Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Gehirnschaltung: Eine Studentin – Peter Schmidt

Hinterlasse einen Kommentar


Peter Schmidt – Eine Studentin
Verlag: Selfpublishing
323 Seiten
ISBN: 978-1717843135

 

 

 

 

Carolin Meyers ist Studentin und möchte unbedingt in den Kreis der Auserwählten kommen, die an einem Arbeitskreis bei Professor Cesare Hollando, einem genialen Wissenschaftler, der eben mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, teilnehmen dürfen. Mit Ehrgeiz und gewieften Antworten kann sie Hollandes Aufmerksamkeit auf sich ziehen und schafft es in den Arbeitskreis. Derweil leitet Carolins Bruder Robert seine erste Ermittlung als Hauptkommissar, bei der mehrere Frauen ohne Gedächtnis aufgefunden wurden. Eine Frau zeigte blaue Flecken, eine wurde kahl geschoren, einer Frau fehlt ein Auge. Sie können sich weder erinnern, was mit ihnen passiert ist, noch an ihr Leben bevor ihnen diese Verletzungen zugefügt wurden. Robert zieht Carolin mit in die Ermittlung. Da er nicht weiterkommt schlägt Carolin nicht nur vor, Cesare Hollandes Expertise einzuholen, sondern zieht auch selbst Erkundigungen ein und gerät somit in den Fokus des Täters.

Mit Carolin Meyers musste ich mich erst ein wenig anfreunden, bevor… ah, dazu kommen wir später. Sie ist sehr klug und belesen und ist deshalb als Studentin der Neurowissenschaften gut aufgehoben. Tatsächlich möchte ich nicht zu viel über ihren Charakter verraten, doch erwähnen möchte ich, dass sie mir am Anfang vorkam wie eine Stalkerin. Sie ist sehr erpicht darauf, dass Cesare Hollande sie nicht nur wahrnimmt, sondern bevorzugt. Im Seminar als auch im Arbeitskreis – und Sex würde sie auch nicht ablehnen und fragt sich öfters, warum er da nicht endlich auf sie zukommt. Im Übrigen fliegt sie auch nach Stockholm, um ihn bei der Nobelpreisverleihung zu sehen. Alles in allem, war mir das ein wenig überzogen. Die Geschichte wendet sich dann in eine ganz andere Richtung, aber ich habe Carolin einfach als sehr intensiv wahrgenommen habe. Dies spiegelt sich dann auch wieder in dem Elan und der Verbissenheit wieder, in der sie nach dem Täter fahndet, aber auch im weiteren Verlauf der Geschichte. Ein zu zufälliger Zufall, und auch ein seltsames Verhalten seitens Carolin zeigt sich dann noch in Bezug auf Amelie, ein Mädchen, welches sie findet, ein weiteres Opfer.

Cesare Hollande ist ganz der eingebildete Professer, wie wir ihn uns vorstellen, allerdings hält er noch Geheimnisse bereit. Der Grund für seinen Nobelpreis findet sich im sogenannten Aversio-Genetic-Toggle-Switch, eine Art genetischen Schalter im Gehirn, der für körperliche aber auch seelische Leiden zuständig ist. Hollande hat eine Möglichkeit entdeckt, diesen Schalter auszuschalten und damit z. B. Schmerzpatienten von ihren Leiden zu befreien. Natürlich ist das nur eine Verwendungsmöglichkeit und weitere bieten sich an. Eine bahnbrechende Entdeckung, die Hollande verdientermaßen den Nobelpreis verschafft.
Robert hingegen, Carolins Bruder, bleibt für mich blass. Selbst die Beziehung seiner Schwester zu ihm, fand ich zwar kameradschaftlich, aber wenig geschwisterhaft. Tatsächlich sind aber nicht unbedingt die Charaktere das Hauptaugenmerk des Thrillers, schon gar nicht die Nebencharaktere.

Am Anfang, vor allem in einer Szene, in der Carolin während einer Vorlesung Hollandes mit Wissen glänzt, fand ich es schwierig den Thriller zu lesen. Eben ein bisschen wie eine Vorlesung – und wenn man nicht gerade im Thema drin ist, erfordert das ein wenig Denkarbeit. Auch springt mir das Buch am Anfang zu stark, man lernt Carolin zwar kennen, aber es fühlt sich gehetzt an. Doch in späteren Zweiergesprächen zwischen Carolin und Hollande kann man den philosophischen Diskussionen, die sich nicht nur um Hollandes Forschung drehen, wesentlich besser folgen und es macht auch mehr Spaß diese zu lesen. Zudem schärft sich der Fokus des Buches und das Sprunghafte verliert sich.

Der Fokus liegt ganz klar auf der philosophischen Diskussion zwischen Carolin und Hollande, welche die beiden Fragen erörtern, inwieweit medizinische Forschungsmethoden vertretbar sind und ob Forschungsergebnisse, wenn diese sowohl zum Guten als auch zum Bösen verwendet werden können, es trotzdem wert sind, der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt zu werden. Es geht um Fragen der Moral und der Ethik, wobei sich beide, Carolin und Hollande, auf philosophische Thesen stützen und diese als Untermauerung ihrer Meinungen hernehmen. Man braucht nicht unbedingt philosophisches Vorwissen, um hier folgen zu können (das ich im Übrigen auch nicht vorweise), doch schaden kann es bestimmt auch nicht.

Wer jetzt fürchtet, dass die Thrillerelemente zu kurz kommen, dem sei gesagt, dass dem nicht so ist, allerdings würde ich hier wirklich zu viel verraten, wenn ich darauf eingehen würde. Ich sage mal nur so viel: es wird perfide und böse. Ich bin ja tatsächlich nicht ganz so für durch und durch böse Mörder zu haben, aber den vom Autor gewählten Ansatz fand ich ungewöhnlich und innovativ. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, die wiederum in Kapitel unterteilt sind. Es gibt zwei unvorhergesehene Wendungen, einmal zum Ende des zweiten Teils / Beginn des dritten Teils und dann am Ende des Buches. Das Finale fand ich wirklich überraschend, denn der Leser wird mit der Frage nach Hause geschickt, wer hier denn eigentlich das Monster ist und man klappt das Buch irritiert und grübelnd zu.

Fazit:
Ein Thriller, mit dem ich anfangs ein wenig zu kämpfen hatte, der mich dann aber ab dem zweiten Drittel überzeugen konnte, trotz aber auch durch die philosophischen Diskussionen der beiden Protagonisten.

 

Nachtrag, 26.02.2019:
Der Autor hat mir mitgeteilt, dass von dem Thriller mittlerweile eine revidierte, neue Fassung im Februar erschienen ist. Dies ist besonders erwähnenswert, da vor allem der Anfang verändert wurde, um ihn angenehmer für den Leser zu gestalten – einer meiner obigen Kritikpunkte. Eine gute Sache also!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.