Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Mit viel Physik: Quantum – David Walton

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David Walton – Quantum
Verlag: Heyne
Übersetzer: Norbert Stöbe
381 Seiten
ISBN: 978-3453317635

 

 

 

 

Manchmal, ja, manchmal da komme ich mir dumm vor. Oder zumindest unwissend und uninformiert. Immer wenn ich Krimis lese, in denen sich die Handlung um politische oder geschichtliche Ereignisse dreht über die ich nichts oder fast nichts weiß, aber auch wenn über andere Länder oder Kulturen berichtet wird, die ich nicht kenne. Aber ich sehe das durchaus positiv – man kann schlicht und einfach nicht alles wissen und wie langweilige wäre es, wenn man schon alles wüsste? Ich lerne gerne aus Krimis. Ich muss allerdings zugeben, dass ich selten aus Thrillern lerne. Da ist dann doch der Fokus anders, es geht mehr um Spannung. Aber wenn man sich eben einen Science-Thriller aussucht, dann kommt man nicht umhin, auch hier etwas zu lernen. Oder dumm aus dem Buch zu gehen – so wie ich. Sorry, aber Physik war noch nie meins. Äpfel fallen eben auf den Boden – ja und? Nichtsdestotrotz hat mein Unwissen mich nicht daran gehindert, mich mit „Quantum“ gut unterhalten zu haben. Und spannend ist er obendrein noch.

Jacob Kelley ist Physikprofessor an einer kleinen Uni und lebt mit seiner Familie, seiner Frau Elena und seinen drei Kindern, ein beschauliches Leben. Aus der Forschung hat er sich zurückgezogen, auch wenn er durchaus bahnbrechende Erfolge gefeiert hat. Als dann eines Tages sein alter Arbeitskollege Brian Vanderhall vor der Tür steht und behauptet Quantenintelligenzen gefunden zu haben, kann Jacob das nicht glauben, auch nicht, als Vanderhall auf Elena schießt und die Kugel sie nicht verletzt. Vanderhall lässt Jacob und Elena verwirrt zurück. Kurz darauf wird Jacob wegen Mordes verhaftet – an Brian Vanderhall. Doch wie soll das möglich sein? Zu dem Zeitpunkt, als Vanderhall an einem völlig anderen Ort von ihm, Jacob erschossen worden sein soll, waren sie alle in Jacobs Wohnzimmer und sprachen über Quantenintelligenzen.

Und dann wird es kompliziert. Noch komplizierter? Ja, genau, noch komplizierter. Ich kanns auch nicht erklären, wobei sich der Autor wirklich Mühe gemacht hat und immer wieder Erklärungen eingebaut hat – er kann wirklich nichts dafür, dass ich ein völliges Unverständnis von Physik habe und schon gar nicht darüber hinaus denken kann. Es war auch keinesfalls langweilig oder belehrend – es war immer gut in die Handlung integriert. Jedenfalls gibt es dann zwei Jacob Kelleys. Einen, der für den Mord an Brian Vanderhall verhaftet wurde und eine Gerichtsverhandlung durchstehen muss. Und einen, der nicht verhaftet wurde, sondern sich versteckt und gleichzeitig versucht, zu lösen, worum sich Brian Vanderhalls Forschung gedreht hat und wo seine Familie ist, die durch einen Vorfall verschwindet. Ich könnte jetzt beginnen zu versuchen zu erklären, warum es plötzlich zwei Jacob Kelleys da sind (er ist übrigens nicht der einzige, der zweimal da ist), aber ich erspar Euch das – ich kann es eh nicht.

Aber dieses Konstrukt von den zwei Jacobs – im Buch sind die Kapitel übrigens durch die Bezeichnungen Up-Spin und Down-Spin voneinander zu unterscheiden, was bestimmt auch ein toller Hinweis ist, den ich nicht verstehe – macht die Geschichte unglaublich spannend und abenteuerlich. Die Gerichtsverhandlung offenbart nach und nach Jacobs Erlebnisse, der zweite Jacob sucht derweil das Rätsel dahinter zu verstehen und zu verarbeiten. Abwechselnde Kapitel haben ja schon immer für Spannung gesorgt, da die Handlung in dem einen Strang vom anderen unterbrochen wird usw. Nun haben wir aber zwei verschiedene Stränge mit ein und derselben Person – verwirrend, aber aufregend. Und dann gibt es eben noch nebulöse Schattenwesen, eine Freundin und eine Verräterin, einen Pfarrer und zwei Töchter, also eigentlich drei, aber nur zwei identische. Argh – ich lass das jetzt. Ihr lest einfach das Buch. Basta.

Fazit:
Von der physikalischen Sicht her für mich völlig unverständlich (ist aber meine Schuld!), aber durch zwei identische Hauptfiguren in Abwechslung und die abenteuerliche Suche nach der Lösung hinter dem Rätsel spannend und unterhaltsam!


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[Out of the box] Der Marsianer – Andy Weir

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Andy Weir – Der Marsianer
Verlag: Heyne
Übersetzer: Jürgen Langowski
512 Seiten
ISBN: 978-3453315839

 

 

 

 

Ich hab mal wieder einen Blick aus meinem Lieblingsgenre rausgewagt und diesmal war ich auf dem Mars! Ich hab über das Buch „Der Marsianer“ schon viel gehört und eigentlich hatte ich geplant, es mir als Hörbuch zu holen und anzuhören, doch manchmal kommt es eben anders. Als ich neulich einen Krimi anfangen wollte bin ich nicht so recht reingekommen und so hab ich nach etwas anderem gesucht und bin auf „Der Marsianer“ gestoßen und hatte richtig Lust, es zu lesen.

Als ein Sandsturm auf dem Mars so stark wird, dass die Bodenkontrolle die Ares 3 Crew, die dort gerade die 3. Marsmission ausführt, anweist, sofort abzubrechen und den Planeten zu verlassen, wird Mark Watney, 6. Crewmitglied und der Bonatiker sowie Ingenieur der Truppe, verletzt und für tot gehalten und auf dem Mars zurückgelassen. Watney, lakonisch und mit so gar keinem Willen sich in sein Schicksal zu ergeben, dokumentiert seine Erlebnisse im Bordtagebuch und plant es bis zur nächsten Ares Mission auf dem Mars auszuhalten und mit dieser Crew wieder zurückzufliegen. Probleme? Ach was, die ist ja schon in 4 Jahren und auch nur 3.200 Kilometer entfernt.

Ich hab mir schon ein wenig Sorgen gemacht, ob ein Typ allein auf einem Planeten genug Unterhaltung für 500 Seiten bietet, aber das war wirklich gar kein Problem. Zum einen ist Mark Watney ein unterhaltsamer Typ, der sich auch nicht zu schade ist, Ironie und Sarkasmus in das Tagebuch einzubauen, zum anderen ist Watney ständig in Bewegung – schließlich kämpft er um sein Überleben. Ach ja, und ganz allein ist er natürlich auch nicht – nein, keine Angst, keine Marsianer oder ähnliches – aber nach einiger Zeit fällt auch der Nasa auf, dass die Satellitenbilder des Ares 3 Camps sich irgendwie verändern und der Leser hat dann immer mal wieder Abwechslung, indem er dem Geschehen auf der Erde folgt oder auch auf der Raumstation, auf welcher sich die restliche Ares Crew auf die Rückreise zur Erde vorbereitet.

Watney mag zwar „nur“ das 6. Crewmitglied sein, aber seine Fähigkeiten waren für das Überleben schon entscheidend. Ich wäre nicht mal einen Tag weit gekommen und verreckt – ach was, mich hätten die da gar nicht hingelassen. Watney ist kein Genie, aber er hat schon einiges drauf und wenn nicht, dann macht er sich halt erstmal ein paar Gedanken. Denn es gibt eine Sache, die hat er auf dem Mars echt genug: Zeit. Und irgendwann kommt ihm dann schon eine Lösung, nicht immer ungefährlich und keinesfalls ohne Rückschläge. Da pflanzt er eben Kartoffeln an, fackelt fast seine Wohnkuppel an, machte eine 1000 kilometerweise Reise und, und, und. Langweilig wird es nie – allerdings schon auch mal recht technisch und wissenschaftlich. Für mich nicht immer nachvollziehbar (kommt davon, wenn man Sprachen studiert), aber sehr beeindruckend und vor allem ist es gut in die Geschichte eingeflochten, es wird nie zuviel.

„Klebeband funktioniert überall. Klebeband ist Magie und sollte angebetet werden.“ (S. 306)

Das Buch impliziert, dass er – und auch die Welt – an seiner Rettung arbeiten. Und hier kommen wir zu dem Aspekt, den ich mal „typisch amerikanisch“ nenne. Natürlich will man den einen, verlorenen Menschen im Weltraum retten und hat auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, da das Projekt eine Offenlegungsklausel hat. Und so stecken die Amerikaner da nicht nur Hunderttausende, nein gleich Hundertmillion von Dollarn rein, lassen eine Rakete mal eben explodieren und schließen fast schon Frieden mit China. Aber hey – auch als Leser will man den Kerl einfach retten und so vergibt man dem Zuckerguss in dem Buch und hofft und bangt und hofft und bangt… bis ganz zum Schluß.

Fazit:
Unterhaltsam und spannend, mit einem ironischen und zähem Mark Watney, einem Kampf gegen den Mars und ein wenig technischem und wissenschaftlichem Gedöns. Es hat wirklich Spaß gemacht!