Die dunklen Felle

Krimis, Thriller und Science Fiction

Heimlich, still und leise: Jagdsaison, Ein mörderischer Reisebericht – Nina Casement

Ein Kommentar


Nina Casement – Jagdsaison, Ein mörderischer Reisebericht
Verlag: Selfpublisher
220 Seiten
ISBN: 978-3752841978

 

 

 

 

 

Fred, eigentlich Frederika, begibt sich auf eine Reise durch Skandinavien. Nach einer herben und schmerzlichen Enttäuschung, bestehend aus ihrem Freund und ihrer besten Freundin, bricht sie mit ihren restlichen Ersparnissen auf, um diese Geschichte hinter sich zu lassen und sich wieder zu finden. Trotz gutem Budget, für eine längerfristige Reise arbeitet sie hier und da, fragt nach abgelaufenen Lebensmitteln und bittet um Unterkunft oder Fahrgelegenheiten. In einer Jugendherberge trifft sie auf Lars und seinen Kumpel, die Skandinavien auf der Suche nach guten Jagdgründen durchstreifen. Lars ist sehr schüchtern, doch langsam freunden sich die beiden an. Lars Kumpel hingegen, älter und bedächtiger, ist zwar nett, aber Fred hat keinen Draht zu ihm. Trotzdem nimmt sie das Mitfahrangebot gerne an und macht sich mit den beiden auf den Weg gen Norden.

Fred findet nicht leicht Kontakt zu anderen, ist eher ruhig und nachdenklich, fragt sich oft, ob sie dieses oder jenes nun sagen soll. Einen Dämpfer hat ihr die Affäre ihres Freundes mit ihrer besten Freundin versetzt und sie quasi in diese Reise gezwungen. Ihre Eltern sind schon lange tot und so hält sie nichts in Deutschland. Mit Fred durchquert man Dänemark und weite Teile Schwedens, besichtigt Burgen und Schlösser, Nationalparks und Wikingerdörfer – man bekommt so richtig Lust auf eine Reise nach Skandinavien, auf die Schönheit und Wildheit der nördlichen Länder. Auch wenn es hier einsame Landstriche gibt, tut Fred die Reise sehr gut, allein mit sich besinnt sie sich auf ihre früheren Gewohnheiten, läuft viel und genießt die Natur.

Lars und sein Mentor sind die zweiten Protagonisten des Buches. Derweil man allerdings über den Älteren nur wenig erfährt, noch nicht mal seinen Namen, sieht man alles aus Lars Sicht und folgt seinen Gedankengängen. Ein verunsicherter, schüchterner Mann, der eine fatale Leidenschaft hat. Mit ihm geht man zurück in seine Jugend, in der er seine Schwester verliert und damit auch den Halt in der Gesellschaft. Die beiden Männer bringen das „mörderische“ in den Reisebericht, den wohl gewählten Untertitel des Buches. Nun mag die Art und Weise, wie die beiden sich ihrem Vergnügen widmen nicht neu sein, zu viele Krimiserien im Fernsehen widmen sich diesem Thema, auch wenn es meist die amerikanischen Wälder sind, und nicht die skandinavischen, doch durch Lars Freundschaft mit Fred zeigt sich ein weiterer Aspekt und der Ausgang ist ungewiss.

Der heimliche Favorit der Geschichte, zumindest meiner, ist Karl Andersson. Ein Polizist im Innendienst, der nichts anders tut als Papiere zu wälzen, pünktlich Feierabend zu machen und von seiner Chefin gehasst wird. Ein ältlicher, dicklicher Einzelgänger, der sich hin und wieder einen Stricher nach Hause holt, um wenigstens etwas Liebe (oder so was ähnliches) zu bekommen. Doch Karl Andersson sitzt an einem Knotenpunkt. An einem Punkt, an dem Meldungen von anderen Ländern rein flattern, die er in die entsprechenden Abteilungen weiterleitet. Und da sind zwei, kurz hintereinander, die in seinem Kopf hängen bleiben und anfangen zu arbeiten. Plötzlich ist Karl an einer Spur dran, bleibt aber gemächlich, denkt nach, forscht, ist sich unsicher. Und doch ist er für mich der heimliche Star der Geschichte.

Die Geschichte ist unblutig und mit nur leiser Spannung versehen. Am Anfang ist es auch eher der Reisebericht, der im Vordergrund steht, Fred läuft so einige Städte und Sehenswürdigkeiten ab. Doch mit abnehmendem Budget muss sie auch Risiken eingehen. Derweil folgt man den beiden Männern auf ihrer Reiseroute und sieht das Unglück auf Fred zukommen. Und doch kommt es anders als man denkt. Das Buch lässt sich leicht lesen und auch wenn die Spannung oft nur im Hintergrund leise lauert, ist sie doch da und man ist neugierig, wie es denn nun endet. Lars Gedankenwelt eröffnet zwei mögliche Enden und man ist doch gespannt, welche sich ergeben wird. Man taucht abwechselnd in die Gedanken von Fred, Lars und Karl und sieht sie aufeinander zustreben, doch wie es dann letztendlich ausgeht, bleibt lange verborgen.

Fazit:
Eine feine Geschichte mit leiser Spannung, etwas zwischen Krimi und Thriller, mit vielen wunderschönen Details aus Skandinavien, die einem Lust machen, dorthin die nächste Reise zu planen. Natürlich ohne per Anhalter zu fahren!

 

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