Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Nachfolger: Artemis – Andy Weir


Andy Weir – Artemis
Verlag: Heyne
Übersetzer: Jürgen Langowski
426 Seiten (inkl. Interview, abzüglich Leseprobe „Der Marsianer“)
ISBN: 978-3453271678

 

 

 

Andy Weir ist vielen durch „Der Marsianer“ bekannt , mir auch  und für alle, die es nicht wissen, hat es der Verlag mit aufs Cover gepackt – im übrigen gleich zweimal, einmal gedruckt und einmal geklebt. Nur falls es jemand noch nicht mitbekommen hat… das Buch nicht gelesen, oder den Film nicht gesehen, oder bisher hinter dem Mond (!) gelebt hat. ;-) Mit Artemis folgt nun der zweite Science Fiction Roman aus seiner Hand, diesmaliger Planetenprotagonist: der Mond.
Jazz (Jasmine) Bashara lebt in Artemis, der einzigen Stadt auf dem Mond. Mehrere verbundene Blasen bilden die Stadt; es gibt ärmere und reichere Kugeln, viele Touristen und eine Aluminiumhütte. Jazz versucht eine EVA-Lizenz zu bekommen, um Touristenführungen auf der Mondfläche anzubieten und viel Geld zu verdienen, doch sie saust durch die Prüfung und muss sich wohl wieder ganz auf ihre Einkommen durch Schmuggelei verlassen. Da bietet ihr Trond Landvik, ein ansässiger Milliardär, ein Engagement. 1 Millionen Motten, denen Jazz nicht widerstehen kann. Dafür muss sie allerdings die Aluminiumhütte sabotieren.

Der Mond in einer nahen Zukunft, in einer sehr nahen, denn es lassen sich kaum technologische Neuerungen ausmachen. Klar, die Stadt wurde auf dem Mond erbaut und man musste sich einiges einfallen lassen, um z. B. die niedrigere Schwerkraft auszugleichen, doch es fühlt sich an wie unsere heutige Zeit, nur eben auf dem Mond. Artemis gehört irgendwie zu Kenia, ist aber aufgebaut wie eine Freihandelszone. Keine Steuern, keine Gesetze, aber ein paar Regeln gibt es dann doch, zudem haben sich Gilden gebildet, Handwerkszünfte, die allerdings ein wenig an Banden erinnern und ihrer „gildenfreien“ Konkurrenz Steine in den Weg legen.

Jazz Bashara ist eine junge Frau in den Zwanzigern, die sich auf Artemis so durchschlägt. Mit ihrem Vater ist sie zerstritten, mit ihrem besten Freund auch. Dafür betreibt sie einen florierenden Schmuggelhandel, der Zigaretten, Feuerzeuge und ähnliches auf den Mond schafft – alles illegal, weil es brennbar ist und die Hülle zerstören könnte, was zwangsläufig alle tötet. Von ihrem ganzen Verhalten her ist Jazz sehr jung, ehrlich gesagt, hätte ich anfangs sogar vermutet, dass sie noch eine Teenagerin ist. Sie ist nicht dumm, liest sich einige Kenntnisse, welche sie für die Sabotage benötigt, an, trifft aber eben nicht immer die richtigen Entscheidungen. Sie hat das Herz am rechten Fleck, auch wenn jugendlicher Leichtsinn und Trotz dies oft nicht erkennen lassen.

„Doch schließlich schmiedete ich einen Plan. Und wie alle guten Pläne erforderte er die Mitwirkung eines verrückten Ukrainers.“ (S. 82)

Das Buch ließ sich wirklich super an einem Tag durchlesen, es ist spannend und gut geschrieben. Die Heldin, Jazz, war mir persönlich zu jung  und zudem konnte ich mit ihr nicht so mitfiebern bzw. mitleiden. Wenn ich Andy Weir mit sich selbst vergleichen möchte, muss ich sagen, dass sein Protagonist Mark Watney aus „Der Marsianer“ mich viel mehr gepackt hat. Nicht nur wegen der Dramaturgie der Geschichte, sondern auch wegen seiner ironischen Einstellung, seines Pragmatismuses und seinem unbedingten Lebenswillen. Aus Jazz könnte aber noch so eine Protagonistin werden… in ein paar Jahren, wenn sie älter und erwachsener ist.

Der Mond, der Mond. Artemis ist ausgeklügelt aufgebaut und funktioniert eigenständig und ohne Verbindung zur Erde, dafür gibt es zwar nicht so leckeres Essen, aber eben Unabhängigkeit. Der Sauerstoff wird von der Aluminiumhütte als Nebenprodukt geliefert und die Touristen bringen das Geld nach Artemis. Die niedrigere Schwerkraft bietet natürlich einige schnelle Möglichkeiten der Fortbewegung. Artemis kann ich mir schon gut und gerne im Hier und Jetzt vorstellen – warum gibt es noch keine Stadt auf dem Mond? Gefreut hätte ich mich über ein paar technologische Neuerungen, die der Autor einbaut. Im angefügten Interview sagt er aber, dass ihm die nahe Zukunft mehr liegt, als die ferne Zukunft. Da kann ich ihm nur zustimmen, doch die heutige technologische Wandlung ist so schnell, dass mitunter 10 Jahre schon bedeutende Unterschiede aufzeigen können.

Fazit:
Feel-good-Science-Fiction – ein locker-flockig zu lesendes Abenteuer auf dem Mond, mit der sympathischen, nicht perfekten und noch jungen Jazz Bashara und dem Mond als Schauplatz.


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Milchtüten: Hologrammatica – Tom Hillenbrand


Tom Hillenbrand – Hologrammatica
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
560 Seiten
ISBN: 978-3462051490

 

 

 

 

Quästor Galahad Singh bekommt einen neuen Auftrag: er soll die verschwundene Juliette Perrotte suchen. Perrotte ist eine Softwareentwicklerin für ein kleines Unternehmen, welches den Upload von Cogits – einer digitalen Kopie des Gehirns in einen künstlichen Körper – verschlüsselt.  Singh macht sich auf die Suche nach der Verschwundenen, viel Hoffnung hat er zuerst mal nicht, denn viele Menschen verschwinden mittlerweile absichtlich. Zwar nie lange, viele hinterlassen Spuren, doch jedem steht es frei zu verschwinden. Doch ist Juliette Perrotte wirklich freiwillig verschwunden oder entführt worden?

In Hologrammatica ist fast nichts mehr echt. Die meisten Straßen, Häuser, Landstriche werden mit Holografie aufgehübscht, die Menschen ziehen sich Holomasques über. Keiner mag mehr so aussehen, wie er eigentlich aussieht, keiner will den „Naked Space“, also die richtig, echten Gebäude, Landschaften oder Menschen sehen. Ende des 21. Jahrhunderts hat sich die Menschheit auch verringert – einer Pandemie sei Dank – was der Klimakatastrophe zumindest etwas Einhalt geboten hat. Klar ein paar Landstriche sind abgesoffen und manche so heiß, dass keiner dort wohnen mag, doch den übrigen Menschen geht es einigermaßen gut. Die Staaten haben sich neu formiert, z. B. weite Teile Europas mit Russland in der EURUS, die Kräfteverhältnisse haben sich verändert. Ach, und im Weltraum kann man jetzt auch nach Rohstoffen schürfen – mit einem Lift in den Himmel.

Galahad Singh arbeitet als Quästor, also als Privatdetektiv. Dieser ist allerdings – hier der Hinweis für diejenigen, die kein Latein beherrschen – auf verschwundene Personen spezialisiert. Und jetzt kommt der Gag schlechthin, bei dem ich gänzlich aus dem Häuschen war: die Verschwundenen nennen die Quästoren Milchtüten. Ja genau, angelehnt an die abgedruckten, verschwundenen Kinder auf Milchtüten, damals in den USA (macht man das heute noch?). Milchtüte… ich find den Begriff Bombe. Der Wahnsinn. Ich bin schlichtweg begeistert. Aber das Buch hat noch mehr zu bieten, keine Sorge.

„In alten Filmen haben Privatdetektive stets verschiedene Visitenkarten zur Hand, damit sie sich als Gott-weiß-wer ausgeben können. Ich hingegen habe an die fünfzig Holomasques gespeichert, die ich jederzeit überstülpen kann – Elektroinstallateur, Verkehrspolizist, Penner und so weiter.“ (Pos. 770)

Singh muss nun also nicht auf althergebrachte Art nach der Verschwundenen suchen, doch einen persönlichen Überblick verschafft er sich doch noch. Die Netzsuche ist zwar weitgreifend, aber eben auch recht dumm. Könnte das aber nun jeder per Netz, wäre ein Quästor ja nicht mehr nötig. So reist der Londoner nach Paris, in die Wüste, ins All, das sind zu dieser Zeit auch keine richtigen Entfernungen mehr. Singh selbst bringt einen ironischen Unterton in die Ermittlungen, will den Fall anfangs auch gar nicht so richtig bearbeiten, doch irgendwann kommt er einfach nicht mehr aus dem Fall raus. Gegner tauchen auf, die mit ungewöhnlichen Waffen aufwarten, Spuren führen in die Welt der Crasher, die ihren Gefäßen Todeserfahrungen aussetzen, aber auch in den Naked Space. Sie führen zu einem Programmierer, der mit Juliette Kontakt hatte und … ah, mehr möchte ich nicht verraten.

Dem Autor gelingt es hervorragend, eine zukünftige Welt zu erschaffen, die noch nah genug an unserer heutigen Zeit ist, aber weit genug davon entfernt. Er baut bestehende Entwicklungen aus und fügt technologische Neuerungen zu. Er erschafft eine Vergangenheit, die für uns noch Zukunft ist, welche weitreichende Auswirkungen hat. Mittendrin Galahad Singh, der auf der Suche nach der Verschwundenen, Fragen stellen muss, anderen, aber auch sich selbst. Der hinter die Holografie blickt und Abgründe sieht, die keiner hätte sehen sollen. Tatsächlich fällt es mir schwer, meine Begeisterung in Worte zu fassen, möchte ich doch nicht zu viel verraten, denn mich haben einige Wendungen sehr überrascht. Die Geschichte war durchweg spannend und logisch aufgebaut, ein Pageturner, den man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Sehr spannend fand ich im Übrigen auch die kleinen aber feinen Einblicke aus Juliette Perrottes Perspektive.

Fazit:
Nach „Drohnenland“ legt der Autor hier einen weiteren sehr gelungenen Ausflug in die Zukunft vor. Quästor Galahad Singh begegnet der holografierten Zukunft mit der gehörigen Portion Ironie und schaut hinter die Kulissen. Hervorragende Unterhaltung in meiner liebsten Kombination: Krimi und Zukunft.

 


Ich füge hier noch ein Zitat an, welches es absolut wert ist, zitiert zu werden, doch wenn man genau liest, einen Hinweis auf die Handlung gibt, so dass ich es nun als SPOILER markiere – also, wer das Buch noch lesen möchte, hier bitte aufhören!

„Meiner Ansicht nach haben Menschen die unangenehme Angewohnheit, alles auf sich selbst zu beziehen. Ein Rassist glaubt, dass an allem die Ausländer schuld sind. Ein Strafrichter wähnt überall Gauner und Diebe. Und der Chef einer Behörde, die KIs kontrollieren soll, vermutet hinter jeder Schweinerei einen cleveren Computer.“ (Pos. 4597)

 

 


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Vardogger: Am Ende der Zeit – Thomas Carl Sweterlitsch


Thomas Carl Sweterlitsch – Am Ende der Zeit
Verlag: Heyne
Übersetzer: Friedrich Mader
476 Seiten
ISBN: 978-3453316492

 

 

 

 

Shannon Moss ist Spezialagentin des NCIS, der Strafverfolgungsbehörde der Navy. Sie wird zu einem Tatort gerufen, da der vermutliche Täter Verbindungen zu einem geheimen Programm der Navy aufweist. Der Täter ist ein ehemaliger Navy Seal, am Tatort finden sich seine Frau und seine zwei Kinder brutal ermordet. Seine älteste Tochter sowie er, der Ehemann und Hauptverdächtige, sind verschwunden. Hat das geheime Programm der Navy, mit dem diese schon lange Raumschiffe in die Zukunft schickt, etwas mit dieser Tat zu tun? Hat der Mann dort etwas gesehen oder erlebt, was ihn dazu getrieben hat? Shannon Moss muss nicht nur das herausfinden, sondern wenn möglich auch das Ende der Zeit verhindern, denn in der Zukunft befindet sich der Terminus, das Ende der Zeit. Und dieser rückt näher und näher an die Gegenwart heran.

Nachdem ich das erste Kapitel probehalber gelesen habe, war es um mich geschehen. Dort unternimmt Shannon ihren ersten Flug in die Zukunft und bringt dort nicht nur erschreckende und eindrückliche Erlebnisse vom Terminus mit, sondern verliert auch eines ihrer Beine. Diese Tatsache, aber auch Erlebnisse in ihrer Jugend haben aus Shannon Moss eine unglaublich zähe Frau gemacht. Ihr Mantra „Andere würden aufgeben“ hilft ihr ihre letzten Reserven zu mobilisieren und motiviert sie über ihre Grenzen hinaus. Sie ist recht einsam, das liegt natürlich an dem geheimen Projekt. Und es ist nicht nur der Fakt, dass sie anderen nichts von ihrem Job erzählen darf, sondern auch, dass die Reisen, die sie in die Zukunft unternommen hat, sie haben altern lassen. Fliegt sie mit der Grey Dove, einem der Komorane, die in die Zukunft reisen können, los, vergehen für sie Monate – für die Reise aber auch den Aufenthalt in der Zukunft – derweil sie in der Gegenwart schon einen Moment später wieder zurück ist. So ist sie nun mittlerweise fast gleich alt wie ihre Mutter, eine Tatsache, welche die Beziehung zu ihr Mutter oder anderen Menschen nicht einfacher gestaltet.

Scheint der Mordfall, in dem sie mit zwei „normalen“ Agenten ermittelt zuerst nur als Tat eines posttraumatisch belasteten Soldaten, fügen sich nach und nach Puzzleteile zusammen, die auf ein verschwundenes Raumschiff, die Libra, hinweisen und Bezug auf den Terminus nehmen. Für Shannon ist die Aufgabe also nun ungleich schwerer, denn das Ziel jedes einzelnen, der von den Raumzeitflügen weiß, ist es, den Terminus zu stoppen. Doch keiner weiß, was es ist. Einzig die Bilder des Terminus bleiben denjenigen, die ihn erleben, erhalten: Menschen, die sich ins Meer stürzen, Menschen, denen aus offenen Mündern eine silbrige Flüssigkeit fließt, Menschen, die kopfüber gekreuzigt sind.

Um den Mordfall – und den Bezug zum Terminus – zu klären, wird Shannon Moss in die Zukunft geschickt. Von 1997, der Gegenwart, ins Jahr 2012/2016, der Zukunft. Hier soll sie herausfinden, was mit Marian, der Tochter des Ex-Navy Seals passiert ist. Es gibt jedoch ein Problem: die Zukunft ist nicht fix. Mehrere Reisen unternimmt Shannon und die Zukunft ist immer leicht verändert, einzig die Gegenwart bleibt stetig gleich, sie nennen sie die Terra firma, der Fixpunkt, zu dem sie aus den Reisen in die Tiefen zurückkommen. Ganz schön verwirrend, in eine Zukunft zurückzukommen, die dann doch wieder anders ist als die letzte Version der Zukunft.

Soviel ganz grob zum Inhalt, ich weiß ein wenig verwirrend, doch mir hat das Lesen unheimlich viel Spaß gemacht. Nach dem Prolog kam für mich erst mal ein zähes Stückchen, doch dann hat das Buch einen Sog entwickelt und man will unbedingt ständig mit Shannon hin und her reisen und die kleinen Details, die sich verändert haben, aufnehmen, aber natürlich zugleich auch hinter die Geheimnisse der verschwundenen Libra und seiner Crew kommen. Die Spannung ist denn auch ansteigend, am Anfang eben ein wenig zäh, derweil nach und nach mehr Spannung aufgebaut wird, bis zum Ende, welches dann sehr dramatisch und nervenaufreibend ist.

Ich muss zugeben, dass es meines Erachtens einige unlogische Begebenheiten gibt und so ganz klar ist mir nicht, wie diese Zeitreisen funktionieren – aber ich muss auch ehrlich sagen, wenn mir der Autor das näher erklärt hätte, hätte ich es vermutlich trotzdem nicht verstanden. Es ist ein Thriller, den man ohne viel über die Physik nachzudenken lesen sollte, und eher versuchen sollte, die Spuren, welche Shannon findet, zu verbinden und den Fall zu lösen. Und natürlich drückt man die Daumen und fiebert mit, für Shannon, für die Menschen, dass der Terminus gestoppt werden kann und das Ende der Zeit sich noch ein wenig mehr Zeit lässt. Ein Ritt durch Raum und Zeit, ein wenig verwirrend, aber immer mit klarem Ziel vor Augen, mit einer zähen Einbeinigen, gegen die ich es nicht aufnehmen möchte.

Aber: der Epilog ist leider fürchterlich kitschig. Mit den letzten 4 Seiten hat der Autor das Buch fast versaut. Ich schau mal großzügig darüber hinweg, weil mir das restliche Buch ausgenommen gut gefallen hat. Aber bitte – den Eimer Zuckerguss hätte der Autor wirklich behalten können. Ich hätte sogar mit einem ungewissen Ausgang leben können und möchte fast empfehlen, den Epilog links liegen zu lassen.

Fazit:
Eine Ermittlung eingebettet in Quantenschaum und Zeitreisen, ein Pageturner zwischen Thriller und Science Fiction – genau die richtige Mischung, um das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, wenn man über kleine Unzulänglichkeiten hinweg sehen kann.


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Gespalten: Die Geschichte der schweigenden Frauen – Bina Shah


Bina Shah – Die Geschichte der schweigenden Frauen
Verlag: Golkonda
Übersetzerin: Annette Charpentier
332 Seiten
ISBN: 978-3946503941

 

 

 

 

Die Geschichte spielt in einer nahen, fernen Zukunft in einer neu gebildeten Metropole im Südwesten von Asien: Green City. Nach einer Virusepidemie sind viele Frauen gestorben und die übrigen sollen für das Überleben der Gesellschaft sorgen, streng reglementiert und kontrolliert von der Obrigkeit. Hierzu werden den Frauen Ehemänner zugewiesen, manchmal nur einer, doch meist mehrere. Hier hat sich eine kleine Enklave gebildet, in welche Frauen, die diesem Schicksal entgehen wollen, fliehen können – die Panah. Um das Überleben zu gewährleisten, ihr Versteck geheim zu halten und Vorräte zu bezahlen, bieten die Frauen einen Dienst an: Intimität ohne Sex. Natürlich höchst illegal.

„Ich hatte auch an einem solchen Kurs teilgenommen. Wir sahen endlos Filme über Haushaltsführung und die Regeln der Kinderaufzucht. Sie glaubten, wenn sie uns >>Haushaltsingenieure<< und >>wissenschaftliche Mitarbeiter im Familienmanagement<< nannten, würden wir gutgläubig annehmen, diese >>Jobs<< entsprächen unserer Intelligenz und würden uns Selbstachtung verleihen. In Wirklichkeit war die Rolle der Gattin eine endlose Plackerei aus Waschen und Putzen und Füttern und Aufräumen, unterbrochen von unzähligen Schwangerschaften.“ (S. 111)

Ich fürchte, die Geschichte von Bina Shah muss den Vergleich zu Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ über sich ergehen lassen – die Ausgangssituation ist einfach zu ähnlich. Eine futuristische Welt, nach Umweltkatastrophen und einem Virus, der die Anzahl der Frauen dezimiert, in der Hand einer „Obrigkeit“, die dafür sorgt, dass die Gesellschaft „überlebt“. Weder Atwood noch Shah zeigen viel von ihrer Zukunft, es wird ein Mikrokosmos beschrieben, die Welt aus Sicht der Protagonistin, wobei Shah hier tatsächlich weitergeht und verschiedene Personen zu Wort kommen lässt. Ihre Protagonistin ist Sabine und ihr Handlungsstrang dreht sich völlig um die Vorkommnisse, die Sabine zustoßen, doch die Perspektiven wechseln.

Green City ist eine Oase in der Wüste, streng überwacht durch die Obrigkeit mit Hilfe von Überwachung und Patrouillen. Mädchen werden dazu erzogen, gute Ehefrauen und Mütter abzugeben, ansonsten sollen sie am liebsten keinen Kontakt untereinander haben, nicht miteinander reden, schon gar nicht über ihre Situation. Heimlich kommunizieren sie aber doch, es gibt immer Mittel und Wege. Und ein paar wenige dieser Mädchen landen in der Panah, der Zuflucht, welche Ilona Serfati aufgebaut hat und die mittlerweile von ihrer Nichte Lin geleitet wird.

Ich habe lange darüber nachgedacht und ich denke immer noch darüber nach, ob die Zuflucht denn wirklich so viel besser ist als das Leben in Green City. Es nennt sich zwar Zuflucht, doch umsonst ist der Aufenthalt dort nicht. Die Mädchen und Frauen leisten Dienste, besuchen meist mächtige Männer, um mit ihnen Zeit zu verbringen, zu essen, sich anzukuscheln, das alles ohne Sex. Vermutlich können nur mächtige, reiche Männer sich diese Dienste leisten und soweit klappt das auch ganz gut, da sie keiner dieser Männer verrät. Ansonsten leben die Frauen ihre Tage so vor sich hin, in der Panah. Sie essen, sie pflegen sich, sie sprechen miteinander. Ich verstehe, dass der Zufluchtsort aufrecht erhalten werden muss und dafür Einnahmen vonnöten sind, aber wo bitteschön ist denn der Widerstand? Und ich rede noch nicht mal davon, das System von Green City aktiv anzugreifen. Noch nicht mal Gespräche darüber finden statt, keine Pläne werden diskutiert, es wird nicht mal versucht, Mädchen aus Green City rauszuholen – die Mädchen müssen schon selbst in die Panah finden. Das Leben in der Panah… plätschert so dahin.

Als Sabine dann in eine Notlage gerät, hat das weitreichende Auswirkungen auf die Panah. Doch auch hier scheinen die Frauen zum Nichtstun verdammt. Die Männer sind die Aktionäre, Männer, die immerhin nicht mit dem bestehenden System einverstanden sind, doch trotzdem Männer. Und dann, dann werden die Grenzen von Green City erreicht, die physischen Grenzen und man bekommt einen winzigen Einblick davon, dass es außerhalb von Green City noch etwas anderes gibt, doch die Autorin gibt uns Lesern keine Chance mehr herauszufinden, denn hier stoppt das Buch.

Als ich das Buch gelesen habe, war ich durchaus damit zufrieden. Die Geschichte hat mich unterhalten, wobei hie und da ein wenig mehr Spannung nicht geschadet hätte, die Ausgangslage war reizvoll und Sabine eine besonnene und kluge Protagonistin, doch je mehr und je länger ich darüber nachdenke, desto skeptischer werde ich. Dabei, um nochmal den Vergleich zu „Der Report der Magd“ zu ziehen, macht Bina Shah hier vieles ähnlich, denn auch Atwood verrät nicht sehr viel darüber, wie es zu der im Buch geschilderten Lage gekommen ist, wie das System aus verschiedenen Perspektiven funktioniert und lässt das Ende auch recht weit offen.

Doch bei Atwood gab es einen Unterschied: Widerstand. So gering er bei Atwood auch war, so klein er nur ausfallen konnte, so heimlich er gehandhabt werden musste. Er war da. Die einzige Widerstandshandlung, welche Bina Shah bietet, ist die Panah selbst, denn diese ist im System von Green City natürlich illegal. Und – Achtung Spoiler – nachdem man am Ende die Grenze von Green City sieht, verstehe ich einfach nicht, wieso die Panah nicht Frauen zur Grenze schleust und Hilfe und Unterstützung auf der anderen Seite sucht, anstatt sich an Männer zu verkaufen. Spoiler Ende. Bina Shahs Geschichte der schweigenden Frauen ist genau das – eine Geschichte der schweigenden Frauen.

Es ist ein passiver Widerstand, den die Frauen leisten, doch effektiv ist es so gut wie kein Widerstand, denn es fällt schlicht und einfach keinem auf, dass die Frauen verschwunden sind. Jedenfalls kommt das nicht zur Sprache – in einer Stadt, in der jeder kontrolliert wird, muss es doch auffallen, dass Frauen verschwinden. Ok, es wird bestimmt nicht an die große Glocke gehängt, schließlich muss man heucheln, dass das System unfehlbar ist, aber es muss doch Ermittlungen geben – oder?

Ach, ich bin einfach ein wenig unschlüssig. Aber ich werde noch lange über das Buch nachdenken und daran knabbern. Ich wende alles ständig von einer Seite zur anderen, überlege ob der Vergleich zu Atwood gerechtfertigt ist und ob das nun feministische SF-Literatur ist. Feminismus setze ich nicht gleich mit Schweigen. Feminismus ist für mich Aktion. Die kann klein sein, nicht jeder muss gleich ein System stürzen, aber es besteht aus Aktion, nicht Reaktion oder Passivität. Und ich denke darüber nach, ob ich, in einer westlichen Kultur groß geworden, dieses Buch, aus einer fernöstlichen Kultur geschrieben, einfach nicht verstehen kann. Einzig der Begriff der Parabel erscheint mir hier noch sinnvoll, denn sollte die aktuelle fernöstliche Gesellschaft hier angeprangert werden, so hoffe ich, dass durch das Lesen dieses Buches die Frauen dieser Gesellschaft sehen, verstehen und genauso daran zweifeln werden wie ich und zu der Erkenntnis kommen, dass Schweigen keinerlei Nutzen hat und keine Veränderung bringt. Es gilt die Parole: Aufstehen. Gegen rechts, gegen das Patriarchat, gegen die Beschneidung der Rechte der Frauen.

Fazit:
Eine tolle Grundidee, eine starke Protagonistin und ein flüssiger Schreibstil sind positiv hervorzuheben. Ein wenig  fehlen mir Details und Hintergründe sowie Spannung. Alle meine restlichen Gedanken sind gespalten, denn ich kann mich nicht festlegen, ob ich die passive Panah denn nun mag oder nicht. Als Parabel muss und sollte sie aber in Kulturen gelesen werden, in denen Frauen immer noch Schweigen (müssen) anstatt Widerstand zu leisten.

 


Am 04.06. ist ein Interview mit Bina Shah auf tor-online.de veröffentlicht worden, in dem sie ihre Intention schildert und das genau dieser leise, passive Widerstand von ihr so gewollt wurde. Ich finde das Interview sehr interessant und lesenswert – hier der Link:
https://www.tor-online.de/feature/buch/2019/06/leise-rebellion-interview-mit-bina-shah/


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Glimpses | Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft

Drei Zeugen zu viel – Steve Hamilton

Worum geht es?
Nick Mason, der gezwungenermaßen zum persönlichen Auftragsmörder von Darius Cole, dem Paten von Chicago, wurde, erhält drei Aufträge: die Zeugen zu töten, wegen derer Cole im Gefängnis sitzt. Der Pate will raus – und das kann er nur, wenn er offiziell freigesprochen wird.

Wie hat es mir gefallen?
Der zweite Teil um Nick Mason hat genauso viel Spaß gemacht wie die Lektüre des ersten Teils. Nick Mason ist verzweifelt und getrieben, hat manchmal mehr Glück als Verstand und sucht nebenbei einen Ausweg. Viel Action, wenig Drumherum, genauso wie ein Thriller manchmal einfach zu sein hat.

Die Drei
Drängend, knallhart, Open End

 


Spielarten der Rache – Seamus Smyth

Worum geht es?
Red Dock entführt ein Kind und versteckt es jahrelang in einem Waisenhaus, um Rache an seiner Familie zu nehmen, aber auch an dem Polizisten, der ihn und seinen Bruder im Waisenhaus abgegeben hat.

Wie hat es mir gefallen?
Ein Krimi, welcher Erwartungen sprengt. So ganz darf man sich nicht auf den Klappentext verlassen – der stimmt zwar schon, aber die Geschichte ist so viel mehr… unglaublich! Neben einem bravourösen Protagonisten, einem Mastermind, der seinesgleichen sucht, handelt der Autor hier ein zutiefst verstörendes Thema ab: die Zeit, in der ein Kind in einem irischen Waisenhaus so wirklich gar nichts zu lachen hatte.

Die Drei
Verzwickt, hinterhältig, eiskalt

 


Die Optimierer  – Theresa Hannig

Worum geht es?
Deutschland, 2052. Es herrscht die Optimalwohlökonomie in BEU, der Bundesrepublik Europa, in der jeder Bürger seinen optimalen Platz findet. Samson Freitag ist überzeugter und loyaler Bürger. Als Lebensberater findet er für jeden den idealen Platz. Als allerdings seine letzte Mandantin nach der Beratung Selbstmord begeht, gerät seine Welt aus den Fugen und er muss erkennen, dass nicht jeder an dem Platz ist, an dem er sich wohlfühlt.

Wie hat es mir gefallen?
Ein Land, in dem jeder den passenden Platz hat, hört sich doch gut an, oder? Die Autorin bringt hier viele Themen auf, die heute schon in aller Munde sind – gläserner Bürger, Roboter, die Arbeit der Zukunft – und verpackt sie in eine spannende Geschichte um Samson Freitag, der sich auf einer Spirale nach unten befindet, weg vom guten Bürger hin zum Piretisten. Ein kurzweiliger und interessanter Einblick in eine Zukunftsvision mit überraschendem Ende, allerdings einem etwas unsympathischem Protagonisten.

Die Drei
Interessant, überraschend, offen abgeschlossen

 


 


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Ohne Sprache keine Identität: Mova – Viktor Martinowitsch


Viktor Martinowitsch – Mova
Verlag: btb
Übersetzer: Thomas Weiler
392 Seiten
ISBN: 978-3442717002

 

 

 

 

Als ich das Buch entdeckt habe, hat es mich sofort angesprochen. Titel, der Klappentext, Cover… Minsk in der Zukunft. Spannende Sache. Und dann hab ich gelesen, dass „Paranoia“, der erste Roman, der von Viktor Martinowitsch auf Deutsch erschienen ist, in Weißrussland inoffiziell verboten ist und der Autor, gemeinsam mit der einzigen nicht-staatlichen Universität, der Europäischen Humanistischen Universität ins Exil nach Vilnius gegangen ist. Wie schrecklich… da arbeite ich doch tatsächlich tagtäglich mit Kollegen aus Minsk zusammen und weiß fast gar nichts über das Land. Zwar hat der Autor „Mova“ in der Zukunft angesiedelt, doch seid Euch gewiss, dass der Autor Euch nicht ohne Wissen zu seinem Land, Weißrussland, das Buch beenden lässt.

Minsk im Jahre 4741 (nach gregorianischem Kalender 2044) gehört zum Bündnisstaat China-Russland. Vehement geht die Regierung gegen die neue Droge „Mova“ vor und kann sie trotzdem nicht eindämmen. Mova –Briefchen sind für den Konsumenten oft unverständlich, literarisch fragwürdig und trotzdem ein Rauschmittel. Eine Droge, die keine physischen Auswirkungen hat, die keine Abhängigkeit verursacht und trotzdem von der Staatlichen Suchtmittelkontrolle verteufelt wird – lieber soll man doch die Staatsdrogen Alkohol oder Cannabis konsumieren. Und Dealer schleusen die kleinen Briefchen mit der kostbaren Schrift ins Land. Wer es liest, versteht es kaum, aber erlebt wahre Glückseligkeit, mal länger, mal kürzer, je nach Qualität des Stoffs. Der Handel liegt in den Händen der chinesischen Triaden, aber es gibt auch noch die Zigeuner und die unabhängigen Dealer. So wie einen der Erzähler der Geschichte. Doch der gerät schon bald ins Visier der Triaden, als er in seinem letzten geschmuggelten Rucksack eine Printe findet. Ein ganzes Buch in Mova. Ein Mysterium, eine Unglaublichkeit, die es gar nicht geben dürfte.

„Ich bin überhaupt der Auffassung, dass Leser […] geschlossene Systeme sind, die sich selbst genügen. Dass sie im Grunde gar keinen Bedarf an Mitmenschen haben.“ (S. 222)

Der zweite Erzähler ist der Junkie, von dem man tatsächlich nie den Namen erfährt, während der Name des Dealers irgendwann doch auftaucht. Abwechselnd erzählen sie von China-Russland, von Mova, vom Drogenhandel und –konsum. Das Minsk der Zukunft wird gar nicht so genau beschrieben, der Autor bleibt oft vage, erzählt nichts, zeigt nur, lässt Orte wie Nebensächlichkeiten einfließen. Einzig Chinatown in Minsk erfährt eine genauere Beschreibung und ich stelle es mir bombastisch vor. Über und untereinander gebaut, alle Fleckchen ausgenutzt, Gewusel und Dreck, in den Himmel ragend, die untersten Ebenen scheinen schon unterirdisch, obwohl oberirdisch, da gar kein Licht dran dringt… woah, was ein Erlebnis. Die Bilder in meinem Kopf, gigantisch. Die „alten“ Religionen haben ausgedient, es leben die Shoppinggötter. Die Vergangenheit, also unsere heutige Zeit ist eigentlich gar nicht so weit weg, doch die beiden Protagonisten verkennen einfachste Dinge, z. B. wie ein Auto angetrieben wird. Man darf den beiden aber auch nicht zu sehr Glauben schenken, sind sie doch beide recht unzuverlässige Erzähler.

Und doch, ohne viel Aufhebens darum, dringt die Botschaft des Autors zu einem durch, spitzt sich die Handlung zu. Auch wenn nicht dediziert Krimi genannt, gibt es doch viele Elemente, die das Buch unglaublich spannend machen und kriminelle Handlungen darstellen. Drogen, Wohnungsbrand, die Triaden, das Verstecken vor den Behörden. Ah, und mit einer Leichtigkeit gelingt es dem Autor den Leser an der Nase herumzuführen. Verpackt hat er in die kriminellen Handlungen denn eigentlich ein Plädoyer für die Sprache, für Identität und Selbstbestimmung. Atmosphärisch dicht, vielleicht in einigen Punkten nicht immer nachvollziehbar, aber gut konstruiert und gewoben. Ein Buch, welches Kritik übt an Konsum und diktatorischen Regierungen; ein Buch, welches fragt und hinterfragt, aufdeckt und bedeckt; ein Buch, welches einen nachdenken und sinnieren lässt. Eine Antiutopie.

„Darin liegt ja das Wunder dieser Glücksmomente, das sie nie länger als eine Sekunde dauern. Ein Wimpernschlag, und weg sind sie. Deshalb darf man möglichst lange nicht blinzeln.“ (S. 40)

Fazit:
Bücher, die einen dazu anregen, nachzudenken, etwas nachzuschlagen und zu recherchieren; Bücher, die einem nicht aus dem Kopf gehen und immer wieder in den Gedanken auftauchen, das sind die wirklich guten Bücher, die Bücher, die man lesen sollte und lesen muss. Und so eines ist „Mova“.


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Volles Potenzial: Die Reinsten – Thore D. Hansen


Thore D. Hanse – Die Reinsten
Verlag: Golkonda
424 Seiten
ISBN: 978-3946503903

 

 

 

 

Die Welt im Jahre 2191 wird von Askit, einer künstlichen Intelligenz, gesteuert. Nachdem die Menschen die Erde durch Kriege und Klimakatastrophen fast vernichtet haben, begleitet und steuert Askit die Überlebenden in der Zukunft. Um die Erde zu retten, sucht sie eine Elite, die für den Schutz und den Erhalt, aber auch den Aufbau und die Regenerierung der Natur arbeiten: die Reinsten. Diese Gruppe von Menschen trainiert und formt sie, so dass sie nicht von ihren Emotionen geleitet werden und logische Entscheidungen treffen können, um die Welt zu retten und zu erhalten. Eve Legrande ist eine von diesen Reinsten. Umso unverständlicher ist es, dass sie von Askit verstoßen wird und die Metropole verlassen muss, hinaus zu den Kolonisten, Menschen, die nicht unter der Fürsorge und Kontrolle von Askit leben. Warum schickt Askit sie in diese lebensfeindliche Umgebung?

In der Welt von 2191 ist die Erde fast unbewohnbar geworden – eine sehr realistische Zukunftsvision der Erde, sieht man sich die aktuelle Lage an. 2191 gibt es die von Askit kontrollierten Metropolregionen, welche unter einem Schirm eine gerade annehmbare Temperatur haben, viele Gebiete außerhalb sind unbewohnbar. Die Metropolen werden von Reinsten bevölkert, aber auch von Angepassten. Diese haben sich, wie der Name schon sagt, angepasst, sind aber keine Reinsten. Die Reinsten werden von Askit jahrelang trainiert und getestet, so dass hier eine Elite entsteht, die für den Erhalt der Welt arbeiten soll. Wer hier nicht reinpasst, also weder Reinster wird, noch sich anpasst, wird degradiert und zu den Kolonisten geschickt – dies sind die Menschen, die, warum auch immer, nicht unter dem Schutz von Askit stehen und außerhalb der Metropolen leben.

„Hingabe, Demut, Reinheit, volles Potenzial:
Gelobt sind Askit und die Agenda.“ (S. 82)

Als das Buch begonnen hat, fand ich die Zukunftsvision gar nicht so schlecht. Klar, die Menschen haben die Welt zugrunde gerichtet, aber die Gesellschaft von 2191 hat erkannt, dass es dieses zerstörerische Verhalten stoppen muss und die Umwelt bei der Regeneration unterstützen muss. Geleitet von einer KI? Warum nicht – Eve und ihre Freunde wirken zufrieden. Doch nach und nach stellen sich Kleinigkeiten ein, die man in Frage stellen muss. Um einen Einblick zu geben, hier ein Beispiel: ein älterer Mann bricht zusammen und Eve verständigt Askit (das funktioniert übrigens per Gedanken durch ein Interface), so dass eine Ambulanz geholt werden kann, doch Askit berechnet die Überlebenschance des alten Mannes so gering, dass sich ein Krankenwagen nicht lohnen würde und so wird keiner geschickt. Derweil Eves Mutter, eine Angepasste, dies schrecklich findet, hat Eve dafür Verständnis, da es Ressourcen verschwendet. Hierbei stellt sich nun nicht nur die Frage, inwieweit man der KI überhaupt trauen kann, sondern ob eine Welt weitgehend ohne Emotionen denn wünschenswert ist.

Ich bin ja immer sehr neugierig auf die Welten der Zukunft, so war ich auch diesmal sehr gespannt und habe darauf gewartet, dass Eve degradiert wird, um mehr davon zu verstehen. Denn in der abgeschotteten Metropole erfährt man ja nur die eine Seite der Medaille. Tatsächlich lässt die Degradierung aber sehr auf sich warten, vielleicht wäre es fast besser gewesen, wenn der Klappentext dieses Detail nicht schon verraten hätte. Und – das war für mich überraschend – Eve ist nicht die einzige, die degradiert wird. Die Zeit in den Kolonien kommt mir dafür dann allerdings zu kurz vor. Hier hätte ich mir ein ausgewogeneres Verhältnis gewünscht, weniger Metropole, mehr Kolonie. Die Sicht der Kolonisten ist natürlich eine völlig andere als die von Askit und den Reinsten, doch die sich emotional kontrollierende Eve Legrande lässt sich davon nicht beeindrucken – ein wenig schade, denn mehr Emotionen hätten hier ein wenig die Spannung erhöht.

Nichtsdestotrotz gibt es Spannung, allen voran durch die bedrohlichen Patriots (große Roboter) und Drohnen, die von Askit gesteuert werden. Vormals zur Verteidigung der Metropolen gedacht, sind diese aber auch Hilfsarbeiter und erledigen Aufgaben in den Gebieten, die für Menschen nicht mehr begehbar sind. Die Spannung spitzt sich auch zum Ende hin zu, wobei es hier zwar Kämpfe und Angriffe gibt, aber Eve meist außerhalb des Geschehens ist und man die spannenden Momente eher aus Beobachtersicht mitbekommt. Der Fokus des Buchs liegt denn eher in den Fragen, ob und wieweit man einer KI trauen kann, ob eine KI Emotionen hat, ob sie immer zum Besten des Menschen handelt. Die KI wurde von Menschen programmiert, verfolgt sie ihre vorgegebenen Ziele bis ins Letzte oder ist es ihr möglich zu lernen und die Ziele anzupassen? Und in wieweit kann man den Menschen trauen? Überlässt man sie wieder sich selbst, werden sie die Erde zugrunde richten oder haben sie aus ihren Erfahrungen gelernt? Eine philosophische Diskussion, der Eve sich stellen muss, denn Askit hat Eve auserkoren, hier das Zünglein an der Waage zu sein.

Fazit:
Thematisch ein sehr interessanter Blick in die Zukunft, der philosophische Fragen  über die Menschheit , die Zukunft und Künstliche Intelligenz aufwirft und zum Nachdenken anregt. Allerdings hätte ich – wie so oft – gerne mehr Einblick in die Welt von 2191 bekommen, vor allem in die nicht von Askit kontrollierten Gebiete, aber auch in die Vergangenheit, also in die Entstehungsphase von Askit.


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Unbefriedigend: Autonom – Annalee Newitz


Annalee Newitz – Autonom
Verlag: Fischer Tor
Übersetzerin: Birgit Herden
350 Seiten
ISBN: 978-3596702589

 

 

 

 

So, ich schreibe diese Rezension nun zum dritten Mal. Man sieht also, irgendwas lässt mich hier nicht los. Und ich glaube, ich habe es jetzt rausgefunden. Es gibt nämlich ein Problem. Die Frage ist, ob das nicht immer so ist und warum mich das jetzt so stört. Ich vermute nämlich, weil es eben nicht das erste Buch zu dem Thema ist, welches ich lese und sich unweigerlich Vergleiche auftun, dass ich immer das andere Buch im Kopf habe. Das Buch, welches meines Erachtens, das Thema besser aufarbeitet.

Die Autorin hat sich in ihrem Buch ein hehres Ziel gesetzt, denn sie schreibt über künstliche Intelligenz und geht der Frage nach, wann diese autonom sein darf und wann nicht. Eingepackt hat sie das Ganze in eine leider nur leidlich spannende Jagd: Produktpiratin und Revoluzzerin Jack bringt eine Kopie von Zacuity, dem neuesten aber noch in der Testphase befindlichen Produkt von dem Pharmariesen Zaxy, auf den Markt. Dummerweise sterben daran Menschen und Zaxy schickt die beiden IPC (International Property Coalition) Agenten Eliasz, einen Menschen, und Paladin, einen Bot, auf die Jagd nach Jack.

Leidlich spannend war die Geschichte nun deshalb, da die beiden Agenten zwar auf ihrer Jagd keine Gefangenen machen, aber man bei Jack nicht unbedingt das Gefühl hat, dass sie sich ernstlich in Gefahr sieht. Zwar ist ihr schon bewusst, dass sie da jemand sucht, aber die Gefahr ist eher eine Dringlichkeit und viel wichtiger ist ihr, eine Therapie gegen Zacuity zu finden und den Pharmakonzern auffliegen zu lassen. Unwahrscheinlich erscheint mir auch, dass, wie es sich in der Zukunft von 2144 gehört, zwar sehr viele technische Neuerungen vorhanden sind, die Agenten aber mehr oder weniger hinter Jack her trödeln und all die technischen Finessen scheinbar kaum hilfreich sind. Ein unangenehmer Zug der Agenten ist, dass sie dabei wirklich vor nichts zurückschrecken und dabei Folter und Mord anscheinend übliche und völlig akzeptable Methoden sind.

Kommen wir nun aber zurück zum Kernthema: Autonomität der Künstlichen Intelligenz. Die Frage, ob man Robotern Autonomie gewährt, wenn sie nun schon eine dem Menschen ähnliche Stufe erreicht haben, ist nun nicht neu. Einen interessanten Aspekt hat die Autorin hier allerdings eingebracht, denn in ihrer Zukunft sind auch nicht mehr alle Menschen autonom. Am Spruch „Geld regiert die Welt“ orientiert, kann man hier Bürgerrechte kaufen und wer kein Geld dazu hat, begibt sich als Arbeiter unter „Kontrakt“, was man im Prinzip als modernen Sklavenhandel sehen kann.

Leider verheddert sich die Autorin dann in einem Gedankenwettstreit Paladins, um sein eigenes Geschlecht und ob die Möglichkeit besteht, Sex mit Eliasz zu haben, anstatt der Frage nachzugehen, was Autonomie für einen Roboter, aber auch für einen Menschen eigentlich bedeutet. Paladin scheint sich auch einzig um Eliasz Gefühle Gedanken zu machen, über die Vielzahl an Opfern, die sie auf ihrer Suche nach der Produktpiratin, hinterlassen, macht er sich gar keine Gedanken. Es fehlt die Empathie. Und keine Frage, es gibt auch Menschen die keine oder kaum Empathie empfinden können. Und doch stellt man sich bei einem Roboter unweigerlich die Frage, ob das nun seine Programmierung ist oder eine bewusste Entscheidung.

Dieses Buch hätte so viel mehr können, hat es aber leider nicht. Es zeigt nur sehr wenig Einblick in die Zukunft, bzw. eine Zukunft, die hätte sein können. Weder die Frage nach Autonomie – bei Bots und bei Menschen – noch die gedankliche Herleitung durch Paladin ist ausreichend betrachtet worden, derweil allerdings die Beziehung zwischen Eliasz und Paladin ins Erotische rutscht. Zusammen mit der vermissten Spannung bei der Jagd auf Jack, war das Buch zwar ok, aber mehr eben auch nicht.

Fazit:
Interessante Themen  – KI und Autonomie – machen leider noch lange keine gute Geschichte. Hier hat mir einfach zu viel gefehlt.


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Klein und fies: Nanos – Timo Leibig


Timo Leibig – Nanos
Verlag: Penhaligon
513 Seiten
ISBN: 978-3641215989

 

 

 

 

2028 – das ist gar nicht mehr so lange hin, keine 10 Jahre. Doch wie weit sind wir in 10 Jahren wirklich? Ist es möglich, dass Deutschland in 10 Jahren weitestgehend vom Rest der Welt abgeschottet ist, dass es eine Regierung gleich einer Götterverehrung gibt, dass alle die gleiche Meinung haben? Und (fast) keiner beschwert sich darüber?

Na klar geht das – allerdings nur mit den Nanos. Durch Zufall findet der Forscher Carl Oskar Fossey heraus, wie sich Nanopartikel dazu benutzen lassen, Menschen zu beeinflussen. Nicht sofort, aber nach und nach können die Gedanken der Menschen manipuliert werden. Sein findiger Kollege Johannes Kehlis weiß dies zu nutzen, verteilt über seinen Lebensmittelkonzern die Nanos in der Nahrung, wird Bundeskanzler und mächtigster Mann in Deutschland. Die Menschen sind glühende Kehlis-Anhänger, andere Länder sind ihnen egal, Deutschland geht es gut, alle sind glücklich. Alle? Nein, natürlich nicht. Einige wenige sind resistent gegen die Nanos und versuchen den Kreislauf zu durchbrechen.

Malek, seit Jahren im Gefängnis und von Kehlis-Produkten unbelastet ist, bricht,  gemeinsam mit seinem Kumpel Tymon, der allerdings kurz darauf stirbt, aus und landet in dieser veränderten Welt. Durch eine zufällige Begegnung trifft Malek auf die Rebellen und schließt sich – nach einigen Querelen – dieser, zumindest vorübergehend, an. Er wird gebeten, beim nächsten Coup der Gruppe mitzuhelfen: der Entführung von Carl Oskar Fossey. Malek hat allerdings noch eine andere Aufgabe: Tymon hat ihm das Versprechen abgerungen, sich um seine Schwester Maria zu kümmern. Doch kann er das überhaupt – oder ist sie auch im Würgegriff der Nanos?

Die Widerstandsgruppe besteht aus einem bunt gemischten Haufen Menschen, also eben einfach resistente Menschen. Keine ausgebildeten Kämpfer, keine Forscher, ein Palette an Berufen und Fertigkeiten. Nichtsdestotrotz ist die Ausgangslage gut: gesichertes Gelände, Selbstversorger, ein vierköpfiges Gremium, welches Entscheidung trifft. Doch die Frage ist, wie man die Macht der Nanos unterbricht und hier kommt der Forscher ins Gespräch. Und Malek, der zufällig gefundene Söldner passt eben wie die Faust aufs Auge.

Wie bedrohlich die Atmosphäre in Deutschland ist, erfährt man hauptsächlich durch Maria, denn die Rebellen operieren ja aus dem Untergrund. Sowohl ihr Sohn als auch Maria selbst sind resistent gegen die Nanos, ihr Mann und Millionen weitere Menschen nicht. Da Kehlis-Anhänger restlos von der Ideologie überzeugt sind, ist die Gefahr groß, dass Marias Mann sie und ihren Sohn zur „Beichte“ schickt. Und noch ist niemand von einer Beichte je zurückgekommen. Maria muss sich verstellen, doch wie lange klappt das? Maria wandelt wie auf Kohlen, vor allem zu Hause. Es scheint eine ausweglose Situation – wohin soll man gehen, wenn alle Menschen fremdgesteuert sind?

Die Einblicke in Marias Leben waren diejenigen, welche einen am meisten schlucken lassen. Die Parallelen zur NS-Zeit sind einfach zu groß, als das man sie übersehen könnte. Eine Atmosphäre der Bedrohung und Paranoia, Propaganda vom großen Führer Kehlis, kaum Kontakt ins Ausland. Selbst die SS tritt quasi auf – in Form der Konfessoren. Über allen stehende Gesetzesvertreter, die jegliche Befugnis haben und bar jeglicher Emotionen (eine Nebenwirkung der ersten Nanos). Der einzige Unterschied zur NS-Zeit besteht darin, dass die „Kehlianer“ ja nicht wissen, dass ihre Gedanken manipuliert sind, sie können keine freien Entscheidungen mehr treffen. Familienbanden sind wenig wert, die Beichte sehen Kehlianer als Hilfe für die Betroffenen.

Wie so oft muss ich aber ein wenig daran herummäkeln, dass mir noch Einblicke gefehlt haben. Es wird zwar erwähnt, dass kaum Kontakt mehr zum Ausland besteht, Nachrichten weitgehend eingestellt sind, das Internet an Bedeutung verloren hat –  aber wie konnte das in 10 Jahren von statten gehen? Wo ist und was macht die EU? Was sagen die anderen Länder? Gibt es da keine kritischen Stimmen? Und wenn ja – fängt Kehlis dann bald einen Krieg an oder baut er eine Mauer? Oder exportiert er seine Nahrungsmittel auch ins Ausland? Interessant wäre auch gewesen, über die Übergangsphase noch etwas zu erfahren, denn die Nanos wirken ja nicht sofort – wie haben die Reaktionen in der Bevölkerung damals ausgesehen? Ah, Fragen über Fragen….

Mal abgesehen davon, war der Thriller wirklich sehr spannend. Dadurch, dass Malek die Rebellen sofort trifft, ist man auch gleich mitten in der Geschichte. Die Hintergründe der Gegebenheiten im Deutschland des Jahres 2028 erfährt man nach und nach, weiteres Insiderwissen gibt es durch Kapitel, die aus Sicht von Konfessor Nummer Elf geschrieben sind, der Malek jagt und wieder einfangen soll. Überhaupt finde ich die Grundidee der Nanos äußerst gelungen. Im Prinzip ist damit ja alles möglich – wer die Macht über die Nanos hat, hat die Macht über die Menschen und kann jegliches Ziel verfolgen. Und nur so ist natürlich auch dieser rasante gesellschaftliche Wandel möglich – sehr clever gelöst! Denn abgesehen von den Nanos ist das Deutschland von 2028 nicht so anders wie das Deutschland heute.
Am Ende gibt es einen richtig guten Showdown, der Einblick in die Organisation von Kehlis gibt, aber auch mächtig fetzt und mit viel Kawumm das Buch abschließt. Aber – und hier verrate ich nicht zu viel – der Kampf gegen die Nanos geht weiter, denn schon in wenigen Monaten erscheint der zweite Teil rund um die kleinen fiesen Gedankenmanipulierer.

Fazit:
Wer hat Angst vor seinem Essen?
Timo Leibig gelingt ein spannender Thriller in einer erschreckenden Zukunftsvision, von dem ich hoffe, dass noch einige meiner Fragen im nächsten Teil beantwortet werden – denn den lese ich auf jeden Fall!

 


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Fazit – Blogspezial Dystopische Literatur, gemeinsam mit Wortgestalt-Buchblog

Nach zwölf Rezensionen, vielen, vielen tollen Kommentaren und Diskussion sowie einigen anderen aufregenden Dingen (kurz vor knapp lesen, rezensieren oder vergessen zu veröffentlichen – zumindest von meiner Seite) gibt es nun heute ein Fazit zu unserem gemeinsamen Blogspezial Dystopische Literatur. Philly und ich haben uns separat Gedanken gemacht, natürlich basierend auf den Büchern, die wir jeweils gelesen haben, aber wir wollten trotzdem eine gemeinsame Struktur, um Euch durch unsere Fazit-Beiträge zu führen. Zur gleichen Zeit wird Phillys Fazit online gehen – und hier ist auch schon der Link zu Phillys Fazit.
Vorab möchte ich mich ganz herzlich für die regen Kommentare und Diskussionen bedanken – tatsächlich hat noch keine meiner Krimirezensionen solch ein Feedback verursacht. Ich war geflasht und sehr glücklich darüber. Vielen Dank an Euch!

Bevor ich nun loslege, lasst uns nochmal einen Blick auf die Liste der gelesenen Bücher werfen – mit Verlinkung zu den Beiträgen:

05.02.2018 E. M. Forster – Die Maschine steht still (Wortgestalt)
07.02.2018 Jewgeni Samjatin – Wir (Die dunklen Felle)
09.02.2018 Ray Bradbury – Fahrenheit 451 (Wortgestalt)
11.02.2018 Anthony Burgess – Clockwork Orange (Die dunklen Felle)
13.02.2018 Philip K. Dick – Der dunkle Schirm (Wortgestalt)
15.02.2018 Margaret Atwood – Oryx und Crake (Die dunklen Felle)
17.02.2018 Alan Moore / David Lloyd – V wie Vendetta (Wortgestalt)
19.02.2018 Cormac McCarthy – Die Straße (Die dunklen Felle)
21.02.2018 Margaret Atwood – Der Report der Magd (Wortgestalt)
23.02.2018 Dave Eggers – Der Circle (Die dunklen Felle)
25.02.2018 Juli Zeh – Corpus Delicti (Wortgestalt)
27.02.2018 Omar El Akkad – American War (Die dunklen Felle)

In aller Kürze: Was die Fachliteratur über Dystopien sagt

Vor der Dystopie stand die Utopie und Thomas Mores Schrift »Utopia«, in der er eine ideale Welt beschreibt, aus dem Jahr 1516 prägte den Begriff für diese literarische Gattung. Später entwickelt sich als Kritikform die »Anti-Utopie« (Dystopie) heraus und will »durch die ausführliche Schilderung einer negativen Gesellschaft und ihrer Auswirkungen auf das Individuum vor gegenwärtigen Entwicklungen warnen« (aus: Phantastik. Ein interdisziplinäres Handbuch, herausgegeben von Hans Richard Brittnacher und Markus May, J.B. Metzler, Stuttgart 2013, siehe S. 334 nach einem Text von Peter Kuon).

Als Urväter des dystopischen Romans gelten »Die Zeitmaschine« (1895) und »Wenn der Schläfer erwacht« (1899) von H.G. Wells, »Wir« von Jewgenij Samjatin (1920), gefolgt von »Schöne neue Welt« von Aldous Huxley (1932) und »1984« von George Orwell (1949). Hier erfolgt dann auch schon ein nahtloser Übergang zu den wichtigen Werken des 20. Jahrhunderts wie »Nein. Die Welt der Angeklagten« von Walter Jens (1950) oder »Fahrenheit 451« von Ray Bradbury (1953). Wer hier Autorinnen vermisst, dem seien Ursula LeGuin, Marge Piercy und Margaret Atwood genannt. Nicht zu vergessen Jule Vernes frühes Werk »Paris im 20. Jahrhundert«, das bereits 1863 geschrieben, aber erst 1994 veröffentlicht wurde.
(Der historische Abriss wurde von Philly verfasst.)

Der erste Blick: Worum geht es?

Die Themen der von mir gelesenen Dystopien sind sehr vielfältig gewesen, doch tatsächlich konzentriert sich jedes Buch auf ein zentrales Thema. In „Wir“ (1920) und „Der Circle“ (2013) dreht sich alles um bekannte, oft genutzte Themen wie Totalitarismus und den gläsernen Bürger. Diese Themen kehren immer wieder in Dystopien, sie sind und bleiben in unserer Gesellschaft präsent. Zwischen diesen Büchern liegen fast 100 Jahre und doch scheint die Angst vor der totalen Kontrolle bzw. dem damit einhergehenden Verlust der Individualität immer in unseren Köpfen vorzuherrschen. Der gläserne Bürger, der sich in „Wir“ zwar völlig anders darstellt als in „Der Circle“ – was natürlich hauptsächlich historisch bedingt ist -, spiegelt nichtsdestotrotz den Verlust jeglicher Privatsphäre, ob nun aufgrund gläserner Wände oder der gläsernen Internetpräsenz.

Auch Ms. Atwood hat ein aktuelles Thema für „Oryx und Crake“ (2003) gewählt, denn auch hier kann ich mich an doch einige andere Titel erinnern, die sich um Genforschung und Biotechnik drehen – es ist ein sehr beliebtes Thema in dystopichen Thrillern. Ein gerade aktuelles Beispiel wäre „Bios“ von Daniel Suarez, welches ich leider kurz vor dem Spezial gelesen habe, so dass ich es nicht besprochen habe, aber ich kann es sehr empfehlen kann. Schon heute werden in der Forschung jeden Tag neue Grenzen überschritten und das Gedankenspiel, wohin uns das führt, ist sehr beliebt und spannend. In „Oryx und Crake“ führt es zum perfekten Menschen, doch die Frage ist, wie viel Mensch das dann noch ist, wie viel Menschlichkeit hier noch drin steckt. Vielleicht beantwortet die Autorin diese Frage in den weiteren beiden Teilen, doch bis hierher muss ich die Antwort noch schuldig bleiben.

Die drei anderen Bücher waren seltsamerweise nochmal völlig anders. Bei „Clockwork Orange“ (1962) geht es oberflächlich betrachtet zwar um die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, doch letztendlich ist das Buch das Gefäß einer philisophischen Frage bzw. Diskussion: Sollte man dem Menschen die Wahl lassen? Oder sollte man ihn zwingen gut zu sein bzw. zu werden? Letztendlich wäre dies im vorliegenden Buch auch eine Kontrolle, ausgeübt vom Staat, allerdings besteht schon ein Unterschied zwischen Totalitarismus und der Kontrolle, bzw der Unterdrückung gewalttätiger Tendenzen.

„Die Straße“ (2006) würde ich tatsächlich zwar in die Kategorie Dystopie einordnen, allerdings mit dem Zusatz Endzeit. Zwar zeigt es eine zerstörte zukünftige Welt, doch nicht, wie es dazu kam, welche aktuellen Ereignisse zu dieser Zukunft geführt haben. Das zentrale Thema des Romans ist definitiv die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Etwas völlig anderes als man in einer Dystopie eigentlich erwartet. Und doch sehr gelungen.

„American War“ (2017) hingegen sehe ich als Spiegel der heutigen Zeit. Ja, es ist eine Dystopie, es spielt in der Zukunft, doch das Thema, welches uns der Autor näher bringen möchte, ist, wie sich Terroristen und Selbstmordattentäter bilden, wie diese „entstehen“, wie sie eingefangen, ausgebildet, indoktriniert werden. Ein Thema, welches einen Schaudern lässt und bei mir am meisten Eindruck hinterlassen hat.

Auf den zweiten und dritten Blick: weitere Themen

Neben den zentralen Themen, die im Fokus stehen, bieten die Bücher noch weiteren Einblick in andere Themen, um genauer zu sein in eine Vielzahl von Themen. Oftmals hintergründig, manchmal auch direkt. Hauptsächlich sind hierbei Naturkatastrophen und der Klimawandel zu nennen, vor allem in „American War“, „Oryx und Crake“ und „Die Straße“, auch wenn sie eben nicht im Fokus stehen. Kriege und Unruhen kommen zum Zug, aber auch die „Verblödung“ der Medien bekommen, vor allem in „Oryx und Crake“, ihren Anteil zugesprochen, durch die widerwärtigsten Realityshows und abartige Videospiele.

Ganz besonders in Erinnerung sind mir aber die Mauern, auch wenn diese nur in „Wir“ eine Rolle spielen. Vielleicht, weil das Thema Mauern einfach immer wieder auftaucht, für uns in Deutschland eine besondere Bedeutung hat, aber vor allem, weil ständig jemand versucht oder ankündigt neue Mauern zu bauen. In „Wir“ dient die Mauer zum Schutz vor der Umwelt. Im Übrigen im Buch sehr zwiespältig, da ja nur die Außenmauer schützt – im Inneren gibt es ja quasi keine Mauern, alles ist nur verglast. Es gibt keine Privatsphäre. Bei Mauern muss man sich immer fragen, ob diese wirklich zum Schutz da sind, oder ob sie jemanden nicht doch eher einsperren. Ich gebe zu, auch ich ziehe mich gerne im Schutz von Mauern um und möchte hin und wieder Privatsphäre haben, aber ich will keine Mauern zwischen Ländern, zwischen Menschen, in Köpfen.

6 Bücher, total unterschiedlich – oder?

Mitnichten. Natürlich erzählen alle 6 Bücher unterschiedliche Geschichten, doch allen Büchern gemein ist der pessimistische Blick in die Zukunft. Auch wenn ich hier tatsächlich in meinen Rezensionen immer offen gefragt und gezweifelt habe und bei den Kommentaren immer mal nachgehakt habe, letztendlich sind alle Bücher Dystopien und zeigen eine negative Zukunft.

Dieser Blick in die Zukunft soll uns vor aktuellen Entwicklungen warnen. Es werden aktuelle Themen, Ereignisse, Erfindungen und Strömungen aufgegriffen und weitergesponnen. Die Frage ist: wie weit kann diese Entwicklung gehen, wie sehr kann es unsere Zukunft verändern und beeinflussen? Die Angst wohin wir uns bewegen, in welche Richtung wir driften scheint in der Neuzeit unumgänglich. Nichts umsonst ist dieses Thema ein noch relativ neues Phänomen in der Literatur, setzt zeitverzögert nach der Industrialisierung ein. Einer Zeit, in der sich alles immer schneller verändert hat. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren immer weiter verstärkt – die Welt dreht sich immer schneller und wir haben kaum Zeit Luft zu holen. Umso größer wird die Angst, in den immer schneller werdenden Kreislauf eingesogen und dabei „zerquetscht“ zu werden.

Natürlich weiß keiner was die Zukunft bringt. Die Autoren bieten uns verschiedene Möglichkeiten, Szenarien, Perspektiven – ob diese jemals Wirklichkeit werden ist aber schlussendlich egal. Denn diese Geschichten sollen uns nachdenken lassen, uns skeptisch machen. Wir müssen hinterfragen und gegenlenken, wenn wir dieses zukünftige Szenario nicht haben wollen. Es ist ein Weckruf, ein Warnschild.

Ich denke, eine klare Unterscheidung kann man nur zwischen Dystopie und Endzeit machen. Ich würde den Endzeitroman als Unterkategorie zur Dystopie betrachten. „Die Straße“ ist tatsächlich sehr anders aufgebaut als die anderen Dystopien und fokussiert auch auf ein ganz anderes Thema. Und, so schrecklich schön es sich liest, es ist ein positives Thema. Was kann es Schöneres geben als die Liebe zwischen zwei Menschen? Und die Liebe ist im Falle von „Die Straße“ nicht abgeschmackt und schnulzig, sondern einfach und elementar.

Natürlich fallen auch Unterschiede auf, die schlicht und einfach dadurch bedingt sind, wann die Dystopien geschrieben wurden. Hierzu aber mehr unter „Veränderung im Laufe der Zeit“.

D-503, Alex, der Schneemensch, der Vater, Mae und Sarat

Ich kann jetzt nicht unbedingt sagen, dass ich Mae aus „Der Circle“ mochte. Dieses naive kleine Ding hat mich zur Verzweiflung getrieben. Sie war so begeistert davon ihre Freiheit und Individualität aufzugeben, dass es im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich war. Und auch wenn ich nun Alex aus „Clockwork Orange“ auch keine Sympathie entgegen gebracht habe, sieht man bei ihm immerhin eine Entwicklung, jemanden der sich hin und wieder Gedanken macht. Am Anfang nur wenige, doch seine Erfahrungen formen ihn.

Als den klassischen dystopischen Protagonisten würde ich tatsächlich D-503 aus „Wir“ beschreiben. Er ist in das herrschende System nicht nur integriert, sondern lebt dieses System. Liebt und lebt es. Doch ein Bruch im Gefüge – in seinem Fall die Bekanntschaft zu I – lässt ihn nach und nach zweifeln. Sehr klassisch – und im Übrigen auch durchaus sehr realistisch – ist dann die erzwungene Wiedereingliederung in das System. Somit schließt sich der Kreis des Dystopischen wunderbar. Es ist pessimistisch – und es bleibt pessimistisch. Eine Dystopie mit einem Happy End zu verbinden, ist in meinen Augen nur selten wirklich gelungen, da es unpassend ist und die vorher getroffenen Aussagen zunichte macht.

Jimmy aka der Schneemensch aus „Oryx und Crake“ zeichnet sich durch eine kindliche bzw. jugendliche Sicht aus, bedingt durch die Rückblicke, doch der aktuelle Jimmy ist an der Grenze zum Verrücktwerden. Tatsächlich ist er auch gefangen im System, wenn auch nicht durch eine übergeordnete Hierarchie, sondern einfach nur durch die Situation. Fast alleine auf der Welt, ohne Chance auf Besserung. Ah, na ja, vielleicht bieten ja Teil 2 und 3 hier einen Ausweg, doch Teil 1 zeigt hier zumindest keinen Lichtblick für den armen Kerl.

Ähnlich ist es für den Vater aus „Die Straße“. Nichtsdestotrotz ist dieser sehr bewunderswert. In einer Welt ohne jegliche Hoffnung und Zukunft ist er mehr als positiv. Er will und muss seinen Sohn motivieren, erziehen, ausbilden. Er möchte, dass sein Junge überlebt. Doch wofür? Eine schwere Frage, denn auch hier scheint es keine Hoffnung zu geben. Doch sein Überlebenswille und sein fester Glaube in eine Zukunft für seinen Sohn strahlen so hell, dass die düstere, verwüstete Welt in „Die Straße“ hin und wieder fast vergessen scheint.

Ach, Sarat. Das Mädchen aus „American War“ war tatsächlich eine sehr beeindruckende Figur. Vielleicht gerade deshalb, weil man ihr von Kindesbeinen an folgt und miterlebt, wie sie erwachsen wird, wie sie fliehen muss, wie sie von Gaines indoktriniert wird, wie sie für die Südstaaten kämpft, wie sie desillusioniert, wie sie verzweifelt und wie sie trotzdem ihrem vorgegebenen Weg folgt. Sarat ist nicht dumm, keineswegs. Doch sie folgt ihrer Bestimmung, ihrem Weg. Bis zum bitteren Ende. Sie erlaubt sich keine Weichheiten, keine Zärtlichkeiten, kein Aufgeben.

Veränderung im Laufe der Zeit

Die Welt ändert sich, keine Frage. Täglich, stündlich, minütlich. Wie kann man also 100 Jahre vorhersehen und auch nur ansatzweise sagen, was sich ändert? Das funktioniert nur, wenn man auf die großen Themen blickt und die kleinen Themen, die Kleinigkeiten und auch unwahrscheinlich vieles auslässt. Es ist unumgänglich, dass ein Blick in die Zukunft vor hundert Jahren anders aussieht als heute. Und das nicht nur aufgrund technischer Entwicklungen.

Natürlich darf man diese nicht vergessen – vor allem nicht, da „Der Circle“ sich quasi um nichts anderes dreht. Der Dreh- und Angelpunkt sind hier die sozialen Medien. Und ja, es gibt Autoren vor vielen Jahren, die ähnliches vorausgesehen haben. Nichtsdestotrotz lässt es sich Jewgeni Samjatin nicht negativ anrechnen, dass er diese eine Entwicklung nicht vorhergesehen hat – immerhin hat er den ersten Raketenstart vorhergesehen. Das ist doch auch schon was?

Aber hauptsächlich sind es wohl gesellschaftliche Änderungen, die einfließen und natürlich haben diese sich im Laufe der Zeit verändert. Doch tatsächlich durchgehend ist immer wieder die Angst vor der totalen Kontrolle, einem Totalitarismus, einer allmächtigen Diktatur, vorhanden. Das liegt natürlich an den politischen und gesellschaftlichenEntwicklungen des 20. Jahrhunderts. Diese haben sich zu Jewgeni Samjatins Zeit schon angekündigt und die tatsächlichen Ereignisse waren so eindrücklich, dass diese noch bis heute nachwirken. Ein Dauerbrenner sozusagen.
Und alleine schon diese Tatsache ist erschreckend.

Warum hat der Autor ausgerechnet dieses Buch geschrieben?

Wachrütteln, aufwecken, hinweisen. Informieren, überzeichnen, Grenzen überschreiten. Das fürchten lehren. Schrecken verbreiten.

Das möchten die Autoren. Alle Autoren haben sich aktuelle Entwicklungen für ihre Geschichten hergenommen, über die sie besorgt sind. Sie wollen die Leser darauf aufmerksam machen und deren zukünftige Entscheidungen und Handlungen beeinflussen. Man soll dazu angeregt werden, nachzudenken. Nicht jeden Komfort zu nutzen, sondern auch mal über Folgen und Konsequenzen nachdenken. Natürlich ist nicht jeder Mensch dazu in der Lage das große Ganze zu überblicken, auch Autoren nicht. Doch alle meine sechs gelesenen Dystopien sind gut recherchierte, nachdenkliche, teils philosophische Werke, die eine gute Grundlage bilden. Weiterführende Fachliteratur ist natürlich auch verfügbar – doch als spannende Geschichte verpackt nehmen wir ernste Themen doch einfach ein wenig lieber zu uns als nüchtern und aufs Wesentliche konzentriert. Zumindest trifft diese Aussage auf mich zu.

Und natürlich darf man nicht vergessen: Dystopien sind Unterhaltungsliteratur. Bei aller Information und Aufklärungsarbeit, welche die Autoren beabsichtigen, darf man natürlich nicht vergessen zu erwähnen, dass die Bücher unterhalten sollen, spannend sind, erzählerisch etwas leisten.

Und wie haben mir die Bücher nun persönlich gefallen?

Ich denke, schon in den Rezensionen ist hier eine deutliche Tendenz sichtbar geworden. Ganz klar ist, dass „Der Circle“ mich nicht überzeugen konnte. Der Hauptgrund dafür ist Mae, da sie mit offenen Augen in ihr Verderben rennt und es fast schon weh tut, ihr dabei zuzusehen.

Danach würde ich wohl „Clockwork Orange“ einordnen. Es war jetzt nicht schlecht, aber zumindest schwierig zu lesen. Die NADSAT Sprache hat mich anfangs viel ins Glossar blättern lassen und so war die Lektüre am Beginn sehr unrund. Klassiker hin oder her. Ich denke, es gibt hier nur zwei Fraktionen: entweder man mag es – oder eben nicht.

Auf Platz 4 kommt dann wohl „Wir“. Dieses war zwar thematisch höchst interessant, doch gerade im Mittelteil schweift D-503 gedanklich oft ab, träumt viel und leider zieht sich hier der Text doch ein wenig. Nichtsdestotrotz ein Klassiker, den man mal gelesen haben sollte. Besonders beeindruckend an dem Buch ist, dass es fast schon 100 Jahre alt ist und nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Jetzt wird es schwierig, denn die anderen drei Bücher haben mir tatsächlich alle sehr gut gefallen. Nichtsdestotrotz kommt jetzt wohl „Oryx und Crake“. Einfach aus dem Grund, da ich das Buch schon mal angefangen hatte und abgebrochen habe. Ich bin schwer in die Geschichte reingekommen – für mich eingefleischten Krimifan war die Story einfach zu abgedreht. Anfangs zumindest. Das hat sich dann natürlich geändert – und ich kann es kaum erwarten, die nächsten zwei Teile zu lesen.

Jetzt wird es spannend, was? Wer ist auf Platz 1, wer auf Platz 2? Die Entscheidung war knapp, aber hier kommt nun zuerst „Die Straße“. Ein wirklich ausgezeichnetes, beeindruckendes Buch. Warum dann nur Platz zwei? Nun ja, zum einen, weil es irgendwie mehr Endzeit ist und zum anderen, weil ich immer noch „Der aufrechte Mann“ von Davide Longo im Kopf habe und dieses ein klein wenig besser fand. Ich kann einfach den Elefanten nicht vergessen.

Auf Nummer eins landet bei mir „American War“. Dieses Buch hat für mich alles, was eine Dystopie ausmacht und zwar in Hochform. Am meisten beeindruckt hat mich – neben Sarat – die Tatsache, dass dieses Buch mir mehr über heutige Entwicklungen beigebracht hat, als jede andere Dystopie. Es hat mir Einblick verschafft, wie unterschwellig, gefährlich und unheimlich Terrorismus funktioniert. Und das durch die Hintertür, aber dann mit dem Knüppel. Ein Buch, welches mir lange, lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Das Blogspezial endet nun mit diesem Fazit. Ich habe die Romane alle sehr, sehr gerne gelesen und hatte damit viel Lesefreude. Ich gebe aber auch zu, dass ich mich jetzt wieder auf einen Krimi freue.