Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Drei in einem: Die schwarze Frau – Simone St. James


Simone St. James – Die schwarze Frau
Verlag: Goldmann
Übersetzerin: Anne Fröhlich
443 Seiten
ISBN: 978-3442488223

 

 

 

 

Idlewild Hall beherbergte seit Anfang des 20. Jahrhunderts unerwünschte, aufsässige, labile Mädchen, die von ihren Familien in das Internat abgeschoben wurden. Fiona Sheridan hat ein besonderes Interesse am Gelände von Idlewild Hall, dessen Internat längst die Pforten geschlossen hat und vor sich hin rottet. Vor 20 Jahren wurde ihre Schwester Deb ermordet und auf dem Gelände liegen gelassen. Als sie nun hört, dass Idlewild Hall restauriert und wieder eröffnet werden soll, ist ihre journalistische Neugier geweckt, vor allem, als bei den Bauarbeiten, das Skelett eines jungen Mädchens gefunden wird. Ihre Recherchen weisen unweigerlich in verschiedene Richtungen und bringen nicht nur neues über das Skelett und den Mord an ihrer Schwester zutage, sondern auch die Geistergeschichten von Mary Hand, die auf dem Gelände von Idlewild Hall spuken soll.

Als ich das Buch gesehen habe, musste ich es sofort haben – sowohl das Cover als auch der Klappentext haben mich sofort angesprochen. Gruselige, bzw. Geistergeschichten sprechen mich gerade eh an, wobei dieses Buch so viel mehr bietet. Der Autorin gelingt es nämlich wunderbar, nicht nur Mary Hands Geschichte in Fionas Ermittlungen einzubauen, sondern auch den Mord an ihrer Schwester mit neuen Verdachtsmomenten zu spicken und 4 junge Mädchen in den 1950ern zu Wort kommen zu lassen. Besonders diese Passagen haben es mir angetan, anfangs waren sie abwechselnd eingeflochten, bis sie zum Ende hin weniger werdend, doch die karge und unfreundliche Atmosphäre von Idlewild Hall wurde hier sehr anschaulich dargestellt. Die tiefe Freundschaft der vier Mädchen Katie, Roberta, Sonia und CeCe, zusammengewürfelt und gezwungenermaßen im gleichen Zimmer, wurde dadurch beflügelt und man sieht fast voraus, dass diese Freundschaft ein Leben lang halten wird. Natürlich schweißt sie ein Ereignis besonders zusammen.

Zugleich spielt die Autorin mit Fionas Suche nach der Wahrheit um den Mord an ihrer Schwester. Der Täter sitzt hinter Gittern, doch nach und nach schleichen sich Zweifel bei ihr ein, ob auch der richtige Täter für die Tat einsitzt. Als ihre Schwester starb war sie noch jung, Fionas Mutter starb wenige Jahre später, ihr Vater hat sich zurückgezogen. Der Mord hat eine tiefe Furche in Fionas Familie getrieben, die bis jetzt noch nicht verheilt ist. Ihre Beziehung zu Jamie, einem Polizisten, ist hierbei Hilfe und Problem in einem, denn sowohl Vater als auch der Großvater von Jamie waren die früheren Polizeichefs und als sich Zweifel auftun, ob bei den Ermittlungen – sowohl bei dem Skelett, welches sich als verschwundenes Mädchen herausstellt, als auch bei ihrer Schwester – alles mit rechten Dingen lief, kommt das in Jamies Familie nicht gut an.

Auch wenn es so scheint, als ob die Autorin zu viele Themen in eine Geschichte packt, ist dem nicht so. Durch die verschiedenen Ereignisse im Laufe der Jahrzehnte verfestigt sich nur die unheimliche Atmosphäre, die über Idlewild Hall zu schweben scheint. Ein verfluchter Ort, der scheinbar niemandem Glück bringen kann. Es sind also mehrere Dinge die passieren, bzw. Fiona recherchiert, natürlich alle in Verbindung mit Idlewild Hall, und dabei hat man nicht das Gefühl, dass die Autorin einen Faden aus der Hand lässt, sondern sie verwebt alle Stränge geschickt miteinander und lässt eine ganz wunderbare und sehr spannende Geschichte entstehen. Die Legende um Mary Hand nimmt hier keinen Fokus ein, ist im Hintergrund aber immer präsent. Eine Geistergeschichte, aber ganz natürlich eingeflochten in aktuelle und nicht mehr so aktuelle Ereignisse, kein richtiger Grusel, sondern eher ein kalter Hauch, der die Geschichte um Idlewild Hall umgibt.

Fazit:
Ich habe das Buch fast schon weggesogen. Ich fand die Geschichte, die eigentlich drei Geschichten umfasst, unheimlich spannend, sehr atmosphärisch und wirklich gut geschrieben. Sehr gelungen!


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Gruseliger Ausflug: Mörderische Renovierung – Edgar Cantero


Edgar Cantero – Mörderische Renovierung
Verlag: Golkonda
Übersetzer: Thomas Görden
412 Seiten
ISBN: 978-3946503491

 

 

 

 

Wirklich, ich weiß es nicht. Ich weiß einfach nicht, warum das Buch „Mörderische Renovierung“ heißt. Das ist jetzt kein riesiges Problem, aber der Titel ist irgendwie irreführend und passt nicht – meiner bescheidenen Meinung nach. Im Original heißt das Buch „The Supernatural Enhancements“ und das passt perfekt. Nun, es wird einen Grund für den Titel geben und es ist nun auch wirklich nur eine Kleinigkeit, denn abgesehen vom Titel war das Buch ein ganz wunderbarer Ausflug ins Gruselgenre, denn ich nur jedem empfehlen kann.

Protagonist A. erbt von seinem Cousin Ambrose Wells ein Anwesen, das Axton House. Nicht nur eine große Überraschung, waren A. und Wells nämlich nur Cousins 4. Grades, sondern kannten sich auch überhaupt nicht. A. reist also aus England an, um das Anwesen im Herzen der USA in Besitz zu nehmen, inklusive des beträchtlichen Vermögens, und dort sein weiteres Leben zu verbringen. Ohne Job, sozusagen als Privatier, denn das geerbte Geld ermöglicht das. Mit dabei ist Niamh (gesprochen Nief), eine jugendliche Punkerin, die nicht sprechen kann, aber sehr wohl hört, seine Gefährtin und Beschützerin. Stumm, aber nicht taubstumm. Nun war Wells nicht nur ein Einsiedler, sondern auch sehr sonderbar, desweiteren machen gruselige Geräusche, die Spukgeschichten der Nachbarn und gespenstische Träume das Anwesen unheimlich, wecken aber auch die Neugier der neuen Besitzer.

Es gibt zwei Punkte, an denen ich hier ein wenig rummäkeln muss und über das erste habe ich mich schon ausgelassen, den Titel, aber das Cover hingegen und die Aufmachung des Buches, aber auch die Art, wie der Autor die Geschichte transportiert sind wirklich absolut genial. Das Cover zeigt nicht nur das Anwesen, sondern vereint auch mehrere Elemente, die in dem Buch vorkommen und sich nach und nach offenbaren. Stückchen für Stückchen legen A. und Niamh die obskure Vergangenheit von Ambrose Wells und des Axton Houses frei, doch das gelingt nicht mal eben so. War Ambrose Wells doch in einer okkulten Geheimgesellschaft und liebte Verschlüsselungen, Rätsel und Geheimräume.

Das Buch ist auch kein einfacher, normaler Text. Es besteht aus Tagebucheinträgen, Tonaufnahmen, den Protokollen von Videoaufzeichnungen, Traumjournalen, Briefen, Auszügen aus Fachbüchern und vielem, vielem mehr. Es ist eine ungewöhnliche, aber wirklich spannende Art und Weise, den Inhalt des Buches zu lesen, zu entschlüsseln, ja, fast zu enthüllen. Verschiedene Schrifttypen, manchmal Bilder, vor allem die Rätsel, die A. und Niamh knacken müssen, sind abgebildet. Es macht einen riesigen Spaß, die verschiedenen Textarten zu lesen. Dabei wechselt dann auch die Perspektive, während das Tagebuch aus A.s Sicht geschrieben ist, sind Ton- und Videoaufzeichnungen neutral, fast wie ein Drehbuch. Auch Niamhs Schreibblock ist immer wieder da, ihre einzige Möglichkeit ihre Gedanken anderen Menschen zu vermitteln.

Auch wenn A. der Protagonist ist, ist es doch Niamh, die mich als Leserin fasziniert hat. A. ist ein junger Mann von Anfang zwanzig und… nun ja, recht viel mehr erfährt man von ihm fast schon nicht. Niamh ist 17 und schon allein die Tatsache was sie mit A. überhaupt in diesem Anwesen macht ist rätselhaft. Die beiden machen kein Geheimnis daraus, es kommt aber auch einfach nie zur Sprache. Sie schlafen in einem Bett, aber nicht miteinander. Auch wenn A. der Hausherr ist, älter ist, die Gespräche führt, hat Niamh eine stille, aber sehr starke Präsenz. An ihrem Verhalten gemessen könnten sie Geschwister sein, sind es aber nicht. Dies war ein Rätsel, zwar nur ein kleines, aber eins, welches mich auch das ganze Buch über immer wieder beschäftigt hat.

Ah, die Rätsel! Natürlich hat Axton House einen Geist. Wer hat tatsächlich geglaubt, dass es hier keinen gibt? Aber der Geist ist sozusagen nur das Sahnehäubchen, denn die wirklichen Geheimnisse und Rätsel stecken hinter Ambrose Wells Geheimgesellschaft, doch um diese zu enthüllen, müssen A. und Niamh erst einige derselben lösen. Herrlich! Ich grusele mich nicht so leicht und auch dieses Buch konnte mir keine Gänsehaut verursachen, doch die unheimliche Atmosphäre des riesigen Hauses, im Übrigen mit verwuchertem Garten und Labyrinth ausgestattet, einem geflüchteten Butler namens Strückner, kniffligen Rätseln und Geheimcodes ließ mich zappelig und angenehm gespannt durch das Buch sausen. Die Ton- und Bildaufzeichnungen geben dem ganzen noch einen weiteren unheimlichen Touch, zeigen sie doch oft Szenen in der Nacht, Szenen, in denen nicht gesprochen wird, in denen nur Bewegung stattfindet. Die Erzählungen der Nachbarn, aber auch von einem Mitglied der Geheimgesellschaft machen es nur noch unheimlicher. Die Geschichte ist genial konstruiert und es ist ein Vergnügen, mit A. und Niamh, nach und nach alles zu entschlüsseln.

Leider hat das Finale und dies ist mein zweiter Kritikpunkt,die Geschichte leider zu einem irdischen Ende gebracht. Mal abgesehen davon, dass es recht abrupt kommt und auch ziemlich schnell vorüber ist, war es mir zu real und brutal für die Geschichte. Und mit real meine ich nicht, dass es zu „echt“ war, sondern das es die ganze unheimliche Atmosphäre, welches das Buch gekonnt aufbaut, verpuffen lässt und das Ende irdisch und irgendwie gewöhnlich macht. Für das Ende passt im Übrigen denn auch wieder das „mörderisch“ aus dem Titel, denn der Gruselroman packt ans Ende noch 16 Leichen – mehr als in vielen Krimis so vorkommen, selbst mit Serienmördern. Ich will jetzt nicht sagen, dass das Ende das Buch versaut, aber irgendwie hat es mir einen Dämpfer versetzt. Es war mir zu nüchtern, zu normal – zu ungruselig. Nichtsdestotrotz werden am Ende noch einige ungeklärte Fragen aufgedeckt, allerdings nicht alle. Das wiederum stört mich gar nicht, passt es doch wieder zum größtenteils gruseligen und unheimlichen Buch, bei dem man sich ja doch oft mehr vorstellt, als passiert. Die Fantasie des Menschen ist hier einfach grandios, so dass ich mit den offen gelassenen Fragen hier durchaus glücklich bin.

Fazit:
Ein wundervoller Ausflug ins Gruselgenre, der mir sehr gut gefallen hat. Insbesondere die Gestaltung und der Aufbau des Buches fand ich fantastisch gemacht und muss ich einfach hervorheben, derweil mir aber das Ende des Buches leider nicht ganz so lag.