Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)


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Gut oder Böse: Bitter Wash Road – Garry Disher

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Garry Disher – Bitter Wash Road
Verlag: Unionsverlag
Übersetzer: Peter Torberg
352 Seiten
ISBN: 978-3293309180

 

 

 

 

Als Verräter und Kollegenschwein abgestempelt landet Constable Paul Hirschhausen, den alle nur Hirsch nennen, in der Polizeistation von Tiverton, im australischen Outback. Ein Ort, an dem man schon vorbei gefahren ist, wenn man zum falschen Zeitpunkt blinzelt. Eigentlich ein ruhiger Job, ab und zu kleine Diebstähle, Streitigkeiten unter Nachbarn oder Alkohol am Steuer. Doch da sind ja noch die Polizisten aus dem übergeordneten Revier aus Redruth. Diese piesacken Hirsch bei jeder Gelegenheit und sind bei der Bevölkerung in und um Tiverton auch nicht sonderlich gern gesehen. Dementsprechend misstrauisch sind auch alle gegenüber Hirsch. Als dann eine junge Frau überfahren am Straßenrand gefunden wird, werden die Leute Hirsch gegenüber noch komischer. Die Tragöde wird herunter gespielt, vertuscht und Hirsch fast schon von den Ermittlungen fern gehalten. Hirsch lässt sich aber nicht abhalten, auch nicht, als ihn sein vorheriger Job einholt und er wieder aussagen muss, über seine früheren koruppten Kollegen.

Ich mag das gar nicht. Ich hab da ein ständiges Grummeln im Magen und rege mich tierisch auf. Wegen der Ungerechtigkeit. An korrupte Polizisten in Krimis hat man sich ja irgendwie gewöhnt, aber wenn dann einer, der nicht korrupt ist und sogar versucht hat, gegen die korrupten Bullen vorzugehen und nachdem diese aufgeflogen sind, hat er gegen sie ausgesagt, getreten wird, weil er eh schon am Boden liegt… Grrr! Ein Zweifel bleibt und viele fragen sich, ob er nicht doch auch korrupt ist, den Stempel, den er aber auf jeden Fall abbekommt, ist der des Verräters, ein Cop der andere Cops verrät, ein Nestbeschmutzer. Diese Ungerechtigkeit – das treibt mich zur Weißglut. Müsste man doch denken, dass Cops froh sind, wenn korrupte Elemente aus ihrer Truppe entfernt werden, nein, anstatt dessen verachten sie denjenigen, der die Korruptionsaufdeckung unterstützt.  Ich habe das Buch also mit sehr vielen Emotionen gelesen. Wobei ich zugeben muss, dass Hirsch nie explizit sagt, dass er unschuldig ist bzw. nicht korrupt ist. Auch nicht, wenn er ein misstrauisches Flackern in den Augen seiner Eltern sieht. Irgendwie bewunderungswürdig. Er weiß ja, dass er unschuldig ist und wenn man ihm nicht vertraut, ist das nicht sein Problem. Vielleicht würde er sogar schuldig (oder in dem Fall noch schuldiger) aussehen, wenn er sich ständig rechtfertigen würde.

Aber so ist er eben nicht. Hirsch ist kein Mann vieler Worte. Aber ein Mann, der viel sieht, richtige Schlüsse zieht und sich nicht von seinen Aktionen abbringen lässt. Auch nicht, wenn dies mit aller Macht versucht wird. Tapfer harrt er aus, ganz allein, von den anderen Polizisten veralbert, gehasst und mit Tricks reingelegt, von den Bewohnern skeptisch beäugt und ja nicht mit zu viel Aufmerksamkeit bedacht. Ein Verräter, dem es nicht besser gebührt.

Eine ungemütliche Atmosphäre, die in dem staubigen und trockenen Ort vorherrscht. Öde und schweigsam, mit Geheimnissen und Ängsten ausgestattet.  Eine von Männern dominierte Gesellschaft und – wie sollte es auch anders sein – sind die Übeltäter auch hier zu finden. Die Frauen spielen die unterordneten Rollen und eignen sich bestenfalls zum Opfer. Mit einer einzigen Ausnahme. Eine Frau ist mutig genug, aufzubegehren. Sie ist die einzige, die das zweite Opfer anders darstellt als die sonstigen – männlichen Zeugen, Verwandten und sonstige Befragte. Die einzige, welche die Herrschaft der Polizei anzweifelt und dagegen einschreitet, eine Protestkundgebung vorbereitet und sich nicht klein kriegen lässt. Nach anfänglichem Misstrauen ist sie auch Hirsch gegenüber aufgeschlossener, er als Außenstehender ist anders und hat ja auch mit den hiesigen Kollegen zu kämpfen. Hier liegt einiges im Argen – aber sind die Polizisten auch an den Morden der beiden Frauen beteiligt? Für Hirsch wird die Ermittlung lebensgefährlich, aber nichtsdestotrotz durchgezogen. Dass Hirsch sich nicht einschüchtern lässt, hätten die Kerle ja eigentlich schon vorher wissen müssen.

Fazit:
Ein Ausgestoßener in einer misstrauischen Einöde, der den Fall bis an die Knochen abnagt. Wenn auch der Kriminalfall an sich nichts Neues bringt, so wurde er doch stimmungsvoll und überzeugend, aber vor allem auch literarisch ausgezeichnet umgesetzt.

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Hommage: Gier – Garry Disher

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Garry Disher – Gier
Verlag: pulpmaster
Übersetzerin: Gabriele Bärtels
226 Seiten
ISBN: 978-3929010527

 

 

 

Als ich mich, gemeinsam mit Kaliber.17 zu dem Australien & Neuseeland Spezial entschieden habe, hatte ich mir gedacht, super, erfährst Du ein wenig mehr über Down Under. Zugegeben, dass kann man nun über „Gier“ von Garry Disher nicht sagen, denn die Story hätte wohl auch in anderen Ländern der Welt spielen können. Aber Garry Disher ist nun mal der Autor, der mich bei diesem Thema am meisten gereizt hat. Gunnar hat ja schon einen Blick auf die Inspector Challis Reihe geworfen, ich selbst habe „Bitter Wash Road“ vor einigen Monaten gelesen (und die Rezension dazu schlummert noch in meinem SUB), also hab ich mich an die Wyatt Reihe getraut. Wyatt, ein Berufsverbrecher, der unweigerlich an Richard Starks Parker erinnert – eine Rezension zu einem von Parkers Fällen findet ihr hier – der aber doch anders ist. Nun aber erst mal zu Wyatt.

Wyatt hält sich mit zwei, drei guten Jobs im Jahr über Wasser, so dass er meist einige Monate in sonnigen Gefilden verbringen kann. Gut geplante Arbeit für einige Wochen, Erholung und Ruhe für einige Monate. Als nun Anna Reid, eine Anwältin, ihren Partner ausnehmen will, kommt der Auftrag Wyatt ganz recht. Das Team besteht noch aus Hobba und Pederson, so dass die Beute von 300.000 Dollar durch vier zu teilen ist. Dummerweise kleben danach nicht nur die eigentlichen Eigentümer des Geldes an seinen Fersen, die den Profi Bauer auf ihn hetzen, sondern auch die Brüder Ivan und Sugarfoot Younger, die noch eine Rechnung mit ihm offen haben. Vor allem Sugarfoot, der Wyatts letzten Raubzug vermasselt hat und von ihm eine Abreibung erhalten hat, giert auf Rache.

Wyatt ist kein Mann der großen Worte, auch Lächeln liegt ihm nicht. Er hat so gut wie kein Vertrauen in seine Mitmenschen, in seine Teamkollegen sowieso schon gar nicht. Und mit den Frauen, ach, da will er schon gar keine tiefere Bindung. Ein paar unverfängliche Nächte und schon ist es vorbei. Also zumindest kann er sich mehr gerade nicht vorstellen, wobei… na ja. Mit den neuen Techniken hat er es auch nicht so. Dafür ist er klug, vorausschauend und eiskalt. Er ist jederzeit bereit, seine Partner um die Ecke zu bringen, wenn der Plan schief läuft. Aber er ist so fair, den Plan so gut zu durchdenken, dass nichts schief läuft und er niemand umbringen muss. Das ist nämlich nicht sein Ziel. Er bringt niemand einfach so um. Nur, wenn es sein muss. Wenn eben jemand seinen gut durchdachten Plan durcheinander bringt, weil er ein größeres Stück vom Kuchen will. Oder Wyatts Anteil.
Das gefährlichste in diesem Fall sind aber nicht unbedingt Wyatts Partner, sondern alle, die danach von dem Geld etwas abhaben wollen. Allen voran Sugarfoot Younger, der dümmste unter ihnen. Dummheit gepaart mit vielen Muskeln, Waffen und einer Angeberkarre, aber leider nur Stroh im Kopf, ist eben gefährlich. Sugarfoot denkt ständig, er müsste mehr vom Leben abbekommen und Wyatt stände ihm dabei im Weg.

Aber eigentlich kann man niemand trauen. Vielleicht lese ich zu viele Krimis dieser Sorte, aber das war mir von Anfang an klar. Es ist nur so, dass man doch noch knobeln muss, wer wen übers Ohr haut.  Das Buch war ein bitterböser Trip durch eine australische Stadt, deren Name nun wirklich nichts zur Sache tut, und ein erfolgreicher Raub, erfolgreich sogar im doppelten Sinne, der viel Gewalt und viele Tote nach sich zieht. Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, natürlich überlebt Wyatt das Gemetzel, denn „Gier“ ist der erste Teil einer kleinen Serie um den Berufsverbrecher. Und so zeigt sich, dass Gier einen nur das Leben kostet. Wenn man einfach nur seinen Anteil nimmt – hat man leider trotzdem viel zu tun, weil die anderen ja gierig sind. Ach, aber ganz unkompliziert soll es ja auch nicht sein –  sonst macht das Lesen doch keinen Spaß.

Fazit:
Schnell, böse und hart – ganz so, wie wir unsere Krimis um die harten Kerle, die Berufsganoven, mögen.


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Fremdenfeindlich: Prime Cut – Alan Carter

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Alan Carter – Prime Cut
Verlag: Edition Nautilus
Übersetzerin: Sabine Schulte
367 Seiten
ISBN: 978-3894018122

 

 

 

 

Wenn ich an Australien denke, dann denke ich an Sonne, Sand, viel Wüste, hohe Temperaturen, Sydney, die berühmte Oper – Urlaubsbilder eben. Natürlich ist klar, dass das nicht alles von einem Land sein kann. Und das ist es auch nicht. Allerdings habe ich mir Worte wie Minenarbeiter, Gastarbeiter, Ausländerfeindlichkeit und Ausbeutung nicht im Kopf gehabt. Aber warum sollte es das nicht auch in Australien geben? Es ist wie immer erstaunlich, wie geschickt und nebenbei Kriminalromane Wissen vermitteln, den Horizont erweitern und einen in eine fremde Kultur eintauchen lassen.

Detective Cato Kwong hat Mist gebaut und fristet jetzt sein Dasein im Viehdezernat. Da kommt ihm ein angeschwemmter und von Haien angenagter Torso gerade recht, um endlich wieder zu ermitteln, da Hutchens, sein früherer Chef, grade keinen anderen zur Verfügung hat. Also macht sich Cato gemeinsam mit seinem Kollegen Jim Buckley, der eigentlich den höheren Rang hat, auf nach Hopetoun, einem bis vor Kurzem verschlafenen Nest, welches durch die kürzlich eröffnete und nahe Nickelmine einen Boom erlebt. Dort trifft er auf eine alte Verflossene, Sergeant Tess Maguire, die ihm die Arbeit nicht unbedingt erleichert. Doch die Ermittlungen laufen an, wenn auch schwierig ohne zu wissen, wer das Opfer ist. Als dann Buckley ermordet wird, fällt eine Horde Polizisten in das kleine Städtchen ein und keinen interessiert mehr der übrig gebliebene Torso. Bis auf Cato Kwong.

“Er ist tot. Ich habe ihn umgebracht.”
“Schweinehund.”
“Ja, das war er wohl.”
“Näh, Sie habe ich gemeint.” (S. 361)

Cato Kwong ist ganz sicher kein einfacher Protagonist für den Leser. Er mag zwar auf den ersten Blick sympathisch erscheinen, vielleicht ein wenig überheblich, aber doch ein ganz Netter. Doch wenn man seine Geschichte kennt und ihn eine Weile begleitet, muss man dieses Urteil doch schnell revidieren. In seinen Anfangsjahren hat er sich von seinem Chef dazu hinreißen lassen, Beweise zu manipulieren. Ein korrupter Bulle also – aber einer, dem man es nachweisen konnte. Dumm nur, dass er der einzige war, dem man etwas nachweisen konnte. Sein Chef ist fein raus aus der Sache. Cato ist auch nicht dumm und durchaus fähig zu ermitteln, aber er hat eben Fehler gemacht. Unglücklicherweise zerfließt er in Selbstmitleid, was die ach so schreckliche Welt ihm angetan hat. Dabei müsste er sich an die eigene Nase fassen. Das passiert allerdings erst, als nicht nur Tess Maguire sondern noch ein paar andere ihm den Kopf gerade rücken. Tess, die an einem Überfall zu knabbern hat, stellt sich sowieso als die Heldenhaftere heraus. Auch wenn sie einen 11jährigen tasert. Na, ok, gerade darum. Die Szene ist göttlich – alleine deswegen hat sich die Lektüre gelohnt.

Aber natürlich hat sich die Lektüre auch so gelohnt. Zwar braucht der Fall eine ganze Weile, bis er in Fahrt kommt, doch am Anfang wird man gleich mit einem Prolog gefüttert, der es in sich hat. Sunderland in England, 70er Jahre: Ein Familienvater meuchelt seine Frau und seinen Sohn, er erschlägt sie und hat sie außerdem noch mit Stromschlägen malträtiert. Der Täter ist bis heute auf der Flucht – sehr zum Missfallen von Stuart Miller. Der tritt kurz darauf aus dem Polizeidienst aus und siedelt mit seiner kleinen Familie nach Australien um. Was nun dieses Verbrechen mit dem gefundenen Torso in Hopetoun zu tun hat, ja, das ist die Krux an dem ganzen Krimi, denn das gilt es herauszufinden. Bis die beiden Fälle zusammenfinden soll es aber noch eine ganze Weile dauern, vielleicht sogar ein wenig zu lange.

Derweil beschäftigt sich der Autor mit seinen Figuren, aber auch mit dem Städtchen Hopetoun. Darüber hab ich nur gar kein Bild im Kopf, denn so richtig beschreibt der Autor das Nest gar nicht (und ja, auch das boomende, von seinen Einwohner liebevoll Hopey genannt, ist immer noch ein Nest), dafür wird landschaftlich viel geboten. Und gesellschaftlich. Die Einheimischen beschuldigen die Zugezogenen – da sind sie auch nicht wählerisch, ob australischer Vertragsmitarbeiter oder ausländischer Gastarbeiter. So tummeln sich in der Mine Maori, Indonesier, Chinesen und Philippiner gemeinsam mit den Einheimischen und Zugezogenen – und es gibt Streit, Pöbeleien und Gewalttätigkeiten. Ein wenig gewundert hat es mich schon, so viel Fremdenfeindlichkeit in Australien anzutreffen, aber es vermutlich das gleiche Phänomen, welches sich in den USA finden lässt: ein Staat, welcher fast ausschließlich aus Immigranten besteht, fürchtet die neuen „Immigranten“. Sehr erschütternd ist übrigens auch die „Stop the boats“ Initiative, mit welcher der vorige Premierminister seinen Wahlkampf gewonnen hat, in der die australische Marine Flüchtlingsboote abwehrt, bzw. am anlanden hindert. Diese Initiative wird in dem Krimi keineswegs aufgefasst – dies hab ich durch meine Recherche nach der Lektüre aufgestöbert. Doch zeigt sich die Fremdenfeindlichkeit, das Missfallen und das Misstrauen im kleinen Ort Hopetoun mal unterschwellig, mal direkt – und Cato Kwong, von den Genen zwar Chinese, aber weder des Chinesischen mächtig noch mit China in irgendeiner Weise, abgesehen von seiner Abstammung, verbunden, bleibt davon auch nicht verschont.

Fazit:
Ein gut konstruierter Fall, der zwar etwas braucht, um in die Gänge zu kommen, aber mit einer interessanten, wenn auch unbequemen Hauptfigur und spannendem Hintergrundwissen punkten kann.

 


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Erziehungssache: Hades – Candice Fox

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Candice Fox – Hades
Verlag: Suhrkamp
Übersetzerin: Anke Caroline Burger
341 Seiten
ISBN: 978-3518466735

 

 

 

 

Ich habe schon so viel über das Buch gehört und gelesen. Viele waren nicht so begeistert von dem ersten Teil der Trilogie um Eden Archer und ihren neuen Kollegen Frank Bennett. Doch immerhin hat es „Hades“ auf die KrimiZEIT-Bestenliste geschafft. Also sollte doch wohl was dran sein an dem Thriller, oder?

Frank Bennett ist neu in der Mordkommission von Sydney. Seine Partnerin wird Eden Archer, die gerade ihren Kollegen verloren hat. Der erste Fall mit dem sie es zu tun haben, hat es gleich in sich: im Meer befinden sich mehrere Kisten mit Leichen, mehr oder minder verwest. Bei genauerer Untersuchung stellt man fest, dass den Leichen Organe fehlen. Frank und Eden versuchen einerseits den Täter zu schnappen und andererseits die Opfer  zu identifizieren. Auf beiden Seiten stoßen sie auf grausame Überraschungen.

Neben diesem Ermittlungsstrang gibt es Rückblenden in Edens Kindheit. Eden, sowie Eric, ihr Bruder, der auch bei der Mordkommission arbeitet, sind bei Hades aufgewachsen. Hades ist einer der Herren der Unterwelt. Auf seinem Schrottplatz / Müllhalde lässt er verschwinden, was andere Leute loswerden wollen. Als dann jemand zwei Kinderleichen bei ihm abladen will, erledigt er den Überbringer – und merkt, dass die Kinder gar keine Leichen sind. Eden und Eric sind das Resultat eines missglückten Überfalls / Raubs / Entführung / Erpressung – oder so.

Ohne erst mal darauf einzugehen, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht, muss ich einfach erwähnen, dass ich ständig Dexter Morgan im Kopf hatte (Dexter Morgan Reihe von Jeff Lindsay). Nur, dass Dexter sich ein wenig geschickter anstellt. Auch Dexter ist das Überbleibsel aus einer Straftat und bekommt von seinem Adoptivvater, einem Polizisten, alles mitgegeben, was er benötigt, um seine „Neigung“ sinnvoll einzusetzen – also nur Straftäter zu töten. Und er lädt seine Leichen im Meer ab. Naaa, ok, die Leichen im Meer stammen in „Hades“ weder von Eden noch Eric, aber Eric kommt Dexter schon sehr nahe – außer dass Eric das Rohe, Gewalttätige ausstrahlt und nicht verheimlichen kann. Die Frage ist nun, ist das eine Huldigung oder einfach schlecht kopiert?

Mal abgesehen von dieser Tatsache – die übrigens ja auch nur auffällt, wenn man die Dexter Morgan Reihe kennt – bietet der Thriller eine Ermittlung um einen kranken Serienmörder, der sein Tun mit dem Bedarf nach Organen rechtfertigt. Wer ist gut, wer ist böse? Wer verdient ein neues Organ? Wer verdient es, seines herzugeben? Der Killer bietet allerdings keine Tiefe, er ist schon sehr ausgelutscht, ein Serienkiller, wie er in jedem anderen Buch auch auftauchen könnte.

„Das Böse ist wie ein Virus. Er breitet sich aus, bei jeder Berührung, wird durch die Luft übertragen und eingeatmet. Man fängt sich den Virus ein, wenn man ein hartes Leben hat oder misshandelt worden ist. Man bekommt ihn, wenn man bedürftig ist. Und irgendwas braucht doch jeder. […] Man kann nicht alles Böse in der Welt bestrafen. Da müsste man schon bei sich selbst anfangen.“ (S. 221)

Eden Archer hat ihre Vergangenheit besser verkraftet als Eric Archer, doch sie ist ihm fast hörig. Als Frank in diese traute Zweisamkeit platzt, ist Streit mit Eric vorprogrammiert. Frank versucht Kontakt zu seiner neuen Partnerin aufzubauen. Vordergründig um mit ihr besser zusammen zu arbeiten, doch es hat den Anschein, als hätte er auch nichts dagegen, mit ihr ins Bett zu hüpfen. Mit keinem der drei bin ich in irgendeiner Weise warm geworden – Figuren müssen mir nicht grundsätzlich sympathisch sein, aber wenn alle einen kalt lassen, ist es schon schwierig.
Nichtsdestotrotz leisten die beiden, Eden und Frank, solide Ermittlungsarbeit, auch wenn sie dem Täter nur langsam näher kommen. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass ihm ein Opfer entkommt und damit die Ermittlung ein gehöriges Stück voran bringt.

Insgesamt liest sich der Thriller schnell und zügig – ein Pageturner par excellence –  das titelgebende „Hades“ ist allerdings irreführend. Eher hätte der Titel des nächsten Bandes, „Eden“, gepasst. Es gibt eine solide Ermittlung, Rückblicke, die mich leider nicht vom Hocker hauen konnten (erinnerten mich einfach zu sehr an Dexter), unsympathische Hauptfiguren, aber ein furioses Ende – mit sogar einem sehr überraschenden Toten. Also für mich überraschend. Auch wenn der Thriller ganz solide war, wird der zweite Teil wohl bei mir nicht auf der Wunschliste landen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der zweite Teil auch auf der KrimiZEIT-Bestenliste gelandet ist.

Fazit:
Solider Thriller, bei dem die Seiten nur so weg fliegen, der mich aber leider nicht ganz überzeugen kann.


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Blogkooperative Australien & Neuseeland-Spezial – gemeinsam mit Kaliber.17

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Ich freue mich ganz besonders, Euch heute eine Blogkooperative mit dem Team von Kaliber.17 anzukündigen. In den nächsten zwei Wochen werden wir Euch mit Rezensionen zu australischen und neuseeländischen Krimis beglücken.

Nach der Welle, die um südafrikanische Krimis herrschte und immer noch nicht abgeklungen ist, naht die nächste Trendwelle, auf die wir natürlich gerne aufsteigen. Australien und Neuseeland – zwei kriminell-literarisch noch recht unbekannte Länder hier in Deutschland (völlig zu unrecht, im Übrigen) – sollen Euch in dem Special näher gebracht werden. Ich würde mich freuen, wenn ihr den ein oder anderen Tipp hier bzw. bei Kaliber.17 mitnehmen könnt und Euch die beiden Länder nach dem Spezial näher gekommen sind.

Wir haben uns diesmal nicht ganz so viele Bücher vorgenommen, aber einen sehr breiten Blick ins Krimigenre der beiden Länder geworfen. Das Spezial beginnt morgen, am 12.12.2016, und wird Euch bis kurz vor Weihnachten fast täglich ein Buch per Rezension vorstellen, bevor es am 22.12.2016 dann den letzten Beitrag gibt.
Hier ist unsere Leseliste:

Garry Disher – Drachenmann (AUS) – Kaliber.17
Carl Nixon – Rocking Horse Road (NLZ) – DiedunklenFelle
Jane Harper – The Dry (AUS) – Kaliber.17
Candice Fox – Hades (AUS) – DiedunklenFelle
Paul Cleave – Zerschnitten (NLZ) – Kaliber.17
Alan Carter – Prime Cut (AUS) – DiedunklenFelle
Helen Garner – Drei Söhne (AUS) – Kaliber.17
Garry Disher – Gier (AUS) – DiedunklenFelle
Peter Temple – Die Schuld vergangener Tage (AUS) – Kaliber.17

Entgegen dem letzten Special habe ich diesmal keine Verlagsunterstützung angefordert, sondern einfach mal meinen SUB geplündert. Was dort nicht alles geschlummert hat…

So, und dann bleibt mir nur noch übrig, Euch viel Spaß mit unserem Spezial zu wünschen!