Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Unbefriedigend: Autonom – Annalee Newitz

6 Kommentare


Annalee Newitz – Autonom
Verlag: Fischer Tor
Übersetzerin: Birgit Herden
350 Seiten
ISBN: 978-3596702589

 

 

 

 

So, ich schreibe diese Rezension nun zum dritten Mal. Man sieht also, irgendwas lässt mich hier nicht los. Und ich glaube, ich habe es jetzt rausgefunden. Es gibt nämlich ein Problem. Die Frage ist, ob das nicht immer so ist und warum mich das jetzt so stört. Ich vermute nämlich, weil es eben nicht das erste Buch zu dem Thema ist, welches ich lese und sich unweigerlich Vergleiche auftun, dass ich immer das andere Buch im Kopf habe. Das Buch, welches meines Erachtens, das Thema besser aufarbeitet.

Die Autorin hat sich in ihrem Buch ein hehres Ziel gesetzt, denn sie schreibt über künstliche Intelligenz und geht der Frage nach, wann diese autonom sein darf und wann nicht. Eingepackt hat sie das Ganze in eine leider nur leidlich spannende Jagd: Produktpiratin und Revoluzzerin Jack bringt eine Kopie von Zacuity, dem neuesten aber noch in der Testphase befindlichen Produkt von dem Pharmariesen Zaxy, auf den Markt. Dummerweise sterben daran Menschen und Zaxy schickt die beiden IPC (International Property Coalition) Agenten Eliasz, einen Menschen, und Paladin, einen Bot, auf die Jagd nach Jack.

Leidlich spannend war die Geschichte nun deshalb, da die beiden Agenten zwar auf ihrer Jagd keine Gefangenen machen, aber man bei Jack nicht unbedingt das Gefühl hat, dass sie sich ernstlich in Gefahr sieht. Zwar ist ihr schon bewusst, dass sie da jemand sucht, aber die Gefahr ist eher eine Dringlichkeit und viel wichtiger ist ihr, eine Therapie gegen Zacuity zu finden und den Pharmakonzern auffliegen zu lassen. Unwahrscheinlich erscheint mir auch, dass, wie es sich in der Zukunft von 2144 gehört, zwar sehr viele technische Neuerungen vorhanden sind, die Agenten aber mehr oder weniger hinter Jack her trödeln und all die technischen Finessen scheinbar kaum hilfreich sind. Ein unangenehmer Zug der Agenten ist, dass sie dabei wirklich vor nichts zurückschrecken und dabei Folter und Mord anscheinend übliche und völlig akzeptable Methoden sind.

Kommen wir nun aber zurück zum Kernthema: Autonomität der Künstlichen Intelligenz. Die Frage, ob man Robotern Autonomie gewährt, wenn sie nun schon eine dem Menschen ähnliche Stufe erreicht haben, ist nun nicht neu. Einen interessanten Aspekt hat die Autorin hier allerdings eingebracht, denn in ihrer Zukunft sind auch nicht mehr alle Menschen autonom. Am Spruch „Geld regiert die Welt“ orientiert, kann man hier Bürgerrechte kaufen und wer kein Geld dazu hat, begibt sich als Arbeiter unter „Kontrakt“, was man im Prinzip als modernen Sklavenhandel sehen kann.

Leider verheddert sich die Autorin dann in einem Gedankenwettstreit Paladins, um sein eigenes Geschlecht und ob die Möglichkeit besteht, Sex mit Eliasz zu haben, anstatt der Frage nachzugehen, was Autonomie für einen Roboter, aber auch für einen Menschen eigentlich bedeutet. Paladin scheint sich auch einzig um Eliasz Gefühle Gedanken zu machen, über die Vielzahl an Opfern, die sie auf ihrer Suche nach der Produktpiratin, hinterlassen, macht er sich gar keine Gedanken. Es fehlt die Empathie. Und keine Frage, es gibt auch Menschen die keine oder kaum Empathie empfinden können. Und doch stellt man sich bei einem Roboter unweigerlich die Frage, ob das nun seine Programmierung ist oder eine bewusste Entscheidung.

Dieses Buch hätte so viel mehr können, hat es aber leider nicht. Es zeigt nur sehr wenig Einblick in die Zukunft, bzw. eine Zukunft, die hätte sein können. Weder die Frage nach Autonomie – bei Bots und bei Menschen – noch die gedankliche Herleitung durch Paladin ist ausreichend betrachtet worden, derweil allerdings die Beziehung zwischen Eliasz und Paladin ins Erotische rutscht. Zusammen mit der vermissten Spannung bei der Jagd auf Jack, war das Buch zwar ok, aber mehr eben auch nicht.

Fazit:
Interessante Themen  – KI und Autonomie – machen leider noch lange keine gute Geschichte. Hier hat mir einfach zu viel gefehlt.

6 Kommentare zu “Unbefriedigend: Autonom – Annalee Newitz

  1. Modelle, wie die Welt in Zukunft politisch, wirtschaftlich, technisch und/oder sozial funktioniert, sind immer wieder interessant, aber nur wenn mit heutiger „natürlicher“ Intelligenz ein außergewöhnliches Szenario geschaffen wird. Mir hat kürzlich „Hologrammatica“ von Tom Hillenbrand gefallen.

    • Ah, das sagst Du was – „Hologrammatica“ harrt schon viel zu lange ungelesen bei mir im Regal. Das muss ich schleunigst ändern!
      Bei Tom Hillenbrand hab ich auch gar keine Sorge, dass er mit „Hologrammatica“ hier ein besseres zukünftiges Szenario geschaffen hat. Mit „Drohnenland“ hat er das ja auch schon mal hinbekommen. Und die Xavier Kieffer Reihe lese ich ja auch sehr gerne – ach, ich denke, mit dem Autor kann man nichts falsch machen!

  2. Da hast ja eine kleine Warnung vor dem Buch ausgesprochen. Glaube mir würde es ähnlich gehen, daher lasse ich erst einmal die Finger von dem Buch.
    Hatte es jetzt so oft bei Buchkäufen gesehn, dass es meine Neugierde geweckt hatte, aber bei deinen Kritikpunkten… das Buch kann warten :P

    • Es gibt so viele Bücher, man kann ja gar nicht alle lesen. Deshalb bin ich auch immer froh, wenn jemand ein Buch mal nicht ganz so gut bewertet – dann kann es erst mal warten oder wird letztendlich gar nicht gekauft. Und trotzdem verpasse ich nichts – es sind ja noch genügend andere da. :-)

  3. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

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