Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Zwischen dem Terror: Der katholische Bulle – Adrian McKinty

5 Kommentare

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Adrian McKinty – Der katholische Bulle
Verlag: Suhrkamp
Übersetzer: Peter Torberg
383 Seiten
ISBN: 978-3518465233
9,99 €

 

 

 

Sean Duffy, ein, wie der Titel schon verrät, katholischer Detective Sergeant im nordirischen Carrickfergus, einem Vorort von Belfast, ist neu auf der Dienststelle und soll Erfahrungen sammeln. Im, abgesehen von den üblichen Unruhen, welche 1981 zwischen den Protestanten und Katholiken herrschen, eher ruhigen Ort erscheint ihm das eher als Strafe. Doch dann wird ein Mann tot in einem Wagen aufgefunden. Und die abgetrennte rechte Hand gehört ihm nicht. Ein Serientäter in Nordirland? Das hat es noch nie gegeben, denn ein Psychopath kann sich einfach einer Seite anschließen und unter dem politischen Deckmantel morden. Doch dieser Täter scheint es auf die Homosexuellen abgesehen zu haben. Einer Ausrichtung, die nicht nur verpönt, sondern auch verboten ist. Oder steckt doch mehr dahinter?

Einen spannenden Hintergrund hat McKinty für seinen Protagonisten gewählt. Nordirland 1981. So kann der Leser gleich noch etwas lernen. Aber keine Sorge, man muss weder Vorwissen haben, noch wirkt das Buch belehrend. Es ist eher eindrucksvoll und beängstigend. Während in einem Viertel Autos brennen, findet im nächsten Viertel das ganz normale Leben statt. So ist das Leben im Bürgerkrieg zu dieser Zeit. Die IRA zieht ihre Strippen, viele landen im Gefängnis. Es gibt Hungerstreikende, die sterben, Reservepolizisten, die den normalen Wahnsinn regeln, derweil die „richtigen“ Polizisten schwer bewaffnet in den Krieg ziehen und nicht wissen, ob sie lebend zurückkommen, obwohl sie nur ein paar Straßen weiter fahren. Historische Fakten würzen den Thriller und verleihen ihm Brisanz und Glaubhaftigkeit. Die Atmosphäre ist dicht und stimmig und McKinty gelingt es, dies nicht nur als Hintergrund zu verwenden, sondern auch in die Handlung einzuweben.

Sean Duffy ist – wie man es von einem Iren erwartet – melancholisch und ein wenig düster. Als katholischer Bulle hat er es nicht einfach, weder privat noch im Beruf. Die Oberen haben ihn mit Kusshand genommen, nicht nur weil er katholisch ist, sondern weil er auch klug und einen Abschluss in Psychologie hat. Wobei Sean vermutet, dass er aus mangelnder Konkurrenz gewählt wurde. Jedenfalls ist er neu in Carrickfergus und muss sich unter seinen skeptischen Kollegen erst mal beweisen. Charmeur, der er ist, bandelt er mit einer Polizistin, aber auch gleich mal mit der Gerichtsmedizinerin an. Doch dieser Charakterzug macht ihn nicht weniger spitzfindig und bissig. Die Theorie vom Serienmörder mag er nicht so recht glauben, auch wenn es den Anschein danach hat. Als dann ein alter Fall auf seinem Tisch landet, von einer vor Monaten verschwundenen und jetzt tot aufgefundenen Frau, die Selbstmord begangen haben soll, weicht er endgültig von dieser Theorie ab, denn irgendwie haben die Fälle miteinander zu tun – er weiß nur noch nicht, wie.

Die Ermittlungen sind nicht immer einfach. Für manche Analysen ist das Team abhängig von anderen und die lassen sich gefühlt ewig Zeit, mitunter landet sie in einer Sackgasse und immer kommt irgendein Terroranschlag dazwischen. Doch durch die Kulisse von Nordirland im Jahre 1981 und Duffy als sympathischen hardboiled Helden wird es nie langweilig in diesem Polizeiroman.

Fazit:

Eine spannende Ermittlung vor einer grandiosen und erschütternden Kulisse. Sean Duffy löst seinen ersten Mordfall in Carrickfergus mit Bravour – unbedingt lesen!

5 Kommentare zu “Zwischen dem Terror: Der katholische Bulle – Adrian McKinty

  1. Nach wie vor eine meiner Lieblingsreihen.

  2. Momentan stehe ich eigentlich gar nicht mal so auf Reihen, aber Sean Duffy ist einfach top.

  3. Pingback: Monatsrückblick Juli 2015 | Die dunklen Felle

  4. Ich sag nur eins – ich hab’s ja gewusst XD

    • Aahhh! Sag nicht, Du hast noch keinen McKinty gelesen?!?!
      Also, ich weiß, wir arbeiten am SUB Abbau, aber der MUSS einfach auf Deine Nordirland-Leseliste. Der erste Teil der Serie um Sean Duffy – „Der katholische Bulle“ – ist einfach genial, so wie die folgenden Teile eigentlich auch. Aber in der Reihenfolge lesen macht hier mehr Sinn.

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