Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Das Nostradamus Testament – Tom Egeland

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Nostradamus Testament
Tom Egeland – Das Nostradamus Testament
Verlag: Goldmann
555 Seiten
ISBN: 978-3442479825
9,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Bjørn Beltø, Archäologe und Albino, befindet sich auf einer wissenschaftlichen Konferenz in Florenz, als ein Redner dort ein bisher unbekanntes Manuskript von Nostradamus präsentiert und gleich darauf von schwarz gekleideten Männern mit einem Hubschrauber entführt wird. Bjørn und Angelica, die Frau des entführten Lorenzo Moretti, machen sich gemeinsam an die Aufgabe, das Rätsel des Nostradamus‘ Manuskripts zu lösen, um das Ziel der Entführer zu entlarven und so Lorenzo und auch Silvio, den Sohn, der zur Sicherheit auch entführt wurde, zu retten. Eine wilde Jagd durch Italien und Frankreich beginnt, begleitet von Codes, alten Manuskripten und kämpfenden Mönchen.

Meine Meinung:
Mir fällt gerade auf, dass ich dieses Buch in meiner Skandinavien Woche gelesen habe und es überhaupt nicht in Skandinavien spielt… hmm… zum Glück hab ich hier keine Regeln aufgestellt und somit zählt jetzt der norwegische Autor und Protagonist. 😀 Nun aber los:

Dies ist der dritte Bjørn Beltø, doch diesmal bin ich nicht ganz so begeistert wie in den Teilen davor. Bjørn ist Archäologe und ist so etwas wie der norwegische Robert Langdon – allerdings mit dem Hinweis, dass Herr Egeland seinen Bjørn Beltø schon früher in den Buchhandel geschickt hat. Er ist ein ungewöhnlicher Charakter – nicht nur aber natürlich auch wegen seiner angeborenen Hautfarbe: er ist ein Albino. Auf der einen Seite der typische universitäre Typ: hat seine Nase ständig in Büchern, ist eher vorsichtig, verbeißt sich in ein Thema, von seiner Meinung überzeugt doch auf der anderen Seite mit Selbstzweifeln und Zurückhaltung gestraft, mit einem gestörten Verhältnis zum weiblichen Geschlecht.

In diesem Teil verguckt Bjørn sich in Angelica Moretti, die zwar eine italienische Femme Fatale mimt, aber an ihrem Ehegelübde festhält. Bjørns Gedankengänge über sie waren mir einfach mitunter zu viel und haben ein wenig genervt. Auch seine Selbstzweifel und Zurückhaltung waren in diesem Teil sehr ausgearbeitet und ich wundere mich ein wenig, dass er sich überhaupt auf die Suche nach dem Nostradamus Testament gemacht hat. Insgesamt fand ich Bjørn etwas aktionslos. Er hat sich von den Ereignissen treiben lassen und es mussten viele äußere Impulse folgen, damit er seinen Weg fortsetzen konnte.

Wirklich gut gefallen hat mir der Aufbau des Buches. Natürlich bestreitet Bjørn einen Großteil des Buches, doch es wird auch Professor Morettis Geschichte in mehreren Einschüben erzählt. Desweiterne hat man Rückblenden in vergangene Epochen und Ereignisse und auch einige Abschnitte aus Sicht von anderen Charakteren. Diese Vielfalt hat das Buch unheimlich abwechslungsreich gemacht. Vor allem die Ereignisse um Bjørn und die um Moretti konnte man im direkten Vergleich verfolgen und somit gespannt von einem Abschnitt zum nächsten wechseln.

Die Handlung hat mich diesmal auch etwas Mühe gekostet. Der Auftakt war fulminant – die Entführung hat für Aufruhr gesorgt und war der ideale Einstieg in eine wilde Jagd quer durch Europa. Letztendlich war man dann nur in Frankreich und Italien, doch es gab auch böse schwarze Männer (ich nenn sie mal so, damit ich nicht zu viel verrate), die Bjørn und Angelica verfolgt haben, ermordete Kontakte und dramatische Verfolgungsjagden.
Doch dazwischen waren sehr viele Dialoge über (nach meinem Gefühl) unzählige historische Dokumente, die aufeinander verweisen und die unglaublichsten Dinge hervorbrachten: von der Bundeslade über Cäsars Schatz bis hin zu Moses Steintafeln war da fast alles dabei. Hier wird auf Codice und Schriften verwiesen, Absätze zitiert und mit Namen um sich geworfen. Positiv zu werten ist, dass Herr Egeland am Ende ein Verzeichnis angefügt hat, welche Schriften denn echt sind und welche erfunden. Doch irgendwann hab ich einfach den Überblick verloren, in welcher Schrift auf welchen Brief verwiesen wird, der zu welchem Codex führt.

Richtig spannend war das Entschlüsseln des Nostradamus Briefes, bzw. noch einiger anderer Schriften. Hier kann man viel über die Vingère Verschlüsslung lernen. Für diese Verschlüsslung wird ein Schlüsselwort benötigt. Ohne dieses kann man den Code nicht knacken. Zumindest für mich ein faszinierendes Thema, über das ich mich gleich mal im Internet weiter informiert habe. Es sind allerdings auch einfache Verschlüsslungen enthalten, z. B. Anagramme, bei denen der Leser gleich mit rätseln kann.

Das Finale fand ich dann zwar gut, aber doch etwas in die Länge gezogen. Eigentlich war die Geschichte schon zu Ende und dann folgten nochmal so 50 Seiten. Ich bin immer für einen guten Abschluss, auch wenn der nach dem großartigen Finale noch in ruhigere Bahnen läuft, doch hier war mir das einfach zu viel des Guten. Von mir aus hätte man nicht mehr verreisen müssen…. 😉

Fazit:
Ein Bjørn Beltø Thriller, der für mich Höhen und Tiefen bereit hielt. Neben einem abwechslungsreichen Aufbau enthält dieser Thriller eine wilde, aber mitunter auch anstrengend zu lesende Jagd nach dem Nostradamus Testament inklusive toller Rätsel bereit, die leider durch lange Passagen über Bücher, Zitate und viele bekannte Mysterien an Spannung verliert. Von mir gibt es diesmal gute 3 Schafe.

3 Schafe

 

Weitere Teile mit Bjørn Beltø:
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Teil 1: Der Pakt der Wächter
Teil 2: Das Luzifer Evangelium

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