Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Aussortiert: Slow Horses – Mick Herron

3 Kommentare


Mick Herron – Slow Horses
Verlag: Diogenes
Übersetzerin: Stefanie Schäfer
472 Seiten
ISBN: 978-3257245059

 

 

 

 

Zuerst wollte ich Slow Horses ja nicht lesen. Spionageromane und ich – wir sind keine Freunde. Ich probier es immer mal wieder, aber meist nicht erfolgreich. Aber gut, das Buch wurde ja sehr gefeiert und zumindest ein Aspekt hat mich sehr gereizt. In Slow Horses geht es zwar um Geheimagenten, aber um Geheimagenten, welche aussortiert wurden. Vermeintliche Verräter, Versager, unliebsame Spione. Diese versammelt der MI5 in Slough House, einem heruntergekommenen Haus, eingequetscht zwischen einem chinesischen Restaurant und einem erweiterten Zeitungskiosk. Derweil der MI5 also in Regent’s Park residiert und die Geschicke des Landes lenkt, verbringen die Slow Horses ihre Tage in Slough House, lesen uralte Transkripte, machen Abfragen und sitzen ihre Stunden ab.

River Cartwright ist vor ein paar Monaten in Slough House gelandet. Eigentlich am Anfang seiner Karriere, vermasselt er einen Testlauf und kann noch froh sein bei den Slow Horses gelandet zu sein. Einzig zu verdanken seinem Großvater, dem O.B. (Old Bastard), einem MI5 Urgestein. Cartwright möchte raus aus Slough House, weg von den langweiligen Aufgaben, weg von Jackson Lamb, seinem Chef, der unter dem Dach, hinter heruntergelassenen Jalousien sein Dasein fristet und alles beobachtet, wie die Made im Speck – River will Agent sein. Als ein pakistanischer Jugendlicher von einer rechten Organisation entführt wird und diese droht ihn in 48 Stunden zu enthaupten, sieht River Cartwright seine Chance gekommen.

Doch wie das so ist, mit den Spionen, so einfach ist es dann doch nicht Denn, und das ist wohl eines der am meisten wiederkehrenden Motive, Spione lügen, betrügen und sind immer eher daran interessiert ihren eigenen Arsch zu retten, als irgendetwas anderes, sei es das Land, die Kollegen oder die Menschheit. So zumindest mein Eindruck nach den bisherigen Spionageromanen, die ich gelesen habe. Dies ist auch in Mick Herrons erstem Teil einer Reihe, welche sich um die Slow Horses dreht, nicht anders. Und doch war das Debüt des Autors um einiges spannender und amüsanter als die anderen Spionageromane, die ich gelesen habe.

Den Reiz machen eben sie aus, die Slow Horses. Nach und nach kommen eingie Geschichten raus, warum die Einzelnen im Slough House gelandet sind. Tatsächlich finde ich River Cartwright, der meines Erachtens hier der Protagonist ist, auch wenn der Krimi mit „Ein Fall für Jackson Lamb“ untertitelt ist, ist einer der langweiligsten Charaktere des Buches. Wäre der Testlauf nicht schief gegangen, wäre er ein hervorragender Agent geworden, unscheinbar, nichtssagend und grau. Aber von Kindheit an mit dem „Spionvirus“ infiziert, kein Wunder mit dem Großvater und den Gute-Nacht-Geschichten, die er hören durfte. Jackson Lamb ist mir durch die Beschreibungen so unangenehm, dass ich ihm niemals begegnen möchte. Dick und ungepflegt sind noch die harmlosesten Begriffe, eklig und scheiß-gefährlich ist er aber auch. Bei ihm hat man ständig das Wort „lauern“ im Kopf. Er lauert, da oben in seiner Dachkammer. Worauf er lauert, erfährt aber keiner. Denn Lamb war ein Top-Agent. Was ihn zu Fall brachte, erfährt man nicht, noch nicht, vielleicht ja im nächsten Teil. Und da erfährt man dann vielleicht auch mehr zu den anderen Slow Horses. Catherine Standish zum Beispiel, die frühere Privatsekretärin des MI5 Chefs. Oder über Roderick Ho, der IT-Spezialist/Hacker. Oder Min Harper und Louisa Guy.

Die Story ist trickreich und erfährt immer neue Wendungen, nichts ungewöhnliches bei Spionage-Romanen. Ständig werden die Seiten gewechselt, der Leser weiß nie genau, wer auf welcher Seite steht und ob er da stehen bleibt. Und alle Sympathien gehören dem armen pakistanischen Jugendlichen. Dessen einziges Verbrechen es ist, die falsche Hautfarbe zu haben. Doch auch diese Entführung ist nicht so, wie sie auf den ersten Blick scheint. Ein Verwirrspiel, welches der Autor vorzüglich inszeniert. Und das erschreckendste daran ist, ich befürchte, dass unsere Geheimdienste genauso sind. Auf sich selbst konzentriert, mit sich selbst beschäftigt und immer dabei, ihren eigenen Arsch zu retten. Nun, zumindest in literarischer Form hat mir das dieses Mal richtig Spaß gemacht zu lesen. Dank den Slow Horses.

Fazit:
Endlich hab ich einen Spionageroman gefunden, der mich überzeugt und mir gefallen hat. Ich mag Versager eben, auch als Agenten. Also auf, auf, ihr Slow Horses. Nichts wie hin zu Eurem nächsten Fall!

3 Kommentare zu “Aussortiert: Slow Horses – Mick Herron

  1. Dead Lions, die Fortsetzung ist genauso gut!
    Viele Grüße
    Silvia

  2. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

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