Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Mord im Pfarrhaus – Agatha Christie

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9783455650075
Agatha Christie – Mord im Pfarrhaus
Verlag: Atlantik Verlag
Übersetzerin: Irmela Brender
272 Seiten
ISBN: 978-3455650075

 

 

 

Ein wenig geärgert habe ich mich schon. Da habe ich „Mord im Pfarrhaus“ für das Klassiker-Special ausgesucht, weil es der erste Miss Marple Krimi ist und dann – dann ist Miss Marple gar nicht die Protagonistin! Aber natürlich trotzdem unverzichtbar. Und eben ein guter Startpunkt für weitere Krimis mit der schrulligen alten Lady!

Im kleinen St. Mary Mead wird im Arbeitszimmer des Pfarrers der nicht sehr beliebte Colonel Protheroe ermordet. Da müssen die Klatschbasen des Ortes ganz schön stauen. Wissen sie sonst von allem, sind sie jetzt nur voll von Gerüchten, wer den Colonel auf dem Gewissen hat. Nicht so Miss Jane Marple, die schon mal 7 Verdächtige benennen kann, aber nicht wird. Pfarrer Clement, der den Fall gerne auflösen möchte, da der ermittelnden Kommissar nicht als der kompetenteste erscheint und er dem Ermordeten davor auch nicht das Beste gewünscht hat, fängt an zu ermitteln. Doch natürlich fehlt am Ende eines zur Auflösung: Miss Jane Marple!

„Ich weiß, in Büchern ist es immer die unwahrscheinlichste Person. Aber nach meiner Beobachtung trifft diese Regel nie auf das wirkliche Leben zu. So oft stimmt gerade das Naheliegende.“ (S. 209)

Ein verschlafenes Nest ist St. Mary Meads. Der Pfarrer ist ein Dreh- und Angelpunkt und der Blumenschmuck für die Kirche natürlich immens wichtig. Doch neben all der Verschlafenheit gibt es auch hier Intrigen und Heimlichkeiten, gute und schlechte Menschen und massenweise boshafte Zungen, die Gerüchte verbreiten. Ein typisches kleines Nest eben. Colonel Protheroe war ein Ekel und keiner konnte ihn leiden, doch wer hat ihn umgebracht?

Die Ermittlung wird von Kommissar Slack geleitet, der gleich mal dem Pfarrer auf den Schlips tritt, so dass dieser ermittelt. Ist sowieso das Beste, denn bei Pfarrer Clement und seiner jungen Frau laufen irgendwie alle Informationen zusammen. Auch die Klatschbasen des Örtchens, nebst Miss Marple, flanieren durchs pfarrhäusliche Wohnzimmer. Da Miss Marple nebenan wohnt, ist sie auch gut versorgt mit Informationen und hat vor allem auch einiges gesehen und gehört als der Mord passierte. Im Gegensatz zu den restlichen alten Damen ist sie zwar auch an Klatsch und Tratsch interessiert und unheimlich neugierig, weiß aber durchaus Gerücht von Wahrheit zu trennen und neigt nicht zum Klatsch, sondern zu durchdachten Schlussfolgerungen. Der Pfarrer, der bald heillos mit dem Fall überfordert ist und nicht so recht aus manchen Informationen schlau wird – auch wenn er sich redlich Mühe gibt – holt sich dann doch irgendwann Miss Marple zu Hilfe.

Ja, ein wenig beschaulich ist der Krimi schon. Schließlich befinden wir uns in einem englischen Dörfchen, auch wenn hier ein Mord passiert ist (den übrigens niemand bedauert). Überhaupt scheint mir der Beruf des Pfarrers immer ein sehr beschaulicher zu sein (jedenfalls in Krimis und die Zeit mag wohl auch damit zusammen hängen). Da macht man Hausbesuche oder hat das Kirchenkomitee zum Kaffee geladen und am Sonntag hält man dann seine Predigt. Der Mord ändert daran nicht viel – nur das Gesprächsthema.

Es ist eine klassische Ermittlung, die uns Agatha Christie aus Sicht des Pfarrers miterleben lässt. Man hat auch keine anderen Einblicke und immer nur so viel Wissen wie der Pfarrer, so dass man als Leser schön mit rätseln kann. Der Pfarrer ist dabei nicht immer die treibende Kraft, denn vieles wird ihm einfach zugetragen, aber irgendwann packt es ihn vollständig und er will jetzt dann wissen, wer es war. Letztendlich braucht er dazu aber doch die Hilfe von Miss Jane Marple!

Fazit:
Ein klassischer Whodunit rund um Pfarrer Clement im beschaulichen St. Mary Meads, der aber (zum Glück) nicht ohne Miss Jane Marple auskommt!

 

Dies und Das über Agatha Christie
Krimis von Agatha Christie sind die meist verkauften Bücher – nach der Bibel. So ist es nicht verwunderlich, dass das Interesse an der Person Agatha Christie nicht nachgelassen hat. Immer wieder wenn ich etwas über sie lese, knoble ich am meisten an ihrem Verschwinden. 1926 verschwindet die „Queen of Crime“ für 10 Tage spurlos. Das Auto wurde an einem Abhang gefunden, Agatha Christie jedoch nicht. Eine riesige Suchaktion folgte, bis sie wohlbehalten und quietschfidel in einem Hotel in Harrogate erkannt wurde. Vermutlich die Aktion einer verletzten Ehefrau, deren Mann ihr gerade eröffnet hatte, dass er sich wegen einer anderen von ihr scheiden lassen wollte. Offiziell flüchtete sich Ms. Christie in eine vorübergehende Amnesie. Wer aber Lust daran hat, eine spannendere Auflösung des Rätsels um Agatha Christies Verschwinden kennenzulernen, dem sei die Episode „Das Einhorn und die Wespe“ der 4. Staffel von Doktor Who empfohlen – da gibt es die wahre Auflösung. 😀

 

Herzlichen Dank an den Atlantik Verlag für die Bereitstellung des Krimis.

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2 thoughts on “Mord im Pfarrhaus – Agatha Christie

  1. Agatha Christie und Miss Marple haben mich in meiner Jugend eine ganze Zeit lang begleitet. Ein wirklich toller Klassiker.

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