Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Women rule: Die Nacht ist unser Haus – Jules Grant

Ein Kommentar

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Jules Grant – Die Nacht ist unser Haus
Verlag: Heyne
Übersetzerin: Viola Siegemund
352 Seiten
ISBN: 978-3453439153

 

 

 

Wenn Else Laudan das Buch empfiehlt und Simone Buchholz sogar auf dem Rückcover zitiert wird, ist es quasi ein Muss, dieses Buch zu lesen. Aber ich gebe zu, ohne Elses Empfehlung wäre mir das Buch auch durchgegangen. Unscheinbar und mit einem sperrigen Titel versehen – der allerdings im Englischen nach länger und sperriger ist – springt es einem nicht gerade ins Auge und im stationären Buchhandel hab ich es auch nicht gesehen. Wobei das mittlerweile – leider – auf sehr viele Bücher zutrifft, die ich lese. Sei es drum, das Buch hat zu mir gefunden! Auch die Lektüre war nicht ganz so einfach wie gedacht, aber einfach kann eben jeder. Eine Herausforderung ist da schon was ganz anderes. Aber fangen wir mal vorne an.

Donna und Carla kennen sich seit Ewigkeiten, aus dem Kinderheim. Beste Freundinnen, vielleicht auch mehr. Mittlerweile führen sie eine Gang, eher Donna als Carla, aber die beiden gibt es eben nur im Doppelpack. In der Gang sind nur Frauen, Lesben um genauer zu sagen, und sie verticken Drogen. Liquid Ecstasy zum Beispiel, auf den Toiletten der Clubs der Gegend. Und da muss sich sehr genau an die Grenzen gehalten werden, denn Manchesters Viertel sind genau aufgeteilt und Grenzüberschreitungen werden hart geahndet. Ihre Gang ist eine von vielen, in einem fragilen, von außen fast unübersichtlichem Gefüge. Donna ist nun nicht sehr gebildet, aber schlau und pfiffig. Fehler macht sie nur einmal, denn wer einen Fehler zweimal macht, ist dumm. Und das ist Donna nicht. Missmutig, jähzornig – Donna ist vieles, aber Carla kann Donna um den kleinen Finger wickeln. Doch jetzt hat sich Carla eine Schnellschussaktion zuviel geleistet. Sie klaut dem Mitglied einer anderen Gang die Frau. Schwerer Fehler, denn jetzt gibt es Krieg.

Klappentext und Prolog verraten es schon – Carla stirbt und hinterlässt eine Tochter, eine rotzfreche Göre, Aurora, die quasi schon auf dem besten Weg ist, es Donna und Carla gleich zu tun. Doch bevor Carla ermordet wird, lernt der Leser erst mal die Strukturen kennen. Wie die Frauen in Donna’s Gang so aufgestellt sind, welche anderen Gangs in Manchester vorherrschen, die Gebietsaufteilungen – wie eine Schattenwelt, die neben dem eigentlichen Manchester existiert, aber trotzdem tief darin verwurzelt ist. Donnas Gang ist auf Drogen spezialisiert, hier arbeiten sie aber auch mit anderen zusammen, Gewaltbereitschaft ist da und wird zur „Revierverteidigung“ genutzt. Doch dieses Gefüge bricht nun. Dabei ist Carlas Tod nur eine Komponente, denn die Polizei führt einen Großschlag gegen die Gangs in Manchester durch und einige Anführer landen im Knast. Dies verursacht eine Neuverteilung der Macht, in der Carla nur ein Puzzlesteinchen ist. Donna braucht eine Weile, um dahinter zu kommen, steht bei ihr doch an erster Stelle, Carla zu rächen.

Die Sprache des Krimis ist recht derbe, einfach und ein wenig ordinär, eben passend zum Milieu. Zumeist wird die Geschichte aus Donnas Sicht geschildert, doch auch Aurora kommt, vermehrt zum Ende hin, zu Wort. Hin und wieder fand ich das Buch zäh, was aber hauptsächlich dadurch kommt, dass Carlas Tod schon bekannt ist, aber dann tatsächlich erst nach einer ganzen Weile passiert. Und wer nun hier aber Wunder was erwartet hat, weil die Gang aus Frauen und zusätzlich auch noch nur aus Lesben besteht, wird enttäuscht sein, denn die Frauen stehen den Männern hier nichts nach. Es wird gedealt, gesoffen, selbst Drogen genommen, es gibt viel Sex und Beziehungen, die Mädels schmeißen sich, wenn nicht so gar noch enthusiastischer, in den Kampf, lassen sich nichts bieten, wissen Grenzüberschreitungen auch entsprechend demütigend zu bestrafen und nutzen schlau ihre Vorteile. Wer mit Krimis um Gangs nichts anfangen kann, wird auch hier nicht zufrieden sein. Alle anderen erwartet ein Gangkrieg in Manchester, bei dem die Frauen den Männern mal ordentlich den Arsch versohlen.

Fazit:
Schneller und rasanter Ausflug in die Gangszene von Manchester mit ein paar zähen Stellen, der in einem Bandenkrieg gipfelt. Spannend, heftig und abgebrüht, aus weiblicher Perspektive.

Ein Kommentar zu “Women rule: Die Nacht ist unser Haus – Jules Grant

  1. War nicht so meins. Ich finde, die Perspektive der Frauengang bringt nichts Neues. Sie verhalten sich wie die Männer.

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