Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Irgendwie untypisch: Der Code – Fredrik T. Olsson

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Fredrik T. Olsson – Der Code
Verlag: Piper
518 Seiten
ISBN: 978-3492056397
16,99 €

 

 

 

 

Ein „umwerfender“ (Zitat von Tokel Lindquist – wer auch immer das ist) Thriller aus Schweden – Thriller aus Schweden? Echt? Ich dachte, da gibt es nur Krimis. Mitunter gute Krimis, keine Frage, aber ein Thriller? Tja, man hat so mitunter mal Probleme, wenn man ein Genre nicht so ganz in einem Land verorten kann. Thriller, in der Art wie „Der Code“, kommen doch meist aus den USA. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass „Der Code“ zwar einen schwedischen Protagonisten hat, doch an sich recht amerikanisch daher kommt.

William Sandberg, ein aussortierter, geschiedener Kryptologe liegt nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus, als er entführt wird. In einem Schloss, in einem unbekannten Land, hält man ihn fest. Allerdings nicht unbequem – großes Zimmer, reichhaltiges Frühstück – und doch erwartet man von ihm, einen Code zu knacken. William, der zwar störrisch aufgrund der Entführung ist, beginnt sich für den Code zu interessieren, denn schließlich ist das sein Fachgebiet, der Inhalt seines Lebens. Unterstützung bekommt er hierbei von der niederländischen Archäologiewissenschaftlerin Janine Haynes, derweil seine Exfrau, eine Journalistin, verzweifelt nach ihm sucht.

Ja, an William Sandberg muss man sich als Leser erst mal gewöhnen. Ein selbstmordgefährdeter Held ist doch ein wenig eigenartig und als Leser sträubt man sich dann doch gegen seine doch recht schnelle ‚Umprogrammierung‘. Ja, schon klar, er vermisst das Knacken der Codes und fühlt sich am Ort der Entführung eigentlich recht wohl. Doch letztendlich muss ihm doch klar sein, dass er danach (nach der Lösung – falls es gelöst wird) wieder vor dem gleichen Problem steht. Und der Autor schreibt es zwar nicht explizit, aber er deutet an, dass William sein eigenes Projekt beendet. Nun ja, ich bin ja für den Tod von Protagonisten, zumindest ab und an – nicht alles muss man zur Serie verarbeiten – doch bei diesem hier frage ich mich schon, warum überhaupt noch den Code knacken?

Nun ja, da sind ja noch die andere Wissenschaftlerin und Williams Exfrau inklusive ihrem Studenten/Praktikanten. Auch hier überleben nicht alle und ich muss schon sagen, dass der Autor mich mit der Dichte der Tode seiner eigentlichen Hauptfiguren doch überrascht hat. Nichtsdestotrotz sind am Ende natürlich noch welche übrig, keine Sorge. Janine Haynes ist schon länger als William entführt und hat sich einige Privilegien ‚ergaunert‘. Nichtsdestotrotz erscheint es mir unglaubwürdig, dass sie schon ein halbes Jahr in dem Schloss ist und nicht mit ihrer Flucht vorankommt, sondern dies erst gelingt, als William auch auf dem Schloss ist, obwohl er effektiv nichts dazu beiträgt, sondern eher eine Last ist.

Die Handlung hat mich zuerst stark an „Das Nostradamus Testament“ von Tom Egeland erinnert, doch das ändert sich ziemlich schnell. Derweil Egelands Thriller eher ein Abenteuerroman mit geistiger Ebene ist, ist „Der Code“ definitiv ein Actionthriller: Epidemie, Flugzeugabstürze, in die Luft gesprengte Krankenhäuser und noch vieles mehr. Unglaublich viel Action, die man auf den ersten Blick gar nicht vermutet. Die Action ist auch eher abseits des Haupthandlungsstrangs zu finden.

Denn auf dem Schloss geht es eher gemächlich zu, abgesehen von einigen Streitgesprächen und ein paar Fluchtversuchen. Das liegt vor allem an der „Organisation“. Die ist mir sehr suspekt. Nicht weil sie natürlich superduper geheim ist und total gut organisiert und alle Regierungen davon wissen und sie im geheimen unterstützen, sondern weil die beiden Befehlshaber so fürchterlich verständnisvoll und nett sind. Bäh! Sollten das nicht eigentlich knallharte Arschlöcher sein, die für eine Organisation mit drei Buchstaben arbeiten und über Leichen gehen? Ach halt, das ist ja die amerikanische Variante. In der schwedischen sind es dann eben menschlich nahe und nur mäßig durchgreifende Typen. Sogar der Schlägertyp vom Wachschutz ist nett. Brrr! Und doch muss ich anerkennen, dass dies so herrlich nicht das Klischee bedient, dass es schon fast wieder gut ist. Überhaupt ist Herr Olsson in seinen Charakteren herrlich untypisch und in (fast) keinem Klischee zu finden. Für einen Thriller dieser Art doch eher ungewöhnlich.

Der Code? Ja, hier möchte ich nicht zuviel verraten. Über die DNA der Menschheit wird ja schon im Klappentext gesprochen, die Herkunft wird heiß diskutiert, aber der Autor lässt diese Frage offen. So ganz habe ich die Übersetzungsorgie nicht verstanden. Also erst übersetzt man es in Keilschrift und dann wieder in Zahlen und dann? Und wenn dort die Geschichte der Menschheit enthalten ist, wer hat die dort reingeschrieben? Ach ja…. Irgendwie schon klar, dass es keine Lösung gibt, aber doch hätte ich gerne eine. Sandbergs Schlussfolgerung ist dann allerdings recht überraschend und ich hätte gerne gesehen, was die anderen DNAs noch so aussagen. ;-)

Fazit:
Spannend und mit viel Action, allerdings mit gewöhnungsbedürftigen Charakteren und einigen unlogischen und/oder nicht gelösten Wendungen bzw. Schlussfolgerungen.

3 und ein halbes Schaf


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Lesetipp mit kombinierter Meinungsschau: Der Fledermausmann – Jo Nesbø

Ja, es gab schon lange keinen Lesetipp mehr. Und jetzt habe ich mich entschlossen, ein Buch als Lesetipp vorzustellen, dass vermutlich schon viele kennen. Es geht um „Der Fledermausmann“ von Jo Nesbø.

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Jo Nesbø – Der Fledermausmann
Verlag: Ullstein
415 Seiten
ISBN: 978-3548253640
8,95 €
Inhalt: Harry Hole, der unkonventionelle Kommissar aus Oslo, wird nach Sydney geschickt, wo er den Mord an einer jungen Norwegerin aufklären soll. Gemeinsam mit seinem australischen Kollegen, dem Aborigine Andrew, nimmt er die Ermittlungen auf. Schon bald müssen sie feststellen, daß es sich nicht um einen Einzelfall handelt: Ein Serienmörder tötet scheinbar willkürlich junge weiße Frauen.

 

Ich habe das Buch vor ein, zwei Wochen gelesen und es hat mir recht gut gefallen. Zugegebenermaßen war ich überrascht einen norwegischen Kommissar in Australien in Aktion zu erleben, doch die Überraschung war positiv. Dies ist ja der erste Teil der Harry Hole Reihe und ich denke, es ist ein wichtiger Teil, denn man erfährt ziemlich viel privates über Harry Hole. Der Fall und die Charaktere, allen voran Harry Hole, waren sehr gut ausgearbeitet und ich denke, es wird nicht mein letzter Teil von ihm gewesen sein. Kennt ihr die Harry Hole Reihe und wie gefällt Euch diese? Lohnt es sich, die Serie weiterzuverfolgen?

Nun ist das ja aber schon ein älteres Buch und ich habe mir Gedanken gemacht, ob ihr, meine Leser, überhaupt eine Rezension über ein „uraltes“ Buch lesen wollt oder ob ihr nur oder zumindest hauptsächlich an Neuerscheinungen bzw. relativ neuen Bücher (sagen wir mal der letzten zwei, drei Jahre) interessiert seid. Auch in der Bloggerwelt stelle ich gerade eine Entschleunigung fest. Nicht so viele Neuerscheinungen, sondern auch mal im letzten Jahr nach guten Büchern kruschteln. Ich denke, dass ich das eigentlich schon hin und wieder gemacht habe, aber da ist definitiv noch mehr drin – mein SUB ist gefühlt gigantisch und nach 20 Jahren Lesen mitunter auch entsprechend alt. Aber ich möchte natürlich auch, dass Ihr als Leser Euch bei mir wohlfühlt. Aus dem Grund habe ich mich jetzt erstmal für einen Lesetipp entschieden, aber ich freue mich über Feedback.
Nur Neues auf dem Blog, gemischt aus den letzten 3 Jahren oder auch hin und wieder mal einen Oldie?


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Selbstfindungstrip: Vaters unbekanntes Land – Bernhard Stäber

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Bernhard Stäber – Vaters unbekanntes Land
Verlag: Egmont LYX
403 Seiten
ISBN: 978-3802595790
9,99 €

 

 

 

 

Das Buch habe ich schon vor zwei Wochen ausgelesen und ich versuche zwar immer zeitig die Rezensionen zu verfassen, doch manchmal ist es ganz gut, wenn ich das nicht tue. Das zwingt mich, intensiv darüber nachzudenken, was mir von dem Buch eigentlich in Erinnerung geblieben ist und warum das so ist.

In dem Krimi nimmt sich Psychologe Arne Eriksen eine Auszeit, nachdem er zwei Patienten verloren hat und nur knapp dem Tod entronnen ist. Er fährt von Berlin nach Norwegen, der Heimat seines Vaters. Schon nach kurzer Zeit begegnet er der Kommissarin Kari Bergland, die ihn um Mithilfe bittet, da die andern norwegischen Psychologen unabkömmlich sind. Der Sohn eines berühmten Verlegers wurde ermordet und verstümmelt aufgefunden – nun ja, erst der Kopf und später der Rest. Doch Kari stellt eine Bedingung: Arne muss sich gleichzeitig in Therapie begeben, damit sie sich in der Ermittlung auf ihn verlassen kann.

Und das ist eigentlich auch schon der Punkt in dem Buch, der mich stört. Ein großer Teil der Handlung dreht sich darum, wie Arne therapiert wird und sich selbst findet. Übrigens nicht beim Kollegen um die Ecke, sondern einige Flugstunden entfernt in einem samischen Zelt und mit Wunderkräutern, die ihm Halluzinationen bescheren. Die Ermittlung gerät stellenweise in den Hintergrund und bei einer der wenigen – und natürlich unter Druck stehenden – Mordermittlungen in der norwegischen Einöde ist es anscheinend kein Problem den einzigen Psychologen mit Erfahrung in der Analyse von Straftätern für einige Tage auf einen Selbstfindungstrip zu schicken. Das erscheint mir einfach unglaubwürdig. Und das ist richtig schade, denn sowohl die Charaktere als auch die Handlung sind recht gut gelungen.

Arne Eriksen ist ein gespaltener Mann. Durch den tragischen Schicksalsschlag, den er erleben musste, leidet er an Panikattacken, die sein Leben aus der Bahn werfen. Um zur Ruhe zu kommen, will er sich in die norwegische Einsamkeit zurückziehen. Leider gelingt ihm das nur spärlich, da er durch den Tramper Frode, den er aufsammelt, alsbald Kari kennenlernt und sich von ihr überreden lässt, an der Ermittlung teilzunehmen. Natürlich packt ihn der Fall und so willigt er in die Bedingung ein. Dabei ist er bei der Ermittlung gut aufgehoben – auch wenn das nicht alle Kollegen so sehen. Nicht nur psychologisches Fachwissen bringt er mit, sondern auch Geschichtswissen, dass ihn letztendlich hinter das Motiv des Täters blicken lässt.

Die Motivation ist die recht übliche Mischung aus Eifersucht und Rache, die sich allerdings in einem wahnsinnigen und perfiden Geist zu einer Tragödie gesteigert haben. Jede Aktion des Täters hat für ihn eine Bedeutung, doch ist natürlich für das Ermittlerteam gar nicht oder nur schwer zu erkennen. Nach und nach fügen sich einige Puzzleteile zusammen und führen zu einer Geschichte, die schon lange zurückliegt und wie meist unter den Teppich gekehrt wurde. Eriksen kann nicht nur den entscheidenden Hinweis liefern, sondern begibt sich gemeinsam mit Frode natürlich mitten in einen dramatischen Showdown, der aber natürlich – und leider – glücklich endet. Ich weiß, Autoren mit Serien sind auf der sicheren Seite, doch auch hier plädiere ich mal wieder für mehr Mut zum Protagonistentod. Doch schon im Anhang wird darauf verwiesen, dass dies eine Serie wird und weitere Teile beim Lyx Verlag in Vorbereitung sind.

Fazit:
Arne Eriksen ist ein Held mit Ecken und Kanten, der in eine spannende Ermittlung rutscht. Auch wenn die Selbstfindung in normalen Therapiesitzungen für mich glaubwürdiger gewesen wäre und nicht unbedingt in dieser melodramatischen Art hätte sein müssen, hat es mir Spaß gemacht, den Krimi zu lesen. Vielleicht geht es ja im nächsten Teil mehr um Mord und weniger um Selbstfindung. Von mir gibt es 3 Schafe – mit dem Potential zu mehr im nächsten Teil.

3 Schafe


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Neues im Regal / 28.10.2014

Es sind mal wieder ein paar Bücher in mein Regal eingezogen. Die beiden Krimis von Katrin Rodeit habe ich bei einem Gewinnspiel von den beiden Blogs bookwives und Claudias Bücherregal gewonnen. Die beiden anderen sind gerade erschienen – und schon in meinem Regal. Und hier sind sie nun:

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Daniel Suarez – Control
Yrsa Sigurdardottir – Nebelmord
Katrin Rodeit – Mein wirst du sein
Katrin Rodeit – Gefährlicher Rausch


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Totenleuchten – Klara Nordin

9783462046939
Klara Nordin – Totenleuchten
328 Seiten
ISBN: 978-3462046939
9,99 €

 

 

 

 

Vorab:
Für mich gibt es jetzt erstmal eine skandinavische Pause. Ich habe schon während dem Lesen gemerkt, dass ich grad keine Lust habe auf nordische Krimis und ich hoffe, ich habe das nicht allzu sehr in die Bewertung einfließen lassen. Denn, das Buch ist zwar nicht der Spitzentitel des Jahres, aber eben auch nicht schlecht.

Meine Meinung:
Lappland, tiefer, tiefer Schnee, samische Kultur – ich war richtig gespannt auf Klara Nordins „Totenleuchten“. Der Krimi liest sich so schwupps in einem weg und doch hab ich für die etwas mehr als 300 Seiten recht lange gebraucht. Der Schreibstil war völlig in Ordnung und Spannung war auch vorhanden, doch manchmal war der Krimi einfach zu sehr beschaulich. Sehr schön fand ich die Karte, die der Verlag auf den inneren Buchdeckel gedruckt hat – so hatte man eine ungefähre Vorstellung wo was liegt und von welchen Entfernungen gesprochen wurde.

Einen Krimi aus Lappland habe ich noch nicht gelesen und demnach habe ich mich nicht nur auf die Schneemassen sondern auch auf die samische Kultur gefreut. Julla, eine Journalistin, die eine Serie über die samische Medizin schreiben will und sich bei einer Freundin in Jokkmokk einquartiert, verspricht auch viel Einblick in die Kultur. Und ja, es gibt Einblicke. Jokkmokk feiert sein Winterfest in der Zeit, in der der Krimi spielt. Mit viel samischer Kultur, Gegenständen und Bräuchen. Das Fest ist sehr beliebt bei Touristen und demnach gibt es z. B. Kurse im Joiken (sowas wie Jodeln) und Hundeschlittenfahrten. Die samische Kultur ist komplett in die Nebenhandlung und das Dorfleben eingebaut – der Kriminalfall hat so gar nichts mit der samischen Kultur zu tun. Vielleicht ist das auch der Grund, warum bei mir davon nicht viel haften geblieben ist. Auch Julla, die ich in der Leseprobe als Protagonistin neben den Ermittlern gesehen habe, ist danach nur noch selten gefragt.

Das Ermittlerteam finde ich sehr spannend. Vor allem weil es ein Trio ist und demnach mal kein Paar, aber auch aus anderen Gründen. Zum einen gibt es Linda Lundin, die aus Südschweden nach Lappland zieht und dort sofort bei den Mordermittlungen helfen soll. Allerdings baut sie erstmal einen Unfall und muss den Beginn der Ermittlungen Margareta und Bengt überlassen, zwei Polizisten, die eher den Verkehr regeln oder häusliche Streitigkeiten schlichten, als Morde aufzuklären und die zudem auch noch private Schwierigkeiten haben. Sie schlagen sich zwar tapfer, doch erst als Linda auftaucht, kommt richtig Dampf in die Ermittlungen – zumindest für ein paar Minuten. Sie legt sich erstmal mit dem Bürgermeister an und ist wie ein Wirbelwind in die Polizeistelle eingefallen. Das legt sich aber und danach sind es ganz normale Ermittlungen. Nicht schlecht aber eben auch nichts Besonderes.

Die Ermittlung um den Mord an Lukas Johansson verläuft ein wenig schleppend. Auch wenn die Ermittler eigentlich ständig jemanden befragen, sich besprechen oder Ergebnisse einholen. Ich bin nicht direkt auf den Täter gekommen, aber der Kreis der Verdächtigen wird nach und nach kleiner und dann war es nicht mehr so schwierig. Nichtsdestotrotz war die Ermittlung gut konstruiert und logisch aufgebaut. Die Lösung hatte Verbindung zu vergangenen Ereignissen und am Ende gab es sogar eine kleine Überraschung – für etwas, dass in dem Buch früh angesprochen wird und ich dann fast schon wieder vergessen hatte.

Fazit:
Ich denke, man hört meinen Sätzen an, dass ich nicht komplett zufrieden bin, doch die Handlung war gut konstruiert und das Ermittlertrio sympathisch. Der Krimi hält jetzt keine großen Überraschungen bereit, aber eine recht spannende Ermittlung, die mit einer kleinen Überraschung endet. Von mir gibt es 4 Schafe.

 

Update 05.09.2014
Da ich mit der Bewertung zutiefst unzufrieden bin habe ich mit diesem Beitrag beschlossen, die Bewertung zu korrigieren. Da das Buch über den Durchschnitt nicht hinausragt, gibt es von mir 3 Schafe.

3 Schafe


Ein Kommentar

Lesetipp: Beim ersten Schärenlicht – Viveca Sten

9783462046014
Viveca Sten – Beim ersten Schärenlicht

Verlag: KiWi
400 Seiten
ISBN: 978-3462046014
9,99 €
Inhalt:
Mittsommernacht auf Sandhamn: Alle Menschen sind auf den Beinen, um den längsten Tag im Jahr mit Trinken, Essen und Tanzen zu feiern. Doch als der neue Tag beginnt, wird ein Jugendlicher tot am Strand gefunden. Wer ist der Tote? Und warum musste das Fest für ihn so enden?
Nora ist endlich wieder glücklich. In Jonas hat sie nach der Trennung von ihrem Mann einen neuen Partner gefunden. Dessen frühreife Tochter Wilma wiederum bereitet ihr Kopfzerbrechen – Wie gut, dass sie für das Mädchen nicht verantwortlich ist. Wie alle schwedischen Jugendlichen möchte Wilma lieber mit ihren Freunden als mit der Familie Mittsommer feiern. Doch das Fest endet nicht gut, ein toter Jugendlicher am Strand setzt der lustigsten Nacht des Jahres ein grausames Ende, und Wilma ist verschwunden. Thomas Andreasson muss einmal mehr nach Sandhamn, um die Ermittlungen aufzunehmen …
Viveca Stens neuer Roman hat alles, was das Fan-Herz begehrt: ein spannender, lebensnaher Fall, den Thomas Andreasson übernimmt, der privat gerade auf Wolke Sieben schwebt; Sandhamn zur schönsten Jahreszeit, aber auch voller Touristen, die nicht nur Gutes im Schilde führen; Sonne, Wasser, Wind.


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Immer wenn der Schnee fällt – Marit Reiersgård

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Marit Reiersgård – Immer wenn der Schnee fällt
Verlag: Egmont Lyx
442 Seiten
ISBN: 978-3802593925
9,99 €

 

 

 


Inhalt:

Oda, die fünfjährige Tochter von Solveig und Erik, verschwindet. Fieberhaft wird die Umgebung abgesucht, doch Oda bleibt verschwunden. Was ist mit ihr passiert? Ist bei den verschneiten und schlechten Wetterverhältnissen ein Unfall passiert? Hat Oda sich verlaufen und ist erfroren? Oder hat sie jemand entführt? Vielleicht sogar der Vater, der sich eigentlich fern halten soll?
Bitte Røed, neue Kollegin im Revier, bekommt zusammen mit Verner Jacobsen den Fall zugeteilt. Doch bevor sich die beiden richtig darum kümmern können, wird in der Nachbarschaft Vibeke Hansen, eine Künstlerin, tot in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. So nah beieinander vermuten die Ermittler einen Zusammenhang und nehmen sich beide Fälle vor. Doch die Ermittlungen sind schwierig. Der Schnee hält die Leute innen, es gibt wenig oder keine Zeugen, aber natürlich genügend Vorurteile und Geheimnisse. Haben die beiden Fälle wirklich etwas miteinander zu tun?

Vorab:
Diesen Krimi habe ich bei der Leser-Welt gewonnen. Die Frage, ob die Kindesentführung mit dem Tod der Künstlerin zusammenhängt, war hier der Reiz, um mich für ein Exemplar zu bewerben und die Glücksfee war mir hold. Vielen Dank dafür!

Meine Meinung:
Ich habe ja in letzter Zeit (also so ein-zwei Jahre oder so) die skandinavischen Krimis/Thriller für mich entdeckt – und das ganz ohne Henning Mankell, Stieg Larsson oder Hakan Nesser. Irgendwie haben mich immer andere Autoren / andere Themen / etc. mehr gereizt. Doch nun begebe ich mich gerne in den kalten Norden und nun habe ich wieder einen skandinavischen Krimi gelesen – diesmal ein Debüt aus Norwegen, welches wohl einen Reihenauftakt darstellt.

Wie so oft stelle ich mir auch bei diesem Krimi die Frage: Wo kommt denn schon wieder dieser Titel her? Ok, der Krimi spielt im Winter und es liegt Schnee, aber was heißt denn immer? Im Norwegischen ist der Titel ein Wort lang und das wird mit „Immer wenn der Schnee fällt“ übersetzt???? Hört sich an, als würden bei Schneefall ständig Künstlerinnen ermordet und kleine Mädchen entführt….
Beim Schreibstil gibt es – wie meist – nicht viel zu kriteln. Es lässt sich flüssig lesen und erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Einzig der Vorname ‚Bitte‘ hat bei mir am Anfang für ein bisschen Verwirrung gesorgt und ich musste ein, zweimal einen Satz erneut lesen.

Das Ermittlerteam, welches aus dem alteingesessenen Verner Jacobsen und der neuen Bitte Røed, besteht, ist jetzt zwar nicht mit Klischees beladen, aber auch nicht sonderlich innovativ. Einzig die zusätzlichen Kilos von Bitte fand ich ungewöhnlich – füllige/dicke Ermittler findet man ja nicht so häufig und spontan fallen mir nur männliche dicke Ermittler ein. Zwar hat Bitte nicht ständig etwas zum Essen in der Hand, aber doch öfters als die anderen Kollegen und ist eher extrovertiert und aufdringlich. Sie ist geschieden und ist mit ihren zwei Kindern hergezogen. All das macht sie irgendwie zu einer – nennen wir es mal so – Wuchtbrumme. Jemand mit geballter Power.
Verner Jacobsen ist eher ruhig und kalt. Er lässt die Geschehnisse nicht an sich ran und wirkt auch bei den Befragungen unbeteiligt. Was ihn natürlich nicht zu einem schlechten Polizisten macht, aber mit der Mutter eines vermissten Kindes spricht es sich vermutlich mit Einfühlungsvermögen schon besser. Er hat privat an einigem zu Knabbern und betrachtet seine neue Kollegin erstmal mit Skepsis.

Das Ermittlerduo ist also eher nicht überraschend und zugegebenermaßen hat es einige Zeit gedauert, bis ich mit den beiden warm geworden bin, bzw. ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt vollständig gelungen ist. Mit begründet ist das aber auch in der Tatsache, dass die beiden sich die Erzählpassagen mit noch drei weiteren Personen teilen. Das ist zum einen Solveig, die Mutter der verschwundenen Oda. Sie macht sich natürlich Vorwürfe, aber auch Gedanken, wo Oda ist und wer ihr was angetan haben kann. Sie verarbeitet die Informationen, die sie erhält und zieht ihre eigenen Schlüsse. Ihre Figur fand ich wahnsinnig interessant und konnte mich gut in sie reinfühlen.
Dann haben wir noch Raimo und Janni Egge, Sohn und Mutter, wohnhaft in der Nachbarschaft. Janni war sehr gut mit Vibeke Hansen, der ermordeten Künstlerin befreundet, und Raimo hat bei ihr Kunstunterricht genommen. Pikanterweise ist Raimo mit Bittes Tochter liiert, was für zusätzliche Spannungen im Ermittlerteam sorgt. Janni war für mich die reizvollste Figur und ich habe ihre Passagen, die mit Flashbacks gefüllt sind, immer verschlungen.
So richtig kann man bei diesem Krimi gar nicht von Protagonisten sprechen – alle fünf haben ungefähr gleich viel Anteil an dem Buch. Spontan sind mir Solveig und Janni am besten im Gedächtnis geblieben und auch die Figuren, die mich am meisten berührt haben. Ja, das Ermittlerduo war es leider nicht – was schade ist, denn dies ist ja der Beginn einer Reihe und man kann die beiden ja wiedertreffen. Möchte man das auch?

Ich denke, das würde ich spontan entscheiden, wie der Klappentext des nächsten Teils aussieht, denn die Krimihandlung von „Immer wenn der Schnee fällt“ hat mir schon ganz gut gefallen. Zugegebenermaßen war es jetzt kein phänomenal verzwickter Fall mit tausend überraschenden Wendungen und einem spektakulären Showdown am Ende. Aber es war eine solide und gut konstruierte Handlung, die sich nicht nur durch die Ermittler sondern auch Opfer, Zeugen, Täter, etc. getragen hat und das Ende war auch ohne Showdown spannend. Der interessanteste Aspekt war für mich die Frage, wie Odas Verschwinden mit dem Tod von Vibeke Hansen zusammenhängt. Nicht einzigartig, aber ungewöhnlich ist der Epilog – der findet ein Jahr später statt. Ob man das wohl im nächsten Teil wiederfinden kann?

Fazit:
Von den fünf Hauptpersonen ist mir das Ermittlerduo leider nicht sehr in Erinnerung geblieben, dafür aber Solveig und Janni. Leider werden die beiden im nächsten Teil wohl nicht mehr vorkommen. Die Handlung fand ich solide und spannend, wenn auch nicht überragend. Von mir gibt es 3 ½ Schafe.

3 und ein halbes Schaf