Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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30 Jahre Krimigeschichte: D. B. Blettenberg und seine Farang-Reihe

1988 – 2003 – 2018
Das sind die Jahreszahlen der drei Teile der Krimireihe um Farang, eigentlicher Name Surasak Meier, geschrieben von dem Autor D. B. Blettenberg. Nun war der Autor zwischen diesen Jahren nicht untätig, doch die Reihe um den thailändischen Ermittler mit deutsch-thailändischen Wurzeln umfasst trotz Ihrer 30 Jahre (bisher) nur drei Teile. Spontan fällt mir keine weitere Krimireihe ein, die mit so großem Abstand und nur drei Teilen aufwarten kann, schon gar nicht mit Schauplatz Thailand oder einem Eurasier als Protagonist. Ungewöhnlich, ja vielleicht sogar einzigartig.

Tatsächlich macht es mir der Autor nicht ganz einfach, einen Überblick der Reihe zu geben, darzustellen, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat. Bevor ich mit der Lektüre begonnen habe, war ganz klar Thailand in meinem Kopf. Wie sah Thailand Ende der 80er aus? Wie zu Beginn des neuen Jahrtausends? Was hat sich seitdem geändert und führte zum heutigen Thailand?
Ich bezeichne den Autor nun mal ganz frech als Weltenbummler – das kann man auch auf seiner Homepage gut nachlesen – denn auch wenn sein Figurenensemble konsistent bleibt, begibt er sich im zweiten Teil der Reihe „Berlin Fidschitown“ nach Deutschland und im dritten Teil der Reihe „Falken jagen“ nach Griechenland, da in beiden Teilen nur der Beginn der Geschichte in Thailand stattfindet. Doch „Farang“ hingegen spielt von der ersten bis zur letzten Seite in Thailand. Der Fokus des ersten Teils liegt auf der Einführung und Vorstellung der Protagonisten: Farang und Thailand.

Farang  […] ist der in Thailand übliche Begriff für Ausländer mit weißer Hautfarbe, d. h. Europäer sowie europäisch stämmige Amerikaner, Australier, Südafrikaner usw.“ (Quelle: Wikipedia)

(c) pixabay, AdenArdenrich

Im Laufe der Zeit verändert sich Farang. Während Farang im ersten Krimi noch jugendliche 28 Jahre ist, ist er im letzten erschienen Teil nun eben 30 Jahre älter. Farang ist Eurasier, sein Vater ein Westdeutscher, der seine thailändische Mutter auf einer Urlaubsreise schwängert. Natürlich bleibt sie allein zurück und erzieht ihren Sohn, bis sie durch ihren schlechten Lebenswandel, Prostitution und Drogen, stirbt. Farang fühlt sich als Thai, auch wenn er klar als Mischung aus Thai und Westeuropäer zu erkennen ist, so dass er den Namen Farang als seinen akzeptiert. Eigentlich heißt er Surasak Otrakul, das „Meier“ seines Vaters hat er mit etwas Geld kaufen müssen. Aber er kennt seinen Vater immerhin und er hat Deutsch gelernt.

„Ein kosmopolitischer Durchschnittstyp. […] So gesehen, war er ein hübsches Kerlchen.“ (Farang, S. 28)

In einem anderen Land würde man Farang vielleicht als Privatdetektiv beschreiben, doch in Thailand war er „Beschützer, Wachmann, Schnüffler und gehobener Schläger in Sonderfällen“ (Farang, S. 30), jedoch ohne Lizenz. Dafür hat er den General. General Watana ist Vaterfigur und Mentor in einem, zugleich oft ein Auftraggeber. Er hat Kontakte und vermittelt Farang Arbeit. Trotzdem ist der General sonderlich, akzeptiert er doch den Tod seiner Hauptfrau nicht und spricht von ihr als hätte sie sich nur kurz für ein Schläfchen hingelegt und desweiteren lebt er abgeschieden, umgeben von Papageien, Karpfen, einem Affen und seinem Bodyguard/Diener/Fahrer. Farang ist gut etabliert und führt einen gehobenen Lebensstil, Apartment und Mercedes inklusive. Dem General ist er dankbar, er gab ihm damals den ersten Auftrag und ermöglicht sein jetziges Leben. Und dann gibt es da noch Nit Apisuk, Farangs Freundin, Geliebte, große Liebe. Eine GoGo-Tänzerin, die Nummer eins im Super Star, ihrem Arbeitsplatz. Doch nur Tanzen, denn der Sex ist für Farang reserviert,  in ihrer „kleinen Patpong-Ehe“ (Farang, S. 57).

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Und dann sind da ja noch seine zwei Freunde: Tony Rojana, ein Journalist, der sich trotz Familie, in waghalsige Ermittlungen stürzt und immer auf der Suche nach der Wahrheit ist. In einem Land, welches vor korrupten Polizisten nur so strotzt und in dem Schmiergeld zur Tagesordnung gehört, ist das nicht so einfach. Doch das Waffenlager in seinem Kofferraum macht es ihm leichter. Und dann ist da noch Bobby Quinn, ein Vietnam-Veteran. Eine Tunnelratte, einer, der damals von der Army dazu ausgebildet wurde, in den Tunneln den Vietcong aufzuspüren. Von Erfolg gekrönt war das nicht, doch Alpträume davon hat er heute noch.

Obwohl man im zweiten Teil „Berlin Fidschitown“ keine großen Änderungen aufgrund der vergangenen 15 Jahre findet, hat sich eine entscheidende Tatsache verändert: Nit ist gestorben. Sie ist aus dem GoGo-Geschäft ausgestiegen und hat eine kleine, aber gut gehende Suppenküche eröffnet, doch letztendlich starb sie kurz darauf an einem Virus. Dies geht Farang sehr nahe und er denkt sehr oft an Nit. Es macht ihn nachdenklich und melancholisch. Zwar scherzen seine Freunde, dass er eine neue Frau in seinem Leben braucht, aber er bleibt Nit treu. Das heißt nicht, dass er keinen Sex hat, aber eine Verbindung wie zu Nit findet er wohl nicht wieder.

Im bisher letzten und dritten Teil „Falken jagen“ ist Farang nicht mehr nur ein paar Jahre älter, sondern 30 Jahre älter

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als im ersten Teil, dem ersten Fall, den der Leser miterleben darf und der eben auch vor 30 Jahren erschienen ist. Farangs Körperbau gehört nun nicht mehr ins Mittelgewicht, sondern hat an Umfang zugelegt, auch wenn er noch gut trainiert ist. Sein Haar ist noch vollständig, wenn auch mittlerweile angegraut. Farang ist nun zwar auch immer wieder noch in Bangkok zu finden, doch mittlerweile schätzt er die Ruhe des Dorflebens und hat sich in einem kleinen Dorf nahe von Satun eingerichtet. Hierher hat er sich zurückgezogen und einen lange gehegten Wunsch erfüllt: das Restaurant Zur fetten Ratte. Sein Lokal, in welchem eine Thai nicht nur, aber auch Gerichte aus Ratte kocht. „Ratten-Kebap. Geschnetzelte Ratte mit Frühlingszwiebeln und Ingwer. Gedünstetes Rattenfilet in Limonensoße mit grünem Spargel…“ (Berlin Fidschitown, S. 59).

Und Farang denkt viel an früher, immer noch an Nit, aber auch an seine Aufträge. Er kann es sich aber auch nicht aussuchen, denn nach und nach erlebt er in seinen Träumen seine früheren Aufträge. Einen nach dem anderen. So ganz weiß er nicht, was er davon halten soll, doch eins ist gewiss: er nähert sich dem Ende der Träume, denn viele Aufträge sind nicht mehr übrig. In dieser Situation befindet er sich, als Imelda, die Tochter von General Watana, der mittlerweile gestorben ist, ihn um Aufklärung des aktuellen Falles bittet, nun ja, eigentlich befiehlt. Zwar ist sie bei weitem nicht so weise und besonnen wie ihr Vater, doch sie hat seinen Platz eingenommen. Leider ohne die tierischen Begleiter im Garten und leider auch mit wenig Liebenswürdigkeit. Nichtsdestotrotz fühlt Farang sich dem General immer noch tief verbunden und ist ihm dankbar, so dass er auch der Tochter nichts abschlagen kann.

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Auch seine beiden „Kampfgefährten“ sind älter geworden. Tony Rojana schreibt noch immer für die Zeitung, doch mit weniger Zähnen. Aus Rücksicht auf seine Familie. So jagt er eben trotzdem immer noch den interessanten und gefährlichen Stories hinterher, doch mit mehr Bedacht und weniger Waffen. Bobby Quinn, der schon im zweiten Teil als Bodyguard von General Yod, einem Charakter aus dem ersten Teil, fungiert, beginnt den dritten Teil mit einem Urlaub in Vietnam. So makaber es ist, so wahr ist es: der Vietnamkrieg dient auch als Touristenattraktion. Bobby, damals involviert und beteiligt, begibt sich auf eine Reise in seine Vergangenheit, um die Albträume loszuwerden, die ihn seit damals heimsuchen. Er will Frieden schließen. Mit sich, mit Vietnam, mit den USA, mit der Vergangenheit. Doch eines vergisst er sicher nie: wie man sich in einem dunklen Tunnel zu Recht findet. Und das ist auch gut so, denn Farang setzt auf Bobby, wenn er eine Tunnelratte braucht.

Die drei Freunde treffen sich meistens und am liebsten in der Darling Bar in der Patpong Road. Das Bangkoker Nachtleben ist berühmt berüchtigt, die Darling Bar nimmt sich da nicht raus. Geführt von Ted Thatcher, genannt „Hitchcock“ gibt es dort Sportübertragungen, GoGo-Girls und Alkohol. Damit findet es sich auf der Patpong Road in guter Gesellschaft, zumindest zu Beginn der Krimireihe. Als der Eigentümer stirbt, übernehmen Tony Rojana und Bobby Quinn die Darling Bar, wobei Bobby eher als stiller Teilhaber fungiert. Doch seit der Übernahme sind die Girls abgeschafft, aber die Bar bietet immer noch sportliche Unterhaltung. Damit fügt sie sich auch in die Patpong Road, die heute nicht mehr das Zentrum des Bangkoker Nachtlebens ist.

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Und so wie sich die Darling Bar und die Patpong Road verändert hat, hat sich ganz Bangkok in den letzten 30 Jahren verändert. Während Farang es im ersten Teil der Reihe noch genießt, am Puls der Zeit zu leben, in einem Apartment, von welchem er einen Blick auf die Stadt hat, sich mit seinem Benz durch die Straßen bewegt, gelegentlich die Wasserstraßen nutzt, vor allem wenn er den General besucht, und die Annehmlichkeiten der Fülle an vorhandenen Essensständen und anderen Vergnüglichkeiten genießt, sehnt er sich im letzten Teil sein ruhiges Dorfleben zurück, als er Bangkok einen Besuch abstattet. Zu hektisch, zu voll, zu viele Änderungen. Offene, aber auch subtile Änderungen, doch keine davon gefällt Farang.

„Sie hatten jetzt sogar eine Hochbahn, die sie Skytrain nannten. Vermutlich, um dem himmlichen Image der Stadt der Engel gerecht zu werden. Und zu allem Überfluss gab es nun auch noch eine Untergrundbahn, die besser Unterwasserbahn als Metro geheißen hätte. Irgewann mussten sich die Tunnelbohrer gegen die Dammbauer durchgesetzt haben. Die schon immer hartnäckig verdrängte Furcht vor den alljährlichen Überschwemmungen, schien sich jedenfalls in Luft aufgelöst zu haben,…“ (Falken jagen, S. 24).

Und auch wenn Farang die Änderung, die Bangkok durchläuft, widerstrebt, ist es der normale Lauf der Dinge. Städte verändern sich im Laufe der Zeit, Menschen auch. Doch auch wenn Farang älter geworden ist, ist er noch keinesfalls alt. Und auch wenn er sich aufs Land zurückgezogen hat, gehört er keinesfalls zum alten Eisen. Er ist bedacht, aber das war er schon als junger Kerl. Ein Heißsporn war er noch nie und löst seine Aufträge lieber mit Köpfchen als mit Waffen, auch wenn er sich in seinen jungen Jahren als Boxer versucht hat und mit Waffen sehr gut umgehen kann. Es fühlt sich so an, als wäre er sesshaft geworden, auch wenn er vorher ja auch schon in Bangkok heimisch gewesen war, doch das heißt noch lange nicht, dass er nicht mehr im Geschäft ist. Da es Imelda, der Tochter von General Watana, jetzt gelungen ist, Farang nicht nur nach Bangkok, sondern sogar nach Griechenland zu locken, wird ihr das auch ein weiteres Mal gelingen, wenn… ja, wenn der Autor das möchte. Wann, bzw. ob überhaupt die Serie um Farang Meier fortgesetzt wird, steht vielleicht nicht in den Sternen, aber verbirgt sich noch in den Gedanken des Autors.

 


Die Farang-Reihe:


Die Beiträge der anderen Teilnehmer der Blogtour:
KeJas-Blogbuch – Rezension zu „Falken jagen“
Life4Books – Was reizt den Falken zu jagen?
Wortgestalt-Buchblog – Im Gespräch mit D. B. Blettenberg
LeckereKekse – Lesetagebuch


Verlosung:
Im Rahmen der Blogtour verlost der Pendragon Verlag drei Mal ein Exemplar von D. B. Blettenbergs „Falken jagen“. Um an der Verlosung teilzunehmen, müssen die TeilnehmerInnen ein Lösungswort bilden. Das Lösungswort findet sich in den fünf Blogbeiträgen zu der Tour. In jedem Beitrag findet sich ein fett gedruckter Buchstabe – das Lösungswort besteht also aus fünf Buchstaben.
Zur Teilnahme an der Verlosung muss das Lösungswort an presse@pendragon.de gesendet werden.

Die drei Gewinner werde aus allen Teilnehmern ausgelost. Nach der Auslosung werden die Gewinner per Mail benachrichtigt und um ihre Adressdaten gebeten. Die Adressdaten der Gewinner werden nur für den Versand benötigt und werden nicht an Dritte weitergegeben. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt Ihr euch mit diesen Bedingungen einverstanden.