Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Reblogged: Kevin Barry – Dunkle Stadt Bohane — WortGestalt-BuchBlog

 

Es gibt so Bücher, die will man schon ewig lesen und ärgert sich bei jeder neuen Rezension, dass man es immer noch nicht gelesen hat… so geschehen heute bei Phillys Rezension auf Wortgestalt-Buchblog in unserem Blogspezial zu irischer und nordirischer Kriminalliteratur mit Kevin Barrys „Dunkle Stadt Bohane“. Philly ist in diesem kleinen Meisterwerk, welches sich so gar nicht genau einordnen lässt, buchstäblich ersoffen – da muss und sollte man unbedingt reinschauen, warum:

Es ist der Fluss, sagen sie. Die schwarzen Fluten des Bohane, die den Ruch des Bösen in die Stadt tragen. In die dunkle Stadt Bohane, benannt nach diesem strömenden Gewürm aus der Großen Nichtsöde. Bohane ist ein düsterer Ort an Der Beitrag Kevin Barry – Dunkle Stadt Bohane erschien zuerst auf WortGestalt-BuchBlog.

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Reblogged: Adrian McKinty – Der sichere Tod — WortGestalt-BuchBlog

Sehr vielen Krimilesern ist Adrian McKinty mit seiner im Nordirland der 80er Jahre spielenden Reihe um den Polizisten Sean Duffy bekannt, doch nicht ganz so viele Leser kennen die Trilogie um Michael Forsythe, die McKinty davor geschrieben hat – das ändern wir nun in unseren gemeinsamen Spezial zu irischer und nordirischer Kriminalliteratur, denn Philly widmet sich heute dem ersten Teil „Der sichere Tod“ und warum hier am Ende der Fallschirm versagt, müsst ihr selbst lesen. Schaut rein:

Selten war ich mit mir selbst derart uneins darüber, wie ich einen Roman denn nun einschätze, wie es hier bei »Der sichere Tod« von Adrian McKinty der Fall ist. Was gar nicht mal unbedingt gegen den Roman sprechen muss, aber Der Beitrag Adrian McKinty – Der sichere Tod erschien zuerst auf WortGestalt-BuchBlog.

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Irisch-nordirisch: Borderlands – Brian McGilloway

Wenn eine Leiche genau auf dem Grenzstreifen zwischen der Republik Irland und Nordirland gefunden wird, gilt das ungeschriebene Gesetz, dass die Ermittlung von dem Land geführt wird, aus dem das Opfer stammt. Inspektor Benedict Devlin, von der irischen Gardai, bekommt also den Mordfall der 15jährigen Angela Cashell, die dort gefunden wurde, fast nackt aber mit einem Goldring am Finger, zugeteilt. Angela hing öfters mit dem jungen Traveller Whitey McKelvey rum und nur Stunden nach dem Fund von Angelas Leiche brennt das Lager der Traveller lichterloh, McKelvey ist aber sowieso längst weg. Dann wird die verkohlte Leiche eines jungen Mannes in einem ausgebrannten Auto gefunden und obwohl die Leiche schnell identifiziert wird, gibt es keine Verbindung und der Tote ist ortsfremd. Haben die beiden Fälle etwas miteinander zu tun?

„Irgendwie passte es, dass Angela Cashells letzte Ruhestätte quer über der Grenze lag. Vermutlich konnten weder diejenigen, die ihre Leiche dort zurückgelassen hatten, und schon gar nicht diejenigen, die 1920 die Grenze zwischen dem Norden und dem Süden Irlands gezogen hatten, ermessen, wie skurril es war, dass ihr Körper halb in dem einen und halb in dem anderen Land lag, in den borderlands, wie das Grenzgebiet genannt wird.“ (S. 9)

Der Titel des Buches hat mich magisch angezogen. Borderlands – Grenzland. Das hört sich nach einem verwunschenen Ort voller Magie an – oder eben nach einem unsteten, gefährlichen Ort. Ein Ort, an dem es nicht anders sein kann, als dass Menschen sterben. Tatsächlich ist aber nun die Grenze zwischen den beiden irischen Staaten, einfach nur eine Grenze, hauptsächlich administrativ. Zuständigkeiten und so. Ein wenig schade ist das schon und irgendwie auch langweilig. Aus dieser Grenze hätte man so viel mehr machen können. Schon allein Streitigkeiten um den Mordfall hätten hier ein Gros mehr Spannung beigetragen – eine immense Steigerung hätte stattfinden können, wäre der Kriminalroman zur Zeit der Troubles angesiedelt worden. Ich möchte es mal eine verpasste Chance nennen, denn dies macht aus dem Kriminalroman eben einfach nur einen guten, aber keinesfalls außergewöhnlichen Kriminalroman.

Ich würde ja jetzt gerne sagen, genug gemeckert, aber eine Sache muss ich dann doch noch erwähnen. Kommen wir also zu Inspektor Benedict Devlin. Ein ruhiger und bedächtiger Typ, jemand der allen Spuren nachgeht. Auch wenn  Whitey McKelvey ihm fast schon auf dem Silbertablett serviert wird, nimmt er nicht den einfachen Lösungsweg. Kann sein, dass der junge (und strohdoofe) Traveller es war, kann aber eben auch nicht sein. Privat ist Devlin Familienvater und Ehemann. Als dann allerdings ein weiterer Handlungsstrang eingeführt wird, der natürlich später mit der Haupthandlung verquickt wird, begegnet er seiner früheren Jugendliebe wieder. Die hat ihn damals für ihren jetzigen Ehemann, einen reichen Politiker, sitzen lassen und ist jetzt in dieser Ehe natürlich kreuzunglücklich und säuft wie ein Loch. Warum in Herrgottsnamen nun aber Devlin auf die nicht mehr vorhandenen Reize dieser alternden Schnapsdrossel reinfällt und damit seine Ehe riskiert, ist mir nun wirklich nicht klar. Wer weiß, kann vielleicht nur ein Mann erklären. Nostalgie. Oder pubertäre Phantasien. Oder so.

Die Nebenfiguren sind eher zu vernachlässigen und bleiben auch kaum in der Erinnerung verhaften, nichtsdestotrotz gelingt es dem Autor den Spannungsbogen gekonnt aufrecht zu halten. Immer wieder kommen die Ermittlungen ein Stück vorwärts oder eine weitere Leiche taucht auf, ein Molotowcocktail fliegt oder die Schafe reißende Bestie ist wieder unterwegs – ein weiterer Nebenstrang der Geschichte. Auch gelingen dem Autor einige Kniffe, so dass auch der Inspektor nicht unbehelligt aus der Sache rauskommt und die eigenen Reihen auch noch Überraschungen bereit halten. Letztendlich kann man wohl sagen, dass der Kriminalroman mich gut unterhalten hat, ein ausgewogenes Spannungsverhältnis bietet und die Serie es wert ist, weiterverfolgt zu werden. Nichtsdestotrotz trauere ich noch ein wenig meiner Vorstellung nach, der Krimi würde während der Troubles in den Borderlands spielen…

Fazit:
Spannender Krimi an der irisch-nordirischen Grenze – nicht außergewöhnlich, aber unterhaltsam und gut ausgetüftelt. Ein gelungener Auftakt der Serie um Inspektor Devlin.

 



Brian McGilloway – Borderlands
Verlag: Dumont
Übersetzer: Alice Jakubeit
285 Seiten
ISBN: 978-3832180324

 

Weitere Titel der Reihe:
Galgenweg
Blutgold
Aufstand der Gerechten

 


 


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Reblogged | Ken Bruen – Jack Taylor fliegt raus – Wortgestalt-Buchblog

„Machen Sie Platz, Ken Bruen ist da.“

Ich zitiere hier mal einen Wahnsinnssatz aus der nächsten Rezension im gemeinsamen Blog-Spezial zu irischer und nordirischer Kriminalliteratur (und ja, wir brauchen dafür dringend eine Abkürzung). Philly hat sich auf ihrem Wortgestalt-Buchblog den ersten Teil der Jack Taylor Reihe von Ken Bruen vorgenommen und lobt den Humor und die schlagfertigen Dialoge. Aber keine Sorge, der Krimi kommt schon auch nicht zu kurz! Schaut rein!

Jack Taylor fliegt raus. Aus dem Polizeidienst, aus Kneipen, aus seiner Wohnung. Das ist fast wie ein physikalisches Gesetz. Über kurz oder lang handelt sich Jack Taylor auf die ein oder andere Art und aller Bemühungen zum Trotz Ärger ein. Der Beitrag Ken Bruen – Jack Taylor fliegt raus erschien zuerst auf WortGestalt-BuchBlog.

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Der heilige Stein: Glorreiche Ketzereien – Lisa McInerney

„… denn für sie gab es keine andere Autorität als die heilige Dreifaltigkeit: Priester, Nonnen und Nachbarn.“ (Pos. 3313)

Ja, genau, wir befinden uns in Cork, Irland. Als Tourist fährt man ins pittoreske Irland, mit seinen schmucken, geschichtsträchtigen Cottages, bestaunt die grünen Landschaften und kehrt in die heimeligen Pubs ein. Vielleicht verschlägt es einen ja auch nach Cork. Das Bild von Irland, das nur kaum ein Tourist sieht, zeichnet die Autorin in ihrem Debütroman, welcher der Auftakt zu einer Trilogie sein soll, Teil 2 ist in Englisch denn auch schon erschienen.

„Maureen hatte gerade einen Mann umgebracht. Sie hatte es nicht gewollt. Das würde sie kaum beweisen müssen, dachte sie. […] Sicher, sie guckte schon mal gerne düster drein, wenn sie nicht gerade bewusst eine andere Miene aufsetzte, aber wie eine mies gelaunte Bohnenstange auszusehen, war noch längst kein Grund für die Gardaí, dich für pervers zu halten.“ (Pos. 180)

Die Ermordung von Robbie O’Donovan, von Maureen nachts erschlagen, als der kleine Drogendealer in ihrem Haus etwas klauen wollte, bildet den Ausgangspunkt der Geschichte und ist der Dreh- und Angelpunkt der unterschiedlichen Charaktere. Maureen beauftragt ihren Sohn, Jimmy Phelan, den örtlichen Gangsterboss mit der Beseitigung der Leiche, dieser holt sich als Handlanger Tony Cusack. Dessen Sohn Ryan wiederum, obwohl noch Teenager und in der Schule, vertickt Drogen, hin und wieder auch an Georgie, eine Nutte, und die Freundin von Robbie. Maureen wiederum wurde von ihrem Sohn in dem Haus untergebracht, in dem Georgie früher als Nutte angeschafft hat.

Ein fulminantes Kaleidoskop aus Helden, wenn man sie denn so nennen darf, fährt die Autorin hier auf. Doch auch wenn es auf den ersten Blick nach einem Haufen Klischees aussieht – Gangsterboss, Nutte, Drogendealer – darf man sich hier nicht täuschen lassen. McInerney bricht diese Klischees auf und füllt die Charaktere mit Tiefe, verbandelt sie miteinander und lässt doch alle tragisch abstürzen. Denn eines haben alle gemeinsam: sie sind auf der Suche nach einem besseren Leben.

Da ist zum einen Maureen. Sie musste als junges Mädchen, schwanger von einem reichen, „anständigen“ Kerl, ihr Kind abgeben. Zwar ist sie um die Magdalenwäschereien herumgekommen, doch ausgerechnet ihre bigotte Mutter zieht ihr Kind groß und schickt sie weit weg nach London. Als Erwachsener macht Jimmy sie ausfindig und holt sie heim nach Cork, quartiert sie in das ehemalige Bordell ein, aber ohne es ihr zu erzählen. Maureen hadert mit Gott und dem Katholizismus, nichts gibt er ihr, einzig nimmt er ihr ständig etwas und doch ist sie auf der Suche. So scheint es urkomisch, dass Maureen Robbie mit einer Devotionalie, einem heiligen Stein, erschlägt. Maureen nimmt es der Kirche übel, dass sie ihr das Kind weggenommen haben, natürlich nicht direkt, sondern durch ihre bigotte Mutter und schlägt zurück, zündet sogar eine Kirche an. Nichtsdestotrotz ist sie keineswegs verrückt, sondern blickt mit einer Weisheit hinter die Masken der Menschen, dass es ihrem Sohn ganz angst und bange wird und er sich mehrmals fragt, was er sich da eingehandelt hat.

Der eigentliche Protagonist der Story ist aber eindeutig Ryan Cusack. Der musische begabte Junge, dessen Mutter früh gestorben ist und der mit seinem Vater kein Stück zurechtkommt, versucht seinen Platz im Leben zu finden. Ein gutes Stück gelingt ihm das, als er sich Karine D’Arcy als Freundin angeln kann. Ein anständiges Mädchen, welches ihn ein Stück weit auf den Boden behält, doch die ewigen Querelen mit seinem Vater und die aufdringliche Nachbarin machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Langsam rutscht er in das Drogengeschäft, verkauft seinen Stoff aber nicht jedermann und nach ganz eigenem System, hat aber damit Erfolg. Nichtsdestotrotz gerät er in Schwierigkeiten, gerät an einen Richter, der ein Exempel statuieren will und landet im Knast. Das Erwachsenwerden dieses Jungen scheint der Mittelpunkt der Geschichte, um den sich alles dreht, auch die Kapitel beginnen immer mit ihm, mit glücklichen Zeiten, die er mit Karine verbringt. Ein tragischer Held zu Beginn, und ein tragischer Held am Ende.

Ein Querschnitt an Charakteren, welche die Autorin nach Cork setzt und das pittoreske Bild Irlands zerstört, die Wahrheit aufzeigt. Realität walten lässt. Nichts ist nur schön, alles hat Schattenseiten. Menschen, die, ob sie sich nun anstrengen oder nicht, nie etwas erreichen aber immer vom besseren Leben träumen und danach streben. So wie Tony, so wie Maureen. Menschen, die zu jung ins Leben geworfen werden, mit Schicksalsschlägen niedergedrückt werden und die Realität erfahren. So wie Ryan, so wie Georgie.

Schwermütig hätte das Buch werden können, deprimierend, doch die Autorin hat ihre ganz eigene Art, damit umzugehen. Urkomisch schildert sie dieses Karussell an Charakteren und treibt es vorwärts. Krimikomödie könnte man es nennen, doch eigentlich ist es viel mehr. Sprachlich schafft es die Autorin ganz wunderbar groteske und herrlich komische Bilder zu zeichnen, immer nur ein wenig und nimmt damit dem Buch die Düsternis und Schwere, aber längst nicht die Tragik und Verschrobenheit. Ein gelungener Trick, den die Autorin hoffentlich im nächsten Teil, den der Liebeskind Verlag sich bestimmt schon gesichert hat, wiederholt.

„Mir? O Vater, ich weiß, dass es mir leid tut. Aber was ist mit Ihnen? Vergib mir, Irland, denn ich habe gesündigt. Kommen Sie, mein Junge. Kein Wunder, dass Sie sagen, der Heilige Gott ist voll der Gnade, denn wie sonst sollte irgendeiner von euch Dreckskerlen nachts schlafen können?“ (Pos. 2280)

Fazit:
Die Autorin zeigt die Abgründe Irlands, ohne dabei in Klischees zu verfallen, mit einer gehörigen Brise Komik. Ein irischer Krimi, der seinesgleichen sucht. Ungewöhnlich, grotesk und phänomenal!

 


Lisa McInerney – Glorreiche Ketzereien
Verlag: Liebeskind
Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence
448 Seiten
ISBN: 978-3954380916

 

 

 


Andere Meinungen zum Buch:
Wortgestalt meint: „Jahrzehnte irisch-katholischen Lebens, eine kleine Abrechnung der Autorin mit Irland, mit dem Katholizismus, mit der Heuchelei und Frömmigkeit und dem Glaubenseifer. Auch mit der wirtschaftlichen Lage, der Sozialstruktur. »Glorreiche Ketzereien« ist eigentlich ein Sozialdrama, was es am Ende zu starker Kriminalliteratur macht.“
Buch-Haltung meint: „Auch wenn es keine wirklich profunde literaturtheoretische Analyse ist: dieser Roman macht Spaß. Er ist temporeich erzählt, schwarzhumorig und rundet sich zum Ende hin ganz wunderbar. “
Renie’s Lesetagebuch meint: „Die Autorin mag ihre Charaktere. Auch wenn sie sie oft dumm dastehen lässt, an der Grenze zur Respektlosigkeit, wird man den Eindruck nicht los, dass sie ihren Protagonisten deren Sünden verzeiht und dabei das Menschliche in den Vordergrund stellt. Sie reduziert sie nicht auf ihre Jobs (Dealer, Prostituierte, Kriminelle), sondern zeigt sie mit all ihren Sehnsüchten, Wünschen und Gefühlen.“

 

Das Copyright für das Titelfoto liegt bei mir.


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Blog-Spezial Irische und Nordirische Kriminalliteratur – gemeinsam mit Wortgestalt

Es geht wieder los!
Gemeinsam mit Philly von Wortgestalt-Buchblog habe ich mich durch irische und nordirische Krimis gelesen und darf nun endlich das Blog-Spezial hierzu ankündigen. Schon vor unserem letzten gemeinsamen Spezial (Blog-Spezial Dystopische Literatur) haben Philly und ich herausgefunden, dass wir viele gemeinsame Themen haben, denen wir gerne ein Spezial widmen würden. Die Zeit ist zwar bei allen immer knapp bemessen, doch ein weiteres Spezial mit Philly hatte einfach noch Platz in diesem Jahr. Ach, ich freu mich so sehr!

Eine unheimliche Freude habe ich immer wieder an der Recherche. Welche Bücher will ich lesen? Was gibt mein SUB her? Welche AutorInnen wollte ich schon lange mal austesten? Soll viel irische/nordirische Geschichte vorkommen? Soll es mehr aktuell sein? Müssen die AutorInnen aus Irland/Nordirland stammen oder nur darüber schreiben?
Ah, ich liebe es, meinen SUB zu durchsuchen. Jemand mit weniger als 100 Büchern im SUB kann das vielleicht gar nicht nachvollziehen, wie ich dann vor meinen Regalen sitze und alle Bücher rausziehe, damit ich auch alles in der zweiten Reihe zu sehen bekomme… aber das mal nur so nebenbei. Von der Recherche auf Verlagsseiten nach weiteren passenden Büchern spreche ich mal gar nicht, denn die ist für den SUB auch nicht gut.

Letztendlich basiert meine Auswahl hauptsächlich auf zwei Kriterien: was kenne ich noch nicht und was wollte ich schon lange mal gelesen haben. Dadurch gibt es bei mir z. B. keinen Teil der Sean Duffy Reihe von Adrian McKinty, aber auch keine Patsy Logan aus Ellen Dunnes Schreibfeder – die kenne ich nämlich alle schon. Aber es haben sich trotzdem noch so einige Titel gefunden, bei mir, so wie auch bei Philly. Und das ist unsere Liste:

15.09. – Sam Millar: Die Bestien von Belfast (Wortgestalt)
17.09. – Lisa McInerney: Glorreiche Ketzereien (Die dunklen Felle)
19.09. – Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus (Wortgestalt)
21.09. – Brian McGilloway: Borderlands (Die dunklen Felle)
23.09. – Adrian McKinty: Der sichere Tod (Wortgestalt)
25.09. – Sam Millar: True Crime (Die dunklen Felle)
27.09. – Stuart Neville: Die Schatten von Belfast (Wortgestalt)
29.09. – Eoin McNamee: Blau ist die Nacht (Die dunklen Felle)
01.10. – Kevin Barry: Dunkle Stadt Bohane (Wortgestalt)
03.10. – Gene Kerrigan: Die Wut (Die dunklen Felle)
05.10. – Seamus Smyth: Spielarten der Rache (Wortgestalt)
07.10. – Olivia Kiernan: Zu nah (Die dunklen Felle)
09.10. – Tana French: Grabesgrün (Wortgestalt)
11.10. – Declan Burke: The Big O (Die dunklen Felle)

So, auch in diesem Blog-Spezial war die Vorbereitung ein riesiger Spaß, aber damit soll es nun natürlich nicht aufhören. Sagt uns gerne Eure Meinung, kommentiert und diskutiert mit uns zu irischer und nordirischer Kriminalliteratur!

 

 

Foto von focal_leat/Pixabay.


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Gemach, gemach: Ein irischer Dorfpolizist – Graham Norton


Graham Norton – Ein irischer Dorfpolizist
Verlag: Kindler (Rowohlt)
Übersetzerin: Karolina Fell
331 Seiten
ISBN: 978-3463406909

 

 

 

 

„Es war in der Einwohnerschaft von Duneen weitgehend akzeptiert, dass, sollte ein Verbrechen geschehen und es Sergeant Collins gelingen, den Täter festzunehmen, dieser Verhaftung wohl kaum eine Verfolgung zu Fuß vorausginge. Die Leute mochten ihn durchaus, und es gab im Grunde keine Beschwerden, aber es sorgte dennoch für einige Beunruhigung, dass die Sicherheit im Dorf von einem Mann abhing, dem schon beim Gang zur Kommunion der Schweiß ausbrach.“ (S. 9)

Sergeant PJ Collins ist dick. Nur mit Mühe und Not hat er überhaupt die Polizeiprüfung bestanden, doch die Arbeit in einem Team von Polizisten war ihm zu viel. Er konnte sich nicht einfügen und seine Kollegen wollten das auch nicht. So kommt es, dass Collins sich nach Duneen versetzen lässt. Ein kleines Dorf, welches nur einen Polizisten nötig hat, so dass Colllins sich hier mit keinen Kollegen rumschlagen muss. Und ganz ehrlich, viel passiert hier eh nicht. Verkehrsunterricht an der Schule, Nachbarschaftsstreitigkeiten, vielleicht mal eine Prügelei im örtlichen Pub. So hat er es sich in Duneen gemütlich gemacht, mit drei warmen Mahlzeiten, serviert von Mrs. Meany, die nicht nur ihn sondern auch die Polizeistation versorgt. Doch dann werden beim Bau einer Neubausiedlung Knochen ausgebuddelt, menschliche Knochen. Ungefähr 20 Jahre alt fällt sofort der Name Tommy Burke. Dieser ist damals urplötzlich verschwunden, nachdem sich zwei Mädchen seinetwegen geprügelt hatten. Doch ist Tommy Burke das Opfer – oder der Mörder?

Dieser Fund bringt PJ Collins völlig aus dem Gleichgewicht. Zum einen freut er sich, endlich etwas sinnvolles mit seiner Ausbildung anzufangen, zum anderen aber fürchtet er, der Belastung nicht stand zu halten, zumal er das Rätsel ja nicht alleine lösen darf. Natürlich rücken die Experten an, allen voran Linus Dunne, ein versnobter Detective aus dem nahe gelegenen Cork. Nichtsdestotrotz stürzt er sich in die Arbeit und von ein paar Schnitzern und Fettnäpfchen abgesehen, macht er dabei gar keine schlechte Figur. Den Hauptplatz im Buch muss er sich allerdings mit ein paar Damen im Dorf teilen.

Hier wären zum einen die beiden Frauen, die sich damals um Tommy Burke gestritten haben. Evelyn Ross lebt gemeinsam mit ihren beiden Schwestern, alle unverheiratet, auf dem Gut der Familie, welches weitestgehend verpachtet ist. Brid Riordan hingegen hat sich in einer unglücklichen Ehe verfangen, die sie täglich zur Weinflasche greifen lässt. Seit damals herrscht eisiges Schweigen zwischen den beiden und beide verdächtigen jeweils die andere, als Collins an ihre Tür klopft. Dann ist da noch Mrs. Meany, Collins Haushälterin, die sich seit dem Knochenfund verdächtig still und wortkarg verhält und Collins quasi hungern lässt.

Die Charakterzeichnung gelingt dem Autor, Graham Norton – im Übrigen ein bekannter Fernsehmoderator (der mir leider gar nichts sagt) – wirklich hervorragend. Alle Charaktere sind bis in die kleinsten Details liebevoll gezeichnet und bringen Abwechslung. Von den eigenbrötlerischen Schwestern bis zu PJ Collins, der sich ständig unwohl fühlt und unsicher ist. Das lange verschüttete Geheimnis liegt in den Händen dieser Frauen und PJ ist derjenige, der dieses lüften muss – Linus Dunne hat da andere Sorgen als die Ermittlung in dem kleinen Kaff um die paar alten Knochen. Die Ausführlichkeit der handelnden Personen nimmt dem Krimi die Schnelligkeit, er läuft behäbig dahin, fast schon angepasst an den ermittelnden Sergeant – und wäre der Sergeant nicht dabei könnte man den Krimi definitiv als Cosy Crime bezeichnen. Aber auch langsam kommt man ans Ziel und so kann auch PJ Collins letztendlich das Geheimnis lüften, am Ende sogar mit einer nervenaufreibenden Autofahrt. Eines muss man allerdings noch erwähnen, denn der Krimi mag zwar in Irland spielen, doch ebenso gut hätte er in einem verschlafenen Nest in England spielen können. Ein wenig mehr irisches Flair hätte hier gut getan.

Oberflächlich betrachtet, mag der Krimi ein recht behäbiger Dorfkrimi sein, mit einem lange gehüteten Geheimnis, welches Jahrzehnte später herausbricht und die sorgsam gepflegte Dorfidylle aus dem Gleichgewicht bringt. Doch hintergründig zeigt der Krimi, wie wenig sich manche Menschen über Taten und Entscheidungen Gedanken machen, die das Leben von mehreren Leuten aber immens beeinflusst und steuert. Ein Schmetterlingseffekt, in diesem Fall kann man vielleicht fast schon von einem Schneeballeffekt sprechen, der zeigt, wie sich eine Kleinigkeit zu einer Katastrophe entwickelt.

Fazit:
Ein Mann wie ein Krimi: behäbig, aber zielsicher löst PJ Collins seinen ersten Mordfall im verschlafenen Örtchen Duneen. Ein unterhaltsamer Krimi mit hervorragender Charakterzeichnung, der allerdings mit angezogener Handbremse fährt.