Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Made in Germany: Last Shot – Hazel Frost

8 Kommentare


Hazel Frost – Last Shot
Verlag: Droemer Knaur
386 Seiten
ISBN: 978-3426306420

 

 

 

 

Dieses Buch hatte ich mir schon auf die Wunschliste gesetzt, doch durch die überaus ansprechende  Rezension auf Krimilese hab ich das Buch sofort gekauft und gelesen. Das mache ich nur überaus selten – zwar kaufe ich Bücher oft direkt bei Erscheinung, doch gelesen werden diese oft erst Tage, Monate, ja und auch Jahre später. Hüstel. Egal – bei dem vorliegenden Thriller, der hier unter einem Pseudonym einer mir schon bekannten deutschen Autorin veröffentlicht wurde, war die Entscheidung genau richtig.

In den bayrischen Bergen, an einem verlassenen Rastplatz. Ein Mercedes, die Türen stehen offen. Als Dima nach der Pinkelpause zum Auto seiner Familie zurückkehrt findet er sie alle erschossen vor: seinen Vater Youri, seine Schwestern Lale und Ayla; Mathilda ist verschwunden.

Das ist die Ausgangssituation und danach beginnt ein wilder Roadtrip, bei dem man sich ständig fragt: und das in den bayrischen Bergen? Sind wir nicht irgendwo in den USA, in einsamen, wilden, vogelfreien Landstrichen? Nein, sind wir nicht, denn die Autorin beweist mit Bravour, dass so ein Thriller eben auch in Deutschland funktioniert. Und was für ein Thriller das ist!

Tatsächlich wird auch viel gefahren in dem Buch, so dass die Idee des Roadtrips eben einfach nahe liegt, doch auch die außergewöhnlichen Charaktere, die dann auffällig zufällig diesen Thriller bevölkern, haben es mir angetan und gehören definitiv in einen Roadtrip. Dabei ist Dima für mich der uninteressanteste Charakter, gleich gefolgt von November, derjenigen, die Dimas Familie erledigt. Nein, keine Sorge, ich spoilere nicht, das weiß man von Anfang an. Die Nebencharaktere sind es, die diesen Thriller zu etwas besonderem machen. Dabei sind die Polizisten Horst Horst und Kamilla Rosenstock, die widerwillig und auf ganz eigene Art in dem Fall ermitteln. Die dicke Betty und der mit Drogen vollgepumpte Slick, die Dima aufgabeln und als Geisel nehmen, bis Dima die beiden als Geisel nimmt, gefolgt von zwei rothaarigen mysteriösen Zwillingen. Oder auch Simon, der normalste unter allen, der von November als Geisel, Fahrer und Lebensretter genutzt wird.

Zwischen diesen drei Erzählsträngen wird auch immer wieder hin und her geschaltet und nur der Leser weiß oft, wie nah diese Personen sich gegenseitig sind. Einmal folgen wir den beiden Polizisten, die dem Fall hinterherstochern, aber durch gute Intuition schon bald am Geschehen beteiligt sind. Dann wiederum folgen wir Dima, der mit Betty und Slick, auf der Suche nach November und Matilda ist. Und dann noch November und Simon, die in einem Rettungswagen aus den Bergen nach München und zurück gondeln, die wiederum immer auf der Suche nach Dima und Mathilda.

Neben diesen abwechselnd platzierten und ineinander verwobenen Erzählsträngen ist der weitere Aufbau des Thrillers ungewöhnlich, denn neben einem Prolog und der Hauptgeschichte, befinden sich anschließend zwei weitere Teile in dem Thriller: DAVOR und DANACH. Diese offenbaren, logischerweise, was vor der Situation auf dem Rastplatz geschehen ist und wie es nach dem Showdown – und ja, das ist mal wirklich ein Showdown, eleganterweise wieder auf dem gleichen Rastplatz wie zuvor – weitergeht. Dieser Aufbau sorgt aber eben dafür, dass der Showdown schon bei ungefähr 2/3 des Buches passiert – das tut der Spannung allerdings keinen Abbruch, sind doch noch so viele Fragen offen, die eben das DAVOR und DANACH klären.

Ich finde, ein Roadtrip bereitet immer einen ganz besonderen Reiz. Wenn man dies dann noch gelungenerweise in die bayrischen Berge versetzt, ohne das es jemand merkt und eben keine Alphörner sich dialektisch auskotzen oder Ermittler vor sich hingranteln, man dafür aber abgefahrene Karren, ein paar Waffen und Menschen, die nichts zu verlieren haben, hineinsetzt bekommt man eben einen absolut genialen Thriller, made in Germany. Basta.

Fazit:
Knallharter Roadtrip in und aus Deutschland, sowie aus Frauenhand – gibt es nicht? Gibt es eben doch. Und das verdammt gut. Unbedingt lessen!

8 Kommentare zu “Made in Germany: Last Shot – Hazel Frost

  1. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

  2. Da passt einfach alles, inklusive dem was fehlt: Alpenländischre Schenkelklopfer-Humor

  3. Jetzt muss ich mal blöd fragen: Ich kenne Messertanz und fand das nicht sehr prall, ist der Schreibstil hier anders? Oder was würdest sagen, worin sich die zwei Autorennamen unterscheiden?

    • Ich würde mal sagen, es unterscheiden sich nur die Autorennamen. Ich denke, der bewusst gewählte englisch/amerikanisch klingende Name und Titel soll eben auch genau dieses Gefühl hervorrufen. Das es sich amerikanisch anfühlt. Wie ein Roadtrip, trotz bayerischer Alpen.
      Ich habe Messertanz auch gelesen, ist aber schon ein paar Tage her. Ich habe es nicht schlecht in Erinnerung und mir hat es gut gefallen. Ich kann aber nach der Zeit keinen Vergleich mehr ziehen zwischen den beiden Büchern. Ich mochte Last Shot auf jeden Fall sehr. Vielleicht magst Du einfach kurz in die Leseprobe des Buches reinlesen – gibts auf der Seite vom Verlag. Da kann man den Prolog und die ersten vier Kapitel sehen. Wenn Dich das nicht überzeugt, würde ich die Finger von dem Buch lassen – es gibt ja auch noch ganz viele andere.

      • OK, ich hab die Leseprobe gelesen (das ich da nicht selbst drauf gekommen bin XD) Ist nichts für mich. Werde mit dem Stil auch über mehrere Seiten nicht warm :( aber wie so schön sagst: gibt ja noch viele andere Bücher da draußen :D

  4. Pulp Fiction in Oberbayern. Es ist teilweise schon bizarr, aber ich muss zugeben, dass es mich gut unterhalten hat.

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