Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Der Botschafter, die Nonne und der Vermittler: Protokoll für eine Entführung – Ross Thomas

Ein Kommentar


Ross Thomas – Protokoll für eine Entführung
Verlag: Alexander Verlag Berlin
Übersetzer: Wilm W. Elwenspoek, bearbeitet von Jana Frey und Jochen Stremmel
262 Seiten
ISBN: 978-3895814235

 

 

 

 

Worum geht es?
Besser als im Klappentext kann man das fast nicht zusammenfassen, man möge mir also verzeihen, dass ich hier mal frech davon klaue: „Der amerikanische Botschafter in Belgrad will eine zukünftige Nonne heiraten und wird zur Strafe von seinem eigenen Geheimdienst gewaltsam entführt, der für seine Freilassung eine Million Dollar zahlt – an sich selbst!“
Bombe – bei der Beschreibung, wer kann da schon widerstehen?

Einer wie der andere?
Ja, auch hier versucht Philip St. Ives, Vermittler zwischen Verbrechern und Opfern sowie der Held der Geschichte, sich wieder weitgehend aus allem rauszuhalten und die Übergabe der Million glimpflich zu überstehen. Als Vermittler muss er neutral sein, doch diesmal fällt ihm das nicht nur schwer, sondern er wirft am Ende seine Neutralität sogar über Bord, versucht die Entführer zu übertölpeln und Leben zu retten.
Eine weitere Besonderheit ist, dass St. Ives seine beiden Freunde, Henry Knight, einen Schauspieler, und Park Tyler Wisdom III., einen Erben und Lebemann, mit nach Jugoslawien nimmt. Mal ganz abgesehen davon, dass die beiden schon ein ulkiges Pärchen sind (nur platonisch), ergeben sie mit St. Ives ein Trio Infernale und ein Kalauer jagt den nächsten. Ob die beiden in Jugoslawien allerdings tatsächlich nützlich sind… hm.

Opfer, Tat und Täter
Hm, der Botschafter ist kein so richtiges Opfer. Schon eher die Nonne, eigentlich ein junges Mädchen, dessen Großvater als Schriftsteller politisches Hausarrest bekommen hat, und beide sollen als Zugabe zu der Million gegen den Botschafter getauscht werden. Und noch eigentlicher ein Jugoslawe, ehemalige rechte Hand und Geheimnisträger. Die Täter? Jugoslawien und die USA, genauer gesagt, die CIA.

Themen
Geheimnisse, verratene Geheimnisse und ein alter verliebter Depp. Aber als zweiter Protagonist: Jugoslawien in den Siebzigern, Tito, viele Nationalitäten und doch ein Land. Vielleicht ist es Einbildung, denn man weiß ja, wie es dann gekommen ist, aber es läuft einem schon ein leichter Schauer über den Rücken, wenn fast kein Jugoslawe im Buch sich als Jugoslawe sieht, sondern als Serbe, Kroate, Bosnier…

Was war gut?
Der Einblick in das Jugoslawien der 70er Jahre hat mir gut gefallen, aber um ehrlich zu sein, hätte St. Ives auch nach Timbuktu reisen können – es wäre trotzdem eine spannende, verwickelte Geschichte gewesen, bei der man keinem hätte trauen können und jeder ein doppeltes Spiel spielt. Nach einigen solchen Begegnungen, schnappt sich St. Ives seine Freunde, die angehende Nonne, seine CIA Aufpasserin und den Jugoslawen und begibt sich auf eine wilde Autofahrt, die nach einem gefährlichen Ritt an einer verschneiten Berghütte endet. Ein turbulentes, eiskaltes Finale sozusagen.

Was war schlecht?
Hm, ja, na ja, tatsächlich hat mir „Der Messingdeal“ ein klitzekleines bisschen besser gefallen. Zwar ist man bei beiden Stories seitenlang herrlich unwissend und fragt sich, was da eigentlich dahinter steckt, doch die Auflösung beim ersten Teil hat mir besser gefallen. Vielleicht wegen dem Schild. So, ein Schild mit 1m Durchmesser ist schon ein beeindruckendes Diebesgut (siehe hier)

FAZIT:
Auslandseinsatz für St. Ives – doch auch in Jugoslawien ist keiner wie er auf den ersten Blick erscheint und bis St. Ives das Ganze entworren hat, ist es fast schon zu spät. Vermittler St. Ives gefällt mir immer mehr und ich drücke jetzt schon die Daumen, dass der Alexander Verlag recht bald den dritten Teil der Serie neu auflegt.

Ein Kommentar zu “Der Botschafter, die Nonne und der Vermittler: Protokoll für eine Entführung – Ross Thomas

  1. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.