Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


Ein Kommentar

Tartan Noir: Das Vergessen – Denise Mina

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Denise Mina – Das Vergessen
Verlag: Heyne
348 Seiten
ISBN: 978-3453417878
9,99€

 

 

 

 

Denise Mina wird oft in das Genre „Tartan Noir“ eingeordnet und nachdem ich nun „Das Vergessen“ gelesen habe und mich ein wenig informiert habe, passt das wunderbar, auch wenn die Subgenre Defintionen mitunter etwas schwierig sind. Wer hier einen sympathischen Ermittler und verträumte Gassen in Edinburgh sucht, ist hier falsch. Bei Denise Mina geht es ans Eingemachte.

An dem Abend als Prinzessin Diana in den Tod rast, begeht die 14jährige Rose zwei schwere Verbrechen in Edinburgh. Jahre später nimmt Alex Morrow an der Gerichtsverhandlung gegen Michael Brown teil. Doch dann tauchen an einem neuen Tatort die Fingerabdrücke von Brown auf – wie kann das sein, wo er doch im Gefängnis sitzt? Morrow beginnt mit den Ermittlungen und stößt in ein Wespennest aus Korruption – damals wie heute.

Es fällt einem nicht leicht Alex Morrow zu mögen. Ja, sie ist eine ganz normale Frau, mit Ehemann und Kindern. Sie steht bei der Polizei schon auf der Abschussliste und deshalb ist es ihr auch egal, wem sie mit ihren Ermittlungen auf den Schlips tritt. Sie stochert und stochert, bis die Wespen aus dem Nest fliegen und trotzdem gibt sie nicht auf. Aber sie ist jetzt nicht unbedingt eine Ermittlerin, die man gern hat. Und doch hat sie was. Sie ist einfach stur, hartnäckig, bodenständig und aufgeben geht mal gar nicht. Sie ist sarkastisch, ist bockig und liebäugelt mit einer Affäre. Und somit eine Heldin, wie ich sie gerne mag. Ich muss gar nicht mit meinen Heldinnen warm werden, ich muss ihnen folgen können. Dabei müssen diese gar nicht immer ehrlich oder fair sein, aber gerecht und zielstrebig. Eine Heldin, der man einfach folgt, weil es richtig ist.

Und dabei geht es Denise Mina gar nicht um ihre Heldin Alex Morrow. Ich habe gelesen, dass „Das Vergessen“ zwar zu einer Serie gehört, aber Morrow gar nicht dafür angelegt war. Mina wollte keine Serienheldin, der man aus Sympathie die Treue hält. Ihr geht es um das Verbrechen. Das wollte sie darstellen. Und das ist ihr gelungen. Thomas Wörtche nennt das den „mangelnde[n] Kuschelfaktor“, wobei er das keineswegs negativ meint, sondern daran feststellt, dass dies Minas Bekanntheit hierzulande schmälert.

Mina verbindet einen Abend in den Neunzigern mit der heutigen Zeit und baut ein Konstrukt auf, dass Edinburgh als faulen Apfel schlechthin zeigt. Korruption und Klüngelei bis ins feinste Ende. Dieses Edinburgh hat so gar nichts mit meinem touristisch erlebten Edinburgh gemein, oder mit z. B. Mara Laues Edinburgh in „Singleton Soul“. Die Stadt mag oberflächlich und stellenweise noch einigermaßen aufrecht und sauber wirken, doch in ihren Tiefen tun sich Abgründe auf. Die Verwicklungen ziehen sich weit, so weit, dass sogar ein angesehener, rechtschaffener Anwalt so viel Dreck am Stecken hat, dass sein „Erbe“ nach seinem Tod schmutzig ist oder die eigenen Reihen der Polizei so einiges wegstecken müssen.

Nun darf man aber nicht denken, dass Alex Morrow die strahlende Ritterin in weißer Rüstung ist. Keinesfalls. Mina zaubert Grautöne aus einer schier unglaublich großen Farbpalette. Hier ist keiner weiß oder schwarz, hier ist alles grau. Angefangen von der Stadt über die Verbrecher bis hin zur Polizei.

So zeichnet Mina einen vielschichten Kriminalfall mitten hinein in eine Sozialstudie. Roses Tat, die jahrelang unentdeckt, bzw. dem Falschen angelastet wurde, spielt in die Verhandlung und deckt nach und nach die dunklen Machenschaften eines weiten Netzes auf. Der Fall wird aber nicht nur aus Morrows Sicht beleuchtet, sondern von vielen Seiten aus, zu einem Teil auch durch Rückblenden ins Jahr 1997. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass einige Leute Probleme mit Denise Minas Stil haben. Ich fand es beeindruckend und Frau Mina hat einen Fan mehr gewonnen.

Fazit:
Eine Anti-Heldin im Edinburgher Sumpf aus Korruption und Habgier reißt einen alten Fall ins Hier und Jetzt und löst ihn auf ihre Art – mit allen Konsequenzen. Tartan Noir at its best.

4 und ein halbes Schaf


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Lesetipp: Talisker Blues von Mara Laue

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Mara Laue – Talisker Blues
Verlag: Goldfinch
358 Seiten
ISBN: 978-3940258168
12,95 €

Inhalt:
Kieran MacKinnon saß zwanzig Jahre im Gefängnis wegen Mordes an seiner Freundin. Völlig betrunken soll er sie eines Nachts am Strand erstochen haben, die Beweise sprechen dafür, er kann sich an nichts erinnern.
Jetzt kehrt er zurück in seine Heimat auf die Insel Skye und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch bald darauf wird wieder eine Frauenleiche gefunden. Und wie damals liegt eine Whiskyflasche mit Kierans Fingerabdrücken neben ihr …

Gefunden habe ich diesen Lesetipp in „Singleton Soul“, dass ich kürzlich gelesen habe. „Talisker Blues“ selbst habe ich schon letztes Jahr gelesen, damals hatte ich allerdings noch keinen Blog, um über mein tolles Leseerlebnis zu berichten. Übrigens habe ich das damals stilecht in Schottland gelesen… ;-)


Ein Kommentar

Schottland und Japan vereint: Singleton Soul – Mara Laue

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Mara Laue – Singleton Soul
Verlag: Goldfinch
302 Seiten
ISBN: 978-3940258274
12,95 €

 

 

 


Meine Meinung:

Mara Laue ist ja eine sehr erfahrene Autorin, wie ich gesehen habe. Sie schreibt nicht nur Krimis, sondern ist in mehreren Genres zu Hause. Für den Goldfinch Verlag hat sie nun schon drei Krimis geschrieben und „Singleton Soul“ ist der Auftakt für eine Serie um Rowan Lockhart, eine Privatermittlerin.

Rowan ist eine toughe Frau. Eine Kindheit als Rabaukin, eine Ausbildung zur Polizistin, gefolgt von einer Ehe und einem Leben in Japan. Doch jetzt ist sie wieder in Edinburgh. Ein bisschen Geld hat sie gespart und so hat sie sich ein Haus gekauft, in dem sie nicht nur wohnt, sondern auch ihr Detektivbüro und eine Kampfkunstschule betreibt. Aus Geldgründen vermietet sie das obere Stockwerk an den schweigsamen Ex-Söldner Lennox. Sie hat einige Klienten – sowohl in der Kampfkunst als auch im Detektivgeschäft – aber mehr könnte es schon sein, als sie ein neuer Auftrag per Post ereilt. Dumm ist nur, dass der Klient tot ist, als sie ihn das erste Mal aufsuchen möchte. Finn Macrae soll sich selbst umgebracht haben, kurz darauf wird er auch noch des Hochverrats beschuldigt. Rowan traut der ganzen Sache nicht und außerdem hat sie ja noch den Auftrag zu erfüllen. Schließlich wurde sie schon bezahlt. Wie gut, dass William Wallace, ihr Freund aus Kindertagen, der ermittelnde Beamte ist.

Und schon sind wir mitten in einer Ermittlung. In einer meiner Lieblingsstädte: Edinburgh. Es ist wirklich toll, wenn man Straßen und Örtlichkeiten wieder erkennt. Da bekommt man doch gleich Lust auf einen weiteren Urlaub in Schottland. Vielleicht merkt man da an der Autorin, dass sie auch mehr Touristin als Einheimische in Edinburgh ist. Aber mir kommt das zu Gute. Das Buch ist kurzweilig geschrieben und ein besonders Schmankerl neben einigen schottischen Ausdrücken, sind die japanischen Einflüsse. Da Rowan 10 Jahre in Japan gelebt hat, hat sie nicht nur einige Gepflogenheiten mitgebracht, sondern auch einige Wörter und Redewendungen. Hierzu gibt es bei Bedarf ein Glossar am Ende des Buches.

Wie schon erwähnt ist Rowan eine toughe Frau. Schon in ihrer Kindheit wohl eher ein Junge, als ein Mädchen, hat sie in Japan noch eine Kampfkunst erlernt. Zusammen mit ihrer Ausbildung bei der schottischen Polizei kommt ihr das nun alles zu Gute. Zuviel des Guten? Ja, es passt schon alles ein wenig perfekt, aber Rowan ist einfach so schön rotzig, dass das gar nicht auffällt. Sie zeigt eine Mischung aus Respekt und Kratzbürstigkeit, die wirklich ungewöhnlich ist. Den Gegenpol bildet Bill Wallace, der sich natürlich nicht nur durch seinen Job an Regeln halten muss, sondern auch so einfach vorsichtiger ist.

Finn Macrae, das Opfer, lernt man nur tot kennen. Er gehört zur 52. Infantry Brigadeund ist mit einer Nordkoreanerin verheiratet. Den Stempel Hochverrat, den er auf die Stirn gedrückt bekommt, löst natürlich hohe Wellen aus. Ein Landesverräter. Komisch ist nur, dass keiner das von ihm gedacht hätte. Und so ermittelt Rowan nicht nur im privaten Umfeld von Macrae, sondern muss sich auch mit dem recht verschwiegenen Militär rumschlagen.

Fazit:
Ein solider Mordfall im wundervollen Edinburgh, der von der rotzigen Rowan mit japanischem Respekt gelöst wird. Mir hat der Fall gut gefallen und ich linse schon auf den nächsten Teil. Von mir gibt es 4 Schafe.

4 Schafe