Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Reblogged | Ken Bruen – Jack Taylor fliegt raus – Wortgestalt-Buchblog

„Machen Sie Platz, Ken Bruen ist da.“

Ich zitiere hier mal einen Wahnsinnssatz aus der nächsten Rezension im gemeinsamen Blog-Spezial zu irischer und nordirischer Kriminalliteratur (und ja, wir brauchen dafür dringend eine Abkürzung). Philly hat sich auf ihrem Wortgestalt-Buchblog den ersten Teil der Jack Taylor Reihe von Ken Bruen vorgenommen und lobt den Humor und die schlagfertigen Dialoge. Aber keine Sorge, der Krimi kommt schon auch nicht zu kurz! Schaut rein!

Jack Taylor fliegt raus. Aus dem Polizeidienst, aus Kneipen, aus seiner Wohnung. Das ist fast wie ein physikalisches Gesetz. Über kurz oder lang handelt sich Jack Taylor auf die ein oder andere Art und aller Bemühungen zum Trotz Ärger ein. Der Beitrag Ken Bruen – Jack Taylor fliegt raus erschien zuerst auf WortGestalt-BuchBlog.

über Ken Bruen – Jack Taylor fliegt raus — WortGestalt-BuchBlog


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Der heilige Stein: Glorreiche Ketzereien – Lisa McInerney

„… denn für sie gab es keine andere Autorität als die heilige Dreifaltigkeit: Priester, Nonnen und Nachbarn.“ (Pos. 3313)

Ja, genau, wir befinden uns in Cork, Irland. Als Tourist fährt man ins pittoreske Irland, mit seinen schmucken, geschichtsträchtigen Cottages, bestaunt die grünen Landschaften und kehrt in die heimeligen Pubs ein. Vielleicht verschlägt es einen ja auch nach Cork. Das Bild von Irland, das nur kaum ein Tourist sieht, zeichnet die Autorin in ihrem Debütroman, welcher der Auftakt zu einer Trilogie sein soll, Teil 2 ist in Englisch denn auch schon erschienen.

„Maureen hatte gerade einen Mann umgebracht. Sie hatte es nicht gewollt. Das würde sie kaum beweisen müssen, dachte sie. […] Sicher, sie guckte schon mal gerne düster drein, wenn sie nicht gerade bewusst eine andere Miene aufsetzte, aber wie eine mies gelaunte Bohnenstange auszusehen, war noch längst kein Grund für die Gardaí, dich für pervers zu halten.“ (Pos. 180)

Die Ermordung von Robbie O’Donovan, von Maureen nachts erschlagen, als der kleine Drogendealer in ihrem Haus etwas klauen wollte, bildet den Ausgangspunkt der Geschichte und ist der Dreh- und Angelpunkt der unterschiedlichen Charaktere. Maureen beauftragt ihren Sohn, Jimmy Phelan, den örtlichen Gangsterboss mit der Beseitigung der Leiche, dieser holt sich als Handlanger Tony Cusack. Dessen Sohn Ryan wiederum, obwohl noch Teenager und in der Schule, vertickt Drogen, hin und wieder auch an Georgie, eine Nutte, und die Freundin von Robbie. Maureen wiederum wurde von ihrem Sohn in dem Haus untergebracht, in dem Georgie früher als Nutte angeschafft hat.

Ein fulminantes Kaleidoskop aus Helden, wenn man sie denn so nennen darf, fährt die Autorin hier auf. Doch auch wenn es auf den ersten Blick nach einem Haufen Klischees aussieht – Gangsterboss, Nutte, Drogendealer – darf man sich hier nicht täuschen lassen. McInerney bricht diese Klischees auf und füllt die Charaktere mit Tiefe, verbandelt sie miteinander und lässt doch alle tragisch abstürzen. Denn eines haben alle gemeinsam: sie sind auf der Suche nach einem besseren Leben.

Da ist zum einen Maureen. Sie musste als junges Mädchen, schwanger von einem reichen, „anständigen“ Kerl, ihr Kind abgeben. Zwar ist sie um die Magdalenwäschereien herumgekommen, doch ausgerechnet ihre bigotte Mutter zieht ihr Kind groß und schickt sie weit weg nach London. Als Erwachsener macht Jimmy sie ausfindig und holt sie heim nach Cork, quartiert sie in das ehemalige Bordell ein, aber ohne es ihr zu erzählen. Maureen hadert mit Gott und dem Katholizismus, nichts gibt er ihr, einzig nimmt er ihr ständig etwas und doch ist sie auf der Suche. So scheint es urkomisch, dass Maureen Robbie mit einer Devotionalie, einem heiligen Stein, erschlägt. Maureen nimmt es der Kirche übel, dass sie ihr das Kind weggenommen haben, natürlich nicht direkt, sondern durch ihre bigotte Mutter und schlägt zurück, zündet sogar eine Kirche an. Nichtsdestotrotz ist sie keineswegs verrückt, sondern blickt mit einer Weisheit hinter die Masken der Menschen, dass es ihrem Sohn ganz angst und bange wird und er sich mehrmals fragt, was er sich da eingehandelt hat.

Der eigentliche Protagonist der Story ist aber eindeutig Ryan Cusack. Der musische begabte Junge, dessen Mutter früh gestorben ist und der mit seinem Vater kein Stück zurechtkommt, versucht seinen Platz im Leben zu finden. Ein gutes Stück gelingt ihm das, als er sich Karine D’Arcy als Freundin angeln kann. Ein anständiges Mädchen, welches ihn ein Stück weit auf den Boden behält, doch die ewigen Querelen mit seinem Vater und die aufdringliche Nachbarin machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Langsam rutscht er in das Drogengeschäft, verkauft seinen Stoff aber nicht jedermann und nach ganz eigenem System, hat aber damit Erfolg. Nichtsdestotrotz gerät er in Schwierigkeiten, gerät an einen Richter, der ein Exempel statuieren will und landet im Knast. Das Erwachsenwerden dieses Jungen scheint der Mittelpunkt der Geschichte, um den sich alles dreht, auch die Kapitel beginnen immer mit ihm, mit glücklichen Zeiten, die er mit Karine verbringt. Ein tragischer Held zu Beginn, und ein tragischer Held am Ende.

Ein Querschnitt an Charakteren, welche die Autorin nach Cork setzt und das pittoreske Bild Irlands zerstört, die Wahrheit aufzeigt. Realität walten lässt. Nichts ist nur schön, alles hat Schattenseiten. Menschen, die, ob sie sich nun anstrengen oder nicht, nie etwas erreichen aber immer vom besseren Leben träumen und danach streben. So wie Tony, so wie Maureen. Menschen, die zu jung ins Leben geworfen werden, mit Schicksalsschlägen niedergedrückt werden und die Realität erfahren. So wie Ryan, so wie Georgie.

Schwermütig hätte das Buch werden können, deprimierend, doch die Autorin hat ihre ganz eigene Art, damit umzugehen. Urkomisch schildert sie dieses Karussell an Charakteren und treibt es vorwärts. Krimikomödie könnte man es nennen, doch eigentlich ist es viel mehr. Sprachlich schafft es die Autorin ganz wunderbar groteske und herrlich komische Bilder zu zeichnen, immer nur ein wenig und nimmt damit dem Buch die Düsternis und Schwere, aber längst nicht die Tragik und Verschrobenheit. Ein gelungener Trick, den die Autorin hoffentlich im nächsten Teil, den der Liebeskind Verlag sich bestimmt schon gesichert hat, wiederholt.

„Mir? O Vater, ich weiß, dass es mir leid tut. Aber was ist mit Ihnen? Vergib mir, Irland, denn ich habe gesündigt. Kommen Sie, mein Junge. Kein Wunder, dass Sie sagen, der Heilige Gott ist voll der Gnade, denn wie sonst sollte irgendeiner von euch Dreckskerlen nachts schlafen können?“ (Pos. 2280)

Fazit:
Die Autorin zeigt die Abgründe Irlands, ohne dabei in Klischees zu verfallen, mit einer gehörigen Brise Komik. Ein irischer Krimi, der seinesgleichen sucht. Ungewöhnlich, grotesk und phänomenal!

 


Lisa McInerney – Glorreiche Ketzereien
Verlag: Liebeskind
Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence
448 Seiten
ISBN: 978-3954380916

 

 

 


Andere Meinungen zum Buch:
Wortgestalt meint: „Jahrzehnte irisch-katholischen Lebens, eine kleine Abrechnung der Autorin mit Irland, mit dem Katholizismus, mit der Heuchelei und Frömmigkeit und dem Glaubenseifer. Auch mit der wirtschaftlichen Lage, der Sozialstruktur. »Glorreiche Ketzereien« ist eigentlich ein Sozialdrama, was es am Ende zu starker Kriminalliteratur macht.“
Buch-Haltung meint: „Auch wenn es keine wirklich profunde literaturtheoretische Analyse ist: dieser Roman macht Spaß. Er ist temporeich erzählt, schwarzhumorig und rundet sich zum Ende hin ganz wunderbar. “
Renie’s Lesetagebuch meint: „Die Autorin mag ihre Charaktere. Auch wenn sie sie oft dumm dastehen lässt, an der Grenze zur Respektlosigkeit, wird man den Eindruck nicht los, dass sie ihren Protagonisten deren Sünden verzeiht und dabei das Menschliche in den Vordergrund stellt. Sie reduziert sie nicht auf ihre Jobs (Dealer, Prostituierte, Kriminelle), sondern zeigt sie mit all ihren Sehnsüchten, Wünschen und Gefühlen.“

 

Das Copyright für das Titelfoto liegt bei mir.


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Blog-Spezial Irische und Nordirische Kriminalliteratur – gemeinsam mit Wortgestalt

Es geht wieder los!
Gemeinsam mit Philly von Wortgestalt-Buchblog habe ich mich durch irische und nordirische Krimis gelesen und darf nun endlich das Blog-Spezial hierzu ankündigen. Schon vor unserem letzten gemeinsamen Spezial (Blog-Spezial Dystopische Literatur) haben Philly und ich herausgefunden, dass wir viele gemeinsame Themen haben, denen wir gerne ein Spezial widmen würden. Die Zeit ist zwar bei allen immer knapp bemessen, doch ein weiteres Spezial mit Philly hatte einfach noch Platz in diesem Jahr. Ach, ich freu mich so sehr!

Eine unheimliche Freude habe ich immer wieder an der Recherche. Welche Bücher will ich lesen? Was gibt mein SUB her? Welche AutorInnen wollte ich schon lange mal austesten? Soll viel irische/nordirische Geschichte vorkommen? Soll es mehr aktuell sein? Müssen die AutorInnen aus Irland/Nordirland stammen oder nur darüber schreiben?
Ah, ich liebe es, meinen SUB zu durchsuchen. Jemand mit weniger als 100 Büchern im SUB kann das vielleicht gar nicht nachvollziehen, wie ich dann vor meinen Regalen sitze und alle Bücher rausziehe, damit ich auch alles in der zweiten Reihe zu sehen bekomme… aber das mal nur so nebenbei. Von der Recherche auf Verlagsseiten nach weiteren passenden Büchern spreche ich mal gar nicht, denn die ist für den SUB auch nicht gut.

Letztendlich basiert meine Auswahl hauptsächlich auf zwei Kriterien: was kenne ich noch nicht und was wollte ich schon lange mal gelesen haben. Dadurch gibt es bei mir z. B. keinen Teil der Sean Duffy Reihe von Adrian McKinty, aber auch keine Patsy Logan aus Ellen Dunnes Schreibfeder – die kenne ich nämlich alle schon. Aber es haben sich trotzdem noch so einige Titel gefunden, bei mir, so wie auch bei Philly. Und das ist unsere Liste:

15.09. – Sam Millar: Die Bestien von Belfast (Wortgestalt)
17.09. – Lisa McInerney: Glorreiche Ketzereien (Die dunklen Felle)
19.09. – Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus (Wortgestalt)
21.09. – Brian McGilloway: Borderlands (Die dunklen Felle)
23.09. – Adrian McKinty: Der sichere Tod (Wortgestalt)
25.09. – Sam Millar: True Crime (Die dunklen Felle)
27.09. – Stuart Neville: Die Schatten von Belfast (Wortgestalt)
29.09. – Eoin McNamee: Blau ist die Nacht (Die dunklen Felle)
01.10. – Kevin Barry: Dunkle Stadt Bohane (Wortgestalt)
03.10. – Gene Kerrigan: Die Wut (Die dunklen Felle)
05.10. – Seamus Smyth: Spielarten der Rache (Wortgestalt)
07.10. – Olivia Kiernan: Zu nah (Die dunklen Felle)
09.10. – Tana French: Grabesgrün (Wortgestalt)
11.10. – Declan Burke: The Big O (Die dunklen Felle)

So, auch in diesem Blog-Spezial war die Vorbereitung ein riesiger Spaß, aber damit soll es nun natürlich nicht aufhören. Sagt uns gerne Eure Meinung, kommentiert und diskutiert mit uns zu irischer und nordirischer Kriminalliteratur!

 

 

Foto von focal_leat/Pixabay.


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Gemach, gemach: Ein irischer Dorfpolizist – Graham Norton


Graham Norton – Ein irischer Dorfpolizist
Verlag: Kindler (Rowohlt)
Übersetzerin: Karolina Fell
331 Seiten
ISBN: 978-3463406909

 

 

 

 

„Es war in der Einwohnerschaft von Duneen weitgehend akzeptiert, dass, sollte ein Verbrechen geschehen und es Sergeant Collins gelingen, den Täter festzunehmen, dieser Verhaftung wohl kaum eine Verfolgung zu Fuß vorausginge. Die Leute mochten ihn durchaus, und es gab im Grunde keine Beschwerden, aber es sorgte dennoch für einige Beunruhigung, dass die Sicherheit im Dorf von einem Mann abhing, dem schon beim Gang zur Kommunion der Schweiß ausbrach.“ (S. 9)

Sergeant PJ Collins ist dick. Nur mit Mühe und Not hat er überhaupt die Polizeiprüfung bestanden, doch die Arbeit in einem Team von Polizisten war ihm zu viel. Er konnte sich nicht einfügen und seine Kollegen wollten das auch nicht. So kommt es, dass Collins sich nach Duneen versetzen lässt. Ein kleines Dorf, welches nur einen Polizisten nötig hat, so dass Colllins sich hier mit keinen Kollegen rumschlagen muss. Und ganz ehrlich, viel passiert hier eh nicht. Verkehrsunterricht an der Schule, Nachbarschaftsstreitigkeiten, vielleicht mal eine Prügelei im örtlichen Pub. So hat er es sich in Duneen gemütlich gemacht, mit drei warmen Mahlzeiten, serviert von Mrs. Meany, die nicht nur ihn sondern auch die Polizeistation versorgt. Doch dann werden beim Bau einer Neubausiedlung Knochen ausgebuddelt, menschliche Knochen. Ungefähr 20 Jahre alt fällt sofort der Name Tommy Burke. Dieser ist damals urplötzlich verschwunden, nachdem sich zwei Mädchen seinetwegen geprügelt hatten. Doch ist Tommy Burke das Opfer – oder der Mörder?

Dieser Fund bringt PJ Collins völlig aus dem Gleichgewicht. Zum einen freut er sich, endlich etwas sinnvolles mit seiner Ausbildung anzufangen, zum anderen aber fürchtet er, der Belastung nicht stand zu halten, zumal er das Rätsel ja nicht alleine lösen darf. Natürlich rücken die Experten an, allen voran Linus Dunne, ein versnobter Detective aus dem nahe gelegenen Cork. Nichtsdestotrotz stürzt er sich in die Arbeit und von ein paar Schnitzern und Fettnäpfchen abgesehen, macht er dabei gar keine schlechte Figur. Den Hauptplatz im Buch muss er sich allerdings mit ein paar Damen im Dorf teilen.

Hier wären zum einen die beiden Frauen, die sich damals um Tommy Burke gestritten haben. Evelyn Ross lebt gemeinsam mit ihren beiden Schwestern, alle unverheiratet, auf dem Gut der Familie, welches weitestgehend verpachtet ist. Brid Riordan hingegen hat sich in einer unglücklichen Ehe verfangen, die sie täglich zur Weinflasche greifen lässt. Seit damals herrscht eisiges Schweigen zwischen den beiden und beide verdächtigen jeweils die andere, als Collins an ihre Tür klopft. Dann ist da noch Mrs. Meany, Collins Haushälterin, die sich seit dem Knochenfund verdächtig still und wortkarg verhält und Collins quasi hungern lässt.

Die Charakterzeichnung gelingt dem Autor, Graham Norton – im Übrigen ein bekannter Fernsehmoderator (der mir leider gar nichts sagt) – wirklich hervorragend. Alle Charaktere sind bis in die kleinsten Details liebevoll gezeichnet und bringen Abwechslung. Von den eigenbrötlerischen Schwestern bis zu PJ Collins, der sich ständig unwohl fühlt und unsicher ist. Das lange verschüttete Geheimnis liegt in den Händen dieser Frauen und PJ ist derjenige, der dieses lüften muss – Linus Dunne hat da andere Sorgen als die Ermittlung in dem kleinen Kaff um die paar alten Knochen. Die Ausführlichkeit der handelnden Personen nimmt dem Krimi die Schnelligkeit, er läuft behäbig dahin, fast schon angepasst an den ermittelnden Sergeant – und wäre der Sergeant nicht dabei könnte man den Krimi definitiv als Cosy Crime bezeichnen. Aber auch langsam kommt man ans Ziel und so kann auch PJ Collins letztendlich das Geheimnis lüften, am Ende sogar mit einer nervenaufreibenden Autofahrt. Eines muss man allerdings noch erwähnen, denn der Krimi mag zwar in Irland spielen, doch ebenso gut hätte er in einem verschlafenen Nest in England spielen können. Ein wenig mehr irisches Flair hätte hier gut getan.

Oberflächlich betrachtet, mag der Krimi ein recht behäbiger Dorfkrimi sein, mit einem lange gehüteten Geheimnis, welches Jahrzehnte später herausbricht und die sorgsam gepflegte Dorfidylle aus dem Gleichgewicht bringt. Doch hintergründig zeigt der Krimi, wie wenig sich manche Menschen über Taten und Entscheidungen Gedanken machen, die das Leben von mehreren Leuten aber immens beeinflusst und steuert. Ein Schmetterlingseffekt, in diesem Fall kann man vielleicht fast schon von einem Schneeballeffekt sprechen, der zeigt, wie sich eine Kleinigkeit zu einer Katastrophe entwickelt.

Fazit:
Ein Mann wie ein Krimi: behäbig, aber zielsicher löst PJ Collins seinen ersten Mordfall im verschlafenen Örtchen Duneen. Ein unterhaltsamer Krimi mit hervorragender Charakterzeichnung, der allerdings mit angezogener Handbremse fährt.


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Deutsch-irische Beziehungen: Harte Landung – Ellen Dunne


Ellen Dunne – Harte Landung
Verlag: Insel Verlag (Suhrkamp)
437 Seiten
ISBN: 978-3458362883

 

 

 

 

 

Ja, ich gebe es zu: ich bin ein wenig im Irlandfieber. Mein Urlaub im Juli war wirklich toll und das Ferienhaus für nächstes Jahr (diesmal allerdings Nordirland) ist schon mal gebucht. Es ist also kein Wunder, wenn ich gerade total auf die grüne Insel abfahre und es sehr begrüße, wenn ich Krimis finde, die in Irland spielen. Aktuell ist das Ellen Dunne gelungen, die ihre Münchner Kommissarin mit irischen Wurzeln zu einer Ermittlung nach Dublin schickt. Und zwar mit vollem Erfolg.

Patsy Logan, gesegnet mit irischen und deutschen Wurzeln, ist Kommissarin bei der Münchner Kripo, als sie den möglichen Selbstmord oder Unfall von Carolin Höller, der Chefin der deutschen Niederlassung des Tauschportals Skiller, zugeteilt bekommt.. Es sind zwar nur wenige Hinweise, doch der Verdacht erhärtet sich, dass Carolin Höller nicht freiwillig aus dem Fenster gesprungen ist. So beginnt Patsy zwischen den Skillerz, wie sich die Mitarbeiter des Tauschportals nennen, zu ermitteln – in München, aber auch in deren Hauptquartier, in Dublin.

Ganz kurz am Anfang war mir Patsy doch kurz mal unsympathisch, bevor mir aufgegangen ist, wie fantastisch sie eigentlich ist. Patsy vollführt einen kollegialen Seiltanz indem sie gleichzeitig angepasst und doch unbequem ist. Ihre neu zugeteilte Partnerin Kris muss damit erst einmal zu Recht kommen und tut sich schwer mit Patsys Humor. Ganz anders gelingt es dem Patsy zugeteilten Iren Ben Ferguson von sich zu überzeugen. Privat hat Patsy auch gerade an Problemen zu knabbern, denn die Frage, was zu tun ist, wenn man einfach nicht schwanger wird, steht im Raum. Patsy ist erst einmal so gar nicht gewillt hier nachzuhelfen, so dass sie sich lieber in den Fall stürzt, anstatt sich damit auseinander zu setzen. Und auch ihre irischen Wurzeln sorgen noch für Verwicklungen.

Die Ermittlungen beginnen in München, doch konzentrieren sich schon bald auf Dublin. Das Privatleben des Opfers spielt zwar keine unwesentliche Rolle, doch der Fokus liegt auf Skiller und seinen Mitarbeitern. Nach und nach fragt sich Patsy durch die Belegschaft, doch hat immer wieder Schwierigkeiten Kollegen, die in Dublin weilen, zu erreichen. So wird Patsy irgendwann nach Irland geschickt – ohne Befugnisse und mit irischem Wachhund: Ben Ferguson. Immer wieder streut die Autorin kleine Kapitel dazwischen, in denen der letzte Tag des Opfers nach und nach aufgerollt wird, natürlich passend zu einer Befragung oder einem neuen Hinweis, der aufgetaucht ist. Es wird klar, das Leben einer Niederlassungsleiterin ist verdammt hart und knifflig.

Skiller hat mich – obwohl es sich hier um ein Start Up kurz vor dem Aktiengang handelt – sehr an mein berufliches Umfeld erinnert. Die Bezeichnung Skillers für die Mitarbeiter, die geforderte Einsatzbereitschaft und Leidenschaft, die sich immer schneller drehende Geschäftswelt, in der ältere Mitarbeiter keinen Platz mehr haben. Skiller bietet zudem noch unterschwellig Druck durch die hohe Einstufung vor dem Aktiengang, so dass die Intrigen und Machtkämpfe in den oberen Etagen ein spannendes Geflecht bilden, welches von Patsy Stück für Stück aufgedröselt wird.

Ich habe mich sehr gerne mit Patsy durch das Skiller-Gewirr gekämpft, um Carolin Höllers Mörder zu finden. Patsy ist eine taffe Ermittlerin, die sich nicht so schnell in eine Richtung drängen lässt und allen Spuren folgt. Die privaten Sorgen machen sie menschlich und echt – die einsamen Ermittlerbrummbären mögen zwar in Krimis funktionieren, doch in der Realität schlagen sich Ermittler eben nicht nur mit den Ermittlungen herum. Die beiden Ermittlungsorte verleihen dem Krimi eine kleine Besonderheit und  Patsys irische Wurzeln geben dem Krimi den letzten Schliff.

Die Frage, die ich mir nun am Ende allerdings stelle, ist die folgende: Es ist der Beginn einer Krimireihe, somit können wir weitere Teile mit Patsy Logan erwarten. Wird sie in München ermitteln oder in Dublin? Oder versucht die Autorin nochmal eine gemischte Ermittlung? In u. a. Video verrät die Autorin schon mal, dass der nächste Fall nur in München spielen wird. Mit weiteren gemischten Ermittlungen hätte ich so meine Probleme, da ich mir nicht unendlich viele Fälle in der Ermittlungskombination München / Dublin vorstellen kann, aber wer weiß, vielleicht zaubert die Autorin hier eine Überraschung aus dem Hut, die ich mir im Traum nicht vorstellen könnte. Auf jeden Fall aber freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Teil mit Patsy Logan!

Fazit:
Patsy Logan ermittelt klassisch, aber sehr unterhaltsam in der Geschäftswelt eines Start-Ups. Schlagfertig, taff und mit besonderem Humor ausgestattet, schafft es die Ermittlerin mit irischen Wurzeln voll zu überzeugen. Ich hoffe, wir werden mehr von ihr sehen!

 

Wer noch mehr über das Buch erfahren will, sollte in das folgende Video der Autorin Ellen Dunne hineinschauen:


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Zu viel, zu wenig: In ewiger Ruhe – Stuart Neville

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Stuart Neville – In ewiger Ruhe
Verlag: atb
Übersetzer: Wolfgang Thon
396 Seiten
ISBN: 978-3746631134
9,99 €

 

 

 

 

War ja mal wieder klar – ich fange mit dem vierten Teil einer Reihe an und das auch noch in einer Reihe, die zumindest beim Personenhintergrund aufeinander aufbaut. Na ja, damit muss ich halt leben – und mich das nächste Mal besser vorbereiten. Aber jetzt erst mal zu „In ewiger Ruhe“.

Rea Carlisle findet in ihrem Erbe, dem Haus ihres Onkel Raymonds, ein Sammelalbum. Neben Haaren und Fingernägeln befinden sich dort Tagbucheinträge und Zeitungsanzeigen und –artikel von vermissten Personen. Und es gibt Fotos. Fotos von ihrem Onkel und ihrem Vater. Schnell ist ihr klar, dass ihr Onkel diese Menschen auf dem Gewissen hat und Rea wendet sich an Jack Lennon. Jack ist gerade suspendiert, mehr oder minder von Schmerztabletten und Alkohol abhängig und frustriert. Und dann ist das Buch verschwunden. Jack verspricht, sich trotzdem mal zu informieren, doch am nächsten Tag ist Rea tot und er verdächtig.

Jack ist der verratzte, kaputte Held, den man sich in einem Hardboiled Krimi so wünscht. Ob er das in den vorigen Teilen auch schon war? Ich zweifle das mal an, weil es dazu keine Hinweise gibt. Jacks Verzweiflung, die Frustration, die Wut, den Jähzorn – das alles kann man deutlich spüren, doch diese ganzen Emotionen scheinen an den Vorfall gekoppelt, durch den er suspendiert wurde. Jack taucht unter und ermittelt auf eigene Faust. Der ausgestoßene Einzelkämpfer, der nur noch einen Freund unter Kollegen hat und sich Hilfe bei den Kriminellen sucht, der in ein Wespennest stößt und immer mehr Wunden abkriegt, anstatt sich zurück zu ziehen und seine alten Wunden zu lecken.

Eigentlich eine schicke Sache – dieser Jack, genau mein Ding. Und doch hinterlässt der Thriller bei mir einen schalen Nachgeschmack – ich hatte einfach etwas mehr, etwas anderes erwartet. Denn letztendlich kann der Held nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Story doch sehr Mainstream ist. Da musste also ein bisher unentdeckter Serienmörder herhalten, eine unbedarfte Frau in der Vergangenheit stöbern und dann sterben und der suspendierte Jack die Ermittlungen übernehmen. Die Ermittlung gestaltet sich dann recht spärlich, da so viele andere Dinge passieren. Da sind die privaten Sorgen der ermittelnden Beamtin, Jacks Beziehung zu Susan, die McKennas, die ihm seine Tochter wegnehmen wollen und und und. Zu viel reingepackt und zu wenig Fokus – wie schade, dass hier ein zentrales Thema ausgespart wurde, um alles zu verwursten und somit leider „nur“ eine Serienmörder-Ermittlung mit viel Drumherum zu bieten.

Nichtsdestotrotz war das Buch spannend und ich hab mich einen Sonntag lang gut unterhalten gefühlt, am Held gibt es kaum zu mäkeln und in einer anderen, fokussierteren Story darf er gerne nochmal auftauchen, nur leider fehlt dieser Story die Tiefe, es gibt keinen besonderen Kick und somit bleibt der Thriller leider nur Durchschnitt.

Fazit:
Spannend, mit einem verknautscht-kaputten Helden, den man sich wünscht, nur leider ohne große Überraschungen oder Besonderheiten.


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Irischer Roadtrip: Ein letzter Job – Adrian McKinty

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Adrian McKinty – Ein letzter Job
Verlag: suhrkamp
396 Seiten
ISBN: 978-3518463727
14,99 €

 

 

 

 

Meine Meinung:
Ach, ich weiß gar nicht recht, was ich zu „Ein letzter Job“ sagen soll. Nach dem Lesen ist bei mir einfach so eine Unzufriedenheit zurück geblieben. Das heißt aber nicht, dass der Thriller durchgehend schlecht war, eigentlich war er ganz gut. Aber mal von vorne.

Killian hat sich aus der Szene eigentlich schon verabschiedet. Er lebt zurückgezogen und studiert. Doch dann soll er noch einen Job erledigen und die finanzielle Vergütung ist einfach nicht abzulehnen. Er soll die Ex-Frau und die beiden Mädchen des einflussreichen Unternehmers Richard Coulter finden. Wie das oft so ist, steckt aber hinter dem Auftrag mehr als gesagt wird.

Killian wird dem Leser als erfahrener Problemlöser verkauft, der eben schon eine Weile aus dem Geschäft ist und dann wieder einsteigt. Das Konzept geht nicht auf, denn der zweite Spezialist, der beauftragt wird, ist Russe, jünger und eiskalt. Er zeigt Killian mal gleich, wo der Hammer hängt, um hier ein olles Sprichwort auszupacken. Killian kennt schon gute Tricks und ist auch darauf bedacht, seinen Weg nicht mit Leichen zu pflastern, sondern einen einvernehmlichen Weg zu finden und eben nur im Notfall Leichen zu hinterlassen. Ganz anders „Starschina“, der russische Auftragskiller. Er lässt jeden von Killians Tricks auffliegen und ihn dumm dastehen. So ist Killian eigentlich immer am Hetzen. Im Übrigen ist er auch immer von seinen Tricks überzeugt, auch wenn diese dann kurze Zeit später durch den Russen auffliegen. Ich hätte es ja noch verstanden, wenn er nach dem ersten Mal einfach dazu gelernt hätte, aber das hat er nicht.

So konnte ich mich nicht wirklich mit Killian anfreunden. Er war mir zu unflexibel und träge, wenn auch sympathisch, einfach durch seine Einstellung zum Leben. Meine Unzufriedenheit ruht darin, dass er sich ständig dumm anstellt, obwohl ich ihn eigentlich für einen klugen Menschen halte. Spannend zu lesen sind seine Erlebnisse trotzdem. Erst allein, später dann mit Rachel und den Kindern ‚am Bein‘, versucht er, dem Russen immer einen Schritt voraus zu sein und alle am Leben zu erhalten. Hierbei wird er von einem Ort zum anderen getrieben und man lernt Nordirland ganz gut kennen.

Der absolute Supergau ist die Liebesgeschichte in diesem Thriller. Die hab ich nicht gebraucht und ich denke, ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, die braucht niemand in dem Thriller. Eigentlich nimmt sie dem Thriller sogar die Glaubhaftigkeit und schreit lauthals „Klischee“!

Als Killian in Islandmagee, bei seinem Volk, den Pavee, für eine Weile Unterschlupf findet, gibt der Autor Einblick in eine – zumindest mir – völlig fremde Kultur. Sie erinnern an Zigeuner, sind aber wohl nicht mit diesen verwandt. Ihr Usprung liegt bei den Kelten oder frühen Christen und oft werden sie auch als Tinker(von denen hab ich schon gehört, ist aber wohl die englische Variante) oder Traveller bezeichnet. Die Pavee sind ein fahrendes Volk und Killian stammt von ihnen ab. Sie werden ohne jegliche Fragen willkommen geheißen und als ein Angriff droht, stehen sie alle Seite an Seite. Dieser Einblick in eine andere Kultur hat mir sehr gut gefallen und dem letzten Drittel etwas Besonderes gegeben. Das war allerdings auch nötig, da Killian eher mit Glück, als mit Verstand und Logik das Ende positiv beeinflussen konnte.

Nichtsdestotrotz gelingt es dem Autor, ein abgeschlossenes Ende durch den Epilog offen zu halten. „Ein letzter Job“ ist ein Standalone und so bleibt der Leser mit dem ungewissen Abschluss zurück, doch letztendlich hat es dem Thriller seine Würde bewahrt. Ein anderes Ende wäre mir viel zu kitschig erschienen.

Fazit:
Spannend, doch leider mit einer Hauptfigur, mit der ich mich nicht ganz anfreunden konnte. Ein Plus gibt es für die irische Landschaft und die Kultur der Pavee, ein Minus für die klischeehafte Liebesgeschichte. Alles in allem bekommt „Ein letzter Job“ von mir 3 Schafe.

3 Schafe


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Düster und schonungslos: Die Bestien von Belfast – Sam Millar

9783855355105
Sam Millar – Die Bestien von Belfast
Verlag: Atrium
286 Seiten
ISBN: 978-3855355105
16,95 €

 

 

 

 

Vorab:
Sam Millar ist ein Gangster. Geboren und aufgewachsen in Nordirland, war er Mitglied der IRA und einige Jahre im Gefängnis, bevor er in die USA übersiedelte. Er war an einem großen Banküberfall auf das Transportunternehmen Brink’s, der 1993 stattfand, beteiligt, mutmaßlich der Kopf des Ganzen. Er wurde gefasst, begnadigt und ging wieder nach Nordirland, wo er Kriminalromane schreibt. Karl Kane, der Protagonist von „Die Bestien von Belfast“, soll dem dem Autor ähneln, da er genauso vom frühen Verlust seiner Mutter geprägt ist.
Das ist doch mal ein seltener Lebenslauf bei einem Autor und mir gleich aufgefallen. Millar kann praktisch aus eigenen Erfahrungen schöpfen und seine Thriller so bereichern. Ob das auch klappt? Hier meine Meinung dazu.
Mehr über Sam Millar.

Meine Meinung:
Die ersten paar Seiten von „Die Bestien von Belfast“ katapultieren den Leser mitten in eine fürchterlich schreckliche Szene: eine junge Frau, vergewaltigt und verprügelt, liegt auf dem Boden und hört Hunde näher kommen, Hunde die sie zerfleischen werden. Das Bild, welches Sam Millar hier kreiert, war ziemlich grauslig und das obwohl es nur ein kurzer Abschnitt ist und ich eigentlich nicht sehr zart besaitet bin. Seine Beschreibung der Szene war distanziert und dadurch noch einprägsamer als eh schon. Dann erfolgt ein plötzlicher Wechsel zu den Tätern, die zurückkommen und ihre Tat zu verschleiern suchen. Der Prolog trägt den Titel „Blutiger Sommer, 1978“ – wie wahr.

Als man dann ins Hier und Jetzt wechselt lernt man kurz hintereinander mehrere Personen kennen, was mich ein wenig verwirrt hat. Das Buch ist kurz und die Figuren, abgesehen vom Protagonisten, eher flach und eben schnell wieder vergessen. Aber man lernt eben auch Karl Kane kennen, einen Privatdetektiv, der sich mehr schlecht als recht durchschlägt. Er hat eine Exfrau, die ihn ausbluten lässt, eine Sekretärin, die auch seine Geliebte ist, und wenig Aufträge. Deshalb kommt der Auftrag von Mister Munday gerade recht. Er will mehr über den Mord an einem Mann im Park wissen. Für Karl leicht verdientes Geld und er stürzt sich auf diesen Auftrag. Dazu kontaktiert er seine Kumpels bei der Polizei. Na ja, mehr oder weniger Kumpels. Kane wurde bei der Aufnahme abgelehnt und dementsprechend beissend sind die Gespräche, mal abgesehen davon, dass ihre moralischen Werte ziemlich weit auseinander gehen. Und noch nebenbei bemerkt: Karl ist hier der Gute. Zum Glück hat er aber einige andere alte Freunde, die ihm helfen. Doch der Auftrag stellt sich nach und nach als nicht ganz so einfach heraus, wie gedacht.

Karl Kane. Ich hab nochmal nachgeblättert, aber nicht viel über ihn gefunden. Spindeldürr und hochgewachsen wird er beschrieben. Und er hat Hämorriden. Ich stelle ihn mir mit Trenchcoat und Hut vor, leicht gebeugt und tropfnass vom Regen (das passiert tatsächlich!). Und das einfach, weil die Stimmung des Buches mir diese Vorstellung suggeriert. Sam Millar zeichnet ein Belfast voll mit korrupten und/oder unfähigen Bullen, einem Hort voll Verbrechern und zwielichtigen Gestalten und ungemütlichem Wetter. Die Atmosphäre ist unheimlich. Nicht gespenstisch unheimlich, sondern einfach knisternd. Und da passt Karl Kane – Privatdetektiv, da er kein Bulle werden durfte – einfach rein. Zugegebenermaßen beeinflusst mich auch seine Privatdetektei und seine Sekretärin/Geliebte zu dieser Vorstellung. So (aber natürlich nicht genau gleich) erhoffe ich mir immer den Protagonisten eines Hardboiled Krimis, doch nicht immer werden meine Hoffnungen erfüllt.

Die Handlung findet nicht nur aus Karls Sicht statt, sondern man erlebt auch die Sichtweise der Täterin und es gibt Ausflüge in die Vergangenheit. Diese haben mich anfangs sehr verwirrt, da ich diese mit dem Fall in Verbindung bringen wollte, doch die Verbindung besteht zu Karl, nicht zu dem Fall. Die Taten sind durchweg recht grausam, alle Opfer wurden gefoltert. Doch die Tötungsarten sind sehr unterschiedlich und – ja, ich kann es nicht anders sagen – einfallsreich. Die Täterin ist von Rache getrieben und steckt ihre Genialität und Gemeinheit in die Ausarbeitung ihrer Taten. Wer die Täterin letztendlich ist, hat mich total umgehauen. Das hätte ich nie gedacht.

Karl Kane löst den Fall. Das an sich ist vermutlich keine große Überraschung. Erstaunlich ist aber, dass niemand geringeres als Scarlett Johansson der Tipp zur Lösung ist. Ihr wollt wissen, warum? Lest es selbst. Aber dies war auch der einzige positive Aspekt an der Lösung. Das Ende ist düster und deprimierend. Und doch siegt die Gerechtigkeit, auch wenn Sam Millar dem Ganzen am Ende einen Dämpfer versetzt. Nun kann man sich natürlich fragen, warum man das Buch lesen sollte, wenn das Ende so düster und deprimierend ist. Na ganz einfach: wer will schon ein kitschiges Happy End?

Fazit:
Atmosphärisch dicht, mit dem kantigen Karl Kane und einer raffinierten Täterin ausgestattet – Hardboiled as it can be. Abgesehen von einigen Kleinigkeiten war der Thriller ein Genuss und von mir gibt es 4 Schafe.

4 Schafe