Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Angefixt: Die drei Sonnen – Cixin Liu

11 Kommentare


Cixin Liu – Die drei Sonnen
Verlag: Heyne
Übersetzer: Martina Hasse
592 Seiten
ISBN: 978-3453317161

 

 

 

 

Warum dieses Buch?
Nicht nur für die SF-Challenge, sondern auch weil ich dem Thema gerade viel abgewinnen kann, lese ich gerade vermehrt SF. Der SF-Markt ist sehr amerikanisch dominiert, zumindest kommt es mir aus meiner kleinen Perspektive so vor, abgesehen von einigen deutschsprachigen Autor*innen, was sich aber von selbst versteht, denn ich befinde mich ja im deutschsprachigen Raum. Und nun taucht also dieses vielfach gelobte Buch eines chinesischen Autors auf. Bei soviel Lob kann man ja quasi nichts falsch machen. Oder?
Ich persönlich wollte das Buch gerne lesen, da ich mir Frische und Andersartigkeit versprochen habe, einzig und allein durch die Tatsache, dass mal nicht US Army, CIA oder NASA ihre Nase hier reinstecken.

Damals
Die Geschichte erstreckt sich in diesem ersten Band, der sogenannten „Trisolaris“ Trilogie, über mehrere Jahrzehnte und beginnt in den 60er Jahren, in China, zu Zeiten der Kulturrevolution. Diese bekommt immer wieder Gewichtung, doch vor allem im ersten Kapitel, welches mich fast das Buch hat aufhören lassen. Ein schwerer Einstieg, dem Leser, der nichts oder kaum etwas darüber weiß und mitten ins Geschehen geworfen wird. Aber erwähnen möchte ich das Glossar, denn dies gibt nicht nur Einblick in verschiedene Begrifflichkeiten der Kulturrevolution, sondern auch der Physik, zu der ich gleich noch kommen werde. In dieser Zeit also, wird Ye Wenjie als reaktionär abgestempelt und wird nur durch ihre Ausbildung als Astrophysikerin, dem Projekt Rotes Ufer zugeteilt. Was zuerst nach einer Abhörstation aussieht, welche die Feinde Chinas bespitzeln soll, erhält, nachdem Ye Wenjie mehr und mehr Aufgaben bekommt, eine andere Bedeutung, denn das Projekt sucht ganz anderen Kontakt.

Heute
Wang Miao forscht an Nanomaterialien und wird zu einer geheimen Konferenz beordert. Dort diskutieren hochrangige chinesische Beamte und Wissenschaftler über einen gerade stattfindenden Krieg. Krieg? Welcher Krieg? Genaueres will Wang Miao niemand erklären, doch geht es um Veränderungen in den Naturwissenschaften. Wissenschaftler werden getötet oder begehen Selbstmord, die Physik scheint nicht länger eine stabile Konstante zu sein. Welches Geheimnis steckt dahinter?

Physik, Physik, Physik
Es ist unglaublich, welchen Sog das Buch entwickelt hat, obwohl es so vollgestopft mit Physik ist, dass mir davon ganz schwindlig ist. Vieles wird erklärt, entweder im Text oder eben im hinten angefügten Glossar, aber ganz ehrlich: fragt mich bloß nicht danach. Ich kann keines der physikalischen Begrifflichkeiten erklären, auch wenn sie erklärt wurden. Eine VR-Computerspiel , auf welches Wang Miao stößt, leitet ihn durch mehrere Epochen, bringt verschiedenste Physiker auf oder zur Sprache und natürlich – gefühlt – unendlich viele physikalische Themen. Wenn mich nicht alles täuscht, läuft das dann unter Hard SciFi. Ich bin weder ein kleiner noch ein großer Physiker, aber zum Glück haben mir diese Genauigkeiten nicht den Spaß am Lesen genommen, denn wissen wollte ich dann doch schon, wie alles miteinander zusammen hängt.

Charaktere? Nein, danke.
Ach, Charakterzeichnung scheint nun nicht Cixin Lius Stärke zu sein. Mir fallen da Worte wie flach und kalt ein. Und das auch zu den beiden Protagonisten: Ye Wejine und Wang Miao. Wang Miao fand ich noch recht sympathisch, wobei man so kaum etwas über ihn weiß und seine Familie irgendwie nur so nebenher mitläuft und von ihm alsbald völlig ignoriert wird –sehr befremdlich. Für Ye Wejine empfand ich anfangs Mitgefühl, bevor sich das dann allerdings völlig wandelt und sie mir immer fremder wurde und ich ihre Beweggründe nicht mehr verstehen konnte. Keiner der Charaktere entwickelt für mich Tiefe, den Charakter, den ich noch am meisten mochte, war Shih Qiang, ein Polizeiinspektor,der auch zu der Expertengruppe gehört, zu der Wang Miao gerufen wird. Es gibt im Übrigen ein Personenregister, welches mitunter sehr hilfreich war. Shih Qiang gehört nicht zu den Intelligenten, ist kein Wissenschaftler, aber pfiffig und unverschämt. Er reizt seine Vorgesetzten, bis sie platzen und er entwickelt sich zur einzigen Vertrauensperson von Wang Miao.

Zu Ende bevor es anfängt?
Ganz ehrlich: das Buch war eigentlich eine Einleitung. Bei einer Trilogie nun nicht ganz ungewöhnlich und auch völlig in Ordnung. Soweit möglich beantwortet das Buch auch die Fragen, die aufgekommen sind und das ist auch gut so. Nichtsdestotrotz war es eben eine Einleitung, das heißt, dass die Hauptgeschichte ja noch kommt! Die beiden nächsten Teile haben dann auch deutlich mehr Seiten und zum Glück ist nun auch schon der dritte Teil erhältlich – ich kann ja nicht ganz so gut abwarten. Denn obwohl mich die physikalischen Details überwältigt haben und die Charaktere nicht so überzeugt haben, möchte ich wissen, wie es weitergeht. Ich bin angefixt. Und das ist ja wohl das größte Kompliment, welches man dem ersten Teil einer Trilogie machen kann.

Fazit:
Eine nicht ganz einfache Lektüre aufgrund der vielen physikalischen Begrifflichkeiten und Erklärungen und der recht flachen Charaktere, aber eine spannende Geschichte, bei der es noch viel zu sagen gäbe, ich aber nun nicht zu viel spoilern wollte. Ein schwieriger Auftakt, der mich allerdings neugierig gemacht hat.

11 Kommentare zu “Angefixt: Die drei Sonnen – Cixin Liu

  1. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

  2. Mh. Klingt irgendwie spannend. Wenn auch anfangs nicht einfach. Solche Herausforderungen mag ich. Hab mir das Buch direkt mal ausgeliehen. 👍

  3. Ich liebäugle immer wieder mit der Trilogie, aber deine Kritik bezüglich der Protas schreckt mich nun etwas ab. hatte kurz überlegt, es mir als Hörbuch zu holen, aber ich glaube diese Geschichte verlangt Aufmerksamkeit! nicht das ich diese beim Hören nicht aufbringen würde, aber gewisse Feinheiten gehen einem dort eher verloren als beim lesen – zu mal es thematisch auch zu fordern scheint, Physik und ich sind nicht gerade die besten Freunde *Lach

    • Ich glaube, als Hörbuch hätte ich das Buch nie durchbekommen. Da hätte ich – spätestens – bei den physikalischen Begrifflichkeiten abgeschaltet. Als Hörspiel wiederum kann ich es mir gut vorstellen… und zumindest bei „Die drei Sonnen“ hab ich das als Hörspiel Version gesehen.
      Ah, die Protagonisten. Es ist mir während des Lesens gar nicht so bewusst geworden, sondern erst beim Zuklappen, dass die irgendwie nicht bei mir hängen geblieben sind. Ye Wenije ist mir sogar am Ende richtig unangenehm geworden. Aber… ich hab ein wenig in die Klappentexte der nächsten zwei Bände gespickelt und wenn ich das richtig sehe, werden das andere Protagonisten sein. Ob das nun gut oder schlecht ist, kann ich dann erst nach Lektüre sagen….

  4. Ich habe mich aufgrund der Vorschusslorbeeren auch an dieses Buch gewagt, obwohl Sci-Fi sonst nicht so meins ist. Du hast es in der Rezi gut auf den Punkt gebracht – verdammt viel Physik. Mich hat es nicht genug für die anderen Teile angefixt…

    • Ha – vielleicht bin ich ja schon der Einäugige unter den Blinden! :-)
      Immerhin hab ich jetzt doch schon einiges an Science Fiction gelesen und mich irgendwie daran gewöhnt, dass viel Physik vorkommt und ich die einfach nicht verstehe. Ich les und registrier das eben, aber es stört mich nicht sonderlich. Es gehört wohl irgendwie dazu. Ich werde dann aber berichten, wie mir der zweite Teil gefallen hat – denn ich will schon wissen, wie es weitergeht.

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