Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Geschwür: Die Maske – Fuminori Nakamura

(c) Die dunklen Felle

Fumihiro Kuki ist ein Nachzügler. Seine Geschwister hat er noch nie gesehen, sie sind erwachsen und führen ihr eigenes Leben. Seine Mutter ist gestorben, sein Vater uralt und ignoriert ihn. Doch als Fumihiro elf ist, ruft er ihn in sein Zimmer und legt ihm den Plan seines Lebens vor. Er wurde gezeugt, um ein Geschwür zu sein, eine Wurzel des Bösen. Jemand, der Unglück über die Menschheit bringt. Eine Tradition in der Familie der Kukis, dass der letztgeborene Sohn zum Übel der Welt erzogen wird. Zugleich nimmt der Vater das Waisenmädchen Kaori auf und die beiden, Fumihiro und Kaori, wachsen wie Geschwister auf. Es kommt, wie es kommen muss, die beiden verlieben sich ineinander.

„Doch Vater irrte sich. Ich war bereits ein Geschwür. Das Spielzeugauto hatte ich nur mitgenommen, um ihn zu täuschen. In Wahrheit überlegte ich die ganze Zeit, wie ich ihn auslöschen könnte. Diese Pläne beschäftigen mich schon lange, jeden einzelnen Tag.“ (S. 15)

Mit einem klassischen Krimi hat „Die Maske“ nur wenig zu tun. Wollte man ihn einordnen, müsste wohl das Wort Noir fallen, japanischer Noir. Der Autor hat in Japan schon mehrere Bücher veröffentlicht, mit „Die Maske“ erscheint hier in Deutschland nach „Der Dieb“ nun ein zweites in deutscher Übersetzung. Während das erste noch melancholische Leichtigkeit ausstrahlte, zwischen Eleganz und Edelmut angesiedelt war, wird es hier düster. Es gibt hier keine Helden, keine zum Erfolg führende Ermittlung, keine Gewinner. Noir eben.

Fumihiro wird also zum Übel der Welt erzogen. Es scheint zuerst so, als würde es ihm wie vielen Sprösslingen reicher Familien gehen: abwesende und uninteressierte Eltern, in dem Fall der Vater, Erziehung erfolgt durch die Bediensteten. Es gibt viel Bildung, neben der normalen Schule, erhält er Einzelunterricht. Doch gleichzeitig mit Bekanntmachung seines Vaters tritt Kaori in sein Leben und er lernt Nähe, Sympathie, Liebe kennen. Welche ihm sein Vater bestialisch entreißt, als er vierzehn Jahre alt ist.

„Und wenn du vierzehn bist, zeige ich dir die Hölle“ (S. 13)

Die Geschichte beginnt in der Vergangenheit, auf dem Anwesen der Kukis und in Fumihiros Kindheit, pendelt dann zwischen Vergangenheit und Gegenwart, um in der Gegenwart zu landen und auszuklingen. Die Geschichte hat eine klare, oft kühle, manchmal poetische Sprache, die eindrückliche Bilder erzeugt. Der Fokus liegt auf Fumihiro, der sich als Erwachsener komplett verändert hat, quasi eine „Maske“ trägt, der immer noch in Kaori verliebt ist, und der versucht, kein Geschwür zu sein.

Ihm entgegen steht der Kuki-Clan. Nicht nur der Vater war ein Monster, seine Kinder stehen ihm in nichts nach.Wie weit der Clan bereit ist, zu gehen, zeigt sich in seinem Bruder, der an Kriegsgeschäften beteiligt ist: Rüstungsausgaben, Kriegstreiberei, Wiederaufbaugeschäftemacherei. Die Kukis lassen sich nichts entgehen, schüren bei Bedarf gerne nach. Wirtschaftliche und politische Interessen bestimmen ihr Handeln, zu keiner Bösartigkeit sind sie sich zu schade. Fumihiro soll das Sahnestückchen dieses Imperiums sein.

Doch Fumihiro möchte nicht. Die Frage ist aber: kann er dem überhaupt entkommen? Hat nicht schon allein das Gespräch, in dem ihm sein Vater seinen Plan mitteilt, ihn soweit beeinflusst, dass er seine Handlungen entgegengesetzt ausrichten kann? Welche Handlungen sind gut? Welche sind böse? Welche Handlung hat welchen Einfluss? Nicht immer kann man vorhersehen, welche Entscheidungen Geschehnisse negativ oder positiv beeinflussen. Führt Fumihiro also ein selbstbestimmtes Leben? Oder lebt er eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Sein Ziel ist es, Kaori zu schützen, auch wenn er in der Gegenwart keinen Kontakt mehr zu ihr hat. Er liebt sie, doch glücklich werden sie nicht werden. Das hat ihm sein Vater prophezeit und ob er daran glaubt oder nicht, die Geschehnisse in der Vergangenheit stehen zwischen Fumihiro und Kaori.

Nicht nebensächlich, aber doch nur als Streiflicht, taucht Kommissar Aida auf. Angelockt durch Fumihiros „Maske“, doch klug ist er, der Kommissar und lässt sich auch nicht abschütteln, taucht hier und da auf und bringt Unruhe in Fumihiros Leben. Überhaupt bevölkern die Geschichte kuriose Gestalten, neben dem kosmetischen Chirurg, der Fumihiro seine „Maske“ verpasst hat, ein Privatdetektiv, der vormals für seinen Vater gearbeitet hat, aber auch eine Terrororganisation tummelt sich um das „Geschwür“.

Natürlich beginnt das Buch mit einem Knaller – welcher Vater hat schon das Ziel, seinen eigenen Sohn zum jemand durch und durch Bösen zu erziehen? Die Kindheit und Jugend Fumihiros hat für mich keine Überraschungen beinhaltet, doch ganz anders ist dies in seinem erwachsenen Leben. Was ist Fumihiros Ziel? Wohin wendet sich die Handlung? Diese in der Gegenwart durchgängige Frage hat mich durch das Buch begleitet und ich weiß auch am Ende nicht, ob ich alles verstanden habe. Der Zweck, das Ziel – mir unbekannt. Einzig hoffen kann ich, das Fumihiro endlich, als er am Ende in das Flugzeug steigt, sein Leben gefunden hat.

Fazit:
Kann ein Buch eine leise Achterbahnfahrt sein? Wenn ja, dann ist dieses hier definitiv eine. Düster und noiresk, erschreckend und sacht, ohne Helden, aber mit Poesie erschafft der Autor einen nicht herkömmlichen, aber fantastisch eindrücklichen Krimi.

 



Fuminori Nakamura – Die Maske
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Thomas Eggenberg
347 Seiten
ISBN: 978-3257244816

 

 

 

Rezension zum Buch bei Wortgestalt –> hier.


 

 


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Reblogged | Qiu Xiaolong – Tod einer roten Heldin

(c) Wortgestalt-Buchblog

Philly von Wortgestalt-Buchblog hatte mit ihrer Auswahl für China keinen guten Start. Zwar kann „Tod einer roten Heldin“ thematisch überzeugen, doch es gibt einige Kritikpunkte in punkto Schreibstil und Charakterzeichnung. Eine wie immer kurzweilige und gut ausgeführte Rezension, Phillys „Comeback“ nach langer Pause, findet ihr hier:

 

So, also, mein erster Roman für unser Ostasien-Spezial und zugleich auch meine erste Besprechung seit sehr langer Zeit, verzeiht mir deshalb hier und da ein Ringen um Worte oder ungelenke Formulierungen. Gut möglich bis sehr wahrscheinlich, dass ich etwas Rost Der Beitrag Qiu Xiaolong – Tod einer roten Heldin erschien zuerst auf WortGestalt-BuchBlog.

über Qiu Xiaolong – Tod einer roten Heldin — WortGestalt-BuchBlog


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Diametral: Das Auge von Hongkong – Chan Ho-kei

(c) Die dunklen Felle

Wenn man sich auf dem kriminalistischen Büchermarkt so umsieht, gibt es doch tatsächlich nur ein recht überschaubares Angebot an Krimis, welche von chinesischen Schriftsteller/innen stammen oder in China spielen. Liegt das nun daran, dass es dort nur wenige Krimischriftsteller/innen gibt? Oder daran, dass diese es einfach noch nicht geschafft haben, ins Deutsche übersetzt zu werden? Ich persönlich wünsche mir aber, dass es bald mehr chinesische Schriftsteller/innen gibt, deren Bücher in Deutschland erscheinen, vor allem natürlich im Krimi-Bereich, denn hier gibt es bestimmt noch mehr zu entdecken.

Nun liegt Hongkong ja auch in China, hat aber durch die lange Regentschaft von Großbritannien  als Kronkolonie nun doch ein anderes Flair als das restliche China, ganz zu schweigen von einer anderen Geschichte, Regierung und Wirtschaftspolitik. Weit über hundert Jahre war Hongkong von England beeinflusst, seit nunmehr aber schon 20 Jahren gehört es wieder zu China, wenn auch als Sonderverwaltungszone mit besonderen Rechten. Hongkong war also dem Westen gegenüber schon immer aufgeschlossener, nichtsdestotrotz sind die Bewohner größtenteils Chinesen. Dieser Mix aus westlichen und östlichen Einflüssen macht Hongkong zu einer faszinierenden Metropole, die im Krimi natürlich entsprechende Würdigung erfährt.

Hier hat nun der Autor seinen Protagonisten, Kwan Chun-dok, einen Polizisten, hineingesetzt. Einen Rang kann man hier gar nicht nennen, denn die sechs im Buch enthaltenen Geschichten decken einen Zeitraum von fast 40 Jahren ab, so dass Kwan im Laufe der Zeit verschiedenste Positionen durchläuft. Welcher Name ihm aber immer folgt, ist „Das Auge von Hongkong“, den er sich durch seine  Kombinationsgabe und unzählige gelöste Verbrechen verdient hat. Respektvoll murmeln seine Kollegen diesen Namen und halten viel auf den Kommissar. Durch seine ausgefeilte Kombinationsgabe liegt der Schluss nahe, ihn mit Sherlock Holmes zu vergleichen und wahrlich zeigt auch Kwan neben seiner genialen Art zu Kombinieren einige Besonderheiten, von seiner Sparsamkeit bis zu seinem Sinn für Gerechtigkeit, doch genauso viele Unterschiede lassen sich finden.

„Lok fühlte sich angesichts dieser Antwort regelrecht befreit. Sein Mentor [Kwan] nutzte zwar mit Vergnügen allerlei zwielichtige Methoden, um an sein Ziel zu gelangen, aber der Wert jedes einzelnen Menschenlebens war für ihn grundsätzlich unschätzbar.“ (S. 191)

Der Fokus der einzelnen Geschichten liegt natürlich auf den entsprechenden Ermittlungen, doch politische und gesellschaftliche Änderungen fließen unwillkürlich auch ein, manchmal mehr, manchmal weniger. Der Aufbau der Polizei, in welcher erst nach und nach Chinesen in die oberen Ränge befördert werden, die Korruption in der Polizei, die Unruhen 1967, die Übergabe Hongkongs an China im Jahre 1997… diese und viele weitere größere Themen und kleinere Nebensächlichkeiten zeigen Hongkong und seine Veränderungen im Laufe der Jahre.  Manchmal tritt Hongkong, die Stadt und deren Kultur, mehr in den Vordergrund, manchmal aber auch nicht und der Fokus liegt auf dem Verbrechen, bzw. der Ermittlung.

Doch jede einzelne Geschichte zeigt ein anderes Verbrechen, eine andere Art von Kriminalität. Dabei geht es um Triaden und Gangs, aber auch um Verbrechen aus Rache und Geld. Ein kleines Füllhorn an Novellen, die der Autor geschickt platziert. Folgende sechs Geschichten sind enthalten:

  • „Die Wahrheit zwischen Schwarz und Weiß“ (2013) berichtet von einem Erbfall, bei dem eine Harpune eine tragende Rolle spielt
  • „Gefangenenehre“ (2003) ist oberflächlich eine Geschichte im Musikbusiness, doch eigentlich geht es um Triaden und ein Singvögelchen.
  • „Langer Tag“ (1997) geht es um eine spektakuläre Flucht aus dem Gefängnis, Säurebombenanschläge und Brandanschläge – und das alles an einem Tag.
  • „Die Waage der Themis“ (1989) räumt in den eigenen Reihen auf und Kwan überführt einen Verräter.
  • „Geborgter Ort“ (1977) ist erst eine Entführung, dann doch nicht, aber irgendwie doch und dann ist es ein Raub.
  • „Geborgte Zeit“ (1967) ist die politischste Geschichte, spielt sie doch in den Zeiten der Unruhen 1967, und dreht sich um einen Bombenanschlag.

Die Geschichten sind wirklich sehr vielfältig, doch besonders in Erinnerung bleiben werden mir die erste Geschichte und die letzte Geschichte. Raffiniert hat der Autor die Erzählungen diametral aneinander gereiht, so dass man mit Kwans letztem Fall im Jahre 2013 beginnt und mit einem seiner ersten Fälle im Jahr 1967 endet. Im letzten Fall löst Kwan einen Fall quasi ohne da zu sein, derweil der Autor im ersten Fall den Leser ganz lange foppt, bevor er ihm verrät, wer Kwan ist, da er hier nur Bezeichnungen wie „Cop 7“ oder „Cop 3“ verwendet – und ja, er hat mich gekriegt, denn ich hatte tatsächlich Kwan in jemand anderem vermutet. Eine sehr gelungene Finte!

Die Geschichten können unabhängig voneinander gelesen werden, das verbindenden Elemente sind  Kwan Chan-Dok und in den jüngeren Jahren sein Zögling Sonny Lok, die Fälle sind höchstens durch Kleinigkeiten verknüpft, wie z. B. wiederkehrende Kollegen. Die gewählte Novellenform passt hier auch hervorragend, denn man hat trotzdem ausgefeilte Geschichten, aber kann sich das Buch in sechs Häppchen aufteilen. Der Spannungsaufbau basiert hier eher auf dem Versuch des Lesers, sich am „Auge von Hongkong“ zu messen und den kniffligen Fall vielleicht sogar vorher zu lösen. Auch wenn einige spektakuläre Verbrechen passieren, sind doch eher keine Actionszenen vorhanden. Das Miträtseln und dann bei der Auflösung verwundert den Kopf zu schütteln macht aber irre viel Spaß.

„Aufgabe der Polizei ist die Enthüllung der Wahrheit, die Verhaftung der Schuldigen, der Schutz der Unschuldigen – aber wenn die Regeln es nicht vermögen, Kriminelle zur Strecke zu bringen, wenn die Wahrheit im Dunkeln bleibt, wenn Unschuldige sich nirgends hinwenden können – in genau solchen Fällen stürzte Superintendent Kwan sich mit Freuden in den grauen Sumpf und schlug die Verbrecher immer wieder mit ihren eigenen Waffen.“ (S. 94)

Fazit:
Sechs wunderbare Novellen rund um Hongkong und „Das Auge von Hongkong“, einen Polizist, der sich ganz sicher nicht hinter Sherlock Holmes verstecken muss. Besonders gelungen ist der Aufbau des Buches und die diametral verlaufenden Geschichten, die Hongkong und dessen Veränderungen im Laufe der Jahre spiegeln.

 



Chan Ho-kei – Das Auge von Hongkong
Verlag: Atrium
Übersetzerin: Sabine Längsfeld
572 Seiten
ISBN: 978-3855350285

 

 

 

 


 


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Blog-Spezial Krimialliteratur aus Ostasien – gemeinsam mit Wortgestalt

Dieses Jahr freue ich mich besonders darauf, Euch heute ein Blog-Spezial mit meiner Bloggerkollegin Philly von Wortgestalt-Buchblog anzukündigen. Nicht nur, weil das Thema Kriminalliteratur aus Ostasien unheimlich spannend und unbekannt exotisch ist und war, sondern auch, da der Wortgestalt-Buchblog damit ins Bloggerleben zurückkehrt und Philly die Welt wieder mit ihren Beiträgen bereichert. Ganz lange hat sie Pause gemacht und ich freue mich, dass sie unser Spezial ausgesucht hat, um ihrem Blog wieder zu „reanimieren“. Philly, nicht nur ich, sondern noch so viele andere, haben Dich und Deine Beiträge sehr vermisst – willkommen zurück!

So, nun aber zum eigentlichen Thema: Kriminalliteratur aus Ostasien. Hier gibt es gleich einige Fragen zu beantworten: Warum nur Ostasien? Was genau gehört zu Ostasien? Und welche Bücher habt Ihr Euch ausgesucht? Na, ich will Euch natürlich nicht im Unklaren lassen.

Asien ist groß. Sehr groß. Viele Länder, viele Gesellschaften, viele Kulturen. Und es ist eben schier eine unmögliche Sache, einen Überblick der Kriminalliteratur über diesen riesigen Kontinent zu geben. Und somit haben wir uns nur einen Teil von Asien herausgepickt , und zwar Ostasien. Tatsächlich ist die Abgrenzung, welche Länder zu Ostasien gehören nicht ganz so einfach, man kann dies geografisch angehen, aber auch kulturhistorisch. Wir sind dem kulturhistorischen Aspekt gefolgt und deshalb betrachten wir in unserem Spezial die Länder China, Japan, Korea und Vietnam genauer.  Hierbei sei dann erwähnt, dass ich diese Begriffe verallgemeinernd verwende, aber korrekterweise natürlich z. B. von der Volksrepublik China gesprochen werden müsste, ja und auch bei Korea muss man erwähnen, dass die besprochenen Autoren alle aus Südkorea stammen, aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Abschottung Nordkoreas und so gut wie keiner vorhandenen, übersetzten (Kriminal-)Literatur aus diesem Land.

Wenn ihr nun gleich durch die Liste der Bücher lest, werdet ihr feststellen, dass Japan und Korea hier gut vertreten sind, denn tatsächlich hat der Buchmarkt, und auch der Kriminalliteraturmarkt diese beiden Länder für sich entdeckt. Hingegen gibt es aus China und Vietnam nur wenige Vertreter im Bereich der Kriminalliteratur, die hierzulande veröffentlicht sind. Somit ein kleiner Appell an die Verlage: Bitte mehr davon, aus allen diesen Ländern – vor allem natürlich Krimis. ;-)

Folgende Bücher werden wir besprechen:

03.09. – „Das Auge von Hongkong“ von Chan Ho-Kei (China) (Die dunklen Felle)
05.09. – „Tod einer roten Heldin“ von Qiu Xiaolong (China) (Wortgestalt)
07.09. – „Die Maske“ von Fuminori Nakamura (Japan) (Die dunklen Felle)
09.09. – „Der Hauptschlüssel“ von Masako Togawa (Japan) (Wortgestalt)
11.09. – „Das schwarze Pulver von Meister Hou“ von Tran-Nhut (Vietnam) (Die dunklen Felle)
13.09. – „Nach der Schlacht“ von Le Minh Khue (Vietnam) (Wortgestalt)
15.09. – „Der Sonnenschirm des Terroristen“ von Iori Fujiwara (Japan) (Die dunklen Felle)
17.09. – „Piercing“ von Ryu Murakami (Japan) (Wortgestalt)
19.09. – „Die Plotter“ von Un-Su Kim (Korea) (Die dunklen Felle)
21.09. – „Sieben Jahre Nacht“ von Jeong Yu-jeong (Korea) (Wortgestalt)
23.09. – „Die Umarmung des Todes“ von Natsuo Kirino (Japan) (Die dunklen Felle)
25.09. – „Giftaffe“ von Arimasa Osawa (Japan) (Wortgestalt)
27.09. – „Im Reich der Lichter“ von Kim Young-ha (Korea) (Die dunklen Felle)
29.09. – „Dein Schatten ist ein Montag“ von Jung-Hyuk Kim (Korea) (Wortgestalt)
01.10. – Bonusmaterial: Filmcheck (Wortgestalt)

 

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(c) Wortgestalt

Nach Veröffentlichung der Beiträge werde ich diese hier natürlich verlinken.

Und nun lasset die Spiele beginnen! Das Blog Spezial startet übermorgen und wie immer freuen wir uns über jedes „Gefällt mir“, jeden Kommentar und jede Diskussionsanregung.
Aber auch wer „nur“ liest, ist natürlich gerne willkommen und wir wünschen viel Spaß beim Blog Spezial Kriminalliteratur aus Ostasien!

 


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Privatschnüfflerin: Abgeblasen – Val McDermid

Den meisten ist Val McDermid bestimmt durch ihre Reihe um Tony Hill und Carol Jordan bekannt, doch die schottische Autorin hat vor dieser Reihe schon zwei weitere Reihen hervorgebracht bzw. angefangen. Die erste dreht sich um die Journalistin Lindsay Gordon, die zweite um Privatdetektivin Kate Brannigan. Beide Reihen erschienen in Deutschland auch im Argument Verlag, welcher, wie meine Leser wissen, immer mein Interesse weckt, die Kate Brannigan Reihe ist dort jedoch nicht mehr erhältlich, da die Reihe später nochmal vom Knaur Verlag veröffentlicht wurde, dessen Ausgabe ich nun gelesen habe.

Kate Brannigan ist Junior-Partner in der Privatdetektei Mortensen & Brannigan, spezialisiert auf Wirtschaftsverbrechen. Gerade ist sie auf der Spur von Fälschern von Markenuhren, als Jett, ein Star der Musikszene in Manchester, sie bittet, seine Seelenverwandte Moira auszuspüren. Gemeinsam mit Moira hat Jett seine ersten beiden Alben produziert, sie schrieb die Texte, er die Melodien. Doch dann gab es Streit und seitdem ist Moira untergetaucht. Obwohl Vermisstenfälle nicht Kates Spezialtät sind, macht sie sich auf die Suche und ist erfolgreich. Sie bringt Moira zurück zu Jett. Doch dann klingelt des Nachts Kates Telefon, sechs Wochen später. Moira ist tot.

Der Krimi ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil macht sich Kate auf die Suche nach Moira. Doch schon hier ist klar, dass nicht jeder in Jetts Umfeld begeistert davon ist, wenn Moira wieder gefunden wird. Seine neue Flamme, Tamar, ist aus vorstellbaren Gründen nicht begeistert, aber auch Kevin sein Manager hält die Rückkehr von Moira für keine gute Idee. Nichtsdestotrotz macht sich Kate auf, um die Verschollene zu finden. Das Musikbusiness hat Moira in die Drogen getrieben, so dass sie sich von Zuhälter zu Zuhälter hangelte und über eine Entzugsklinik letztendlich bei Maggie landet, die Moira nicht nur aufgenommen hat, sondern auch eine Beziehung mit ihr unterhält.

Im zweiten Teil ist nun Moira tot, aufgefunden im Tonstudio in Jetts Haus. Verdächtig: alle, die sich im Haus befunden haben, allen voran Jett. Doch den nimmt Kate erst mal raus aus ihrer Untersuchung, die natürlich auch bei der Polizei aneckt. Da wären dann also Tamar und Kevin, aber auch der angestellte Biograph Neil Webster, der Tontechniker Micky und die Sekretärin Gloria. Nicht zu vergessen Maggie, die Kate nachts fast vor den Wagen läuft, als sie von Jetts Anwesen wegfährt. Da hätten wir sie also – den genau abgesteckten Kreis von Verdächtigen. Mit Jetts Auftrag macht sich Kate also an die Arbeit aus dem Kreis der Verdächtigen schlau zu werden.

Zwar ist nun die Suche nach Vermissten oder die Mordermittlung nicht Kates Hauptbetätigungsfeld – was sie sich im Übrigen nicht scheut hin und wieder einzuwerfen, ob nun aus dem Bedürfnis heraus der Wahrheit Genüge zu tun, oder aus taktischen Gründen, das vermag ich nicht zu sagen – aber nicht undankbar nimmt sie diese Aufgabe an und führt Gespräche mit allen Verdächtigen, anstatt langwierige Observationen der Markenfälscher durchsitzen zu müssen. Schlagfertig und gewitzt führt sie ihre Dialoge und nähert sich nach und nach dem Täter an. Nach einem gut ausgeklügelten Showdown ist denn auch die Polizei überzeugt und Kate Brannigan kann sich demnächst dem nächsten Fall widmen.

Nun ist die taffe Privatdetektivin nicht die Erfindung der Autorin, doch mit Kate Brannigan ist ihr eine weitere wirklich vorzeigbare Privatschnüfflerin gelungen. Warum nun im ersten Fall keine Wirtschaftsfall geklärt wird, welcher zu Detektei der beiden Partner Mortensen & Brannigan ja durchaus  besser gepasst hätte, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht wurde vermutet, dass man mit Wirtschaftsverbrechen keine Leser gewinnt, dabei ist das mitnichten so. Aber sei es drum, denn die Autorin verbindet hier ja geschickt einen Vermisstenfall mit einem Mordfall und zeigt damit die volle Bandbreite von Kate Brannigans Können. Wenn ich das denn richtig gesehen habe, geht es denn dann auch im nächsten Fall „Luftgärten“ um einen Hypothekenschwindel und Brannigan kann zu ihrem Kerngeschäft zurückkehren. Ich persönlich freue mich schon sehr auf den nächsten Teil um die Privatschnüfflerin und werde die Serie sehr gerne weiterverfolgen.

Fazit:
Es sollte viel mehr Krimis mit Privatdetektivinnen geben, denn unerhörter weise gibt es hier noch einen deutlichen Männerüberhang. Dabei stehen die Schnüfflerinnen ihren männlichen Kollegen in nichts nach, genau wie Kate Brannigan. Gekonnt findet sie sich auch im fachfremden Vermissten- bzw. Mordfall zurecht und bietet eine spannende Ermittlung. Ein gelungener Auftakt der Serie, die sich gerne im nächsten Teil einem Wirtschaftsverbrechen widmen darf!

 



Val McDermid – Abgeblasen
Verlag: Knaur
Übersetzerin: Renate Orth-Guttmann
304 Seiten
ISBN: 978-3-426416754

 


 


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Blogkooperative Adventsspezial: Privatdetektive – gemeinsam mit Kaliber.17

Und wieder ist es mir eine große Freude, Euch heute die traditionelle Blogkooperative mit dem Team von Kaliber.17 anzukündigen. In den nächsten Tagen, bis kurz vor Weihnachten werden wir Euch mit Rezensionen zu Krimis mit Privatdetektiven beglücken. Los geht es am Samstag, den 08.12.2018.

Ich liebe PIs – Private Investigators, PrivatdetektivInnen. Es ist bestimmt schon aufgefallen, dass ich doch einige Krimireihen rund um Privatdetektive lese. Neben den klassischen Privatdetektiven Spade und Marlow bevölkern wirklich viele Privatdetektive die Krimilandschaft. Privatdetektive ermitteln anders als Polizisten. Sie haben offiziell weniger Möglichkeiten, doch inoffiziell viel mehr Möglichkeiten. Ihre Ansicht von Recht und Ordnung mag nicht mit dem von Polizisten übereinstimmen, doch ihre Moral und ihr Gerechtigkeitssinn sind immer einwandfrei. Oft sind es ehemalige PolizistInnen, die mit dem starren Regelwerk der Polizei nicht zurecht kommen oder durch andere Erlebnisse aus dem Polizeidienst ausgeschieden sind, aber nicht immer. Für mich sind Krimis um PrivatdetektivInnen meist immer spannender als „traditionelle“ Krimis um KommissarInnen.

Wolfgang Schorlau mit seinem Georg Dengler, Christine Lehmann mit ihrer Lisa Nerz, Lawrence Block mit seinem Matthew Scudder, Robert B. Parker mit seinem Spenser, Sara Gran mit ihrer Claire DeWitt und viele mehr – das sind alles Reihen um Privatdetektivinnen und -detektive, denen ich folge. Um das Spezial nun ein wenig spannender für mich und auch für Euch, meine lieben Leser, zu machen, habe ich mich entschlossen, neue Reihen auszuprobieren, abgesehen von einer Ausnahme. Das war tatsächlich eine Herausforderung, denn welche Reihen kenne ich noch nicht? Welche Reihen möchte ich gerne lesen? Und gibt es auch Standalones, die mir zusagen?

Was es denn nun für Krimis geworden sind? Seht selbst, denn hier ist die Liste der von uns gelesenen Bücher, in der Reihenfolge, in welcher wir die Rezensionen veröffentlichen werden:

08.12.18 Val McDermid – Abgeblasen (Kate Brannigan) (Die dunklen Felle)
09.12.18 Dorothy L. Sayers – Starkes Gift (Lord Peter Wimsey) (Kaliber.17)
10.12.18 Leo Malet – Makabre Machenschaften am Boul’Mich‘ (Leo Malet) (Die dunklen Felle)
12.12.18 Jakob Arjouni – Ein Mann ein Mord (Kemal Kayankaya) (Kaliber.17)
13.12.18 Deon Meyer – Tod vor Morgengrauen (Zatopek van Heerden) (Die dunklen Felle)
14.12.18 Jobst Schlennstedt – Lübeck im Visier (Simon Winter) (Kaliber.17)
16.12.18 Sara Paretsky – Kritische Masse (V.I. Warshawski) (Die dunklen Felle)
17.12.18 Dashiell Hammett – Der Malteser Falke (Sam Spade) (Kaliber.17)
18.12.18 Matti Rönkä – Der Grenzgänger (Viktor Kärppä) (Die dunklen Felle)
20.12.18 Dennis Lehane – Ein letzter Drink (Patrick Kenzie & Angela Gennaro) (Kaliber.17)
21.12.18 Mitra Devi – Das Kainszeichen (Nora Tabani) (Die dunklen Felle)
22.12.18 Arthur Conan Doyle – Eine Studie in Scharlachrot (Sherlock Holmes) (Kaliber.17)

So, und dann bleibt mir nur noch übrig, Euch viel Spaß mit unserem Spezial rund um Privatdetektivinnen und -detektive zu wünschen!


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30 Jahre Krimigeschichte: D. B. Blettenberg und seine Farang-Reihe

1988 – 2003 – 2018
Das sind die Jahreszahlen der drei Teile der Krimireihe um Farang, eigentlicher Name Surasak Meier, geschrieben von dem Autor D. B. Blettenberg. Nun war der Autor zwischen diesen Jahren nicht untätig, doch die Reihe um den thailändischen Ermittler mit deutsch-thailändischen Wurzeln umfasst trotz Ihrer 30 Jahre (bisher) nur drei Teile. Spontan fällt mir keine weitere Krimireihe ein, die mit so großem Abstand und nur drei Teilen aufwarten kann, schon gar nicht mit Schauplatz Thailand oder einem Eurasier als Protagonist. Ungewöhnlich, ja vielleicht sogar einzigartig.

Tatsächlich macht es mir der Autor nicht ganz einfach, einen Überblick der Reihe zu geben, darzustellen, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat. Bevor ich mit der Lektüre begonnen habe, war ganz klar Thailand in meinem Kopf. Wie sah Thailand Ende der 80er aus? Wie zu Beginn des neuen Jahrtausends? Was hat sich seitdem geändert und führte zum heutigen Thailand?
Ich bezeichne den Autor nun mal ganz frech als Weltenbummler – das kann man auch auf seiner Homepage gut nachlesen – denn auch wenn sein Figurenensemble konsistent bleibt, begibt er sich im zweiten Teil der Reihe „Berlin Fidschitown“ nach Deutschland und im dritten Teil der Reihe „Falken jagen“ nach Griechenland, da in beiden Teilen nur der Beginn der Geschichte in Thailand stattfindet. Doch „Farang“ hingegen spielt von der ersten bis zur letzten Seite in Thailand. Der Fokus des ersten Teils liegt auf der Einführung und Vorstellung der Protagonisten: Farang und Thailand.

Farang  […] ist der in Thailand übliche Begriff für Ausländer mit weißer Hautfarbe, d. h. Europäer sowie europäisch stämmige Amerikaner, Australier, Südafrikaner usw.“ (Quelle: Wikipedia)

(c) pixabay, AdenArdenrich

Im Laufe der Zeit verändert sich Farang. Während Farang im ersten Krimi noch jugendliche 28 Jahre ist, ist er im letzten erschienen Teil nun eben 30 Jahre älter. Farang ist Eurasier, sein Vater ein Westdeutscher, der seine thailändische Mutter auf einer Urlaubsreise schwängert. Natürlich bleibt sie allein zurück und erzieht ihren Sohn, bis sie durch ihren schlechten Lebenswandel, Prostitution und Drogen, stirbt. Farang fühlt sich als Thai, auch wenn er klar als Mischung aus Thai und Westeuropäer zu erkennen ist, so dass er den Namen Farang als seinen akzeptiert. Eigentlich heißt er Surasak Otrakul, das „Meier“ seines Vaters hat er mit etwas Geld kaufen müssen. Aber er kennt seinen Vater immerhin und er hat Deutsch gelernt.

„Ein kosmopolitischer Durchschnittstyp. […] So gesehen, war er ein hübsches Kerlchen.“ (Farang, S. 28)

In einem anderen Land würde man Farang vielleicht als Privatdetektiv beschreiben, doch in Thailand war er „Beschützer, Wachmann, Schnüffler und gehobener Schläger in Sonderfällen“ (Farang, S. 30), jedoch ohne Lizenz. Dafür hat er den General. General Watana ist Vaterfigur und Mentor in einem, zugleich oft ein Auftraggeber. Er hat Kontakte und vermittelt Farang Arbeit. Trotzdem ist der General sonderlich, akzeptiert er doch den Tod seiner Hauptfrau nicht und spricht von ihr als hätte sie sich nur kurz für ein Schläfchen hingelegt und desweiteren lebt er abgeschieden, umgeben von Papageien, Karpfen, einem Affen und seinem Bodyguard/Diener/Fahrer. Farang ist gut etabliert und führt einen gehobenen Lebensstil, Apartment und Mercedes inklusive. Dem General ist er dankbar, er gab ihm damals den ersten Auftrag und ermöglicht sein jetziges Leben. Und dann gibt es da noch Nit Apisuk, Farangs Freundin, Geliebte, große Liebe. Eine GoGo-Tänzerin, die Nummer eins im Super Star, ihrem Arbeitsplatz. Doch nur Tanzen, denn der Sex ist für Farang reserviert,  in ihrer „kleinen Patpong-Ehe“ (Farang, S. 57).

(c) pixabay, dariasophia

Und dann sind da ja noch seine zwei Freunde: Tony Rojana, ein Journalist, der sich trotz Familie, in waghalsige Ermittlungen stürzt und immer auf der Suche nach der Wahrheit ist. In einem Land, welches vor korrupten Polizisten nur so strotzt und in dem Schmiergeld zur Tagesordnung gehört, ist das nicht so einfach. Doch das Waffenlager in seinem Kofferraum macht es ihm leichter. Und dann ist da noch Bobby Quinn, ein Vietnam-Veteran. Eine Tunnelratte, einer, der damals von der Army dazu ausgebildet wurde, in den Tunneln den Vietcong aufzuspüren. Von Erfolg gekrönt war das nicht, doch Alpträume davon hat er heute noch.

Obwohl man im zweiten Teil „Berlin Fidschitown“ keine großen Änderungen aufgrund der vergangenen 15 Jahre findet, hat sich eine entscheidende Tatsache verändert: Nit ist gestorben. Sie ist aus dem GoGo-Geschäft ausgestiegen und hat eine kleine, aber gut gehende Suppenküche eröffnet, doch letztendlich starb sie kurz darauf an einem Virus. Dies geht Farang sehr nahe und er denkt sehr oft an Nit. Es macht ihn nachdenklich und melancholisch. Zwar scherzen seine Freunde, dass er eine neue Frau in seinem Leben braucht, aber er bleibt Nit treu. Das heißt nicht, dass er keinen Sex hat, aber eine Verbindung wie zu Nit findet er wohl nicht wieder.

Im bisher letzten und dritten Teil „Falken jagen“ ist Farang nicht mehr nur ein paar Jahre älter, sondern 30 Jahre älter

(c) pixabay, martojano

als im ersten Teil, dem ersten Fall, den der Leser miterleben darf und der eben auch vor 30 Jahren erschienen ist. Farangs Körperbau gehört nun nicht mehr ins Mittelgewicht, sondern hat an Umfang zugelegt, auch wenn er noch gut trainiert ist. Sein Haar ist noch vollständig, wenn auch mittlerweile angegraut. Farang ist nun zwar auch immer wieder noch in Bangkok zu finden, doch mittlerweile schätzt er die Ruhe des Dorflebens und hat sich in einem kleinen Dorf nahe von Satun eingerichtet. Hierher hat er sich zurückgezogen und einen lange gehegten Wunsch erfüllt: das Restaurant Zur fetten Ratte. Sein Lokal, in welchem eine Thai nicht nur, aber auch Gerichte aus Ratte kocht. „Ratten-Kebap. Geschnetzelte Ratte mit Frühlingszwiebeln und Ingwer. Gedünstetes Rattenfilet in Limonensoße mit grünem Spargel…“ (Berlin Fidschitown, S. 59).

Und Farang denkt viel an früher, immer noch an Nit, aber auch an seine Aufträge. Er kann es sich aber auch nicht aussuchen, denn nach und nach erlebt er in seinen Träumen seine früheren Aufträge. Einen nach dem anderen. So ganz weiß er nicht, was er davon halten soll, doch eins ist gewiss: er nähert sich dem Ende der Träume, denn viele Aufträge sind nicht mehr übrig. In dieser Situation befindet er sich, als Imelda, die Tochter von General Watana, der mittlerweile gestorben ist, ihn um Aufklärung des aktuellen Falles bittet, nun ja, eigentlich befiehlt. Zwar ist sie bei weitem nicht so weise und besonnen wie ihr Vater, doch sie hat seinen Platz eingenommen. Leider ohne die tierischen Begleiter im Garten und leider auch mit wenig Liebenswürdigkeit. Nichtsdestotrotz fühlt Farang sich dem General immer noch tief verbunden und ist ihm dankbar, so dass er auch der Tochter nichts abschlagen kann.

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Auch seine beiden „Kampfgefährten“ sind älter geworden. Tony Rojana schreibt noch immer für die Zeitung, doch mit weniger Zähnen. Aus Rücksicht auf seine Familie. So jagt er eben trotzdem immer noch den interessanten und gefährlichen Stories hinterher, doch mit mehr Bedacht und weniger Waffen. Bobby Quinn, der schon im zweiten Teil als Bodyguard von General Yod, einem Charakter aus dem ersten Teil, fungiert, beginnt den dritten Teil mit einem Urlaub in Vietnam. So makaber es ist, so wahr ist es: der Vietnamkrieg dient auch als Touristenattraktion. Bobby, damals involviert und beteiligt, begibt sich auf eine Reise in seine Vergangenheit, um die Albträume loszuwerden, die ihn seit damals heimsuchen. Er will Frieden schließen. Mit sich, mit Vietnam, mit den USA, mit der Vergangenheit. Doch eines vergisst er sicher nie: wie man sich in einem dunklen Tunnel zu Recht findet. Und das ist auch gut so, denn Farang setzt auf Bobby, wenn er eine Tunnelratte braucht.

Die drei Freunde treffen sich meistens und am liebsten in der Darling Bar in der Patpong Road. Das Bangkoker Nachtleben ist berühmt berüchtigt, die Darling Bar nimmt sich da nicht raus. Geführt von Ted Thatcher, genannt „Hitchcock“ gibt es dort Sportübertragungen, GoGo-Girls und Alkohol. Damit findet es sich auf der Patpong Road in guter Gesellschaft, zumindest zu Beginn der Krimireihe. Als der Eigentümer stirbt, übernehmen Tony Rojana und Bobby Quinn die Darling Bar, wobei Bobby eher als stiller Teilhaber fungiert. Doch seit der Übernahme sind die Girls abgeschafft, aber die Bar bietet immer noch sportliche Unterhaltung. Damit fügt sie sich auch in die Patpong Road, die heute nicht mehr das Zentrum des Bangkoker Nachtlebens ist.

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Und so wie sich die Darling Bar und die Patpong Road verändert hat, hat sich ganz Bangkok in den letzten 30 Jahren verändert. Während Farang es im ersten Teil der Reihe noch genießt, am Puls der Zeit zu leben, in einem Apartment, von welchem er einen Blick auf die Stadt hat, sich mit seinem Benz durch die Straßen bewegt, gelegentlich die Wasserstraßen nutzt, vor allem wenn er den General besucht, und die Annehmlichkeiten der Fülle an vorhandenen Essensständen und anderen Vergnüglichkeiten genießt, sehnt er sich im letzten Teil sein ruhiges Dorfleben zurück, als er Bangkok einen Besuch abstattet. Zu hektisch, zu voll, zu viele Änderungen. Offene, aber auch subtile Änderungen, doch keine davon gefällt Farang.

„Sie hatten jetzt sogar eine Hochbahn, die sie Skytrain nannten. Vermutlich, um dem himmlichen Image der Stadt der Engel gerecht zu werden. Und zu allem Überfluss gab es nun auch noch eine Untergrundbahn, die besser Unterwasserbahn als Metro geheißen hätte. Irgewann mussten sich die Tunnelbohrer gegen die Dammbauer durchgesetzt haben. Die schon immer hartnäckig verdrängte Furcht vor den alljährlichen Überschwemmungen, schien sich jedenfalls in Luft aufgelöst zu haben,…“ (Falken jagen, S. 24).

Und auch wenn Farang die Änderung, die Bangkok durchläuft, widerstrebt, ist es der normale Lauf der Dinge. Städte verändern sich im Laufe der Zeit, Menschen auch. Doch auch wenn Farang älter geworden ist, ist er noch keinesfalls alt. Und auch wenn er sich aufs Land zurückgezogen hat, gehört er keinesfalls zum alten Eisen. Er ist bedacht, aber das war er schon als junger Kerl. Ein Heißsporn war er noch nie und löst seine Aufträge lieber mit Köpfchen als mit Waffen, auch wenn er sich in seinen jungen Jahren als Boxer versucht hat und mit Waffen sehr gut umgehen kann. Es fühlt sich so an, als wäre er sesshaft geworden, auch wenn er vorher ja auch schon in Bangkok heimisch gewesen war, doch das heißt noch lange nicht, dass er nicht mehr im Geschäft ist. Da es Imelda, der Tochter von General Watana, jetzt gelungen ist, Farang nicht nur nach Bangkok, sondern sogar nach Griechenland zu locken, wird ihr das auch ein weiteres Mal gelingen, wenn… ja, wenn der Autor das möchte. Wann, bzw. ob überhaupt die Serie um Farang Meier fortgesetzt wird, steht vielleicht nicht in den Sternen, aber verbirgt sich noch in den Gedanken des Autors.

 


Die Farang-Reihe:


Die Beiträge der anderen Teilnehmer der Blogtour:
KeJas-Blogbuch – Rezension zu „Falken jagen“
Life4Books – Was reizt den Falken zu jagen?
Wortgestalt-Buchblog – Im Gespräch mit D. B. Blettenberg
LeckereKekse – Lesetagebuch


Verlosung:
Im Rahmen der Blogtour verlost der Pendragon Verlag drei Mal ein Exemplar von D. B. Blettenbergs „Falken jagen“. Um an der Verlosung teilzunehmen, müssen die TeilnehmerInnen ein Lösungswort bilden. Das Lösungswort findet sich in den fünf Blogbeiträgen zu der Tour. In jedem Beitrag findet sich ein fett gedruckter Buchstabe – das Lösungswort besteht also aus fünf Buchstaben.
Zur Teilnahme an der Verlosung muss das Lösungswort an presse@pendragon.de gesendet werden.

Die drei Gewinner werde aus allen Teilnehmern ausgelost. Nach der Auslosung werden die Gewinner per Mail benachrichtigt und um ihre Adressdaten gebeten. Die Adressdaten der Gewinner werden nur für den Versand benötigt und werden nicht an Dritte weitergegeben. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt Ihr euch mit diesen Bedingungen einverstanden.