Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Shorty | Ab in die Falle: Beute für Profis – Robert B. Parker


Robert B. Parker – Beute für Profis
Verlag: Pendragon
Übersetzer: Martin Lewitt
208 Seiten
ISBN: 978-3865325242

 

 

 

 

Worum geht es?
Spenser wird von Harvey Shepard beauftragt, seine Frau Pam zu finden. Bei seinen Ermittlungen findet er nicht nur die Frau wieder, sondern auch heraus, dass Pam sich einer militanten Frauengruppe angeschlossen hat, und Harvey Schulden hat, diese nicht zurückzahlen kann und sich gegen Geldeintreiber und Schläger zur Wehr setzen muss. Eigentlich könnte Spenser nun das Geld für die aufgefundene Ehefrau nehmen und sich davon machen, doch da ist Spenser eben ganz anders.

Einer wie der andere?
Spenser bleibt Spenser, ein eigenwilliger, eigenbrötlerischer Privatdetektiv mit exzellentem Sinn für Gerechtigkeit, aber wenig Sinn für Obrigkeit und Gesetze. Susan Silverman scheint eine feste Begleitung an seiner Seite zu werden, doch zuerst einmal steht die Beziehung auf dem Prüfstand. Neu ist allerdings Hawk, ein Auftragskiller/Schläger/etc, den Spenser von früher kennt und der wohl noch einige Auftritte in der Reihe haben wird.

Opfer, Tat und Täter
Ein Wachmann stirbt. Es gibt Fanatiker und Verbrecher, einen Banküberfall, einen Immobiliendeal und einen Waffendeal. Ganz schön was los, wo doch anfangs nur die Frau verschwunden war…

Themen
Der Krimi ist wie immer gut konstruiert und ich mag Spenser und seine Art Fälle zu lösen einfach. Diesmal geht es aber auch viel um Erwartungen. Was erwartet ein Ehemann von seiner Frau? Was erwartet eine Ehefrau von seinem Mann? Welche Erwartungen entstehen in einer Beziehung? Und wie das mit den Erwartungen so ist, sehen die oft ganz anders aus, als der andere es sich einredet.

Was war gut?
Um die Unschuldigen zu befreien und die Verbrecher alle dran zu kriegen, arbeitet Spenser eine Falle aus. Seine Planungen und Unterredungen, damit alles zu dem einen Zeitpunkt klappt und die Falle zuschnappt, sind grandios. Die Kombination Spenser / Hawk fand ich gut, beäuge sie aber noch skeptisch und bin gespannt, wann Spenser das nächste Mal auf Hawk trifft.

Was war schlecht?
Mitunter hat man doch das Gefühl, so ein Privatdetektiv führt ein recht angenehmes Leben. Viel Essen, viel Wein, Gespräche und Spaziergänge… fühlt sich hin und wieder wie Urlaub an. Aber zum Glück passiert doch immer wieder was und das Urlaubsfeeling verfliegt.

FAZIT:
Mit um die 200 Seiten wie immer ein dünner Krimi, aber die Kürze wirkt sich keineswegs auf die Qualität der Story aus. Ich mag Spenser als auch seine Fälle und mich dürstet schon nach dem nächsten Fall…


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Brüche: Wenn Engel brennen – Tawni O’Dell


Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen
Verlag: Argument
Übersetzerin: Daisy Dunkel
352 Seiten
ISBN: 978-386754-395

 

 

 

 

Es ist nicht nur beruhigend, dass man sich auf die gleichbleibend hohe Qualität der Ariadne-Krimis aus dem Argumen Verlag verlassen kann, sondern auch immer mit viel Vorfreude verbunden. Ich kann es immer kaum erwarten, die Krimis anzufangen, sobald ich sie in den Händen halte. Und ich wurde auch noch nie bei Lektüre eines Ariadne-Krimis enttäuscht. Das ändert sich auch weiterhin nicht, denn mit Tawni O’Dell hat Verlegerin Else Laudan wieder eine vorzügliche Autorin in ihr Portfolio aufgenommen, die mich mit einem beeindruckenden und eindrücklichen Krimi vollkommen überzeugen konnte.

Campbell’s Run ist seit vielen Jahren eine Geisterstadt, evakuiert aufgrund eines immer noch schwelenden Kohlebrandes. In einer der Spalten wird eine halb verbrannte Leiche gefunden, eingewickelt in eine Decke. Theoretisch gehört das Gebiet zu Buchanan und damit in den Zuständigkeitsbereich von Chief Dove Carnahan, doch es fehlt an Personal und Erfahrung, um einen Mordfall zu klären. Nichtsdestotrotz kann sich Chief Carnahan aus der Ermittlung von Nolan Greely, Detective bei der State Police, nicht heraushalten. Sie kennt die Bewohner, die Stadt, die Beziehungsgeflechte. Und diese Kenntnis ist nötig, denn so sehr sich die Einwohner auch wünschen, dass die junge Frau von einem herumziehenden Fremden getötet wurde, so unwahrscheinlich ist es.

„Dort, wo die Feuer am heißesten schwelen, gibt es über ein Dutzend Erdspalten. Tote Bäume haben sich aus dem gelockerten Boden gelöst und sind umgekippt. Ihre aufragenden Wurzeln erinnern an die verschlungenen Beine vertrockneter Spinnen, wie Neely und ich sie auf unserem Dachboden fanden.
In eins dieser glühenden Löcher im Boden hat jemand ein totes Mädchen gestopft.” (S. 12)

Um ganz ehrlich zu sein, leben möchte ich dort nicht, doch als Kulisse für eine Leichenbeseitigung hat die Autorin die ideale Szenerie gefunden. Schwelende Erdspalten, verlassene Häuser, keine Tiere, keine Geräusche, eine tote Siedlung.  Ein eindrückliches Bild hinterlässt diese Szenerie, düster und unheimlich. Während Campbell’s Run fiktiv ist, gibt es tatsächlich so einige noch schwelende Kohlebrände in den USA, diese verursachen nicht nur Geisterstädte, sondern fördern auch trostlose, von Arbeitslosigkeit und Verwahrlosung heimgesuchte Gegenden, politisch vergessen und allein gelassen. So ist Buchanan eben keine gut florierende Gemeinde, sondern es gibt einige, denen es gut geht, und einige, die sich so durchschlagen. Und dann gibt es den Rest. So wie die Trulys. Die Familie der Toten.

Die Trulys sind ganz unten angekommen. Redneck-Unterschicht, verwahrlost, gewalttätig, aber eisern zusammen gehalten von Miranda Truly, der Großmutter und Matriarchin der Familie.  Während die Mutter unbeteiligt scheint vom Tod ihrer Tochter (warum dies so ist, war für mich im übrigen die erschreckendste und eindrücklichste Szene im Buch), ist die Schwester, mit der nächsten Generation Trulys auf dem Arm, immerhin betroffen. Der eine Bruder ist im Knast, der andere versucht dem Truly-Leben zu entkommen, der kleinste ist ein verwildertes, ADHS Bürschchen. Ganz zu schweigen von den Onkeln, Cousins und  sonstigen Verwandten, mit denen sich Chief Carnahan rumschlagen muss. Camio Truly ist ständig präsent, bleibt allerdings für mich eher blass, auch wenn sich nach und nach ein Bild des jungen Mädchens ergibt, welches ihrer Familie zu entfliehen suchte. Klug und aufmerksam, interessierte sie sich für Psychologie, traf sich mit einem Jungen, den ihre Familie hasste und wollte gerne studieren gehen. Doch wie so oft, ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die Trulys sind nur die Spitze auf dem Eisberg, Dove Carnaghan muss sich als Chief auch ständig mit den Männern um sie herum und deren Alltagssexismus auseinandersetzen, weiß das aber gekonnt zu handhaben. Nervös ist sie trotzdem, denn nach über 20 Jahren Haft, taucht der Mörder ihrer Mutter auf und verfolgt nun sie und ihre Schwester und wirft ihnen vor, damals gelogen zu haben und so seine Verhaftung verschuldet zu haben. Dieser Nebenstrang blitzt immer wieder auf und offenbart noch mehr als man vermutet, in Doves Vergangenheit aber auch in ihrer Persönlichkeit. Doves Geschichte hat vordergründig nichts mit der Ermittlung zu tun, doch die Autorin nutzt diese, um ein weiteres Bild einer Familie aufzuzeigen, welche mit den Auswirkungen einer dominanten Person kämpfen muss.

Die Autorin wirft einen sezierenden Blick auf eine typische amerikanische Kleinstadt, deren Industriezweig weggebrochen ist, kurioserweise mit dem Effekt der aufgetretenen Erdspalten und dem immer noch lodernden Feuern in den Tiefen. Daran angelehnt, wir der Mord an Camio zum Bruch in der fragilen Fassade des (noch) funktionierenden Stadtlebens und zeigt, welche Geheimnisse hier noch in der Tiefe schwelen. Mit Dove Carnaghan hat Tawni O’Dell eine Figur geschaffen, die ihre Heimat liebt, so verkorkst sie stellenweise auch sein mag, die gerne Polizeichief ist, aber auch mit sich hadert. Mit Schwächen und Geheimnissen, aber im Großen und Ganzen dem Herzen auf dem rechten Fleck und einer guten Intuition ausgestattet. Oft ausgleichend, manchmal bockig, eben ganz einfach menschlich. So ist sie der helle Fleck in dieser grauen, trostlos scheinenden Welt, doch steckt auch in ihr eine Düsternis.

Eindrücklich geschrieben, mit Ausrichtung auf eine verlassene Gegend in den USA, garniert mit einer Polizeichefin, die unermüdlich das Verbrechen aufzuklären sucht, liefert die Autorin einen grandiosen Krimi. Unverständlich, dass die im englischen Sprachraum schon gefeierte Autorin bei uns noch unbekannt ist – ein Glück hat sie sich nun für einen Krimi entschieden, so dass der Argument-Verlag mit seinem glücklichen Händchen eine weitere erstklassige Autorin auf dem deutschen Markt etablieren kann.

Fazit:
Ein grandioses Setting, eine starke Protagonistin und ein kniffliger Kriminalfall – so soll der optimale Krimi aussehen, der einen nicht mehr loslässt, bis man die letzte Seite erreicht hat. Sehr, sehr gelungen!


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Shorty | Familienbande: Fromme Wünsche – Sara Paretsky


Sara Paretsky – Fromme Wünsche
Verlag: Piper
Übersetzer: Uta Münch
227 Seiten
ISBN: 978-3492983730

 

 

 

 

Worum geht es?
V.I. Warshawski ist gar nicht begeistert. Ihre Tante Rosa hat ein Problem und möchte, dass V.I. für sie ermittelt. Zähneknirschend übernimmt sie den Fall, aber nur, weil ihre Mutter Gabriella ihr auf dem Totenbett das Versprechen abgerungen hat, sich um ihre Tante zu kümmern, wenn sie was braucht. Tanta Rosa macht die Buchhaltung für das Sankt Albert Klosters. Als sich die Aktien für 5 Millionen im Safe des Klosters als gefälscht herausstellen, gerät Rosa unter Verdacht, zusammen mit einigen Klosterbrüdern.

Einer wie der andere?
Abgesehen davon, dass V.I. sich erst ein wenig sträubt, ermittelt sie gekonnt wie immer. Wirtschaftsverbrechen sind ihr Ding und auch gar nicht langweilig. Ein Bekannter aus dem letzten Teil taucht auf und engagiert sie gleich auf zweierlei Weisen. Und tatsächlich verbinden sich die beiden Fälle miteinander. Das mag sich unwahrscheinlich anhören, passt hier aber sehr gut und fließt lückenlos ineinander.

Opfer, Tat und Täter
Zuerst gibt es keinen Mord, doch der lässt nicht lange auf sich warten. Eine alte Freundin, die V.I. für einen Rat hinzuzieht, wird ermordet. Tragisch, aber motivierend, denn auch wenn V.I. keine rechte Lust hat für ihre Tante zu ermitteln – die/den MörderIn ihrer Freundin will sie auf jeden Fall dran kriegen!

Themen
Aktien, Aktienanteile, Firmenübernahmen, Corpus Christi, der Vatikan.

Was war gut?
Ich weiß gar nicht, wie die das immer machen, aber die AutorInnen, die PrivatdetektivInnen als Protagonisten haben, können mich einfach immer einfangen. Und Sara Paretsky ist darin eine Meisterin. Das Buch hatte ich so schnell weggelesen, wie auch die anderen von Sara Paretsky und es wird ganz bestimmt nicht mein letzter bleiben.

Was war schlecht?
Ich bin kein Experte im Aktienhandel, aber irgendwie ist mir, als hätten die falschen Aktien früher auffallen sollen. Schließlich gibt es doch Dividenden und so was – ist das der guten Rosa nicht aufgefallen, dass es aus den falschen Aktien keine Einkünfte gab? Ist aber auch egal – das macht das Buch nun nicht weniger spannend.

FAZIT:
Ein weiterer spannender Fall mit der zuerst widerspenstigen V.I. Warshawski, die sich dann aber in den Fall reinkniet und ihn nicht mehr loslässt. Eine Serie, die man unbedingt lesen sollte!


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Glimpses | Damals

Der Mann, der nicht mitspielt – Christof Weigold

Worum geht es?
Hardy Engel, Schauspieler und Privatdetektiv, wird im Hollywood der 20er Jahre damit beauftragt, die verschwundene Virginia Rappe zu finden. Er findet sie auch: zugedröhnt, nackt und über Schmerzen murmelnd auf einer Party von Starkomiker Fatty Arbuckle. Zwei Tage später ist sie tot und Fatty Arbuckle soll daran schuld sein. Wahr oder nicht wahr?

Wie hat es mir gefallen?
Die schillernde Welt von Hollywood – das war damals schon so. Aber wie auch heute, ist es eben nur vordergründig schillernd und lebt mit Skandalen und Intrigen. Hardy Engel bekommt es mit Studiobossen und Stars zu tun, mit Regisseuren und Sicherheitschefs – doch keiner sagt die Wahrheit. Hardy muss sich ganz schön durchbeißen, um nicht vom Glanz, Glamour und Geld der Glitzerwelt überzeugt zu werden, den Mund zu halten. Nebenbei erfährt man so viel über das Hollywood jener Zeit, der Wahnsinn. 20er Jahre Hollywood, ein hartgesottener, standhafter Privatdetektiv, ein Touch Noir – so mag ich kriminelle Ausflüge in die Vergangenheit.

Die Drei
Schillernd, abgründig, erstklassig recherchiert


Schüssler und die verschwundenen Mädchen – Viktor Glass

Worum geht es?
Augsburg, 1890. Wenn Dienstmädchen ihre Anstellung verlieren bleibt ihnen, nachdem die Fabrikarbeiten mehr und mehr von Maschinen übernommen wurden, nur die Wahl zwischen Heirat und Freitod. Als Ludwig Schüssler vom Verlobten beauftragt wird, Luise zu finden, die vormals als Dienstmädchen gearbeitet hat, denkt er zuerst auch daran. Doch gemeinsam mit Caroline Geiger, die er zufällig trifft, tauchen plötzlich Spuren auf, die ganz andere Aufenthaltsorte der verschwundenen Mädchen andeuten.

Wie hat es mir gefallen?
Überraschend großartig – bin ich doch kein Fan von historischen Krimis, hat mir dieser ausgenommen gut gefallen. Vielleicht untypisch für die Zeit, aber von mir durchaus mit Wohlwollen betrachtet ist Schüsslers aufgeklärte Art und Carolines Selbstständigkeit, die nicht nur das Ermitteln erleichtern, sondern auch einen Hoffnungsschimmer in der damals doch recht trüben Zeit – zumindest für diejenigen ohne Geld bzw. für Frauen – aufglimmen lassen. Privatpolizist Schüssler und seine neu gewonnene Assistentin Caroline Geiger konnten mich vollauf überzeugen!

Die Drei
Authentisch, gut konstruiert, klasse Ermittlerpärchen


Die Maske des Dimitrios – Eric Ambler

Worum geht es?
Die 30er Jahre. Charles Latimer ist Kriminalschriftsteller und stolpert per Zufall in Istanbul über den Fall Dimitrios. Dimitrios wurde tot an der Küste  angespült und damit wurde eine lebhafte Verbrecherkarriere beendet. Latimers Interesse ist geweckt und er reist auf Dimitrios Spuren nach Rumänien und Frankreich, trifft dubiose Männer und auch eine geheimnisvolle Frau, er gerät immer tiefer in den Fall und muss schon bald um seine eigene Haut fürchten.

Wie hat es mir gefallen?
Die ersten hundert Seiten haben mir gefallen, doch dann muss ich zugeben, dass das Buch zäh wurde. Ich war ein wenig enttäuscht, dass Dimitrios dann doch nichts weiter als ein Verbrecher war, so geheimnisvoll wie Latimer und viele der anderen Charaktere ihn schildern, fand ich ihn nicht. Trotzdem wird das Flair der Zeit gut transportiert, auf Bahnreisen, in Aktenbergen, und durch den falnierenden Schriftstelle. Sehr gut gefallen hat mir die Einarbeitung zeitgeschichtlicher und politischer Ereignisse. Vielleicht kam es auch daher, dass ich ständig Vergleiche zu Ross Thomas gezogen habe und ich muss sagen, Thomas gelingt es besser, mir diese trockenen Ereignisse mit Sarkasmus und Kurzweile einzuflößen.  Nichtsdestotrotz ist das Buch ein Krimiklassiker und es wird auch nicht mein letzter Ambler sein.

Die Drei
Zeitgeschichtlich hervorragend, irgendwie zäh, aber ein Klassiker


 


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Vardogger: Am Ende der Zeit – Thomas Carl Sweterlitsch


Thomas Carl Sweterlitsch – Am Ende der Zeit
Verlag: Heyne
Übersetzer: Friedrich Mader
476 Seiten
ISBN: 978-3453316492

 

 

 

 

Shannon Moss ist Spezialagentin des NCIS, der Strafverfolgungsbehörde der Navy. Sie wird zu einem Tatort gerufen, da der vermutliche Täter Verbindungen zu einem geheimen Programm der Navy aufweist. Der Täter ist ein ehemaliger Navy Seal, am Tatort finden sich seine Frau und seine zwei Kinder brutal ermordet. Seine älteste Tochter sowie er, der Ehemann und Hauptverdächtige, sind verschwunden. Hat das geheime Programm der Navy, mit dem diese schon lange Raumschiffe in die Zukunft schickt, etwas mit dieser Tat zu tun? Hat der Mann dort etwas gesehen oder erlebt, was ihn dazu getrieben hat? Shannon Moss muss nicht nur das herausfinden, sondern wenn möglich auch das Ende der Zeit verhindern, denn in der Zukunft befindet sich der Terminus, das Ende der Zeit. Und dieser rückt näher und näher an die Gegenwart heran.

Nachdem ich das erste Kapitel probehalber gelesen habe, war es um mich geschehen. Dort unternimmt Shannon ihren ersten Flug in die Zukunft und bringt dort nicht nur erschreckende und eindrückliche Erlebnisse vom Terminus mit, sondern verliert auch eines ihrer Beine. Diese Tatsache, aber auch Erlebnisse in ihrer Jugend haben aus Shannon Moss eine unglaublich zähe Frau gemacht. Ihr Mantra „Andere würden aufgeben“ hilft ihr ihre letzten Reserven zu mobilisieren und motiviert sie über ihre Grenzen hinaus. Sie ist recht einsam, das liegt natürlich an dem geheimen Projekt. Und es ist nicht nur der Fakt, dass sie anderen nichts von ihrem Job erzählen darf, sondern auch, dass die Reisen, die sie in die Zukunft unternommen hat, sie haben altern lassen. Fliegt sie mit der Grey Dove, einem der Komorane, die in die Zukunft reisen können, los, vergehen für sie Monate – für die Reise aber auch den Aufenthalt in der Zukunft – derweil sie in der Gegenwart schon einen Moment später wieder zurück ist. So ist sie nun mittlerweise fast gleich alt wie ihre Mutter, eine Tatsache, welche die Beziehung zu ihr Mutter oder anderen Menschen nicht einfacher gestaltet.

Scheint der Mordfall, in dem sie mit zwei „normalen“ Agenten ermittelt zuerst nur als Tat eines posttraumatisch belasteten Soldaten, fügen sich nach und nach Puzzleteile zusammen, die auf ein verschwundenes Raumschiff, die Libra, hinweisen und Bezug auf den Terminus nehmen. Für Shannon ist die Aufgabe also nun ungleich schwerer, denn das Ziel jedes einzelnen, der von den Raumzeitflügen weiß, ist es, den Terminus zu stoppen. Doch keiner weiß, was es ist. Einzig die Bilder des Terminus bleiben denjenigen, die ihn erleben, erhalten: Menschen, die sich ins Meer stürzen, Menschen, denen aus offenen Mündern eine silbrige Flüssigkeit fließt, Menschen, die kopfüber gekreuzigt sind.

Um den Mordfall – und den Bezug zum Terminus – zu klären, wird Shannon Moss in die Zukunft geschickt. Von 1997, der Gegenwart, ins Jahr 2012/2016, der Zukunft. Hier soll sie herausfinden, was mit Marian, der Tochter des Ex-Navy Seals passiert ist. Es gibt jedoch ein Problem: die Zukunft ist nicht fix. Mehrere Reisen unternimmt Shannon und die Zukunft ist immer leicht verändert, einzig die Gegenwart bleibt stetig gleich, sie nennen sie die Terra firma, der Fixpunkt, zu dem sie aus den Reisen in die Tiefen zurückkommen. Ganz schön verwirrend, in eine Zukunft zurückzukommen, die dann doch wieder anders ist als die letzte Version der Zukunft.

Soviel ganz grob zum Inhalt, ich weiß ein wenig verwirrend, doch mir hat das Lesen unheimlich viel Spaß gemacht. Nach dem Prolog kam für mich erst mal ein zähes Stückchen, doch dann hat das Buch einen Sog entwickelt und man will unbedingt ständig mit Shannon hin und her reisen und die kleinen Details, die sich verändert haben, aufnehmen, aber natürlich zugleich auch hinter die Geheimnisse der verschwundenen Libra und seiner Crew kommen. Die Spannung ist denn auch ansteigend, am Anfang eben ein wenig zäh, derweil nach und nach mehr Spannung aufgebaut wird, bis zum Ende, welches dann sehr dramatisch und nervenaufreibend ist.

Ich muss zugeben, dass es meines Erachtens einige unlogische Begebenheiten gibt und so ganz klar ist mir nicht, wie diese Zeitreisen funktionieren – aber ich muss auch ehrlich sagen, wenn mir der Autor das näher erklärt hätte, hätte ich es vermutlich trotzdem nicht verstanden. Es ist ein Thriller, den man ohne viel über die Physik nachzudenken lesen sollte, und eher versuchen sollte, die Spuren, welche Shannon findet, zu verbinden und den Fall zu lösen. Und natürlich drückt man die Daumen und fiebert mit, für Shannon, für die Menschen, dass der Terminus gestoppt werden kann und das Ende der Zeit sich noch ein wenig mehr Zeit lässt. Ein Ritt durch Raum und Zeit, ein wenig verwirrend, aber immer mit klarem Ziel vor Augen, mit einer zähen Einbeinigen, gegen die ich es nicht aufnehmen möchte.

Aber: der Epilog ist leider fürchterlich kitschig. Mit den letzten 4 Seiten hat der Autor das Buch fast versaut. Ich schau mal großzügig darüber hinweg, weil mir das restliche Buch ausgenommen gut gefallen hat. Aber bitte – den Eimer Zuckerguss hätte der Autor wirklich behalten können. Ich hätte sogar mit einem ungewissen Ausgang leben können und möchte fast empfehlen, den Epilog links liegen zu lassen.

Fazit:
Eine Ermittlung eingebettet in Quantenschaum und Zeitreisen, ein Pageturner zwischen Thriller und Science Fiction – genau die richtige Mischung, um das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, wenn man über kleine Unzulänglichkeiten hinweg sehen kann.


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848: Die Lügen des Locke Lamora – Scott Lynch


Scott Lynch – Die Lügen des Locke Lamora
Verlag: Heyne
Übersetzer: Ingrid Herrmann-Nytko
848 Seiten
ISBN: 978-3641147105

 

 

 

 

848 zu 130.
Wir schrieben das Jahr 2017 als ich mich tollkühn und verwegen mit Stefan aus der kriminellen Gasse auf einen Deal, eine Wette einließ. Und ja, ich hab mir das selber eingebrockt. Er liest „Schweinezeiten“ von Gary Victor (welches er bis dato unglaublicherweise noch nicht kannte) und ich lese „Die Lügen des Locke Lamora“ von Scott Lynch. Fantasy. So gar nicht meins. Aber immerhin hab ich Herr der Ringe und Harry Potter gelesen und auch die Reihe um Harry Dresden konnte mich lange begeistern, also gut. Irgendwann hab ich es dann mal angelesen, bin aber über den Prolog nicht hinausgekommen – nicht so schlimm, Stefan hatte den Victor ja auch noch nicht gelesen. Und was macht er dann im Mai 2019? Packt den Victor an. Mist. Dann muss ich ja wohl auch liefern! Das sind ja quasi Ehrenschulden! Und die erbringe ich hiermit.

Der Beginn
Die Geschichte spielt m Stadtstaat Camorr, natürlich in einer mittelalterlichen Welt, versetzt mit Bauten aus Elderglas, die eine untergegangene Zivilisation hinterlassen hat, und nicht überraschend mit Alchemie und Magie. Ein geheimer Frieden bewahrt den Adel davor, bestohlen und ausgeraubt zu werden, derweil die Diebesbanden,  organisiert unter Capa Barsavi, alle sonstigen Mitbürger nach Belieben schröpfen dürfen. Die Armen sind arm, die Reichen sind reich. Und dann gibt es da noch die Gentlemen-Ganoven unter Führung von Locke Lamora. Die fünf jungen Gauner berauben am liebsten den Adel, nicht des Geldes, sondern der Herausforderung wegen. Diese fünf Künstlerganoven, perfekt ausgebildet in Verkleidung, Maskerade und Schauspielerei arbeiten gerade an einem großen Bluff rund um Don und Doña Salvara, die sie um mehr als die Hälfte ihres Vermögens erleichtern wollen, als ein weit größerer Gegner auftaucht, der es nicht nur auf die Beute der Gentlemen-Ganoven abgesehen hat, sondern ihnen auch einen lebensbedrohlichen Teil seines perfiden Plans aufbürdet.

Die Stadt
Camorr erinnert verdächtig an Venedig, schon allein durch die Tatsache, dass durch Camorr nicht nur Straßen, sondern auch Wasserstraßen führen und die Stadt am Meer liegt, aber auch die doch recht italienisch klingenden Namen vieler Beteiligten sowie die Bezeichnungen Don oder Capa (im italienischen Capo) erinnern daran. Das dachte sich wohl auch der Heyne-Verlag, denn er hat ein passendes Cover gefunden, welches, wenn ich mich recht erinnere, nicht Stefans Gefallen gefunden hat. Meines übrigens auch nicht, aber beim ebook sieht man das Cover ja sowieso recht selten. Sehr spannend fand ich die Überbleibsel der untergegangenen Zivilisation, Türme, Gebäude, Gärten aus Elderglas. Leider erfährt man darüber so gar nicht viel, denn die Menschen, welche diese in Besitz genommen haben, wissen darüber auch nichts – außer dass es fast unzerstörbar ist.

Die Welt
Bevölkert wird diese fantastische Welt von den Menschen. Punkt. Das Meer beherbergt allerdings weitaus schrecklichere Kreaturen, so dass keiner mit der Zehenspitze ins Wasser kommen mag. Am häufigsten sind dies Haie, doch auch Dinge mit Tentakeln lassen sich finden. Zur Vergnügung veranstaltet Herzog Nicovante, der Herrscher über Camorr, dann auch so ähnliche Spiele wie damals im Alten Rom, nur eben auf dem Wasser. Es gibt noch einige andere Stadtstaaten, und desweiteren auch Länder weiter im Norden. Es wird Handel betrieben, doch an einer Stelle streut der Autor auch ein wenig Geschichte dieser Welt ein, so dass man ein wenig über die Vergangenheit erfährt. Und über die Soldmagier aus Kathrein. Soldmagier sind fürchterlich mächtig und fürchterlich teuer. Zudem grasiert das Gerücht, dass wer einen Soldmagier tötet, die Rache aller anderen Soldmagier zu spüren bekommt. Tatsächlich greift der Autor aber relativ wenig auf Magie zurück, dafür dürfen die Alchimisten fröhlich vor sich hin brauen, ob nun für elegante Gärten, Gifte oder nützliche Schminkutensilien der Gentlemen-Ganoven.

Die Ganoven
Locke Lamora, Jean Tannen, die Sanza-Zwillinge und Bug. Fünf junge Kerle, die den Adel ausrauben. Natürlich heimlich, darf ja keiner Wissen. Geheimer Frieden und so. Locke ist der Kopf des Ganzen, während Jean die Äxte schwingt. Die Sanzas sind für alles gut, wenn auch nicht perfekt und Bug ist in der Ausbildung. Locke hat ein Komplott geschmiedet, welches er mit sich selbst auffliegen lässt, damit die Geprellten nicht merken, dass sie ausgenommen werden. Verwirrend? Ja, irgendwie schon, doch alles klug ausgetüftelt. Die Jungs kennen jeden Winkel von Camorr, sind bewandert in verschiedenen Sprachen und Dialekten, kennen alle Umgangsformen und verfügen über einen Fundus – all das haben sie zu großen Teilen Pater Chains zu verdanken, der sie als Jungs unter seine Fittiche genommen hat. Vorgeblich ein Priester des Perelandro-Ordens, dient er dem dreizehtem, dem Korrupten Wärter, dem Gott der Diebe und Ganoven.

Lang, länger, am längsten
Als Krimifan sind mir schon Bücher mit mehr als 500 Seiten ein Graus…. Jetzt musste ich mich durch 848 Seiten durchlesen. Und ganz ehrlich – ein paar weniger Seiten hätten dem Buch nun nicht geschadet. Es dauert denn auch eine ganze Weile, bis denn der üble Widersacher, der „Graue König“ auftaucht. Schon der Prolog war der längste, den ich je gelesen habe – ganze 45 Seiten lang. Zum einen fügt der Autor nach jedem Kapitel, welche im Übrigen in Unterkapitel aufgeteilt ist, „Zwischenspiele“ ein, also Rückblicke in die Kindheit und Jugend von Locke und den anderen Jungs, um Hintergrundinformationen zu liefern. Desweiteren folgt man dem Plan der Jungs, die Salvaras auszurauben doch schon sehr ausführlich. Ein wenig Straffung hätte dem Buch gerade am Anfang gut getan.

Ganoven, Gauner, Diebe
So irgendwie ist das Buch ja schon fast ein Krimi, ok gut, versteckt in einem Fantasyroman und sehr ausschweifend, aber die Gentlemen-Ganoven kann ich mir auch gut im Hier und Jetzt vorstellen. Man muss natürlich erwähnen, dass ohne Chains die Fünf niemals das erreicht hätten, was sie erreicht haben, aber Chains wusste genau, wer welche Stärken hat und hat sie zum perfekten Team zusammen geschweißt. Es geht ihnen auch gar nicht um Gewinn und das viele Geld – das horten sie relativ unbeachtet – sondern um die Herausforderung. Die Jungs haben einfach einen wahnsinnigen Spaß daran, die Adligen zu foppen und sie auszunehmen. Sie erschleichen sich das Vertrauen der Privilegierten und schröpfen sie so gut es geht, um dann – puff  – einfach zu verschwinden. Die Jungs tragen eine Leichtigkeit mit sich, die sie nicht leichtsinnig, aber unbekümmert und frei macht. Sie verlassen sich auf sich und nur auf sich, sie sind nicht nur Freunde, sondern Familie.

Grausam
Bis der Graue König auftaucht und Angst und Schrecken in Camorr verbreitet. Zumindest unter den Dieben. Aufs Grausamste lässt er immer wieder vereinzelte Mitglieder der Diebesbanden töten und setzt Capa Barsavi unter Druck. Sogar vor der Tochter des Capa macht er keinen Halt. Tatsächlich fließt in dem Buch ungemein viel Blut – für mich sehr ungewöhnlich. Klar, man kennt jetzt große Schlachten in Fantasy-Büchern, bei denen Hunderte, Tausende fallen, doch ansonsten erwartet man nun keine Grausamkeiten und Blut zuhauf. Auch zieht die Spannung an als der Gaue König auftaucht und die Seiten, nun ja, sie flogen nicht vorbei, aber sie waren auch nicht mehr so zäh wie am Anfang.

Fazit:
Ich kann nun nicht sagen, dass ich so begeistert bin, wie Stefan, doch der Ausflug ins Fantasy-Genre war für mich eine willkommene Abwechslung. Einzig ein wenig kürzer sollten die Fantasy-Autoren sich fassen. Es muss ja nicht immer alles episch breit erklärt und ausgeführt sein.

 

P.S. für Stefan: Ich bin Dir 700 Seiten voraus – es wird Zeit, dass Du Dir den ersten Teil der Chastity Riley Reihe schnappst. ;-)


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Glimpses | Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft

Drei Zeugen zu viel – Steve Hamilton

Worum geht es?
Nick Mason, der gezwungenermaßen zum persönlichen Auftragsmörder von Darius Cole, dem Paten von Chicago, wurde, erhält drei Aufträge: die Zeugen zu töten, wegen derer Cole im Gefängnis sitzt. Der Pate will raus – und das kann er nur, wenn er offiziell freigesprochen wird.

Wie hat es mir gefallen?
Der zweite Teil um Nick Mason hat genauso viel Spaß gemacht wie die Lektüre des ersten Teils. Nick Mason ist verzweifelt und getrieben, hat manchmal mehr Glück als Verstand und sucht nebenbei einen Ausweg. Viel Action, wenig Drumherum, genauso wie ein Thriller manchmal einfach zu sein hat.

Die Drei
Drängend, knallhart, Open End

 


Spielarten der Rache – Seamus Smyth

Worum geht es?
Red Dock entführt ein Kind und versteckt es jahrelang in einem Waisenhaus, um Rache an seiner Familie zu nehmen, aber auch an dem Polizisten, der ihn und seinen Bruder im Waisenhaus abgegeben hat.

Wie hat es mir gefallen?
Ein Krimi, welcher Erwartungen sprengt. So ganz darf man sich nicht auf den Klappentext verlassen – der stimmt zwar schon, aber die Geschichte ist so viel mehr… unglaublich! Neben einem bravourösen Protagonisten, einem Mastermind, der seinesgleichen sucht, handelt der Autor hier ein zutiefst verstörendes Thema ab: die Zeit, in der ein Kind in einem irischen Waisenhaus so wirklich gar nichts zu lachen hatte.

Die Drei
Verzwickt, hinterhältig, eiskalt

 


Die Optimierer  – Theresa Hannig

Worum geht es?
Deutschland, 2052. Es herrscht die Optimalwohlökonomie in BEU, der Bundesrepublik Europa, in der jeder Bürger seinen optimalen Platz findet. Samson Freitag ist überzeugter und loyaler Bürger. Als Lebensberater findet er für jeden den idealen Platz. Als allerdings seine letzte Mandantin nach der Beratung Selbstmord begeht, gerät seine Welt aus den Fugen und er muss erkennen, dass nicht jeder an dem Platz ist, an dem er sich wohlfühlt.

Wie hat es mir gefallen?
Ein Land, in dem jeder den passenden Platz hat, hört sich doch gut an, oder? Die Autorin bringt hier viele Themen auf, die heute schon in aller Munde sind – gläserner Bürger, Roboter, die Arbeit der Zukunft – und verpackt sie in eine spannende Geschichte um Samson Freitag, der sich auf einer Spirale nach unten befindet, weg vom guten Bürger hin zum Piretisten. Ein kurzweiliger und interessanter Einblick in eine Zukunftsvision mit überraschendem Ende, allerdings einem etwas unsympathischem Protagonisten.

Die Drei
Interessant, überraschend, offen abgeschlossen

 


 


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Gefaltet: Der Spalt – Peter Clines


Peter Clines – Der Spalt
Verlag: Heyne
Übersetzer: Marcel Häußler
528 Seiten
ISBN: 978-3453317055

 

 

 

 

 

Nachdem ich dieses Jahr ja an einer ScienceFiction Challenge teilnehme, finde ich mehr und mehr Bücher in meinem SUB, die dazu gut passen. So wie zum Beispiel dieses hier. Aber auch schon das nächste Buch von Peter Clines, „Der Raum“, wartet in meinem SUB.

Mike Erikson wird von seinem Jugendfreund Reggie Magnus zum DARPA-Projekt „Das Albuquerque Portal“ hinzugeholt. Der Leiter des Projekts, Dr. Arthur Cross, hält sich akribisch an die Geheimhaltungsvereinbarung und verrät keine technischen Details, auch nicht der Kommission, die über die weitere Finanzierung entscheidet. Das kommt schlecht an, vor allem, weil der letzte Besucher des Projekts als er danach wieder zu Hause war, seine Frau nicht mehr erkannt hat. Magnus schickt also Erikson hin, um zu überprüfen, ob bei dem Projekt alles mit rechten Dingen zugeht.

Das Albuquerque Portal befördert Dinge, Tiere, Menschen von einem Punkt A zu einem Punkt B. Ursprünglich wurde an einem Verfahren der Teleportation gearbeitet, doch nach einem bedauerlichen Zwischenfall, wurde der Fokus geändert und nun wird der Raum „gefaltet“. Das Versuchsgelände befindet sich nahe San Diego, in der kalifornischen Wüste, Punkt A und Punkt B befinden sich in zwei Lagerhallen, die mehrere Hundert Meter voneinander entfernt sind. Das fetzt, die Zukunft lässt grüßen und nicht nur die Regierung leckt sich die Lefzen nach diesem Stückchen Fortschritt. Wie das „Falten“ so genau vor sich geht, wird nicht erklärt – Geheimhaltung! Ein cleverer Trick eigentlich, denn der Autor muss wirklich erst mal nicht viel erklären, da die Beteiligten ja gar nicht wollen, dass man weiß wie es funktioniert, so ist man nicht nur auf Mikes Untersuchung gespannt, sondern auch darauf angewiesen.

Leland „Mike“ Erikson ist genau der richtige für die Untersuchung, denn er ist hoch intelligent. Warum er dann nicht bei der NASA arbeitet oder an einem Heilmittel für Krebs forscht, sondern Schülern in einer Highschool englische Literatur beibringt, ist seinem Kumpel Reggie ein Rätsel. Schon oft hat er versucht, ihn hinzuzuziehen, doch erst jetzt gelingt es ihm Mike zu übertölpeln, ah, überreden, meinte ich. Zudem ist Mike noch mit einem fotografischen Gedächtnis ausgestattet. Was er einmal gesehen hat, vergisst er nicht, er kann es jederzeit wieder aufrufen. Und seine „Ameisen“ stellen dann die Zusammenhänge in seinem Gehirn her. Schwierig darzustellen, doch dem Autor gelingt das mit dem Vergleich der emsigen Ameisen, die in Mikes Gehirn alle Verbindungen ziehen. Trotz allem ist Mike ein sympathischer, gar nicht so nerdiger Mann, im Gegensatz zu den Beteiligten des Projekts, die erst mal alle unsympathisch sind und sich gegenüber Mike feindselig zeigen, denn schließlich will er entweder die technischen Details klauen oder das Projekt dicht machen. Zudem sind sie für mich recht austauschbar gewesen, die Mitarbeiter im Projekt unterscheiden sich kaum, ob nun Physiker oder Techniker, es ist nicht einfach diese auseinander zu halten, obwohl es sich eigentlich nur um 6-8 Leute handelt.

Nichtsdestotrotz hat „Der Spalt“ alles, was ein guter SF-Thriller haben soll: Spannung, einen sympathischen Protagonisten, mit dem man gerne den unerklärlichen Ereignissen auf den Grund geht, ein Thema, das sich eigentlich nur Physiker wirklich vorstellen können… aber das Ende, ja da hatte der Autor für meinen Geschmack ein wenig zu viel Fantasie. Es ist nun schwierig, daran Kritik zu üben, ohne genau zu sagen, worum es dabei eigentlich geht, aber meines Erachtens wäre der Schluss auch völlig ohne Auftauchen derjenigen, die ich nicht nennen möchte, ausgekommen, denn die Auswüchse des Portals und dessen Implikationen, wären für einen dramatischen und spannenden Abschluss völlig ausreichend gewesen.

Am Ende tauchen im Übrigen noch Mulder und Scully auf. Na gut, sie sagen ihre Namen nicht und sehen auch anders aus, aber die arbeiten bestimmt in der gleichen Abteilung. Jedenfalls lässt sich die Vermutung aufstellen, dass „Der Raum“ die Geschichte  – oder einen Teil davon – weiterführt, auch wenn „Der Spalt“  a) abgeschlossen ist und b) der Klappentext von „Der Raum“ anderes vermuten lässt. Aber vielleicht taucht Mike Erikson dort als Nebenrolle wieder auf? Ah, es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als es zu lesen, um meine Vermutung bestätigt zu wissen.

Fazit:
Der SF-Thriller ist mega-spannend und ratz-fatz weggelesen, doch das Ende war mir persönlich zu fantastisch. Eine ideale Lektüre für einen verregneten Sonntag.


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Kawumm: Das Ende der Lügen – Sara Gran


Sara Gran – Das Ende der Lügen
Verlag: Heyne Hardcore
Übersetzerin: Eva Bonné
347 Seiten
ISBN: 978-3453271562

 

 

 

 

Kawumm – und schon ist man mitten im Geschehen.
Claire DeWitt erwacht benommen und verletzt, nachdem ein Lincoln in ihr Auto gekracht ist. Kein Unfall, Absicht. Wer will Claire ermorden? Die Detektivin nimmt mit ihren ganz eigenen Methoden die Ermittlungen auf und wühlt sich durch Gegenwart und Vergangenheit.

„… Detekteien waren nichts anderes als Informations-Inkassobüros, sie trieben ausstehende Wissensschulden ein und stöberten kautionsbrüchige Faktenflüchtlinge auf.“ (S. 225)

Claire DeWitt, die bester Ermittlerin der Welt, ist anders. Anders als die anderen Kindern, äh, Detektive. Anders trifft es zwar, beschreibt es aber nicht gut. Claire DeWitt ist Silettistin. Sile-was? Genau. Bevor man Claire DeWitt versteht, muss man einiges erklären, doch selbst dann versteht man Claire DeWitt wohl nie zur Gänze.  Die Grundregeln für ihr Detektivdasein basieren auf „Détection“, einem Buch veröffentlicht von  Jacques Silette, einem großen Detektiv, dessen Anweisungen aber keineswegs genau, sondern esoterisch ungenau sind und einen Hauch von Glückskeks ausstrahlen. Silettisten sind in der Ermittlerszene geächtet, doch die Erfolgsquote der Silettisten ist beachtlich. Auch Claire DeWitt kann nur Erfolge vorweisen, außer in ihrem eigenen Fall, dem Fall ihrer verschwundenen besten Freundin.

Ich warne mal vor – Claire DeWitt, aber auch den Stil der Autorin, den Aufbau des Buches, muss man mögen, denn ansonsten hasst man es vermutlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier Graustufen gibt – man liebt oder man hasst Claire DeWitt. Einfach macht es einem die Autorin auf keinen Fall. Mag man Claire, muss man sich hier noch durch drei verschiedene Fälle arbeiten, welche die Autorin so genial verschlungen gelungen verquickt, dass ich hin und wieder doch den Faden verloren habe. Manches muss man wirken lassen. Das Buch arbeitet in einem, unterbewusst finden die Stränge dann wieder zusammen, bevor sich natürlich wieder neue Fragen und offene Enden bilden. Angereichert wird mit Wissen aus Détection, Silettes Lebensgeschichte, Claires einzigem ungelösten Fall und einer Comicserie aus ihrer Kindheit um die Teenagerdetektivin Cynthia Silverton. Und was die Wabenstruktur und die Biene auf dem Cover zu suchen haben? Da könnt ihr raten so viel ihr wollt, da kommt ihr nie drauf! Noch nicht abgeschreckt, lieber Leser?

Claire DeWitt ist eine Wucht. Sie ist eine Einzelgängerin,  streift seit Jahren umher. Sie ist ohne festen Wohnsitz, Drogen nicht abgeneigt. Man könnte sie für depressiv halten,  fragt sie sich doch oft, warum sie alleine ist. Sie biedert sich nicht an, sie ist, wie sie ist. Doch immer auf der Suche nach der Wahrheit, die Fälle werden gelöst, ohne Wenn und Aber, ob der Auftraggeber es nun hören möchte oder nicht. Ich könnte hier noch unendlich weitermachen, doch Claire muss man einfach erlebt haben – man kann nie genug erzählen, um zu zeigen, wie sie ist. Sie ist die beste Ermittlerin der Welt.

„Später im Leben begriff ich, dass die meisten Leute glauben, sie würden von allen gehasst. Die Wahrheit ist noch schlimmer: An die meisten Leute verschwendet überhaupt niemand einen Gedanken.“ (S. 243)

Ich liebe Claire. Ich mochte das Buch. Und trotzdem lässt sie mich ratlos zurück. Hat sie die Fälle nun geklärt? Nun ja, irgendwie, zum Teil. Vielleicht auch nicht. Ich denke immer noch darüber nach. Ach, aber das ist gar nicht so wichtig. Wichtig ist Claire DeWitt. Und wichtig ist mir, dass bald ein weiterer Teil mit ihr erscheint, aber da muss ich leider die Hoffnungen erst mal begraben – die Autorin arbeitet gerade an anderen Projekten. Auf den nächsten Claire DeWitt müssen ihre Fans wohl wieder eine Weile warten.

Fazit:
Ein Krimi, wie ein Autounfall – man kann einfach nicht aufhören und wegsehen. Claire DeWitt ist die beste Detektivin der Welt, aber sie wird die Leserschaft spalten, entweder man liebt oder man hasst sie. Und Lösungen bietet sie schon gar nicht. Nur die Wahrheit. Die kann Claire DeWitt dafür grandios gut.

 


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Perfekt: Alles, was heilig ist – Dennis Lehane


Dennis Lehane – Alles, was heilig ist
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Peter Torberg
432 Seiten
ISBN: 978-3257300444

 

 

 

Patrick Kenzie und Angela Gennaro haben nach dem letzten Fall ihre Detektei noch nicht wieder eröffnet. Sie lecken ihre Wunden und trauern um Phil, Angelas Exmann, noch sind sie nicht bereit für neue Fälle. Reiche Leute kümmern sich aber einen Dreck darum, was andere Menschen wollen und zwingen anderen ihren Willen auf. So wie Trevor Stone. Der lässt kurzerhand Patrick und Angela entführen, um sie damit zu beauftragen, seine verschwundene Tochter Desiree zu suchen. Diese ist durch den Unfalltod ihrer Mutter, den Tod eines guten Freundes und die plötzliche Krebserkrankung ihres Vaters tief traurig. Allerdings war schon ein anderer Privatdetektiv am Werk, Jay Becker. Ein Kollege von Kenzie und Gennaro, vor allem aber Kenzies Mentor. Becker ist jedoch ebenfalls verschwunden, nachdem er Desirees Spur bis zu „Trauer & Trost“, einem therapeutischem Zentrum, welches sich um Trauernde kümmert, verfolgt hat. Doch Trauer & Trost ist nicht das einzige, was nicht das ist, was es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich mich ausdrücken soll. Wie genau finde ich die richtigen Worte, um Euch zu vermitteln, dass dieses Buch schlicht und einfach genial ist? Es schlägt ein wie eine Bombe, es ist spannend bis zum Zerreißen, gigantisch und großartig, ein Fest und Freudentag zugleich. Ja, genau, mir läuft vor Begeisterung gleich der Sabber aus dem Mundwinkel. Schon von der ersten Seite war ich gefangen und das Buch hat mich nicht mehr losgelassen, bevor es mich nach der der letzten Seite, völlig fertig, aber glückselig schmatzend wieder ausspuckt hat.

Aber gut, fangen wir von vorne an. Die Handlung schwenkt von der Fassade von Trauer & Trost zu einer Sekte, um dann die beiden Detektive ins sonnige Florida zu schicken. Der Sunshine State bietet aber die gleichen Abgründe wie das regnerische Boston, so dass Kenzie und Gennaro vom Regen in die Traufe kommen und letztendlich in einer zerfressenen Familiengeschichte landen, die sie mit dem ihnen ganz eigenen Humor lösen.

Die Geschichte wird aus Patricks Sicht beschrieben, doch Angela steht in keiner Weise nach, empathisch, aber rotzfrech, keiner der beiden ist um einen kessen Spruch verlegen, auch nicht, wenn gerade die Kugeln oder Fäuste fliegen. Eins folgt auf das andere, man bekommt gar keine Zeit zu atmen, zu stoppen, das Buch aus der Hand zu legen. Entführung, Autounfall, Mord, und und und. Eine Spannung, die einen nicht loslässt, von der ersten bis zur letzten Seite. Keine Nebenhandlungen, keine Abschweifungen, Kenzie und Gennaro stürmen von einer Begebenheit zur nächsten. Wem das nun nach zu viel Action klingt, dem sei aber gesagt, es gibt auch ruhigere Passagen. Es bleibt Zeit für Berührendes, für Emotionen, besonders die Trauer der beiden Privatdetektive, aber auch ihre beginnende romantische Beziehung sorgen für Abwechslung, aber keinesfalls für Langeweile, sind nie billig, sondern mit Herz geschrieben und fügen sich erstklassig ein, ohne den Krimi aufzuweichen oder die Krimihandlung aus dem Fokus zu nehmen.

Es ist eine Wahnsinnsgeschichte, ein erstklassiger Krimi , aus einer genialen Feder, hardboiled und schwarz-weiß, so 40er Jahre schwarz-weiß. Ok, er stammt nicht aus den 40ern, aber er könnte! Er transportiert dieses Gefühl, diese Zeit, Wahnsinn. Es ist mir völlig unverständlich, wie jemand dieses Buch schlecht finden könnte, gibt es bestimmt auch nicht, kann es einfach nicht geben. Ja, ja, irgendjemand hat immer was zu meckern und sollte jemand unbedingt einen Makel brauchen, damit er ruhig schlafen kann, ist zu erwähnen, dass Bubbas Auftritt einfach zu kurz ist. So. Aber für mich war das schlicht und einfach der perfekte Krimi.

Fazit:
Perfekt. LESEN. Unbedingt. Absolut. Keine Widerrede. Keine Ausrede. Los, los!