Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

En Mann un en Kou: Müllers Morde – Monika Geier

Ein Kommentar

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Monika Geier – Müllers Morde
Verlag: Argument
394 Seiten
ISBN: 978-3867542005

 

 

 

Hier wimmelt es von Männern: große, starke Männer mit zwei Meter Körpergröße, Ökomänner und linke Männer, reiche Männer mit einem Hang zu anderen Männern, toten Männern (aber auch Frauen) und ignoranten Polizistenmännern sowie mörderischen Männern. Alle Arten von Mann vorhanden – aber so ganz konnte die Autorin doch nicht auf die EINE verzichten. So wie es auch Christine Lehmann in „Die Affen von Cannstatt“ mit Lisa Nerz ging, so konnte auch Monika Geier nicht auf ihre Figur Bettina Boll verzichten und lässt diese am Ende doch noch ein wenig mitmischen. Trotz „Jungsbuch“. Gut so – denn den Kommissar in dem Buch hatte ich nämlich schon bald über.

Rick Romanoff, halb-arbeitsloser Historiker, der während des Semesters Vorträge über Karl den Großen hält und sich in der semesterfreien Zeit als actionfreier Indiana Jones verdingt, bekommt von seinem Hauptauftraggeber eine andere Art Auftrag zugeschanzt. Gunter Steenbergen, Energiemanager bei ENERGIEbase, einem Energiekonzern, wurde tot am Totenmaar aufgefunden. Laut Polizeibericht ein Unfall. Durch den Vulkansee aufsteigendes Kohlendioxid soll ihm sowie einer Kuh den Garaus gemacht haben. Anwalt Welsch-Ruinart kann das nicht glauben – persönliche Gefühle spielen hier allerdings auch eine große Rolle – und engagiert Rick zur Privatermittlung. Nicht sehr begeistert, aber weil eben keine andere Arbeit in Sicht, macht sich der ewige Student auf, um in „Gunnis“ Leben herumzustochern. So unrecht hat der schnöselige Anwalt nicht, denn Steenbergen geht auf Müllers Konto. Müller – dessen eigentlichen Namen wir Leser nie erfahren – arbeitet bei ENERGIEbase und hat Steenbergen auf dem Gewissen. Romanoffs Schnüffeleien bringen Müller in arge Bedrängnis und zwingen ihn zu handeln. Ein Katz und Maus Spiel entsteht, in dem einer mehr weiß als der andere und mit unfairen Mitteln gekämpft wird.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Sicht von Rick Romanoff und von Müller erzählt, ab und an auch noch von anderen Personen. Der stetige Wechsel zwischen Romanoff und Müller, die man allerdings sehr gut auseinander halten konnte, unterstützt dieses Katz und Maus Spiel und befeuert die Spannung. Und auch wenn der titelgebende Müller hier sehr ausführlich mit seinen Machenschaften beschrieben ist und viel Fläche zur Entfaltung bekommt, ist natürlich Rick Romanoff der Sympathieträger. Nicht nur als übrig gebliebener Student in der WG, sondern auch mit seinen zwei Metern Größe, seiner Panik vor dem schwulen Anwalt und einer Fast-Phobie vor Atlantis-Anhängern ist er eine bemerkenswerte Erscheinung. Nicht auf den Kopf gefallen, aber mit dem Fall ein wenig überfordert, ist sein Helfer Fred nun auch nicht unbedingt besser, auch wenn der technisches Know-How mitbringt.

Müller, mit vielen Talenten gesegnet wie z. B. dem Hacken von Computern, muss als Romanoff sich einmischt doch recht häufig improvisieren. Dass dies klappt, verdankt er hauptsächlich Rick Romanoffs Unbescholtenheit, auch wenn Müller sich durchaus findig zeigt. Inszeniert er Steenbergens Tod – der im Übrigen nur auf einem Verdachtsmoment basiert und eigenmächtig ausgeführt wird – noch wie einen skurrilen Unfall, muss er bei den weiteren Morden mächtig in die Trickkiste greifen. Mag man am Anfang noch denken, der Müller ist halt so einer. So ein Psychopath. Dann mag man nicht ganz Unrecht haben, doch letztendlich verschleiert er eine wirtschaftliche Gaunerei größeren Ausmaßes.

Müller als Täter war jetzt nicht ganz so mein Fall, Romanoff als Held der Geschichte schon eher. Ich hatte immer ein Bild von Indiana Jones vor Augen, auch wenn man wirklich erwähnen muss, dass Romanoff schon viel mehr Dozent als Abenteurer ist, also fast ausschließlich, und außerdem ja zwei Meter groß. Das Ende, obwohl oder gerade weil es in wenigen Teilen offen bzw. unbestimmt ist, hat mir außerordentlich gut gefallen. Wenn ich nun mit der Bettina Boll Serie einen Vergleich ziehen sollte, muss ich sagen, dass ich die Serie bevorzuge, doch Rick Romanoff und der Fall Steenbergen waren auf jeden Fall einen Ausflug wert.

Fazit:
Indiana Jones und der Serienmörder – oder wie Müller und Rick Romanoff eine skurrilen Tanz um den Fall Steenbergen aufführen, bis zum bitteren Ende. Gelungener Ausflug außerhalb der Bettina-Boll-Reihe der Autorin, auch wenn auf diese nicht ganz verzichtet wird.

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