Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Bedrohlich: Amnesia – Jutta Maria Herrmann


Jutta Maria Herrmann – Amnesia
Verlag: Droemer
297 Seiten
ISBN: 978-3426519974

 

 

 

 

 

Helen erhält eine erschreckende Diagnose: Krebs, Endstadium, nicht heilbar. Sie kämpft mit schweren Angstzuständen und ihre Medikamente verursachen Erinnerungslücken und Blackouts. Ihre Beziehung hat sich an der Diagnose aufgerieben und so macht sie sich auf in ihr Heimatdorf, um ihre Mutter und Schwester zu besuchen. Warum weiß sie selbst nicht so genau, schon lange war sie nicht mehr zu Hause, in dem kleinen Dorf, zieht ihre neue Heimat Berlin deutlich vor.
Als sie im Dorf ankommt gibt es zuerst auch keine Überraschung: ihre Mutter sieht sie als Belästigung, ihre Schwester Kristin begrüßt sie herzlich. Doch Kristin hat mittlerweile Leon geheiratet und mit Leon verbindet Helen eine schlechte Erinnerung. Schon bald vermutet Helen, dass Leon Kristin schlägt – und keine zwei Tage später wird Leon tot aufgefunden.  Hat etwa Helen Leon getötet und kann sich daran nicht mehr erinnern?

Es gibt eine Sache, die Jutta Maria Herrmann in ihren Thrillern wunderbarerweise immer gelingt: eine bedrohliche, unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Das gelang ihr in „Hotline“ und „Schuld bist Du“, die beide in der Großstadt spielen, aber eben auch in „Amnesia“, in einem kleinen, verschlafenen Dorf. Und dazu benötigt die Autorin auch ganz wenig: ein paar wenige Charaktere, ein Geheimnis aus der Vergangenheit, unausgesprochene Konflikte. Eine stetige Grundspannung mit leichten Spitzen, bei der man oft gar nicht so genau sagen kann, warum es jetzt eigentlich bedrohlich ist, warum einem dieses oder jenes komisch vorkommt. Die Autorin spielt mit den Erwartungen der Leser und benutzt dabei einfache, aber sehr wirkungsvolle Mittel.

Eine ungewöhnliche Protagonistin hat sich Frau Herrmann hier ausgesucht. Todkrank, mit starken Medikamenten betäubt, bis hin zu Blackouts. Und doch irgendwie geschickt gemacht, nicht? Denn Helens Gedächtnislücken sorgen für eine beständige Ungewissheit – bei Helen und beim Leser. Was hat sie in der Zeit gemacht? Hat sie tatsächlich jemand getötet? Dabei gelingt es der Autorin die ständig über Helen schwebende Krankheit zwar präsent zu halten und überzeugend einzubauen, aber nicht die Handlung zu erdrücken. Die Gedächtnislücken sorgen für den zusätzlichen Spannungskick und verstärken die unheimliche Atmosphäre.

Nichtsdestotrotz ist Helen nun kein Charakter, der mir sonderlich sympathisch war. Im Übrigen genauso wenig wie ihre Mutter, die den schwersten Fehler einer Mutter begeht und ein Kind bevorzugt. Oder ihre Schwester, die zwar aufgeregt plappernd daher kommt, allerdings mit einem Tick zu viel, so dass es aufgesetzt wird. Leon ist ja nun sowieso der Buhmann und einzig der Freund aus Kindertagen scheint sympathisch – kommt aber natürlich streckenweise auch als Täter in Frage. So wie eigentlich jeder in der Geschichte. Mit jeder neuen Wendung überlegt man erneut, wer wohl der Täter sein könnte und ist sich dann ganz sicher – bis zur nächsten Wendung. Tatsächlich bleibt das Ende vage offen, wenn auch der Thriller natürlich abgeschlossen ist, so wie die anderen Bücher der Autorin.

Fazit:
So wie ich mir einen Thriller vorstelle: in einer leise bedrohlichen Atmosphäre spielt die Autorin mit den Ängsten ihrer schwer gebeutelten Protagonistin. Ein Thriller, den man an einem Nachmittag wegsaugt und mit einem leichten Frösteln zuschlägt. Sehr gut gelungen!

 

 


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In den Bergen: Karges Land – Erik Storey


Erik Storey – Karges Land
Verlag: Piper
Übersetzer: Wulf Bergner
320 Seiten
ISBN: 978-3492060677

 

 

 

 

Clyde Barr ist erst seit Kurzem zurück in seiner Heimat, als er einen Anruf seiner Schwester Jen erhält. Lance Alvis, ein Drogenboss, der den Markt von drei Staaten kontrolliert und mit Gewalt und Tücke darüber herrscht, hält Jen fest. Der Anruf wird unterbrochen und so muss Clyde erst mal Lance Alvis Versteck aufspüren, bevor er seine Schwester aus dessen Klauen befreien kann. Doch zum Glück kann Clyde einiges vorweisen, um den Kampf gegen diesen mächtigen Gegner aufzunehmen.

Fangen wir mal mit was ganz einfachem an: ich hatte riesigen Spaß beim Lesen des Thrillers. Es war für mich genau die richtige Geschichte zur richtigen Zeit. Die Seiten sind mir durch die Finger geflutscht und das Buch war in null komma nix ausgelesen. Die Sogwirkung, die ein Thriller mitunter entwickeln kann ist schon unglaublich. Geholfen hat mir hierbei auch, dass es eben einfach nur spannend war und ich nicht groß nachdenken musste. Der Beginn hält erst mal keine Überraschungen bereit – böser Mann klaut holde Jungfer und Ritter macht sich auf, um sie ihm zu entreißen – doch die Geschichte hat mir einfach gut gefallen. Sagen wir mal so: nichts zum groß mitdenken, sondern einfach zum „wegsaugen“.

Nichtsdestotrotz hält der Thriller natürlich einige Dinge bereit, an denen man herummäkeln könnte. Angefangen bei Clyde Barr, der schon als junger Erwachsener in die Welt gezogen ist: Afrika, Naher Osten, Südamerika. Immer in Krisengebieten, meist auf der Seite der Unterdrückten, im Kampf gegen Regime und Diktaturen. Ein Söldner, aber natürlich ein Guter. Solange bis er auch mal seinen Vorteil daraus zieht und im Knast landet. In Mexiko. Damit verscherzt er es sich mit zwei seiner drei Schwestern – einzig Jen, das andere schwarze Schaf der Familie, bleibt mit ihm einigermaßen in Kontakt. Clyde kennt sich also aus – im Umgang mit allerlei Waffen, mit dem Leben in der Wildnis, mit dem Nahkampf… you know, eigentlich mit allem, was man bei der Jagd auf einen Drogenboss so brauchen kann.

Und dann gibt es natürlich noch den weiblichen Part. Allie.
Allie arbeitet als Kellnerin in der Kneipe von Lance Alvis Bruder. Und auch wenn die Brüder nicht die engste Beziehung pflegen, kann Allie einiges an Informationen beitragen. Doch daraufhin ist sie nicht mehr so beliebt an ihrem Arbeitsplatz, weswegen sie Clyde dann begleitet, bzw. sich quasi aufdrängt. Für Clyde ist das, nun ja, zum Teil Belastung, zum Teil Vergnügen, denn die reizende Allie ist… na ja, eben sehr reizend.

Also schon irgendwie sehr stereotyp – über den bösen Drogenboss Lance Alvis will ich da mal gar kein zusätzliches Wort verlieren. Alles eben sehr schwarz oder sehr weiß. Aber ich will, wie gesagt gar nicht groß rummäkeln, denn mir hat der Thriller viel Lesespaß bereitet und da kann ich über diese Dinge locker mal hinwegsehen. Zudem hat der Thriller doch noch einige kleine Überraschungen beinhaltet, so kann das Ende zwar mit einer Art Happy End aufwarten, hat aber doch einen schalen Nachgeschmack, da nicht alle wesentlichen Personen das Ende erleben.

Abschließend muss ich allerdings noch einen Kommentar zum Umschlagsbild los werden: es gab überhaupt keinen Hubschrauber! Sowas. Und wenn ich nochmal genauer hinschaue, ist die Landschaft dort eher flach und karg – im Buch allerdings finden die meisten Handlungen in den Bergen statt. Hmm… was soll ich sagen? Thema verfehlt? Naaaa…. Zumindest der Pickup lässt sich wiederfinden.

Fazit:
Spannende Kost für Zwischendurch – nicht das Hirn überanstrengen, sondern einfach lesen und genießen.


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Die Stunde der Entführer – Robert Wilson


Robert Wilson – Die Stunde der Entführer
Verlag: Goldmann
Übersetzer: Kristian Lutze
479 Seiten
ISBN: 978-3442314287

 

 

 

 

Immer wieder stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, in der Mitte einer Serie einzusteigen oder eben beim Anfang zu beginnen. Ich habe schon verschiedene Erfahrungen gemacht. Manchmal klappt es gut, wenn man mittendrin einsteigt, manchmal weniger gut. Und ich hatte sogar schon ein oder zwei, bei denen es gar nicht geklappt hat. Nichtsdestotrotz muss man es manchmal probieren, denn seien wir mal ehrlich, man kann nicht jeder Serie von Anfang an folgen oder wenn man sie eben erst spät entdeckt, noch alle vorigen Teile aufholen. Hier habe ich mir nun also den dritten Teil um Charles Boxer geschnappt, einen Spezialisten für Entführungsfälle, der sich auch nicht scheut, härtere Maßnahmen zu ergreifen. Der Einstieg bei Teil drei war kein Problem, doch zufrieden bin ich dennoch nicht.

In London werden innerhalb von wenigen Stunden die Kinder von 6 Milliardären entführt. Die Altersspanne der Entführungsopfer geht vom Kind bis zum jungen Erwachsenen und zieht sich durch mehrere Nationalitäten: mit dabei sind die USA, Russland, China und Indien. Die Eltern sind nicht nur sehr reich, sondern durch ihre Geschäfte zumeist auch in der Politik verbandelt, was die Sache äußerst kompliziert macht. Die Ermittlung führt Mercy Danquah, Charles Boxers Ex-Freundin. Doch nicht nur diese Verbindung zieht Boxer in den Entführungsfall, sondern auch eine neue Klientin. Siobhan sucht ihren Vater Conrad Jensen, der vor einigen Tagen spurlos verschwunden ist. Der Anwalt der Familie hat Siobhan zu Boxer geschickt, um zur Not auch von Boxer speziellen Fähigkeiten Gebrauch zu machen. Boxer ist nahe dran, den Fall abzulehnen, gibt sich aber doch geschlagen. Auch Amy, seine Tochter, die mittlerweile bei seiner Organisation LOST mithilft, um lange zurückliegende Verschwundene wieder aufzuspüren, wird mit in die Ermittlung gezogen. Doch auch wenn es anfänglich nach zwei verschiedenen Ermittlungen aussieht, gibt es eine Verbindung.

Die Entführung reicher und so unterschiedlicher Kinder zieht ganz verschiedene Organisationen an. Die Ermittlung liegt vielleicht bei der Londoner Polizei, doch im Hintergrund mischen die verschiedensten Geheimdienste fröhlich die Karten, ohne sich dabei hineinsehen zu lassen. Die Milliardäre sind nun auch nicht die einfachsten Menschen, so dass jeder einen eigenen Unterhändler hat und das Chaos perfekt ist. Die Entführer allerdings, sind durchaus gut strukturiert und überlegt. Das zeigen nicht nur die sechs kurz nacheinander ausgeführten Entführungen, sondern auch die Verhandlungen. Es wird kein Lösegeld verlangt, sondern eine Aufwandsentschädigung für den Aufenthalt der Geiseln und es wird auch nicht einzeln verhandelt – ein Unterhändler wird bestimmt.
Man mag es kaum glauben, aber den Entführern geht es tatsächlich nicht um Geld, es werden politische Forderungen gestellt – aber genau da ist der Haken: die genaue Motivation kommt erst ganz zum Schluss heraus und ist dann auch nicht mehr wichtig, denn es ist ja schon vorbei.

Die Hauptfiguren – Boxer, Mercy und Amy – fand ich alle ganz gut, wenn auch mit Klischees nicht gegeizt wird. Charles Boxer vertritt dabei den stereotypischen Helden: für Recht und Gerechtigkeit verkloppt er auch gerne mal die Bösen und findet letztendlich die Entführten quasi im Alleingang. Und natürlich sieht er rot, wenn es um die Familie geht. Bei den Nebenfiguren sticht vor allem Siobhan als etwas andere Femme Fatale heraus. Schade ist, dass die Entführten oder gar die Entführer nicht zu Wort kommen, hier hätte man dann zwar noch ein, zwei weitere Ebene eröffnet, aber eben andere Perspektiven eröffnet. Dies hätte für Abwechslung gesorgt und man hätte auch die Motivation der Entführer besser verstanden. Doch sowohl Entführte als auch Entführer sind quasi nur schmückendes Beiwerk. Insgesamt hätten andere Perspektiven spannende Einblicke eröffnen können, z. B. auch bei einem der Geheimagenten stelle ich mir das interessant vor.

Ein komplexes Szenario, viele Mitspieler und Parteien, viele Heimlichkeiten und doch irgendwie unrund. Es passiert so viel und doch irgendwie nicht. Der Fokus liegt auf Charles Boxer, ab und an auch bei Mercy. Beide haben zusätzlich noch mit privaten Problemen kämpfen müssen. Die Geschichte nimmt kurz Fahrt auf, aber tuckert dann irgendwie vor sich hin, so bis zur Hälfte, bis sie dann endlich in Schwung kommt. Das Ende wird relativ kurz abgehandelt, die Beweggründe der Entführer zwar dargestellt, doch warum Boxer nun mit im Spiel sein musste ist für mich unzureichend erklärt worden. Aber vielleicht passt das ganz gut, denn irgendwie, auch wenn der Fall an sich geschlossen ist, gibt es einen hintergründigen Handlungsstrang, der weitergeht. Allerdings ohne mich – das Buch konnte mich jetzt nicht so überzeugen, dass ich mir den nächsten Teil holen würde.

Fazit:
Durchschnittlich – der Fall nimmt ab der Mitte Fahrt auf, doch irgendwie ist das Ganze unrund. Ein komplexes Szenario mit vielen Parteien, aber keinen anderen Perspektiven. Schade.


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Hommage: Gier – Garry Disher

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Garry Disher – Gier
Verlag: pulpmaster
Übersetzerin: Gabriele Bärtels
226 Seiten
ISBN: 978-3929010527

 

 

 

Als ich mich, gemeinsam mit Kaliber.17 zu dem Australien & Neuseeland Spezial entschieden habe, hatte ich mir gedacht, super, erfährst Du ein wenig mehr über Down Under. Zugegeben, dass kann man nun über „Gier“ von Garry Disher nicht sagen, denn die Story hätte wohl auch in anderen Ländern der Welt spielen können. Aber Garry Disher ist nun mal der Autor, der mich bei diesem Thema am meisten gereizt hat. Gunnar hat ja schon einen Blick auf die Inspector Challis Reihe geworfen, ich selbst habe „Bitter Wash Road“ vor einigen Monaten gelesen (und die Rezension dazu schlummert noch in meinem SUB), also hab ich mich an die Wyatt Reihe getraut. Wyatt, ein Berufsverbrecher, der unweigerlich an Richard Starks Parker erinnert – eine Rezension zu einem von Parkers Fällen findet ihr hier – der aber doch anders ist. Nun aber erst mal zu Wyatt.

Wyatt hält sich mit zwei, drei guten Jobs im Jahr über Wasser, so dass er meist einige Monate in sonnigen Gefilden verbringen kann. Gut geplante Arbeit für einige Wochen, Erholung und Ruhe für einige Monate. Als nun Anna Reid, eine Anwältin, ihren Partner ausnehmen will, kommt der Auftrag Wyatt ganz recht. Das Team besteht noch aus Hobba und Pederson, so dass die Beute von 300.000 Dollar durch vier zu teilen ist. Dummerweise kleben danach nicht nur die eigentlichen Eigentümer des Geldes an seinen Fersen, die den Profi Bauer auf ihn hetzen, sondern auch die Brüder Ivan und Sugarfoot Younger, die noch eine Rechnung mit ihm offen haben. Vor allem Sugarfoot, der Wyatts letzten Raubzug vermasselt hat und von ihm eine Abreibung erhalten hat, giert auf Rache.

Wyatt ist kein Mann der großen Worte, auch Lächeln liegt ihm nicht. Er hat so gut wie kein Vertrauen in seine Mitmenschen, in seine Teamkollegen sowieso schon gar nicht. Und mit den Frauen, ach, da will er schon gar keine tiefere Bindung. Ein paar unverfängliche Nächte und schon ist es vorbei. Also zumindest kann er sich mehr gerade nicht vorstellen, wobei… na ja. Mit den neuen Techniken hat er es auch nicht so. Dafür ist er klug, vorausschauend und eiskalt. Er ist jederzeit bereit, seine Partner um die Ecke zu bringen, wenn der Plan schief läuft. Aber er ist so fair, den Plan so gut zu durchdenken, dass nichts schief läuft und er niemand umbringen muss. Das ist nämlich nicht sein Ziel. Er bringt niemand einfach so um. Nur, wenn es sein muss. Wenn eben jemand seinen gut durchdachten Plan durcheinander bringt, weil er ein größeres Stück vom Kuchen will. Oder Wyatts Anteil.
Das gefährlichste in diesem Fall sind aber nicht unbedingt Wyatts Partner, sondern alle, die danach von dem Geld etwas abhaben wollen. Allen voran Sugarfoot Younger, der dümmste unter ihnen. Dummheit gepaart mit vielen Muskeln, Waffen und einer Angeberkarre, aber leider nur Stroh im Kopf, ist eben gefährlich. Sugarfoot denkt ständig, er müsste mehr vom Leben abbekommen und Wyatt stände ihm dabei im Weg.

Aber eigentlich kann man niemand trauen. Vielleicht lese ich zu viele Krimis dieser Sorte, aber das war mir von Anfang an klar. Es ist nur so, dass man doch noch knobeln muss, wer wen übers Ohr haut.  Das Buch war ein bitterböser Trip durch eine australische Stadt, deren Name nun wirklich nichts zur Sache tut, und ein erfolgreicher Raub, erfolgreich sogar im doppelten Sinne, der viel Gewalt und viele Tote nach sich zieht. Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, natürlich überlebt Wyatt das Gemetzel, denn „Gier“ ist der erste Teil einer kleinen Serie um den Berufsverbrecher. Und so zeigt sich, dass Gier einen nur das Leben kostet. Wenn man einfach nur seinen Anteil nimmt – hat man leider trotzdem viel zu tun, weil die anderen ja gierig sind. Ach, aber ganz unkompliziert soll es ja auch nicht sein –  sonst macht das Lesen doch keinen Spaß.

Fazit:
Schnell, böse und hart – ganz so, wie wir unsere Krimis um die harten Kerle, die Berufsganoven, mögen.


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Erziehungssache: Hades – Candice Fox

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Candice Fox – Hades
Verlag: Suhrkamp
Übersetzerin: Anke Caroline Burger
341 Seiten
ISBN: 978-3518466735

 

 

 

 

Ich habe schon so viel über das Buch gehört und gelesen. Viele waren nicht so begeistert von dem ersten Teil der Trilogie um Eden Archer und ihren neuen Kollegen Frank Bennett. Doch immerhin hat es „Hades“ auf die KrimiZEIT-Bestenliste geschafft. Also sollte doch wohl was dran sein an dem Thriller, oder?

Frank Bennett ist neu in der Mordkommission von Sydney. Seine Partnerin wird Eden Archer, die gerade ihren Kollegen verloren hat. Der erste Fall mit dem sie es zu tun haben, hat es gleich in sich: im Meer befinden sich mehrere Kisten mit Leichen, mehr oder minder verwest. Bei genauerer Untersuchung stellt man fest, dass den Leichen Organe fehlen. Frank und Eden versuchen einerseits den Täter zu schnappen und andererseits die Opfer  zu identifizieren. Auf beiden Seiten stoßen sie auf grausame Überraschungen.

Neben diesem Ermittlungsstrang gibt es Rückblenden in Edens Kindheit. Eden, sowie Eric, ihr Bruder, der auch bei der Mordkommission arbeitet, sind bei Hades aufgewachsen. Hades ist einer der Herren der Unterwelt. Auf seinem Schrottplatz / Müllhalde lässt er verschwinden, was andere Leute loswerden wollen. Als dann jemand zwei Kinderleichen bei ihm abladen will, erledigt er den Überbringer – und merkt, dass die Kinder gar keine Leichen sind. Eden und Eric sind das Resultat eines missglückten Überfalls / Raubs / Entführung / Erpressung – oder so.

Ohne erst mal darauf einzugehen, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht, muss ich einfach erwähnen, dass ich ständig Dexter Morgan im Kopf hatte (Dexter Morgan Reihe von Jeff Lindsay). Nur, dass Dexter sich ein wenig geschickter anstellt. Auch Dexter ist das Überbleibsel aus einer Straftat und bekommt von seinem Adoptivvater, einem Polizisten, alles mitgegeben, was er benötigt, um seine „Neigung“ sinnvoll einzusetzen – also nur Straftäter zu töten. Und er lädt seine Leichen im Meer ab. Naaa, ok, die Leichen im Meer stammen in „Hades“ weder von Eden noch Eric, aber Eric kommt Dexter schon sehr nahe – außer dass Eric das Rohe, Gewalttätige ausstrahlt und nicht verheimlichen kann. Die Frage ist nun, ist das eine Huldigung oder einfach schlecht kopiert?

Mal abgesehen von dieser Tatsache – die übrigens ja auch nur auffällt, wenn man die Dexter Morgan Reihe kennt – bietet der Thriller eine Ermittlung um einen kranken Serienmörder, der sein Tun mit dem Bedarf nach Organen rechtfertigt. Wer ist gut, wer ist böse? Wer verdient ein neues Organ? Wer verdient es, seines herzugeben? Der Killer bietet allerdings keine Tiefe, er ist schon sehr ausgelutscht, ein Serienkiller, wie er in jedem anderen Buch auch auftauchen könnte.

„Das Böse ist wie ein Virus. Er breitet sich aus, bei jeder Berührung, wird durch die Luft übertragen und eingeatmet. Man fängt sich den Virus ein, wenn man ein hartes Leben hat oder misshandelt worden ist. Man bekommt ihn, wenn man bedürftig ist. Und irgendwas braucht doch jeder. […] Man kann nicht alles Böse in der Welt bestrafen. Da müsste man schon bei sich selbst anfangen.“ (S. 221)

Eden Archer hat ihre Vergangenheit besser verkraftet als Eric Archer, doch sie ist ihm fast hörig. Als Frank in diese traute Zweisamkeit platzt, ist Streit mit Eric vorprogrammiert. Frank versucht Kontakt zu seiner neuen Partnerin aufzubauen. Vordergründig um mit ihr besser zusammen zu arbeiten, doch es hat den Anschein, als hätte er auch nichts dagegen, mit ihr ins Bett zu hüpfen. Mit keinem der drei bin ich in irgendeiner Weise warm geworden – Figuren müssen mir nicht grundsätzlich sympathisch sein, aber wenn alle einen kalt lassen, ist es schon schwierig.
Nichtsdestotrotz leisten die beiden, Eden und Frank, solide Ermittlungsarbeit, auch wenn sie dem Täter nur langsam näher kommen. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass ihm ein Opfer entkommt und damit die Ermittlung ein gehöriges Stück voran bringt.

Insgesamt liest sich der Thriller schnell und zügig – ein Pageturner par excellence –  das titelgebende „Hades“ ist allerdings irreführend. Eher hätte der Titel des nächsten Bandes, „Eden“, gepasst. Es gibt eine solide Ermittlung, Rückblicke, die mich leider nicht vom Hocker hauen konnten (erinnerten mich einfach zu sehr an Dexter), unsympathische Hauptfiguren, aber ein furioses Ende – mit sogar einem sehr überraschenden Toten. Also für mich überraschend. Auch wenn der Thriller ganz solide war, wird der zweite Teil wohl bei mir nicht auf der Wunschliste landen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der zweite Teil auch auf der KrimiZEIT-Bestenliste gelandet ist.

Fazit:
Solider Thriller, bei dem die Seiten nur so weg fliegen, der mich aber leider nicht ganz überzeugen kann.


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Gemischt: DNA – Yrsa Siguardardóttir

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Yrsa Sigurdardóttir – DNAVerlag: btb
Übersetzerin: Anika Wolff
479 Seiten
ISBN: 978-3442756568

 

 

 

 

Sehr, sehr gerne hab ich Yrsa Sigurdardóttirs Serie um die Anwältin Dora gelesen. Mittlerweile ist es schon eine Weile her, dass ein neuer Teil dieser Serie erschienen ist, die Autorin hat allerdings zwischendrin ein paar mystische, eigenständige Thriller veröffentlicht. Nun ist mit „DNA“ der Auftakt einer neuen Serie um Psychologin Freyja und Kommissar Huldar erschienen. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, vor allem, da ich schon gemischte Meinungen gehört hatte – und ja, auch ich bin gemischter Meinung.

Durch gewisse Umstände ist Huldar gezwungen, die Ermittlungen um den Mord an Elisa, Ehefrau und Mutter von drei Kindern, zu übernehmen. Der Fall stellt sich als kniffelig heraus und so steckt Huldar all seine Hoffnungen in Margrét, die kleine Tochter, die sich bei dem Mord unter dem Bett versteckt hat und alles mit angehört hat. Doch nicht nur Margrét ist schwierig, auch die Begegnung mit Freyja, der zuständigen Psychologin im Kinderhaus, welche die Befragung des Mädchens leitet, ist kompliziert, denn die kennt Huldar unter einem anderen Namen als One Night Stand.

Die beiden Protagonisten, Huldar und Freyja, fand ich recht gut. Huldar ist ein Einzelgänger, der mit einem nicht ganz einfachen Team umgehen muss. Zum einen hat er den Job nur, weil gegen viele Kommissare interne Ermittlungen laufen, zum anderen hat er zwei eifersüchtelnde Mitarbeiter direkt um sich. Und dann noch die Sache mit Freyja – ich hatte befürchtet, dass es hier weit größere Komplikationen in der Zusammenarbeit gibt aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte, aber die beiden haben sich eigentlich gut im Griff, von kleineren Dingen mal abgesehen. Aber die Ermittlungen gestalten sich zäh. Es geht kaum voran, die Spuren führen ins Nichts oder sind schon gar nicht vorhanden, die Verdächtigen schnell vom Verdacht befreit und die Ermittler können einfach nichts in Elisas Vergangenheit finden. Die Mordmethode ist sehr ungewöhnlich – für Island vermutlich schon außergewöhnlich – und die Gespräche mit Margrét die einzige Spur. Selbst der nächste Mord bringt keine großen Aufschlüsse über den Täter.

Leider legt die Autorin viel zu wenig Fokus auf die Ermittlungen und Margréts Erinnerungen. Der Hauptstrang dreht sich um Karl. Karl ist ein verschrobener Einzelgänger um die 20. Seine Mutter ist vor Kurzem gestorben und er lässt sein Leben noch mehr schleifen als vorher. Das Haus ist voll mit der staubigen Einrichtung der Mutter, seine zwei Freunde entfremden sich von ihm, sein Studium ist quasi nicht mehr existent. Einzig das Amateurfunken begeistert ihn. Ein recht langweiliger Charakter, bei dem es mir einfach zu viel wurde, als er seitenlang das Haus von den Überbleibseln des Lebens seiner Mutter befreit. Er ist einfach nicht in den Gang gekommen, um das zähe Vorankommen von Huldar auszugleichen. Karl ist natürlich essentiell in den Fall verstrickt – ganz ohne es zu wissen – aber gepaart mit den stockenden Ermittlungen hatte ich in der Mitte einen richtigen Durchhänger.

Bevor ich etwas zum Ende sage, muss ich noch kurz zum Prolog etwas erwähnen. Dieser war wirklich geschickt von der Autorin eingesetzt. Der Prolog hatte sich bei mir festgesetzt und ich hab während des Lesens immer wieder darüber nachgedacht, was dieser mit dem Fall zu tun hat. Und am Ende hat sich dann rausgestellt, dass er alles, aber doch eigentlich nichts damit zu tun hatte. Ich kann das jetzt schwer erklären, aber der Kniff war wirklich gut. Wobei ich das Ende sowieso lobend erwähnen möchte, denn ich habe weder den Täter in irgendeiner Weise verdächtigt, noch habe ich dessen Schläue durchschaut. Er mag ja einen Schaden haben und das Motiv ist mir immer noch schleierhaft – wie das ja so oft bei psychisch gestörten Menschen ist – aber er hat die Morde, sowie das Drumherum so geschickt inszeniert, dass es wirklich eine große Überraschung war.

Fazit:
Gemischte Gefühle – ein gutes Ermittlerteam, von dem man noch nicht genügend gesehen hat und ein zehrender zweiter Handlungsstrang, aber ein wirklich gut gemachtes Ende – in Verbindung mit dem Prolog und einem weiteren Zusatzkniff, hat dies den Durchhänger in der Mitte wieder etwas ausgleichen können.


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Schweres Erbe: Power Play – Mike Nicol

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Mike Nicol – Power Play
Verlag: btb
Übersetzerin: Mechthild Barth
416 Seiten
ISBN: 978-3442713776

 

 

 

 

Was man nicht alles schmuggeln kann: Drogen, Geld, Waffen, Kunst, Seeohren…. ja, genau, Seeohren. Was das ist? Nun, man könnte denken, es ist eine Muschel, aber eigentlich ist es eine Schneckenart. Und da diese im asiatischen Raum als Delikatesse gerne verspeist wird, sind mittlerweile einige Arten der Schnecke vom Aussterben bedroht und die Seeohren sind ein begehrtes Gut. Und in der Tat lösen diese kleinen, aber anscheinend lecker schmeckenden Schnecken, einen Bandenkrieg erster Klasse aus, in den Krista Bishop und ihre Sicherheitsagentur Complete Security, verwickelt werden. Südafrikanische Action – mit Gangstern, Geheimdiensten und eben Schnecken.

Krista Bishop wird von Mart Velaze, einem Geheimdienstmitarbeiter, gezwungen, entgegen ihren Geschäftsgrundsätzen nur weibliche Kundinnen anzunehmen, die Sicherheit von zwei chinesischen Geschäftsreisenden zu garantieren, die in Südafrika am Bergbaugeschäft interessiert sind. Dies natürlich nur vordergründig, denn eigentlich wollen die Chinesen neue Bedingungen für die Seeohren aushandeln. Im Moment beziehen sie diese von den “Unberührbaren”, Titus Anders und seinem Geschäftspartner Rings Saturen, sowie dem Vermittler Bassie Baason, der im Hintergrund wirkt. Die drei sind natürlich keine reinen Geschäftsmänner, auch wenn alle drei sich mittlerweile viel Mühe geben, als diese zu gelten, doch die Gangstervergangenheit und – gegenwart lässt sich nun mal nicht verleugnen. Nun taucht auch noch eine neue, alte Bekannte auf, die den Markt der Seeohren aufmischt und als Titus Sohn Boetie den Fischen verfüttert wird, beginnt ein Stellungskrieg, in dem nicht nur Krista Bishop zwischen die Fronten gerät.

Krista Bishop ist die Tochter von Mace Bishop, den viele vermutlich aus Nicols Rachetrilogie (Payback / Killer Country / Black Heart) kennen. Zwar geistern in Kristas Kopf ständig Maces schlaue Sprüche herum, doch man kann das Buch auf jeden Fall unabhängig von der Trilogie lesen, denn auch ich kenne bisher nur den ersten Teil (meine Rezension hierzu findet ihr hier). Im Allgemeinen kann man wohl sagen, dass Krista die Tochter ihres Vaters ist: stark, unabhängig, gut ausgebildet. Mit dazu mischen sich natürlich (!) sexy Kurven und ein Hang zu älteren Männern. Vielleicht hätte Krista noch mehr Tiefe entwickeln können, wenn sie mehr Raum in dem Buch bekommen hätte, doch so sollte es wohl nicht sein und in der Summe ist sie damit quasi ein Mann mit sexy Kurven. Hm, nicht gerade eine Figur, mit der ich mich anfreunden konnte. Dann doch lieber gleich eine männliche Hauptfigur oder?

Das Buch baut sich als Kaleidoskop um 6 verschiedene Personen auf, die in jedem Kapitel ihren Anteil erhalten. Somit sind häufige Perspektivwechsel vorhanden und der Leser beleuchtet die Geschehnisse von allen Seiten. Am abwechslungsreichsten war die Abschrift der Aussage von Hardlife MacDonald, einem Mitglied der Mongols, einer Bande, die mit den Pretty Boyz, deren Anführer die Anders-Familie ist, im Krieg steht. Ansonsten folgt man Krista Bishop, Titus Anders, Mart Velaze aber auch Black Aron Chetty, dem Fahrer von Tamora Gool, der neuen, alten Unbekannten in der Gleichung. Dieser Strang wird nach und nach zu einer Slapstick-Einlage, denn Aron chauffiert einen russischen Auftragsmörder, der die Anders Familie auslöschen soll, dem es aber nie gelingt. Aber keine Sorge, es sterben auch so genug Leute. Im Übrigen zumeist die Abkömmlinge der Bosse, quasi in einer Art Sippenhaft.

“Power Play” ist ein gut gewählter Titel, der zum Glück auch ins Deutsche übernommen worden ist. Es geht um ein Ränkespiel der Mächte, eine geplante Machtübernahme, das Gebiet wird neu aufgeteilt, das Seeohrengeschäft mit Waffengewalt verhandelt. Das Buch bietet solide, spannende Unterhaltung im Mainstream-Thriller-Bereich. Abgesehen von der ungewöhnlichen Schmuggelware kann ich keine Besonderheiten feststellen. Und ganz ehrlich, ob Krista Bishop nun dabei war oder nicht dabei gewesen wäre macht meines Erachtens keinerlei Unterschied. Sie war zwar mittendrin, aber hat sich quasi überhaupt nicht beteiligt. Und auch wie in Payback muss ich leider bemängeln, dass der Thriller auch gut in einem anderen Land hätte spielen können – Südafrika, die Gesellschaft, die Vergangenheit, die Kultur, davon kann man leider kaum etwas in dem Thriller finden. Aber dazu ist es vielleicht auch das falsche Genre – südafrikanische Krimis gefallen mir doch immer noch ein wenig besser als südafrikanische Thriller.

Fazit:
Ein südafrikanischer Thriller rund um Gangster, Geheimdienste und Seeohren. Solide, aber eben nur Massenware.