Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


Ein Kommentar

Shorty | Familienbande: Fromme Wünsche – Sara Paretsky


Sara Paretsky – Fromme Wünsche
Verlag: Piper
Übersetzer: Uta Münch
227 Seiten
ISBN: 978-3492983730

 

 

 

 

Worum geht es?
V.I. Warshawski ist gar nicht begeistert. Ihre Tante Rosa hat ein Problem und möchte, dass V.I. für sie ermittelt. Zähneknirschend übernimmt sie den Fall, aber nur, weil ihre Mutter Gabriella ihr auf dem Totenbett das Versprechen abgerungen hat, sich um ihre Tante zu kümmern, wenn sie was braucht. Tanta Rosa macht die Buchhaltung für das Sankt Albert Klosters. Als sich die Aktien für 5 Millionen im Safe des Klosters als gefälscht herausstellen, gerät Rosa unter Verdacht, zusammen mit einigen Klosterbrüdern.

Einer wie der andere?
Abgesehen davon, dass V.I. sich erst ein wenig sträubt, ermittelt sie gekonnt wie immer. Wirtschaftsverbrechen sind ihr Ding und auch gar nicht langweilig. Ein Bekannter aus dem letzten Teil taucht auf und engagiert sie gleich auf zweierlei Weisen. Und tatsächlich verbinden sich die beiden Fälle miteinander. Das mag sich unwahrscheinlich anhören, passt hier aber sehr gut und fließt lückenlos ineinander.

Opfer, Tat und Täter
Zuerst gibt es keinen Mord, doch der lässt nicht lange auf sich warten. Eine alte Freundin, die V.I. für einen Rat hinzuzieht, wird ermordet. Tragisch, aber motivierend, denn auch wenn V.I. keine rechte Lust hat für ihre Tante zu ermitteln – die/den MörderIn ihrer Freundin will sie auf jeden Fall dran kriegen!

Themen
Aktien, Aktienanteile, Firmenübernahmen, Corpus Christi, der Vatikan.

Was war gut?
Ich weiß gar nicht, wie die das immer machen, aber die AutorInnen, die PrivatdetektivInnen als Protagonisten haben, können mich einfach immer einfangen. Und Sara Paretsky ist darin eine Meisterin. Das Buch hatte ich so schnell weggelesen, wie auch die anderen von Sara Paretsky und es wird ganz bestimmt nicht mein letzter bleiben.

Was war schlecht?
Ich bin kein Experte im Aktienhandel, aber irgendwie ist mir, als hätten die falschen Aktien früher auffallen sollen. Schließlich gibt es doch Dividenden und so was – ist das der guten Rosa nicht aufgefallen, dass es aus den falschen Aktien keine Einkünfte gab? Ist aber auch egal – das macht das Buch nun nicht weniger spannend.

FAZIT:
Ein weiterer spannender Fall mit der zuerst widerspenstigen V.I. Warshawski, die sich dann aber in den Fall reinkniet und ihn nicht mehr loslässt. Eine Serie, die man unbedingt lesen sollte!


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Glimpses | Damals

Der Mann, der nicht mitspielt – Christof Weigold

Worum geht es?
Hardy Engel, Schauspieler und Privatdetektiv, wird im Hollywood der 20er Jahre damit beauftragt, die verschwundene Virginia Rappe zu finden. Er findet sie auch: zugedröhnt, nackt und über Schmerzen murmelnd auf einer Party von Starkomiker Fatty Arbuckle. Zwei Tage später ist sie tot und Fatty Arbuckle soll daran schuld sein. Wahr oder nicht wahr?

Wie hat es mir gefallen?
Die schillernde Welt von Hollywood – das war damals schon so. Aber wie auch heute, ist es eben nur vordergründig schillernd und lebt mit Skandalen und Intrigen. Hardy Engel bekommt es mit Studiobossen und Stars zu tun, mit Regisseuren und Sicherheitschefs – doch keiner sagt die Wahrheit. Hardy muss sich ganz schön durchbeißen, um nicht vom Glanz, Glamour und Geld der Glitzerwelt überzeugt zu werden, den Mund zu halten. Nebenbei erfährt man so viel über das Hollywood jener Zeit, der Wahnsinn. 20er Jahre Hollywood, ein hartgesottener, standhafter Privatdetektiv, ein Touch Noir – so mag ich kriminelle Ausflüge in die Vergangenheit.

Die Drei
Schillernd, abgründig, erstklassig recherchiert


Schüssler und die verschwundenen Mädchen – Viktor Glass

Worum geht es?
Augsburg, 1890. Wenn Dienstmädchen ihre Anstellung verlieren bleibt ihnen, nachdem die Fabrikarbeiten mehr und mehr von Maschinen übernommen wurden, nur die Wahl zwischen Heirat und Freitod. Als Ludwig Schüssler vom Verlobten beauftragt wird, Luise zu finden, die vormals als Dienstmädchen gearbeitet hat, denkt er zuerst auch daran. Doch gemeinsam mit Caroline Geiger, die er zufällig trifft, tauchen plötzlich Spuren auf, die ganz andere Aufenthaltsorte der verschwundenen Mädchen andeuten.

Wie hat es mir gefallen?
Überraschend großartig – bin ich doch kein Fan von historischen Krimis, hat mir dieser ausgenommen gut gefallen. Vielleicht untypisch für die Zeit, aber von mir durchaus mit Wohlwollen betrachtet ist Schüsslers aufgeklärte Art und Carolines Selbstständigkeit, die nicht nur das Ermitteln erleichtern, sondern auch einen Hoffnungsschimmer in der damals doch recht trüben Zeit – zumindest für diejenigen ohne Geld bzw. für Frauen – aufglimmen lassen. Privatpolizist Schüssler und seine neu gewonnene Assistentin Caroline Geiger konnten mich vollauf überzeugen!

Die Drei
Authentisch, gut konstruiert, klasse Ermittlerpärchen


Die Maske des Dimitrios – Eric Ambler

Worum geht es?
Die 30er Jahre. Charles Latimer ist Kriminalschriftsteller und stolpert per Zufall in Istanbul über den Fall Dimitrios. Dimitrios wurde tot an der Küste  angespült und damit wurde eine lebhafte Verbrecherkarriere beendet. Latimers Interesse ist geweckt und er reist auf Dimitrios Spuren nach Rumänien und Frankreich, trifft dubiose Männer und auch eine geheimnisvolle Frau, er gerät immer tiefer in den Fall und muss schon bald um seine eigene Haut fürchten.

Wie hat es mir gefallen?
Die ersten hundert Seiten haben mir gefallen, doch dann muss ich zugeben, dass das Buch zäh wurde. Ich war ein wenig enttäuscht, dass Dimitrios dann doch nichts weiter als ein Verbrecher war, so geheimnisvoll wie Latimer und viele der anderen Charaktere ihn schildern, fand ich ihn nicht. Trotzdem wird das Flair der Zeit gut transportiert, auf Bahnreisen, in Aktenbergen, und durch den falnierenden Schriftstelle. Sehr gut gefallen hat mir die Einarbeitung zeitgeschichtlicher und politischer Ereignisse. Vielleicht kam es auch daher, dass ich ständig Vergleiche zu Ross Thomas gezogen habe und ich muss sagen, Thomas gelingt es besser, mir diese trockenen Ereignisse mit Sarkasmus und Kurzweile einzuflößen.  Nichtsdestotrotz ist das Buch ein Krimiklassiker und es wird auch nicht mein letzter Ambler sein.

Die Drei
Zeitgeschichtlich hervorragend, irgendwie zäh, aber ein Klassiker


 


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Ab in den Urlaub: Lago Mortale – Giulia Conti


Giulia Conti – Lago Mortale
Verlag: Atlantik Verlag
288 Seiten
ISBN: 978-3455005462

 

 

 

 

Eigentlich mache ich einen großen Bogen um „Urlaubskrimis“.  Dafür gibt es die verschiedensten Gründe, unter anderem, dass mich diese Urlaubsregionen als Urlaubsziel überhaupt nicht interessieren und falls doch, ich mir eher einen Reiseführer als einen Krimi dazu kaufe. Unter anderem aber auch, weil dahinter zu einer hohen Prozentzahl deutsche AutorInnen stecken, die ein passendes Pseudonym aus der Urlaubsregion verpasst bekommen und zumeist eben nicht aus diesem Land kommen, es höchstens bereist haben und ich deshalb befürchte, dass mir da die Kultur des Landes nicht authentisch genug beschrieben ist. Nun wollte es der Zufall aber, dass mir der Atlantikverlag einfach einen Urlaubskrimi zugeschickt hat und zwar vorliegenden „Lago Mortale“. Und letztes Wochenende hatte ich dann Lust darauf, da rein zu lesen und herauszufinden, ob Urlaubskrimis mich überzeugen können.

Simon Strasser, ein ehemaliger deutscher Journalist hat sich am Lago D’Orta ein kleines Häuschen gekauft und verbringt dort seine Tage, im Ruhestand ist er noch nicht ganz, verfasst er doch freiberuflich noch Texte für deutsche Magazine und Zeitungen. An einem heißen Augusttag entdeckt er die Yacht der Zanettis, einer reichen Industriellenfamilie, herrenlos im See treiben. Er schwimmt hinüber und entdeckt Marco Zanetti, einen Spross der Familie, mit Kopfverletzung tot auf dem Schiff. Ein Segelunfall? Zuerst sieht alles danach aus, doch Simon bleibt an dem Fall dran und gemeinsam mit Carla Moretti von den Carabinieri kommt er dem Tathergang nach und nach auf die Spur.

Wie ich erwartet hatte, liegt der Fokus ganz klar auf dem Piemont, auf dem Lago D’Orta und den umliegenden Dörfern und Gemeinden. So ganz klar ist mir nicht, wie Simon Strasser mit Mitte 50 schon quasi im „Ruhestand“ sein kann, aber er hat sich eine schöne Region dafür ausgesucht. Die Landschaftsbeschreibungen lassen einen durch den Piemont schweifen, einen Hauch von Urlaub spüren und bei den momentanen sommerlichen Temperaturen hat man dann fast schon das Gefühl vor Ort zu sein. Die Autorin teilt einem im Abschluss dann mit, dass die Ortschaften zwar existieren, sie aber die Orte schon nach ihrem Gusto passend zum Krimi verändert hat. Der Lago D’Orta hat noch eine besondere Geschichte, war er doch noch wenige Jahre zuvor sauer und jegliche Lebewesen abgetötet. Die umgebende Industrie hatte jahrelang ihre Abwässer in den See geleitet, doch tatsächlich hat die Regierung den See wieder aufgepäppelt, so dass er nun ein herrliches Touristenausflugsziel ist. Vielleicht noch nicht die Top-Sehenswürdigkeit, aber doch beliebt bei Touristen.

Simon Strasser ist nun kein Tourist, aber ein Einheimischer ist er auch nicht. Er hat Freunde unter den Italienern, auch Bekannte und Nachbarn, aber er ist und bleibt der „Tedesco“. Von manchen gutmütig gerufen, von anderen eher abschätzend. Als Journalist sind ihm Recherchen und Ermittlungen nun nicht ganz unbekannt, vor allem, da er auf Wirtschaft spezialisiert war und ist und die Zanetti Familie als Industriellenfamilie nun nicht ganz unbekannt für ihn ist. Da er freigeistig in den Tag hineinlebt und kaum Verpflichtungen hat, kann er sich natürlich gut in die Ermittlungen einmischen, wobei er zum Teil tatsächlich auch von der Polizei hinzugezogen wird.

Die Ermittlung ist in sich schlüssig, allerdings kommen die Carabinieri doch schlecht weg, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Polizei freiwillig einen Journalisten in ihre Ermittlungen einbezieht, gemeinsame vergangene Erlebnisse hin oder her. Und dann findet der Journalist den Täter auch noch vor den Carabinieri…. Nun ja, der Kriminalfall  war jedenfalls schlüssig, wenn auch nicht fürchterlich kompliziert. Es gab kaum Finten, so dass diese doch recht geradlinig ablief und natürlich in einem kleinen dramatischen Finale endete.

Der Piemont-Krimi war nun also genau das, was ich mir vorgestellt habe: leichte Unterhaltung mit ganz viel landschaftlicher Schönheit untermalt. Die Ermittlung war nun nicht herausragend, aber geschickt eingebettet und logisch aufgebaut. Thematisch bietet das Buch noch einen kleinen Abriss der Partisanen in Italien zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs, doch die Tat bleibt von dieser spannenden Vergangenheit leider unberührt. Insgesamt bietet der Krimi also viel Piemont, doch er lässt an Spannung und Hintergrund missen. Das Dolce Vita nimmt doch sehr viel Platz ein.

Fazit:
Krimilektüre für Urlaubsleser, Piemont-Liebhaber und Leser von unblutigen, regionalbezogenen Krimis. Und für welche, die an einem heißen Juli- oder Augusttag keinen Nerv für ausgefeilte oder düstere Ermittlungen haben und einfach nur locker-leichte Unterhaltung suchen.


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Shorty | Krokodile: Blaue Nacht – Simone Buchholz


Simone Buchholz – Blaue Nacht
Verlag: Suhrkamp
235 Seiten
ISBN: 978-3518466629

 

 

 

 

Worum geht es?
Nach den Erlebnissen am Ende des letzten Bandes, ist Chasity Riley aufs Abstellgleis geschoben worden. Opferschutzbeauftragte. Abstellkammer. Fast nichts zu tun. Kein Wunder also, dass sie sich auf den Kerl stürzt, der grün und blau geschlagen im Krankenhaus landet. Macht auch gar nichts, dass der nicht reden will. So leicht gibt Chasity nicht auf. Ködert mit Bier und Zigaretten – und voila. Plötzlich bekommt der Kerl den Mund auf.

Einer wie der andere?
Simone Buchholzens Schreibstil bleibt ganz wunderbar und gefällt mir mit jedem Band der Reihe noch besser. Sprachperle an Sprachperle reihen sich hier hintereinander und machen das Buch zu einem Genuss. Der Kriminalfall, ja, der lässt diesmal allerdings schon ein wenig auf sich warten. Der Kerl im Krankenhaus redet ja erst mal nicht und als er dann redet auch noch kryptisch. Da dauert der Krimifall dann eben ein wenig. Wird aber trotzdem gut.

Opfer, Tat und Täter
Ein Killer, ein paar Möchtegerngangster, ein großer Gangster, der jetzt auf Schickimicki macht.

Themen
Der zerbrochene Kerl im Krankenhaus führt zuerst nach Leipzig, dann nach Polen, dann wieder zurück nach Hamburg. Es geht um Drogen und zukünftige Drogen.
Privat geht auch so einiges her, denn der Calabretta kämpft sich durch Liebeskummer, der Faller blüht auf, Carla und Rocco streiten und lieben sich, derweil Klatsche ungewollten Kontakt zu seiner Vergangenheit aufnimmt.

Was war gut?
Soll ich oder soll ich nicht? Ach, ich mach es einfach – es kann nicht schaden, es nochmal zu erwähnen: Simone Buchholzens Stil ist einfach der Hammer. Ich habe mal behauptet, Joe R. Lansdale könnte auch das Telefonbuch schreiben, ich würde das trotzdem lesen – und ich schließe nun Simone Buchholz ein. Frau Buchholz, falls Ihnen die Ideen ausgehen, überhaupt kein Thema – wir Fans lesen auch gerne ihren Einkaufszettel.
In diesem Teil der Reihe bekommen die Figuren mehr Raum, bedingt auch dadurch, dass Chasity aufs Abstellgleis befördert wurde und der Fall doch spät sich herauskristallisiert, aber da es sich bei allen ausnahmslos um liebgewonnene Charaktere handelt, ist das unterhaltsam und fügt sich ganz wunderbar ein.
Und das Ende. Das Ende war granatenmäßig. Das hab ich überhaupt nicht erwartet. Wie geht es jetzt weiter? Was macht das Team um Chasity Riley jetzt? Ah… ich will nichts verraten, aber ich bin schon sehr, sehr gespannt, wie es weitergeht.

Was war schlecht?
Es dauert eben ein bisschen, bis der Kriminalfall Fahrt aufnimmt… das kann man jetzt bemängeln, oder eben einfach in Simone Buchholzens wundererbarer Schreibweise genießen, ganz ohne sich zu echauffieren.

FAZIT:
Die Serie ist und bleibt genial, auch wenn es in dem Fall hier gar nicht so viel um Ermittlungen geht. Ich mag einfach Chasity Riley und Simone Buchholzens Schreibstil, beides ist einfach grandios.


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Vardogger: Am Ende der Zeit – Thomas Carl Sweterlitsch


Thomas Carl Sweterlitsch – Am Ende der Zeit
Verlag: Heyne
Übersetzer: Friedrich Mader
476 Seiten
ISBN: 978-3453316492

 

 

 

 

Shannon Moss ist Spezialagentin des NCIS, der Strafverfolgungsbehörde der Navy. Sie wird zu einem Tatort gerufen, da der vermutliche Täter Verbindungen zu einem geheimen Programm der Navy aufweist. Der Täter ist ein ehemaliger Navy Seal, am Tatort finden sich seine Frau und seine zwei Kinder brutal ermordet. Seine älteste Tochter sowie er, der Ehemann und Hauptverdächtige, sind verschwunden. Hat das geheime Programm der Navy, mit dem diese schon lange Raumschiffe in die Zukunft schickt, etwas mit dieser Tat zu tun? Hat der Mann dort etwas gesehen oder erlebt, was ihn dazu getrieben hat? Shannon Moss muss nicht nur das herausfinden, sondern wenn möglich auch das Ende der Zeit verhindern, denn in der Zukunft befindet sich der Terminus, das Ende der Zeit. Und dieser rückt näher und näher an die Gegenwart heran.

Nachdem ich das erste Kapitel probehalber gelesen habe, war es um mich geschehen. Dort unternimmt Shannon ihren ersten Flug in die Zukunft und bringt dort nicht nur erschreckende und eindrückliche Erlebnisse vom Terminus mit, sondern verliert auch eines ihrer Beine. Diese Tatsache, aber auch Erlebnisse in ihrer Jugend haben aus Shannon Moss eine unglaublich zähe Frau gemacht. Ihr Mantra „Andere würden aufgeben“ hilft ihr ihre letzten Reserven zu mobilisieren und motiviert sie über ihre Grenzen hinaus. Sie ist recht einsam, das liegt natürlich an dem geheimen Projekt. Und es ist nicht nur der Fakt, dass sie anderen nichts von ihrem Job erzählen darf, sondern auch, dass die Reisen, die sie in die Zukunft unternommen hat, sie haben altern lassen. Fliegt sie mit der Grey Dove, einem der Komorane, die in die Zukunft reisen können, los, vergehen für sie Monate – für die Reise aber auch den Aufenthalt in der Zukunft – derweil sie in der Gegenwart schon einen Moment später wieder zurück ist. So ist sie nun mittlerweise fast gleich alt wie ihre Mutter, eine Tatsache, welche die Beziehung zu ihr Mutter oder anderen Menschen nicht einfacher gestaltet.

Scheint der Mordfall, in dem sie mit zwei „normalen“ Agenten ermittelt zuerst nur als Tat eines posttraumatisch belasteten Soldaten, fügen sich nach und nach Puzzleteile zusammen, die auf ein verschwundenes Raumschiff, die Libra, hinweisen und Bezug auf den Terminus nehmen. Für Shannon ist die Aufgabe also nun ungleich schwerer, denn das Ziel jedes einzelnen, der von den Raumzeitflügen weiß, ist es, den Terminus zu stoppen. Doch keiner weiß, was es ist. Einzig die Bilder des Terminus bleiben denjenigen, die ihn erleben, erhalten: Menschen, die sich ins Meer stürzen, Menschen, denen aus offenen Mündern eine silbrige Flüssigkeit fließt, Menschen, die kopfüber gekreuzigt sind.

Um den Mordfall – und den Bezug zum Terminus – zu klären, wird Shannon Moss in die Zukunft geschickt. Von 1997, der Gegenwart, ins Jahr 2012/2016, der Zukunft. Hier soll sie herausfinden, was mit Marian, der Tochter des Ex-Navy Seals passiert ist. Es gibt jedoch ein Problem: die Zukunft ist nicht fix. Mehrere Reisen unternimmt Shannon und die Zukunft ist immer leicht verändert, einzig die Gegenwart bleibt stetig gleich, sie nennen sie die Terra firma, der Fixpunkt, zu dem sie aus den Reisen in die Tiefen zurückkommen. Ganz schön verwirrend, in eine Zukunft zurückzukommen, die dann doch wieder anders ist als die letzte Version der Zukunft.

Soviel ganz grob zum Inhalt, ich weiß ein wenig verwirrend, doch mir hat das Lesen unheimlich viel Spaß gemacht. Nach dem Prolog kam für mich erst mal ein zähes Stückchen, doch dann hat das Buch einen Sog entwickelt und man will unbedingt ständig mit Shannon hin und her reisen und die kleinen Details, die sich verändert haben, aufnehmen, aber natürlich zugleich auch hinter die Geheimnisse der verschwundenen Libra und seiner Crew kommen. Die Spannung ist denn auch ansteigend, am Anfang eben ein wenig zäh, derweil nach und nach mehr Spannung aufgebaut wird, bis zum Ende, welches dann sehr dramatisch und nervenaufreibend ist.

Ich muss zugeben, dass es meines Erachtens einige unlogische Begebenheiten gibt und so ganz klar ist mir nicht, wie diese Zeitreisen funktionieren – aber ich muss auch ehrlich sagen, wenn mir der Autor das näher erklärt hätte, hätte ich es vermutlich trotzdem nicht verstanden. Es ist ein Thriller, den man ohne viel über die Physik nachzudenken lesen sollte, und eher versuchen sollte, die Spuren, welche Shannon findet, zu verbinden und den Fall zu lösen. Und natürlich drückt man die Daumen und fiebert mit, für Shannon, für die Menschen, dass der Terminus gestoppt werden kann und das Ende der Zeit sich noch ein wenig mehr Zeit lässt. Ein Ritt durch Raum und Zeit, ein wenig verwirrend, aber immer mit klarem Ziel vor Augen, mit einer zähen Einbeinigen, gegen die ich es nicht aufnehmen möchte.

Aber: der Epilog ist leider fürchterlich kitschig. Mit den letzten 4 Seiten hat der Autor das Buch fast versaut. Ich schau mal großzügig darüber hinweg, weil mir das restliche Buch ausgenommen gut gefallen hat. Aber bitte – den Eimer Zuckerguss hätte der Autor wirklich behalten können. Ich hätte sogar mit einem ungewissen Ausgang leben können und möchte fast empfehlen, den Epilog links liegen zu lassen.

Fazit:
Eine Ermittlung eingebettet in Quantenschaum und Zeitreisen, ein Pageturner zwischen Thriller und Science Fiction – genau die richtige Mischung, um das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, wenn man über kleine Unzulänglichkeiten hinweg sehen kann.


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Kaleidoskop: Ballade einer vergessenen Toten – Liza Cody


Liza Cody – Ballade einer vergessenen Toten
Verlag: Argument
Übersetzer: Martin Grundmann
411 Seiten
ISBN: 978-3867542388

 

 

 

 

Ich glaube, ich hab noch kein Buch von Liza Cody gelesen, welches ich einwandfrei als Krimi bezeichnen kann. Sie schreibt immer hart an der Grenze, mit kriminellen Elementen, das schon, aber vielmehr zeichnet sie ein Abbild der Gesellschaft, tiefe Einblicke in die Seelen von Menschen, ein Stück Realität, welches sie mit einem Kriminalfall abrundet und ausklingen lässt. Es ist diese Leichtigkeit, mit der sie schwer verdauliche Kost, die Realität, in eine Geschichte packt, ihre Charaktere für sich selbst sprechen lässt, die mich so umhaut, wenn ich ein Buch von Liza Cody lese.

Elly
Elly Astoria ist in den 80ern ein musikalisches Wunderkind, eine Songwriterin, mit der jeder arbeiten will. Jung ist sie, nicht besonders hübsch, ein Teil von SisterHood, einer Band nur aus Frauen. Sie ist aus schlechten Verhältnissen, Vater unbekannt, ihre Mutter ein Junkie. Doch Elly strahlt, sie leuchtet, sie zieht jeden in ihren Bann, sobald sie Musik macht. Ihre Songs gehen um die Welt, jeder will mit ihr arbeiten. Dann wird sie brutal ermordet.

Amy
Amy bläst Trübsal. Nach einer gescheiterten Beziehung hängt sie perspektivlos in einem Café ab, als sie den Hit aus den 80ern im Radio hört. Den Song von Elly, Elly Astoria. Und Amy beschließt eine Biografie über Elly zu schreiben. Doch so einfach ist das gar nicht, umso mehr Amy mit den Leuten aus Ellys Umgebung spricht, umso mehr deckt sie Widersprüche auf und fragt sich immer mehr: wie war Elly eigentlich wirklich?

Recherchen
Amy, in Sachen Biografie schreiben unbedarft, macht sich auf, um Interviews zu bekommen. Das damalige Management sowie die Bandmitglieder von SisterHood sind so gut wie nicht zu bekommen, so dass sie mit dem weiteren Umkreis von Elly beginnt. Sie führt Interviews, recherchiert und liest, schreibt Probekapitel. Dabei kommt Amy in der ersten Hälfte des Buches kaum zu Wort. Einzig ihre Interviewabschriften, die Dokumente, die sie zusammenstellt, bekommt der Leser unter die Nase gehalten.

„Ich bin keine Detektivin. Bloß weil es einen Mord gab, muss er noch lange nicht aufgeklärt werden. Es ist zwanzig Jahre her! Ich schreibe an einer Biografie, nicht an einem scheiß Thriller.“ (S. 258)

Detektivin
Doch immer mehr tritt Amy in den Vordergrund, bekommt man ihren Kampf mit, einen Verleger zu finden, aber auch das abgeschirmte Management und die Mitglieder der mittlerweile aufgelösten Band aufzustöbern. Mehr und mehr wird sie in die Richtung gedrängt, den Mord an Elly Astoria aufzurollen, Verdächtige zu präsentieren, Vermutungen anzustellen, wogegen sie sich vehement sträubt. Doch die junge Sängerin lässt sie nicht los, sie macht weiter, gräbt und stochert, wehrt sich gegen die Androhungen gerichtlicher Verfahren und ignoriert jegliche Drohungen.

Der engere Kreis
Die Band bestehend aus einer Übermutter, einer Hardcore-Lesbe, einer Depressiven und der eitlen Sängerin sowie das Management Caranto – Carol und Tom Prax, ein Geschwisterpaar, sind so gut wie nicht erreichbar und nur mit viel Überredung schafft es Amy den ein oder anderen zu treffen. Kein Wunder, stellt sich doch nach und nach heraus, dass jeder sein eigenes Häppchen von Elly Genie abhaben wollte. Aus den unterschiedlichsten Gründen. War Elly glücklich? Wusste sie davon? Zumindest hat es den Anschein, dass die Kleine hauptsächlich glücklich war, wenn sie Musik machen durfte – das sie dadurch von jedem für seine Zwecke benutzt wurde, hat sie wohl nicht gesehen. Und doch sitzt bei einigen die Scham, die Wut, der Hass tief. Auch noch nach zwanzig Jahren.

„Was ist bloß los mit Ihnen und den anderen? Nach zwanzig Jahren leidet ihr immer noch am längsten Nervenzusammenbruch in der Geschichte der Frauenwelt.“  (S. 396)

5 Akte
Es sind kurze Kapitel, kleine Kapitel, manche bestehen nur aus 2, 3 Emails, welche Amy bekommt, doch es sind viele, unterteilt in 5 übergeordnete Abschnitte. Mehr und mehr kreist die angehende Schriftstellerin die Person Elly ein und muss doch feststellen, dass keiner Elly wirklich kannte. Zudem verstricken sich auch viele in Widersprüche, nicht alle Erinnerungen sind so geschehen, wie geschildert. So bastelt sich jeder seine eigene Elly und Amy steht immer wieder kurz davor, die Flinte ins Korn zu werfen, doch Elly Astoria lässt sie nicht gehen. Das musikalische Genie  soll entsprechend gewürdigt werden, dafür möchte Amy sorgen. Ganz nebenbei dient die Biografie aber natürlich auch Amys Selbstfindung.

Kaleidoskop
Amy findet mehr und mehr Informationen über Elly, doch Elly scheint nie ganz da zu sein. Immer sieht Amy sie durch das Kaleidoskop anderer Menschen und je nachdem wer durchsieht oder daran dreht, verändert sich die Elly, die man sehen kann. Schonungslos deckt Amy dabei aber die Facetten der Menschen auf, die Elly umgeben haben. Alle Facetten. Die wenigen guten, aber eben auch die vielen schlechten Facetten. Gier, Neid, Erfolgssucht. Jeder wollte auf Ellys Rücken zum Erfolg getragen werden und dabei ist Elly unter die Räder gekommen. Doch Amy kann nun, zwanzig Jahre später, das Rätsel zumindest so weit aufdröseln, so dass sie einen Verdächtigen präsentieren kann. Also ist sie doch irgendwie eine Detektivin, und ja, ein klein wenig ist das Buch auch ein scheiß Thriller.

Fazit:
Liza Cody wirft wie immer einen schonungslosen Blick auf die Realität: die 80er Jahre, das Musikbusiness und ein kleines Mädchen, welches darin zerrieben wird. Facettenreich fächert sie Elly Astorias Leben auf und lässt die angehende Schriftstellerin Amy nicht nur eine Biografie schreiben, sondern auch ihre detektivischen Fähigkeiten entdecken. Ein Liza Cody, wie er sein soll: fordernd, unorthodox und überzeugend bis zur letzten Seite.


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Gespalten: Die Geschichte der schweigenden Frauen – Bina Shah


Bina Shah – Die Geschichte der schweigenden Frauen
Verlag: Golkonda
Übersetzerin: Annette Charpentier
332 Seiten
ISBN: 978-3946503941

 

 

 

 

Die Geschichte spielt in einer nahen, fernen Zukunft in einer neu gebildeten Metropole im Südwesten von Asien: Green City. Nach einer Virusepidemie sind viele Frauen gestorben und die übrigen sollen für das Überleben der Gesellschaft sorgen, streng reglementiert und kontrolliert von der Obrigkeit. Hierzu werden den Frauen Ehemänner zugewiesen, manchmal nur einer, doch meist mehrere. Hier hat sich eine kleine Enklave gebildet, in welche Frauen, die diesem Schicksal entgehen wollen, fliehen können – die Panah. Um das Überleben zu gewährleisten, ihr Versteck geheim zu halten und Vorräte zu bezahlen, bieten die Frauen einen Dienst an: Intimität ohne Sex. Natürlich höchst illegal.

„Ich hatte auch an einem solchen Kurs teilgenommen. Wir sahen endlos Filme über Haushaltsführung und die Regeln der Kinderaufzucht. Sie glaubten, wenn sie uns >>Haushaltsingenieure<< und >>wissenschaftliche Mitarbeiter im Familienmanagement<< nannten, würden wir gutgläubig annehmen, diese >>Jobs<< entsprächen unserer Intelligenz und würden uns Selbstachtung verleihen. In Wirklichkeit war die Rolle der Gattin eine endlose Plackerei aus Waschen und Putzen und Füttern und Aufräumen, unterbrochen von unzähligen Schwangerschaften.“ (S. 111)

Ich fürchte, die Geschichte von Bina Shah muss den Vergleich zu Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ über sich ergehen lassen – die Ausgangssituation ist einfach zu ähnlich. Eine futuristische Welt, nach Umweltkatastrophen und einem Virus, der die Anzahl der Frauen dezimiert, in der Hand einer „Obrigkeit“, die dafür sorgt, dass die Gesellschaft „überlebt“. Weder Atwood noch Shah zeigen viel von ihrer Zukunft, es wird ein Mikrokosmos beschrieben, die Welt aus Sicht der Protagonistin, wobei Shah hier tatsächlich weitergeht und verschiedene Personen zu Wort kommen lässt. Ihre Protagonistin ist Sabine und ihr Handlungsstrang dreht sich völlig um die Vorkommnisse, die Sabine zustoßen, doch die Perspektiven wechseln.

Green City ist eine Oase in der Wüste, streng überwacht durch die Obrigkeit mit Hilfe von Überwachung und Patrouillen. Mädchen werden dazu erzogen, gute Ehefrauen und Mütter abzugeben, ansonsten sollen sie am liebsten keinen Kontakt untereinander haben, nicht miteinander reden, schon gar nicht über ihre Situation. Heimlich kommunizieren sie aber doch, es gibt immer Mittel und Wege. Und ein paar wenige dieser Mädchen landen in der Panah, der Zuflucht, welche Ilona Serfati aufgebaut hat und die mittlerweile von ihrer Nichte Lin geleitet wird.

Ich habe lange darüber nachgedacht und ich denke immer noch darüber nach, ob die Zuflucht denn wirklich so viel besser ist als das Leben in Green City. Es nennt sich zwar Zuflucht, doch umsonst ist der Aufenthalt dort nicht. Die Mädchen und Frauen leisten Dienste, besuchen meist mächtige Männer, um mit ihnen Zeit zu verbringen, zu essen, sich anzukuscheln, das alles ohne Sex. Vermutlich können nur mächtige, reiche Männer sich diese Dienste leisten und soweit klappt das auch ganz gut, da sie keiner dieser Männer verrät. Ansonsten leben die Frauen ihre Tage so vor sich hin, in der Panah. Sie essen, sie pflegen sich, sie sprechen miteinander. Ich verstehe, dass der Zufluchtsort aufrecht erhalten werden muss und dafür Einnahmen vonnöten sind, aber wo bitteschön ist denn der Widerstand? Und ich rede noch nicht mal davon, das System von Green City aktiv anzugreifen. Noch nicht mal Gespräche darüber finden statt, keine Pläne werden diskutiert, es wird nicht mal versucht, Mädchen aus Green City rauszuholen – die Mädchen müssen schon selbst in die Panah finden. Das Leben in der Panah… plätschert so dahin.

Als Sabine dann in eine Notlage gerät, hat das weitreichende Auswirkungen auf die Panah. Doch auch hier scheinen die Frauen zum Nichtstun verdammt. Die Männer sind die Aktionäre, Männer, die immerhin nicht mit dem bestehenden System einverstanden sind, doch trotzdem Männer. Und dann, dann werden die Grenzen von Green City erreicht, die physischen Grenzen und man bekommt einen winzigen Einblick davon, dass es außerhalb von Green City noch etwas anderes gibt, doch die Autorin gibt uns Lesern keine Chance mehr herauszufinden, denn hier stoppt das Buch.

Als ich das Buch gelesen habe, war ich durchaus damit zufrieden. Die Geschichte hat mich unterhalten, wobei hie und da ein wenig mehr Spannung nicht geschadet hätte, die Ausgangslage war reizvoll und Sabine eine besonnene und kluge Protagonistin, doch je mehr und je länger ich darüber nachdenke, desto skeptischer werde ich. Dabei, um nochmal den Vergleich zu „Der Report der Magd“ zu ziehen, macht Bina Shah hier vieles ähnlich, denn auch Atwood verrät nicht sehr viel darüber, wie es zu der im Buch geschilderten Lage gekommen ist, wie das System aus verschiedenen Perspektiven funktioniert und lässt das Ende auch recht weit offen.

Doch bei Atwood gab es einen Unterschied: Widerstand. So gering er bei Atwood auch war, so klein er nur ausfallen konnte, so heimlich er gehandhabt werden musste. Er war da. Die einzige Widerstandshandlung, welche Bina Shah bietet, ist die Panah selbst, denn diese ist im System von Green City natürlich illegal. Und – Achtung Spoiler – nachdem man am Ende die Grenze von Green City sieht, verstehe ich einfach nicht, wieso die Panah nicht Frauen zur Grenze schleust und Hilfe und Unterstützung auf der anderen Seite sucht, anstatt sich an Männer zu verkaufen. Spoiler Ende. Bina Shahs Geschichte der schweigenden Frauen ist genau das – eine Geschichte der schweigenden Frauen.

Es ist ein passiver Widerstand, den die Frauen leisten, doch effektiv ist es so gut wie kein Widerstand, denn es fällt schlicht und einfach keinem auf, dass die Frauen verschwunden sind. Jedenfalls kommt das nicht zur Sprache – in einer Stadt, in der jeder kontrolliert wird, muss es doch auffallen, dass Frauen verschwinden. Ok, es wird bestimmt nicht an die große Glocke gehängt, schließlich muss man heucheln, dass das System unfehlbar ist, aber es muss doch Ermittlungen geben – oder?

Ach, ich bin einfach ein wenig unschlüssig. Aber ich werde noch lange über das Buch nachdenken und daran knabbern. Ich wende alles ständig von einer Seite zur anderen, überlege ob der Vergleich zu Atwood gerechtfertigt ist und ob das nun feministische SF-Literatur ist. Feminismus setze ich nicht gleich mit Schweigen. Feminismus ist für mich Aktion. Die kann klein sein, nicht jeder muss gleich ein System stürzen, aber es besteht aus Aktion, nicht Reaktion oder Passivität. Und ich denke darüber nach, ob ich, in einer westlichen Kultur groß geworden, dieses Buch, aus einer fernöstlichen Kultur geschrieben, einfach nicht verstehen kann. Einzig der Begriff der Parabel erscheint mir hier noch sinnvoll, denn sollte die aktuelle fernöstliche Gesellschaft hier angeprangert werden, so hoffe ich, dass durch das Lesen dieses Buches die Frauen dieser Gesellschaft sehen, verstehen und genauso daran zweifeln werden wie ich und zu der Erkenntnis kommen, dass Schweigen keinerlei Nutzen hat und keine Veränderung bringt. Es gilt die Parole: Aufstehen. Gegen rechts, gegen das Patriarchat, gegen die Beschneidung der Rechte der Frauen.

Fazit:
Eine tolle Grundidee, eine starke Protagonistin und ein flüssiger Schreibstil sind positiv hervorzuheben. Ein wenig  fehlen mir Details und Hintergründe sowie Spannung. Alle meine restlichen Gedanken sind gespalten, denn ich kann mich nicht festlegen, ob ich die passive Panah denn nun mag oder nicht. Als Parabel muss und sollte sie aber in Kulturen gelesen werden, in denen Frauen immer noch Schweigen (müssen) anstatt Widerstand zu leisten.

 


Am 04.06. ist ein Interview mit Bina Shah auf tor-online.de veröffentlicht worden, in dem sie ihre Intention schildert und das genau dieser leise, passive Widerstand von ihr so gewollt wurde. Ich finde das Interview sehr interessant und lesenswert – hier der Link:
https://www.tor-online.de/feature/buch/2019/06/leise-rebellion-interview-mit-bina-shah/