Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


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Stockholm – Kabul: Vier Tage in Kabul – Anna Tell


Anna Tell – Vier Tage in Kabul
Verlag: Rowohlt
Übersetzerin: Ulla Ackermann
368 Seiten
ISBN: 978-3499273841

 

 

 

 

Amanda Lund ist Verhandlungsspezialistin bei der schwedischen Polizei, befindet sich aber momentan in Afghanistan, um die lokalen Sicherheitskräfte auszubilden, als sie einen neuen Auftrag erhält: zwei schwedische Diplomaten wurden in Kabul entführt und Amanda soll sie so schnell wie möglich finden. Ihr Chef, Bill Ekman, koordiniert den Einsatz aus Stockholm und gibt Anweisungen von oben weiter – der Fall muss im kleinen Kreis bleiben, damit das Verhältnis von Schweden und Afghanistan politisch nicht anfängt zu kriseln. Als dann ein ehemaliger Botschaftsmitarbeiter ermordet in Stockholm gefunden  wird, erschwert das nicht nur die diplomatischen Beziehungen, sondern auch die Ermittlungen.

Amanda Lund kämpft sich in Afghanistan durch. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn das erste Zusammentreffen des Lesers mit Anna Lund findet mitten in einem  Angriff der Taliban statt. Nach diesem Auftakt geht es zuerst ein wenig ruhiger zu, denn die Ermittlung um die beiden Entführungsopfer drängt zwar, aber besteht eben erstrangig mal nicht um Kampfhandlungen. Nichtsdestotrotz ist Afghanistan ein gefährliches Land und Amanda Lund schon einiges gewöhnt. Aufstehen, Krönchen richten und weitergehen passt zwar nicht ganz, aber wenn man das Krönchen durch eine schusssichere Weste ersetzt, passt es dann doch wieder ganz gut. Sie wechselt zwischen Business-Outfit und Kampfmontur, schwitzt aber in beidem fürchterlich, der obligatorische Check nach Autobomben gehört in die 80er von Nordirland, aber auch ins heutige Afghanistan und insgesamt ist die ganze Geschichte staubig, nein, nicht angestaubt, nur staubig , trocken,  heiß. Amanda Lund als Kommissarin und Unterhändlerin hat mir gut gefallen, auch wenn es gar nichts zu verhandeln gab, sondern eher Ermittlungen getätigt werden. Amanda als Privatperson wiederum fand ich dagegen naiv und musste doch öfters die Augen verdrehen.

Bill Ekman ist hingegen nicht so präsent gewesen, er hat nur die zweite Rolle gespielt. Er balanciert zwischen den Ermittlungen um den toten Botschaftsmitarbeiter und dem Informieren des Ministeriums. Seine Chefin ist zwar mit in diesen Meetings, überlässt aber Ekman die Rolle des Buhmanns und hat von nichts eine Ahnung. Lange bleibt im Unklaren, warum es der Regierung so wichtig ist, dass die Presse nicht von der Entführung erfährt. Ekman ist das insoweit egal, dass er sich davon nicht in seinen Ermittlungen beeinflussen lässt, wenn man ihm auch anmerkt, dass er eigentlich nicht mehr der Ermittler ist, sondern eben eher Abteilungsleiter und ihm der ein oder andere Fauxpas unterläuft. Das wiederum macht ihn allerdings recht sympathisch, in seinem Job, aber auch in seinem Privatleben, welches auch nicht ganz rund läuft.

Die abwechselnden Handlungsorte in Stockholm und Kabul fand ich gut umgesetzt, wobei ich in Afghanistan noch ein wenig Verbesserungspotenzial sehe, denn eine Botschaft ist nun nicht der Ort, an dem ich mich über das Land, in dem die Botschaft liegt, informieren würde. Ich hätte mir also noch ein wenig mehr Ermittlungen außerhalb der Botschaft gewünscht, doch tatsächlich finden viele Gespräche dort oder in westlichen „Oasen“ statt, also z. B. Hotels für die Reichen und Berühmten. Es ist auch immer wieder verwunderlich, wie penetrant manche Menschen an ihren kleinen Geheimnissen hängen, auch wenn andere Menschen in Gefahr sind, aber das macht wohl die Geschichte aus, nicht? Amanda und Bill müssen nach und nach diese Geheimnisse heraus kitzeln, um herauszufinden, was mit den beiden Botschaftsmitarbeitern passiert ist. Und das tun die beiden auch.

Fazit:
Ein spannender Thriller zwischen Stockholm und Kabul, mit einer Entführung und vielen Geheimnissen.  Gelungener Auftakt, bei dem aber schon Platz nach oben bleibt.