Die dunklen Felle

Krimis, Schafe – und Felle.


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Sonnensattes Weizenland: Am roten Fluss – Marcie Rendon


Marcie Rendon – Am roten Fluss
Verlag: Argument
Übersetzerinnen: Laudan & Szelinski
214 Seiten
ISBN: 978-3867542296

 

 

 

 

Mit dem Schlagwort „Country Noir“ ist dieser Krimi in der Verlagsvorschau des Argumentverlages aufgetaucht. Und gespannt wie ein Flitzebogen war ich, denn es ist doch selten bzw. fast unmöglich, über eine Autorin zu stolpern, die dieses Genre bedient. Und bevor nun jeder über mich herfällt – ich kenne zumindest keine andere Autorin aus dem Country Noir, die ins Deutsche übersetzt wurde und den englischsprachigen Raum kenne ich so gut wie gar nicht, so dass man mir hier lieber Tipps geben sollte, wenn denn welche bekannt sind, als sich darüber zu mokieren. Und auch wenn der (eben zumeist männliche) Country Noir von vielen meiner geschätzten Krimibloggerkollegen hoch gelobt wird, mich konnte er bisher nicht abholen. Jetzt also ein Versuch mit Autorin und Protagonistin – von meiner Seite aus ein gelungener Versuch!

Zugegebenermaßen ist die Protagonistin Renee Blackbear, von allen nur Cash genannt, ein kleiner Wildfang. Ungestüm und eigensinnig boxt sie sich schon seit Jahren alleine durchs Leben, von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben und als Arbeitskraft missbraucht, so dass es nicht verwundert, dass Cash alsbald auf eigenen Beinen stehen will. Im Weizengürtel gelingt dies mit harter Arbeit auf den Weizenfeldern – zumindest wenn man nicht heiraten und Farmersfrau werden will. Da der Weizen aber nun nicht immer Saison hat, poliert die Neunzehnjährige ihr Gehalt mit Poolturnieren auf, bei denen das Bier zwar massig fließt, aber Cash eben auch ihrem Spitznamen gerecht wird und mächtig einsackt. Sie ist etwas zwischen Göre und alter Frau, rotzfrech, aber arbeitsam hat sie sich den Respekt der Arbeiter verdient. Sie kann zupacken und gehört – auf dem Feld – zu den Männern. In anderen Bereichen sieht das schon wieder anders aus.

Mit dazu schwingt natürlich ihre indianische Herkunft. Diese spielt auch eine Rolle, als die Leiche eines Indianers auf einem abgeernteten Feld auftaucht. Nicht nur Cash ist interessiert, sondern auch der Sheriff erhofft sich ihre Mithilfe. Hier muss ich erwähnen, dass sich der Kriminalfall nicht als sonderlich knifflig herausstellt und die Verbrecherjagd auch eher in Grenzen hält, doch hervorragend gelingt es der Autorin die Zerrissenheit und Zwiespälte zwischen Weißen und Indianern aufzuzeigen. Die Indianer, die in Reservaten leben und zum Arbeiten zu den Farmen fahren und ihre Familien zurücklassen, die Kultur aber auch die Alkoholabhängigkeit, an der auch Cash nicht wenig leidet, die zerrissenen Familien und zertrampelten Traditionen, die Vorurteile – all das findet sich in der Krimigeschichte, aber auch in Cash. In ihrer eigenen Geschichte, aber auch in der ihrer Mutter.

Neben Cash ist definitiv – und das gehört sich dann auch so in einem Country Noir – das Land die zweite, aber gleichrangige Protagonistin. Wenn man ein Buch liest und man schon fast das Spreu aus den Seiten fliegen sieht, die glühende Hitze spürt und den Geruch von Schweiß nach harter Arbeit riechen kann, dann, ja dann ist eine Landschaft beim Leser angekommen. Weite, unendliche Weizenfelder, ein paar verstreute Orte, staubige Straßen, aber eben auch hartarbeitende Menschen, die dem Land alles abtrotzen, die abends in die ortsansässige Kneipe gehen und ansonsten nicht viel Lebensinhalt zu haben scheinen – dieses Lebensgefühl in einem so dünnen Buch verpackt zu kriegen, lässt einen durch den Text fliegen, neben der raubeinigen Cash, und den einfachen Krimifall wohlwollend ab nicken, weil er einfach grandios verpackt ist.

Fazit:
Kriminalistisch einfach gestrickt, dafür mit zwei Protagonistinnen, die einen umhauen: Cash, die rebellische Indianerin, und der sonnendurchtränkte Weizengürtel zwischen Dakota und Minnesota. Endlich ein Country Noir nach meinem Geschmack!

 

 

 

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#DasSuBabc – Woah! Ich mach eine Challenge mit!

Ja, ja – ich mache eine Challenge mit. Meine erste. Ich bin ganz aufgeregt!

Ich habe schon viele Challenges an mir vorbei ziehen sehen, doch die meisten passten nicht zu mir. Die Subventur-Challenge – #DasSuBabc von KeJas-BlogBuch.de scheint aber gut zu mir zu passen und hat ja auch noch einen Sinn: den Abbau des SuBs. Es soll ja tatsächlich Leser geben, die sowas nicht haben oder gar nicht kennen, deshalb noch ganz kurz: der SuB ist der Stapel an ungelesenen Büchern. Bei mir ist das eher kein Stapel mehr, doch eine Inventur werde ich deswegen trotzdem nicht machen. Ich will gar nicht wissen, wie viele das sind….

Nichtsdestotrotz werde ich jetzt drei Monate lang versuchen, diesen Stapel zu reduzieren und die Bücher den vorgegebenen ABC-Aufgaben zuzuordnen. Ob ich alle schaffe? Mal sehen – theoretisch reizt mich das schon, doch ein paar wenige stellen mich vor eine Herausforderung, z. B. das Kinder- oder Jugendbuch oder auch das Sachbuch. Und hier kommt dann das ABC – ein paar Bücher hab ich schon mal in Planung dazu geschrieben, doch diese sind noch nicht fest.

A – Bücher angefangen, beiseitegelegt und nie beendet, lies ein anfangendes Buch nun zu Ende
         Planung: Die Ratten von Perth – David Whish-Wilson
B – Nur was für „Babys“? Lies ein Buch aus dem Bereich Kinder- und Jugendbücher

       
C – Lies ein Buches, welches Du aufgrund seines Covers gekauft hast


D – Doppelte Freude! Du darfst bei dieser Aufgabe ZWEI Bücher DEINER Wahl lesen


E Lies ein eBook

        Planung: Acht Millionen Wege zu sterben – Lawrence Block
F Ferne Länder, lies ein Buch welches nicht in Deutschland spielt


G Lies ein Buch dessen Genre kaum bis gar nicht von Dir gelesen wird

        Planung: Elefant – Martin Suter
H Hör ein Hörbuch

        Da ich für ein Hörbuch kaum noch genügend Zeit aufbringen kann, habe ich mich entschlossen und mir das auch von KeJas Buchblog genehmigen lassen, dass ich ein Hörspiel höre. Bedingung war, dass es auf einem tatsächlich Buch basiert. Nun, das tun die Gruselkabinette zwar, aber meist sind es Kurzgeschichten. Und damit ich hier also nicht „günstiger“ davon komme als andere, habe ich mich entschlossen einfach ein paar Gruselkabinette zu hören. Die Beurteilung habe ich auf Goodreads gemacht und hier sind die Links:
Das ägyptische Parfüm – Charles Webster Leadbeater (Gruselkabinett 103)
Der Leichendieb – Robert Louis Stevenson (Gruselkabinett 27)
Der Streckenwärter – Charles Dickens (Gruselkabinett 128)

I – Lies ein informatives Buch (Sachbuch)


J Lies ein Buch in dem der Job eines Protagonisten eine bedeutende Rolle spielt


K  Kaum Worte – lies ein Buch mit nur einem Wort als Titel (ohne Untertitel!)


L Liebe, lies ein Buch welches von Beziehungen handelt

M Lies ein Buch mit mehr als 500 Seiten

N  Ein Name im (Buch)Titel


O Lies ein Buch dessen Cover vorrangig orange ist

        Planung: Am Rand der Welt – Ross Thomas
P Lass uns an einem Psychothriller teilnehmen


Q Quatsch machen, lies etwas total verrückt- bzw. fantasievolles 

        Planung: Die Arena – Stephen King oder Exit West von Mohsin Hamid
R Lies ein Buch aus einer Reihe – egal welcher Band

        Planung: Brennende Kälte – Wolfgang Schorlau
S Lies ein Buch dessen Cover vorrangig schwarz ist
        Planung: Die Straße – Cormac McCarthy
T Lies ein Buch in dem ein Tier die Hauptrolle spielt


U Lies ein Buch eines dir unbekannten Autors oder Verlags

        Planung: Außer Kontrolle – Volker Heise
V Lies ein Buch welches in der Vergangenheit spielt (mind. 10 Jahre)


WLies ein Buch mit weniger als 500 Seiten (aber mind. 100!)


X Lies ein Buch dessen Hauptcharakter ein X-Chromosomhat (weibliche Protagonistin)


YLies ein Buch dessen Hauptcharakter ein Y-Chromosomhat (männlicher Protagonist)


Z Lies ein Buch das in der Zukunft spielt (mind. 20 Jahre)

       

Für jedes Buch ist eine Rezension bzw. ein Lesekommentar gefordert. Hier werde ich wohl dann auch Kurzmeinungen per Goodreads verlinken, da ich es nicht schaffen werde, zu jedem Buch eine Rezension zu schreiben. Dieser Beitrag gilt also als Sammelthread für meine Meinungen zu den gelesenen Büchern. Ach ja, um in den Lostopf eines noch nicht bekannten Gewinnes (aber kein Buch) zu hüpfen, muss ich mindestens 6 Buchstaben abhaken – das wird mir doch wohl gelingen, oder?


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2017 – eine Abrechnung

Ich überleg jetzt schon eine Weile, um kluge und kreative Wörter zu finden, um den Beitrag zu starten. Tja, es will heute nicht so, wie ich will. Also machen wir es kurz: 2017 ist vorbei und es ist Zeit nochmal kurz zurückzuschauen. Die Rechnung bitte!

Kommen wir zuerst zur Statistik. Man mag es gemerkt haben, 2017 war jetzt nicht unbedingt mein Jahr. Zumindest lesetechnisch. Ich habe weniger Bücher gelesen und davon auch noch weniger Bücher rezensiert. Letztendlich hat mir das sogar ein wenig gut getan, den es hat mir Gelassenheit beschert. Klar, ein wenig erzwungen, aber letztendlich kommt es ja auf das Ergebnis an. Ich hab jetzt noch nie nach Follower-Zahlen oder Likes geschaut, aber ich hatte ja in den Jahren davor einen festen Rhythmus – den hab ich über den Haufen geworfen und einfach veröffentlicht, wann ich wollte und was ich wollte. Frei Schnauze fühlt sich gut an – und das mach ich auf jeden Fall weiter so!

Veröffentlicht hab ich meist so zwischen 3 und 5 Beiträge im Monat, einzig der Oktober und Dezember ragen heraus. Beides bedingt durch Aktionen: Im Oktober habe ich mit viel Vergnügen an der Blogtour zu „Der weiße Affe“ teilgenommen und im Dezember habe ich einer liebgewonnenen Tradition gefröhnt und mit Kaliber.17 ein Spezial zum Thema „Inseln“ veröffentlicht.

Nun aber zu den gelesenen Büchern. In 2017 habe ich zwar lt. Goodreads mein Ziel von 100 Büchern geknackt, allerdings waren da auch Hörspiele und Kurzgeschichten dabei. Letztendlich sind es also nur 93 Bücher mit 30477 Seiten geworden. Nichtsdestotrotz ein beachtliches Ergebnis. Mein erstes Buch war „Zeit der Finsternis“ von Malla Nunn, mein letztes Buch in 2017 war „Bios“ von Daniel Suarez.

Viel wichtiger sind aber die Bücher, welche mich in 2017 restlos begeistern konnten und deshalb kommen jetzt hier meine Top 6:

Der aufrechte Mann – Davide Longo
Eine Dystopie aus Italien. Ein Land ohne Recht und Ordnung, durch welches sich ein Literaturprofessor mit seinen Kindern durchschlägt und dabei versucht er selbst zu bleiben. Das Buch, welches mir am längsten in Erinnerung geblieben ist und über das ich auch heute immer wieder noch nachdenken muss – auch wenn ich es schon im Februar 2017 gelesen habe. Erschreckend, bedrückend, beänstigend, aber einfach grandios.

 

Alles so hell da vorn – Monika Geier
Der bisher letzte, aber hoffentlich nicht DER letzte Teil aus der Reihe um Kommissarin Bettina Boll. Herrlich normale Teilzeit-Kommissarin mit zwei geerbten Kindern schlägt sich durch das schlammige Dickicht von Prostitution, Kindesmissbrauch und Menschenhandel. Bei „Böllchen“ (ja, ich weiß, den Spitznamen mag sie nicht) ist alles normal und dadurch so realistisch und überzeugend. Ein Traum von einem Krimi. Bitte weiter so!

 

Drift – Anne Kuhlmeyer
Dauerregen, Überschwemmungen. Ein paar Fremde stranden in einem Haus und werden vom Rest der Zivilisation abgeschnitten. Mehr braucht Anne Kuhlmeyer nicht als Ausgangsposition, doch was sich dann entwickelt ist so überraschend und unerwartet, dass ich sprachlos aus dem Buch bin. Man sagt ja oft so dahin, dass es überraschende Wendungen gab, aber so eine Wendung hat wirklich alle meine Erwartungen ausgehoben und umgeworfen. Wirklich genial!

 

Ein Job für Delpha – Lisa Sandlin
Delpha kommt nach Jahren aus dem Gefängnis frei – nein, nicht unschuldig, aber für ein Verbrechen, für das ich ihr eher auf die Schulter geklopft hätte – und tut sich schwer mit den Neuanfang. Doch sie ist beharrlich und Tom Phelan kann nicht anders als sie zur Sekretärin in seiner neu gegründeten Privatdetektei zu machen. Wie sich herausstellt: ein tolles Team. Der Krimi kommt leise, aber gewaltig. Delpha ist ein wahnsinnig toller Charakter – ich mag sie sehr. Und auch wenn sich an dem Buch die Geister scheiden, hat sie viele Fans gewonnen. Ich hoffe doch sehr, es gibt bald eine Fortsetzung!

 

Der Report der Magd – Margaret Atwood
Eine Dystopie, in welcher im zukünftigen Staat Gilead die gesellschaftliche Struktur so aufgebaut ist, dass die höchste Reproduktion stattfindet, durch die absolute patriarchale Macht und die totale Unterdrückung der Frau, verpackt in christlich-biblische Werte. Ein beeindruckendes und nachdenklich machender Blick in die Zukunft, aber auch ein fragender Blick mit einer unzuverlässigen Erzählerin. Ein Meilenstein der Literatur und ein Meisterwerk, keine Frage. Sehr lesenswert – und ich frage mich jetzt noch, warum ich es so lange nicht gelesen habe.

 

Spenser und der Cree-Indianer – Robert B. Parker
39. Band der Reihe um den Privatdetektiv Spenser, in welchem er sich in das Filmmilieu stürzt und den Tod eines jungen Mädchens aufklärt. Und damit nicht genug: er wird der Mentor von – na, von wem schon – von einem Indianer. Für mich der erste Spenser – warum nur? – und auch wenn ich diesen erst im Dezember 2017 gelesen habe, habe ich im gleichen Monat noch einen weiteren verschlungen, den 1. Band. Ach, was soll ich sagen – ich steh einfach auf Privatdetektive. In mir hat Spenser jedenfalls ein neues Fangirl gefunden.

 

Natürlich habe ich noch viele tolle weitere Bücher gelesen, manche sehr gut, manche gut, manche nur so lala – ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit meinem 2017.
Mit diesem Beitrag möchte ich mich auch bei allen meinen Followern bedanken, denen, die still folgen genauso wie denen, die mit mir über meine Lieblingssache quatschen. Vielen Dank! Ihr bereichert mein Leben – und ich hoffe, ich kann dies auch an Euch zurückgeben, zumindest ein wenig.

Somit bleibt mir nur noch zu sagen: lasst 2018 beginnen! Ich wünsche Euch einen guten Start ins neue Jahr und genießt Eure Lesezeit.


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Brexit, Druxit und was dann? : Zoë Beck – Die Lieferantin


Die Lieferantin – Zoë Beck
Verlag: Suhrkamp
325 Seiten
ISBN: 978-3518467756

 

 

 

 

Ellie Johnson liefert Drogen per App und Drohne. Und zwar astreinen Stoff, kein gepanschtes Zeug, bei dem man nicht weiß, woraus es besteht und was man sich in die Venen jagt. Mit diesem Geschäftsmodell macht sie den traditionellen Drogenbossen Konkurrenz und das sehen diese gar nicht gerne. Die Jagd auf „Die Lieferantin“ beginnt, doch die gibt sich nicht so leicht geschlagen.

Ich habe lange überlegt, ob ich eine Rezension über „Die Lieferantin“ schreibe – einfach aus Zeitgründen – aber es wäre wirklich schade, wenn ich dem Buch keinen Beitrag widmen würde. Und weil eben gerade ein Mangel an Zeit herrscht versuche ich mich einfach an einer Kurzrezension, um zu versuchen, dem Buch einfach noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Denn es lohnt sich.

Zoe Becks neuer Thriller war schon vor Erscheinen quasi fester Kandidat für die Krimibestenliste und aus diesem Grund hat sich manch einer schon gefragt, ob das Buch die Vorschusslorbeeren denn überhaupt verdient. Und ja, das tut es. Und zwar aus vielen Gründen, aber ich will mich ja kurz fassen, deshalb gibt es hier nur vier davon:

Realistischer und beängstigender Blick in die Zukunft
Zwar nur ein Nebenschauplatz und auch kein allzu weiter Blick in die Zukunft, doch Zoë Beck gelingt es die aktuellen Entwicklungen in Großbritannien weiterzuspinnen. Neben ein paar technischen Erweiterungen werden die Brexit-Anhänger zu den Rotweißblauen und radikalisieren sich weiter. Die Lage wird für Auswärtige brenzlig und der „Druxit“ droht das Land weiter zu spalten.

Legalisierung von Drogen
Ob man nun dafür oder dagegen ist, ist völlig irrelevant, denn die Autorin liefert einfach ein paar gute Gründe, um sich mal ein paar mehr Gedanken zum Thema zu machen. Der „Druxit“ würde jegliche medizinische Hilfe für Drogenabhängige zunichtemachen – bei einer Legalisierung könnte Drogenabhängigen geholfen werden, Kriminalität verringert werden und Drogentote verhindert werden. Für oder Wider? Ein Drogenverbot lässt die Drogen ganz sicher nicht einfach von der Erde verschwinden, also wie damit umgehen?

Die Drogendealer
Zoe Beck verleiht ihren Hauptfiguren mehrere Dimensionen, zeigt Ambivalenz und bietet eine breite Palette. Ellie Johnson ist sehr geradlinig, zukunftsorientiert, überlegt. Und Drogendealerin. Declan Boyce – derjenige von der Gegenseite, der das Problem mit der Lieferantin lösen soll – ist der zweite in der Nachfolge seines Vaters und muss nun zeigen was er kann, weil sein älterer Bruder beschlossen hat, auszusteigen. Eigentlich ein unsicherer, schüchterner Studierter, bis er sich zum selbstsicheren, überheblichen Möchtegern-Mafioso entwickelt und die Situation eskaliert. Zugegebenermaßen ist seine Entwicklung ein wenig drastisch.

Verdammt cool
Ich mag halt einfach wie Zoe Beck schreibt und ihre Thriller aufbaut. Man rast so durch das Buch und weiß gar nicht wie einem geschieht. Alles passt – das Tempo, der Aufbau, die Charaktere. Und auch der leise Humor kommt nicht zu kurz. Hach, so sollten einfach mehr Thriller sein.

Hm, ich fürchte, es ist jetzt doch keine Kurz-Rezension geworden, aber egal, denn das Wichtige ist, das Ihr jetzt sagt: ja, das Buch hol ich mir. Zoë Beck Fans werden dieses Buch auf jeden Fall mögen, allen anderen kann ich es nur ans Herz legen. Es lohnt sich!

Fazit:
Ein Kombi-Paket aus Drogenkrimi und Zukunftsroman: Zoë Becks Thriller bietet alles was man für einen spannenden Lesegenuss braucht, verpackt in einer düsteren, nicht allzu fernen und leider nur zu realistischen Zukunft.

 

Besprechungen bei anderen Krimi-Blogs
Kaliber.17 sagt dazu: Die Lieferantin ist ein flotter Kriminalroman mit einigen guten Einfällen, politischer Note und auch schwarzem Humor.
Buch-Haltung sagt dazu: Zoë Beck hat erneut ihren Finger am Puls der Zeit und präsentiert mit diesem Krimi einen hochaktuellen, spannenden und originellen Roman, dem man die in einigen wenigen Passagen etwas platten und plakativen Szenen gerne verzeiht.

 

Und zum Schluss noch Zoë Beck über „Die Lieferantin“:


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Dennis Lehane | Shutter Island

Auch geliebte Traditionen enden irgendwann – so wie das gemeinsame Spezial mit Kaliber.17, denn hier kommt schon die letzte Rezension.
Hier hat Nora eine Lücke in ihrem Krimikanon geschlossen und ist begeistert. Und auch ich möchte mich der Empfehlung anschließen – Shutter Island lohnt sich!

Kaliber.17 | Krimirezensionen

Seit vielen Jahren habe ich die Insel nicht mehr gesehen. Das letzte Mal war es vom Boot eines Freundes aus, der sich auf das offene Meer hinauswagte. Da lag sie in der Ferne hinter dem inneren Ring von Inseln, verschleiert vom sommerlichen Dunst, ein achtlos hingeschmierter Farbfleck am Horizont. (Auszug Seite 11)

Während der Titelauswahl zu unserem Adventspezial stellte sich heraus, dass ich als einzige von uns noch nicht Dennis Lehanes Shutter Island gelesen (und gesehen) hatte, und das, obwohl ich seine Romane so schätze. Ich muss gestehen, dass mich der Filmtrailer unerklärlicherweise immer etwas geängstigt hat, so dass ich das Buch für zu gruselig hielt. Dabei ist Shutter Island einer der Titel, die geradezu exemplarisch für unser Themenspezial steht, denn er bietet das Setting und die Spannung, die wir bei der Planung im Sinn hatten.

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Englischer Besuch: Mein Freund Maigret – Georges Simenon

Georges Simenon – Mein Freund Maigret
Verlag: Diogenes
Übersetzerin: Annerose Melter
203 Seiten
ISBN: 978-3257205060

Der Link führt zur maigret.de Webseite – ein direkter Link zum Buch auf der Verlagswebseite war leider nicht möglich, da das Buch momentan nur antiquarisch erhältlich ist.

 

Wenn man Proquerolles, welche Simenon genutzt hat, um dort seinen Krimi anzusiedeln, mal mit Google sucht erhält man wunderschöne Bilder von einer Ferieninsel an der Mittelmeerküste Frankreichs. Ein kleines Paradies, welches dazu einlädt eine Auszeit zu nehmen und die wunderschöne Landschaft zu genießen. Der Krimi ist allerdings zu einer Jahreszeit angesiedelt, als noch kaum Urlaubsgäste auf der Insel weilen, so dass der Kreis der Verdächtigen klein und überschaubar ist und zumeist aus Einheimischen besteht. Eine andere Funktion lässt Simenon der Insel nicht angedeihen, denn er tut einfach das, was er so wunderbar kann: er zeigt die Menschen.

Maigret ist genervt. Ein Engländer – Inspektor Pyke – wurde ihm an die Seite gestellt. Der soll die hoch gelobte Methode Maigrets studieren und diese mit nach England nehmen. Und eigentlich hält sich der Engländer vornehm zurück, doch auch das stört Maigret. Wer weiß schon, was der Insulaner so denkt? Zudem passiert gerade wenig, was es sich lohnt dem Engländer zu zeigen. Doch dann wird Maigret nach Proquerolles gerufen. Ein Mann, Marcel Pacaud, wurde ermordet – nachdem er in höchsten Tönen von seinem Freund Maigret geschwärmt hat. Dabei ist Pacaud ein Taugenichts, der denn auch hin und wieder im Gefängnis landete. Maigret hat sich allerdings um seine Freundin Ginette, eine Prostituierte, die an Tuberkulose erkrankt ist, gekümmert. Maigret macht sich, gemeinsam mit Pyke, auf nach Porquerolles, um den Mord zu lösen.

In Porquerolles trifft Maigret auf den eifrigen Polizisten Lechat, der ihm die Einheimischen, aber auch Zugreiste, die dauerhaft auf der Insel leben, bzw. auf Schiffen vor der Insel ankern, zum Verhör anreicht. Dieses Völkchen trifft sich abends in der Arche und hat Pacauds Lobeshymnen vernommen. Hier treffen sich die Ansässigen und die Aussteiger zum Abendessen und Trinken. Lechat führt Maigret alle zur Befragung vor und Maigret lässt es geschehen, um gut vor Pyke auszusehen, doch letztendlich kann er sich dann doch dazu durchringen, seinen Weg zu gehen. Er wandert über die Insel, unterhält sich hier und dort, manchmal mit Pyke als Anhang, aber auch mal ohne.

Die nebenbei geführten Gespräche bringen viel mehr als die Verhöre, die ja einen gezwungenen Charakter haben und schon per se von einigen mit Widerstand belohnt werden. Die Gespräche offenbaren Maigret nicht nur nach und nach das Motiv und den Mörder, sondern zeigen auch das gesellschaftliche Geflecht der Inselbewohner, ihre Gewohnheiten und Geheimnisse. Er zeigt die Menschen wie sie sind, ganz unterschiedlich, nie unfehlbar, immer eigen und einzigartig, selbst die Bedienung im Gasthaus. Und so bleibt Simenon seinem Stil treu und weiß damit doch zu bezaubern.

Ein Maigret Krimi ist wie ein Glas guter Wein – es spricht alle Sinne an und man muss es genießen, um das volle Aroma zu riechen und zu schmecken, man kann den Wein nicht einfach hinunter schütten. Es braucht Zeit, um sich zu entfalten, aber dann überzeugt es auf ganzer Linie.
So ist Simenons Stil und so ist auch Maigret. Auch er braucht eine Weile, doch dann ist er doch tatsächlich auch mit Pyke im Einklang und ganz in seinem Wesen wieder angekommen. Fragt er sich am Anfang ständig, was Pyke wohl denken mag, verliert sich das und er findet sich wieder, zeigt Pyke ganz unbewusst seine viel gerühmte Methode. Und überführt natürlich den Übeltäter. Bravo!

Fazit:
Ein Maigret, wie wir ihn kennen. Zwar bringt ihn der englische Besuch ein wenig aus dem Tritt, doch Maigret findet seine Methode wieder und weiß den Täter zu überführen. Ein wunderbares Buch – in einer traumhaften Kulisse, auch wenn diese nur im Hintergrund auftritt.

 


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Peter May | Moorbruch

Und weiter geht es: mit Gunnar von Kaliber.17 geht es heute auf die Hebriden. Peter Mays „Moorbruch“ bietet keine Ausgefallenheit oder Skurilitäten, dafür Authentizität und einen realistischen Plot.

Kaliber.17 | Krimirezensionen

Fin ließ Whistlers Fernglas sinken. „Du weißt, wessen Flugzeug das ist?“
Whistler nickte.
„Was zum Teufel macht es da unten, Whistler? […]“
Whistler zuckte mit den Achseln, sagte aber nichts dazu.
„Das schau ich mir mal aus der Nähe an“, sagte Fin.
Whistler hielt ihn am Arm zurück, einen seltsamen Ausdruck in den Augen. Angst, hätte Fin gemeint, wenn er es nicht besser gewusst hätte.
„Das sollten wir lieber lassen.“ (Auszug Seiten 191-192)

Fin Mcleod hat einen neuen Job als Sicherheitschef eines großen Guts auf Lewis. Sein erster Auftrag: Er soll ausgerechnet die Wilderei seines alten Freundes Whistler stoppen. In den Bergen werden beide von einem extremen Gewitter überrascht, Whistler rettet Fin in eine Höhle. Als sie am anderen Morgen wach werden, hat sich in der Nacht ein bizarres Naturschauspiel zugetragen: Ein Moorbruch. Der unterhalb ihrer Höhle liegende Loch ist verschwunden, das Wasser abgelaufen – und mitten im schlammigen Seegrund…

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