Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Wer ist Arthur Grimm?: Der Schatten – Melanie Raabe

10 Kommentare


Melanie Raabe – Der Schatten
Verlag: btb
414 Seiten
ISBN: 978-3442757527

 

 

 

 

 

Melanie Raabe ist so eine Autorin, bei der ich schon ganz lange reinschnuppern will. Nach „Die Falle“ und „Die Wahrheit“ ist dies hier schon das dritte Buch der Autorin, da sie aber keine Reihe schreibt, sondern die Thriller ganz unabhängig voneinander sind, hab ich jetzt eben erst mal in den aktuellsten Thriller rein geschnuppert.

Norah Richter beginnt in Wien ein neues Leben. Nach einer Klage und einer Trennung kommt das Jobangebot eines neuen Wiener Wochenmagazins gerade recht. Norah packt ihre sieben Sachen und bezieht eine Wohnung in Wien, lässt alten Job, Exfreund, aber auch Freunde zurück. Zum Glück hat sie schon ein paar gute Freunde in Wien: Tanja sowie Max und Paul.

Auf dem Weg zur neuen Arbeitsstelle spricht sie eine Bettlerin an und prophezeit ihr, dass sie am 11. Februar Arthur Grimm töten wird, aus freiem Willen und mit gutem Grund. Ein verwirrendes Ereignis, kennt Norah doch gar keinen Arthur Grimm. Der 11. Februar hingegen ist der Todestag ihrer Jugendfreundin Valerie. Was es mit der Bettlerin wohl auf sich hat? Norah versucht sie wieder zu finden, doch zuerst vergebens, bevor sie die Bettlerin tot im Fluss treiben sieht.

Ich lese ja nicht mehr so viele Psychothriller, denn das Schema ist, auch wenn diese natürlich meist ungemein spannend sind, eben doch oft dasselbe. Nichtsdestotrotz ist man meist sofort im Geschehen, fragt sich, ob dies oder jenes wirklich passiert, zweifelt und forscht mit dem/der Protagonistin, mittendrin eben statt nur dabei. Beim vorliegenden Thriller ist es allerdings so, dass dieser doch eine Weile braucht, bis er in Fahrt kommt. Norah reist nach Wien, richtet sich ein, grübelt manchmal über Vergangenes, oft auch über die Zukunft, sucht zwar keinen Kontakt zu ihren Kollegen, aber dafür zu ihren Wiener Freunden. Sie richtet sich eben ein in Wien. Auch das Auftauchen der Bettlerin ist zwar erst mal seltsam, aber noch kein Grund für Norah panisch zu werden.

Norah ist eine engagierte, junge Journalistin. Hauptsächlich arbeitet sie im Kulturbereich, macht aber auch Reportagen und Berichte. Norah ist eher zurückgezogen, findet nicht einfach Kontakt, hat aber einige gute Freunde. Mit ihrem Freund Alex hat sie sich überworfen, da er ihr bei einem Artikel, der ihr eine Klage einbrachte, nicht beisteht. Ob diese Reaktion angemessen war, zweifeln ihre Freunde an, doch Norah ist da konsequent. Sie springt für Frauen in die Presche, die sich nicht wehren können, Recht und Gerechtigkeit sind ihr wichtig. Norah ist eine angenehme Protagonistin und man kann viele ihrer Reaktionen nachvollziehen und sich mit ihr identifizieren.

Die Aussage der alten Bettlerin arbeitet in Norah und sie beginnt Nachforschungen über Arthur Grimm zu machen. Derweil geschehen ihr weiterhin merkwürdige Dinge, die einzeln unauffällig sind, doch in Summe beunruhigend. Sei es die Nachbarin, die ihrer verstorbenen Freundin sehr ähnlich sieht, sei es der neue Zahnarzt, der zufällig im gleichen Gebäude ein Praxis hat wie Arthur Grimm sein Büro oder sei es ein Plüschkaninchen, welches plötzlich in ihrer Wohnung auftaucht. Die Geschehnisse verunsichern Norah, bringen sie zum Nachdenken. Wird sie paranoid, sind die Vorfälle echt, besteht ein Zusammenhang? Hier wird mit Norah und ihrem Verstand gespielt, aber natürlich auch mit dem des Lesers. Erlebt Norah dies wirklich? Bildet sie es sich nur ein? Wenn nicht, sind es Zufälle?

Auch wenn es ein wenig dauert, bis dieser gespannte Zustand der Verunsicherung beginnt, hat er es doch in sich. Immer mehr Zufälligkeiten häufen sich, so dass weder Norah noch ich als Leser das abtun können, doch Norah ist in Wien wie abgeschnitten. Teils hat sie das selbst verschuldet, doch zum Teil ist das eben so, wenn man in einer anderen Stadt neu anfängt. Dieser Umstand macht die Begebenheiten noch unheimlicher, eine neue Umgebung, kaum Freunde, kein Kontakt zu den Kollegen… und der 11. Februar nähert sich unaufhörlich.

Die Ursache der Zufälle, bzw. das Ende hat mich dann überrascht, ich hatte tatsächlich keine Vermutung, was dahinter steckt. Doch das Ende wird dann auch sehr ausführlich noch besprochen. Das heißt zum einen zwar, dass jede Zufälligkeit sich aufklärt und keine Fragen offen bleiben, doch hätte hier auch weniger Ausführlichkeit gereicht. So dehnt sich das Ende, welches mit dem Showdown am 11. Februar beginnt und dann in einen Rückblick und Aufklärung der Geschehnisse übergeht, doch noch über die letzten ca. 100 Seiten. So fehlte mir am Anfang und am Ende Spannung, die aber im Mittelteil kontinuierlich und unheimlich spannend vorhanden war.

Fazit:
Der Thriller ließ am Anfang und am Ende ein wenig Spannung missen, doch den Mittelteil verbringt man in gespannter Erwartung gemeinsam mit Norah Richter, die sich lange fragen muss: werde ich verrückt?, bevor sich der Thriller mit einer Überraschung auflöst.

10 Kommentare zu “Wer ist Arthur Grimm?: Der Schatten – Melanie Raabe

  1. Ich habe mich an mal an diesem Buch versucht, nachdem die Autorin allerseits gelobt wird. Aber irgendwie sind diese Art Thriller nicht mehr meins. Langatmig und in gewisser Weise schematisch aufgebaut. Die Auflösung ist zwar pfiffig, aber auch an den Haaren herbeigezogen.

    • Psychothriller sind auch nicht mehr so meins, aber hin und wieder les ich sie ganz gerne. Von Jutta Maria Herrmann zum Beispiel. Wobei mir die von Jutta besser gefallen haben.
      Eine etwas haarsträubende Auflösung hab ich erwartet – ist das nicht mittlerweile meist so bei dieser Art von Büchern? – aber etwas genervt war ich von dem schwachen Start. So ein Buch muss eigentlich von Beginn an „zünden“.

  2. Pingback: Challenges 2019 | Die dunklen Felle

  3. Ich habe alle drei Romane von Melanie Raabe gelesen und „Der Schatten“ gefällt mir bisher am besten, wobei „Die Falle“ nicht weit dahinter steht. Nur „Die Wahrheit“ hat mich nicht so ganz überzeugt.
    Ich mag es sehr, wie Melanie Raabe mit der Sprache umgeht, schöne Bilder damit entwirft, aber sich nicht zu sehr damit verkünstlert. Deshalb finde ich auch die ruhigen Passagen gelungen, denn da kommt bei „Der Schatten“ die winterlich-morbide Atmosphäre Wiens schön zum Vorschein.
    LG Gabi

    • Da hast Du natürlich recht, gerade am Anfang wandert man mit Norah durch Wien und bekommt einen stimmigen Blick auf die Stadt. Wahrscheinlich ist das bei mir einfach an meinen Erwartungen gescheitert, Ich hatte mir vorgestellt, direkt in die Spannung hineingeworfen zu werden. Auch wenn man es versucht, so ganz kann man Erwartungen wohl nicht unterdrücken, aber für das nächste Mal weiß ich ja nun Bescheid. Da bin ich froh, dass „Die Falle“ schon in meinem SUB ausharrt – wenn das Buch an „Der Schatten“ heranreicht, ist und bleibt es auf jeden Fall auf der Leseliste.
      Schönen Abend!
      Christina

  4. Hab das Hörbuch bereits hier (= Mir gefiel „Die Falle“ (Print) unglaublich gut und bei „Die Wahrheit“ war ich froh das Hörbuch gewählt zu haben. Nun machst du mich nochmals auf die Geschichte neugierig und ich denke das wird meine nächste Geschichte nach meinem aktuellem Hörbuch!
    Wenn der Anfang etwas spannungsarm ist, die Geschichte aber dann die Kurve bekommt und mit Überraschungen begeistert, finde ich das immer besser, als wenn eine Geschichte stark anfängt und dann immer mehr schwächelt.

    Mukkelige Grüße

    • Na dann bin ich nochmal unheimlich froh, dass ich „Die Falle“ schon in meinem SUB beherberge.
      Und du hast natürlich recht – lieber am Anfang ein wenig Spannung missen als am Ende. Fehlende Spannung am Ende wäre eine Katastrophe! Aber am liebsten hab ich trotzdem, wenn ein Buch beides bietet. :-)

      • Absolut, wenn gerade dieses Genre beides bedient – Top! Aber ich bin nachsichtiger wenn der Anfang etwas braucht, als wenn das Ende total abflaut. Bin nun schon inmitten des Hörbuchs „Der Schatten“ und wirklich neugierig was sich hinter all den kuriosen Situationen verbirgt!

  5. Ich fand „Der Schatten“ als Hörbuch ganz überzeugend. Nur der Stimmenwechsel gegen Ende – völlig überflüssig und unmotiviert – nervte gewaltig. Inhaltlich war ich aber die ganze Zeit über am Ball und habe mich letztlich sehr gut unterhalten gefühlt. Hat mir sehr viel besser gefallen als „Die Wahrheit“, bei der ich mehrfach beinahe ausgestiegen wäre.

    • Zum Hörbuch kann ich natürlich nichts sagen – ich hab leider nicht immer ausreichend Geduld für ein Hörbuch, da ich zu schnell abschweife und andere Dinge anfange. Aber wenn Du sagst, „Der Schatten“ hat Dir besser gefallen als „Die Wahrheit“… hm, ach, soll ich es nun noch lesen oder nicht? Es gibt noch so viele Bücher, die in meinem SUB schlummern… Ach, ich glaub, letztendlich werde ich mir wohl doch meine eigene Meinung bilden müssen. Irgendwann zumindest… der SUB ist ja geduldiger als ich. :-)

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