Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Bitch vom Dienst: Schwarze Seele – Ellen Dunne

9 Kommentare


Ellen Dunne – Schwarze Seele
Verlag: Suhrkamp
375 Seiten
ISBN: 978-3458363835

 

 

 

 

Patsy Logan ist zurück!
Donal McFadden wird von seiner Schwester Siobhan vermisst gemeldet. Eigentlich sind Vermisste ja nicht Patsys Thema, aber weil sie ja so gut Englisch kann, wird ihr die Befragung mit Siobhan aufs Auge gedrückt. Währenddessen wird die Leiche des ertrunkenen Donal McFadden aus dem Fluss gezogen. War es ein Unfall? Oder besteht die Möglichkeit, dass der Ire geschubst wurde? Patsy beginnt zu ermitteln, derweil alle Kollegen von einem Unfall ausgehen. Und auch wenn es Ungereimtheiten gibt, tut sich Patsy schwer mit Beweisen, aber das Bauchgefühl gibt keine Ruhe.

Ein Mord, den fast alle für einen Unfall halten, dessen Ermittlung aber von der störrischen, irischen Kommissarin ohne Kompromiss weiter verfolgt wird, hat das wohl so an sich: er ist ein wenig zäh. Es gibt keine Beweise, höchstens Indizien und der Fall kommt einfach nicht so richtig vorwärts, auch wenn Patsy und ihre junge Kollegin Kris jegliche Register ziehen. Erst ein zweiter Unfall, bei dem man feststellen kann, dass es eben keiner war, bringt mehr Schwung in die Ermittlung. Nicht nur die Kollegen sind dann nicht mehr ganz so bärbeißig, sondern auch der Fluss der Ermittlungen nimmt zu, verschiedene Ansätze zeigen sich und die Ermittlung nimmt Fahrt auf.

Über die anfangs etwas zähe Ermittlung hinweg, hilft einem Patsy Logan, die Protagonistin des Krimis, die ich schon im ersten Teil „Harte Landung“ sehr mochte. Die störrische, schlagfertige Irin, von ihren Kollegen auch oft sehr uncharmant „Bitch vom Dienst“ genannt, ist schlicht und einfach eine sehr geniale Protagonistin. Von einigen Kollegen zwar entweder belächelt oder verspottet, hat sie die höchste Aufklärungsquote im Dezernat. Und auch wenn ihr früherer Kollege nun ihr Chef ist und sich einbildet, sie anleiten zu müssen, vertraut er doch auf ihr Bauchgefühl. Patsy ermittelt also weiter und hat recht, ganz ohne das nochmal extra zu erwähnen – ein sympathischer Zug von ihr. Patsy ist der Wahnsinn, aber als Frohnatur würde ich sie jetzt nicht, sondern sie hat schon ihre schweren, etwas melancholischen Seiten, die mir in diesem Teil mehr aufgefallen sind, vermutlich aufgrund ihres Lebens außerhalb der Ermittlungen.

Denn, nicht direkt im Fokus, aber schon sehr präsent ist Patsys Privatleben in diesem Teil der Serie. Patsy und ihr Mann Stefan versuchen schwanger zu werden und sind schon bei der fünften künstlichen Befruchtung angelangt. Ein Thema, welches Patsy belastet, welches die Beziehung belastet und welches Patsy zwar versucht, aus den Ermittlungen rauszuhalten, doch ihre Gedanken schweifen schon hin und wieder dorthin. Verständlicherweise kann sie das nun nicht ganz unterdrücken.  Außerdem taucht noch Patsys Bruder Robbie quasi unangekündigt auf. Ich bin kein so großer Fan von allzu vielen privaten Verwicklungen in Kriminalfällen, für mich muss der Fokus schon auf der Ermittlung liegen. Das tut er hier, allerdings war der Anteil an Privatem schon mehr als im ersten Teil. Ich persönlich würde es bevorzugen, wenn im nächsten Teil das Privatleben von Patsy wieder etwas mehr im Hintergrund bleibt, aber nichtsdestotrotz ist gerade die ungewollte Kinderlosigkeit ein Thema, über das nicht so gerne offen gesprochen wird, welches aber definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.

„Ich nickte. Schluckte und schluckte nochmal an gegen das Meer aus Blut, gegen das flimmernde Herz.
Großartig, Patsy Logan.
Ein Volltreffer ins eigene Knie.“ (S. 133)

Eine Sache, die ich sehr mag, ist der Schreibstil der Autorin. Vor allem wenn Patsy nachdenkt und quasi mit sich selbst spricht, ist er kurz und trocken, oft sarkastisch, aber auch oft bildhaft, ohne abzuschweifen. Eine Eigenart, die ich sehr mag und die ich gern gelesen habe. Zusätzlich gibt es noch Rückblenden, Mailbox- und Kurznachrichten sowie Emails, die den Text auflockern und mit eingeflochten sind auch Kapitel, die Einblicke aus anderen Perspektiven bieten, welche die Autorin bestimmt hauptsächlich eingefügt hat, damit man sich auf den falschen Täter fokussiert! Denn hier hat sie mich kalt erwischt und am Ende doch noch einen anderen Täter aus dem Hut gezaubert. Bravourös gelungen.

Auch wenn ich die Ermittlung im ersten Teil um Patsy Logan besser fand, als in dem vorliegenden Krimi, konnten mich vor allem die Protagonistin und der Schreibstil der Autorin wieder überzeugen. Ein klein wenig schade fand ich, dass Irland diesmal nur telefonisch dabei war, doch hier habe ich gute Nachrichten, denn es zeichnet sich ab, dass dies im nächsten Teil wieder anders ist. Wer jetzt hier allerdings einen münchnerischen Regionalkrimi erwartet, den muss ich – zum Glück – enttäuschen. Hier wird nicht gegrantelt oder bayrische Lebensart transportiert, doch München dient natürlich trotzdem als Kulisse der Ermittlung.

Fazit:
Während die Ermittlung etwas zäh beginnt, konnten mich Patsy Logan, die Protagonistin, und der Schreibstil der Autorin wieder für sich gewinnen. Ich freu mich schon auf das nächste Wiedersehen mit Patsy – in Irland!

9 Kommentare zu “Bitch vom Dienst: Schwarze Seele – Ellen Dunne

  1. okay, ich bin ja eh schon neugierig auf die Autorin, aber mit deinem Hinweis zu den Selbsgesprächen, bin ich jetzt noch mehr angefixt. Nach der LBM wird der erste Band geholt XD

    • Also, so richtige Selbstgespräche gibt es nicht – aber das Buch ist zum Großteil aus Patsys Perspektive geschrieben und hin und wieder gibt sie sich schon selbst Kommentare.
      Aber ich liebe Patsy Logan – Du musst unbedingt in die Reihe reinlesen. Auch wenn in diesem Band der Kriminalfall nicht so stark war, ist alleine Patsy schon ausreichend, um weiterzulesen. Sie ist mega!

      • Ay, Ay!
        Ich lese rein!
        Wie gesagt, nach der LBM :3

        • Ah, da wünsch ich Dir viel Spaß bei der LBM! Ich bin dieses Jahr nicht dabei, dafür bin ich bei den Stuttgarter Krimi-Wochen vertreten. Die sind vom Aufwand her für mich leichter zu stemmen.
          Aber ich vermute, Du bist auch bei der Manga-Comic-Con zu finden? Da bietet sich die Kombination in Leipzig schon an.

          • Ich mag das Gelände einfach lieber ;)
            Aber ja, die MCC ist da natürlich viel schöner!
            In Frankfurt ist das eher ein Schandfleck…

            Von den Stuttgarter Krimiwochen hab ich noch nix gehört, wird aber sicher so was sein, wie es auch in Köln immer gibt?!

          • In Frankfurt auf der Buchmesse war ich noch nie – obwohl ich da ja eigentlich näher wohne. Ich denke immer, die Leipziger Buchmesse ist eher für den Leser, die in Frankfurt für die Branche… und deshalb mag ich da gar nicht hin.

            Ich hab keine Ahnung was es in Köln gibt… :-)
            Aber ich vermute ja – es sind eben über zwei Wochen verteilt verschiedene Lesungen abends und auch mal ein Krimitheater etc., an verschiedenen Orten über Stuttgart verteilt. Ich glaube, eine Preisverleihung gibt es auch noch. Ich hab auf jeden Fall 6 Abende gebucht – jeden zweiten Abend eine und bin schon ein wenig in Sorge, dass mich das stresst. Aber mal sehen, es wird bestimmt toll. Und wie hätte ich schließlich Sara Gran, Dominique Manotti, Christine Lehmann, Jerome Leroy, Melanie Raabe und den Herland Autorinnen widerstehen können? :-D

          • (kann unten nicht „antworten“ daher für ich es hier ein)

            Ja, das klingt nach der Crime Cologne, in KOblenz heißt es ganzOhr, allerdings gefällt mir das selten das Programm. Da ich ja nun abends eher mal Zeit hab, werd ich Köln dieses Jahr sehr im Auge behalten! Ist nur eine Stunde mit dem Zug von mir weg :3

          • Das geht mir ähnlich – oft gefällt mir das Programm nicht so oder nur sehr wenige Punkte von solchen „Krimi-Wochen“, doch diesmal hab ich tatsächlich mehr gefunden. Wenn ich mir das jetzt so ansehe, sieht es fast schon nach Stress für mich aus nächste Woche…. :-D

  2. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

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