Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Es kribbelt im Nacken: Das Leben ist schmutzig – Anne Goldmann

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Anne Goldmann – Das Leben ist schmutzig
Verlag: Argument
285 Seiten
ISBN: 978-3867541947

 

 

 

 

Ein Haus, mehrere Parteien. Nicht zu viele Menschen, aber auch genügend, um zur Not anonym zu bleiben. Man kennt sich, aus dem Gang, ein paar auch näher. Und doch ist jeder allein, sobald er die Tür schließt. Allein mit sich. Und mit seinen Geheimnissen. Was verbirgt sich im Haus, hinter den Türen?

Ah, ich liebe Geschichten, die sich nur in einem einzigen Haus abspielen. Geben wir es doch zu, ein jeder hat seine Geheimnisse. Und wenn es nur ist, dass man gerne seinen Hosenknopf öffnet, wenn man auf der Couch fläzt. Aber vielleicht ja auch ein paar wichtigere Geheimnisse. Eigene Geheimnisse oder Geheimnisse anderer. Schon wenn ich nur darüber schreibe, läuft mir ein wohliger, gespannter Schauer über den Rücken. Und dieses Gefühl, dieses leise Gruseln und gespanntes Luftanhalten, das ist ein Gefühl, welches Anne Goldmann mit Bravour beim Leser auslöst. Einfach so. Ganz unbewusst. Es passiert gar nicht so viel in dem Krimi. Und doch ist es da, lauert und lauert, bis seine Chance gekommen ist. Die Anspannung ist nicht direkt, aber immer da.

Die Autorin hat ihre ganz eigene, eigenwillige Erzählweise, betupft mit österreichischen Wörtern und Phrasen, die selbst den langweiligsten alten Grantler noch spannend erzählen lässt. Und das darf er auch. So wie jeder im Haus. Da trifft man die Hausbesorgerin mit ihrem Teenager-Sohn, die ewige Studentin und den stillen Beamten, den jungen Postboten, aber auch die psychisch-labile Mitt-Dreißigerin mit ihren vielen Grünpflanzen im zweiten Stock. Lebensgeschichten pur, hautnah aus jedem Blickwinkel betrachtet. Ein jeder lässt den Leser in seine Geheimnisse blicken und hält doch was zurück. Jeder kämpft mit etwas anderem, hat Angst vor dies oder jenem, kann auch nicht jeden leiden. Im Hausgang ist es einfach sich nur zu grüßen, die Animositäten werden bis nach der Tür aufgehoben und dort lautlos hervorgebracht. Aber im Stiegenhaus, ja dort ist alles in Ordnung.

Erst die auftauchende Leiche bringt Unruhe ins Haus. Verstörung, einen Bruch in den Abläufen des Mikrokosmos. All diese eigenwilligen Individuen, einsam und allein, aber doch gemeinsam im Haus. Verbandelt oder sich fremd, egal wie man es stellt und wendet, ein Geheimnis hat jeder. Und die Leich? Ja die, da ist schnell ein Täter gefunden und vornehmliche Ruhe kehrt ein. Doch irgendwas ist da. Es zwackt und zwickt, etwas stimmt nicht. Das Haus ächzt und knarrt – seine Bewohner mit ihm.

Schon in „Lichtschacht“ konnte mich die österreichische Autorin Anne Goldmann überzeugen, in „Das Leben ist schmutzig“ gelingt ihr das gekonnt wieder. Die Stimmung ist phenomenal – aufgeladen mit Kleinigkeiten und Geheimnissen, Vorbehalten und Ängsten, doch nie offensichtlich. Im Nacken kribbelt es, als wollte es einen gleich anspringen. Es ist kein Krimi, kein Thriller, aber ein Spannungsroman – und zwar einer, bei dem der Name durchgehend Programm hat. Man wird von der Geschichte aufgesogen, ganz leise und eindringlich, um am Ende völlig fertig wieder ausgespuckt zu werden. Fertig, aber glücklich.

Fazit:
Anne Goldmann ist ein wahrer Geheimtipp. Stimmungsvoll und mit lauernder Spannung wirft sie den Leser in das Haus und lässt ihn atemlos zurück. Beeindruckend!

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