Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Shorty | Vorurteile: Maigret bei den Flamen – Georges Simenon

3 Kommentare


Georges Simenon – Maigret bei den Flamen
Verlag: Atlantik Verlag
Übersetzer: Hansjürgen Wille, Barbara Klau, Bärbel Brands
192 Seiten
ISBN: 978-3455007114

 

 

 

 

Worum geht es?
Maigret wurde gebeten, nach Givet, an die belgische Grenze zu reisen, um der Familie Peeters zu helfen, die unter Mordverdacht steht. Die junge Germaine Piedbœuf ist verschwunden, die Vermutung liegt nahe, dass sie tot ist. Germaine hatte ein Kind von Joseph Peeters, doch eigentlich sollte Joseph die junge Marguerite, seine Cousine, heiraten. Da die Peeters Flamen sind, schlägt ihnen im Dorf tiefes Misstrauen entgegen und die Mordanschuldigung ist schnell gemacht.

Einer wie der andere?
Maigret hat in dem Dorf keinerlei Befugnisse, ist also als Privatmann in Givet. Trotzdem lauscht der dort ermittelnde Inspektor jedem Wort Maigrets, fragt ihn um Rat und ist keineswegs düpiert, dass Maigret sich in die Ermittlungen einmischt. Das tut er aber auch nur leidlich. Er hört zu, er wandert umher, überhaupt stellt er wenig Fragen und ist ein wenig unglücklich in dem kleinen Ort.

Opfer, Tat und Täter
Germaine Piedbœuf ist natürlich das Opfer, irgendwie wohl auch die Familie Peeters, die als Flamen zu niemandem gehören zu scheinen, gemieden von den Franzosen und Belgiern gleichsam. Die Tat geschickt, der Täter unerwartet.

Themen
Ach, so ein richtiges Thema gibt es nicht. Einzig vielleicht die flämische reiche Kaufmannsfamilie Peeters, die ausgegrenzt und misstrauisch beäugt an der Grenze zu Belgien ihre Zelte (nur im übertragenen Sinne) aufgeschlagen hat. Und vielleicht noch die Macht der Familie, oder vielleicht sollte man es eher den Druck der Familie nennen, dem man sich nur schwer oder gar nicht entziehen kann.

Was war gut?
Ich mag Maigrets ruhige Art. Ich hab noch nicht sonderliche viele Maigrets gelesen, doch alle die ich kenne, haben mir ausnehmend gut gefallen. Er ist so ruhig, lässt andere reden, streift durch die Gegend, macht sich Gedanken, fragt sich nichts, lässt alles auf sich zukommen. Und trifft dann am Ende genau ins Schwarze. Es sind unaufgeregte Krimis, fokussiert auf Charaktere, Landschaften, Begebenheiten, keine Action und keine großen Überraschungen, aber immer genüsslich zu lesen.

Was war schlecht?
Diesmal fand ich Maigret ein wenig reizbar. Das schlechte Wetter macht ihm zu schaffen, aber auch dieses Dorf, die Menschen, die Erwartungen in ihn setzen, ihm Worte in den Mund legen. Trotzdem kann er nicht umhin, den Fall am Ende zu lösen, den Täter zu entlarven. Er führt ihn nicht der Gerechtigkeit zu, doch ein Ausblick Jahre später zeigt, dass Glück nun mal nicht erzwungen werden kann und böse Taten aus guten Gründen nicht automatisch gut enden.

FAZIT:
Ein Maigret ist ein Maigret. Unaufgeregt, ruhig, aber mit hervorragender Charakterzeichnung und einem unnachahmlichen Protagonisten immer ein Lesevergnügen.

3 Kommentare zu “Shorty | Vorurteile: Maigret bei den Flamen – Georges Simenon

  1. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

  2. Was mir gefällt: Simenon kommt ohne Worte und ohne großen Wortschatz aus, erzählt trotzdem anschaulich. Romane zum entspannen, ohne Hektik, zum Entschleunigen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.