Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Ab in den Urlaub: Lago Mortale – Giulia Conti

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Giulia Conti – Lago Mortale
Verlag: Atlantik Verlag
288 Seiten
ISBN: 978-3455005462

 

 

 

 

Eigentlich mache ich einen großen Bogen um „Urlaubskrimis“.  Dafür gibt es die verschiedensten Gründe, unter anderem, dass mich diese Urlaubsregionen als Urlaubsziel überhaupt nicht interessieren und falls doch, ich mir eher einen Reiseführer als einen Krimi dazu kaufe. Unter anderem aber auch, weil dahinter zu einer hohen Prozentzahl deutsche AutorInnen stecken, die ein passendes Pseudonym aus der Urlaubsregion verpasst bekommen und zumeist eben nicht aus diesem Land kommen, es höchstens bereist haben und ich deshalb befürchte, dass mir da die Kultur des Landes nicht authentisch genug beschrieben ist. Nun wollte es der Zufall aber, dass mir der Atlantikverlag einfach einen Urlaubskrimi zugeschickt hat und zwar vorliegenden „Lago Mortale“. Und letztes Wochenende hatte ich dann Lust darauf, da rein zu lesen und herauszufinden, ob Urlaubskrimis mich überzeugen können.

Simon Strasser, ein ehemaliger deutscher Journalist hat sich am Lago D’Orta ein kleines Häuschen gekauft und verbringt dort seine Tage, im Ruhestand ist er noch nicht ganz, verfasst er doch freiberuflich noch Texte für deutsche Magazine und Zeitungen. An einem heißen Augusttag entdeckt er die Yacht der Zanettis, einer reichen Industriellenfamilie, herrenlos im See treiben. Er schwimmt hinüber und entdeckt Marco Zanetti, einen Spross der Familie, mit Kopfverletzung tot auf dem Schiff. Ein Segelunfall? Zuerst sieht alles danach aus, doch Simon bleibt an dem Fall dran und gemeinsam mit Carla Moretti von den Carabinieri kommt er dem Tathergang nach und nach auf die Spur.

Wie ich erwartet hatte, liegt der Fokus ganz klar auf dem Piemont, auf dem Lago D’Orta und den umliegenden Dörfern und Gemeinden. So ganz klar ist mir nicht, wie Simon Strasser mit Mitte 50 schon quasi im „Ruhestand“ sein kann, aber er hat sich eine schöne Region dafür ausgesucht. Die Landschaftsbeschreibungen lassen einen durch den Piemont schweifen, einen Hauch von Urlaub spüren und bei den momentanen sommerlichen Temperaturen hat man dann fast schon das Gefühl vor Ort zu sein. Die Autorin teilt einem im Abschluss dann mit, dass die Ortschaften zwar existieren, sie aber die Orte schon nach ihrem Gusto passend zum Krimi verändert hat. Der Lago D’Orta hat noch eine besondere Geschichte, war er doch noch wenige Jahre zuvor sauer und jegliche Lebewesen abgetötet. Die umgebende Industrie hatte jahrelang ihre Abwässer in den See geleitet, doch tatsächlich hat die Regierung den See wieder aufgepäppelt, so dass er nun ein herrliches Touristenausflugsziel ist. Vielleicht noch nicht die Top-Sehenswürdigkeit, aber doch beliebt bei Touristen.

Simon Strasser ist nun kein Tourist, aber ein Einheimischer ist er auch nicht. Er hat Freunde unter den Italienern, auch Bekannte und Nachbarn, aber er ist und bleibt der „Tedesco“. Von manchen gutmütig gerufen, von anderen eher abschätzend. Als Journalist sind ihm Recherchen und Ermittlungen nun nicht ganz unbekannt, vor allem, da er auf Wirtschaft spezialisiert war und ist und die Zanetti Familie als Industriellenfamilie nun nicht ganz unbekannt für ihn ist. Da er freigeistig in den Tag hineinlebt und kaum Verpflichtungen hat, kann er sich natürlich gut in die Ermittlungen einmischen, wobei er zum Teil tatsächlich auch von der Polizei hinzugezogen wird.

Die Ermittlung ist in sich schlüssig, allerdings kommen die Carabinieri doch schlecht weg, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Polizei freiwillig einen Journalisten in ihre Ermittlungen einbezieht, gemeinsame vergangene Erlebnisse hin oder her. Und dann findet der Journalist den Täter auch noch vor den Carabinieri…. Nun ja, der Kriminalfall  war jedenfalls schlüssig, wenn auch nicht fürchterlich kompliziert. Es gab kaum Finten, so dass diese doch recht geradlinig ablief und natürlich in einem kleinen dramatischen Finale endete.

Der Piemont-Krimi war nun also genau das, was ich mir vorgestellt habe: leichte Unterhaltung mit ganz viel landschaftlicher Schönheit untermalt. Die Ermittlung war nun nicht herausragend, aber geschickt eingebettet und logisch aufgebaut. Thematisch bietet das Buch noch einen kleinen Abriss der Partisanen in Italien zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs, doch die Tat bleibt von dieser spannenden Vergangenheit leider unberührt. Insgesamt bietet der Krimi also viel Piemont, doch er lässt an Spannung und Hintergrund missen. Das Dolce Vita nimmt doch sehr viel Platz ein.

Fazit:
Krimilektüre für Urlaubsleser, Piemont-Liebhaber und Leser von unblutigen, regionalbezogenen Krimis. Und für welche, die an einem heißen Juli- oder Augusttag keinen Nerv für ausgefeilte oder düstere Ermittlungen haben und einfach nur locker-leichte Unterhaltung suchen.

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