Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Perfekt: Family Business – Lisa Sandlin

2 Kommentare


Family Business – Lisa Sandlin
Übersetzerin: Andrea Stumpf
357 Seiten
ISBN: 978-3518470282

 

 

Delpha Wade und ihr Chef, Privatdetektiv Tom Phelan, sind gerade noch dabei sich vom letzten Fall zu erholen, als schon ein neuer Kunde eintrifft: Xavier Bell engagiert die Detektei, um seinen Bruder zu finden. Nachdem sie sich über die Jahre aus den Augen verloren haben, möchte der betagte Mr. Bell sich nun mit seinem Bruder aussprechen und versöhnen. Sagt er. Doch nicht nur an dem neuen Kunden, sondern auch an seiner Geschichte, lassen sich so einige Seltsamkeiten feststellen.

Endlich – der zweite Teil mit Delpha Wade! Manch einer mag sich erinnern, dass ich sehr begeistert vom ersten Teil Ein Job für Delpha war und ja, ich bin es auch jetzt wieder.
Dabei muss man beachten, dass der Kriminalfall nun ja, eher unspektatulär ist, die Ermittlungen bedingt durch die Umstände nur langsam vorangehen und überhaupt mehr auf die Charakterzeichnung, vor allem von Delpha, und das Setting der USA in den 70ern, Wert gelegt wurde. Und trotzdem, oder gerade deswegen, war das Buch spitze und hat mich nicht mehr losgelassen.

Neben dem Fall um Xavier Bell nehmen die zwei Detektive noch zwei, drei andere, kleinere Fälle an, die zwar schnell erledigt sind, aber tatsächlich aber mehr Actrion in die Handlung bringen als die Suche nach dem vermissten Bruder. Diese stellt sich als recht zäh und hartnäckig heraus, haben doch beide Brüder keine tiefe Verbundenheit zu ihrem Namen und wechseln diesen hin und wieder. Eine Sisyphusarbeit! So wälzen sich Tom und Delpha durch Geburtenregister, Maklerkäufe und Telefonbücher, klingeln bei Hauskäufern und besuchen Bibliotheken – was man eben so gemacht hat, in den Zeiten bevor jegliche Kleinigkeit im Internet verfügbar war. Ja, gute alte Recherchearbeit – und das weitgehend über das ganze Buch verteilt. Und trotzdem war das nun wirklich nicht langweilig, sondern schlicht und einfach spannend zu lesen.

Das gelingt durch das Einflechten der besagten weiteren Fälle des Detektivbüros, aber eben nicht nur, sondern eben auch durch die fabelhafte Delpha Wade. Wer sich nicht erinnert, dem sei hier nochmal gesagt, dass Delpha eine ganz normale Frau in den Dreißigern ist, die aber das Unglück hatte, nachdem sie einen Mann, der sie vergewaltigen wollte, in Notwehr getötet hatte und kein Geld für einen Anwalt aufbringen konnte, 13 Jahre im Gefängnis abgesessen hat. Aus diesem Grund ist Delpha nun eben zurückhaltend und verschlossen, nicht so vertrauensselig und schon gar nicht reich. Dafür ist sie aber wissbegierig, genau und clever, und möchte wieder ihren Platz in der Gesellschaft haben. Und hier hilft ihr Tom Phelan, welcher der einzige ist, der ihr einen Job gibt.

Im zweiten Teil nun, ist Delpha quasi aus dem Job der Sekretärin herausgewachsen und Tom schickt sie auch raus, um Recherchen zu erledigen und Nachforschungen zu betreiben. Hin und wieder ist das mit Rückblicken auf ihre Jahre im Gefängnis versetzt, die bei passenden Gelegenheiten eingestreut sind und Einblick in ihre Vergangenheit geben, darauf, wie sie zu dem Mensch geworden ist, der sie jetzt ist.

Wenn auch die Action in dem Buch eher gedeckt war, der Fall nun nicht sonderlich spektakulär, habe ich den Krimi doch eingesogen und im Nu ausgelesen. Das liegt zu einem großen Teil an Delpha, die für mich einfach eine der superspannendsten, interessantesten weiblichen Charaktere der letzten Jahre in der Kriminalliteratur ist, aber auch dem Flair der Zeit geschuldet ist. Ich fass es mal so zusammen: es strahlt eine vergangene Gemütlichkeit aus, die wir in unseren heutigen hektischen Zeiten einfach nicht mehr nachvollziehen können. Telefone haben noch Schnüre, Recherchen betreibt man in der Bibliothek – man kann dort sogar anrufen und die Auskunftsbibliothekarin sucht dem Anrufer die Antwort auf Fragen heraus, Wahnsinn, ich wusste gar nicht, dass es das gab! – die Autos sind klapprig, das Essen ist fettig. Einfach wundervoll! Es ist ein romantisches Bild der USA, eine verschlafene Stadt im Süden der USA in den 70ern  – überraschenderweise der perfekte Platz, um dort Kriminalfälle zu lösen.

Tobias Gohlis hat es perfekt zusammengefasst: “Von Delpha Wade möchte man mehr lesen.” Wohl wahr. Hat sich auch der Verlag gedacht und das Zitat hinten auf das Cover gedruckt. Von solchen Zitaten bin ich ja oft kein Fan, doch diesmal kann ich nur zustimmen. Für Privatdetektive habe ich sowieso einen besonderen Platz in meinem Leseherz und Delpha Wade hat es sich dort schon gemütlich gemacht. Ich mag Delpha Wade, ich mochte sie schon im ersten Teil und ich hoffe, es werden noch viele weitere Teile der Reihe erscheinen.

Fazit:
Für mich der perfekte Krimi. Und mal wieder der Beweis, dass ein Krimi weder reisserisch, noch blutig noch voller Action sein muss, sondern eben auch mit leisen Tönen, Charakterisierung und Setting voll überzeugen kann.

 

P.S.: Zum Abschluss noch eins. Wirklich unklar ist mir, warum man ein Buch, dessen englischer Titel “Bird Boys” ist, im “Deutschen” dann “Family Business” nennt. Das passt zwar auch zur Geschichte (immerhin), aber warum tausche ich einen englischen Titel zu einem anderen englischen Titel für eine deutsche Ausgabe?

 

2 Kommentare zu “Perfekt: Family Business – Lisa Sandlin

  1. Nach dem Fazit kann ich nicht widerstehen, es zu lesen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.