Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Von Kuchen und Süppchen: Legal High – Rainer Schmidt

978-3-87134-173-1
Rainer Schmidt – Legal High
Verlag: Rowohlt
352 Seiten
ISBN: 978-3871341731

 

 

 

 

 

Die Legalisierung von Cannabis – ob man nun dafür oder dagegen ist, bleibt natürlich jedem selbst überlassen, doch der Journalist und Schriftsteller Rainer Schmidt hat die derzeitigen Tendenzen aufgenommen und ein paar Schritte weitergedacht. Was ist, wenn Cannabis plötzlich (oder auch nicht so plötzlich) legalisiert wird? Wer profitiert, wer verliert? Ist die Bevölkerung dafür oder dagegen? Und wie sieht der Trend in Deutschland, Europa, weltweit aus? Satirisch verpackt in dem Nachfolger zu „Die Cannabis GmbH“ befinden wir uns im Jahre 2018 – und die Legalisierung des Cannabis steht kurz bevor. Den Vorgänger habe ich leider noch nicht gelesen, doch das tat dem Lesevergnügen hier keinen Abbruch.

Der Dude sitzt im Knast. Verraten und verhaftet, muss der Dude jetzt im Gefängnis zusehen, dass er sich verbündet, um nicht tot in der Ecke zu landen. Die Besuche von Madame, seiner großen Liebe und Lebensgefährtin, werden seltener, als Freigang ansteht, macht sie sich noch rarer – das Genöhle und Gejammer ihres Gatten geht ihr gehörig auf den Keks. Doch sogar im Knast bekommt der Dude mit, dass sich die Gesellschaft ändert. Cannabis soll legalisiert werden. Wie? Echt jetzt? Und das ohne den Dude und seinen hervorragenden Stoff „Strongdude“, noch immer unerreicht und das Ideal für alle Hanfbauern? Ihm sind die Hände gebunden, doch andere sind längst im Anmarsch und jeder will sein Stück vom Kuchen. Oder den Kuchen. Den ganzen.

Politiker, Wirtschaftsvorstände, Pharmaunternehmen, Bauernvorstand, die Kirche – ein jeder hat eine Meinung zur Legalisierung des Cannabis und die Weichen sind auf „JA“ gestellt. Die Interessen sind natürlich vielfältig. Derweil die Bauernvereinigung Angst hat, dass das Ausland schneller im Anbau ist, da dort zum Teil schon legalisiert wurde, haben die Pharmaunternehmen Angst um ihre Patienten – und um die Milliarden, welche sie mit ersteren verdienen. Mittendrin befindet sich die Kanzlerin, die sich wundert, warum denn plötzlich alle Cannabis legalisieren wollen, wo doch auf der Welt, in Europa aber auch in Deutschland wesentlich gewichtigere Probleme zu lösen sind, aber eben auch der Dude. Vielperspektivisch, manchmal ein wenig in die Länge gezogen und noch nicht einzuordnen, streiten sich die Geister, ohne aufeinander zu treffen und man hat schon fast das Gefühl, dass jeder aneinander vorbei zieht, bis man dann die Strippen im Hintergrund erkennt und es sich nach und nach zusammenfügt. Also der Leser fügt zusammen, der Dude hat leider immer noch nichts kapiert.

Und an der Stelle hakt es im Getriebe des wirklich vielseitig geschriebenen Buches. Alle Vertreter geben ihren Einblick, jeder kocht sein eigenes Süppchen, doch die Hauptfigur trielt vor sich hin. Sollte nicht der Meister des besten Stoffes mitmischen in dem bunten Reigen um grüne Blätter und bunte Scheine? Doch der hängt ja im Gefängnis fest, bzw. im Altenheim, den Job, den er im Freigang zu erledigen hat. Der Zug ist schon fast vorbei gefahren, als er endlich aus dem Gefängnis frei kommt, ins Spiel hineingezogen wird und dann unter die Räder kommt. Also nicht buchstäblich, sondern zwischen all den Parteien, die munter an ihrem Süppchen gekocht haben, während der Dude mit sich und seinem Leben beschäftigt war.

Abgesehen davon aber, dass mir die Hauptfigur zu wenig Antrieb zeigte, war das Buch ein herrlich-komischer und mit viel Wahrheiten und einigen, vermutlich bald passierenden Ereignissen gespickter Roman über Cannabis mit all seinen Vorteilen und wenigen Nachteilen. Eine witzige Kanzlerin, eine taffe Geschäftsfrau, die allen Herren in den Vorstandsetagen den Rang abläuft – auch wenn sie ein eiskaltes Miststück ist – ein paar Rumänen und Albaner, viele Drogen – nein, nicht nur Cannabis – und der nichtsahnende Dude, dem man besser mal beigebracht hätte, dass man Verträge immer lesen soll, bevor man unterzeichnet. Gutgläubig, hinterher hechelnd, aber eben doch innovativ und erfinderisch. Ach, aber damit befindet er sich, glaube ich, in guter Gesellschaft und so zeigt das Deutschland in 2018, welches der Autor mit viel Biss und Ironie würzt, wie die Welt friedlicher und friedliebender werden könnte. Auch wenn da jemand fast den ganzen Kuchen bekommt. Bevor der Dude demjenigen, dann doch noch eins auswischt.

Fazit:
Vielperspektivisch, mit viel Ironie und Witz, aber auch einigen Wahrheiten und durchaus vorstellbaren Wahrscheinlichkeiten wird Cannabis in 2018 legalisiert – zumindest in der Vorstellung des Autors.

 

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[Out of the box] Der Marsianer – Andy Weir

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Andy Weir – Der Marsianer
Verlag: Heyne
Übersetzer: Jürgen Langowski
512 Seiten
ISBN: 978-3453315839

 

 

 

 

Ich hab mal wieder einen Blick aus meinem Lieblingsgenre rausgewagt und diesmal war ich auf dem Mars! Ich hab über das Buch „Der Marsianer“ schon viel gehört und eigentlich hatte ich geplant, es mir als Hörbuch zu holen und anzuhören, doch manchmal kommt es eben anders. Als ich neulich einen Krimi anfangen wollte bin ich nicht so recht reingekommen und so hab ich nach etwas anderem gesucht und bin auf „Der Marsianer“ gestoßen und hatte richtig Lust, es zu lesen.

Als ein Sandsturm auf dem Mars so stark wird, dass die Bodenkontrolle die Ares 3 Crew, die dort gerade die 3. Marsmission ausführt, anweist, sofort abzubrechen und den Planeten zu verlassen, wird Mark Watney, 6. Crewmitglied und der Bonatiker sowie Ingenieur der Truppe, verletzt und für tot gehalten und auf dem Mars zurückgelassen. Watney, lakonisch und mit so gar keinem Willen sich in sein Schicksal zu ergeben, dokumentiert seine Erlebnisse im Bordtagebuch und plant es bis zur nächsten Ares Mission auf dem Mars auszuhalten und mit dieser Crew wieder zurückzufliegen. Probleme? Ach was, die ist ja schon in 4 Jahren und auch nur 3.200 Kilometer entfernt.

Ich hab mir schon ein wenig Sorgen gemacht, ob ein Typ allein auf einem Planeten genug Unterhaltung für 500 Seiten bietet, aber das war wirklich gar kein Problem. Zum einen ist Mark Watney ein unterhaltsamer Typ, der sich auch nicht zu schade ist, Ironie und Sarkasmus in das Tagebuch einzubauen, zum anderen ist Watney ständig in Bewegung – schließlich kämpft er um sein Überleben. Ach ja, und ganz allein ist er natürlich auch nicht – nein, keine Angst, keine Marsianer oder ähnliches – aber nach einiger Zeit fällt auch der Nasa auf, dass die Satellitenbilder des Ares 3 Camps sich irgendwie verändern und der Leser hat dann immer mal wieder Abwechslung, indem er dem Geschehen auf der Erde folgt oder auch auf der Raumstation, auf welcher sich die restliche Ares Crew auf die Rückreise zur Erde vorbereitet.

Watney mag zwar „nur“ das 6. Crewmitglied sein, aber seine Fähigkeiten waren für das Überleben schon entscheidend. Ich wäre nicht mal einen Tag weit gekommen und verreckt – ach was, mich hätten die da gar nicht hingelassen. Watney ist kein Genie, aber er hat schon einiges drauf und wenn nicht, dann macht er sich halt erstmal ein paar Gedanken. Denn es gibt eine Sache, die hat er auf dem Mars echt genug: Zeit. Und irgendwann kommt ihm dann schon eine Lösung, nicht immer ungefährlich und keinesfalls ohne Rückschläge. Da pflanzt er eben Kartoffeln an, fackelt fast seine Wohnkuppel an, machte eine 1000 kilometerweise Reise und, und, und. Langweilig wird es nie – allerdings schon auch mal recht technisch und wissenschaftlich. Für mich nicht immer nachvollziehbar (kommt davon, wenn man Sprachen studiert), aber sehr beeindruckend und vor allem ist es gut in die Geschichte eingeflochten, es wird nie zuviel.

„Klebeband funktioniert überall. Klebeband ist Magie und sollte angebetet werden.“ (S. 306)

Das Buch impliziert, dass er – und auch die Welt – an seiner Rettung arbeiten. Und hier kommen wir zu dem Aspekt, den ich mal „typisch amerikanisch“ nenne. Natürlich will man den einen, verlorenen Menschen im Weltraum retten und hat auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, da das Projekt eine Offenlegungsklausel hat. Und so stecken die Amerikaner da nicht nur Hunderttausende, nein gleich Hundertmillion von Dollarn rein, lassen eine Rakete mal eben explodieren und schließen fast schon Frieden mit China. Aber hey – auch als Leser will man den Kerl einfach retten und so vergibt man dem Zuckerguss in dem Buch und hofft und bangt und hofft und bangt… bis ganz zum Schluß.

Fazit:
Unterhaltsam und spannend, mit einem ironischen und zähem Mark Watney, einem Kampf gegen den Mars und ein wenig technischem und wissenschaftlichem Gedöns. Es hat wirklich Spaß gemacht!


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[Out of the Box] Dreifacher Albtraum: Drive-In – Joe R. Lansdale

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Joe R. Lansdale – Drive-In
Verlag: Heyne Hardcore
Übersetzer: Dietmar Dath / Alexander Wagner
Mit einem Vorwort von Joe R. Lansdale und einem Nachwort von Dietmar Dath
736 Seiten
ISBN: 978-3453676725

 

 

 

Joe R. Lansdale ist ja ein sehr vielfältiger Schreiber. Von Krimi über Abenteuer bis zum Western findet man in seinem Repertoire alles. Und so lässt sich dort natürlich auch Horror finden. Und zwar die „Drive-In“ Trilogie. Horror, das sind für mich Untote, Zombies, schlechte Teenie-Grusel-Streifen und vielleicht noch ein paar gute Sachen. Wie z. B. Shining. Oder… na ja, da hört es bei mir schon auf. Horror ist jetzt nicht ganz so meins. Aber Lansdale ist es. Also her mit dem dicken Schmöker – satte 736 Seiten sind es, mit Vorwort von Lansdale höchstpersönlich und Nachwort von Dietmar Dath.

Das Orbit ist das größte Drive-In in Texas. Vier Leinwände, viertausend Autos und jeden Freitag eine All-Night-Horror-Show mit B-Movies der Extraklasse. Auch Jack und seine beiden Freunde Randy und Bob, sowie Willard, einen Bekannten, den sie in einer Bar aufgabeln, sind an diesem Abend dort. An dem Abend als ein roter Komet über das Orbit fliegt und in die Erde einschlägt. Schlagartig ist das Autokino vom Rest der Welt getrennt, umgeben von einer grauen Masse, die Menschen auflöst. Also bleiben sie eben drin, im Autokino. Die Filme laufen weiter und spenden Licht und Ton, die Snackbars sind prall mit Softdrinks, Popcorn und Schokoriegeln gefüllt. Doch irgendwann nimmt der Vorrat ein Ende….

Das ist jetzt nur mal der Anfang vom ersten Teil. Da die anderen Teile darauf aufbauen, möchte ich hier vorerst nichts verraten, aber eins kann ich Euch sagen: einen fieseren Albtraum habt ihr nie gelesen. Ich weiß gar nicht so recht, was ich schreiben soll, also fangen wir mal mit etwas einfachem an: die drei Bücher strotzen vor Lansdale. Genau wie die anderen Bücher, die ich von ihm gelesen habe, hat Lansdale für mich eine unheimliche Sprachgewalt. Und das mit ganz einfachen Sätzen, ich meine das nicht literarisch. Sein Stil zieht mich sofort in den Bann und ich bin im Buch, nicht nur dabei. Besonders bei diesem Buch war das nicht immer angenehm.

Der Ich-Erzähler ist Jack, der seine Erlebnisse in einem Tagebuch festhält und das Ganze auch noch ein wenig wie einen billigen B-Movie ausstaffiert, mit Fade-Ins und Filmrollen, alles in allem sehr stimmig. Jack ist eigentlich ein ganz normaler Kerl, der mit seinen Freunden einen am Freitag drauf machen will. Leider kommt es ganz anders und Jack macht bzw. muss im Laufe der Bücher mehrere Veränderungen durchmachen. Die Welt verändert sich und so macht das auch Jack. Trotz allem, gehört er – mit wenigen anderen – zu denen, die sich nicht auf die tiefste Ebene herablassen und ihre Moral und ihren Anstand halbwegs behalten. Es ist nicht immer einfach, in dieser neuen Welt, aber verdammt, Jack und seine wechselnden Begleiter (kann halt nicht jeder überleben, in so einem Horrorroman) beißen sich durch und geben nicht auf.

Ich kann die Handlung nicht mal ansatzweise beschreiben und würde Euch auch den Spaß verderben, wenn ich es denn täte, und so schmeiß ich Euch jetzt einfach mal ein paar Brocken hin: Gewitter, Popcorn-King, Popcorn mit Augen, das Orbit-Zeichen, Dschungel, Dinosaurier, schlängelnde Filmrollen, das Ende der Straße, Popalong Cassidy, der Bus, das Meer, Ed, der Fisch, BJoe und die Schatten, die Brücke und der Tisch. Wer jetzt wissen will, was das alles bedeutet, der muss wohl die Bücher lesen und ich kann das nur wärmstens empfehlen. Die Geschichte ist abgefahren, völlig schräg, ein wenig eklig, tierisch versaut, total urgs, mit viel Sarkasmus gewürzt und manchmal ein wenig depressiv, grotesk und unglaublich, mit vielen nackten Tatsachen, unterhaltsam und nie langweilig, völlig absurd. Wer hier einen Sinn sucht, sollte ein anderes Buch lesen. Wer aber tiefer blickt, wird auch in diesem Chaos Funken und Fünkchen unserer Gesellschaft überspitzt wiederfinden und wird am Ende wieder ins Hier und Jetzt geholt. Nein, nein, es löst sich nicht einfach alles auf und Happy End, aber es gibt eine Auflösung und zwar eine sehr überaschende und nachdenkliche.

Na los, jetzt geht raus und kauft Euch das Ding. Egal, ob Horror Euer Metier ist oder nicht, denn das Buch hier ist ganz anders als das, was ich als Horror kannte. Es ist eben Lansdale-Horror.
By the way: Heyne Hardcore – was kann da schon schief gehen?

Fazit:
Unterhaltsamer, grotesker Roadtrip in einem dreifachen Albtraum – ein Buch wie eine Achterbahnfahrt!


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[Out of the box] Verraucht – Ratih Kumala – Das Zigarettenmädchen

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Ratih Kumala – Das Zigarettenmädchen
Verlag: culturbooks
Übersetzerin: Hiltrud Cordes
292 Seiten
ISBN: 9783959880046

 

 

 

 

Durch meinen Blog lese ich ja mittlerweile fast ausschließlich Krimis und Thriller. Nur sehr selten wandert mal ein Buch aus einem anderen Genre in meine lesenden Hände. So ist es nun aber mit „Das Zigarettenmädchen“ von Ratih Kumala geschehen, welches ich in einer Leserunde lesen durfte. Ab und an kann man schon mal „out of the box“ treten und seinen Blick erweitern, vor allem, wenn es das erste, papierne Buch im Verlag culturbooks ist, der ja u. a. von Zoë Beck geleitet wird, und das hervorragende ebook-Sortiment erweitert. (P.S.: das zweite papierne Buch ist übrigens über Ed McBain, den ich Euch im Dezember im Klassikerspecial vorstellen durfte, und sein 87. Polizeirevier).

Als der Vater von Lebas, Karim und Tegar im Sterben liegt, flüstert der alte Mann immer wieder den Namen Jeng Yah. Die Brüder wissen damit nichts anzufangen, doch die Mutter wird wütend und verrät nur sehr wenig. So machen sich der jüngste und der älteste Bruder auf, um herauszufinden, welche Frau einen so bleibenden Eindruck hinterlassen hat – und nicht des Vaters Ehefrau geworden ist. Die Reise führt sie nicht nur tief in das Herz Indonesiens, sondern auch in die Geschichte Indonesiens, der Zigarettenindustrie und zwei Dynastien.

Der Klappentext lässt ein Roadmovie vermuten, doch schon recht bald werden die Brüder ein wenig vernachlässigt und der Leser befindet sich in der Vergangenheit, bei zwei Freunden: Idroes Moeria und Soedjagad. Nicht nur die Herstellung von Nelkenzigaretten sondern auch die schöne Roemaisa macht die beiden aber zu erbitterten Konkurrenten. In einer einzigartigen Geschichte erzählt die Autorin Ratih Kumala, wie die drei Brüder mit den Gründern von zwei Zigarettendynastien verbunden sind.

Eine Geschichte, die nicht nur die indonesische Geschichte im Laufe der Zeit näher beleuchtet, sondern auch die Geschichte der Nelkenzigarette. Doch keinesfalls ist die Geschichte belehrend oder gar langweilig. Die Zeitgeschichte ist eingeflochten in die Geschichte der beiden Familien und beeinflusst diese immens. Auch kulturelle Eigenheiten und Traditionen lassen sich finden. Wie meistens gefällt mir gerade dieser Blick über den Tellerrand sehr gut – wer kennt sich denn schon aus in der Geschichte Indonesiens? In der Schule ist man ja doch eher auf europäische Geschichte konzentriert und guckt, wenn überhaupt übers Meer, eher in den Westen. Vielleicht fällt einem noch ein, dass Indonesien eine holländische Kolonie war, aber danach wird es vermutlich eher düster. Und so finde ich es wiederum einfach grandios, mich mit Unterhaltungsliteratur nicht nur weiter zu bilden, sondern gleichzeitig auch Spaß und Lesegenuss zu haben.

Die Geschichte der Nelkenzigaretten ist hingegen nicht nur eine Geschichte aus Daten und Fakten, die im Text eingewoben sind, sondern kann mit einem Lebensgefühl aufwarten. Rauchen ist Genuss und Heilung zugleich, die Nelken und andere Aromen werden in den unterschiedlichsten Mengen und Variationen beigefügt, so dass es eine Fülle an verschiedenen Marken gibt. Auch das Marketing macht sich seine Gedanken – wohlklingend und verführerisch muss der Name sein, ansprechend und mit Wiedererkennungswert die Verpackung, auch wenn die Verpackung noch mit Hand beschriftet wird. Einige der Verpackungen sind übrigens als Bilder im Buch vorhanden. Nelkenzigaretten sind nicht nur aus kaufmännischer Sicht der Lebensinhalt der Zigarettenhersteller, es ist eine Einstellung, ein Gefühl, welches ihr Leben untrennbar mit diesen kleinen, unscheinbaren Stäbchen verbindet, die doch so große Auswirkungen haben.

Die Geschichte einer Familie, ein Rückblick und ein wenig Roadmovie – diese Teile verbindet die Autorin mühelos zu einem Roman über Liebe und Verrat, Geschäft und Politik, Freundschaft und Konkurrenz. Mit einer Leichtigkeit schreibt die Autorin über schwere Geschichte, verpackt dies in eine spannende Familiengeschichte und lässt einen mit der letzten Generation noch ein Schmunzeln davon tragen, um am Ende noch ein wenig gerade zu rücken. Auch wenn ich ein wenig Roadmovie mehr bevorzugt hätte, ist der Roman eine gelungene Mischung.

Fazit:

Eine Geschichte, die unterhält, aber ganz nebenbei noch so viele interessante Dinge enthält, dass das Lesen wie im Flug vergeht. Genau das richtige Buch, um einen Ausflug aus dem Krimigenre zu wagen. Na los, traut Euch!