Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Meisterwerk: Der Turm der blauen Pferde – Bernhard Jaumann

5 Kommentare


Bernhard Jaumann – Der Turm der blauen Pferde
Verlag: Galiani Berlin
336 Seiten
ISBN: 978-3869711416

 

 

 

 

Man muss jetzt kein großer Kunstkenner sein, um schon mal etwas von Franz Marcs „Turm der blauen Pferde“ gehört zu haben. Und das obwohl – oder eben gerade weil – das Bild seit Jahrzehnten als verschollen gilt. Während der Nazi-Zeit als entartete Kunst abgestempelt, wanderte es in den Besitz und die Verwaltung von Hermann Göring und verschwand in den letzten Tagen der Nazi-Herrschaft. Eine gar wunderbare Ausgangslage für eine Krimihandlung – das ist nicht nur meine Meinung, sondern hat sich wohl auch Bernhard Jaumann gedacht, der die Kunstdetektei von Schleewitz nach der Provenienz des Bildes suchen lässt, nachdem es plötzlich wieder auftaucht.

Der reiche Industrielle und Kunstsammler Egon Schwarzer, der „Schraubenkönig“, erwirbt in einer Nacht-und-Nebel Aktion für 3 Millionen Euro den „Turm der blauen Pferde“. Das Original von Franz Marc soll es sein, welches ein Kunstexperte bezeugt haben soll, die materialtechnische Prüfung steht aber noch aus. Derweil engagiert er die Kunstdetektei von Schleewitz, welche sich auf den Nachweis der Provenienz von Kunstwerken aller Art spezialisiert haben. Eigentümer Rupert von Schleewitz und seine beiden Mitarbeiter Klara Ivanovic und Max Müller machen sich auf die Suche, wobei jeder seine eigene Art und Weise hat, den Verbleib des Bildes in den letzten Jahrzehnten nachzuspüren.

Ich liebe ja Privatdetektive! Ungewöhnlich, zumindest für mich, ist, dass es hier nicht „nur“ ein Detektiv ist, sondern ein ganze Team. In der Realität vermute ich kommt sowas dann aber doch öfter vor als im literarischen Leben, da werden Detektive ja gerne als Einzelgänger und Eigenbrötler beschrieben. Die drei Teammitglieder sind sehr unterschiedlich und um ehrlich zu sein, harmonieren sie auch nicht sonderlich gut. Vor allem im letzten Drittel kommunizieren sie kaum noch miteinander und jeder geht seine eigenen Wege, nichtsdestotrotz haben alle Nachforschungen, die sie unternehmen mit dem Bild zu tun. Der „Turm der blauen Pferde“ übt nicht nur auf den Kunstsammler eine gewisse Faszination aus, sondern auch auf Rupert, Klara und Max.

Rupert ist der Chef und gibt die Anweisungen, er ist eingebildet, protzig und umgarnt immer wieder Klara. Er ist also, um es rund zu machen, nicht der beste Chef, den man erwischen kann, aber man kann mit ihm umgehen. Rupert ist kunstinteressiert, aber hat bei Weitem nicht das Fachwissen, welches Klara hat. Nicht nur stammt Klara aus einem Künstlerhaushalt, auch hat sie Kunst studiert. Dies hat sich automatisch so ergeben, denn ihre eigene Kunst war nie genug für ihren Vater so dass sie sich zwar nicht von der Kunst trennen konnte oder mochte, sich dann aber lieber der sicheren Seite, also der Kunstexpertise, zugewandt hat. Sie ist auch der Charakter, mit dem ich mich am meisten identifizieren konnte. Sie ist wohlüberlegt und versteht ihr Handwerk. Für zusätzliche Unterhaltung sorgt ihr Vater, ein exzentrischer Künstler, der aber langsam senil wird. Der Dritte im Bunde ist Max Müller. Er ist derjenige, der Recherchen durchführen soll, im Internet, in Bibliotheken, auch mal vor Ort. Er ist ein Spießer und hängt sehr an seiner Familie, seiner Frau und seinen zwei Töchtern, ist aber ahnungslos, dass sich seine Familie gerade verändert. Die Drei bilden ein ungewöhnliches Trio, für eine Ermittlung ist das nicht schlecht, denn so kommen alle Kompetenzen zusammen und ergänzen sich, allerdings müsste man dazu dann doch zusammenarbeiten. Wobei die Ermittlung auch so doch voran kommt, schon ein wenig verwunderlich.

Wer jetzt aber denkt, dass die drei nur staubige Akten durch wälzen, dem sei gesagt: mitnichten! Klar gehört das auch dazu, doch zuerst teilen sie sich auf. Rupert forscht nach demjenigen, der Schwarzer das Bild verkauft hat, Klara hängt sich logischerweise an das Bild und ist bei der Materialprüfung dabei, derweil Max nach Berlin abkommandiert wird, um zu recherchieren. Zwischen den Ermittlungen platziert der Autor immer wieder Rückblicke, die den Verbleib des Bildes für den Leser sichtbar machen, natürlich stückchenweise, genau abgepasst mit den Ermittlungen der Detektei. Sie stoßen auf zwei Morde, eine Frau, die eigentlich tot sein sollte, einen Raubüberfall und Diebstahl, einen Brand und vieles mehr – wie spannend doch Ermittlungen um ein Gemälde sein können!

Ein klein wenig Interesse für das Bild sollte man schon mitbringen, denn natürlich steht es im Fokus der Geschichte und wird des Öfteren ausgiebig betrachtet, beschrieben und gedeutet. Ein wenig verwunderlich ist es schon, wie ein 2m x 1,30m großes Bild einfach so verschwinden kann und seitdem nicht wieder gesichtet wurde, doch der Autor findet hier eine gute, aber natürlich fiktive Lösung. Einen Clou hat er am Ende noch eingebaut – natürlich neben der Auflösung, ob „Der Turm der blauen Pferde“ denn nun echt ist oder nicht – denn der Schluss lässt einen die Rückblicke, die er eingebaut hat, nochmal ganz anders betrachten. Sehr gelungen.

Fazit:
Auch wenn das Team der Detektei von Schleewitz nun noch nicht reibungslos läuft, gelingt es dem Autor eine „langweilige“ Ermittlung zur Provenienz des Gemäldes mit ordentlich Pfeffer zu würzen, so dass hier beim Lesen keine Langeweile aufkommt. Das Geheimnis um Franz Marcs berühmtes Gemälde bietet hier eine perfekte Grundlage und ich bin gespannt, ob der Autor einerseits ein weiteres spannendes Kunstwerk für den nächsten Fall ausgräbt und ob das Team dann gemeinsam ermittelt – ich wäre auf jeden Fall wieder mit dabei!

 

Von Franz Marc – The Yorck Project (2002) 10.000 Meisterwerke der Malerei (DVD-ROM), distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH. ISBN: 3936122202., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15945493

5 Kommentare zu “Meisterwerk: Der Turm der blauen Pferde – Bernhard Jaumann

  1. Derzeitiger Mangel an guten Krimis im Stapel ungelesener Bücher – Check!
    Generelles Faible für Krimis – Check!
    Interesse an Kunst, trotz absoluter diesbezüglicher Unkenntnis – Check!

    Tja, sieht so aus, als müsste ich mich diesem Buch mal zuwenden. Und ohne den Tipp wäre es sicherlich vollständig an mir vorbeigegangen, deshalb: Vielen Dank! :-)

    • Haha.. ein Mangel an Kunstexpertise herrscht bei mir auch… ist aber für das Buch zum Glück gar nicht nötig. Und ich helfe natürlich gerne mit, Deinen Stapel an ungelesenen Büchern wachsen zu lassen. :-)

  2. Klingt nicht schlecht. Ich mag ja seine Namibia-Krimis. Kennst du die?

    • Nein, leider noch nicht – ich muss auch zugeben, dass mir der Autor vor diesem Krimi gar nichts gesagt hat. Ich hab jetzt mal den ersten Namibia Krimi auf meine Wunschliste gesetzt.

  3. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

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