Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction


27 Kommentare

[Out of the box] Der Marsianer – Andy Weir

351_31583_155212_xxl
Andy Weir – Der Marsianer
Verlag: Heyne
Übersetzer: Jürgen Langowski
512 Seiten
ISBN: 978-3453315839

 

 

 

 

Ich hab mal wieder einen Blick aus meinem Lieblingsgenre rausgewagt und diesmal war ich auf dem Mars! Ich hab über das Buch „Der Marsianer“ schon viel gehört und eigentlich hatte ich geplant, es mir als Hörbuch zu holen und anzuhören, doch manchmal kommt es eben anders. Als ich neulich einen Krimi anfangen wollte bin ich nicht so recht reingekommen und so hab ich nach etwas anderem gesucht und bin auf „Der Marsianer“ gestoßen und hatte richtig Lust, es zu lesen.

Als ein Sandsturm auf dem Mars so stark wird, dass die Bodenkontrolle die Ares 3 Crew, die dort gerade die 3. Marsmission ausführt, anweist, sofort abzubrechen und den Planeten zu verlassen, wird Mark Watney, 6. Crewmitglied und der Bonatiker sowie Ingenieur der Truppe, verletzt und für tot gehalten und auf dem Mars zurückgelassen. Watney, lakonisch und mit so gar keinem Willen sich in sein Schicksal zu ergeben, dokumentiert seine Erlebnisse im Bordtagebuch und plant es bis zur nächsten Ares Mission auf dem Mars auszuhalten und mit dieser Crew wieder zurückzufliegen. Probleme? Ach was, die ist ja schon in 4 Jahren und auch nur 3.200 Kilometer entfernt.

Ich hab mir schon ein wenig Sorgen gemacht, ob ein Typ allein auf einem Planeten genug Unterhaltung für 500 Seiten bietet, aber das war wirklich gar kein Problem. Zum einen ist Mark Watney ein unterhaltsamer Typ, der sich auch nicht zu schade ist, Ironie und Sarkasmus in das Tagebuch einzubauen, zum anderen ist Watney ständig in Bewegung – schließlich kämpft er um sein Überleben. Ach ja, und ganz allein ist er natürlich auch nicht – nein, keine Angst, keine Marsianer oder ähnliches – aber nach einiger Zeit fällt auch der Nasa auf, dass die Satellitenbilder des Ares 3 Camps sich irgendwie verändern und der Leser hat dann immer mal wieder Abwechslung, indem er dem Geschehen auf der Erde folgt oder auch auf der Raumstation, auf welcher sich die restliche Ares Crew auf die Rückreise zur Erde vorbereitet.

Watney mag zwar „nur“ das 6. Crewmitglied sein, aber seine Fähigkeiten waren für das Überleben schon entscheidend. Ich wäre nicht mal einen Tag weit gekommen und verreckt – ach was, mich hätten die da gar nicht hingelassen. Watney ist kein Genie, aber er hat schon einiges drauf und wenn nicht, dann macht er sich halt erstmal ein paar Gedanken. Denn es gibt eine Sache, die hat er auf dem Mars echt genug: Zeit. Und irgendwann kommt ihm dann schon eine Lösung, nicht immer ungefährlich und keinesfalls ohne Rückschläge. Da pflanzt er eben Kartoffeln an, fackelt fast seine Wohnkuppel an, machte eine 1000 kilometerweise Reise und, und, und. Langweilig wird es nie – allerdings schon auch mal recht technisch und wissenschaftlich. Für mich nicht immer nachvollziehbar (kommt davon, wenn man Sprachen studiert), aber sehr beeindruckend und vor allem ist es gut in die Geschichte eingeflochten, es wird nie zuviel.

„Klebeband funktioniert überall. Klebeband ist Magie und sollte angebetet werden.“ (S. 306)

Das Buch impliziert, dass er – und auch die Welt – an seiner Rettung arbeiten. Und hier kommen wir zu dem Aspekt, den ich mal „typisch amerikanisch“ nenne. Natürlich will man den einen, verlorenen Menschen im Weltraum retten und hat auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, da das Projekt eine Offenlegungsklausel hat. Und so stecken die Amerikaner da nicht nur Hunderttausende, nein gleich Hundertmillion von Dollarn rein, lassen eine Rakete mal eben explodieren und schließen fast schon Frieden mit China. Aber hey – auch als Leser will man den Kerl einfach retten und so vergibt man dem Zuckerguss in dem Buch und hofft und bangt und hofft und bangt… bis ganz zum Schluß.

Fazit:
Unterhaltsam und spannend, mit einem ironischen und zähem Mark Watney, einem Kampf gegen den Mars und ein wenig technischem und wissenschaftlichem Gedöns. Es hat wirklich Spaß gemacht!