Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Zahnlos: Die satten Toten – Sam Millar

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9783855355112
Sam Millar – Die satten Toten
Verlag: Atrium
Übersetzer: Joachim Körber
319 Seiten
ISBN: 978-3855355112

 

 

 

 

Als ein junges Mädchen bei Karl Kane und seiner Flamme / Assistentin Naomi auftaucht und ihn engagieren möchte, um nach ihrer verschwundenen Schwester zu suchen, ist er erst mal nicht sehr angetan, doch sein guter Kern und Naomi können ihn überzeugen, den Fall zu übernehmen. Als dann bei Tom Hicks, Kanes besten Freund und Gerichtsmediziner, nach und nach junge, gemästete Mädchen ohne Nieren und Leber auftauchen, bekommt die Suche nach der Verschwundenen eine ganz andere Brisanz.

Karl Kane is back! Und irgendwie auch nicht. Nachdem ich von „Die Bestien von Belfast“ begeistert war, muss ich jetzt leider feststellen, dass der zweite Teil keinesfalls an den ersten heranreicht. Karl Kane hat irgendwie seinen Biss verloren. Ja, er ist zynisch und bärbeißig wie gewohnt, aber irgendwie fehlt das letzte Quäntchen, was Karl zu etwas besonderem gemacht hat. Die Atmosphäre ist auch bei weitem nicht so düster wie im ersten Teil. Es mutet schon fast gemütlich an in Karls Universum, in Belfast. Zusätzlich gibt es diesmal aber familiäre Probleme. Seine Exfrau kommt ins Spiel, seine Tochter, die nicht einsehen will, dass ihre Eltern getrennt sind und blauäugig die Schuld bei Naomi sucht. Schade, dass Karls Biss und die stimmige, unheilvolle Atmosphäre verloren gegangen sind und nun persönliche Probleme in den Vordergrund rücken.

Ach ja, und dann ist ja da der Serientäter. Relativ schnell ist klar, wer es ist. Es bleibt nur die Frage offen, wie man ihn überführt und für die Morde an den Mädchen dran kriegt. Doch anscheinend reicht einem Serientäter nicht eine üble Art der Serie, nein, er muss auch noch andere böse Dinge tun. Und das ist einfach zu viel des Guten. Oder, in dem Fall, des Bösen. Es ist schon ein erschreckender Trend, dass die Serientäter immer böser werden, in der vermeintlichen Hoffnung, dass die Leserschaft dies möchte. Mir persönlich hätte es durchaus gereicht, wenn der Täter „einfach nur“ die Mädchen entführt und getötet hätte.

So, nun hab ich genug gemeckert. Nichtsdestotrotz war der Krimi um Karl Kane schön hardboiled geschrieben, die Ermittlung war recht spannend und auch die Charaktere fand ich gelungen, wenn auch ein wenig schwach und mit Klischees beladen. Über die liebevolle Gestaltung des Umschlags und der Mühe, die der Atrium Verlag in seine Bücher steckt, brauchen wir gar nicht zu sprechen, doch noch ein Wort zum Übersetzer. Dieser steht nämlich beim Atrium Verlag auf dem Cover. Beim ersten Teil ist mir dies gar nicht aufgefallen und es ist natürlich der Diskussion um die Übersetzer, die sich vor Kurzem ereignet hat, geschuldet, dass es mir diesmal direkt ins Auge gesprungen ist. Das ist doch mal eine gute Idee, um die Übersetzer entsprechend zu würdigen. Auch wenn mir der zweite Karl Kane nicht ganz so zugesagt hat, wird mich das nicht davon abhalten, auch den dritten Teil zu lesen.

Fazit:
Karl Kane gegen einen Serienentführer/-mörder – eine Ermittlung, die zwar ganz spannend ist, doch leider mit einem recht zahnlosen Karl Kane und privaten Problemen vorlieb nehmen muss.

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One thought on “Zahnlos: Die satten Toten – Sam Millar

  1. Das war auch nicht mein Ding, sehr klischeehafte Figuren.

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