Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Made in Germany: Last Shot – Hazel Frost


Hazel Frost – Last Shot
Verlag: Droemer Knaur
386 Seiten
ISBN: 978-3426306420

 

 

 

 

Dieses Buch hatte ich mir schon auf die Wunschliste gesetzt, doch durch die überaus ansprechende  Rezension auf Krimilese hab ich das Buch sofort gekauft und gelesen. Das mache ich nur überaus selten – zwar kaufe ich Bücher oft direkt bei Erscheinung, doch gelesen werden diese oft erst Tage, Monate, ja und auch Jahre später. Hüstel. Egal – bei dem vorliegenden Thriller, der hier unter einem Pseudonym einer mir schon bekannten deutschen Autorin veröffentlicht wurde, war die Entscheidung genau richtig.

In den bayrischen Bergen, an einem verlassenen Rastplatz. Ein Mercedes, die Türen stehen offen. Als Dima nach der Pinkelpause zum Auto seiner Familie zurückkehrt findet er sie alle erschossen vor: seinen Vater Youri, seine Schwestern Lale und Ayla; Mathilda ist verschwunden.

Das ist die Ausgangssituation und danach beginnt ein wilder Roadtrip, bei dem man sich ständig fragt: und das in den bayrischen Bergen? Sind wir nicht irgendwo in den USA, in einsamen, wilden, vogelfreien Landstrichen? Nein, sind wir nicht, denn die Autorin beweist mit Bravour, dass so ein Thriller eben auch in Deutschland funktioniert. Und was für ein Thriller das ist!

Tatsächlich wird auch viel gefahren in dem Buch, so dass die Idee des Roadtrips eben einfach nahe liegt, doch auch die außergewöhnlichen Charaktere, die dann auffällig zufällig diesen Thriller bevölkern, haben es mir angetan und gehören definitiv in einen Roadtrip. Dabei ist Dima für mich der uninteressanteste Charakter, gleich gefolgt von November, derjenigen, die Dimas Familie erledigt. Nein, keine Sorge, ich spoilere nicht, das weiß man von Anfang an. Die Nebencharaktere sind es, die diesen Thriller zu etwas besonderem machen. Dabei sind die Polizisten Horst Horst und Kamilla Rosenstock, die widerwillig und auf ganz eigene Art in dem Fall ermitteln. Die dicke Betty und der mit Drogen vollgepumpte Slick, die Dima aufgabeln und als Geisel nehmen, bis Dima die beiden als Geisel nimmt, gefolgt von zwei rothaarigen mysteriösen Zwillingen. Oder auch Simon, der normalste unter allen, der von November als Geisel, Fahrer und Lebensretter genutzt wird.

Zwischen diesen drei Erzählsträngen wird auch immer wieder hin und her geschaltet und nur der Leser weiß oft, wie nah diese Personen sich gegenseitig sind. Einmal folgen wir den beiden Polizisten, die dem Fall hinterherstochern, aber durch gute Intuition schon bald am Geschehen beteiligt sind. Dann wiederum folgen wir Dima, der mit Betty und Slick, auf der Suche nach November und Matilda ist. Und dann noch November und Simon, die in einem Rettungswagen aus den Bergen nach München und zurück gondeln, die wiederum immer auf der Suche nach Dima und Mathilda.

Neben diesen abwechselnd platzierten und ineinander verwobenen Erzählsträngen ist der weitere Aufbau des Thrillers ungewöhnlich, denn neben einem Prolog und der Hauptgeschichte, befinden sich anschließend zwei weitere Teile in dem Thriller: DAVOR und DANACH. Diese offenbaren, logischerweise, was vor der Situation auf dem Rastplatz geschehen ist und wie es nach dem Showdown – und ja, das ist mal wirklich ein Showdown, eleganterweise wieder auf dem gleichen Rastplatz wie zuvor – weitergeht. Dieser Aufbau sorgt aber eben dafür, dass der Showdown schon bei ungefähr 2/3 des Buches passiert – das tut der Spannung allerdings keinen Abbruch, sind doch noch so viele Fragen offen, die eben das DAVOR und DANACH klären.

Ich finde, ein Roadtrip bereitet immer einen ganz besonderen Reiz. Wenn man dies dann noch gelungenerweise in die bayrischen Berge versetzt, ohne das es jemand merkt und eben keine Alphörner sich dialektisch auskotzen oder Ermittler vor sich hingranteln, man dafür aber abgefahrene Karren, ein paar Waffen und Menschen, die nichts zu verlieren haben, hineinsetzt bekommt man eben einen absolut genialen Thriller, made in Germany. Basta.

Fazit:
Knallharter Roadtrip in und aus Deutschland, sowie aus Frauenhand – gibt es nicht? Gibt es eben doch. Und das verdammt gut. Unbedingt lessen!


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Shorty | Ab in die Falle: Beute für Profis – Robert B. Parker


Robert B. Parker – Beute für Profis
Verlag: Pendragon
Übersetzer: Martin Lewitt
208 Seiten
ISBN: 978-3865325242

 

 

 

 

Worum geht es?
Spenser wird von Harvey Shepard beauftragt, seine Frau Pam zu finden. Bei seinen Ermittlungen findet er nicht nur die Frau wieder, sondern auch heraus, dass Pam sich einer militanten Frauengruppe angeschlossen hat, und Harvey Schulden hat, diese nicht zurückzahlen kann und sich gegen Geldeintreiber und Schläger zur Wehr setzen muss. Eigentlich könnte Spenser nun das Geld für die aufgefundene Ehefrau nehmen und sich davon machen, doch da ist Spenser eben ganz anders.

Einer wie der andere?
Spenser bleibt Spenser, ein eigenwilliger, eigenbrötlerischer Privatdetektiv mit exzellentem Sinn für Gerechtigkeit, aber wenig Sinn für Obrigkeit und Gesetze. Susan Silverman scheint eine feste Begleitung an seiner Seite zu werden, doch zuerst einmal steht die Beziehung auf dem Prüfstand. Neu ist allerdings Hawk, ein Auftragskiller/Schläger/etc, den Spenser von früher kennt und der wohl noch einige Auftritte in der Reihe haben wird.

Opfer, Tat und Täter
Ein Wachmann stirbt. Es gibt Fanatiker und Verbrecher, einen Banküberfall, einen Immobiliendeal und einen Waffendeal. Ganz schön was los, wo doch anfangs nur die Frau verschwunden war…

Themen
Der Krimi ist wie immer gut konstruiert und ich mag Spenser und seine Art Fälle zu lösen einfach. Diesmal geht es aber auch viel um Erwartungen. Was erwartet ein Ehemann von seiner Frau? Was erwartet eine Ehefrau von seinem Mann? Welche Erwartungen entstehen in einer Beziehung? Und wie das mit den Erwartungen so ist, sehen die oft ganz anders aus, als der andere es sich einredet.

Was war gut?
Um die Unschuldigen zu befreien und die Verbrecher alle dran zu kriegen, arbeitet Spenser eine Falle aus. Seine Planungen und Unterredungen, damit alles zu dem einen Zeitpunkt klappt und die Falle zuschnappt, sind grandios. Die Kombination Spenser / Hawk fand ich gut, beäuge sie aber noch skeptisch und bin gespannt, wann Spenser das nächste Mal auf Hawk trifft.

Was war schlecht?
Mitunter hat man doch das Gefühl, so ein Privatdetektiv führt ein recht angenehmes Leben. Viel Essen, viel Wein, Gespräche und Spaziergänge… fühlt sich hin und wieder wie Urlaub an. Aber zum Glück passiert doch immer wieder was und das Urlaubsfeeling verfliegt.

FAZIT:
Mit um die 200 Seiten wie immer ein dünner Krimi, aber die Kürze wirkt sich keineswegs auf die Qualität der Story aus. Ich mag Spenser als auch seine Fälle und mich dürstet schon nach dem nächsten Fall…


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Brüche: Wenn Engel brennen – Tawni O’Dell


Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen
Verlag: Argument
Übersetzerin: Daisy Dunkel
352 Seiten
ISBN: 978-386754-395

 

 

 

 

Es ist nicht nur beruhigend, dass man sich auf die gleichbleibend hohe Qualität der Ariadne-Krimis aus dem Argumen Verlag verlassen kann, sondern auch immer mit viel Vorfreude verbunden. Ich kann es immer kaum erwarten, die Krimis anzufangen, sobald ich sie in den Händen halte. Und ich wurde auch noch nie bei Lektüre eines Ariadne-Krimis enttäuscht. Das ändert sich auch weiterhin nicht, denn mit Tawni O’Dell hat Verlegerin Else Laudan wieder eine vorzügliche Autorin in ihr Portfolio aufgenommen, die mich mit einem beeindruckenden und eindrücklichen Krimi vollkommen überzeugen konnte.

Campbell’s Run ist seit vielen Jahren eine Geisterstadt, evakuiert aufgrund eines immer noch schwelenden Kohlebrandes. In einer der Spalten wird eine halb verbrannte Leiche gefunden, eingewickelt in eine Decke. Theoretisch gehört das Gebiet zu Buchanan und damit in den Zuständigkeitsbereich von Chief Dove Carnahan, doch es fehlt an Personal und Erfahrung, um einen Mordfall zu klären. Nichtsdestotrotz kann sich Chief Carnahan aus der Ermittlung von Nolan Greely, Detective bei der State Police, nicht heraushalten. Sie kennt die Bewohner, die Stadt, die Beziehungsgeflechte. Und diese Kenntnis ist nötig, denn so sehr sich die Einwohner auch wünschen, dass die junge Frau von einem herumziehenden Fremden getötet wurde, so unwahrscheinlich ist es.

„Dort, wo die Feuer am heißesten schwelen, gibt es über ein Dutzend Erdspalten. Tote Bäume haben sich aus dem gelockerten Boden gelöst und sind umgekippt. Ihre aufragenden Wurzeln erinnern an die verschlungenen Beine vertrockneter Spinnen, wie Neely und ich sie auf unserem Dachboden fanden.
In eins dieser glühenden Löcher im Boden hat jemand ein totes Mädchen gestopft.” (S. 12)

Um ganz ehrlich zu sein, leben möchte ich dort nicht, doch als Kulisse für eine Leichenbeseitigung hat die Autorin die ideale Szenerie gefunden. Schwelende Erdspalten, verlassene Häuser, keine Tiere, keine Geräusche, eine tote Siedlung.  Ein eindrückliches Bild hinterlässt diese Szenerie, düster und unheimlich. Während Campbell’s Run fiktiv ist, gibt es tatsächlich so einige noch schwelende Kohlebrände in den USA, diese verursachen nicht nur Geisterstädte, sondern fördern auch trostlose, von Arbeitslosigkeit und Verwahrlosung heimgesuchte Gegenden, politisch vergessen und allein gelassen. So ist Buchanan eben keine gut florierende Gemeinde, sondern es gibt einige, denen es gut geht, und einige, die sich so durchschlagen. Und dann gibt es den Rest. So wie die Trulys. Die Familie der Toten.

Die Trulys sind ganz unten angekommen. Redneck-Unterschicht, verwahrlost, gewalttätig, aber eisern zusammen gehalten von Miranda Truly, der Großmutter und Matriarchin der Familie.  Während die Mutter unbeteiligt scheint vom Tod ihrer Tochter (warum dies so ist, war für mich im übrigen die erschreckendste und eindrücklichste Szene im Buch), ist die Schwester, mit der nächsten Generation Trulys auf dem Arm, immerhin betroffen. Der eine Bruder ist im Knast, der andere versucht dem Truly-Leben zu entkommen, der kleinste ist ein verwildertes, ADHS Bürschchen. Ganz zu schweigen von den Onkeln, Cousins und  sonstigen Verwandten, mit denen sich Chief Carnahan rumschlagen muss. Camio Truly ist ständig präsent, bleibt allerdings für mich eher blass, auch wenn sich nach und nach ein Bild des jungen Mädchens ergibt, welches ihrer Familie zu entfliehen suchte. Klug und aufmerksam, interessierte sie sich für Psychologie, traf sich mit einem Jungen, den ihre Familie hasste und wollte gerne studieren gehen. Doch wie so oft, ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die Trulys sind nur die Spitze auf dem Eisberg, Dove Carnaghan muss sich als Chief auch ständig mit den Männern um sie herum und deren Alltagssexismus auseinandersetzen, weiß das aber gekonnt zu handhaben. Nervös ist sie trotzdem, denn nach über 20 Jahren Haft, taucht der Mörder ihrer Mutter auf und verfolgt nun sie und ihre Schwester und wirft ihnen vor, damals gelogen zu haben und so seine Verhaftung verschuldet zu haben. Dieser Nebenstrang blitzt immer wieder auf und offenbart noch mehr als man vermutet, in Doves Vergangenheit aber auch in ihrer Persönlichkeit. Doves Geschichte hat vordergründig nichts mit der Ermittlung zu tun, doch die Autorin nutzt diese, um ein weiteres Bild einer Familie aufzuzeigen, welche mit den Auswirkungen einer dominanten Person kämpfen muss.

Die Autorin wirft einen sezierenden Blick auf eine typische amerikanische Kleinstadt, deren Industriezweig weggebrochen ist, kurioserweise mit dem Effekt der aufgetretenen Erdspalten und dem immer noch lodernden Feuern in den Tiefen. Daran angelehnt, wir der Mord an Camio zum Bruch in der fragilen Fassade des (noch) funktionierenden Stadtlebens und zeigt, welche Geheimnisse hier noch in der Tiefe schwelen. Mit Dove Carnaghan hat Tawni O’Dell eine Figur geschaffen, die ihre Heimat liebt, so verkorkst sie stellenweise auch sein mag, die gerne Polizeichief ist, aber auch mit sich hadert. Mit Schwächen und Geheimnissen, aber im Großen und Ganzen dem Herzen auf dem rechten Fleck und einer guten Intuition ausgestattet. Oft ausgleichend, manchmal bockig, eben ganz einfach menschlich. So ist sie der helle Fleck in dieser grauen, trostlos scheinenden Welt, doch steckt auch in ihr eine Düsternis.

Eindrücklich geschrieben, mit Ausrichtung auf eine verlassene Gegend in den USA, garniert mit einer Polizeichefin, die unermüdlich das Verbrechen aufzuklären sucht, liefert die Autorin einen grandiosen Krimi. Unverständlich, dass die im englischen Sprachraum schon gefeierte Autorin bei uns noch unbekannt ist – ein Glück hat sie sich nun für einen Krimi entschieden, so dass der Argument-Verlag mit seinem glücklichen Händchen eine weitere erstklassige Autorin auf dem deutschen Markt etablieren kann.

Fazit:
Ein grandioses Setting, eine starke Protagonistin und ein kniffliger Kriminalfall – so soll der optimale Krimi aussehen, der einen nicht mehr loslässt, bis man die letzte Seite erreicht hat. Sehr, sehr gelungen!


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Shorty | Alles anders: Beton Rouge – Simone Buchholz


Simone Buchholz – Beton Rouge
Verlag: Suhrkamp
228 Seiten
ISBN: 978-3518467855

 

 

 

 

Worum geht es?
Des Morgens findet sich vor einem Hamburger Verlagshaus der Personalchef nackt und mit Folterspuren in einen Käfig eingesperrt. Die Mitarbeiter kümmert es wenig, erst nach einer ganzen Weile rufen sie die Polizei. Stellenstreichungen und Kosteneinsparungen kommen bei den Mitarbeitern eben nicht gut an. Chas Riley ermittelt gemeinsam mit einem neuen Kollegen: Ivo Stepanovic vom LKA. Schon bald findet sich der nächste Chef im Käfig – rächt sich etwa ein Mitarbeiter?

Einer wie der andere?
Joa… Chas Riley ist natürlich dabei und genial wie immer. Doch diesmal gibt es den neuen Kollegen Ivo Stepanovic, mit dem sich Chas erst mal einrütteln muss. Der Calabretta schleicht im Hintergrund aber trotzdem herum, derweil der Faller im Urlaub ist. Überhaupt ist privat so einiges los, um nicht zu sagen: WTF – was passiert denn da alles?
Ach, und das seltsamste überhaupt: Chas Riley fährt nach Bayern!

Opfer, Tat und Täter
Manager als Opfer – sehr schön. Das könnte es ruhig öfters geben. Hüstel… also so einen Denkzettel hätte da der ein oder andere schon verdient. Der Täter ist denn nun aber jemand ganz anderes als gedacht und die Tat irgendwie am Ende gar nicht so schlimm, wie man meint.

Themen
 Eine lange gehegte Rache, gewürzt mit Selbstmitleid und Geltungsdrang. Kinder können so grausam sein.

Was war gut?
Auch wenn ich darüber überrascht bin, dass sich so viele Dinge in Chas Rileys Leben gerade ändern – der neue Kollege ist ja nur der Anfang – bin ich davon positiv überrascht. Ich denke, es wird der Reihe gut tun, ein wenig frischen Wind abzubekommen, solange Chas Riley als fester Bestandteil das Zentrum bleibt. Ansonsten ist der Stil natürlich gewohnt hervorragend, schnoddrig, literarisch, auf den Punkt und die Ermittlung gekonnt durchgeführt.

Was war schlecht?
Niente. Wobei ich schon gespannt bin, wie es bei den privaten Geschichten so weiter geht, jetzt da alles Kopf steht. Ob sich das wieder gut einrenkt? Irgendwie anders, aber eben doch wieder gut?

FAZIT:
Viele Änderungen, aber das ist kein schlechtes Zeichen. Chas Riley und Simone Bucholzens Schreibstil sind wie gewohnt erstklassig und der Fall lässt einen doch glatt Sympathie für den Täter empfinden. Sehr gut gemacht!


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Challenges 2019 – Zwischenstand

Erinnert sich noch jemand? Anfang des Jahres habe ich groß angekündigt, bei sage und schreibe DREI Challenges mitzumachen. Und das mach ich auch, doch gab es bisher noch keinen Zwischenbericht oder ähnliches, obwohl ich das eigentlich schon seit Februar vorhabe. Na ja. Jetzt klappt es wohl endlich.

Wie läuft es also so mit den Challenges?
Gut, aber es könnte besser sein. Denn obwohl ich großmütig meine Teilnahme Anfang des Jahres angekündigt habe, bin ich kurz darauf in einen Rezensionsexemplar/Neuerscheinungsrausch gefallen. Die Challenges versuche ich aber vornehmlich mit Büchern aus meinem SUB zu füllen. Mittlerweile hat sich das eingependelt und ich habe mehr und mehr Bücher aus meinem SUB gelesen, wenn auch nicht nur. Allerdings habe ich auch Bücher aus meinen SUB gelesen, die einfach auf keine Aufgabe passen. Hm. :-)

Allein, allein – oder?
Da ich meine Challenge „Kriminelles von A bis Ü“ ohne Gewinn aufgestellt habe und ja grundsätzlich nicht so sonderlich vernetzt in der Blogger-Community bin, hält sich die Teilnahme anderer Blogger an meiner Challenge in Grenzen. Nichtsdestotrotz habe ich drei Mitstreiterinnen gewonnen:
Conny von Pink Anemone

Janna von Kejas-Blogbuch

Diana von Lese-Welle

Alle haben schon einige Buchstaben abgearbeitet, aber noch keiner ist ganz durch. Überraschenderweise befinden wir uns alle bei einer ähnlichen Anzahl gelesener Bücher.

Bei mir so…
Läuft es wie gesagt gut, könnte aber besser sein. Bisher habe ich in meiner eigenen Challenge „Kriminelles von A bis Ü“ 11 Buchstaben (A, F, O, P, R, T, U, V, W, Y, Ü) abhaken können und drei weitere Bücher für die Buchstaben Q, S und Z sind schon gelesen, doch die Rezensionen noch nicht veröffentlicht.

Die SF-Challenge von Bücherreisende läuft bisher sehr gut, um nicht zu sagen, quasi fast erfüllt. Ich habe bisher 7 Bücher gelesen, es sollen in Summe 8 Bücher sein, ein 8. Buch habe ich auch gelesen, nur die Rezensionsveröffentlichung steht noch aus. Allerdings habe ich bisher kein SF-Buch aus dem Bereich Young Adult gelesen… hm, das macht mir Schwierigkeiten, denn der Jugendbereich liegt mir so gar nicht. Aber ich habe ja noch den Rest des Jahres, um ein Buch zu finden, welches passt.

Die Reihen-Challenge von Pink Anemone… ja, die läuft quasi auch von selbst. Ich vermute, dass ist eine Nebenerscheinung, wenn man Krimi/Thriller liest, aber auch z. B. im Fantasy-Bereich kann ich mir das gut als Selbstläufer vorstellen. Bücher aus Krimireihen lese ich quasi sowieso und nebenbei. Pink Anemone hat sich von Anfang an 5 Reihen vorgenommen, die sie durchlesen möchte. Das habe ich zwar nicht, aber ich bin kurz davor, die Chastiy Riley Reihe von Simone Buchholz durchzulesen und wer weiß, vielleicht nehm ich mir noch ein oder zwei vor. Mir schwebt da die Ava Lee Reihe von Ian Hamilton vor, oder die Lindsay Gordon Reihe von Val McDermid. Wobei ich grade mal drei Teile von den Spenser-Krimis von Robert B. Parker „weggesaugt“ habe. Mal sehen, was das nächste Halbjahr so bringt.

Wer genau wissen will, wie es bei mir läuft, klickt bitte hier.

Was läuft nicht so gut?
Um ehrlich zu sein, der Buchstabe M in meiner eigens aufgestellten Challenge – also ein Buch mit einer besonderen Mordmethode. Das Problem ist, dass ich zwar massenweise ungelesene Krimis im Schrank habe, doch oft sagt der Klappentext nichts über die Mordmethode aus oder sie ist eben „Standard“. Ich vermute mal, die besondere Mordmethode würde sich erst beim Lesen herauskristallisieren, so dass ich mich evtl. überraschen lassen muss, ob ich hier noch ein passendes Buch finde. Wobei ich eben bei Janna gespickelt habe und das Buch, welches Sie für „M“ hergenommen hat, habe ich auch: Der Schatten von Melanie Raabe. Zur Not würde ich also das lesen, wobei es ja schon Spaß macht, bei den anderen zu stöbern, eben weil sie andere Bücher als man selbst liest und man dabei Anregungen findet. Sehr kontraproduktiv für die Wunschliste im Übrigen… ;-)

Wie geht es weiter?
Na, natürlich wird fleißig weitergelesen! Tatsächlich stellt sich meine eigene Challenge als die schwierigste heraus, aber das ist vielleicht auch ganz gut so. Zu einfach sollte es ja auch nicht werden. Und den nächsten Update gibt es dann erst zum Abschluss, also keine Sorge, dies bleibt der einzige Zwischenstand.

 


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Milchtüten: Hologrammatica – Tom Hillenbrand


Tom Hillenbrand – Hologrammatica
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
560 Seiten
ISBN: 978-3462051490

 

 

 

 

Quästor Galahad Singh bekommt einen neuen Auftrag: er soll die verschwundene Juliette Perrotte suchen. Perrotte ist eine Softwareentwicklerin für ein kleines Unternehmen, welches den Upload von Cogits – einer digitalen Kopie des Gehirns in einen künstlichen Körper – verschlüsselt.  Singh macht sich auf die Suche nach der Verschwundenen, viel Hoffnung hat er zuerst mal nicht, denn viele Menschen verschwinden mittlerweile absichtlich. Zwar nie lange, viele hinterlassen Spuren, doch jedem steht es frei zu verschwinden. Doch ist Juliette Perrotte wirklich freiwillig verschwunden oder entführt worden?

In Hologrammatica ist fast nichts mehr echt. Die meisten Straßen, Häuser, Landstriche werden mit Holografie aufgehübscht, die Menschen ziehen sich Holomasques über. Keiner mag mehr so aussehen, wie er eigentlich aussieht, keiner will den „Naked Space“, also die richtig, echten Gebäude, Landschaften oder Menschen sehen. Ende des 21. Jahrhunderts hat sich die Menschheit auch verringert – einer Pandemie sei Dank – was der Klimakatastrophe zumindest etwas Einhalt geboten hat. Klar ein paar Landstriche sind abgesoffen und manche so heiß, dass keiner dort wohnen mag, doch den übrigen Menschen geht es einigermaßen gut. Die Staaten haben sich neu formiert, z. B. weite Teile Europas mit Russland in der EURUS, die Kräfteverhältnisse haben sich verändert. Ach, und im Weltraum kann man jetzt auch nach Rohstoffen schürfen – mit einem Lift in den Himmel.

Galahad Singh arbeitet als Quästor, also als Privatdetektiv. Dieser ist allerdings – hier der Hinweis für diejenigen, die kein Latein beherrschen – auf verschwundene Personen spezialisiert. Und jetzt kommt der Gag schlechthin, bei dem ich gänzlich aus dem Häuschen war: die Verschwundenen nennen die Quästoren Milchtüten. Ja genau, angelehnt an die abgedruckten, verschwundenen Kinder auf Milchtüten, damals in den USA (macht man das heute noch?). Milchtüte… ich find den Begriff Bombe. Der Wahnsinn. Ich bin schlichtweg begeistert. Aber das Buch hat noch mehr zu bieten, keine Sorge.

„In alten Filmen haben Privatdetektive stets verschiedene Visitenkarten zur Hand, damit sie sich als Gott-weiß-wer ausgeben können. Ich hingegen habe an die fünfzig Holomasques gespeichert, die ich jederzeit überstülpen kann – Elektroinstallateur, Verkehrspolizist, Penner und so weiter.“ (Pos. 770)

Singh muss nun also nicht auf althergebrachte Art nach der Verschwundenen suchen, doch einen persönlichen Überblick verschafft er sich doch noch. Die Netzsuche ist zwar weitgreifend, aber eben auch recht dumm. Könnte das aber nun jeder per Netz, wäre ein Quästor ja nicht mehr nötig. So reist der Londoner nach Paris, in die Wüste, ins All, das sind zu dieser Zeit auch keine richtigen Entfernungen mehr. Singh selbst bringt einen ironischen Unterton in die Ermittlungen, will den Fall anfangs auch gar nicht so richtig bearbeiten, doch irgendwann kommt er einfach nicht mehr aus dem Fall raus. Gegner tauchen auf, die mit ungewöhnlichen Waffen aufwarten, Spuren führen in die Welt der Crasher, die ihren Gefäßen Todeserfahrungen aussetzen, aber auch in den Naked Space. Sie führen zu einem Programmierer, der mit Juliette Kontakt hatte und … ah, mehr möchte ich nicht verraten.

Dem Autor gelingt es hervorragend, eine zukünftige Welt zu erschaffen, die noch nah genug an unserer heutigen Zeit ist, aber weit genug davon entfernt. Er baut bestehende Entwicklungen aus und fügt technologische Neuerungen zu. Er erschafft eine Vergangenheit, die für uns noch Zukunft ist, welche weitreichende Auswirkungen hat. Mittendrin Galahad Singh, der auf der Suche nach der Verschwundenen, Fragen stellen muss, anderen, aber auch sich selbst. Der hinter die Holografie blickt und Abgründe sieht, die keiner hätte sehen sollen. Tatsächlich fällt es mir schwer, meine Begeisterung in Worte zu fassen, möchte ich doch nicht zu viel verraten, denn mich haben einige Wendungen sehr überrascht. Die Geschichte war durchweg spannend und logisch aufgebaut, ein Pageturner, den man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Sehr spannend fand ich im Übrigen auch die kleinen aber feinen Einblicke aus Juliette Perrottes Perspektive.

Fazit:
Nach „Drohnenland“ legt der Autor hier einen weiteren sehr gelungenen Ausflug in die Zukunft vor. Quästor Galahad Singh begegnet der holografierten Zukunft mit der gehörigen Portion Ironie und schaut hinter die Kulissen. Hervorragende Unterhaltung in meiner liebsten Kombination: Krimi und Zukunft.

 


Ich füge hier noch ein Zitat an, welches es absolut wert ist, zitiert zu werden, doch wenn man genau liest, einen Hinweis auf die Handlung gibt, so dass ich es nun als SPOILER markiere – also, wer das Buch noch lesen möchte, hier bitte aufhören!

„Meiner Ansicht nach haben Menschen die unangenehme Angewohnheit, alles auf sich selbst zu beziehen. Ein Rassist glaubt, dass an allem die Ausländer schuld sind. Ein Strafrichter wähnt überall Gauner und Diebe. Und der Chef einer Behörde, die KIs kontrollieren soll, vermutet hinter jeder Schweinerei einen cleveren Computer.“ (Pos. 4597)

 

 


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Politkomplott: Der grüne Chinese – Dagmar Scharsich


Dagmar Scharsich – Der grüne Chinese
Verlag: Argument Verlag
583 Seiten
ISBN: 978-3867541800

 

 

 

 

So richtig hab ich nicht gewusst, was mich erwartet, als ich „Der grüne Chinese“ begonnen habe zu lesen. Neugierig war ich, was der „grüne Chinese“ denn so ist, ob er auch ein Ding ist, so wie die „gefrorenen Charlotten“, die in einem anderen Buch der Autorin die Hauptrolle spielen. Ein Mix zwischen heute und Vergangenheit hab ich erwartet, denn schließlich entdeckt die Antiquarin Marie Baer ein altes Tagebuch aus der Zeit um Kaiser Wilhelm II. Ein altes Geheimnis, welches in die Gegenwart hineinreicht. Und dann, dann kam es ganz anders. Anders und besser als erwartet.

„Das ist eben heute so. Kein Mensch liest heute noch ein Buch nach dem anderen, wie damals zu Opas Zeiten. Heute gehen die Leute nach der Arbeit ins Kino oder nach Hause zum Fernsehen. Ein Film von zwei Stunden erzählt eine komplette Lebensgeschichte. Du kannst lachen und weinen, alles an einem Abend. 500 Seiten liest dafür keiner mehr. Und genau deshalb haben Bücher keine Zukunft. Sie haben allenfalls eine geduldete Gegenwart. Was bleibt, ist ihre große Vergangenheit. Die wirft man nicht einfach weg, Bücher gehören nicht auf den Müll, nur weil keiner mehr Zeit für sie hat. Und das ist der Grund. Darum habe ich aus Opa Willis Buchhandlung, als ich sie vor vier Jahren übernommen habe, ein Antiquariat gemacht.“ (S. 11)

Da ist sie also, die Berlinerin Marie Baer, die von der Zukunft der Bücher nicht überzeugt ist und deshalb aus der geerbten Buchhandlung von Opa Willi ein Antiquariat macht. Ein Laden, der sie und ihren Opa in ihrer „Gespenster-WG“ nur knapp über Wasser hält, in dem sie täglich Heerscharen Touristen abgefertigt und in ihrem Sessel der Tage harrt. Ah, und dann ist da ja noch der Fritz, der schnittige Autohändler, der einfach nicht Maries Leben verlassen will, sondern so wie die Hausarbeit eben da bleibt und gemacht werden muss. Jut jut, Marie.

Da werden ihr eines Tages ein paar alte Romanhefte angeboten, Groschenromane aus der Zeit von Kaiser Wilhelm II. Das Besondere daran ist, dass die Hauptfigur Wanda von Brannburg, eine Detektivin ist. Ungewöhnlich und selten, so eine Frau als Protagonistin in dieser Zeit. Und ungemein begehrt, so dass Marie natürlich versucht, auch die restlichen Groschenhefte von der Dame zu ergattern, welche ihr den ersten Packen übergeben hat. Nach einigem Hin und Her gelingt ihr das auch. Viel mehr Interesse hat Marie dann aber an der Verpackung der Heftchen, denn dabei handelt sich um das Tagebuch der Baronesse Wendeline Sophie von Branndenburg, genannt Wanda. Ein Tagebuch, ein Roman, die Baronesse eine Autorin? Und schon taucht Marie mit Onkel Willi in die Vergangenheit ein.

Und fast nicht wieder auf. Ganz anders als erwartet, wechselt die Autorin nicht zwischen dem Heute und dem Jahre 1909, in dem die Geschehnisse um Wanda von Branndenburg festgehalten sind, nein, nur noch zweimal kurz darf Marie Luft holen, sich etwas zu essen besorgen und dann mit Onkel Willi weiterschmökern, bevor sie dann am Ende doch noch einen großen Auftritt hinlegt. Tatsächlich – und für mich sehr unerwartet – bestreitet die Handlung im Jahre 1909 den größten Teil des Buches.

1909, eine aufregende Zeit voller Veränderungen; Kaiser Wilhelm II., preußische Tugenden, eine Zeit des Umbruchs. Das Automobil erobert die Straßen, die ersten Telefone ziehen ein, Luftschiffe verdunkeln den Himmel. Die Hauptstadt wird größer und größer. Und doch startet man eher beschaulich mit Wendeline Sophie von Branndenburg auf dem herrschaftlichen Gut, dem sie so oft wie möglich zu entfliehen sucht. Die Zukunftsvorstellungen der Eltern eher lästig, zieht es sie nach Berlin, in die Großstadt, zu ihrer Tante Emmy und ihrem Onkel Gustav. Und dann… dann passiert so viel, dass Wanda gar nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht. Explosion und Flucht, Tote und Reisen, Geheimagenten und Wissenschaftler, eine geheime Wohnung und ein spitzelnder Baron…

Wanda, eine stürmische Frau, die ihrer Zeit zu entfliehen sucht. Nicht mit Pauken und Trompeten, aber eben doch nicht leise. Die sich aufgrund der Mode der Zeit nicht alleine an- und ausziehen kann und dies unerträglich findet, die zwischen Zurückhaltung, Trauer und Mut hin- und herpendelt, die vielleicht nicht immer die richtigen Fragen stellt, aber keinesfalls aufhört Fragen zu stellen. Eine Frau, die den Spagat zwischen Vergangenheit und Moderne versucht und unversehens in ein politisches Komplott schlittert. Was für eine beeindruckende Frau!

Vollkommen überzeugt die Autorin mit ihrem Figurenensemble, nicht nur mit Wanda allein. Sei es die in den Tag hineinlebende Marie, die es nicht schafft, sich von ihrem Fritz zu trennen, sei es die dickköpfige und vielleicht verwirrte Rose von Reventlow und deren Enkelin Gesine, die sich zu nichts traut, der patente Justus Hansen, der Wanda nicht von der Seite weicht, der Polizist von Reventlow, dem Gerechtigkeit mehr zählt als Ordnung… eine Vielfalt an Charakteren, keiner flach, alle bleiben im Kopf.

Zugegeben, es dauert eine ganze Weile bis Wanda – und mit ihr nicht nur Marie sondern auch ich als Leser – dahinterkommen, was eigentlich hinter der ganzen Geschichte steckt. Welches Ausmaß sich hinter einem Koffer voller Stoffe, einem Koffer voller Papier und ein wenig Reibung steckt. Derweil bleibt es aber kontinuierlich spannend, wenn auch nicht nervenzerreißend, eben zeitgemäß. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm das Leben zwar schon Geschwindigkeit auf, aber eben noch gemäßigt. Viel gelernt habe ich, wie so oft, und noch einiges habe ich nachgeschlagen: Zeppeline, Goldschlägerhaut, das Berlin der Kaiserzeit, die Männer in den grauen Mänteln. Geschickt verwebt die Autorin die historischen Ereignisse mit der erfundenen Geschichte, lässt auch bekannte Personen auftreten, oder benennt diese um, verdichtet den geschichtlichen Hintergrund, um Wanda einer politischen Intrige auf die Spur kommen zu lassen. Ein Sahnestückchen ist der Autorin hier gelungen!

Fazit:
Unerwartet anders und trotzdem genial – ein historischer Krimi zur Kaiserzeit, in welcher eine Baronin einer politischen Affäre auf den Spuren ist, gemischt mit ein wenig von Heute und der schnoddrigen Marie Baer. Ein ausgezeichnet geschriebener Krimi, der nicht aus der Hand zu legen ist.