Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Irisch-nordirisch: Borderlands – Brian McGilloway

7 Kommentare

Wenn eine Leiche genau auf dem Grenzstreifen zwischen der Republik Irland und Nordirland gefunden wird, gilt das ungeschriebene Gesetz, dass die Ermittlung von dem Land geführt wird, aus dem das Opfer stammt. Inspektor Benedict Devlin, von der irischen Gardai, bekommt also den Mordfall der 15jährigen Angela Cashell, die dort gefunden wurde, fast nackt aber mit einem Goldring am Finger, zugeteilt. Angela hing öfters mit dem jungen Traveller Whitey McKelvey rum und nur Stunden nach dem Fund von Angelas Leiche brennt das Lager der Traveller lichterloh, McKelvey ist aber sowieso längst weg. Dann wird die verkohlte Leiche eines jungen Mannes in einem ausgebrannten Auto gefunden und obwohl die Leiche schnell identifiziert wird, gibt es keine Verbindung und der Tote ist ortsfremd. Haben die beiden Fälle etwas miteinander zu tun?

„Irgendwie passte es, dass Angela Cashells letzte Ruhestätte quer über der Grenze lag. Vermutlich konnten weder diejenigen, die ihre Leiche dort zurückgelassen hatten, und schon gar nicht diejenigen, die 1920 die Grenze zwischen dem Norden und dem Süden Irlands gezogen hatten, ermessen, wie skurril es war, dass ihr Körper halb in dem einen und halb in dem anderen Land lag, in den borderlands, wie das Grenzgebiet genannt wird.“ (S. 9)

Der Titel des Buches hat mich magisch angezogen. Borderlands – Grenzland. Das hört sich nach einem verwunschenen Ort voller Magie an – oder eben nach einem unsteten, gefährlichen Ort. Ein Ort, an dem es nicht anders sein kann, als dass Menschen sterben. Tatsächlich ist aber nun die Grenze zwischen den beiden irischen Staaten, einfach nur eine Grenze, hauptsächlich administrativ. Zuständigkeiten und so. Ein wenig schade ist das schon und irgendwie auch langweilig. Aus dieser Grenze hätte man so viel mehr machen können. Schon allein Streitigkeiten um den Mordfall hätten hier ein Gros mehr Spannung beigetragen – eine immense Steigerung hätte stattfinden können, wäre der Kriminalroman zur Zeit der Troubles angesiedelt worden. Ich möchte es mal eine verpasste Chance nennen, denn dies macht aus dem Kriminalroman eben einfach nur einen guten, aber keinesfalls außergewöhnlichen Kriminalroman.

Ich würde ja jetzt gerne sagen, genug gemeckert, aber eine Sache muss ich dann doch noch erwähnen. Kommen wir also zu Inspektor Benedict Devlin. Ein ruhiger und bedächtiger Typ, jemand der allen Spuren nachgeht. Auch wenn  Whitey McKelvey ihm fast schon auf dem Silbertablett serviert wird, nimmt er nicht den einfachen Lösungsweg. Kann sein, dass der junge (und strohdoofe) Traveller es war, kann aber eben auch nicht sein. Privat ist Devlin Familienvater und Ehemann. Als dann allerdings ein weiterer Handlungsstrang eingeführt wird, der natürlich später mit der Haupthandlung verquickt wird, begegnet er seiner früheren Jugendliebe wieder. Die hat ihn damals für ihren jetzigen Ehemann, einen reichen Politiker, sitzen lassen und ist jetzt in dieser Ehe natürlich kreuzunglücklich und säuft wie ein Loch. Warum in Herrgottsnamen nun aber Devlin auf die nicht mehr vorhandenen Reize dieser alternden Schnapsdrossel reinfällt und damit seine Ehe riskiert, ist mir nun wirklich nicht klar. Wer weiß, kann vielleicht nur ein Mann erklären. Nostalgie. Oder pubertäre Phantasien. Oder so.

Die Nebenfiguren sind eher zu vernachlässigen und bleiben auch kaum in der Erinnerung verhaften, nichtsdestotrotz gelingt es dem Autor den Spannungsbogen gekonnt aufrecht zu halten. Immer wieder kommen die Ermittlungen ein Stück vorwärts oder eine weitere Leiche taucht auf, ein Molotowcocktail fliegt oder die Schafe reißende Bestie ist wieder unterwegs – ein weiterer Nebenstrang der Geschichte. Auch gelingen dem Autor einige Kniffe, so dass auch der Inspektor nicht unbehelligt aus der Sache rauskommt und die eigenen Reihen auch noch Überraschungen bereit halten. Letztendlich kann man wohl sagen, dass der Kriminalroman mich gut unterhalten hat, ein ausgewogenes Spannungsverhältnis bietet und die Serie es wert ist, weiterverfolgt zu werden. Nichtsdestotrotz trauere ich noch ein wenig meiner Vorstellung nach, der Krimi würde während der Troubles in den Borderlands spielen…

Fazit:
Spannender Krimi an der irisch-nordirischen Grenze – nicht außergewöhnlich, aber unterhaltsam und gut ausgetüftelt. Ein gelungener Auftakt der Serie um Inspektor Devlin.

 



Brian McGilloway – Borderlands
Verlag: Dumont
Übersetzer: Alice Jakubeit
285 Seiten
ISBN: 978-3832180324

 

Weitere Titel der Reihe:
Galgenweg
Blutgold
Aufstand der Gerechten

 


 

7 Kommentare zu “Irisch-nordirisch: Borderlands – Brian McGilloway

  1. Aha, ahak! Ich war hier nämlich extrem neugierig, was Du zum Roman schreiben wirst, weil ich den Klappentext so verlockend fand und ihn eigentlich auch gern lesen möchte. Ich hatte ja gehofft, dass Du von einem gewissen Extra berichten wirst, aber dem trauere ich dann wohl erstmal mit Dir gemeinsam hinherher. ;) Aber ich behalte ihn dennoch auf der Leseliste, gute, wenn auch nicht außergewöhnliche, Krimis braucht man ja auch manches mal.

    • Ich denke wir sind beide einfach seeeehr McKinty verwöhnt. Die Troubles bieten einfach einen idealen Background für eine Krimi. Aber das ist hier leider nicht so. Oder eben auch gut so. Würde ja auch langweilig werden, wenn alle über das gleiche schreiben würden. Trotzdem hätte ich gerne das Thema Grenze in dem Krimi mehr im Vordergrund gehabt – schon ein anfänglicher Streit um Zuständigkeiten hätte amüsant werden können. Na sei es drum – es war trotzdem ein Lesegenuss!

  2. Das zweite „Aha“ natürlich ohne „k“. :D

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