Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Roadtrip wider Willen: Dodgers – Bill Beverly

2 Kommentare


Bill Beverly – Dodgers
Verlag: Diogenes
Übersetzer: Hans M. Herzog
400 Seiten
ISBN: 978-3257609066

 

 

 

East ist für den Vorgarten zuständig. Seine Crew für die Straßen rundherum. Für den Vorgarten und die Straßen rund um das Drogenhaus. Doch dann geht etwas schief, das Haus fliegt auf, ein Mädchen wird erschossen. East erhält von Fin, dem Anführer, einen anderen Auftrag. Gemeinsam mit dem dicken, aber cleveren Walther, seinem Halbbruder Ty, jünger, aber kompromissloser als East, und Michael Wilson, dem einzigen über 18 aber noch keineswegs erwachsen, soll er quer durchs Land fahren und einen Richter, der gegen Fin aussagen will, erschießen. Keine Flüge, keine Bustickets, falsche Pässe und ein sauberer, unauffälliger Van, das sind die Bedingungen, zu denen sich die vier Jungs auf den Weg machen. In die Fremde, in die Einsamkeit, mit drei völlig Fremden. Eine Reise, ein Abenteuer, ein Roadtrip.

Hunderte Seiten darüber, wie vier Jungs, Kleinkriminelle, die USA durchqueren, um einen Mann zu ermorden, hört sich nun erst mal nicht so spannend an, doch Roadtrips halten immer wieder Überraschungen bereit und so ist es auch hier. Zwar mag die Reise selbst auch zählen, doch die spannenden Momente der Geschichte entstehen bei den Zwischenstopps. Als Michael einen Stpop in Las Vegas einlegt, damit die „Kleinen“ auch mal ein Casino von innen sehen, als die Jungs eine Anhalterin aufgabeln, als ein Polizeiwagen hinter ihnen herfährt und das Herz der Jungs schneller schlagen lässt und so weiter. Doch auch die Jungs alleine bieten viel Spannungspotenzial, streiten sich, sind nur selten einer Meinung, aber müssen sich eben zusammenraufen. So ein Van kann schnell eng werden und vier jugendliche aufbrausende Gemüter erhitzen.

Warm geworden bin ich mit dem Protagonisten East nicht. Er ist einer, der Befehle ausführt. Gut zu gebrauchen in hierarchischen Strukturen, aber nur als Ausführender. Er ist nicht dumm, aber eben eher einer, der sich zurückhält. Der sich genau an Fins Plan hält. Jemand, der nicht selbst den Plan ausheckt und auch keiner, der ihn durchsetzt, aber einer, der den Plan verfolgt. Ich fand ihn kühl und hab seine Beweggründe oft nicht komplett nachvollziehen können. Aber man muss ihm zu Gute halten, dass er ein ungewöhnlicher Protagonist ist. Viel besser hätte Ty oder Walter, ja sogar Michael als Protagonist gepasst, doch East bleibt für mich seltsam emotionslos, gesichtslos, unscheinbar und damit eben eine ungewöhnliche Wahl als Protagonist.

An einigen wenigen Stellen fand ich das Buch spannungsarm, es passiert eben auch mal eine Weile nichts, derweil die Jungs ihrem Ziel entgegen fahren. Doch tatsächlich ist es auch nicht das Ziel des Buches ein Pageturner zu sein. Es ist ein Roadmovie, aber auch eine Coming of Age Story, eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über vier Jungs aus der Großstadt, dem kriminellen Abschaum, die zu einer Odyssee aufbrechen. Es ist düster und trostlos, scheint oft hoffnungslos und doch kann auch die karge, einsame, aber bildgewaltige Landschaft, welche East zum ersten Mal sieht, überzeugen. Die Reise geht weiter, doch die Gruppe bröckelt, bis nur noch East übrig ist, der in eine Stadt heimkehrt, die er nicht wieder erkennt.

Es ist ein Noir Krimi und die Atmosphäre kann hier sehr überzeugen, der Roadtrip, die vier Jungs, auf dem Weg zum Erwachsenen, ein gelungenes Szenario. Und auch wenn ich nicht unbedingt Sympathie für den Helden der Geschichte empfinden muss, ist mir dieser hier doch egal. Schade, denn das macht das Buch für mich zu einem guten, aber keinem äußerst guten Buch.
Zudem darf man mir gerne erklären, was die orangene Kugel (vielleicht eine Orange?) mit den weißen Beinen auf dem Cover bedeuten soll. Es gibt zwar tatsächlich mal eine Orange als Snack im Buch, doch die hatte noch lange keine Beine – weiße Beine hatten im Buch sowieso nur die wenigsten.

Fazit:
Der Krimi punktet als Roadtrip und Coming-of-Age Story sowie mit den bildgewaltigen Landschaften, doch der Protagonist lässt mich leider kalt. Nichtsdestotrotz ein literarisch gut geschriebener Noir, bei dem mir aber eben das letzte Quäntchen gefehlt hat.

2 Kommentare zu “Roadtrip wider Willen: Dodgers – Bill Beverly

  1. Hallo,

    och, ich finde, „wie vier Jungs, Kleinkriminelle, die USA durchqueren, um einen Mann zu ermorden“ hört sich doch schon mal sehr interessant an!

    Schade, dass East als Protagonist so unterkühlt bleibt. Macht er denn im Laufe der Handlung eine spürbare Wandlung durch?

    LG,
    Mikka

    • Ah, die Tatsache, dass sie zu einem Mord fahren, ist natürlich interessant, aber eine tagelange Autofahrt ist wohl doch eher anstrengend. Die Zwischenstops „pimpen“ die Story aber auf!
      Nein, finde ich nicht, dass East viel an Entwicklung bzw. Wandlung zeigt. Allerdings ist das Ende dann so, dass er rückblickend vielleicht doch noch Rückschlüsse aus der Erfahrung zieht und daran wächst. Aber wer weiß… man kriegt es ja nicht mit.

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