksamkeit erhält diese Gruppe durch eine sehr gezielte Bombe in seinem Apartment. Diese ist nämlich in seiner Kloschüssel platziert worden. Zwar weiß Raeseng, dass jemand in seiner Wohnung war und sucht diese akribisch ab, doch die Bombe im Klo findet er nur mit bierseligem Dusel anstatt durch Geschick und Verstand. Sein Tracker verrät ihm, dass die Bombenkomponenten zum Großteil von Mito, einer Verkäuferin im Supermarkt, bestellt wurden. Doch auch nach reichlicher Beobachtung, kann weder Raeseng noch sein Tracker sagen, warum eine einfache Verkäuferin ihm eine Bombe schicken sollte. Doch dann entdeckt Raeseng Misa, Mitos Schwester und die Geschichte nimmt Fahrt auf.

Nun muss man leider sagen, dass bis dahin das Buch doch eher vor sich hingeplätschert ist. Literarisch war es gut, es war auch eine interessante Geschichte, man folgt Raeseng bei einem Auftrag, in seiner bierseligen Phase, in die Bibliothek, usw. Doch Geschwindigkeit nimmt die Geschichte erst auf, sobald Mito und Misa auf den Plan treten. Denn entgegen dem bluttriefend gestalteten Cover, der eine wahre Blutorgie vermuten lässt, ist Raesengs Geschichte doch eher nachdenklich, melancholisch, kühl. Es geht unblutig und bedächtig in dem Thriller zu, ganz anders als man das denn oft gewöhnt ist. Literarisch ist das sehr eindrücklich, doch ob der gemeine Thrillerleser damit zufriedenzustellen ist, bezweifle ich. Nichtsdestotrotz lohnt es sich durchzuhalten, denn nicht nur der Auftritt der zwei Schwestern ist sehr spannend, sondern es lösen sich auch viele Stränge eben erst im letzten Drittel des Buches.

Wer nun allerdings erwartet, dass er viel von Korea mitbekommt und in das landestypische Flair eintaucht, der wird enttäuscht werden. Korea bleibt weitgehend im Hintergrund, auch wenn natürlich die Geschichte in Korea spielt. Es gibt Anspielungen, ein politischer Wechsel wird erwähnt, doch Korea-Unkundige – so wie ich – werden sich damit schwer tun. Da liegt nun aber eben auch gar nicht der Fokus, sondern auf der Geschichte des Fleischmarktes, der Plotter und es geht um  Raeseng, der erst Mitspieler und dann ein Lenker des Spieles wird.

Fazit:
Ein unblutiger, melancholischer Thriller, der erst zum Ende hin an Spannung gewinnt, doch eindrücklich und literarisch durchgängig überzeugen kann.

 



Un-Su Kim – Die Plotter
Verlag: Europa Verlag
Übersetzer: Rainer Schmidt
360 Seiten
ISBN: 978-3958902329

 

 

 

 

 


 


Ein Kommentar

Delete: Dein Schatten ist ein Montag – Jung-hyuk Kim


Jung-hyuk Kim – Dein Schatten ist ein Montag
Verlag: Cass Verlag
Übersetzerin: Paula Weber
287 Seiten
ISBN: 978-3944751207

 

 

 

 

Dongchi Gu, früher mal Polizist, ist heute ein besonderer Privatdetektiv, er ist ein Deleter. Für seine Mandanten vernichtet er Gegenstände: Fotos, Tagebücher, Festplatten. Als einer seiner Klienten, Doughun Bae, unter ungewöhnlichen Umständen stirbt, gelingt es ihm, die gewünschten Gegenstände an sich zu bringen – bis auf ein Tablet. Sein früherer Kollege Inchon Kim ermittelt in Doughun Baes Todesfall und glaubt nicht so recht an Selbstmord. Aufklärung soll ihm das Tablet bieten, doch das bleibt verschwunden. Die beiden Männer beginnen gemeinsam an dem Fall zu arbeiten.

Kurios und einmalig
Die Geschichte lebt und atmet mit ihren kuriosen Charakteren. Ob diese denn nun alle authentisch sind, mag dahingestellt sein, aber sie machen die Geschichte ungewöhnlich und interessant. Die Charaktere sind alle so herrlich einzigartig und zum Teil makaber, dass jeder einzelne eine kleine Köstlichkeit ist. Es ist ein wahres Potpourri an findigen, gewieften und unverwechselbaren Charakteren. Hierzu zähle ich nicht nur die Detektive und Hausbewohner, sondern auch das Haus selbst, denn im Crocodile Building müffelt es ganz fürchterlich. Keiner weiß so genau, woher es kommt, doch jeder kommt damit zurecht. Das Haus scheint ein Teil seiner Bewohner zu sein und zu ihrem Leben dazu zugehören. Sei es Restaurantbesitzer Chan’il Park oder Eisenwarenhandlungsinhaber Gihyon Baek im Erdgeschoss, Kampfschulenbetreiber Cholho Cha oder Internet-Caféaushilfe Bin’il Lee im ersten und zweiten Stock oder eben Dongchi Gu oder seine Nachbarin Yunjong Oh im Dachgeschoss. Und nun keine Sorge, es gibt ein Personenregister. Tatsächlich treten auch gar nicht so viele mehr Personen auf, nur noch einige wenige, aus der Richtung, in welche die Ermittlungsspuren führen. Auf jeden Fall macht es riesigen Spaß mit den Figuren durch den Krimi zu streifen.

Der Detektiv
Dongchi Gu ist auch einer dieser einmaligen Charaktere. Er lebt und arbeitet im Dachgeschoss des Crocodile Building. Nur ungern empfängt er Klienten, viel lieber lauscht er italienischen Arien ausnahmslos aus den 1920ern auf einer Audioanlage mit nur einem Lautsprecher, die er liebenswerterweise „Zyklop“ nennt. In den Job als Deleter ist er eher so reingerutscht, gestartet hat er als normaler Privatdetektiv. Es würde ihn seinen Job kosten, würden seine Mandanten erfahren, dass er einige der Gegenstände, die er „deleten“ soll, behält, in einem verschlossenen Aktenschrank in seinem Dachgeschosswohnbüro. Er ist eher ein stiller Mensch, nicht sehr geduldig mit seinen Mandanten, aber immer bereit zu helfen, auch und vor allem in der Hausgemeinschaft. Es ist ein Geben und Nehmen, denn – nur um ein Beispiel zu nennen – hilft Bin’il ihm ja dabei, die digitalen Spuren zu „deleten“.

Selbstmord, Mord….
An einen Selbstmord mag weder Inchon Kim noch Dongchi Gu glauben und so stürzen sie sich, allein, aber auch gemeinsam, auf den Fall. Die Spuren führen sie zu Noble Entertainment, einer Filmproduktionsgesellschaft, einem Tennisklub und zu einer waffenliebenden Sekte, die es eigentlich schon gar nicht mehr geben soll. Für zusätzliche Aufregung sorgt die Tochter eines ehemaligen Klienten, die Dongchi Gu bei Erledigung seines Auftrags gesehen hat und ihn nun verfolgt. Trotzdem ist der Fall an sich jetzt nicht unbedingt spektakulär und auch die Spannung hält sich zwar kontinuierlich, aber auf einem unaufgeregtem Niveau. Der Krimi ist kein Pageturner, muss er aber auch nicht sein. Der Krimi lebt durch seine Atmosphäre. Und auch gar nicht so durch Beschreibungen von Land und Leute, sondern viel mehr durch seine Charaktere, durch die kauzigen und unumstößlichen Hausbewohner des Crocodile Building.

Fazit:
Die herausragenden und kuriosen Figuren machen diesen koreanischen Krimi mit einer eher gewöhnlichen Krimihandlung zu einem Highlight. Ein gelungener Ausflug in die asiatische Kriminalliteratur!